Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte

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Frontcover des Buches Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte
Vom Jerusalemer Tempel nach New York - 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte ist ein im Februar 2018 erschienenes Fachbuch von Boris Fernbacher über jüdische Musik und Musikgeschichte. Das Buch behandelt viele Themenbereiche, die in deutschsprachiger Literatur bislang noch gar nicht oder nur am Rande dargestellt wurden. Man kann das 484 Seiten und 192 Abbildungen (davon 120 Notenbeispiele) umfassende Buch für 24,90 Euro u.a. bei Amazon bestellen. Der potentielle Käufer kann das Vorwort und erste Kapitel des Buches hier kostenlos zur Probe lesen.

1 Rezeption

1.1 Michael Wolffsohn in der Jüdischen Allgemeinen vom 1. November 2018

Michael Wolffsohns Rezension des Buches in der Jüdischen Allgemeinen
Der bekannte deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn rezensierte Fernbachers Buch in der Jüdischen Allgemeinen vom 1. November 2018. Darin schrieb Wolfssohn:
"Empfehlenswert ist auch Boris Fernbachers Studie über 3000 Jahre jüdische Musikgeschichte. Nicht erst das Reformjudentum, die jüdischen und natürlich auch die christlichen Hippies haben weltliche und geistliche Musik miteinander verbunden. Schon im Ersten Jerusalemer Tempel wurde musiziert. Auch danach. Immer und überall. Alle drei Veröffentlichungen erinnern daran, dass Judentum eben mehr ist als die leider auch notwendige Dauerbeschäftigung mit dem Antisemitismus." [1]

1.2 Matti Goldschmidt in der Jüdischen Rundschau vom 6. Juli 2018

Der österreichisch-israelische Choreograph und Autor Matti Goldschmidt rezensierte Fernbachers Buch in der Jüdischen Rundschau vom 6. Juli 2018. Der Anfang der Rezension ist hier online einsehbar. Die vollständige Rezension kann man in der Printausgabe der Jüdischen Rundschau lesen.

Goldschmidt lobt in seiner ganzseitigen Rezension Fernbachers differenzierte Darstellung der Begriffs Jüdische Musik sowie den Versuch, sich der Frage über musikalische Merkmale zu nähern, und schreibt u.a.:

"Wenn also der in Berlin gebürtige Musikologe Curt Sachs (1881-1959) feststellt, dass jüdische Musik diejenige Musik sei, "die von Juden für Juden als Juden gemacht" wird, dann erkennt Fernbacher ganz richtig, dass in dieser Definition rein musikalische Kriterien ganz unberücksichtigt bleiben, und "der Begriff allein über die Person des Produzenten und Rezipienten der Musik bestimmt wird." (...) Fernbacher wählt einen anderen Ansatz, nämlich den Bereich Personalien oder vage kulturelle Bezüge zu verlassen, sondern eine Definition ausschließlich musikimmanenter Kriterien zu finden." [2]
Matti Goldschmidts Rezension des Buches in der Jüdischen Rundschau

Bei Fernbachers Kapitel über Rock- und Popmusik in Israel meldet Goldschmidt Zweifel an, ob dies Themengebiet auf 20 Buchseiten abzuhandeln ist "ohne dass wesentliche Abstriche gemacht werden müssten." Als Einstieg in die umfangreiche Thematik genüge Fernbachers Darstellung aber. Goldschmidt referiert dann ausführlich und detailliert Fernbachers Darstellung der Rock- und Popmusik in Israel. Dabei bemängelt er allerdings, dass das Buch auf einige wichtige populäre Musiker aus Israel, wie Asaf Avidan, Mosh Ben-Ari, Idan Raichel oder Dalai Lavi sowie den Ethnopop und arabischen Musiksektor kaum eingehe.

