Wikipedia

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Dieser Artikel behandelt die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Für die deutschsprachige Ausgabe siehe Deutschsprachige Wikipedia. Für den gleichnamigen Asteroiden siehe (274301) Wikipedia.
Wikipedia
180px
Logo von Wikipedia
Werbespruch Die freie Enzyklopädie
Kommerziell nein
Beschreibung Wiki einer freien, kollektiv erstellten Online-Enzyklopädie
Registrierung optional
Sprachen 295
Artikelanzahl Über 49,3 Millionen (Stand: Januar 2019)[1]
Eigentümer Wikimedia Foundation
Urheber angemeldete und nicht angemeldete Autoren nach dem Prinzip kollaborativen Schreibens
Erschienen 15. Januar 2001
URL www.wikipedia.org (Übersicht)
de.wikipedia.org (deutschsprachige Version)

Wikipedia ist ein im Jahre 2001 gegründetes Wiki, das eine Online-Enzyklopädie entwickeln sollte. Wikipedia gibt es in mehreren Sprachen. In vielen Bereichen hat es gedruckte und redaktionelle Universallexika verdrängt. Die jeweiligen Sprachversionen des Projekts werden weitgehend unabhängig voneinander weiterentwickelt. Mittlerweile existiert eine App der Wikipedia. Mit Hilfe von mehreren Tausend freiwilligen Helfern ist inzwischen durch ein hohes Spendenaufkommen ein professionell geführtes Unternehmen entstanden.[2]

1 Größe und Wettbewerber

Mit derzeit mehr 5 Millionen Artikeln ist die englische Version die größte Wikipedia Ausgabe. Unabhängige Alternativen zur Wikipedia als Universallexikon sind im deutschsprachigen Raum PlusPedia, für die Niederlande das Wikisage und für die englische Sprache Everipedia; diese sind libertär und versuchen, ohne die in Wikipedia üblichen Querelen auszukommen. Es gibt zahlreiche Alternativen zu Wikipedia mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

2 Kritik an Wikipedia

Weltweit ist die Wikipedia in ihrer Entwicklung mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Manche bezeichnen das als Schwarmintelligenz. Das unterscheidet sie von einer systematisch aufgebauten Enzyklopädie. In der Anfangszeit wuchsen die englische und die deutsche Version sehr stark. Ein Kritiker schrieb 2013 dazu: „Wikipedia-Wissen bleibt deshalb weiß, westlich und männlich.“[3]

An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) entstand das wissenschaftliche Projekt Wiki-Watch, das sich kritisch mit Wikipedia befasst und auch die Zuverlässigkeit der Texte beurteilt. In diesem Projekt wird der Netz-Journalist Stefan Mey zitiert. Unter der Oberfläche von Wikipedia brodelt es seiner Ansicht nach. Es werde gemobbt, gepöbelt und sogar Gewalt gedroht. Auch die Wikimedia Foundation, die als Stiftung das Projekt Wikipedia maßgeblich unterstützt, hat sich mit dem Phänomen der Gewalt beschäftigt.[4]

In einem Interview vom 24. Februar 2017 mit dem Filmemacher Markus Fiedler sagte der Journalist Ken Jebsen auf dem YouTube-Kanal KenFM über die Wikipedia: „Die Wikipedia hat sich vor allem in Deutschland zu einem Diffamierungswerkzeug entwickelt. Die Wikipedia ist als neutrale Quelle nicht mehr zu retten. Wer auf sie verlinkt, macht sich lächerlich. Schuld daran ist ein überschaubarer Personenkreis, der von einer Besessenheit getrieben ist, wie man das sonst nur von Scientology kennt.“ Im März 2019 schrieb ein längjähriger Autor:[5] „Da Wikipedia von einem Enzyklopädieprojekt zu einer manipulativen Wahlplattform verkommen ist, sehe ich keinen Grund mehr, über die rein enzyklopädische Mitarbeit hinaus etwas zu tun.“[6]

Es gibt inzwischen verschiedene Werkzeuge, um Manipulationen bei Wikipedia aufzudecken, wobei teilweise Erschreckendes entdeckt wurde.[7] Einen wirksamen Schutz gegen diese Manipulationen gibt es bisher nicht. Im August 2018 wurde Wikipedia vom Landgericht Berlin wegen fehlerhafte Einträge verurteilt.[8]

Um der teilweise berechtigten Kritik zu begegnen, wurde das Regelwerk verbessert, was allerdings andere Folgen hat: Die Sprache ist in der deutsche Wikipedia zunehmend akademisch und oft für den Durchschnittsleser unverständlich. Dadurch wird das Projekt zunehmend wissenschaftlich und elitär, Diskussionen nehmen meist mehr Raum als die Artikel selbst ein, neue Mitarbeiter sind immer schwerer zu gewinnen oder werden leicht abgeschreckt.

