Samuel Naumbourg

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Samuel Naumbourg [1] (* 15. März 1817 in Donaulohe / Bayern; gest. 1. Mai 1880 in Saint-Mandé nahe Paris [2]) war ein jüdischer Kantor, Chordirigent, Komponist und Sammler jüdischer Musik und einer der bedeutendsten Reformatoren synagogaler Musikpraxis.
Der jüdische Kantor, Chordirigent, Komponist und Musiksammler Samuel Naumbourg auf einer Lithographie.
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1 Vita

Naumbourg entstammte einer alten Kantorenfamilie. Sein Vater Baruch Elkan Naumburg (1773 - ca. 1830) war Oboist. [3] Dessen Brüder Wolf Elkan Naumburg (1781 - 1853), Simson Wolf Naumburg, Samuel Naumbourg Großvater Elkana Wolf Naumburg (1746 - 1828) sowie sein Urgroßvater Baruch Naumburg (1707 - ca. 1752) waren Kantoren im mittelfränkischen Raum. Bereits der ältesteste nachweisbare Vorfahr, Abraham Naumburg, war um 1612 Kantor in Prag. [4]

Seine musikalische Ausbildung erhielt Samuel Naumbourg in München, wo er im Synagogalchor von Maier Kohn sang. [5] Von 1838 bis 1840 war er als Chordirigent in Straßburg tätig, und danach Kantor in Besançon. 1843 kam er nach Paris und wurde 1845 auf Empfehlung des Komponisten Jacques Fromental Halévy als Nachfolger von Israel Lovy zum Kantor an der Synagoge der Rue Notre-Dame-de-Nazareth berufen. Von der Leitung der Synagoge und dem französischen Staat erhielt er die Erlaubniss, eine Reform der liturgischen Musikpraxis durchzuführen. [6] Es ging darum, die unterschiedlichen jüdischen Gebräuche zusammenzufassen und eine gemeinsame musikalische Grundlage für Frankreichs Synagogen zu schaffen. [7] Daneben übernahm er eine Professur für liturgische Musik am Séminaire israélite de France. Im Jahr 1846 wurde Naumbourg in Frankreich naturalisiert, d.h. eingebürgert. Gegen Ende seines Lebens wurde er mit dem Ordre des Palmes Académiques, der höchsten Auszeichnungen in Frankreich für Verdienste um das französische Bildungswesen, ausgezeichnet. [8]

2 Werk

1847 veröffentlichte Samuel Naumbourg den ersten Band seines großen synagogalen Gesangswerkes Zemirot Yisrael (dt.: Lieder Israels) [9]. 1852 und 1862 erschienen der zweite und der dritte Band, [10] und 1864 erschien bereits die zweite Auflage. [11] Das Zemirot Yisrael enthält neben traditionellen Melodien vor allem aus Süddeutschland auch zahlreiche eigene Kompositionen und solche von Musikerkollegen wie Jacques Fromental Halévy, Israel Lovy, Charles-Henri-Valentin Alkan und Giacomo Meyerbeer. [12] Naumbourgs eigene Kompositionen sind stark von der damals in Paris populären Opernmusik beeinflusst. [13]
Deckblatt der Chants religieux des Israëlites von Samuel Naumbourg.
Die Stücke des Zemirot Yisrael sind für Solostimme des Kantors, zwei- bis vierstimmigen Chor und teilweise auch Orgel- oder Klavierbegleitung gesetzt. [14] Der jüdische Musikwissenschaftler Abraham Zevi Idelsohn sieht, obwohl er Naumbourgs Leistung der Sammlung traditioneller Melodien anerkennt, dessen eigene Kompositionen eher kritisch. Er attestiert ihnen einen unjüdischen Charakter und bezeichnet seine Harmonisierungen als konservativ und zum Teil auch stumpf. Idelsohn schreibt u.a.:
"Another important feature in Naumbourg`s work is that among his compositions we find, for the first time in modern services, creations of new Jewish tunes based upon old material. (...) Though his talent was inferior to that of Sulzer, his harmony conservative and at times dull, he succeded in creating some impressive pieces, such as No. 179 Veseerav, No. 23 Berash Hashonoh, No. 269 Onnoh tovo. In regard to Naumboug`s style in his un-Jewish creations for the Synagogue, a word should be said. He was influenced by the art music then current in Paris." [15]