Goldschmidt lobt ausdrücklich das Literaturverzeichnis, bemängelt aber auch das Fehlen einiger Namen im Personenverzeichnis:

"Jedem Kapitel ist ein weiterführendes Literaturverzeichnis angehängt, definitiv geeignet, sich in der im jeweiligen Kapitel angesprochenen Thematik zu vertiefen. In vorbildlich anzuerkennender Fleißarbeit gibt es auch ein Namensregister, leider etwas unvollständig."

Goldschmidt zieht dennoch eine positive Bilanz und schreibt:

"In jedem Fall hat Fernbacher mit diesem Buch im deutschsprachigen Raum einen wichtigen Baustein zur Thematik "jüdischer Musik" geliefert. Der Autor glänzt durch ein umfangreiches Detailwissen, hie und da jedoch in vielerlei Exkursen recht gehörig vom Thema abweichend, ..."

Goldschmidts Rezension endet mit den Worten:

"Dem Autor ist es also durchaus gelungen, ein weites musikalisches Spektrum in seiner Aufsatzsammlung erfasst zu haben. Mit den Maßen 22 x 17 x 3 cm ist das Buch allerdings keinesfalls mehr ein "Taschenbuch", wie von Amazon angeboten, was aber sicher kein Hinderniss sein sollte, dieses Werk nicht in eine Sammlung jüdischer Bücher aufzunehmen. Jeder Interessierte an jüdischer Musik müsste daran seine Freude haben."

1.3 Rezension des Erfurter Kulturwissenschaftlers Dr. Hanns-Peter Mederer

"Einen Querschnitt durch die 3000jährige jüdische Musikgeschichte bietet der Klavierpädagoge und Experte des Themas, Boris Fernbacher, mit einer wohl erstmaligen Veröffentlichung dieser Art in deutscher Sprache. Vom Jerusalemer Tempel nach New York hält viele Überraschungen für Leser bereit, die zwar den Kanon bedeutender Werke europäisch-jüdischer Komponisten kennen, aber bisher wenig über teils religiös basierte Traditionsvermittlung wussten. Dabei wird sowohl ursprünglicher Synagogalmusik als auch der Entstehung eines spezifisch jüdischen „Jazz“ und Pop- und Rockmusik aus Israel nachgegangen. Ein Schwerpunkt liegt nach den Erläuterungen zur Genese mehrstimmiger Synagogalmusik auf der durch Auswanderungsbewegungen und die Pogrome der Nationalsozialisten (mit)bedingten Erfolgsgeschichte jüdischer Komponisten in Nordamerika, insbesondere in New York." [4]

2 Inhalt

  • Im Buch nimmt der sich seit Jahren ausgiebig mit jüdischer Musik und Geschichte beschäftigende Autor den Leser mit auf eine faszinierende Reise durch 3000 Jahre jüdischer Musikgeschichte: Vom Auszug aus Ägypten über Antike, Mittelalter und Neuzeit bis in unsere Gegenwart. Durch Israel und den Nahen Osten, Nordafrika, die Türkei, Südosteuropa, die Iberische Halbinsel, West-, Mittel- und Osteuropa bis nach Russland und in die USA. Es geht u.a. um traditionelle jüdische Gebete, die Musik der Chassidim, Jazz- und Rockmusik in Israel, mehrstimmige Musik der Synagoge, Musik aus den Konzentrationslagern, Lieder der Sephardim, einen jüdischen Minnesänger im Mittelalter, klassische Kompositionen über jüdische Themen, die Klänge im altisraelitischen Tempel in Jerusalem, jüdische Kantoren des 19. Jahrhunderts, die Musik der Juden in Nordamerika, Israel sowie im islamischen Raum und vieles mehr.
    Die aus Kuwait stammenden jüdischen Brüder Saleh und Daoud Ezra (hier im Gruppenbild) sind Thema des ersten Buchkapitels
  • Im Mittelpunkt steht dabei immer die Musik selber! Musikalische Stile, Gattungen und Entwicklungen im Judentum zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Regionen werden dargestellt. Ausführlich und detailliert werden weltliche Lieder, religiöse Hymnen und Gebete, Kompositionen der Klassischen Musik sowie Jazz- und Rocksongs musikwissenschaftlich analysiert. Biografien und allgemeine Darstellungen der historischen und religiösen Entwicklungen ergänzen dies, da ein tieferes Verständnis von Musik von Musik in ihrer jeweiligen Zeit nur aus dem Zusammenspiel dieser drei Faktoren erwachsen kann. 120 Notenbeispiele und 70, teils farbige Abbildungen erleichtern das Verständnis des Textes. Ein ausführlicher Apparat aus Quellenverweisen auf aktuelle Forschungsliteratur und etliche Anmerkungen in den Fußnoten laden zum vertiefenden Studium der Materie ein.

