Antisemitismus

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Buch "Antisemitismus der Welt in Wort und Bild. Der Weltstreit um die Judenfrage" aus dem Jahre 1935.

Antisemitismus ist eine rassistische Ideologie, die sich gegen Menschen jüdischer Abstammung oder jüdischen Glaubens richtet. In seiner schlimmsten Ausprägung führte der Antisemitismus zu Völkermorden an Menschen jüdischer Abstammung, so auch zum Holocaust, dem systematischen Massenmord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten, bei dem mindestens sechs Millionen Menschen jüdischen Hintergrunds zwischen 1933 und 1945 ermordet wurden, aber auch dem für heutige Europäer in seinen Ausmaßen kaum vorstellbaren Antisemitismus in den traditionell muslimischen Ländern, der inzwischen durch muslimische Einwanderer und Flüchtlinge auch in Europa zunehmend an Einfluss gewinnt.

1 Antisemitismus im linken sowie rechten Spektrum[Bearbeiten]

Der Antisemitismus ist entgegen einer vielfach verbreiteten Meinung keine Ideologie, die nur im politisch rechten Spektrum verbreitet ist.[1] Es gibt umfangreiche Literatur, welche belegt, dass auch die politische Linke gegen den Zionismus und die Existenz des Staates Israel Argumente anführt. Diese Argumente gipfeln teilweise in Vergleichen zwischen dem Nationalsozialismus und der heutigen Politik des Staates Israel. So wird etwa auch von linken Politikern der Staat Israel als rassistisch bezeichnet, antijüdische Aktivitäten in der Arabischen Welt werden heimlich oder offen unterstützt. Dies wird unter anderem von der Jüdischen Allgemeinen kritisiert.[2]

2 Christliches Abendland[Bearbeiten]

Plünderung der Judengasse in Frankfurt am Main im Jahr 1614; Kupferstich von Matthäus Menan aus dem Jahr 1619
Bereits im Mittelalter wurden Juden als fremdartiges Volk angesehen, dass innerhalb der Städte in eigenen Vierteln, den sogenannten Ghettos, wohnen musste. Entsprechend gab es auch zahlreiche Judenverfolgungen (Pogrom). Die zum Beispiel in der Wikipedia verbreitete Behauptung, den Juden habe „mit der Konversion zum Christentum stets die Integration in die herrschende Kultur offen“ gestanden,[3] widerspricht den Forschungsergebnissen der Geschichtswissenschaft. Vielmehr war es so, dass sich in Europa viele Juden durch die christliche Taufe vor einer Verfolgung zu schützen versuchten. Nach der Zeit des Nationalsozialismus ist der Antisemitismus verstärkt Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Zu den bekannten Forschern gehören Wolfgang Benz und Daniel Goldhagen.

3 Muslimische Welt[Bearbeiten]

In der muslimischen Welt kann man noch heute antisemitische Hetze wie zur NS-Zeit Live erleben: Israels Premierminister Ehud Olmert als Adolf Hitler (Karikatur der algerischen Zeitung Al-Khabar aus dem Jahr 2008)
Die von Gutmenschen, Multikulti-Fans und den Medien besonders in Deutschland gerne verbreitete Legende, nach der Juden im früher angeblich so toleranten Islam über Jahrhunderte sicher und frei leben konnten entspricht nicht der historischen Wahrheit. Juden wurden unter den islamischen Herrschern des Mittelalters und den darauf folgenden Osmanen zwar etwas liberaler behandelt als im Abendland, von einer diskriminierungsfreien Behandlung kann aber nicht im erntferntesten gesprochen werden. Der Hass gegen Juden ist bereits vom Propheten Mohammed im Koran deutlich ausformuliert. Juden mussten als Ungläubige (dhimmis) genauso wie Christen Sondersteuern entrichten, lebten ausgegrenzt in Ghettos (mellah), durften nach Einbruch der Nacht die Stadt nicht verlassen bzw. wieder betreten und mussten teils sie identifizierende Symbole wie Judensterne tragen. Vor Gericht galt ihr Wort gegen die Aussage eines Muslim nichts, sie durften keine Waffen tragen und oft auch nicht reiten. Unter religiös besonders fanatischen Herrschern wurden die Juden u.a. vor die Wahl gestellt zum Islam zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Immer wieder kam es über Jahrhunderte auch in der muslimischen Welt zu blutigen Pogromen gegen Menschen jüdischen Glaubens. Im 20. Jahrhundert steigerte sich der Antijudaismus der islamischen Welt zu einem bis heute anhaltenden Antisemitismus brutalster Ausprägung, der kaum weniger bösartig und menschenverachtend als unter dem NS-Regime in Deutschland ist. Ab den frühen 1950er-Jahren haben es die Herrscher der muslimischen Welt unter tatkräftiger Mithilfe ihrer Bevölkerung und der antisemitischen Hetzreden von Immamen geschafft, innerhalb weniger Jahre die fast eine Million, seit Jahrhunderten in Nordafrika, dem Nahen Osten und Persien lebenden Juden oft unter Einziehung des gesamten Vermögens aus dem Land zu vertreiben. Bis heute werden Kinder in islamischen Ländern im Schulunterricht und im Islamunterricht systematisch antisemitisch aufgehetzt. Es existieren unzählige antisemitische Propagandafilme, Karrikaturen und Hasslieder auf Israel, das man am liebsten (wenn man denn militärisch und wirtschaftlich etwas potenter wäre) dem Erdboden gleich machen würde. Näheres dazu im Pluspediaartikel Antisemitismus in islamischen Ländern.