3 Systematik

Der Unterschied in Größe, Inhalt, Umfang und Kategorisierung zwischen den Artikeln ist beachtlich. Die Kategorien folgen oft wissenschaftliche Kriterien. Angesichts von mehreren Millionen Artikeln ist eine ausgewogene Systematik jedoch schwer zu erreichen. Fachlich ausgereifte Artikel wie zur Verkehrspolitik[9] stehen neben stark vernachlässigten Themen wie Verkehrsmodell, die im Bereich Nachrichtentechnik offenbar kaum interessant sind.[10]

Es gibt viele Hobbyautoren die zum Beispiel über Zierfische schreiben. So hatte zum Beispiel der kürzeste Artikel in der Unterkategorie:Farbkarpfen[11] 1071 Bytes, der längste in der Kategorie:Aquarienfisch (Süßwasser)[12] 14.116 Bytes.

Der Artikel über Malta hatte am 12. Juli 2019 rund 185.600 Bytes, der Staat bedeckt eine Fläche von 316 km², für 2015 wurde eine Einwohnerzahl von rund 433.300 angegeben.[13] Zusätzlich gibt es die Geschichte Maltas mit 83.674 Bytes und Bevölkerung Maltas sowie Wirtschaft Maltas. Luxemburg wurde zur gleichen Zeit nur mit 212.565 Bytes beschrieben. Die Einwohnerzahl wird mit 613.894 zum 1. Januar 2019 sehr genau und aktuell angegeben. Zur Wirtschaft Luxemburgs gibt es bisher keinen eigenen Artikel, obwohl gerade der Bankensektor interessant sein dürfte. Die Geschichte Luxemburgs umfasst nur rund 26.800 Bytes. Offenbar ist also Malta - insbesondere aus touristischen Gründen - wesentlich interessanter für die Autoren.

Neben der Relevanz und dem Qualitätsmerkmal „Lesenswerter Artikel“ gibt es in der deutschen Wikipedia im Gegensatz zur englischen keine Bewertung, ob ein Artikel ausreichend ist oder das Thema erschöpfend behandelt (siehe Wikipediaartikel Blauer Kongosalmler). So kann also jeder Nutzer einen Artikel nach Belieben ausbauen. Eine systematische Erfassung wichtiger und relevanter Themen fehlt. Zwar wird versucht, über das Kategoriensystem und die Portale eine Ordnung zu schaffen, doch dies gelingt nur in den Bereichen, wo fachliche Kenner des Thema sich auch darum kümmern.

Hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit ist zu bemerken, dass am 20.11.2017 in der Kategorie „Mann“ 564.423 Einträge zu finden waren, während es bei „Frau“ nur 102.730 Artikel gab - somit mehr als fünfmal soviele Männer. Verglichen damit steht Pluspedia etwas besser da: Hier gab es am selben Tag 2.662 Biografien über Frauen und 6.105 über Männer - die Männer sind also nur etwas mehr als doppelt so stark. Es besteht zudem der dringende Verdacht, dass viele Selbstdarstellungen in Wikipedia geschrieben werden bzw. dieses Portal als Werbemaschine missbraucht wird, was in klarem Widerspruch zur Neutralität einer Enzyklopädie steht.