2.1 Kapitel I

  • Im ersten Kapitel geht es um das tragische Schicksal der Anfang des 20. Jahrhunderts in Kuwait geborenen Brüder Saleh und Daoud Ezra. Sie waren bis in die 1940er-Jahre mit ihrer traditionell arabischen Musik im Irak und den angrenzenden Ländern sehr erfolgreich und wurden von Juden wie Muslimen hoch geachtet. Das Aufkommen des arabischen Nationalismus und Antisemitismus machte aber auch ihnen bald das Leben schwer, so dass sie 1951 nach Israel auswanderten, wo sie nie wieder an ihre alten Erfolge anknüpfen konnten. Wir lernen in diesem Kapitel nicht nur die Musik der beiden Brüder kennen, sondern auch die Grundlagen der arabischen Musik und das damalige Musikleben, die Geschichte der Juden im islamischen Raum und das Zusammenleben von Muslimen und Juden sowie die zunehmende Vergiftung der Beziehungen zwischen den Religionen und Menschen durch den arabischen Nationalsimus und die Kriege zwischen Israel und der arabischen Welt.

2.2 Kapitel II

Die vielen Notenbeispiele im Buch (hier Melodien von Gebeten in Kapitel II) erleichtern dem Leser das nachvollziehen der musikalischen Analysen
  • In diesem Kapitel geht es um die Entwicklung der Synagogalmusik von der Spätantike über das Mittelalter bis in unsere Zeit. Anhand der Vertonungen der beiden traditionellen jüdischen Gebete Kol Nidre und Aleinu wird das Thema exemplarisch detailliert vertieft. Dabei wird ebenso auf den textlichen Inhalt der Gebete, die Textvarianten, die verschiedenen melodischen Realisierungen und typische, immer wiederkehrende musikalische Motive, die wecheslseitige Beeinflussung von christlicher und jüdischer Sakralmusik, das historisch sich wandelnde Musikleben in der Synagoge sowie das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Musik im Judentum und Islam eingegangen.

2.3 Kapitel III

  • Zu Anfang dieses Kapitels geht es um die gar nicht so einfach zu beantwortende Frage einer Definition von Jüdischer Musik. Ist es einfach nur Musik die von Juden komponiert, praktiziert und gehört wird? Oder ist ein textlicher Bezug zu jüdischer Religion und Kultur erforderlich? Gibt es besondere rein musikalische Merkmale jüdischer Musik. Oder lässt sich der Begriff Jüdische Musik gar nicht genau definieren und abgrenzen. Der Leser lernt im Kapitel die wichtigsten Modi jüdischer Sakralmusik und die Ausrichtung der Musik an den metrischen Eigenarten des Hebräischen kennen. Im folgenden werden diese Punkte im Detail an drei Kompositionen der nichtjüdischen Komponisten Max Bruch, Igor Strawinsky und Dmitri Schostakowitsch detailliert beleuchtet.

