Hass und Gewalt im Koran

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Individuelle und soziale Aggression, staatliche und internationale Machtausübung sowie strukturelle und kulturelle Gewaltprozesse bestimmen viele Bereiche des menschlichen Daseins mit. So finden sich auch in den Büchern der Religionen, mehr oder minder stark, Gewaltdarstellungen, Aufforderungen zur Gewalt und die Aufstachelung zu Verachtung und Hass gegenüber anderen Gruppen. Dies gilt auch für die heiligen Texte der drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Islam, Christentum). In diesem Artikel werden Koranverse zu Verachtung, Hass und Gewalt gegen andere problematisiert. Weiterführende und damit zusammenhängende Bereiche wie das generelle Verhältniss von Gewalt und Religion in der Geschichte der islamischen Welt können in diesem Rahmen nicht behandelt werden.

1 Der Koran[Bearbeiten]

Hauptartikel: Koran

Arabischer Koran mit persischer Übersetzung
Der Koran oder Qur'an [kɔːrˈɑːn] (arabisch ‏القرآن‎ al-qurʾān, „die Lesung, die Rezitierung, der Vortrag“) ist die Heilige Schrift des Islam, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes (arab. Allah) an den islamischen Propheten Mohammed, vermittelt durch den Engel Gabriel, enthält. Der Koran entstand im siebten Jahrhundert in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahrzehnten und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Er enthält viele Aussagen über Gott und die Beziehung Gottes zum Menschen, sowie Aufforderungen zu einem von Frieden, Versöhnung und Mildtätigkeit geprägten Leben zwischen den Menschen. Problematisch sind etliche Verse einzelner Suren des Koran in denen offen Verachtung, Hass und/oder Gewalt gegen Menschen anderer Religionszugehörigkeit propagiert wird. Diese Äußerungen müssen allerdings, ebenso wie in diesem Sinne problematische Aussagen des Alten Testaments, auch im historischen Kontext und Bezug auf die damaligen Lebensverhältnisse gewertet werden.

Grundsätzlich gilt nach islamischen Verständnis, dass alle Gewalt Gott gehört. Der Mensch selber besitzt per se keine Gewalt über andere Menschen, es sei denn dass sie ihm von Gott zur Erfüllung des göttlichen Auftrags verliehen ist. Darunter fällt z.B. die Regierung der Gemeinschaft, die Bestrafung von Verbrechern und die Durchsetzung von Gottes Willen bei Nicht-Muslimen.[1]

2 Unterschiede zwischen Koran und Bibel[Bearbeiten]

Trotz der in der Tat vorhandenen Gemeinsamkeiten zwischen Koran und Neuem Testament bzw. Islam und Christentum darf man nicht, wie es im Zuge eines allzu auf Harmonie bedachten "Dialogs der Religionen" [2] auch von Seiten der Kirchen häufig praktiziert wird, die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Religionen nivellieren. Im Gegensatz zum Christentum und dem Neuen Testament, welches von Anfang an konsequent pazifistische Grundzüge in den Mittelpunkt stellte, gibt der im Rahmen von Mohammeds Kriegszügen entstandene Koran in zahlreichen Versen Empfehlungen und Ratschläge für den Krieg und Kampf. Während in der Bibel und später auch im Christentum eine rege Reflexion der Problematik von Krieg, Gewalt und der Rechtfertigung derselben stattfand, wurden diese Tatbestände im Koran und in der Geschichte des Islam kaum kritisch hinterfragt.[3] Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington gibt zur Gewaltproblematik im Koran zu bedenken:

Der Koran und andere Formulierungen muslimischer Glaubenssätze enthalten nur wenige Gewaltverbote, und die Vorstellung der Gewaltfreiheit ist muslimischer Lehre und Praxis fremd. [4]

3 Kritische Diskussion in westlichen Gesellschaften[Bearbeiten]

Im Zuge der Diskussion um die zunehmende Islamisierung Europas wird der Hinweis auf Gewalt und Hass predigende Stellen im Koran von Befürwortern einer multikulturellen Gesellschaft und unbegrenzten Zuwanderung, liberalen und linken christlichen Theologen sowie islamophilen Politikern, Journalisten und Publizisten nicht gerne gehört und oft schamhaft unter den Tisch gekehrt. Denjenigen, die in der öffentlichen Diskussion auf diese Suren hinweisen, wird häufig entgegengehalten, dass der Islam im Kern eine tolerante und friedliebende Religion sei, und sie nur islamophob bzw. ausländerfeindlich eingestellt seien.[5][6]