In einigen Bereichen besteht kein Interesse an systematischer Arbeit. Stattdessen streiten sich die Autoren um Schreibweisen einzelner Wörter. Ein Beispiel ist die Geschichte der Euthanasie[14] - für die meisten offenbar zu heikel, um es mal anzufassen. Auch bezahlte Schreiber mischen sich häufig in Diskussionen ein.[15]

Die Zuordnung zu Kategorien erfolgt oft sehr willkürlich. So wurden Personen ursprünglich in die Kategorie:Person nach Ort immer nach Geburtsort und Sterbeort eingetragen. Von dieser einfachen Zuordnung wird heutzutage meist abgesehen, obwohl sie für viele Fragestellungen (Herkunftsland, Werdegang) interessant sein könnte. Nunmehr heißt es seit einigen Jahren, hier „sollen Personenartikel möglichst nur einsortiert werden, wenn ein Ort von herausragender Bedeutung für die Biographie der Person ist. Diese Verbindung ist im Artikel zu belegen, ... “ Solche Belege fehlen aber in vielen Artikeln, so dass nicht mehr nachvollziehbar ist, warum die Zuordnung erfolgt ist. Ein Beispiel ist der Bremer Politiker Reinhard Metz:[16] Er ist in Hannover geboren und besuchte dort die Schule bis zum Abitur. Laut Wikipedia taucht er erst im Jahr 1966 in Bremen auf - also mit etwa 30 Jahren. Er könnte also bis dahin weiter in Hannover gelebt haben - sicher ist das aber nicht. Durch ortskundige Wikipedianer erfolgte eine Zuordnung als Person in Horn-Lehe,[17] was jedoch für Außenstehende überhaupt nicht nachvollziehbar ist.

4 Aktualität

Da es kaum systematisches Arbeiten in der Wikipedia gibt, nimmt die Zahl der aktuellen Texte ab. Nur bei einigen Themen, wie Politik und den Lebensdaten bekannter Personen, ist Wikipedia auf dem Stand der Zeit. Nach 18 Jahren stellten mehrere Berichterstatter fest, dass - unter anderem auch wegen des Autorenschwunds - die Zahl der veralteten Artikel ständig zugenommen habe.[18][19] Die Zahl der Textseiten in der deutschen Wikipedia, die mit einem Hinweisbaustein als „nicht mehr aktuell“ markiert sind, lag im Februar 2019 bei rund 8000. Allerdings wird diese Markierung nicht automatisch gesetzt, sondern ist dem jeweiligen Bearbeiter überlassen. Es ist daher von einer höheren Dunkelziffer auszugehen. Ende April 2019 waren in der Kategorie „Wikipedia:Veraltet“ nur 3.676 Einträge zu finden. In der englischen Wikipedia gibt es einen Bot, der im Verhältnis dazu mit rund 22.000 Artikeln wesentlich mehr fand,[20] obwohl die englische Version rund 5,8 Millionen und die deutsche rund 2,3 Millionen Artikel enthalten. Der seit vielen Jahren bestehende Artikel Iranisches Atomprogramm enthielt in der Einleitung bis 9. Juni 2019 folgende Aussage: „Von Seiten der Regierung wird die Entwicklung von Atomwaffen bestritten, das Atomprogramm werde lediglich friedlich genutzt.“ Im Artikel über den Iran findet sich dagegen - allerdings versteckt - der Nachweis, dass der erste Aufruf zur Atomwaffenentwicklung bereits 1988 von Rafsandschani kam[21] - das ist nunmehr über 30 Jahre her.

Auf der anderen Seite gibt es sehr aktuelle Themen, die jedoch teilweise stark umkämpft sind. In Konkurrenz dazu steht das Projekt Wikinews, das bisher nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekam. So erscheinen heutzutage - je nach Sprachversion - die neusten Nachrichten mal in der Wikipedia selbst und werden dort auf der Hauptseite hervorgehoben oder sie sind in den zugehörigen Wikinews-Seiten zu finden.

5 Relevanzkriterien

Es gibt in der Wikipedia keine einheitlichen Regeln, was relevant ist und was nicht. So gilt inzwischen jeder See, jeder kleine Ort und jedes Gebäude als relevant. Das hat in der englischen Wikipedia zu einer sehr schnellen Vermehrung der Artikel geführt, da fleißige Benutzer alle Namen von geografischen Angaben erfasst haben, die in verschiedenen Atlanten und auf Landkarten zu finden sind. Nähere Informationen dazu gibt es oft nicht, die Artikel werden mit dem englischen Begriff Stub (Stummel) bezeichnet. Ende April 2019 gab es mehr als 70.000 Artikel, die in der englischen Wikipedia als „wenig wichtige“ geographische Artickel eingestuft werden.[22] Auch jeder der 180 Meridiane in Ost und West hat einen eigenen Artikel. In einem von Thomas Wozniak herausgegebenen Buch wird auch der Verdacht geäußert, „dass solche Stummel ein simples Mittel sind, um in kurzer Zeit die Zahl der Artikel erhöhen zu können“.[23]

