Ritualmordlegende

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1 Allgem.[Bearbeiten]

2 Vorwurf gegen die Juden des Mittelalters[Bearbeiten]

Bei den angeblichen Ritualmorden (auch Blutbeschuldigung genannt) sollen Juden, besonders um die Osterzeit herum, christliche Jungen entführt und geschlachtet haben, um deren Blut zu trinken.
Erstes namentlich bekanntes Opfer soll 1144 William von Norwich gewesen sein. In Deutschland ist eines der bekanntesten Beispiele die Geschichte um den 16jährigen Werner aus Oberweichsel (Bacharach):
Am Gründonnerstag des Jahres 1287 soll er erschlagen (nach anderer Überlieferung mit Stichwunden übersät) aufgefunden worden sein. Zweifelhaften Zeugenaussagen nach, soll sein Blut von Juden für das Passah-Fest benötigt worden sein. Andere Quellen berichten, dass er an den Füßen aufgehängt wurde, damit die Juden in den Besitz der Hostie gelangen, welche er geschluckt habe. Seine Leiche soll in den Rhein geworfen worden sein, wo sie gefunden wurde.
Die beschuldigten Juden wurden nicht lange befragt; sechsundzwanzig Juden wurden ohne Prozess ermordet.
Die jüdischen Gemeinden des Umlandes empörten sich und wandten sich an den Kaiser Rudolf von Habsburg. Dieser war von der Unschuld der Juden überzeugt. Er legte den Mördern eine Geldbuße auf und befahl den Leichnam des Werner zu verbrennen.
Seinem Befehl wurde nicht Folge geleistet. Im Gegenteil: Man errichtete für den Werner eine Kapelle, denn viele Christen pilgerten nach Bacharach, sein Leichnam wurde verehrt. Bis in das Jahr 1963 feierte man das Fest des heiligen Werner.[1]

Im Jahr 2001 brachte man an der Kapelle eine Tafel mit dem Text eines Gebetes Papst Johannes XXIII. an:

„Wir erkennen heute, daß viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so daß wir die Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres gestorbenen Bruders wiedererkennen.
Wir erkennen, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen.
Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten.
Vergib uns, daß wir Dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen.
Denn wir wußten nicht, was wir taten.“

"Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e.V.: Bacharach und die Geschichte der Viertälerorte - Leseprobe: Die Wernerkapelle"

Bis in die heutige Zeit wird immer wieder ein Bezug zwischen Juden und Ritualmorden hergestellt. Zuletzt im Januar 2010, als an der Kölner (Papplakat-)Klagemauer vom Betreiber ein Hetz-Plakat aufgehängt wurde. Dieses zeigte einen an einem Tisch sitzenden Mann, der mit Gabel und Messer ein totes ausgeblutetes palästinensisches Kind zerstückelt. Den Brustlatz des Mannes schmückt ein blauer Davidstern.[2] Die Ritualmordlegende ist heutzutage, wie viele andere abstruse antisemitische Verschwörungstheorien [3], besonders in der arabischen Welt populär.

3 Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Ökumenisches Heiligenlexikon: Werner von Oberwesel (von Bacharach)"
  2. Quelle: "Zentralrat der Juden in Deutschland: Ritualmord - Kölner Plakat greift in die Rüstkammer alten Judenhasses"
  3. z.B.: Tom-und-Jerry-Verschwörung, Iranisch-Israelische Zitrusfrucht-Verschwörung, usw.

4 Siehe dazu auch:[Bearbeiten]