Heilbronn

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heilbronn ist eine mittelgrosse Stadt am Neckar in Baden-Württemberg in Deutschland. Die Stadt bildet heute das Oberzentrum der Region Heilbronn-Franken. Im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte war Heilbronn eine Residenzstadt, Finanzmetropole, die "bedeutendste württembergische Industriestadt" [1] mit der "höchsten Kirche im Württembergischen"[2] und einem "qualitativ überregionalem [Theater-]Bau".[3]


1 Beschreibung

1.1 Residenzstadt

Seit 889 gab es in Heilbronn eine Residenz bestehend aus einer Königspfalz (palatio regio) mit Kapelle. Die Mauern der alten Kaiserpfalzkapelle sind in den Mauern der Anbauten im Süden des heutigen Münsters des Deutschhofes westlich des romanischen Turmchors zu sehen. [4] Teile eines Vorgängerbaus des Münsters wurden bei dessen Renovierung 1994/95 in der Chorturmkapelle gefunden. An der Südwand des Turmes wurden Fundamentmauern aus Kalksteinen gefunden, weiter entdeckte man die Gewände einer 40 cm tiefen, 212 cm breiten und im Scheitelpunkt ebenso 212 cm hohen Nische, die aus Kalksteinen gemauert war. Am Außenbau des Turmuntergeschosses wurde nach dem Abschlagen des Putzes auch Kalksteinmauerwerk gefunden, das zwei Drittel der Turmwandstärke einnimmt.[5] Dieser Kalkstein reicht bis in die Mitte des ersten Obergeschosses an der südöstlichen Seite des romanischen Chorturmes, während das übrige Gebäude aus Sandstein besteht. Die Kalksteinfundamente sind älter als die erste bekannte spätromanische Chorturmkapelle, wobei die Größe und das Ausmaß dieser Kalksteinfundamente und die Art der Einfügung der Kalksteinmauerreste in den Turm beweisen, dass diese bereits vor der Errichtung des Deutschhofes existierten. [6] Auch beim Abbruch der ehemaligen Ritterherberge aus dem Jahre 1556 im kleinen Deutschhof wurden Fundamente gefunden, die aus 625 Kubikmeter Kalksteinmauerwerk bestanden.[7]Heilbronn war auch in der Neuzeit Residenzstadt. So residierte im Deutschhof der Landkomtur von Franken ab 1785 [8]Ab 1789 nahm der Landkomtur de jure im Heilbronner Deutschordenshaus seine Residenz ein. So war von 1789 bis 1805 das Deutschmeistertum mit der Ballei Franken vereinigt worden, und die Residenz wurde von Ellingen nach Heilbronn verlagert.. [9]Dies erklärt auch den schlossartige Ausbau des Deutschordenshofes Heilbronn im 18. Jahrhundert. Bestrebungen der Heilbronner Bevölkerung die in den 1990er Jahren entstandene Grünfläche vor der Deutschhoffassade zu erhalten und einen Art "Schlosspark" anzulegen, wurden durch den Bau der neuen "Stadtgalerie" zunichte gemacht.


Die Stadt war Ort verschiedener historischer Tagungen und Konferenzen. So für den "Heilbronner Konvent" im 30. jährigen Krieg als auch für die "Heilige Allianz", ein Bündnis gegen Napoleon im frühen 19. Jahrhundert.

1.2 Finanzmetropole

Da bereits im 11. Jahrhundert in Heilbronn die sog. "Kawertschen", Geldhandelskaufleute zu finden waren, galt die Stadt als Finanzmetropole Württembergs. [10] Die erste Bank Heilbronns im 19. Jahrhundert war die Privatbank Rümelin & Co. Sie war damals die einzige Bank Württembergs, die nicht in Stuttgart zu finden war. Die Firma Rümelin & Co war einst ein Speditions- und und Kolonialwarengeschäft gewesen und wuchs zu einem Bankenhaus heran. Das Kreditwesen in Württemberg hing damals von den Bankenhäusern, Frankfurts ab. Besonders wichtig war das Bankenhaus Rothschild, zu dem die Heilbronner Privatbank Rümelin & Co gute Verbindungen hatte. Dies war der Tatsache geschuldet, weil es Wechsel auf Stuttgart oder andere württembergische Städte nicht gab und niemand solche Wechsel aufgrund der Zahlungsunsicherheit hätte annehmen wollen. [11]1856 wurde Rümelin & Co in einer Kommandite der Bank für Handel und Industrie Darmstadt[11] bzw. in einer " Kommandite des Frankfurter Bankhauses Rothschild umgewandelt."[12]Danach erstreckte sich der Kundenkreis des Heilbronner Bankenhauses "über große Teile des Landes"[12], da in Heilbronn die einzige Filiale des Frankfurtert Bankenhauses der Rothschild zu finden war. So waren die Wechsel des Bankenhauses Rümelin in Heilbronn, die einzigen, die in Württemberg sicher waren, weil an der Bank die Rothschilds mit einer Kommanditeinlage beteiligt waren.

