Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage (Bensoussan)

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Cover von Georges Bensoussans Buch Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage
Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage ist der deutsche Titel eines im Jahr 2019 beim Verlag Hentrich & Hentrich erschienenen Fachbuches. Autor ist der aus Marokko stammende und in Frankreich lebende jüdische Historiker Georges Bensoussan. Er schreibt über das historische Verhältnis zwischen Muslimen und Juden im Maghreb, in Ägypten, dem Nahen Osten, dem Jemen und Iran, sowie die in diesen Ländern stattfindende antisemitisch motivierte Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung jüdischer Menschen durch Muslime. Das Buch erschien 2017 auf Französisch unter dem Titel Le Juifs de monde arabe - La question interdite. Eine Vorgängerversion gab es bereits 2012 unter dem Titel Juifs en pays arabes.
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1 Inhalt

In dem mit einem Vorwort des deutschen Politikwissenschaftlers Stephan Grigat beginnenden und 191 Seiten umfassenden Buch räumt Bensoussan mit der nach seiner Ansicht historisch falschen Legende auf, wonach die Juden in Mittelalter und früher Neuzeit im von Muslimen beherrschten Spanien (al-Andalus), im Maghreb und im Nahen Osten friedlich unter toleranter islamischer Herrschaft gelebt hätten. Auch wendet er sich gegen das heute weitverbreitete Narrativ, der starke arabisch-muslimische Antisemitismus sei nur ein Import des europäischen Antisemitismus des frühen 20. Jahrhunderts gewesen und dann erst durch den Zionismus und die jüdische Ansiedlung in Palästina sowie die Gründung des Staates Israel entstanden. Dies sei eine von Muslimen und meist linken westlichen Antisemiten[1] betriebene Geschichtsfälschung.

Anhand unzähliger Dokumente von in der arabischen Welt Reisenden, sowie von Ärzten, Verwaltungsbeamten, Geografen des 19. und 20. Jahrhunderts, arabischen und kolonialen Verwaltungsdokumenten, Äußerungen zeitgenössischer islamischer Theologen und Intellektueller, Erzählungen im Orient aktiver europäischer Diplomaten sowie aus der arabischen Welt migrierter Juden und Berichten der Alliance Israélite Universelle belegt Bensoussan eindrucksvoll, dass der arabische Antisemitismus im Maghreb und Nahen Osten eine ununterbrochene jahrhundertelange, autochtone Tradition hat. [2]

2 Die traditionelle Rolle der Juden der arabischen Welt

Massaker von Mohammed und seinen Gefolgsleuten am jüdischen Stamm der Banū Quraiza im Jahr 627 in einer Darstellung aus dem 18. Jahrhundert
Nachdem die Araber im 7. Jahrhundert in wenigen Jahrzehnten den Nahen Osten, Persien, Nordfrika und Spanien erobert hatte, herrschten sie über viele Menschen anderen Glaubens; Zoroastrier, Juden, Christen der verschiedensten Konfessionen, Hindus und Anhänger von Naturreligionen. Juden und Christen wurden als Anhänger einer Buchreligion von den Muslimen besser behandelt als Heiden und Hindus. Ihnen wurde der Status von Dhimmis (Schutzbefohlenen) [3] zuerkannt. Dieser Status bedeutete, dass sie zwar einen gewissen Schutz ihrer muslimischen Herren genossen und z.B. nicht grundlos umgebracht werden sollten, nicht aber, dass sie den Muslimen auch nur annähernd gleichgestellt waren. So mussten Juden eine Sondersteuer zahlen, durften nicht auf Pferden reiten und auch keine Waffen tragen, durften nicht Arabisch lernen oder den Koran lesen, konnten von Muslimen ungestraft beleidigt oder geschlagen werden und mussten die Straßenseite wechseln wenn sie einem Muslim begegneten. Sie durften keine Muslime heiraten, keine Sklaven halten und mussten in muslimischen Vierteln die Schuhe ausziehen und barfuß gehen. [4] Ihre Zeugenaussagen vor Gericht zählten nicht und die Tötung eines Juden durch einen Muslim hatte nur eher symbolische Geldstrafen zur Folge (ähnlich wie man heute nur mit einer Geldstrafe rechnen muss wenn man den Hund eines anderen Menschen tötet). Juden mussten häufig diskriminierende Abzeichen an ihrer Kleidung tragen, die sie als Juden kennzeichnete und mussten häufig in eigenen Stadtvierteln (Mellah) leben. Immer wieder kam es auch zu gewalttätigen Pogromen gegen Juden oder zu Ausweisungen von Juden aus einem muslimischen Herrschaftsbereich. Im Jahr 1790 kam es im jüdischen Viertel der marokkanischen Stadt Tetouan zu einem antijüdischen Pogrom. Der Zeitgenosse Muhammad al-Du`ayyif al-Ribati berichtete in folgenden Worten darüber:
"Sie fielen über die jüdischen Frauen her und nahmen ihnen ihre Jungfräulichkeit. Sie plünderten was immer ihnen unter die Finger kam und ließen die nackten Leichen den überlebenden Juden zur Warnung liegen. Sie zerstörten die Dächer der Häuser und zerstörten die Brunnen." [5]

Dies System der Dhimmitude hatte wenig mit tolerantem und gleichberechtigtem Zusammenleben, friedlicher Symbiose oder interkulturellem Dialog nach heutigem Verständnis zu tun, [6] sondern glich eher dem Apartheidssystem [7] in Südafrika. Die Juden der islamischen Welt waren ganz unmissverständlich Menschen 2. Klasse ohne verbriefte Rechte, deren Leben und Lebenswirklichkeit vom Wohlwollen der muslimischen Herrenmenschen abhing.

