Marxistische Archäologie

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Unter marxistischer Archäologie sind unterschiedliche archäologische Forschungsansätze, Hypothesen und Theorien zu verstehen, die zum Beispiel Methoden des historischen Materialismus, der Dialektik und des Strukturmarxismus einsetzen oder auch die Kritische Theorie der Frankfurter Schule als Grundlage verwenden.[1]

Dabei werden folgende Merkmale angeführt werden, die angeblich allen marxistisch archäologischen Arbeiten gemein sind:[2][3]

  • Karl Marx wird für die Begründung der jeweiligen Theorie zitiert.
  • Die soziale Realität wird dialektisch verstanden, d. h. sie besteht aus Widersprüchen, die immer in Entwicklung sind.
  • Es wird eine ganzheitliche Betrachtung der Gesellschaft angestrebt. Dabei werden die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen kritisiert und überwunden.
  • Wissen wird immer in einem sozialen Kontext gesehen. Forschungsergebnisse seien daher nicht objektiv.
  • Der herrschende Kapitalismus wird kritisiert.

Ein - nicht immer zuverlässiger - Hinweis ist die Bezeichnung einer geschichtlichen Entwicklung als Revolution. Kritisiert wird das marxistische Ideologie-Konzept und seine Anwendung in der Archäologie zum Beispiel von Ian Hodder. Dass Karl Marx als Beweis herhalten soll, ist nicht nachvollziehbar, da er sich nicht mit Archäologie befasst hat. Ebenso könnte man auch den Begriff der Darwinschen Archäologie erfinden. Zudem wird ein wissenschaftlicher Archäologe nicht den Kapitalismus kritisieren, da sich die meisten seiner Arbeiten auf Zeiten beziehen, in denen es noch keine Kapitalismus gab. Als einziger namhafter Wissenschaftler wird Vere Gordon Childe genannt, der jedoch nur eine Archäologietheorie entwickelte, und zwar die Neolithische Revolution. Insofern handelt es sich wohl eher um eine Theoriefindung der Wikipedia - vergleichbar mit dem Quantencomputer.

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1 Geschichte

1924 wurde unter Stalin das intellektuelle Leben der Sowjetunion auf die Linie der bolschewistischen Partei gebracht. In der Archäologie wurde Vladislav I. Ravdonikas unterstützt, der schon vorher eine Kommunistische Zelle in der Staatlichen Akademie für materiale Kultur aufgebaut hatte. Er kritisierte die traditionelle Archäologie als idealistisch und bürgerlich und nannte die neue Archäologie in Abgrenzung dazu „sowjetische Archäologie“. Im Zuge der Umstrukturierungen unter Stalin wurden viele Archäologen vertrieben oder eingesperrt. Der Russische Verbund sozialwissenschaftlicher Institute wurde ab geschafft und die archäologische Forschung zentralisiert. Hiernach begannen Rawdonikas und Artemy V. Artsikovski den historischen Materialismus als Grundlage für eine marxistische Archäologie zu konzipieren. Vor allem die Konzentration auf Ökonomie und internen gesellschaftlichen Wandel waren wegweisend. Der Fokus der Archäologie verschob sich von typologisierenden deskriptiven Arbeiten hin zu der Rekonstruktion sozialer Organisation und dem Leben einfacher Leute.[4][5] In der Staatlichen Akademie für materiale Kultur wurden getreu dem historischen Materialismus vier Unterabteilungen geschaffen: urkommunistische Gesellschaften, Sklavenhalter-Gesellschaften, feudale Gesellschaften und archäologische Methodik. In der DDR findet sich der Begriff marxistische Archäologie nicht, so dass eher von einer sowjetischen Archäologie gesprochen werden kann. In der Wissenschaft wurde außerhalb der Sowjetunion nur Vere Gordon Childe anerkannt, der häufig in der Wikipedia zitiert wird.

2 Literatur

3 Andere Lexika




4 Einzelnachweise

  1. S. M. Kus: The spirit and its burden: archaeology and symbolic activity. In: Marxist Perspectives in Archaeology. 1984.
  2. McGuire: A Marxist Archaeology. 2002, S. 83–84.
  3. Spriggs: Another way of Telling: Marxist Perspectives in archaeology. In: Marxist Perspectives in Archaeology. 1984, S. 2.
  4. McGuire: A Marxist Archaeology. 2002, S. 56-59.
  5. Trigger: A History Of Archaeological Thought, 1988 S. 216 – 227

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