Kanada

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Reliefkarte von Kanada

Kanada ist flächenmäßig das zweitgrößte Land der Erde. Es misst gut 6800 km von der Küste Neufundlands bis zur Grenze von Alaska. Die Hauptstadt ist Ottawa. Toronto ist die größte Stadt mit rund 2,6 Millionen Einwohnern, und in der Metropolregion leben mehr als doppelt so viele Menschen.

1 Geographie[Bearbeiten]

1.1 Ausdehnung und Grenzen[Bearbeiten]

Kanada ist mit einer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Land der Erde und fast so groß wie Europa. Das Land nimmt rund 41 % Nordamerikas ein. Der einzige unabhängige und durch eine Landgrenze verbundene Nachbar sind die Vereinigten Staaten im Süden und im Nordwesten. Ein weiterer Nachbar ist Grönland, das durch die rund 30 Kilometer breite Meerenge Kennedy-Kanal von der nördlichsten kanadischen Insel, Ellesmere Island, getrennt wird. Schließlich existiert mit der Inselgruppe St. Pierre et Miquelon südlich von Neufundland ein Überbleibsel der französischen Kolonie Neufrankreich.

Die größte Nord-Süd-Ausdehnung, von Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut zur Insel Middle Island im Eriesee, beträgt 4634 Kilometer. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt 5514 Kilometer von Cape Spear auf Neufundland bis zur Grenze des Yukon-Territoriums mit Alaska. Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 Kilometer. Kanada hat mit 243.042 Kilometern zugleich die längste Küstenlinie der Welt.

Die größte Insel ist die Baffininsel im Nordosten, zugleich fünftgrößte Insel der Welt. Die nördlichste Halbinsel ist Boothia. 9.093.507 km² Kanadas sind Land- und 891.163 km² Wasserfläche.

Kanada hat Anteil an sechs Zeitzonen.

1.2 Geologie und Landschaftsgliederung[Bearbeiten]

Das geologische Grundgebirge der nördlichen Provinzen sind alte, abgetragene Berge, die den Kanadischen Schild bilden. Dieser umfasst eine ausgedehnte Region mit einigen der ältesten Gesteine und nimmt fast die Hälfte des Staatsgebiets ein. Abgesehen von einigen niedrigen Bergen im östlichen Québec und in Labrador ist die Landschaft hier flach und hügelig. Das Gewässernetz ist dicht, die Entwässerung der Region erfolgt über eine Vielzahl von Flüssen. Die südliche Hälfte des Schildes ist mit borealen Wäldern bedeckt, während die nördliche Hälfte einschließlich der Inseln des arktischen Archipels jenseits der arktischen Baumgrenze liegt und mit Felsen, Eis und Tundrenvegetation bedeckt ist. Die östlichen Inseln des Archipels sind gebirgig, die westlichen dagegen flach.

Westlich und südlich des Kanadischen Schildes liegen die Ebenen um den Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Die natürliche Vegetation des südlichen Teils der dort liegenden Prärieprovinzen Saskatchewan, Manitoba und Alberta ist das Präriegras; der nördliche Teil dagegen ist bewaldet.

Die teils vulkanisch aktiven Gebirgszüge der Coast Range und der Rocky Mountains, wie der Mount Edziza oder die Northern Cordilleran Volcanic Province im Norden British Columbias, dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung durch Yukon und British-Columbia, die dortige Küstenlinie wird tief von Fjorden durchschnitten. Vor der Küste liegt Vancouver Island, ein Ausläufer des Küstengebirges. Die höchsten kanadischen Gebirge sind die Rocky Mountains – höchster Berg ist der 5959 Meter hohe Mount Logan – und die Kette der Küstengebirge am Pazifischen Ozean (Coast Mountains und Kaskadenkette). Ein weitere bedeutende Gebirgskette verläuft entlang der Nordostküste von Ellesmere Island (Arktische Kordillere) bis zu den Torngat-Bergen in Québec sowie in Neufundland und Labrador. Im Osten Kanadas liegen die nördlichen Appalachen und die Laurentinischen Berge.

Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstraße zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanadas zweitlängster Fluss ist der Mackenzie River (1903 Kilometer) in den Nordwest-Territorien. Weitere bedeutende Flüsse sind der Yukon River und der Columbia River, die teilweise auch in den Vereinigten Staaten verlaufen, der Fraser, der Nelson, der Churchill und der Manicouagan sowie Nebenflüsse wie der Saskatchewan River, der Peace River, der Ottawa und der Athabasca.

Kanada ist zudem ein überaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind größer als 100 Quadratkilometer.[1] Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee (31.153 km²), der Große Sklavensee (27.048 km²), der Winnipegsee (24.420 km²), der Athabascasee (7.850 km²) sowie die Großen Seen (zusammen rund 245.000 km²), durch die mit Ausnahme des Michigansees die Grenze zum südlichen Nachbarland verläuft. Der größte gänzlich in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee im Nordwesten.

1.3 Klima[Bearbeiten]

Das Territorium Kanadas umfasst verschiedene Klimazonen vom Polarklima bis zum gemäßigten Klima. Überwiegend bestimmt das boreale Klima mit langen kalten Wintern und kurzen heißen Sommern den größeren Teil Kanadas. Im Winter 2004/2005 wurden Temperaturen von −58 °C in Burwash Landing des Territoriums Yukon gemessen,[2] die tiefste bisher gemessene Temperatur war -63 °C in Snag im selben Territorium am 3. Februar 1947.[3] Die bisher höchste gemessene Temperatur wurde in Midale und Yellowgrass in der Provinz Saskatchewan mit 45 °C am 5. Juli 1937 ermittelt.

An der Westküste findet man maritimes Klima mit hohen Niederschlägen, da sich die feuchte, vom Ozean kommende Luft am Westrand des Küstengebirges abregnet. Den Niederschlagsrekord hält Ucluelet in British Columbia mit 489,2 mm am 6. Oktober 1967. Die Jahreszeiten sind in den Provinzen Québec und Ontario am deutlichsten ausgeprägt, mit kalten Wintern, milden Frühjahren und Herbstmonaten und von Juli bis September oft sehr schwül-heißen Sommern, in denen die Durchschnittstemperaturen bei 25 °C liegen.

2 Demographie[Bearbeiten]

Die letzte Volkszählung von 2011 ergab eine Einwohnerzahl von 33.476.688. Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von etwa 3,35 Einwohner/km², eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Millionenmetropolen Toronto, Montréal, Vancouver und Ottawa.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (2006: 12.160.282 Ew.) und Québec (2006: 7.546.131 Ew.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heißt rund um Toronto, Montréal, Québec, Ottawa, London und Hamilton (Windsor-Québec-Korridor). 4.113.487 Menschen leben in British Columbia, 3.290.350 in Alberta, in Manitoba 1.148.401 und in Saskatchewan weitere 968.157 Menschen. Nunavut mit 29.474 Einwohnern ist das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas, knapp vor dem Yukon-Territorium mit 30.372.[4]

Die Mehrheit der kanadischen Bevölkerung ist europäischer Herkunft. Wie im Nachbarland USA und den meisten westeuropäischen Ländern geht der Anteil europäischstämmigen Bevölkerung infolge der anhaltenden Einwanderung und höherer Geburtenraten der nicht-europäischen Einwanderer stetig zurück.

2.1 Demographische Struktur und Entwicklung[Bearbeiten]

Kanada ist ein Einwanderungsland. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien, Serbien und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Fernost, vor allem aus der Volksrepublik China. Die Wachstumsrate der Bevölkerung war 2001-2006 die höchste innerhalb der G8-Staaten mit insgesamt 5,4 %. 2003 betrug das Bevölkerungswachstum 0,94 %, die Geburtenrate lag bei 10,99 pro 1000 Einwohner, die Sterberate bei 7,61 pro 1000 Einwohner. 2006 standen 346.082 Geburten 228.829 Todesfälle gegenüber. Langfristig wurde das Bevölkerungswachstum schwächer, von 2000 bis 2012 von 1,02 auf 0,78 %.[5]

