Der Spiegel

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des gleichnamigen Spielfilms von Andrei Tarkowski findet sich unter Der Spiegel (Film).
DER SPIEGEL
Logo
Beschreibung Nachrichtenmagazin
Sprache Deutsch
Verlag SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG (Deutschland)
Erstausgabe 4. Januar 1947
Erscheinungsweise wöchentlich/montags
Verkaufte Auflage (IVW 3/2011) 971.524 Exemplare
Verbreitete Auflage (IVW 3/2011) 980.715 Exemplare
Reichweite (MA 2010 I) 5,91 Mio. Leser
Chefredakteur Georg Mascolo
Herausgeber Rudolf Augstein (1923–2002)
Weblink www.spiegel.de
Artikelarchiv 1947 ff.
ISSN 0038-7452


Neues Verlagsgebäude DER SPIEGEL in Hamburg

Der Spiegel (Eigenschreibweise: DER SPIEGEL) ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das im Spiegel-Verlag in Hamburg erscheint und weltweit vertrieben wird. Mit einer Auflage von etwa 870.000 Exemplaren ist es auch die verkaufsstärkste aktuelle Wochenzeitschrift in Deutschland.


Der Spiegel und sein früherer langjähriger Herausgeber und Chefredakteur Rudolf Augstein spielten in der bundesdeutschen Medienlandschaft von Anfang eine zentrale Rolle.[1] Das Magazin stieg zu einem der wichtigsten Leitmedium der BRD auf und verfügte zeitweise über einen erheblichen Einfluß.[2][3] In den letzten Jahren leidet der Spiegel unter einem kontinuierlicher Rückgang des Leserinteresses und damit allgemeinen Bedeutungsverlust des Spiegels. So sank die Auflage in den vergangenen Jahren beständig und erreichte im zweiten Quartal 2013 mit 878.954 verkauften Exemplaren den niedrigsten Stand der letzten 30 Jahre.[4] Der Umsatz fiel im Jahr 2012 auf das Niveau von 2003, der Gewinn brach um 30 Prozent ein. Für 2013 plant der Geschäftsführer der Spiegel-Gruppe, Ove Saffe, mit einem Gewinnrückgang von 25 Prozent.[5]

1 Geschichte

1.1 Gründung

1946 wurde auf Geheiß der britische Militärverwaltung unter der Ägide der drei Presseoffiziere John Seymour Chaloner, Henry Ormond und Harry Bohrer, letzterer als kommissarischer Chefredakteur, eine Zeitschrift mit dem Namen Diese Woche gegründet, die sich an us-amerikanischen 'news magazines orientierte. Erst mit der siebten Ausgabe wurde das Blatt unter die Kontrolle deutscher Redakteure gegeben. Rudolf Augstein, ein Wehrmachts-Deserteur[6], der bei Diese Woche das Deutschland-Referat geleitet hatte, erhielt die Verlegerlizenz und übernahm das Magazin als Herausgeber und Chefredakteur.[7] Augstein nannte das Magazin in "Spiegel" um. Die erste Ausgabe unter dem Titel "Spiegel" erschien am 4. Januar 1947.

1.2 "Spiegel-Affäre" 1962

Die Spiegel-Ausgabe 41/1962 vom 10. Oktober war Auslöser der sogenannten „Spiegel-Affäre“. Sie enthielt unter dem Titel „Bedingt abwehrbereit“ einen des Sspäzeren Staatssekretär und Regierungssprecher in der Regierung Brandt Conrad Ahlens geschrieben Artikel, der, unter anderem gestützt auf Resultate des NATO-Manövers „Fallex 62“, die Verteidungspolitik unter Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß kritisierte. Die Regierung behauptete, dass für den Artikel geheimzuhaltende militärische Informationen verwendet worden waren. Generalbundesanwalt Siegfried Buback ordnete daraufhin wegen des Verdachts des Landesverrats Durchsuchungen und Beschlagnahmen beim Spiegel und diversen Mitarbeitern an ließ den Herausgeber Rudolf Augstein, Ahlers und weitere Redakteure verhaften und in Untersuchshaft stellen. Sie wurden innerhalb von Wochen nach und nach wieder aus der Untersuchungshaft freigelassen, Augstein nach 103 Tagen.