Eine genauere Betrachtung des Korans ergibt jedoch klare Hinweise darauf, dass es sich beim Islam im Gegensatz zu Christentum und Judentum in weiten Bereichen auch um eine Gewalt und Intoleranz predigende Religion handelt, und die in der islamischen Welt herrschende und von dort in die restliche Welt ausstrahlende Gewaltbereitschaft durchaus ihre tieferen Wurzeln im Koran haben kann. Der Orientalist Tilman Nagel meint z.B., dass ein säkularisierter Islam kaum möglich sei, da für eine Übereinstimmung zwischen Islam und deutschem Grundgesetz „wesentliche Partien des Korans und der Prophetenüberlieferung für nicht mehr gültig erklärt“ werden müssten; und „insbesondere den zahlreichen Koranstellen und Prophetenworten, die zur Gewaltanwendung gegen Andersgläubige auffordern, wäre ohne Wenn und Aber die ewige Geltung abzusprechen“.[7]

4 Die fehlende Modernisierung im Islam[Bearbeiten]

Die noch unvollendete Mohammed-Ali-Moschee in Kairo im Jahr 1856

Besonders fatal wirkt sich die im weiteren Text im Detail behandelten problematischen, weil Hass, Zwietracht und Gewalt legitimierenden Stellen des Koran durch das Nichtvorhandensein einer historisch-kritischen Theologie, dem Fehlen einer Epoche der Aufklärung und sowie der Nichtexistenz einer institutionellen Trennung von Staat, Gesellschaft und Recht einerseits und Religion andererseits aus. Diese Umstände konnten in der christlichen Welt die wortwörtliche Auslegung von gewaltverherrlichenden Bibelstellen historisch relativieren und damit eine vollständige Neuinterpretation ermöglichen. Im Islam sind diese Schritte dagegen, wenn überhaupt, nur in unbedeutenden Ansätzen vollzogen worden. So schreibt z.B. Ulrich H. J. Körner:

Während also der Koran für den Muslim als unmittelbares und direktes Gottes Wort gilt, steht die Bibel nur indirekt als Wort Gottes in Geltung, (...) Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Auslegung der jeweiligen Offenbarungsschriften und ihre Methode. So hat sich in der islamischen Theologie bislang noch keine historisch-kritische Koran-Exegese entwickelt. [8]

Adel Theodor Khoury erklärt die fehlende exegetische Tradition im Islam folgendermaßen:

Die frühe Dogmatisierung des Korans als unmittelbares, direktes und ewig gültiges Gotteswort hatte unter anderem zur Folge, dass diese erste und wichtigste Erkenntnisquelle islamischen Glaubens sich nahezu vollständig einer Exegese entzog. Sie verbot sich gewissermaßen von selbst, ein Umstand, der theologiegeschichtlich umso bedeutsamer wird, wenn man sich einmal das heutige Verständnis von christlicher Textkritik und Exegese vergegenwärtigt. [9]

Über die Folgen der fehlenden Epoche der Aufklärung im islamischen Raum heißt es u.a.:

Im Islam fehlt der geistesgeschichtliche Umbruch der Aufklärung; damit fehlt auch die Erkenntnis von der Freiheit des Menschen als einer für ihn unveräußerlichen Eigenschaft. [10]

Nicht nur im islamischen Fundamentalismus, sondern auch in der offiziellen Theologie des orthodoxen Islam gilt der Koran als absolut, d.h. überhistorisch bzw. überzeitlich gültiges Regelwerk. Islamische Fundamentalisten verwerfen eine historisch-kritische Exegese des Koran vollständig. Wer sich dennoch an diese Aufgabe wagt, wie z.B. der im Exil lebende ägyptische Sprachwissenschaftler Abu Zaid, muss mit Morddrohungen leben. [11]