Von den etwa sechs Millionen deutschen Auswanderern der Jahre 1820 bis 1914 gingen 1,3 % nach Kanada, von den 605.000 der Jahre 1919 bis 1933 waren es 5 %. Von den 1,2 Millionen deutschen Auswanderer der Jahre 1950 bis 1969 hatten 25 % Kanada als Ziel. 1991 gaben fast 2,8 Millionen Kanadier an, deutscher Herkunft zu sein, davon ein Drittel ausschließlich. 180.000 von ihnen waren in Deutschland geboren.[6] 2006 gaben 3,2 Millionen Kanadier an, deutsche Vorfahren zu haben, und stellen somit nach den Einwohnern mit britisch-irischer und französischer Herkunft die drittgrößte Gruppe dar.[7]

Die Lebenserwartung eines neugeborenen Kanadiers liegt laut CIA Factbook bei 81,16 Jahren.[8] 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 lag bei 43,7 Jahren. 2006 waren 4635 Kanadier mehr als 100 Jahre alt.[9]

2.2 Indigene Völker[Bearbeiten]

In Kanada unterscheidet man drei Gruppen ursprünglicher Bewohner: Die First Nations (auch Indianer Nordamerikas genannt), die Inuit und die Métis, Nachfahren von Europäern, die mit Indianern eine Verbindung eingegangen waren. Sie haben eine eigene Sprache entwickelt, das Michif. Eine Liste der 632 First Nations bietet das Department of Indian Affairs and Northern Development[10] (siehe auch die Liste der in Kanada anerkannten Indianerstämme.

Zahlreiche Kanadier haben indianische Vorfahren. Deren Ehen wurden sehr häufig nach der „Sitte des Landes“ (custom of the country) geschlossen, also ohne kirchliche oder staatliche Mitwirkung – wie es bei Ehen zwischen Männern der Hudson’s Bay Company und Indianerinnen üblich war. Ehen dieser Art waren erst ab 1867 vollgültig.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2006 gaben 1.172.790 Kanadier an, Angehörige einer indigenen Gruppe zu sein. Das entsprach 3,8 % der Bevölkerung, wobei dieser Anteil regional sehr stark schwankt. Die Indigenen verteilten sich auf folgende Gruppen:

  • 698.025 waren Angehörige der First Nations,
  • 389.785 Métis,
  • 50.485 Inuit,
  • 6665 Indigene gemischter Herkunft (Stand: 2001),
  • 23.415 Indigene ohne eindeutige ethnische Zuordnung (Stand: 2001).

Im Schnitt sind die Nachkommen der Ureinwohner erheblich jünger als die übrige Bevölkerung. So sind 50 % der indianischen Bevölkerung unter 23,5 Jahre alt, im übrigen Kanada liegt dieser Wert bei 39,5 Jahren.

Die Interessen der indigenen Bevölkerung werden staatlicherseits vom Department of Indian Affairs and Northern Development / Affaires indiennes et du Nord vertreten, dem das Indianergesetz von 1876 zugrunde liegt. Sie selbst sehen sich allerdings eher in eigenen Organisationen, wie der Versammlung der First Nations oder anderen Organisationen vertreten. Sie berufen sich auf die Verträge, die mit Kanada und Großbritannien geschlossen worden sind, wie die Numbered Treaties, auf allgemeine Menschenrechte und auf Entscheidungen der oberen Gerichtshöfe in Großbritannien und Kanada. Die Indianer besitzen erst seit 1960 das volle Wahlrecht. Den Inuit steht seit 1999 das eigene Territorium Nunavut zur Verfügung.

Seit 1996 wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day“ bzw. „Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Nach wie vor kommt es zu Auseinandersetzungen um Landrechte und den Abbau von Bodenschätzen, wie die Grassy-Narrows-Blockade, der Streit um die Urwälder am Clayoquot Sound an der Westküste oder der Widerstand der Kitchenuhmaykoosib Inninuwug in Ontario zeigen.

2.3 Sprachen[Bearbeiten]

Kanadas Amtssprachen sind Englisch und Französisch, wobei rund 20 % der Bevölkerung weder die eine noch die andere als Erstsprache angeben. In der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten, im Amtssprachengesetz und in den Amtssprachenverordnungen ist die offizielle Zweisprachigkeit festgeschrieben, die vom Amtssprachenkommissariat durchgesetzt wird. In den Bundesgerichten, im Parlament und in allen Institutionen des Bundes sind Englisch und Französisch gleichberechtigt. Die Bürger haben das Recht, Dienstleistungen des Bundes in englischer oder französischer Sprache wahrzunehmen. In allen Provinzen und Territorien wird den sprachlichen Minderheiten der Schulunterricht in eigenen Schulen garantiert, ein Anrecht, das lange umstritten war.[11] Die Ursachen reichen bis in die französische und britische Kolonialisierungsphase Nordamerikas zurück und standen zugleich mit kulturellen und religiösen Gegensätzen in Zusammenhang.