Die Vorwürfe führten nicht zu einer Anklage, so dass der Spiegel gestärkt aus der Affäre hervorging.[8]

Im Januar 1966 wollte der Spiegel-Verlag noch durch das Bundesverfassungsgericht feststellen lassen, dass die Durchsuchungsanordnung und Beschlagnahme gegen die Pressefreiheit verstoßen habe, die Verfassungsbeschwerde wurde aber abgewiesen.[9]

BRD-Behörden machten danach nie wieder einen ernsthaften Versuch, im Gewerbe des politischen Journalismus vielfach vorkommende Fälle von Verrat von Dienst- und Staatsgeheimnissen und ähnlichen Delikten strafrechtlich zu ahnden. Inzwischen müssen Journalisten, die sich der Beihilfe zum Verrat eines Dienstgeheimnisses schuldig machen, auch offiziell nicht mehr mit Bestrafung rechnen.[10][11]

Für die Aufdeckung bundesdeutscher Skandale in den 1950er und 1960er Jahren erhielt es den Namen „Sturmgeschütz der Demokratie“.


2 Inhaltliche Ausrichtung

Die politische Ausrichtung des Spiegel ist linksliberal. Kennzeichnend ist die durchgängige Vermischung von Information und Meinung und die sich daraus ergebende ideologisch-subjektive Färbung der vermittelten Inhalte. Seit den Anfängen hat sich eine Art Spiegel-Sprache gebildet. Der Journalist, Sachbuchautor und Sprachstillehrer Wolf Schneider nennt die Zeitschrift „den obersten Verhunzer der deutschen Sprache“.[12]

3 Sonstiges

Spiegel-online bindet Artikel der deutschen Wikipedia ein und hat mit Kurt Jansson (WMD) auch einen ihrer frühen Mitarbeiter eingestellt [13]

4 Redakteure

5 Besitzverhältnisse

Der Spiegel gehört der Verlags-Holding Rudolf Augstein GmbH. Die Anteile an der Verlags-Holding Rudolf Augstein GmbH verteilen sich wie folgt:

  • 24% Erbengemeinschaft Augstein
  • 25,5% Medienkonzern Gruner und Jahr, eine Tochter der (Bertelsmann AG)
  • 50,5% Kommanditgesellschaft der Mitarbeiter

6 Siehe auch

7 Literatur

  • Helmut Arntzen und Winfried Nolting: Der Spiegel. Analyse, Interpretation, Kritik. Fink-Verlag, München 1977, ISBN 3-7705-1536-6

8 Weblinks

9 Einzelnachweise

  1. Erfolge feiern mit Skandalen stern.de, 4. Januar 2007
  2. Ein Leitmedium braucht eine Leitfigur, tagesspiegel.de, 17. November 2007
  3. Siegfried Weischenberg, Maja Malik, Armin Scholl: Journalismus in Deutschland 2005. In: media perspektiven 7/2006.
  4. IVW-Zahlen 2. Quartal 2013 Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.; abgerufen 14. September 2013
  5. Die Welt: Die Krise hat den "Spiegel" erreicht Artikel vom 30. November 2012
  6. Wehrmachts-Deserteur Augstein Ernst Elitz in Die Zeit vom 28. Dezember 2006, abgerufen am 25. August 2012
  7. Caspar von Schrenck-Notzing: Charakterwäsche. Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen, Kapitel „Der Lizenzträger“, S. 111 ff.
  8. Caspar von Schrenck-Notzing: Charakterwäsche. Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen, S. 228 f.
  9. „Spiegel-Urteil“ Vom 5. August 1966, BVerfGE 20, 162; abgerufen am 25. August 2012
  10. Mitteilung Deutscher Bundestag vom 28. Oktober 2010 Abgerufen am 25. August 2012
  11. „Geheimnisverrat“ nicht länger strafbar Bericht vom 2. April 2012, abgerufen am 25. August 2012
  12. Wolf Schneider: Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. 2. Auflage (1997)
  13. Profil Kurt Jansson beim Spiegel

10 Andere Lexika