2.4 Kapitel IV

Das Buch bietet dem Leser auch (wie in diesem Ausschnitt aus Kapitel IV) viele farbige Abbildungen
  • Aus Israel stammende Jazzmusikern gehören heute zur Creme de la creme des internationalen Jazz. Wie kam es dazu? Wir starten in diesem Kapitel mit den bescheidenen Anfängen israelischer Jazzer in den 1950er-Jahren und lernen dann viele israelische Jazzmusiker kennen, die ab den späten 1980er-Jahren die Jazzwelt eroberten: Musiker wie Avishai Cohen, Yotam Silberstein, Daniel Zamir, Omer Klein, Amos Hoffman, Omer Avital und viele andere werden biografisch und in ihrem musikalischen Schaffen dargestellt.

2.5 Kapitel V

  • Im Kapitel Musik der Sephardim geht es um die musikalischen Traditionen der 1492 aus Spanien vertriebenen, und sich danach im ganzen Mittelmeerraum ansiedelnden Juden. Das Leben der Sephardim im mittelalterlichen Spanien wird ebenso betrachtet wie ihre späteren Lebenssituationen im osmanischen Machtbereich, Nordafrika und Europa. Danach geht es um typische Musikformen der Sephardim und die Weiterentwicklung ihrer Musik, die Gestaltung des säkularen wie sakralen Musiklebens und die wissenschaftliche Erforschung der sephardischen Musik im 19. und 20. Jahrhundert. Etliche sephardische Lieder, wie Quando el Rey Nimrod, Tres Hermanicas, Et dodim kalah oder A la una yo naci werden ausführlicher dargestellt und analysiert.

2.6 Kapitel VI

  • In diesem Kapitel geht es um das musikalische Leben in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Aus welchen Gründen ließen die Nazis dort ein Musikleben zu, und was motivierte die inhaftierten jüdischen Menschen zu musikalischem Schaffen? Das Kapitel stellt drei in KZ`s entstandene, berührende Kompositionen detailliert vor: Ilse Webers Lied Ich wandre durch Theresienstadt, das Chorwerk Al S`Fod von Pavel Haas und den Jüdischen Todessang von Martin Rosenberg. Anhand der letztgenannten Komposition wird auch anschaulich aufgezeigt, wie gesellschaftliche Ausgrenzung von ethnischen Gruppen funktioniert.

2.7 Kapitel VII

In Kapitel XI geht es um die Frage, ob der mittelalterliche Minnesänger Süßkind von Trimberg ein Jude war

2.8 Kapitel VIII

  • Das achte Kapitel geht der Entwicklung mehrstimmiger Musik im Rahmen der Synagoge nach. Nachdem die Ähnlichkeiten zwischen frühchristlicher Psalmodie und jüdischer Synagogalmusik beleuchtet wurden, werden zwei frühe mehrstimmige Werke jüdischer Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert analysiert. Danach geht es um das im 18. Jahrhundert in der Synagoge sich entwickelnde Musikleben mit Chören, Orgelbegleitung und berausragenden Kantoren und Musikern wie Salomon Sulzer, Louis Lewandowski, Hirsch Weintraub, Samuel Naumbourg oder Maier Kohn.

2.9 Kapitel IX

  • In diesem Kapitel wird neben der Siedlungsgeschichte der Juden in Nordamerika die Entwicklung ihres religiösen Lebens und ihrer religiösen Musik ab dem 17. Jahrhundert dargestellt. Dabei lernt man jüdische Rabbiner, Kantoren und alte religiöse Musiksammlungen kennen. Danach geht es um den ab 1880er sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden, virtuosen Gesang umjubelter Kantoren wie Yossele Rosenblatt oder Gershon Sirota. Ein Abschnitt zum Jiddischen Musiktheater in den USA schließt das Kapitel ab.

2.10 Kapitel X

  • Das zehnte Kapitel untersucht spezifisch jüdische Merkmale in der Musik von Ernest Bloch. Nach einem kurzen biografischen Abriss und einer Betrachtung seines Verhältnisses zu jüdischer Religion und Kultur werden seine beiden Werke Trois poemes juifs und Schelomo / Rhapsodie Hebraique detailliert analysiert.