3 Ankunft der europäischen Kolonialmächte

Das Décret Crémieux von 1870 nach dem die Juden der französischen Kolonie Algerien die französische Staatsbürgerschaft mit allen damit verbundenen Rechten beantragen konnten führte zu verstärktem Judenhass der in Algerien lebenden muslimischen Mehrheit
Solange die Juden sich in diese unterwürfige Rolle des Dhimmi fügten wurden sie von den ihre Überlegenheit geniessenden Muslimen in ihrem Herrschaftsbereich geduldet. Dies trotz seiner Unmenschlichkeit über Jahrhunderte eingespielte System kam dann durch den Einruch des Westens und der Moderne sowie die Besetzung arabischer Länder durch die europäischen Kolonialmächte ins Wanken. Die Europäer reduzierten die rechtlich Ungleichbehandlung von Juden und Muslimen zumindest formal. [8] Durch die Kolonialmächte bestand auch auf einmal für Muslime, Christen und Juden der arabischen Welt die Möglichkeit einer Schulbildung und der Aneignung von modernem Wissen und den Werten der Aufklärung. Juden und Christen machten von diesen neuen Möglichkeiten fleißig Gebrauch, während die Muslime das westliche Wissen eher ablehnten und lieber in ihren vormodernen Vorstellungen verharrten. Dies führte dazu, dass die Juden ihren einstigen muslimischen Herren bald in punkto Wissen und beruflichen Qualifikationen weit überlegen waren, teilweise wirtschaftlich erfolgreicher als die Muslime agierten und auch in der Kolonialverwaltung häufiger eingesetzt wurden.

Dass die ihnen einst unterworfenen Juden den Muslimen nun gleichgestellt waren und diese in punkto Bildung und beruflichem Erfolg zum Teil auch überflügelten, empfanden die an ihre Rolle als Herrenmenschen gewohnten Muslime als tiefe Ungerechtigkeit, Demütigung und Kränkung. Dies war nach Bensoussan die eigentliche, tiefere Ursache des sich nun in der muslimischen Welt entwickelnden, zunehmend gewalttäig und exterminatotisch werdenden arabischen Antisemitismus. Die Muslime protestierten zuerst meist erfolglos bei den Kolonialmächten gegen die Gleichstellung der Juden. So begannen sie die neuen Gesetze zu missachten und zu unterlaufen, und drangsalierten und unterdrückten die Juden im Alltagsleben noch stärker und hasserfüllter als vorher, was die Kolonialmächte aus Rücksicht auf die muslimische Bevölkerungsmehrheit teilweise nicht verfolgten und damit inoffiziell tolerierten. Bensoussan stellt diese gekränkte Einstellung der Muslime anhand eines Zitates des Arabischen Komitees von Jerusalem aus dem Jahr 1938 zur jüdischen Einwanderung nach Palästina dar. In diesem Zitat des Arabischen Komitees heißt es:

"Vor der Einwanderung haben die arabischen Länder einen friedlichen, ins sein Schicksal ergebenen, glüclichen Typ von orientalischem Juden gekannt haben, dankbar dafür war, vor Verfolgungen sicher zu sein: Ganz anders ist das Exemplar, das Palästina jetzt in einwandernden und kolonisierenden Juden erkannt. Voller Arroganz und Dünkel geriert er sich als ausschließlicher Herr des Landes." [9]
Bensoussan schreibt dazu:
Die Ruinen des jüdischen Viertels (Mellah) des marokkanischen Fès nach dem Pogrom von 1912
"Was ist ein "glücklicher und in sein Schicksal ergebener" Jude? Es ist jener, der "an seinem Platz zu bleiben" weiß, nach dem Vorbild der bescheidenen Leute, die "aus Instinkt" ihre Hoffnungen an die Sicht anpassen, die sie von sich selbst haben. Wie die Frau muss der Jude leise sprechen und die Augen niederschlagen, dieser Ausdruck, der für sich allein schon aus einer Identität (der Gattung, der Ethnie oder Kultur) das Schicksal eines Erniedrigten macht. Der "glückliche und in sein Schicksal ergebene" Jude ist jener Unterdrückte, der "seine Stellung zu halten" weiß, indem er der vertraute Unterworfene von eh und je bleibt." [10]

Im weiteren Verlauf des Buches führt Bensoussan in folgenden Worten aus, dass der arabische Antisemitismus schon vor dem Zionismus, der NS-Zeit und der Gründung Israels existierte:

"In Wirklichkeit hat der Untergang schon lange vor dem Erscheinen des Zionsimus begonnen,, als vermittelt durch die Alphabetisierung und einen zaghaften Prozess der Verwestlichung die jüdischen Gesellschaften sich daran machten, den Abstand zu den arabischen Gesellschaften zu vergrößern. Da sie sich allmählich zwar de facto, aber niemals de jure und noch weniger in den Augen der muslimischen Nachbarn emanzipierten, wurde die Existenz der Juden in der arabischen Welt von der Mehrheit bald schon als Existenzbehinderung angesehen. Denn, wie Jean-Jaques Rosseau bemerkte: "Es ist unmöglich, alles, was uns, insofern es etwas istm daran hindert, alles zu sein, nicht zu verabscheuen."" [11]

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kommt es in vielen Städten des Osmanischen Reiches zu Ritualmordvorwürfen gegen Juden und im Anschluss daran zu Boykotten gegen und Morden an Juden. Im Iran häufen sich um 1875 antisemitische Vorfälle. In der Stadt Hamadan werden Juden gelyncht und ihre Leichen anschließend mit Teer beschmiert und angezündet. Es folgen Plünderungen jüdischer Häuser und Geschäfte. Es werden zusätzlich diskriminierende Anordnungen gegen Juden erlassen. Im Jahr 1910 kommt es in der Stadt Schiras zu einem blutigen Pogrom: 12 Juden werden getötet, 50 verletzt und durch Plünderungen und Vandalismus die Existenzen von mehreren Tausend Juden zerstört. Anlass des Pogroms war wie so häufig wieder ein Ritualmordvorwurf gegen Juden. Auch in den Städten Isfahan und Kermanschah kommt es zu Pogromen gegen Juden. Anfang Mai 1921 kam es in Jaffa zu Unruhen mit der Bilanz von 43 toten und 180 verletzten Juden. Arabische Bauern überfallen die jüdische Siedlungen und 1929 kommt es in Jerusalem zu blutigen Pogromen gegen Juden. Die Zeitung Suriyya al Janoubiyya verkündete daz in riesigen Lettern:

"Araber erhebt euch! Das Ende der Ausländer ist nah. Die Juden werden in ihrem eigenen Blut ertränkt werden!" [12]

4 Die arabische Welt während der NS-Zeit

Zu den dunkelsten und von vielen Europäern aus falsch verstandener Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Muslime heute gerne verschwiegenen und unter den Teppich gekehrten Kapiteln der arabisch-muslimischen Geschichte gehören die 1930er- und 1940er-Jahren, in denen die Mehrheit der Muslime Nordafrikas, des Nahen Ostens, der Arabischen Halbinsel aber auch Frankreichs - religiöse Anführer, Politiker, Intellektuelle aber auch die einfache Bevölkerung - ihre Bewunderung und Symphatie für Adolf Hitler, sein Regime und seine antisemitische Politik offen zum Ausdruck brachten und die rassistische Politik der Nazis häufig auch praktisch unterstützten. Bensoussan untermauert dies in seinem Buch mit unzähligen Beispielen. So versicherte König Ibn Saud von Saudiarabien im Jahr 1939:
Der Großmufti von Jerusalem und glühende Hitler-Verehrer Amin al-Husseini grüßt muslimische SS-Angehörige
"Alle Araber und Mohammedaner in den verschiedensten Gegenden der Welt haben eine große Achtung für Deutschland, die noch gesteigert wird durch den Kampf, den Deutschland gegen das Judentum führt." [13]

Ein aus Nordafrika zurückgekehrter deutscher Hauptmann berichtete 1939 mit Freude, dass "Araber in jedem Gespräch ihre Freude über den Antisemitismus bekunden". [14] Mitte der 1930er-Jahre entstehen unter dem Einfluss des italienischen und deutschen Faschismus überall in der arabischen Welt am Vorbild der Hitlerjugend orientierte Jugendbewegungen, wie z.B. Al Qumsan Al Hadidiya (dt.: Die Eisenhemden) in Syrien. Diese übernahmen teilweise auch den Hitlergruß, wobei sie das Wort Heil durch Dschihad ersetzten. Die 1932 in Beirut gegründete Syrische Soziale Nationalistische Partei übernahm sogar das Hakenkreuz als Symbol. In den Straßen von Aleppo und Damaskus werden unter den Augen untätig bleibender Polizisten Juden von muslimischem Mob ermordet. 1939 werfen Muslime Handgranaten in die jüdischen Viertel von Beirut, Damaskus und Sidon. In der arabischen Welt zirkulieren Lieder zum Ruhm Adolf Hitlers. Eines dieser Lieder trug beispielsweise den Titel Hitler, der Großmütige, der Erlöser. [15] Bensoussan zitiert u.a. den Historiker Normann Stillman, der geschrieben hat:

"In mehreren Städten Marokkos verhängten die Paschas selbst diskriminierende Maßnahmen, die die herkömmlichen Einschränkungen, welche den Dhimmi auferlegt waren, mit denen der Vichy-Regierung verbanden. In mehr als einhundert Internierungs- und Arbeitslagern, die über ganz Nordafrika verstreut waren, gab es zahlreiche einheimische Wächter, die ganz genauso oder noch grimmiger waren als jeder beliebige europäische Antisemit. Ein britischer Bericht über die Bedingungen, die im Disziplinarlager von Ain Al-Qurak in der Nähe von Bou Arfa im Südosten Marokkos herrschten, stellt fest, dass die arabischn Wächter die Rolle von Folterknechten spielten. Ähnliche Berichte wurden in der Folge über solche Lager wie das von Colomb-Bechar im Südosten Algeriens und von Djelfa im Zentrum des Landes verfasst." [16]

Die allgemeinen Reaktionen der Muslime gegenüber den ersten antijüdischen Gesetzen und die Abschaffung des Cremieux-Erlasses im Oktober/November 1940 waren fast durchgehend positiv. Nach Bensoussan haben sich nicht gerade geringe Teil der muslimischen Bevölkerung über die Verfolgung der Juden gefreut und auf materielle Profite durch die Judenververfolgungen gehofft. Der Präfekt von Tunis schreibt in einem Brief vom Oktober 1940, dass "die französische, muslimische und italienische Bevölkerung der Regentschaft die Veröffentlichung des Statuts der französischen Juden mit großer Befriedigung aufgenommen hat". Auch die in Frankreich lebenden Muslime haben mehrheitlich das mit den Nazis kolaboriende Vichy-Regime unterstützt. [17] Die französische Verwaltung berichtet 1937, dass das Auftreten von Adolf Hitler während der Kinonachrichten (Actualités cinématographiques) bei den einheimischen Muslimen Marokkos donnernden Beifall auslöst und merkt folgendes über die Stimmung in Marokko an:

"Alle scheinen sich darin einig zu sein, die Ursachen der Übel, an denen die Welt und insbesondere Marokko leidet, auf die Juden zurückfallen zu lassen. (...) Sie werfen ihnen vor, nichts zu tun und als Parasit von der Arbeit aller anderen Arbeiter zu leben." [18]

Von 1938 an wird Adolf Hitler in mehreren arabischen Zeitungen mit dem Propheten Mohammed verglichen. 1940 berichtet der deutsche Borschafter in Teheran, dassim Iran behauptet wird, dass Hitler der zwölfte Imam sei, der von Gott auf die Erde gesandt wurde. In Bagdad und Dschenin wurden zur selben Zeit Fotos von Hitler in Schaufenstern ausgestellt. [19]

