Joachim Gauck

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Profil.png Profil: Gauck, Joachim
Ohne Flasche-Joachim Gauck 5.jpg
Beruf Theologe und Politiker (Neues Forum), erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen
Persönliche Daten
24. Januar 1940
Rostock


Joachim Gauck (* 24. Januar 1940 in Rostock) ist ein ehemaliger Stasi-Spitzel und evangelischer Pastor. Er war 11. Bundespräsident Deutschlands.

Bis zur Wende 1990 war Gauck als Spitzel des DDR-Regimes unter dem Stasi-Namen Larve aktiv. Dennoch präsentierte er sich nach 1990 als aufrechter Kämpfer für die Demokratie und Antikommunist. Er war vom 19. Februar 2012 bis 18. März 2017 Bundespräsident. Der vorherige Bundespräsident Christian Wulff war zwei Tage zuvor zurückgetreten.[1]

1 Vita[Bearbeiten]

1.1 Privates[Bearbeiten]

  • Seit 2000 ist der verheiratete ehemalige Pastor mit Daniela Schadt liiert.
    • Mit dem Bekanntwerden seiner Kandidatur zum Bundespräsidenten wurde Gauck aus dem konservativen Lager aufgefordert sein Leben zu ordnen. Aus dem Rot-Grünen Lager und den Linken gab es gegen diese Aufforderung massive Proteste.[2][3][4]
  • Gauck ist mit Hansi Gauck verheiratet.
    • Gauck hat vier Kinder.[5]
      • Christian (52 - Stand Februar 2012)
      • Martin (50 - Stand Februar 2012)
      • Gesine (46 - Stand Februar 2012)
      • Katharina (33 - Stand Februar 2012)
    • 1991 trennten sich Hansi und Joachim Gauck. Beide haben sich bis 2012 nicht scheiden lassen.[6]

1.1.1 Mitgliedschaften[Bearbeiten]

1.1.2 Ehrungen[Bearbeiten]

1.2 Ausbildung[Bearbeiten]

1.3 Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

  • 2012 kandidierte er erneut zum Amt des deutschen Bundespräsidenten.
  • 2010 lehnte Joachim Gauck eine zweite Kandidatur in fünf Jahren ab.[19]
  • 2010 kandidierte er zum Amt des deutschen Bundespräsidenten.
  • Im Sommer 1990 wurde er von der Volkskammer zum Vorsitzenden des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)/Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) gewählt.
  • Gauck war einer der Hauptinitiatoren des Stasi-Unterlagen-Gesetzes der Volkskammer.
  • Zur Zeit der friedlichen Revolution in der DDR wirkte er als Bürgerrechtler
  • Er war führendes Mitglied des Neuen Forums in Rostock.
  • Mit der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl vom 18. März 1990 wurde Gauck Abgeordneter.

1.3.1 Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1991: Die Stasi-Akten. Das unheimliche Erbe der DDR. (= rororo 13016) Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991. ISBN 3-499-13016-5
  • 1992: Von der Würde der Unterdrückten (Aufsatz)
  • 1993: Verlust und Übermut. Ein Kapitel über den Untertan als Bewohner der Moderne (Aufsatz)
  • 1998: Mitautorenschaft an der deutschsprachigen Ausgabe von Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper Verlag, München 2004. ISBN 3-492-04053-5
  • 2007: Reite Schritt, Schnitter Tod! Leben und Sterben im Speziallager Nr. 1 des NKWD Mühlberg/Elbe (Aufsatz), hrsg. v. Elisabeth Schuster, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. ISBN 978-3-93659-202-3
  • 2007: Diktaturerfahrungen der Deutschen im 20. Jahrhundert und was wir daraus lernen können (= Schriftenreihe zu Grundlagen, Zielen und Ergebnissen der parlamentarischen Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages; Band 42), Dresden 2007
  • 2009: Die Flucht der Insassen: Freiheit als Risiko (Weichenstellungen in die Zukunft. Eine Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.). Sankt Augustin/Berlin 2009. ISBN 978-3-941904-20-0
  • 2009: Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen., Siedler Verlag, München 2009. ISBN 978-3-88680-935-6
  • 2010: Gerechtigkeit, Versöhnung und Strafe als gesellschaftliche und politische Herausforderungen, in: Versöhnung, Strafe und Gerechtigkeit: das schwere Erbe von Unrechts-Staaten (Kontexte; 40), hrsg. von Michael Bongardt. Göttingen 2010, S. 17–28. ISBN 978-3-7675-7132-7

1.3.2 Vorträge[Bearbeiten]



2 Auftritte[Bearbeiten]

  • Am 01.03.2012 war Joachim Gauck Gäste in der Fernsehsendung Beckmann. Das Thema der Sendung lautete "Gespräche mit Joachim Gauck". [21]

3 Grundüberzeugungen[Bearbeiten]

Joachim Gauck zeigte sich als engagierter Kämpfer für die Freiheit und verkannte die Gefahr einer Islamisierung Deutschlands. Unter anderem auch wegen seiner DDR-Vergangenheit wurde er (wie Angela Merkel) in ostdeutschen Städten, wo er auftauchte, mit Rufen wie "Volksverräter" empfangen.[29]