2.11 Kapitel XI

  • In Kapitel XI geht es um die Frage, ob mit Süßkind von Trimberg im Mittelalter ein jüdischer Minnesänger durch deutsche Lande zog. Man lernt dabei einiges über die soziale Lage der Juden im Mittelalter, das Leben umherziehender Troubadoure und die Auseinandersetzungen zwischen Philosemiten und Antisemiten des 19. und 20. Jahrhunderts über die Frage "War Süßkind Jude?".

2.12 Kapitel XII

In Kapitel XIII über John Zorn werden auch ziemlich schräge/dissonante Musikwerke besprochen
  • Es geht um die Entwicklung der Rockmusik in Israel von den 1960er-Jahren bis in unsere Gegenwart. Der anfängliche Konflikt zwischen der hedonistisch orientierten westlichen Rockkultur und dem kollektivistischen Selbstverständnis des frühen Israel war dabei bestimmend. In den 10980er-Jahren kam die Rockmusik dann im Mainstream der israelischen Gesellschaft an. Der Leser lernt in diesem Kapitel viele in Israel gefeierte, aber in Europa eher unbekannte Musiker, wie Arik Einstein, Yoni Rechter, Shalom Hanoch, Shlomo Gronich, Matti Caspi, Yehudit Ravitz oder Aviv Geffen kennen.

2.13 Kapitel XIII

  • Das 13. Kapitel ist dem jüdisch-amerikanischen Avantgarde-Künstler John Zorn gewidmet. Sein Streichquatett Cat o`nine tails und sein Werk Kristallnacht werden ausführlich analysiert. Dabei wird auch auf Zorns Konzept der Radical Jewish Culture eingegangen. Betrachtungen zu weiteren Projekten Zorns, wie der Band Naked City oder seinen Masada-Projekten runden das Kapitel ab.

2.14 Kapitel XIV

  • Dies Kapitel befasst sich mit zwei jüdischen Komponisten aus den USA: Louis Moreau Gottschalk und Elie Siegmeister. Nach biografischen Abrissen, werden einige ihrer Kompositionen sowie ihr Musikstil im Kontext der amerikanischen Musikkultur dargestellt.

2.15 Kapitel XV

Analyse des Oboenkonzerts von Alexander Uriah Boskovich in Kapitel XVIII
  • In Kapitel XV geht es um das Musikleben in Altisrael/Palästina vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis ungefähr 400 n. Chr.. Die archäologischen Funde von Musikinstrumenten und ihrer bildlichen Darstellungen werden mit den Textstellen des Alten Testaments und anderen jüdische sowie nichtjüdischen Quellen abgeglichen. Die einzelnen antiken Instrumente Palästinas, wie tof, nevel, halil, hasoreah und schofar werden ebenso besprochen wie die Musikpraxis im Tempel und das weltliche Musikleben Altisraels sowie die wechselseitige Beeinflussung von altisraelitischer und frühchristlicher Sakralmusik.

2.16 Kapitel XVI

  • Es geht hier um drei jüdische Komponisten: Joseph Achron, Erich Zeisl und Arnold Schönberg. Neben ihrem Lebensweg, der auch wesentlich durch Flucht und Emigration geprägt war, werden viele ihrer Kompositionen ausführlich dargestellt: Zeisls Hebräische Melodie, zwei hebräischen Stücke, Violinkonzert und zwei Suiten, Schönbergs Variationen für Orchester, und sein Melodram Ein Überlebender aus Warschau sowie Zeisls Werke Requiem Hebraico, Menuhims Lied und sein 2. Streichquartett.

2.17 Kapitel XVII

  • Thema dieses Kapitels ist der Lebensweg der jüdischen Kantoren Emanuel Kirschner, Marcel Lorand und Isaac Algazi. Dabei lernen wir auch die unterschiedlichen musikalischen Traditionen der Juden Zentraleuropas, Osteuropas und der Türkei näher kennen.