Englisch und Französisch sind die Muttersprachen von 56,9 % bzw. 21,3 % der Bevölkerung,[12] bei 68,3 % bzw. 22,3 % sind es die zuhause am meisten gesprochenen Sprachen (2006).[13] 98,5 % aller Einwohner sprechen Englisch oder Französisch (67,5 % sprechen nur Englisch, 13,3 % nur Französisch und 17,7 % beides).[14]

Zwar leben 85 % aller französischsprachigen Kanadier in Québec, doch gibt es bedeutende frankophone Bevölkerungsgruppen in Ontario und in Alberta, im Süden von Manitoba, im Norden und Südosten von New Brunswick (Akadier; insgesamt 35 % der Bevölkerung dieser Provinz) sowie im südwestlichen Nova Scotia und auf der Kap-Breton-Insel. Ontario hat die zahlenmäßig größte französischsprachige Bevölkerung außerhalb Québecs. Die Charta der französischen Sprache erklärt Französisch zur alleinigen Amtssprache in Québec und New Brunswick ist die einzige Provinz, deren Verfassung die Zweisprachigkeit garantiert.[15] Andere Provinzen haben keine Amtssprache als solche definiert, jedoch wird Französisch zusätzlich zu Englisch in Schulen, Gerichten und für Dienstleistungen der Regierung verwendet. Manitoba, Ontario und Québec erlauben das gleichberechtigte Sprechen von Englisch und Französisch in den Provinzparlamenten, und Gesetze werden in beiden Sprachen erlassen. In Ontario kennen einzelne Gemeinden Französisch als zweite Amtssprache. Die Wahl der Hauptstadt des seinerzeitigen Britisch-Nordamerika durch Königin Victoria (1857) fiel möglicherweise auf Ottawa, weil es etwa an der Grenze zwischen franko- und anglophonem Gebiet lag.

Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsächlich Nachkommen der Ureinwohner. Offiziellen Status besitzen mehrere Sprachen der First Nations in den Nordwest-Territorien. Im hauptsächlich von Inuit bevölkerten Territorium Nunavut ist Inuktitut die Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Es gibt schätzungsweise 50 indigene Sprachen. 185.960 Kanadier sprachen im Jahr 2001 eine indigene Sprachen.

Am weitesten verbreitet sind unter den sonstigen Sprachen Chinesisch (1,012 Millionen Sprecher), Italienisch (etwa 455.000), Deutsch (etwa 450.000), Panjabi (etwa 367.000) und Spanisch (etwa 345.000).[12] Das Kanadisch-Gälische, um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch die dritthäufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend älteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben,[16] jedoch bestehen Kontakte zu schottischen Hochschulen, die Kanadiern Sprachkurse anbieten. Mehrere Schulen unterrichten die Sprache, ebenso drei Hochschulen sowie die 2006 gegründete Atlantic Gaelic Academy.[17] Erst ab 1973 wurden in Ontario deutsche Schulen vom Staat wieder unterstützt. Zwischen 1977 und 1990 erhielten die Schulen Mittel aus dem Multikulturalismusprogramm der Regierung.

2.4 Religion[Bearbeiten]

Mit der Kolonialisierung kamen zunächst vor allem französische Katholiken und anglikanische Engländer nach Kanada. Darüber hinaus förderte Großbritannien die Einwanderung protestantischer Gruppen vom Mittelrhein und aus Württemberg, in geringerem Maße auch aus der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden, sodass der Süden von Nova Scotia bis heute protestantisch ist.