Eine langjährige Benutzerin schreibt: „In den ersten Jahren der Wikipedia gab es noch keine Belegpflicht bzw. wurde diese wesentlich lockerer gehandhabt. Essays waren an der Tagesordnung. Und natürlich ist es gewünscht, dass jede und jeder einen Artikel ergänzen kann. ... Offenbar meinen User, deren Wissen sich nur aus Neuen Medien speist und die historische Begriffe nicht mehr zu kennen, dass diese auch enzyklopädisch nicht mehr von Relevanz seien.“[24]

6 Lobby und Seilschaften

Die Wikipedia wird gerne benutzt, um den eigenen Heimatort, Geschichtsthemen, Literatur und verschiedene Hobbys darzustellen. Dies war sicher in der Anfangszeit sinnvoll. Inzwischen wird das Projekt gezielt von vielen Interessengruppen für Werbezwecke benutzt, ohne dass dies dem Leser offengelegt wird. Nur in wenigen Einzelfällen erklären die jeweiligen Autoren für wen oder was sie arbeiten. Manchmal wird das auch im Zusammenhang mit Diskussionen aufgeklärt.

Weiter wird Wikipedia Vetternwirtschaft vorgeworfen. Der Kreis der "Heavy User" ist mit 500 überschaubar. Wer nicht dazugehört, hat im Zweifel nichts zu melden. Auch der Vorwurf der gezielten Manipulation durch kleine Gruppen und Seilschaften wird immer wieder laut. Bildet sich hier eine interne Interessengemeinschaft von nur fünf bis zehn Autoren oder Administratoren, ist eine Manipulation möglich, die nicht ohne weiteres entdeckt werden kann. Diese Phänomene sind inzwischen Teil wissenschaftlicher Forschung.[25]

Daneben gibt es zunehmend kritische Stimmen, die der Ansicht sind, dass die Wikipedia in die Hände von verschiedenen Interessengruppen und Seilschaften abrutscht. Schwere Formen undemokratischer, linker oder radikaler (anarchistischer) Manipulationen werden zunehmend nachgewiesen. Die universitäre Forschung lehnt Wikipediaartikel als seriöse Arbeitsmittel und Quellen generell ab.[26][27] Selbst medizinische Forschungsergebnisse werden nicht neutral dargestellt:

„Wikipedia-Inhalte sind mit Vorsicht zu genießen. Das Prinzip der „Schwarm-Intelligenz“ führt in der Praxis zu Ehrverletzungen und Unwahrheiten.“[28]

Nach einem stetigen Wachstum in den ersten Jahren geht nun die Anzahl der aktiven Autoren stark zurück.[29] Die Arbeitsgruppe Wiki-Watch an der Viadrina Universität Frankfurt (Oder) hat die schweren Mißstände bei Wikipedia zum Gegenstand ihrer Arbeit gemacht, um Wikipedia-Opfern zu helfen, deren Zahl mit jedem Monat zunimmt. Insbesondere die Tatsache, dass die Führungsstrukturen von Wikipedia "personell problematisch besetzt sind" sei Anlass zu großer Sorge hinsichtlich einer Meinungsmanipulation durch eine Wissensoligarchie durch Personen, die sich aus bekennenden Anarchisten, ehemaligen Stasikadern und ähnlichen Strukturen rekrutieren. Diese hätten Wikipedia laut Wiki-Watch inzwischen fest im Griff.

Das größte Schweizer Magazin Die Weltwoche weist seit Jahren auf Missstände bei Wikipedia hin. 2013 berichtete P. M. Seiter ausführlich in den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.[30] Auch Heise,Telopolis und Russia Today berichteten 2015.[31]

Speziell der Dokumentarfilm Die dunkle Seite der Wikipedia zeigte an konkreten Beispielen Missstände auf. Es gibt auch starke Indizien dafür, dass Aktivisten von Wikipedia andere offene Medien zu unterwandern versuchen. So sind auch PlusPedia und andere Konkurrenzprojekte fortwährend Ziel einer Unterwanderung durch Krawall-Nutzer, welche die Seriosität des jeweiligen Projekts diskreditieren sollen.[32] So ist zu erklären, dass einige Konkurrenzprojekte kaum wachsen oder wieder eingestellt wurden.