Gauck ist ein vehementer Verteidiger der individuellen Freiheitsrechte des Einzelnen, auch gegenüber den Interessen des Staates. So schreibt er in seinem Buch Freiheit - Ein Plädoyer:

"Es ist vielmehr meine tiefe Überzeugung, dass die Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben ist und erst Freiheit unserer Gesellschaft Kultur, Substanz und Inhalt verleiht." [30]

Dennoch warnt er gleichzeitig vor den Exzessen anarchistischer, ethisch ungebundener Freiheitsbestrebungen:

"Auch wir schauen uns nach einer Variante von Freiheit um, die man nicht fürchten muss, weil sie anarchistisch ist, die nur die Ungebundenheit, den Aufruhr, nur die Freiheit von etwas kennt. Auch wir haben den Hang zu einer Freiheit, in der wir, wie es uns die Philosophen und Ethiker gelehrt haben, frei sind für etwas und zu etwas." [31]

Das beste staatliche System zur Garantierung der Freiheitsrechte ist für Gauck das westlich-abandländische Demokratiemodell und die soziale Marktwirtschaft. Sozialistische und antikapitalistische Vorstellungen sind für Gauck gänzlich ungeeignet das Wohl des Menschen zu fördern:

"Wenn wir politische Freiheit gestalten wollen, gibt es nicht allzu viele Varianten. Ich jedenfalls kenne keine, die den Grundsätzen dieser westlichen Variante von Eigenverantwortung vorzuziehen wäre. Es gab zwar Gegenentwürfe, in Europa etwas erwachsen aus dem Marxismus. der die Einzelnen im Kollektiv verschwinden ließ. Aber diese Entwürfe haben sich nicht behauptet. Wir haben bei diesen Entwürfen weniger Freiheit, weniger Lebensfreude, weniger Rechtssicherheit und weniger Wohlstand erlebt. Und deshalb gibt es keinen Grund für den alt-neuen Versuch, eine neue Variante von Antikapitalismus in die politische Debatte zu bringen." [32]

Sozialistische Vorstellungen sind nach Gauck ökonomisch und poltisch unbrauchbare Phantastereien:

"Eifrig schwadronieren die Phantasten über die Ideen des Sozialismus. Für mich bestand und besetht weder ökonomisch noch politisch eine realistische Chance für einen dritten Weg zwischen dem gescheiterten Sozialismus und dem düster beschworenen Kapitalismus." [33]

Bei den Bewohnern der ehemaligen DDR stellt Gauck ein deutliches Demokratiedefizit fest:

"Bei meinen Vorträgen begegnet mir, besonders im Osten, ein deutliches Defizit: Viele meiner Landsleute dort zeigen bei Umfragen zu den zentralen Werten der Demokratie eine überwiegend negative Einstellung. So ist das in Ostdeutschland, etwa wenn man nach der Bedeutung der Freiheit fragt, nach der Bedeutung der Rechtsordnung, nach der Bedeutung der Wirtschaftsordnung, wenn man fragt, ob die parlamentarische Demokratie geeignet sei, die vor uns liegenden Probleme zu bewältigen. Bei allen diesen Umfragen sagen über 50 Prozent der Ostdeutschen, daß sie nicht zufrieden sind. Sie glauben, daß die Demokratie das nicht kann: die Freiheit sehen sie nicht als zentral wichtig an." [34]

Den nach 1990 von der PDS und danach der Partei Die Linke fortgesetzten Versuch einer Reaktivierung des Sozialismus und seiner diktatorischen Herrschaftsformen sieht Gauck als Projekt der Gegenaufklärung und zeitweilige Randerscheinung:

"Sie ist die Partei des instutionalisierten Ressentiments und Teile der PDS wie die Kommunistische Plattform repräsentieren die instutionalisierte Gegenaufklärung. Insofern ist die PDS eine Randerscheinung. die uns wohl noch eine Zeitlang begleiten wird."[35]

Im Zuge seiner Kandidatur als Bundespräsident 2010 sprach sich Gauck für die Beobachtung der Partei Die Linke durch den Verfassungsschutz aus und betonte, er könne "noch immer keine Bindung der Linkspartei an das europäische Demokratieprojekt erkennen".

Toleranz ist für Gauck nicht eine indifferente Gleichgültigkeit ohne eigenen Standpunkt und eigene, besonders auch christlich-abandländische Werte:

"Es ist wichtig zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern, sondern indem wir uns umgekehrt wieder unserer eigenen Werte vergewissern. (...) Wir sollten daher nicht der irrigen Meinung sein, dass wir der Toleranz etwas Böses antun, wenn wir noch einmal unsere christlich-jüdische Dogmatik anschauen, fragen, welche Werte für unsere Gesellschaft heilsam und wichtig sind, und sie neu zu schätzen lernen."[36]

Im interkulturellen Diskurs vermisste Gauck häufig die Betonung und Treue des Westens zu den eigenen Werten. So fragte Gauck z.B.:

"Warum ist ist im Diskurs zwischen unterschiedlichen Kulturen die Freude des Westens an einer bewahrenden und schützenden Freiheit kaum spürbar. Warum gehen wir oft in die nicht-demokratische Welt hinaus und tun so, als hätte unsere demokratische Welt "Nichtwerte", fühlen uns stattdessen betroffen von dem, was die Potentaten dort über uns behaupten?"[37]