2.18 Kapitel XVIII

  • In Kapitel XVIII geht es um den Versuch israelischer Komponisten, ab den 1930er-Jahren im Bereich der Klassischen Musik einen eigenen, nahöstlich-jüdischen Musikstil zu etablieren. Die von Max Brod und Alexander Uriah Boskovich ausformulierten, theoretisch-ideologischen Anforderungen an diesen, Mittelmeermusik genannten Stil werden dargestellt. Danach wird Leben und Werk von fünf israelischen Komponisten des Mittelmeerstils behandelt: Alexander Uriah Boskovich, Paul Ben-Haim, Marc Lavry, Josef Tal und Mordechai Seter. Von jedem dieser fünf Komponisten werden einzelne Werke ausführlicher analysiert. Neben dem rein musikalischen lernt der Leser in diesem Kapitel auch viel über das Alltagsleben und die Kultur im vorstaatlichen und frühen Israel.
    Abbildung des Baal Shem Tov in Kapitel XIX

2.19 Kapitel XIX

  • Thema dieses Kapitels sind die musikalischen Ausdrucksformen der vom 18. bis ins 20. Jahrhundert in Osteuropa bedeutsamen jüdisch-religiösen Richtung des Chassidismus. Die gesellschaftlichen und religiösen Ursachen des rasanten Aufstiegs des Chassidismus werden ebenso dargestellt wie die religiösen Unterschiede zwischen Chassidim und dem restlichen Judentum. Die zentrale Rolle von Musik und Tanz in der chassidischen Glaubenswelt wird beleuchtet. Schließlich werden die musikalischen Merkmale chassidischer Musikausübung dargestellt und mit denen ihrer nichtjüdischen Umgebung in Osteuropa und der des nicht-chassidischen Judentums verglichen.

2.20 Kapitel XX

  • Im letzten Kapitel des Buches wird das früher blühende Musikleben der in der islamischen Welt lebenden Juden dargestellt. Die Reise führt dabei von Marokko aus über den Maghreb nach Ägypten und danach durch den Nahen Osten nach Syrien, den Irak und Persien. Der Leser lernt dabei viele jüdische Musiker, wie u.a. Samy El Maghribi, Yosef Amar, Saoud l`Oranais, Lili Boniche, Louisa Sadoun, Daoud Hosni oder Leila Mourad kennen.

3 Einzelnachweise

  1. Rezension Wolfssohns in der Jüdischen Allgemeinen vom 1. November 2018
  2. Diese und alle folgenden, kursiv gesetzten Zitate von Matti Goldschmidt nach Matti Goldschmidt: Vom Jeruslamer Tempel nach New York : 3.000 Jahre jüdische Musikgeschichte / Der Autor Boris Fernbacher hat ein umfangreiches Werk über die verschiedensten jüdischen Musikrichtungen veröffentlicht; in Jüdische Rundschau Nr. 7 (47) Juli 2018/ Tamus - Aw 5778, S. 32
  3. Anm.: Mederer studierte Literaturwissenschaft, europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik. Er ist im Verlagsgeschäft und der Publizistik tätig. (www.amusio.com) Mederer ist u.a. Autor des Buches Musikgeschichte Dänemarks (www.tectum-verlag.de), eines Buches über Ludwig Bechstein als Kunsthistoriker, Novellist und Romanautor (www.buecher.de) sowie des im Heft Musik & Ästhetik erschienenen Beitrags Imitation – Adaptation – Amalgamierung? über Gattungspräferenzen in den polnisch-amerikanischen Musikbeziehungen. (www.klett-cotta.de)
  4. Hanns-Peter Mederer: Aktuelle Musikliteratur - Unverstaubt aus dem Museum; am 24. Juni 2018 auf www.amusio.com