7 Vom Lexikon zur Meinungsmaschine

Patrick M. Seiter arbeitete zu Recherche-Zwecken langjährig an Wikipedia mit und machte hierbei mehr 1000 Änderungen (englisch edits). Über seine Resultate berichteten die "Deutschen Wirtschaftsnachrichten":

„Keine Frage, wenn man etwas über ein einfaches Thema wie über den gemeinen Feldhasen, den Bodensee oder das London Symphonie Orchester wissen möchte. ist man noch immer recht gut aufgehoben bei Wikipedia. Anders sieht es hingegen bei brisanten Themen aus. Personen werden diffamiert und mit Kritik überhäuft, ... Gleiches gilt für viele weltanschauliche, politische, wissenschaftliche, ideologische, religiöse und eine Vielzahl anderer Bereiche. Hier ist die Objektivität, Freiheit, Unabhängigkeit und die differenzierte Betrachtung nahezu gänzlich auf der Strecke geblieben. Meinungen werden gezielt unterdrückt, verfälscht, verändert und man schreibt sich die Welt wie sie gefällt.

... Es gibt zahlreiche Gruppierungen, die sowohl alle Artikel beobachten, denen gegenüber sie positiv eingestellt sind, und die alles daran setzen, diese möglichst gut aussehen zu lassen. Kritik wird so minimal wie irgend möglich gehalten. Man lässt sie nur zu, wenn etwas derart eindeutig ist, dass man es nicht wegdiskutieren kann ohne aufzufallen. Jede Änderung in diesen Artikeln wird sofort und genau geprüft und bei nicht-Gefallen entweder ganz entfernen oder zumindest abgeschwächt, wenn die Sachlage zu eindeutig ist, um eine Löschung halbwegs schlüssig zu begründen. ... Übertreibt man es, riskiert man die Aufmerksamkeit der anständigen Wikipedianer auf sich zu ziehen. Hier ist Erfahrung gefragt, verfügt man über diese, ist es jedoch ein Leichtes, sich unerkannt in den Grauzonen zu tummeln. In monatelanger Recherche gelang es unserem Informanten, eine Vielzahl von Fällen zu durchleuchten und zu recherchieren. Die offene und transparente Struktur macht dies theoretisch möglich. ... Kontakt zu Admins herzustellen und Probleme ausführlich zu besprechen ist kaum möglich. Es muss schnell gehen und sehr offensichtlich sein. Für Fundamentales und Zeitaufwendiges fühlt sich niemand zuständig. ... Es wird nahezu jeder Fall für sich behandelt, und keiner weiß, ob es die erste oder die tausendste Beschwerde bezüglich dieses Sachverhaltes war. Die Wikipedia-Aufsicht geht fast ausschließlich gegen relativ neue unerfahrene Nutzer vor. Alt eingesessene, die dann auch noch einige weitere alte Hasen gut kennen, müssen sich schon sehr ungeschickt anstellen, um ernsthaft Probleme zu bekommen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es aufgrund der Undurchsichtigkeit sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde, die 10.000 Bearbeitungen eines Power-Users genau zu durchleuchten. Was man nicht in 5-10 Minuten sieht, bleibt verborgen. Meist nimmt man sich kaum eine Minute. Genau hier fehlen gewisse Mechanismen – Bewertungssysteme oder Nutzer-Logbücher, in die viel mehr eingetragen wird. Mechanismen, die einem auf den ersten Blick aufzeigen, ob ein Power-User eben erst fünfmal eine Beschwerde hatte oder ob man sich ständig aufs Neue über ihn beschwert. ...