4 Formen des Antisemitismus[Bearbeiten]

"Betrachtet man die Ergebnisse der Antisemitismusforschung, dann lassen sich zwei Facetten des klassisch offenen Antisemitismus identifizieren: der Mythos, dass Juden zu viel Einfluss haben und die Unterstellung, Juden seien durch ihr Verhalten an ihrer Verfolgung mitschuldig. Der Schuldvorwurf ist tief in antisemitische Argumente verstrickt, von den Anfängen der Beschuldigung am Tod Christi, über vergiftete Brunnen im Mittelalter bis zum heutigen Vorwurf der Mitschuld am Holocaust. Daneben verweist Bergmann (2002) auf einen sekundären Antisemitismus, der alte Vorurteile verklausuliert und weniger offen ausdrückt. Andere Autoren sprechen von einem latentem Antisemitismus (Frindte 1999), wobei Ausprägung und Charakter solcher modernen Facetten trotz z. T. unterschiedlicher Benennung weitgehend Konsens ist. Wir schlagen vor, alle moderneren Facetten als transformierte Formen zu begreifen (Zick/Küpper 2005a). Der Begriff der Transformation betont die dem Zeitgeist angepassten Erscheinungsform einer im Kern konsistenten und feindseligen Einstellung.

Zum transformierten Antisemitismus gehören (1.) sekundäre Facetten, wie der Vorwurf, dass Juden aus der Vergangenheit Vorteile ziehen und die (implizite) Forderung nach einem Schlussstrich unter die Vergangenheit, die sich in dem Unwillen ausdrückt, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören und die Verbrechen an den Juden "auch heute noch vorgehalten zu bekommen". Beide Facetten nehmen Bezug auf den Holocaust. Die Zustimmung zum sekundären Antisemitismus ist erschreckend hoch. Im Jahr 2005 stimmten 45% (52% in 2002) der Aussage zu: "Viele Juden versuchen aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen." 64% der Befragten ärgerten sich darüber, "dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden", und forderten damit implizit einen Schlussstrich. Bereits eingangs haben wir erwähnt, dass 62, 2% meinten: "Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören."

In der modernsten Form zeigt sich der transformierte Antisemitismus in Einstellungen, die über den Umweg einer Israelkritik kommuniziert werden; also jenem Antisemitismus, der als 'Neuer Antisemitismus' diskutiert wird (Rabinowitz/Speck/Sznaider, 2004; Gessler, 2004). Auch die Kritik an Israel, die mit antisemitischen Untertönen und Vergleichen operiert, die die Ablehnung von Juden begründen (Heyder/Iser/Schmidt 2005), transportiert antijudaistische Mythen. Dazu gehört (2.) ein Israelbezogener Antisemitismus, also eine Ablehnung von Juden, die durch die israelische Politik legitimiert wird. Fast 32% äußerten Antisemitismus mit Israelbezug, d.h. sie verallgemeinerten Juden mit Israel: "Durch die israelische Politik werden mir die Juden immer unsympathischer." 44% bestätigten diesen Vorwurf: "Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat."

Ebenso gehört zum transformierten Antisemitismus (3.) eine Israelkritik, die auf (unnötige) NS-Vergleiche und Assoziationen wie z.B. der Gleichsetzung israelischer Interventionen mit dem "Vernichtungskrieg" zurückgreift. In 2004 stimmten 68, 3% der Aussage zu, dass Israel einen "Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser" führt, und 51, 2% der Befragten meinten: "Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reichen mit den Juden gemacht haben."

Eine weitere Facette ist (4.) durch das Vorurteil definiert, einheimische Juden wären nicht Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung, sondern fühlten sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden und interessierten sich auch mehr israelische als für deutsche Angelegenheiten. Dieser separationistische Antisemitismus drückt sich in 2004 bei 55, 6% der Befragten aus, indem sie zustimmen: "Die deutschen Juden fühlen sich stärker mit Israel als mit Deutschland verbunden". Zudem stimmten 47, 8% der Aussage zu: "Die Juden hierzulande interessieren sich mehr für israelische als für deutsche Angelegenheiten."

Besonders auffällig ist auch, dass eine nicht antisemitische Israelkritik zwar möglich, aber selten ist. 90% derjenigen, die eine Kritik an Israel äußern, signalisieren auch Zustimmung zu mindestens einer genannten Facette. Nur 11% aller Befragten stimmten in 2004 keiner der Facetten des Antisemitismus zu."[4]

5 Siehe auch[Bearbeiten]

Antisemitismus in islamischen Ländern

6 Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Broders Abrechnung mit linkem Antisemitismus
  2. Artikel in der Jüdischen Allgemeine
  3. Definition im Blog "Wikipedia"
  4. Andreas Zick, Beate Küpper: Traditioneller und moderner Antisemitismus. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 28. November 2006