Die Bank für Handel und Industrie Darmstadt, Niederlassung Heilbronn (Bankgeschäft Gumbel-Kiefe )erwarb Haus Kaiserstraße 25 in Heilbronn, das später zum prächtigsten und pomposesten Geschäftshaus auch als "Barbarinoeck" nach Plänen des Architekten Walter Luckscheiter umgebaut wurde.

Aber die württembergischen Privatbanken hatten selbst nicht ausreichend Finanzmittel um die nötigen Kredite für den Ausbau des Handesl und die Entwicklung der Industrie zur Verfügung zu stellen [11] "Wechsel auf Stuttgart oder andere württembergische Städte fast nicht gab"[11]

1.3 Bedeutendste württembergische Industriestadt

Den ernormen Reichtum der Stadt erlebte sie im 14. Jahrhundert, als sie das Recht erwarb den Neckar an ihrer Stadt zu bringen und damit das Umschlagsmonopol am unteren Neckar erwarb. Daher wurde Heilbronn in dieser Zeit an ihrem Steueraufkommen mit Zürich verbunden. Im 19. Jahrhundet wurde sie die "bedeutendste württembergische Industriestadt".[13]

1.4 Höchste Kirche im Württembergischen

Heilbronn wird für seine Architektur in der Kunstgeschichte auch "Heilbronner Renaissance" geführt. Grund dafür ist der Westturm der Kilianskirche, die wegen ihrer Architektur und Karikaturen ihresgleichen in der Kunstgeschichte sucht. So wird der Mund der Bischöfe und Franziskanermönche als Vogelschnabel mit gespaltener Schlangenzunge dargestellt. Ohne jegliche Karikatur werden nur zwei Köpfe dargestellt: Ein Mann mit Turban (der Kabbalist Moshe ben Maimon ?) und ein Mann mit Flügel-Helm (Flügel als Zeichen des Gottes Hermes bzw. Merkur, dem Patron der Diebe und Kaufleute). Der Westturm war bei seiner Fertigstellgung 1529 "die höchste Kirche im Württembergischen" bis 1890 Heilbronns Konkurrenzstadt Ulm das Ulmer Münster fertigstellte.[14]

1.5 Qualitativ überregionaler [Theater-]Bau

Den Reichtum der Stadt des 19. Jahrhunderts präsentierte sich an den Prachtbauten an der Heilbronner Allee, eine Ringstaße an der die Synagoge, das Stadtbad, die Harmonie und das Stadttheater erbaut wurden.

Das Stadttheater wurde von Theodor Fischer, einem Vertreter der Reformarchitektur erbaut. Demnach sei die Herkunft des Baus aus der Romantik im Sinne einer „leidenschaftlichen […] auch nationalen Bewegung“ zu erkennen, wobei „ein richtiges Bürger- und Stadttheater, und zwar ein Theater der alten Stadt Heilbronn entstehen“ sollte.[15] Das Gebäude nahm vor allem lokale Bautraditionen auf. Die Skulpturen und Formen des alten Theaters orientierten sich an den Kiliansturm und an den Giebelformen des Rathauses[16] . Die Wiederaufnahme der lokalen Bautradition erfolgte nicht als Fortsetzung des Historismus („historische Bedenklichkeit“) sondern in freier Weitergestaltung derselben.[17]

Sein Werk gehört keinem vorhandenen Typus noch schafft es einen neuen. Es ist kein Bau, der ebenso beliebig in Königsberg oder Mainz, in Breslau oder Würzburg stehen könnte, sondern er sucht den Anschluss an die Bautraditionen unseres Landes, die nicht mit historischer Bedenklichkeit, sondern mit freier Unbefangenheit weitergestaltet sind […] was im Aussenbau an Zierform verwandt wurde, ruft das Gedächtnis hervor an die leichte und phantasievolle Erfindung jener Zeit, da die Anregung der italienischen Stilrevolution beim Beginn des 16. Jahrhunderts in den süddeutschen Sandsteinstädten fruchtbar wurden. Unschwer entdeckt man in dem bildnerischen Schmuck der Fassade den Nachklang der Formgesinnung, die unseren wundervollen Kiliansturm geschaffen […]

Als „qualitativ überregionaler Bau“ war das alte Theater aufgrund seiner hochwertigen Architektur von überregionaler Bedeutung. [18] Während in Ulm 1969 ihr neues Stadttheater eröffnet wurde, erfolgte ein Jahr später die Sprengung des wiederaufgebauten Stadttheaters Heilbronn.".[19]

1.6 Phönix aus der Asche

Am 04.12.44 wurde die Stadt zerstört. Der Wiederaufbau "Phönix aus der Asche" erfolgte nach Plänen von Prof.Volkart, einem Schüler von Theodor Fischer im Stil der "Stuttgarter Schule" bzw. "Heimatstils". Dabei entstand ein Gesamtkunstwerk im Stil der 50er Jahre mit einer zwei- bis dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern mit Putzfassaden mit vorkragendem Traufgesims. Walm- und Satteldächer bildeten eine harmonische Dachlandschaft. Gleichzeitig erfolgte in den spätern 1940er und frühen 1950er Jahren eine Rekonstruktion historischer Bausubstanz, wie des Stadtbades und des Stadttheaters an der Allee. Die Allee selbst war damals eine lindenbestandener parkähnlicher Boulevard.