5 Einzelne Verse mit problematischem Inhalt[Bearbeiten]

Textausschnitt aus der Sure 2 - al-Baqara (Verse 206 bis 217) - aus einer Handschrift aus dem 1. Jahrhundert nach der Hidschra
Im folgenden sind einige Verachtung bzw. Hass predigenden und/oder Gewalt befürwortenden Verse aus Suren des Koran aufgeführt. Dabei sind die Übersetzungen von Rudi Paret und Moustafa Maher, der den Koran im Auftrag der ägyptischen Azhar-Universität übersetzte, die Übersetzung der Ahmadiyya Muslim Jamaat und die Übersetzung von Muhammad Salim Abdullah herangezogen.

5.1 Sure 2[Bearbeiten]

In Sure 2 (arabisch ‏سورة البقرة‎, DMG Sūratu l-Baqara ‚die Kuh‘) gilt Vers 191 als problematisch:

190 Und kämpft auf dem Weg Gottes gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, und begeht keine Übertretungen. Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen.
191 Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie. So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.
192 Wenn sie aufhören, so ist Gott voller Vergebung und barmherzig. (nach Muhammad Salim Abdullah) [12]
217 Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, während es schlecht für euch ist. Und Gott weiß, ihr aber wisst nicht Bescheid.
218 Sie fragen dich nach dem heiligen Monat, nach dem Kampf in ihm. Sprich: Der Kampf in ihm ist schwerwiegend; aber (die Menschen) vom Wege Gottes abweisen, an Ihn nicht glauben, den Zugang zur heiligen Moschee verwehren und deren Anwohner daraus vertreiben, (all das) wiegt bei Gott schwerer. Verführen wiegt schwerer als Töten. Sie hören nicht auf, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurer Religion abbringen, wenn sie es können. Diejenigen von euch, die sich nun von ihrer Religion abwenden und als Ungläubige sterben, deren Werke sind im Diesseits und im Jenseits wertlos. Das sind die Gefährten des Feuers; sie werden darin ewig weilen. (nach Dr. Sami Alrabaa) [13] (nach Dar Ibn Katheer) [14]

5.2 Sure 5[Bearbeiten]

In Sure 5 (arabisch al-Mā'ida المائدة Der Tisch) Vers 57:

O die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Freunden – unter jenen, denen vor euch die Schrift gegeben ward, und den Ungläubigen –, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben. Und fürchtet Allah, wenn ihr Gläubige seid; - Ahmadiyya (1996/2003)[18]

Vers 82 stuft die Juden als den Muslimen am feindlichsten gesonnen ein.

Du wirst sicherlich finden, dass unter allen Menschen die Juden und die Götzendiener die erbittertsten Gegner der Gläubigen sind. Und du wirst zweifellos finden, dass die, welche sagen: „Wir sind Christen“, den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies, weil unter ihnen Gottesgelehrte und Mönche sind und weil sie nicht hoffärtig sind. - Ahmadiyya (1996/2003)[18]

5.3 Sure 8[Bearbeiten]

In Sure 8 (arabisch al-Anfāl الأنفال Die Beute) weist Vers 12 genau an wie Ungläubige im Kampf zu töten und zu verstümmeln sind:

„... Ich werde denjenigen, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. Haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken und schlagt zu auf jeden Finger (banaan) von ihnen!“ (Paret)
„... Ich werde die Herzen der Ungläubigen mit Panik erfüllen. Trefft sie oberhalb ihrer Nacken, und schlagt ihnen alle Fingerspitzen ab!“ (nach Maher)
Als dein Herr den Engeln eingab: „Gewiß, Ich bin mit euch. So festigt diejenigen, die glauben! Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt (ihnen auf) die Nacken und schlagt von ihnen jeden Finger!“ (Nach König-Fahd-Übersetzung)


Die Hetze gegen Andersgläubige wird im Verlauf von Sure 8, z.B. in Vers 14, 17, usw. fortgeführt. In Vers 17 wird dann dem Gläubigen zur Beruhigung seines Gewissens versichert, dass nicht er, sondern Allah getötet habe.