5 Antisemitismus und Symphatien für Adolf Hitler in der arabischen Welt nach 1945

Auch nach 1945 leben in der arabischen Welt Antisemitismus und Symphatien für Adolf Hitler und seine rassistische Diktatur ungebrochen weiter. So schrieb der Algerier Malek Bennabi, der sich während des Krieges als freiwillige Arbeitskraft in Deutschland verpflichtet hatte und danach in Frankreich für das Vichy-Regime arbeitete, in den 1950er-Jahren, dass "der Jude, die Emanzipation der Frau und der Dollar die zerstörerische Moderne" darstellen. Bennabi vertrat die Ansicht, dass der nach Europa eingewanderte Jude hinter allen negativen und gewalttätigen historischen Erscheinungen wie Kreuzzügen, Inquisition und Kolonialismus stecke. So schrieb Bennabi u.a.:
Auch noch im 21. Jahrhundert bringen Muslime ihre Bewunderung für Adolf Hitler ungeniert und offen zum Ausdruck
"Alle diese Teile ordneten sich in meinem Geist wie die Teile einer Lehre an, die im Juden den Betreiber der Kreuzzüge, und später der Kolonisierung sah und in der Zwischenzeit den der Inquisition, (...) Und allmählich sah ich, wie mein Denken in den Bereich des Okkulten eindrang, in dem ich nur einen einzigen Akteur sah, den Juden, während der Christ nur das mehr oder weniger bewusste Instrument zu sein schien.: der Mann mit dem Aktenkoffer, der jeden Morgen in sein Büro geht, und der Mann mit dem Brotbeutel, der in seine Fabrik geht, um in dieser Welt die Absichten Israels zu erfüllen." [20]

Sayyid Qutb, der Anführer der Muslimbruderschaft schrieb in seinem 1950 erschienenen Buch Notre combat contre les Juifs (dt.: Unser Kampf mit den Juden):

"Hinter der Lehre des atheistischen Materialismus steht der Jude; hinter der Lehre der tierischen Sexualität steht ein Jude; hinter der Zerstörung der Familie und der heiligen Beziehungen der Gesellschaft steht ein Jude. Sie befreien die sinnlichen Gelüste aus ihrer Zurückhaltung und zerstören so die moralische Grundlage, auf der der reine Glaube beruht, um ihn im Schlamm zu wälzen, den sie auf der Erde verbreiten. (...) Der Kampf zwischen dem Islam und den Juden dauert also an und er dauert deshalb an, weil die Juden erst an dem Tag zufrieden sein werden, an dem sie die muslimische Religion zerstört haben. (...) Darum und bis in die Moderne hinein hat Gott seine Gläubigen geschickt, um sie zu bekämpfen. Danach hat Allah ihnen Hitler geschickt, um sie zu beherrschen. Aber die Juden sind noch einmal, nämlich heute, in der Form Israles zum Bösen zurückgekehrt." [21]

Zwischen 1956 und 1958 wurden im islamischen Raum mindestens 900.000 Expemplare der arabischen Übersetzung von Hitlers Buch Mein Kampf verkauft. [22] In der in Syrien produzierten und 2013 ausgestrahlten Fernsehserie Al-Shatat wurde ausgiebig die Ritualmordlegende vom Juden der christliche Kinder tötet um mit ihrem Blut in Ritualen zu verwenden als Realität dargestellt. [23]

6 Arabischer Antisemitismus und Palästinakonflikt

Von der muslimischen Welt und europäischen Linken wird immer wieder behauptet, dass die jüdische Besiedlung Palästinas ab den 1880er-Jahren, der UN-Telungsplan für Palästina von 1947, die darauf folgende Gründung des Staates Israels, die Kriege zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und die "Vertreibung" der sogenannten "Palästinenser" die eigentliche und einzige Ursache für den muslimischen Antisemitismus sei. Bensoussan entlarvt in seinem Buch diese Behauptung mittels vieler Fakten und Quellen als geschichtsrevisionistische Lüge und Schutzbehauptung der arabisch-muslimischen Welt. Bensoussan schreibt dazu mit Bezug auf die an die 900.000 Juden, die nach 1945 aus den muslimischen Ländern vertrieben wurden zusammenfassend:

"Allein die Geschichte vermag Rechenschaft von der massiven Abwanderung von nahezu 900.000 Menschen innerhalb kaum einer Generation abzulegen. Dieser Exodus beendet eine zweitausendjährige Kultur, die dem Islam und der Anjkunft des arabischen Eroberers voranging. Es sind weniger der Zionismus und die Entstehung des Staates Israel, die das Verschwinden dieser jüdischen Kulturen hervorrufen, als ihre Emanzipation durch die Schule sowie ihre Begegnung mit dem Abendland der Aufklärung. Von hier aus, von ihrer Befreiung rührt diese Heldentat, die für die psychische Ökonomie der Welt, in der die Unterwerfung "des Juden" schließlich einen Grundpfeiler bildete, unvernehmbar war." [24]

7 Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern

Besonders in den Kapiteln 3 und 10 und 12 seines Buches stellt Bensoussan die Vertreibung von circa 900.000 Juden nach, aber bereits auch vor 1945 aus der arabischen Welt dar sowie die Leugnung und/oder Verdrängung dieser Verbrechen durch die muslimische Welt, die europäische Linke, die UNO und auch die öffentliche Meinung dar. Von den Juden in der arabischen Welt wurden mehr als 99% vertrieben, [25] so dass heute nur noch an die 4.000 Juden in muslimisch-arabischen Ländern leben. [26] Mit Bezug auf Syrien schreibt Bensoussan:

"Der antijüdische Terror, der nach 1945 in Syrien wütet und die Mehrheit der 15.000 Juden des Landes zur Abreise drängt, ist aus jeglichem offiziellem Gedächtnis verschwunden. Zwischen 1943 und 1948 werden die Gesandten der Vorläuferorganisation des Mossad etwa 5.000 Personen dabei helfen, das Land zu verlassen, und bis zum Jahr 1950 werden noch einmal 5.630 Personen das Land verlassen. Diese Menge von Flüchtlingen wird von der Angst vor der Rückkehr der antijüdischen Unruhen vom Dezember 1947 umgetrieben. Der Angst vor Bombenanschlägen wie jenem, der 1948 die Schule der Alliance in Damaskus getroffen hat. (...) Die letzten syrischen Juden - einige Tausend waren nach dem Sechs-Tage-Krieg (1967) noch in ihrem Land anwesend - werden von der Regierung als Gefangene gehalten." [27]
Über die Situation im Jemen führt Bensoussan aus:
Von Muslimen aus dem Jemen vertriebene jüdische Familie auf der Flucht
"Der antijüdische Terror, der 1945 im Jemen grassiert, wird ebenso schnell wieder vergessen. Der Emir Jahia hat die Tore für die Emigration geschlossen. Und erst nach der Unterzeichnung der Waffenstillstandsverträge (Rhodos, 1949) zwischen Israel und vier arabischen kriegsführenden Parteien (Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten), gestatt die Regierung den Juden, den Jemen über Aden zu verlassen. Dabei wird ihr gesamter Besitz konfisziert." [28]

Nachdem es 1941 in Bagdad zu einem Pogrom (Farhud) kam, bei dem 170 bis 180 Juden getötet wurden und viele Frauen von Muslimen vergewaltigt und jüdisches Eigentum geplündert wurde, [29] führte man 1948 Standgerichte gegen wohlhabende Juden ein, entfernte Juden aus dem öffentlichen Dienst und boykottierte jüdische Geschäfte. Schließlich verbot der Irak seinen Juden die Auswanderung. 1950 wurde die Auswanderung von Juden für ein Jahr lang erlaubt. Es kam zu Bombenanschlägen gegen Juden und Ende 1950 hatten 60.000 Juden den Irak verlassen. Ihr Vermögen und Besitz wurde natürlich konfisziert. Über das Schicksal der Juden in Lybien schreibt Bensoussan:

"Ebenfalls vergessen ist die ethnische Ausgrenzung , deren Opfer die Juden in Lybien waren, die nach dem Exodus von 1952 im Land geblieben waren. Die große Mehrheit der lybischen Juden war nämlich bei der Verkündung der Unabhängigkeit aus dem Land geflüchtet, um in großer Zahl den jungen Staat Israel zu erreichen. Die zurückgebliebene Minderheit, kaum 5.000 (von 35.000) Personen, wird schrittweise zur Abreise gedrängt, gesellschaftlich ersticlt und einem Klima der Angst unterworfen. Im Dezember 1953 werden die Komitees der jüdischen Gemeinden aufglöst und durch muslimische Vertreter ersetzt. In Tripolis wird die Schule der Alliance 1960 geschlossen. Ein Jahr später legt das Gesetz fest, dass alle Güter von Juden, die überführt wurden, "offizielle oder berufliche Beziehungen" mit Israel zu unterhalten (was häufig der Fall ist, da ja mehr als 80 % der lybischen Juden sich im jüdischen Staat niedergelassen haben), konfisziert werden sollen. Auch die Unruhen in Tripolis vom Juni 1967 während des Sechs-Tage-Krieges und in der Aufwallung des arabischen Nationalismus, der sich gegen den Staat Israel erhob, werden vergessen, während die nationalistische Presse Mein Kampf zitiert. Die große Synagoge von Tripolis wird in Brand gesetzt, Hunderte von Büchern werden verbrannt." [30]

Zur Situation in Tunesien, in dem um 1956 circa 85.000 Juden lebten, [31] führt Bensoussan aus:

"Auch dort hat man die Juden dazu gedrängt, die Schlüsselstellungen zu verlassen, die sie innehatten. Nur diejenigen, die man nicht sofort ersetzen konnte, wurden in ihren Ämtern beibehalten. Die jüdischen Händler sahen, wie zusätzliche Hindernisse auf ihrem Weh auftauchten, eine Lizenz für Import und Export oder eine Bewilligung, auf die man lange warten musste. (...) Am 5. Juni 1967, am ersten Tag des israelisch.arabischen Sechs-Tage-Krieges, war Tunis der Schauplatz gewalttätiger Tumulte. [32] Zunächst wurden das amerikanische Informationszentrum und die britische Botschaft als Ziele ausgewählt. Dann kamen die jüdischen Läden und die große Synagoge an die Reihe." [33]

8 Geschichtsrevisiobismus der Muslime und des linken europäischen Mainstream

Georges Bensoussan räumt in seinem Buch mit vielen schönfärbenden Legenden und Geschichtsfälschungen auf, die versuchen, das Verhalten der Muslime gegenüber der Juden in der muslimisch-arabischen Welt in einem milderen und positiveren Licht darzustellen. So wird in Kapitel V ausführlich die Legende vom heldenhaften Einsatz des damaligen marokkanischen Sultans und späteren Königs Mohammeds V. für die Juden entzaubert. Mohammed V. soll die Juden im Zweiten Weltkrieg vor Verfolgungen beschützt haben und wurde deshalb 1980 von einer Aktivistengruppe als Kandidat für einen Platz unter den Gerechten der Völker in Yad Vashem [34] vorgeschlagen.
Marokko im Jahr 2015: Bei einer pro-palästinensischen Demonstration in Casablanca wird eine als orthodoxer Jude verkleidete Person von einem Muslim mit vorgehaltener Waffe zu einer gespielten Exekution vor sich her getrieben
Außerdem solle die Geschichte vom heldenfaten Einsatz Mohammed V. künftig Platz in israelischen Schulbüchern finden. [35] Bensoussan legt mit Verweis auf Forschungen des Historikers Michel Abitbol dar, dass der Beistand, den Mohammed V. seinen jüdischen Untertanen leistete, mehr ein Gerücht als erwiesene Tatsache ist. Mohammed unterzeichnete brav alle antisemitischen Anweisungen des Vichy-Regimes. Bensoussan schreibt dazu:
"Tatsächlich ordnete ein königlicher Erlass vom 22. August 1941 die Vertreibung der wohlhabenden Juden an, die in den europäischen Vierteln der wichtigsten Städte und Ortschaften Marokkos Häuser und Unternehmen besaßen (zumindest mussten sie nachweisen, dass sie dort schon vor 1949 gewohnt hatten). Einige hundert jüdische Familien, die vertrieben wurden, mussten in eine übervölkerte und unhygienische Mellah zurückkehren, was den Krankheitszustand der jüdischen Bevölkerung und insbesondere die Ausbreitung von Tuberkulose, Typhus und anderen ansteckenden Krankheiten verschlimmerte." [36]