Es ist nicht nur traurig, dass eine solch tolle Idee durch relativ kleine Fehler eine derartige Bruchlandung hinlegen konnte. Die eigentliche Tragik liegt in dem Einfluss, der daraus auf unsere Gesellschaft entsteht. Dies ist äußerst bedenklich, wenn nicht sogar gefährlich. Was aus Propaganda, Meinungsmache und fehlender Opposition alles entstehen kann, hat die Geschichte ja bereits mehrfach gelehrt. Auf eine Anfrage zu diesem Problem reagierte Wikipedia mit einer relativ gelangweilten, nichtssagenden Standardantwort. Wir dürfen gespannt sein, ob Wikipedia wie bislang Augen und Ohren vor diesem Problem verschlossen hält oder noch kurz vor Schluss die Kurve bekommt. Unser Informant, der sich nun sechs Monate ausführlich in die Wikipedia-Welt eingearbeitet hat, sieht dies leider eher als unwahrscheinlich an. ...“

Viele Themen entstehen und wachsen anhand der Berichterstattung in den Massenmedien oder aufgrund der zahlreichen Anhängerschaft unter den Lesern. Beispiele sind Jerry Cotton,[33] eine der erfolgreichste Serie von Kriminalromanen, der fiktive Agent James Bond und die Fantasyfigur Harry Potter sowie im politischen Raum Präsidenten wie Donald Trump. Auch bei wissenschaftlichen Themen gibt es eine gezielte Verbreitung bestimmter Theorien, zum Beispiel aus dem Bereich des Marxismus, der als „Gesellschaftslehre“ bezeichnet wird.[34] Suchergebnisse aus Google bestimmen die Diskussion und bleiben dann oft jahrelang stehen.[35]

8 Rechtsfragen

Das Landgericht Hamburg hat zugunsten von Wikimedia Deutschland e.V. entschieden, dass Wikimedia nicht für die Inhalte der Wikipedia haftbar gemacht werden kann. Ein ehemaliger Politiker aus Hamburg hatte geklagt und verlangt, dass der Artikel samt Diskussion über ihn gelöscht wird und Wikimedia ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro zahlt. Daraufhin wurde die Versionsgeschichte des Artikels gelöscht.[36][37][38][39][40]

Der deutschen Wikipedia wird kritisch entgegengehalten, deutsches Recht systematisch zu umgehen und sich nicht an dieses zu halten. Dies gilt besonders für Artikel über Personen. Rechtliche Aktionen bis hin zu Klagen waren nach Angaben von Wiki-Watch bisher unmöglich, da sich die deutsche Version von Wikipedia hinter der Wikimedia Foundation versteckte und sich so der deutschen Gerichtsbarkeit effektiv entzog. In der Rechtswissenschaft sprach man daher von Wiki-Immunity, also der Immunität der Wikipediaautoren vor jeder juristischen Greifbarkeit. Dieses Phänomen zeige sich besonders bei Personen, welche von üblichen bzw. Mainstream-Meinungen abweichen. Personen, die unangenehme Meinungen vertreten, werden hier gehäuft Opfer von unsachlich, nicht enzyklopädischen und einseitigen Artikeln zu ihrer Person. In vielen Fällen wäre dies nach Deutschem Recht so nicht möglich (Beleidigung / Rufschädigung). Da Wikipedia sich hinter der gerichtlich verneinten Störerhaftung der Wikimedia Foundation versteckte, bestand praktisch keine Handlungsmöglichkeit, gegen solche Fälle vorzugehen.[41] Dies hat sich durch ein Urteil von August 2018 inzwischen geändert.

Deutlich wird dies vor allem an Artikeln über Politiker der etablierten Parteien, in welchen sich wenig bis keine Kritik an der Person findet, wohingegen in Artikeln zu Personen etwas umstrittener Parteien sehr viel, teilweise großteils kritische Stimmen eingeflochten werden. Teilweise ist der Unterpunkt Kritik größer als der übrige Artikel. Hier werden gezielt zu manchen Personen teilweise ausschließlich positive Pressemitteilungen eingearbeitet und bei anderen Personen ausschließlich negative. Dies erfolgt - wie bereits in einigen Fällen bekannt wurde[42] - offensichtlich durch die Mitglieder und bezahlte Mitarbeiter der in den Parlamenten vertretenen Parteien. So entsteht hier oft ein gänzlich unausgewogenes und einseitiges Bild. Auch eine Transparenz ist nicht gewährleistet. Autoren schreiben mit Pseudonymen oder sogar nur mit IP-Adressen. Inzwischen sind die Namen zahlreicher Sichter und Administratoren sowie ihre Methoden bekannt. Nach einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung finden international programmgesteuerte Manipulationen statt, gegen die juristische oder andere Maßnahmen wirkungslos sind.[43]