„Und nicht ihr habt sie (d.h. die Ungläubigen, die in der Schlacht von Badr gefallen sind) getötet, sondern Gott. Und nicht du hast jenen Wurf ausgeführt, sondern Gott.“ (nach Paret)[19]

Vers 39 stellt dann unmissverständlich klar, dass dieser Kampf solange fortzuführen sei, bis die ganze Welt sich zum Islam bekannt habe:

„Kämpft gegen die Ungläubigen, bis es keine Verfolgung mehr gibt und der Glaube an Gott allein vorherrscht!“ (nach Maher)
Von islamischen Glaubenseiferern zerstörte Buddha-Statuen von Bamiyan der "Götzendiener" (Buddhisten) - Fotos vor und nach der Zerstörung
In Vers 55 werden die Ungläubigen dann auf eine Stufe mit den niedrigsten Tieren gestellt:
„Als die schlimmsten Tiere (dawaabb) gelten bei Allah diejenigen, die ungläubig sind und (auch) nicht glauben werden, -“ (nach Paret)
„Die schlimmsten Lebewesen sind nach Gottes Urteil die Ungläubigen, die vorsätzlich nicht glauben wollen,“ (nach Maher)

5.4 Sure 9[Bearbeiten]

Sure 9 spricht in Vers 5 vom Töten und hinterhältigen Auflauern gegenüber Ungläubigen:

„Und wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt. [...]“ - Ahmadiyya (1996/2003)[20]

5.5 Sure 47[Bearbeiten]

Sure 47 fordert in Vers 4 dazu auf, die Ungläubigen zu massakrieren:

„Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande.“ - Übersetzung Max Henning (1901)[21]

5.6 Sure 76[Bearbeiten]

In Sure 76 wird den Ungläubigen in Vers 4 Gefangenschaft und ewige Verdammniß angekündigt:

„Wir halten für die Ungläubigen Ketten und Fesseln und einen Feuerbrand bereit.“[23][24]

5.7 man baddala dinahu fa ’qtuluhu[Bearbeiten]

"man baddala dinahu fa ’qtuluhu" ist ein Ausspruch des Propheten Mohammed. Er heißt auf Deutsch "Wer seine Religion wechselt, den tötet". Damit wird in der Scharia in islamischen Ländern die Todesstrafe für Menschen, die vom Islam zu anderen Religionen konvertieren begründet.

Die von den Befürwortern der Todesstrafe am häufigsten zitierte Überlieferung in diesem Kontext ist der auf Muhammad zurückgeführte Ausspruch: „Wer seine Religion wechselt, den tötet“ (arab.: man baddala dinahu fa-’qtuluhu). Andere Theologen wiederum bezweifeln die Echtheit dieses Ausspruches und lassen ihn zur Begründung der Todesstrafe nicht gelten.

6 Antijudaismus im Koran[Bearbeiten]

Das Verhältnis Mohammeds zum Juden- und auch Christentum war im Lauf seines Lebens Wandlungen unterworfen. Zu Beginn seines Wirkens aktzeptierte er Juden und Christen als "Schrift-" bzw. "Buchbesitzer" und lobte sie u.a. für ihre Offenbarungsschriften, ihre Frömmigkeit (Sure 5, 82) und ihren Monotheismus (Sure 3,110). Er hoffte noch dass Juden und Christen seine Sendung anerkennen und zum Islam konvertieren würden. Als sich diese Hoffnung Mohammeds nicht erfüllte, entzog er ihnen seine Anerkennung und urteilte in überwiegend scharfen und hasserfüllten Aussagen über sie.[25] Nach Auslegung der islamischen Theologie gelten bei sich widersprechenden Aussagen die jeweils jüngeren Suren (Prinzip der Abrogation), also in diesem Fall die eher antijudaistisch geprägten Stellen.

Gewaltexzesse in Palästina - Zum Teil auch eine Folge der Hass- und Gewaltaufforderungen im Koran?