In den Jahren 1943-1944 zeigte sich Mohammed V. gegenüber seinen jüdischen Untertanen günstiger gestimmt, was aber wohl weniger auf eine geänderte Haltung gegenüber den Juden sondern auf die Landung der Alliierten am 8. November 1942 zurückzuführen sein dürfte. Er wollte die Amerikaner für den Kampf seines Landes um Unabhängigkeit wohlgesonnen stimmen und musste dafür die Symphatien der Amerikaner und auch der amerikanischen Juden gewinnen. [37] Der Antisemitismus in der muslimischen Welt und auch in Marokko wird von Muslimen trotz dieser evidenten Beweise weiterhin dreist geleugnet. Als Beispiel dafür zitiert Bensoussan aus einem Aufsatz von Moulay Abdellah Belghiti:

"Es kann also in Marokko keinen Antisemitismus geben. Das Gegenteil zu behaupten bedeutet, die Unkenntnis der historischen Tatsachen unter Beweis stellen. Die Marokkaner kennen so etwas wie die Judenfrage überhaupt nicht. Diese Debatte kann bei uns gar nicht stattfinden. Wir Muslime Marokkos haben drei gute Gründe, um uns diese nutzlose Debatte zu ersparen: Der erste ist, dass die marokkanischen Juden immer in Frieden und im Einvernehmen mit den Arabern und Berbern gelebt haben. Wir haben niemanden vertrieben. (...) Nun, und das ist unser dritter Grund, warenen aber die Lehren des Islams vor jeder diskriminierenden Einstellung und erinnern daran, dass alle Menschen gleich sind und dass jeder die Freiheit hat, die Religion seiner Vorfahren auszuüben. (...) Sie sprechen vom Antisemitismus in Marokko. Wir haben aber gerade gezeigt, dass es so etwas nie gegeben hat." [38]
Auch im 21. Jahrhundert noch hetzen französische Muslime auf Demonstrationen gegen Juden und den Staat Israel

In Kapitel 2 stellt Bensoussan dar, wie die Geschichte der Juden Tunesiens dort und auch in Europa entgegen den wahren historischen Begebenheiten umgeschrieben wird. Er berichtet von wütenden Protesten muslimischer Studenten anlässlich eines Vortrags des deutschen Historikers Matthias Künzel an der Universität von Leeds, für die der Titel Das Erbe Hitlers - Der islamische Antisemitismus im Mittleren Osten geplant war. Nach diesen Protesten wurde der Titel des Vortrags in Das Nazi-Erbe - Die Exportierung des Antisemitismus in den Mittleren Osten geändert, und somit der dortige Antisemitismus im Titel als Import der Europäer verharmlost. [39] Im weiteren Verlauf von Kapitel II zeigt Bensoussan detailliert auf, dass in Tunesien "die meisten Anstöße zur Gewalt gegen Juden arabisch-muslimischen Ursprungs" waren und "keine spezifische Verbindung mit der extremen Rechten und den kolonialen Kreisen" hatten. [40]

In Kapitel 8 stutzt Bensoussan das Heldenepos von der Großen Moschee in Paris und dessen aus Algerien stammenden Rektors Si Kaddour Ben Ghabrit auf ihren realen historischen Kern zurück. Der Rektor habe damals mutig unzählige Juden vor den Nazis versteckt und so vor dem Tode gerettet. Er solle deshalb von Yad Vashem die Medaillie der Gerechten erhalten. In den Jahren 2004 und 2011 wurden das angebliche Wirken der Moschee und seines Rektors durch einen Text von Derri Berkani und den Film Le Hommes libres von Ismael Ferrouki verherrlicht. Nach dem Film hätten damals mehr als 1.700 Personen in der Moschee Zuflucht gefunden. Leider konnten Historiker diese angeblichen Heldentaten der Muslime bis zum heutigen Tag nie stichhaltig belegen. Auch der jüdische Historiker Serge Klarsfeld ist in Hinblick auf diese Erzaählung skeptisch. Unter den 2.500 Mitgliedern einer von ihm geleiteten Vereinigung habe er von Zeitzeugen nie von dieser Rettungsaktion sprechen hören. Auch jüdische Organisationen haben es abgelehnt den Film von Ismael Ferrouki zu unterstützen. Der Historiker Ethan Katz verweist darauf, dass der Rektor und die Moschee in der Besatzungszeit "abwechselnd als Agenten des Widerstandes, des Interessenausgleichs und der Kollaboration" handelten. [41]

Wie französische Muslime auch heute immer noch versuchen die Vergangenheit zu schönen zeigt Bensoussan am Beispiel von Hassen Chalgoumi, dem Imam von Drancy. Dieser versuchte noch im 21. Jahrhundert den durch und durch antisemitischen und mit Adolf Hitler befreundeten Großmufti von Jerusalem Amin al-Husseini mit folgenden Worten zu exculpieren:

"Ich bin sicher, dass, wenn der Großmufti von Jerusalem sich vorgestellt hätte, was Hitler im Begriff zu tun war, er nicht seine Hand, die Hand, die sich am Koran festhielt, um sein Volk zu befreien, in die Hand gelegt hätte, die Millionen Leben niedermähte, um ein Volk zu begraben, das im Koran häufig erwähnt wird. Wenn der Mufti von Jerusalem das gewusst hätte, wäre er wie der Imam der Großen Moschee von Paris gewesen." [42]

9 Rezeption

Ulrich Gutmair schrieb in der taz über Bensoussans Buch:

"Die Juden der arabischen Welt“ ist knapp 200 Seiten lang und mit einer Einleitung von Stephan Grigat versehen, die den politischen und historischen Rahmen umreißt, in dem sich Bensoussan elliptisch bewegt. Georges Bensoussan selbst konzentriert sich in seiner Studie vor allem auf die Länder des Maghreb. Er zeigt mittels einer Fülle von Quellen, vor allem aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, unter welch elenden Bedingungen viele Juden in den unhygienischen, von Epidemien heimgesuchten Ghettos, im Arabischen Mellah genannt, leben mussten." [43]

Carsten Hueck sagte im Deutschlandfunk über das Buch:

"Während Juden heute in Europa zunehmend einem auch islamischen Antisemitismus ausgesetzt sind, hält sich die Vorstellung, dass einst im maurischen Spanien eine friedvolle Koexistenz der Religionen und Kulturen bestanden habe. Und auch in den arabischen Ländern sei es vor Staatsgründung Israels eigentlich zu keinerlei Konflikten gekommen. Islamischer Antisemitismus, wenn überhaupt, sei erst durch die Vertreibung der Palästinenser entstanden. Der französische Historiker Georges Bensoussan widerlegt derlei Vorstellungen in seinem neuen Buch nachhaltig. Es ist ein wichtiges Buch, ein Augenöffner, erschienen in einem kleinen Verlag und öffentlich kaum wahrgenommen. Das ist symptomatisch, stellt es sich doch der von ängstlichen Nicht-Muslimen bevorzugten „Legende vom freundlichen Zusammenleben“ diametral entgegen. Bensoussan spricht Fragen an, die im postkolonialen, antirassistischen Diskurs unserer Tage „verboten“ sind und für diejenigen, die in Arabern vor allem Opfer des Kolonialismus und israelischer Aggression sehen und die Existenz eines kulturell-religiös motivierten, muslimischen Antisemitismus bestreiten, als Provokation erscheinen müssen." [44]
Der jüdische Historiker Georges Bensoussan ist ein Fachmann für Jüdische Geschichte, den Holocaust und den Antisemitismus in der westlichen wie auch muslimischen Welt

Sarah Cattan schrieb im Tribune Juive, der Autor habe eine "beeindruckende Menge an Dokumenten" ausgewertet und "im westlichen kollektiven Gedächtnis verdeckte historische Tatsachen" ins Bewusstsein gerufne. Er entlarve damit die Erzählung der "kulturellen Linken" von einer angeblichen "Idylle zwischen Juden und Arabern", die nur durch den Zionismus "getrübt" wurde:

"Le monde arabe s’est vidé de ses Juifs en une génération, écrit Georges Bensoussan. Pourquoi sont-ils partis ? Quelles sont les causes profondes de l’exode des Juifs des pays arabes ? Telle est la question à laquelle l’historien répond dans Juifs en pays arabes, somme impressionnante et documentée consacrée à ce sujet occulté par la conscience historique et la mémoire collective occidentale. (...) Dans Les Juifs du monde arabe. La question interdite, paru chez Odile Jacob, Bensoussan fait définitivement la peau à ce gauchisme culturel qui consiste à nous faire accroire qu’il exista un jour une idylle entre Juifs et Arabes : Pourquoi cherche-t-on à travestir la vérité, à nous faire croire que Juifs et Arabes vivaient globalement en bonne entente et que le colonialisme d’une part, le sionisme d’autre part, ont terni cette idylle ?" [45]

Die Schweizer Zeitschrift Le Temps lobte, das Bensoussan für sein Buch sowohl "französische diplomatische und zionistische Archive sowie Unterlagen der Alliance Israelite Universelle" ausgewertet hatte. Dieses Quellenmaterial ermögliche ihm, "Licht auf Aspekte des täglichen Lebens wie auch politische und militärische Fragen zu werfen":

"La nouveauté du livre de Bensoussan est que son information est puisée à la fois dans les archives de l’Alliance israélite universelle créée en 1860 – qui, par le biais de subventions et surtout de création d’écoles et d’interventions juridiques, va, partout où c’est possible porter secours aux Juifs de tout le Maghreb et du Moyen-Orient – dans les archives diplomatiques françaises et les archives sionistes à Jérusalem. Cette triple source lui permet de mettre en lumière aussi bien les aspects de la vie quotidienne, les enjeux politiques que les enjeux militaires de cette douloureuse histoire." [46]

Karl Pfeifer schreibt in der Jüdischen Allgemeinen vom 13. April 2021:

"In seinem jüngsten Buch Les Juifs du monde arabe (»Die Juden der arabischen Welt«) scheut er sich nicht, »verbotene Fragen« zu beantworten und die von der kulturellen Linken postulierten Glaubenssätze über das angeblich glückliche Zusammenleben von Muslimen und Juden in Nordafrika vor dem französischen Kolonialismus als Halbwahrheiten oder gar Lügen zu entlarven. (...) Der Autor zeigt ein nuanciertes Bild. Die Einrichtung moderner Schulen und die Begegnung mit der Aufklärung führten zur Auflehnung vieler Juden gegen ihren Status als »Dhimmi«, als unterworfene »Schutzbefohlene«." [47]

Die Neue Zürcher Zeitung merkte 2019 an, Bensoussan rufe in seinem Buch bislang vergessene antisemitische Vorfälle in der muslimischen Welt wieder in Erinnerung:

"Die von Historikern wie Bensoussan oder Natan Weinstock zusammengetragenen Quellen widerlegen den Mythos einer stets friedlichen Koexistenz von Juden und Muslimen. (...) Doch ausserhalb Israels sind Diskriminierung, Flucht und Vertreibung der Juden aus Nahost und Nordafrika weiterhin kaum ein Thema. Wer – ausser ein paar Spezialisten – weiss schon etwas über die Pogrome im marokkanischen Oujda und Jérada 1948, die in der demnächst auf Deutsch erscheinenden Studie «Die Juden der arabischen Welt» des Historikers Georges Bensoussan eine wichtige Rolle spielen? " [48]