2 Quellen

2.1 Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. slg: Späth gegen Teufel (in der Reihe 'S KILIANSMÄNNLE). In: Neckar Express vom 8. November 2000 (Nr. ?), S. 11
  2. slg: Späth gegen Teufel (in der Reihe 'S KILIANSMÄNNLE). In: Neckar Express vom 8. November 2000 (Nr. ?), S. 11
  3. Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 21
  4. Hans Koepf: Die Heilbronner Kilianskirche und ihre Meister. Stadt Heilbronn, Stadtarchiv 1961 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn Heft 6). S. 12 [Die königliche Pfalzkapelle St. Michael und spätere Deutschordenskirche zur Hl. Maria ( heute St. Peter und Paul)]
  5. Max Georg Mayer:Entdeckungen während der Renovierungsarbeiten am Deutschordensmünster St. Peter und Paul in Heilbronn. In: Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Das Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn, 1995, (Festschrift zur Renovation 1994/95 und zur Altarweihe am 2. Juli 1995), S. 31 f. und Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn. 2000, Kunstverlag Josef Fink in Lindenberg, S. 6f. , ISBN 3-933784-84-0., S. 2 f.
  6. Christhard Schrenk u. a.: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1333-X (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 36), S. 25
  7. Werner Heim/Helmut Schmolz: Archiv und Museum der Stadt Heilbronn im Kulturzentrum Deutschhof. Ihre Aufgaben und ihre Geschichte. Zur Einweihung des III. Bauabschnittes Deutschhof am 12. März 1977. (Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn 9), Heilbronn 1977, S. 15 f.
  8. Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn. 2000, Kunstverlag Josef Fink in Lindenberg, S. 6f. , ISBN 3-933784-84-0., S. 6.
  9. * Alois Seiler:Das Deutschordenshaus und die Stadt Heilbronn im Mittelalter. In: Katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Heilbronn (Hrsg.): Das Deutschordensmünster St. Peter und Paul Heilbronn, 1995, (Festschrift zur Renovation 1994/95 und zur Altarweihe am 2. Juli 1995), S. 45-59, dort S. 56
  10. http://www.stadtarchiv-heilbronn.de dort: Geschichte im Archiv – Geschichte der Stadt Heilbronn – Stadtgeschichte Teil 1: 741 bis etwa 1200, von Christhard Schrenk
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der Industrie und Handelskammern Stuttgart Heilbronn Reutlingen und Ulm 1855–1955, S. 114
  12. 12,0 12,1 Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der Industrie und Handelskammern Stuttgart Heilbronn Reutlingen und Ulm 1855–1955, S. 169
  13. slg: Späth gegen Teufel (in der Reihe 'S KILIANSMÄNNLE). In: Neckar Express vom 8. November 2000 (Nr. ?), S. 11
  14. slg: Späth gegen Teufel (in der Reihe 'S KILIANSMÄNNLE). In: Neckar Express vom 8. November 2000 (Nr. ?), S. 11
  15. Fischer, Theodor: „Gedanken zur Architektur des Theaters“, in: Hugo Licht, Das Stadttheater in Heilbronn (Sonderdruck o. Jg. der Zeitschrift für Architektur und Bauwesen „Der Profanbau“) Verlag J.J.Arnd, Leipzig 1913, S. 3f.
  16. Schmolz, Helmut/Weckbach, Hubert: Heilbronn – Die alte Stadt in Wort und Bild (1. Band), Heilbronn 1966, Nr. 56, Seite 45
  17. Heuss, Theodor: „Der neue Theaterbau“, Neckar-Zeitung (Sonderausgabe zur Einweihung des Heilbronner Stadttheaters) vom 30. September 1913.
  18. Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 21
  19. slg: Späth gegen Teufel (in der Reihe 'S KILIANSMÄNNLE). In: Neckar Express vom 8. November 2000 (Nr. ?), S. 11

2.2 Literatur

  • Chronik der Stadt Heilbronn. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1895–2004, bislang erschienen sind die Bände I – VII (741 bis 1957) und X (1970 bis 1974)
  • Wolfram Angerbauer, Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte, Schicksale, Dokumente. Landkreis Heilbronn, Heilbronn 1986 (Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn. Band 1)
  • Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 11) (hier als PDF mit 1,2 MB)
  • Heilbronn. Kultur- und Wirtschaftschronik. Kunstverlag Josef Bühn, München 1973.
  • Uwe Jacobi: Die vermißten Ratsprotokolle. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 1981, ISBN 3-9219-2309-3
  • Uwe Jacobi: Heilbronn so wie es war. Droste, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0746-8
  • Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn. Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Konrad, Weißenhorn 1973, ISBN 3-87437-062-3
  • Christhard Schrenk, Hubert Weckbach, Susanne Schlösser: Von Helibrunna nach Heilbronn. Eine Stadtgeschichte. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1333-X (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 36)

3 Weblinks

4 Andere Lexika