Der islamische Antijudaismus basiert primär auf der im Koran postulierten angeblich naturgemäßen, weil von Allah vorgesehenen Überlegenheit der Muslime bzw. der Minderwertigkeit der Ungläubigen im allgemeinen, wie auch der als "Leute des Buches" bezeichneten Anhänger der anderen monotheistischen Religionen im besonderen, also auch der Juden. Darüberhinaus werden die Juden im Koran ebenfalls diverser Untaten, wie z.B: der Verleumdung und Ermordung der Propheten oder der Verfälschung der "Heiligen Schriften" bezichtigt und im allgemeinen zu natürlichen Feinden der Muslime stilisiert.[26]

Zu nennen wäre hier z.B. Sure 2 Vers 122 und 123, Sure 5 Vers 64 und Sure 5 Vers 60 in denen das Judentum und teilweise auch das Christentum sehr negativ dargestellt und mit Hass bedacht wird. In Sure 2 Vers 122 und 123 wird dem Judentum die unwiderbringliche Verdammnis angekündigt:

Oh ihr Kinder Israel, (...) Und hütet euch vor einem Tage, an dem keine Seele für eine andere etwas begleichen kann, kein Lösegeld von ihr angenommen wird und keine Fürsprache ihr nützt, und an dem sie keine Unterstützung erfahren.

In Sure 5 Vers 64 wird die spätere antisemitische Legende von den Juden als angeblichen Kriegstreibern und notorischen Unruhestiftern aufbereitet:

(...) Sooft sie ein Feuer zum Krieg anzünden, löscht Allah es aus. Und sie sind (überall) im Land auf Unheil bedacht (? yas`auna fie l-ardi fasaadan). Aber Allah liebt die nicht, die Unheil anrichten. (nach Paret) [27]

In Sure 5 Vers 60 werden mit klarem Bezug auf die im vorhergehenden Vers erwähnten "Schriftbesitzer", also Juden und Christen, die circa 1300 Jahre später in NS-Filmen wie Jud Süß beliebten Bilder von Menschen als allgemein als sehr negativ empfundenen Tieren vorausgenommen:

Sprich: "Ihr Schriftbesitzer! Grollt ihr uns etwa, weil wir an Gott, die uns herabgesandte Offenbarung und die zuvor herabgesandten Offenbarungen glauben und weil die meisten von euch Frevler sind? (Vers 59) Soll ich euch sagen, wer sich die schlimmste Strafe Gottes zuzieht? Das sind die Menschen aus euren Reihen, die Gott verflucht hat und auf die Er zornig ist, deren Herzen Er so verschloß, daß sie Affen und Schweinen ähneln und dem Teufel dienen. Diese sind auf der tiefsten Stufe, sind sie doch am weitesten vom geraden Weg abgeirrt. (Vers 60)

Diese antijudaistischen Äußerungen des Koran werden von der Forschung allerdings unterschiedlich stark gewichtet. Für den im arabischen Raum gängigen Antisemitismus werden auch ethnische und territoriale Konflikte und der in Folge der Kolonialisierung erfolgte Export des europäischen Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts nach Nordafrika und den Nahen und Mittleren Osten verantwortlich gemacht. So schreibt z.B. Christina von Braun in Bezug auf den Antijudaismus bzw. Antisemitismus im arabischen Raum:

Es ist ein neuer Antijudaismus, denn so richtig es ist, dass der Koran eine Reihe von antijüdischen Textstellen aufweist, und so richtig es ist, das schon Prophet Mohammaed Attacken gegen die jüdische Gemeinde von Medina richtete (weil sie dem neuen Glauben nicht folgen wollte), so richtig ist es auch, dass es im arabischen Raum einen Antisemitismus gibt, der neue Züge trägt und der große Ähnlichkeiten mit dem europäischen Antisemitismus aufweist. [28]

7 Koran, Gewalt und Terror[Bearbeiten]

Martin Hilpert schreibt in Bewußtsein, Identität und Gewalt im Jahr 2006:

Die Annahme, daß Gewalt mit Religion unvereinbar sein muß, widerspricht dem Koran, der Gewalt zur Etablierung theokratischer totalitärer Regime velangt, sobald dies die äußeren Umstände zulassen.[29]

Aufforderungen zur Gewalt und antijüdische Hetze werden von Gruppen wie z.B. Milli Görus auch mit Koran-Zitaten begründet und somit religiös legitimiert.[30] Auch für Islamisten gilt der Text des Koran inklusive der Hass und Gewalt predigenden Teile wortwörtlich und ohne jegliche historisch-kritische Relativierung. So schreibt z.B. Udo Ulfkotte:

Religion und Politik bilden für die Islamisten eine untrennbare Einheit. Die Botschaft des Korans ist für sie eindeutig und unveränderlich, die Scharia betrachten sie als universal gültige Rechts- und Werteordnung. Auch in den kleinsten Dingen des täglichen Lebens dulden sie keine Abweichung von dem, was ihnen als unmittelbares Gotteswort gilt. [31]

Tim W. Thornau betont speziell die gewalttätigen Tendenzen der späten, maßgeblichen Suren des Koran:

Der Hass auf die Gottlosen und die Gewalt sind in den 19 späten, also endgültigen Suren des Koran fixiert und im islamischen Kulturkreis tief verankert. So ist die gern vorgezeigte friedliche Seite des Islam ungültig und aufgehoben. Mit der Aufwertung der späten medinesischen Suren hat sich die Religion endgültig zu einer Terror-Ideologie entwickelt. [32]

8 Argumente für einen Koran mit friedlichem Charakter[Bearbeiten]

Gegen diese problematischen Koranstellen wird ins Feld geführt, dass der Koran auch sehr viele Stellen aufweise, die für Versöhnung und Nachsicht gegenüber den Feinden plädierten. Als Beispiele sei hier Sure 41 Verse 33-35 genannt, die fordern Böses mit Guten zu vergelten:

33 Und wer ist besser in der Rede als einer, der zu Allah ruft und Gutes tut und spricht: „Ich bin einer der Gottergebenen“?
34 Gut und Böse sind nicht gleich. Wehre (das Böse) mit dem ab, was das Beste ist. Und siehe, wenn Feindschaft zwischen dir und einem anderen war, so wird der wie ein warmherziger Freund werden.
35 Aber dies wird nur denen gewährt, die standhaft sind; und keinem wird es gewährt als dem Besitzer großen Seelenadels. - Ahmadiyya (1996/2003)[33]


Andere Stellen wie Sure 60 Vers 7, Sure 64 Vers 14, oder Sure 33 Vers 41-44 rufen zur Versöhnung und Nachsicht auf. Jedoch beziehen diese Aufforderungen fast immer nur explizit "die Gläubigen", d.h. Muslime, ein (siehe z.B. Sure 33, 41-44). Stellen, die für Versöhnung und/oder Nachsicht speziell mit den Ungläubigen eintreten, sind kaum zu finden.

Es findet sich allerdings in Sure 22 Vers 40:

Und würde Allah nicht die einen Menschen durch die anderen im Zaum halten, so wären gewiss Klöster und Kirchen und Synagogen und Moscheen niedergerissen worden, worin der Name Allahs oft genannt wird. Allah wird sicherlich dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist fürwahr allmächtig, gewaltig. - Ahmadiyya (1996/2003)[34]


Zu verweisen ist außerdem auf einige Koranstellen die einem friedlichen und geistigen Kampf gegen die Ungläubigen den Vorzug vor einem gewalttätigen Dschihad geben. Zu nennen wäre hier exemplarisch Sure 25 Vers 52, Sure 16 Vers 125 und Sure 2, 256. So empfiehlt Sure 25 in Vers 52 eher den Koran selber als argumentative Waffe:

So gehorche nicht den Ungläubigen, sondern eifere mit ihm (dem Qur-ân) wider sie in großem Eifer. - Ahmadiyya (1996/2003)[35]

In Sure 16 Vers 125 wird zur Bekehrung der Ungläubigen eher Weisheit und Belehrung und nicht Gewalt empfohlen:

Lade ein zum Weg Deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und debattiere mit ihnen auf die beste Art und Weise! Dein Herr ist es, Der am besten weiß, wer sich von Seinem Weg abwendet und wer zur Rechtleitung findet.

Sure 2 Vers 256 lehnt Zwang als Mittel der Bekehrung ab:

Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist nun klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen.