9 Siehe auch

10 Weblinks

11 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Wikipedia-Statistik. Anzahl Artikel (offiziell). In: stats.wikimedia.org. 2018-11-16. Abgerufen am 1. Dezember 2018.
  2. https://www.youtube.com/watch?v=fYYtFHrKrOI&feature=share
  3. https://netzpolitik.org/2013/wikipedia-grenzenlose-exklusion
  4. Wiki-Watch Blog: Wiki-Mobbing: Die dunkle Seite der Wikipedia. Von Falke, 1. Juli 2016
  5. laut Versionsgeschichte ist er dort seit September 2007 aktiv
  6. Zitat aus einer Diskussion
  7. https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article10659498/WikiScanner-und-Wikibu.html
  8. https://www.online-und-recht.de/urteile/Haftung-von-Wikipedia-fuer-fehlerhafte-Eintraege-ab-Kenntnis-Landgericht-Berlin-20180828
  9. Im Juli 2019 mit 40.618 Bytes
  10. Im Dezember 2014 mit 1.171 Bytes, siehe die Versionsgeschichte
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Farbkarpfen
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Aquarienfisch_(S%C3%BC%C3%9Fwasser)
  13. https://de.wikipedia.org/wiki/Malta
  14. ja - wie ist nun die richtige Schreibweise für das Wort? Offenbar wichtiger als der Inhalt.
  15. https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:BLG_Logistics_Group#L%C3%B6schungen_im_Juno_2019
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Metz
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Person_(Horn-Lehe)
  18. Immer weniger Autoren – Ist Wikipedia noch aktuell?, Sendung des Deutschlandfunks vom 22. Februar 2019
  19. Die Wikipedia veraltet, Bericht in der FAZ am 17. Februar 2019
  20. https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Wikipedia_articles_in_need_of_updating
  21. https://de.wikipedia.org/wiki/Iran#Atomprogramm
  22. https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Low-importance_geography_articles
  23. Thomas Wozniak u.a. (Hrsg.): Wikipedia und Geschichtswissenschaft, Oldenbourg Verlag, Berlin 2015, Seite 21
  24. Löschdiskussion zum Artikel Urgesellschaft.
  25. Studie
  26. "neuraltherapie-blog.de (Imke Plischko, Ärztin): "Crashkurs Wikipedia": Dr. Marius Beyersdorff erklärt, wie Wikipedia "funktioniert" und teilweise von Interessengruppen missbraucht wird."
  27. "Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: 16.08.2007: Wikipedia in der Kritik - Die Entwurzelung des Wissens"
  28. "neuraltherapie-blog.de (Imke Plischko, Ärztin): Wikipedia-Kritik: Neuraltherapie wird sachlich falsch und tendenziös dargestellt"
  29. "n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH: Samstag, 5. Januar 2013 - Nach der Einführung neuer Standards - Wikipedia verliert Autoren"
  30. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/04/wikipedia-wir-machen-meinung/ Wirtschafts Nachrichten Wikipedia: Wir machen Meinung
  31. Youtube-logo.png Wikipedia - Nachschlagewerk mit Hidden Agenda? - Russia Today (1. Februar 2016) (Länge: 14:35 Min.)
  32. Petition fordert Ende der Anonymität bei Wikipedia, Kritische Wissenschaft - critical science am 25. Oktober 2015
  33. https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Jerry_Cotton
  34. https://de.wikipedia.org/wiki/Marxismus
  35. https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Marxismus
  36. Heise-Artikel: "LG Hamburg: Keine Störerhaftung für Wikimedia Deutschland"
  37. "Blogeintrag bei Wikimedia: Landgericht Hamburg entscheidet für Wikimedia Deutschland"
  38. "Blog von Wikimedia-Rechtsanwalt Thorsten Feldmann: LG Hamburg verneint Störerhaftung des Wikimedia Deutschland e.V. für Inhalte der Online-Enzyklopädie Wikipedia"
  39. "Blog von Wikimedia-Rechtsanwalt Thorsten Feldmann: Das Urteil als PDF-Datei" (ca. 990 kB)
  40. "Kommentar von Fefe"
  41. Hilfsseite für Betroffene
  42. https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Lindner#Eigener_Wikipedia-Artikel
  43. Bericht

12 Andere Lexika




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