Ähnlich kritisch zur Musik Naumbourgs äußert sich auch der Musikhistroriker und Judaist David Conway, indem er u.a. schreibt:

"The music of Zemirot Yisrael is broadly conventional, in conformity with Halevy`s middle-of-the road operatic style. Few oft the pieces published in this volume, or in its sucessor, Shir Kodesh (1864), evince any Judaic musical origin, ..." [16]

Mit der Sammlung Zemirot Yisrael wirkte Naumbourg dennoch vor allem im französischen Sprachraum stilbildend. Seine Musik verbreitete sich darüber hinaus auch in ganz Europa und teilweise sogar in den USA, wo einige seiner Stücke immer noch zum Standardrepertoire von Kantoren und Synagogenchören gehören. [17] 1847 erschien seine Sammlung Chants Liturgicals des Grandes Fêtes. [18] 1864 veröffentlichte er dann die Sammlung Shire Qodesh, und 1874 brachte er unter dem Titel Aguddat Shirim eine Sammlung traditioneller Melodien der Synagoge auf den Markt. Die Sammlung enthält neben ashkenasischen Melodien auch solche aus dem sephardischen Raum (Portugal).

Dem US-amerikanische Musikwissenschaftler John H. Baron nach habe Naumbourg, nachdem Salomon Sulzer den eleganten klassischen Stil Beethovens und Schuberts, und Louis Lewandowski den romantischen Stil Mendelssohns und Schumanns mit traditionellen Elementen jüdischer Liturgie verbunden und in die Synagoge gebracht haben, dasselbe für die zeitgenössische Musik Frankreichs, speziell die Opernmusik mit ihren berauschenden Chören, geleistet. [19]

Schwieriger in westliche Musik zu integrierende Modi jüdischer Musik, wie den Modus Ahavah Rabbah vermied Naumbourg in seinen Musikstücken fast gänzlich. Er wählte sich überwiegend die Lieder aus, deren melodische Struktur sich am leichtesten in die abendländische Dur-Moll-Tonalität integrieren ließen. [20]

Samuel Naumbourg hat im Auftrag des Barons Edmond Rothschild unter Mithilfe der jungen französischen Komponisten Vincent D`Indy [21] das nur in verstreuten Teilen verfügbare Werk Haš- šîrîm ašer liš-Šelomo / השירים אשר לשלמה des jüdisch-italienischen Komponisten Salomon Rossi aus dem Jahr 1622 zusammengeführt zum Druck vorbereitet, [22]
Das Lied Shir hamma`alot aus Salomo Rossis Haš- šîrîm ašer liš-Šelomo in der Ausgabe von Samuel Naumbourg aus dem Jahr 1877.
und im Jahr 1877 unter dem Titel Shir ha-Shirim Asher li-Shelomoh in Paris herausgegeben. [23] Aus unerklärlichen Gründen fehlen hier allerdings drei der insgesamt 33 Lieder des Originals. [24]

Naumbourg betätigte sich auch Erforscher traditioneller jüdischer Musik. Als Einleitung zum seinem Aggudat Shirim verfasste er einen Essay, in dem er jüdische Musik musikhistorisch und musiktheoretisch betrachtet. Er geht dabei u.a. auch auf die jüdischen Modi und Kantillationsweisen sowie Kantillationszeichen (te'amim) ein. Dies stellte einen der ersten Versuche dar, sich historisch und theoretisch mit jüdischer Musik auseinanderzusetzen [25] Auch für seine Sammlung Zemirot Yisrael verfasste er einen Essay, in dem er sich z.B. mit Gesangstechniken befasst und sich u.a. auch an einer Rekonstruktion der altisraelischen Tempelmusik versucht. Dieser Text wurde 1854 vom österreichischen Musikkritiker Hans Gall in das Deutsche übersetzt, und erschien im Jahr 1854 unter dem Titel Über hebräische Musik in der Neuen Berliner Musikzeitung. [26]