Mitunter wird auch angeführt, dass viele der an die 100 im Koran geschilderten Attribute Allahs einen friedlichen und versöhnlichen Charakter wie "Der Barmherzige", "Der Gnädige", "Der stets Verzeihende", "Der Nachsichtige" oder "Der Liebe und Erbarmungsvolle" haben. [36] Allerdings wird selten thematisiert, in wie weit sich diese Attribute nur auf die Gläubigen im "Haus des Islam" (Dār al-Islām) oder auch die Ungläubigen (Dār al-Harb) beziehen. Ferner wird von Kritikern eingewandt, dass die zu friedlichem Miteinander, Respekt und Toleranz aufrufenden Verse durch die sogenannte Abrogation offiziell vom Gründer Mohammed aufgehoben worden sind und daher über keine Verbindlichkeit und Gültigkeit mehr verfügen und durch Gewalt legitimierende Verse ersetzt worden sind. Insofern ist z.B: auch die zur Ablehnung und Ächtung von Gewalt als Mittel der Missionierung auffordernde Sure 2 Vers 256 offiziell nichtig.[37]

Es wird zur Verteidigung des Koran auch eingewandt, dass speziell im Alten Testament auch ganze Völker ausgerottet werden. So jubelt Mirjam z.B. in Exodus 15, 21:

  • Lasst uns JHWH singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.

Im Psalm 137, 9 wird gejubelt:

  • Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!

Auch im Neuen Testament werden, vor allem in den Gleichnissen Jesu, mitunter Bilder der Gewalt, Motive der Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Ausstoßung und des Mordes verwendet. So heißt es z.B. in Lukas 19, 27:

  • Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde, bringt her und macht sie vor mir nieder. [38]

Demgegenüber kann aber wiederum eingewandt werden, dass die Beschreibungen von Gewalt in der Bibel, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament im Gegensatz zum Koran keine Aufforderungen zur unmittelbaren Ausübung von Gewalt gegenüber Anders- und Nichtgläubigen beinhalten.

In den meisten deutschsprachigen Publikationen, die vorgeben, sich kritisch mit den umstrittenen Aussagen des Koran auseinandersetzen, werden die zu Feindschaft, Hass und Gewalt auffordernden Suren nicht erwähnt oder gar zitiert. So bringt das im Jahr 2002 im Patmos-Verlag erschienene Buch Der Koran und seine umstrittenen Aussagen zwar über 30 Textstellen aus Suren, welche Toleranz und Friedensliebe des Koran verdeutlichen sollen, aber kein Verse mit gegenteiligem Inhalt. Die in diesem Artikel ausgeführten Stellen aus Sure 8, 9 und 47 sucht man in diesem Buch vergeblich.[39]