10 Weblinks

11 Audio und Video

12 Siehe auch

13 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. In Deutschland sind die Vertreter dieses linken, auch den Staat Israel ablehnenden Antisemitismus zumeist in den Parteien Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der SPD beheimatet.
  2. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 35 bis 51
  3. Anm.: Zum Status des Dhimmi siehe auch: Hadithe über die Dhimmis von Laleh Hadjimohamadvali
  4. Nathan Weinstock: Der zerrissene Faden - Wie die arabische Welt ihre Juden verlor - 1947-1967, Ca ira Verlag, 2019, S. 18
  5. zitiert nach Norman A. Stillman: The Jews of Arab Lands, Jewish Publication Society, 1979, S. 309
  6. Anm.: Nathan Weinstock schreibt dazu: "Für den Nicht-Muslim bedeutet die Dhimmitude einen permanenten Status der Inferiorität - und in dieser Hisnsicht kann man konstatieren, dass die Lage der Juden unter dem Banner des Islam, einschließlich im Laufe der glücklichen Jahre der andalusischen Koexistenz, sich kaum von derjenigen unterscheidet, in der die sich die Juden im Westen zu fühen hatten. Ob in der christlichen Welt oder im Reich der Mauren: in beiden Fällen wird dem Juden die Unterordnung aufgezwungen." (Nathan Weinstock: Der zerrissene Faden - Wie die arabische Welt ihre Juden verlor - 1947-1967, Ca ira Verlag, 2019, S. 18
  7. Anm.: Das Dhimmi-System wurde z.B. vom spanischen Arabisten und Historiker Serafin Fanjul als Apartheidssystem beschrieben, dass nichts mit Toleranz oder Dialog im heutigen Sinn zu tun hatte. (Gabriele Dold-Ghadar: Iranische Kulturdenkmäler in „al-Andalus al-aqṣā“ - Bewertung der Forschungsergebnisse für das 8.–12. Jahrhundert, De Gruyter, 2000, S. 34)
  8. Anm.: Auf Druck der europäischen Mächte hob der osmanische Sultan 1856 den Rechtsstatus der Dhimmitude auf und gewährte Menschen aller Rassen und Religionen zumindest formal Rechtsgleichheit im Osmanischen Reich.
  9. CADN, Libanon, Akte 18, Zionismus (1936-1955); zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 82
  10. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 82
  11. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 96
  12. zitiert nach Nathan Weinstock: Der zerrissene Faden - Wie die arabische Welt ihre Juden verlor - 1947-1967, Ca ira Verlag, 2019, S. 355
  13. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 109
  14. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 109
  15. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 109 bis 111
  16. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 127 und 128
  17. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 127 und 128
  18. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 108
  19. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 117
  20. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 88
  21. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 76 und 77
  22. Andrey S. Kulikov: The Sickness Bequeathed - Islamic anti-Semitism, Nazi Fascism and Ethno-Centric Nationalism Continuity in the Muslim Middle East, S. 70
  23. http://www.matthiaskuentzel.de/contents/national-socialism-and-anti-semitism-in-the-arab-world
  24. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 30
  25. Anm.: Nathan Weinstock weist auf folgende Zahlen hin, welche das Ausmaß der Unterdrückung der Juden im muslimischen Raum und ihre Angst dort zu leben beschreiben: Trotz der schweren Verfolgungen und Pogrome in Russland während der letzten Jahrzehnte der Zarenherrschaft blieben zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung in Russland. Und auch in Nazi-Deutschland hielten am Vorabend des 2. Weltkriegs zwei Drittel der Juden an ihrer deutschen Heimat fest und migrierten nicht. Aus den muslimisch-arabischen Ländern flohen nach 1945 dagegen an die 99% der dort lebenden Juden. Dies deutet darauf hin, das das Elend und die Angst der Juden im muslimischen Raum größer gewesen sein dürfte als das der Juden in Russland und Deutschland. (nach Nathan Weinstock: Der zerrissene Faden - Wie die arabische Welt ihre Juden verlor - 1947-1967, Ca ira Verlag, 2019, S. 13 und 14)
  26. Nathan Weinstock: Der zerrissene Faden - Wie die arabische Welt ihre Juden verlor - 1947-1967, Ca ira Verlag, 2019, S. 13
  27. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 74
  28. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 75
  29. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 167
  30. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 75
  31. Anm.: Heute leben weniger als 2.000 Juden in Tunesien. Diese wohnen hauptsächlich in Tunis und auf der Insel Djerba.
  32. Anm.: An diesem Tag wurden zwischen 150 und 200 jüdische Geschäfte geplündert.
  33. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 70 und 71
  34. Anm.: Obwohl einige europäische Muslime für ihren Einsatz von Yad Vashem geehrt wurden, ist mit dem Ägypter Mohamed Helmy bislang nur einem arabischen Muslim diese Auszeichnung zuteil geworden. (Amanda Borschel-Dan: Why hasn’t Yad Vashem honored more Arabs for saving Jews?, in The Times of Israel vom 15. April 2015)
  35. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 101
  36. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 104
  37. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 105 und 106
  38. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 99 und 100
  39. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 53
  40. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 53 bis 68
  41. Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 135 und 136
  42. zitiert nach Georges Bensoussan: Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage, Hentrich & Hentrich, 2019, S. 140 und 141
  43. Juden in der arabischen Welt / Die Wahrheit steht im Tagebuch in der taz vom 11. August 2019]
  44. Carsten Hueck: Georges Bensoussan / „Die Juden der arabischen Welt“ - Die Legende vom friedlichen Zusammenleben
  45. Sarah Cattan: Juifs en pays arabes : Le grand déracinement 1850-1975 Georges Bensoussan
  46. www.letemps.ch
  47. Karl Pfeifer: Von wegen glückliches Zusammenleben - Der Pariser Historiker Georges Bensoussan setzt sich kritisch mit der Geschichte der Juden in der arabischen Welt auseinander in der Jüdischen Allgemeinen vom 13. April 2021
  48. Stephan Grigat: Das vergessene Leid der arabischen Juden in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Mai 2019

14 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage) vermutlich nicht.




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