3 Links und Quellen

3.1 Siehe auch

3.2 Weblinks

3.2.1 Publikationen von Samuel Naumbourg

3.2.2 Videos

3.3 Literatur

  • Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, Seite 260 bis 266
  • Encyclopedia Judaica, Band XV - Nat–Per, 2. Aufl., Keter Publishing House Ltd., 2007, Seite 37
  • Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie, Band IV, Leipzig, 1930, Seite 507 ff.
  • Eliyahu Schleifer: Samuel Naumbourg - Kantor der französisch-jüdischen Emanzipation, Hentrich und Hentrich Verlag Berlin, 2013

4 Vergleich zu Wikipedia



4.1 Einzelnachweise

  1. Anm.: Seinen Nachnamen hat er wohl in Frankreich von Naumburg (so hießen alle seine Vorfahren) zu Naumbourg "franzosisiert".
  2. Jewish Encyclopedia
  3. The Jewish Musicians of Dennenlohe auf www.alemannia-judaica.de
  4. Rolf Hofmann: Naumburg Family auf www.alemannia-judaica.de
  5. Marsha Bryan Edelman: Discovering Jewish Music, The Jewish Publication Society, 2003, S. 62
  6. Encyclopedia Judaica, Band XV - Nat–Per, 2. Aufl., Keter Publishing House Ltd., 2007, S. 37
  7. Martha Stellmacher: Von Budapest nach Straßburg - Der Kantor Marcel Lorand (1912-1988); in Rebekka Denz und Dorothea M. Salzer: 'Ein Gebet ohne Gesang ist wie ein Körper ohne Seele.' - Aspekte der synagogalen Musik, Universitätsverlag Potsdam, 2014, S. 43
  8. www.emanuelnyc.org
  9. Anm.: Der Untertitel des Werkes lautete Chants religieux des Israëlites.
  10. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S.
  11. Encyclopedia Judaica, Band XV - Nat–Per, 2. Aufl., Keter Publishing House Ltd., 2007, S. 50
  12. Günther Grünsteudel: Musik für die Synagoge - Die Sammlung Marcel Lorand der Universitätsbibliothek Augsburg, Universitätsbibliothek Augsburg, 2008, S. 14
  13. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 264 und 265
  14. Encyclopedia Judaica, Band XV - Nat–Per, 2. Aufl., Keter Publishing House Ltd., 2007, S. 37
  15. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 264
  16. David Conway: Jewry in Music - Entry to the Profession from the Enlightenment to Richard Wagner, Cambridge University Press, 2012, S. 220
  17. John H. Baron: A Golden Age for Jewish musicians in Paris: 1820-1865, Musica Judaica, Vol. XII, 1991/1992, S. 137
  18. Eliyahu Schleifer: Samuel Naumbourg - Kantor der französisch-jüdischen Emanzipation, Hentrich und Hentrich Verlag Berlin, 2014, S. 24 ff.
  19. Von den Pluspediaautoren in das Deutsche übersetzt. Im Original schreibt John H. Baron: "Just as Sulzer brought the elegant classical style of Schubert and Beethoven into the synagogue, and Lewandowski the lerned romantic style of Mendelssohn and Schumann - in each case synthesizing those influences with long established traditional Jewish liturgical elements - so Naumbourg intermingled the ingredients of liturgical tradition with some of the sounds od contemporaneous French music, even ocassionally echoing the rousing choruses of Europe`s most sucessful opera house: the Paris Grand Opera." (John H. Baron: A Golden Age for Jewish musicians in Paris: 1820-1865, Musica Judaica, Vol. XII, 1991/1992, S. 137)
  20. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 249
  21. John H. Baron: A Golden Age for Jewish musicians in Paris: 1820-1865, Musica Judaica, Vol. XII, 1991/1992, S. 137
  22. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 265
  23. Marsha Bryan Edelman: Discovering Jewish Music, The Jewish Publication Society, 2003, S. 63
  24. Eduard Birnbaum: Jüdische Musiker am Hofe von Mantua von 1542-1628, Waizner & Sohn, Wien, 1893, S. 17
  25. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 265
  26. Annkatrin Dahm: Der Topos der Juden - Studien zur Geschichte des Antisemitismus im deutschsprachigen Musikschrifttum, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2007, S. 87 und 88

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