9 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markus Enders: Zum Verhältnis von Religion und Gewalt nach den Heiligen Schriften des Judentums (Thora) des Islam (Koran) und der Christentums (Neues Testament; in Markus Enders und Holger Zaborowski: Jahrbuch für Religionsphilosophie, Band II, Vittorio Klostermann GmbH, Frankfurt a. M., 2003, S. 110
  2. Karikatur die den manchmal einseitigen Dialog der Religionen treffend aufs Korn nimmt.
  3. Thorsten Reuter: Christlicher "heiliger Krieg" und "Jihad" im Islam / Veränderungen konzeptueller Inhalte von den Anfängen bis zur Neuzeit, Grin-Verlag, 2006, S. 15 ff.
  4. Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen / Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, Europa Verlag GmbH, 1. Aufl., München, 1998, S. 430
  5. Bassam Tibi: Die fundamentalistische Herausforderung - Der Islam und die Weltpolitik, C. H. Beck, 4. Aufl., München, 2003, S. 184 ff.
  6. Hans-Peter Raddatz: Allah im Westen - Islamisches Recht als demokratisches Risko; in Hans Zehetmair (Hrsg.): Der Islam im Spannungsfeld von Konflikt und Dialog, Hans-Seidel-Stiftung, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2005, S. 49 ff.
  7. Tilman Nagel: Gewalt gegen Andersgläubige - Über die Dynamik des Radikalismus im Islam; in der Neuen Züricher Zeitung vom 17.3.2005; zitiert nach Dr. Stefan Etzel: Westliche Toleranz und islamischer Herrschaftsanspruch
  8. Ulrich H. J. Körtner: Theologie des Wortes Gottes / Positionen - Probleme - Perspektiven, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2001, S. 310
  9. Adel Theodor Khoury in der Einleitung zu Der Koran - Übersetzung von Adel Theodor Khoury unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah, Gütersloher Verlagshaus, 3. Aufl., Gütersloh, 2001, S. XXXI
  10. Theodor Baums, Ulrich Huber, Johannes Wertenbruch und Marcus Lutter: Festschrift für Ulrich Huber zum siebzigsten Geburtstag, Mohr Siebeck, Tübingen, 2006, S. 36
  11. Udo Ulfkotte: Propheten des Terrors - Das geheime Netzwerk der Islamisten, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2001, S. 15 und 16
  12. Theodor Khoury: Der Koran, unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah, Gütersloher Verlagshaus, 3. Aufl., Gütersloh, 2001, S. 22
  13. Dr. Sami Alrabaa: Zitate aus dem Koran
  14. Dar Ibn Katheer: Tafsir al-Jalalayn, Damascus, 1999
  15. Prof. Dr. Ömer Özsoy: Sure 2 Vers 191-193: Die sogenannten Skandalverse, Deutschlandfunk am 27. März 2015 (Gerade in Koranversen, die aufgrund ihres kriegerischen Inhalts von vielen Hasspredigern und Islamgegnern hervorgehoben werden, steckt eigentlich eine freiheitliche Grundhaltung zu Glaubens- und Meinungsverschiedenheit. Zu diesen Koranstellen zählen vor allem die sogenannten Skandalverse.)
  16. http://www.muslima-aktiv.de/forum/viewtopic.php?t=16224
  17. http://michael-mannheimer.net/2012/04/18/die-zehn-gebote-des-koran-gebot-1-bis-10-du-sollst-toten/
  18. 18,0 18,1 Online-Koran: Al-Mâedah, ahmadiyya.de
  19. Rudi Paret: Der Koran, 10. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart, 1979, S. 126 und 127
  20. 20,0 20,1 Online-Koran: Al-Taubah, ahmadiyya.de
  21. Übersetzung Max Henning (1901): Siebenundvierzigste Sure - Mohammed, gutenberg.spiegel.de
  22. Rainer Herwartz: Terror im Namen Allahs scharf verurteilt, Aachener Zeitung am 19. Januar 2015
  23. Zitiert nach der Netzeite Koran Kennenlernen
  24. Übersetzung auch wortgetreu in Theodor Khoury: Der Koran, unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah, Gütersloher Verlagshaus, 3. Aufl., Gütersloh, 2001, S. 454
  25. Christine Schirmacher: Wie Muslime Christen sehen; auf der Seite des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianz in Deutschland, Österreich, Schweiz
  26. Chaim Nolls Essay über den islamischen Antijudaismus
  27. Rudi Paret: Der Koran, 10. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart, 1979, S. 86
  28. Christina von Braun und Eva-Maria Ziege: Das "bewegliche" Vorurteil / Aspekte des internationalen Antisemitismus, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2004, S. 11 und 12
  29. Martin Hilpert: Bewußtsein, Identität und Gewalt, Buch&media GmbH, München, 2006, S. 234
  30. Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten - Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern, S. 62
  31. Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten - Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern, im Vorwort
  32. Tim W. Thornau: Gott & Co, equbli GmbH, Berlin, 2013, Seite 196 und 197
  33. Online-Koran: Ha-Mim Sadschdah, ahmadiyya.de
  34. Online-Koran: Al-Hadsch, ahmadiyya.de
  35. Online-Koran: Al-Furqân, ahmadiyya.de
  36. Z.B. in Monika und Udo Tworuschka: Der Koran und seine umstrittenen Aussagen, Patmos-Verlag, Düsseldorf, 2002, S. 97 und 35 ff.
  37. Beleg fehlt!
  38. Übersetzung Luther 1984
  39. Siehe Monika und Udo Tworuschka: Der Koran und seine umstrittenen Aussagen, Patmos-Verlag, Düsseldorf, 2002, S. 97 bis 113

10 Siehe auch[Bearbeiten]

11 Externe Links[Bearbeiten]

12 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Hass und Gewalt im Koran) vermutlich nicht.