Durch den Quebec Act 1774 wurde den Katholiken Religionsfreiheit gewährt. Nach der Unabhängigkeit der USA kamen zahlreiche protestantische Loyalisten in das heutige Ontario und bildeten dort die Mehrheit. In späteren Einwanderungswellen kamen katholische Iren und Italiener, aber auch orthodoxe Ukrainer (Duchoborzen) hinzu. Die Einwanderung aus Schottland sorgte wiederum für eine Beseitigung des Vorrangs der Anglikanischen Kirche im Osten durch zahlreiche Presbyterianer. In Toronto setzten sich die Methodisten durch.

Die katholischen Missionare waren unter den Ureinwohnern erfolgreicher als die protestantischen. Dazu kommen indigene Glaubensorganisationen, wie die Shaker Church.

Etwa 73,3 % der kanadischen Bevölkerung gehörten 2001 einer christlichen Konfession an (43,2 % katholisch, etwa 29 % protestantisch). Die beiden größten protestantischen Glaubensgemeinschaften sind mit 9,6 % die United Church of Canada und mit 6,9 % die Anglican Church of Canada, dazu kommen 2,5 % Baptisten, 2 % Lutheraner, etwa 0,16 % Orthodoxe sowie etwa 0,25 % andere christliche Glaubensgemeinschaften. Muslime stellen etwa 2 % der Bevölkerung, mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Ontario. Etwa 1,1 % sind Juden, von denen wiederum knapp 60 % in Ontario leben, und etwa 1 % Buddhisten, Hindus sowie 0,9 % Sikhs. Etwa 16,2 % gaben an, keiner Glaubensgemeinschaft anzugehören.[18]

Die Volkszählungen von 2001 und 1991 ergaben:[19][20][21][22]

Religionen in Kanada
2001 1991 Veränderung
Anzahl  % Anzahl  %
Christen 77 80
– Römisch-katholisch 12.793.125 43.2 12.203.625 45,2 +4,8
– Protestanten 8.654.845 29,2 9.427.675 34,9 -8,2
– United Church of Canada 2.839.125 9,6 3.093.120 11,5 −8,2
– Anglican Church of Canada 2.035.495 6,9 2.188.110 8,1 −7,0
– andere Christen 780.450 2,6 353.040 1,3 +121,1
– Baptisten 729.475 2,5 663.360 2,5 +10,0
– Lutheraner 606.590 2,0 636.205 2,4 −4,7
– andere Protestanten 549.205 1,9
Presbyterianer 409.830 1,4 636.295 2,4 −35,6
– Orthodoxe 479.620 1,6 387.395 1,4 +23,8
Andere
– Muslime 579.640 2,0 253.265 0,9 +128,9
– Juden 329.995 1,1 318.185 1,2 +3,7
– Buddhisten 300.345 1,0 163.415 0,6 +83,8
– Hindus 297.200 1,0 157.015 0,6 +89,3
– Sikh 278.415 0,9 147.440 0,5 +88,8
ohne Bekenntnis 4.900.090 16,5 3.333.245 12,3 +44,2


Einhergehend mit der Einwanderung nicht-europäischer Ethnien ging (bzw. geht) der Anteil der Christen an der Bevölkerung kontinuierlich zurück. Die nicht-christlichen religiösen Gruppen wie Sikh, Hindus, Buddhisten, Juden und Muslime konzentrieren sich in Großstädten, insbesondere im Großraum Toronto. Die älteste Synagoge, Congregation Emanu-El, entstand 1863 in Victoria, die erste Moschee 1938 mit der Al Rashid Mosque in Edmonton.

3 Politik[Bearbeiten]

Kanada ist förderalistisch strukturiert und hat eine parlamentarische Monarchie.

3.1 Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Kanada ist in zehn Provinzen - Alberta, British Columbia, Manitoba, Neufundland und Labrador, New Brunswick, Nova Scotia, Ontario, Prince Edward Island, Québec, Saskatchewan - und drei Territorien - Yukon, Nordwest und Nunavut - gegliedert.

3.2 Einwanderungspolitik[Bearbeiten]

Kanada hat im Verhältnis zur Bevölkerung eine der höchsten Einwanderungsraten der Welt.[23] Die Einwanderung wird Ziele gesteuert, die in einem Programm festgelegt werden.[24] Die Kriterien sind öffentlich und können vor Antragstellung selbst überprüft werden. Für Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, gibt es das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl aus dem Bildungsstand, der Berufserfahrung, den Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch, abhängig vom Alter, den Verwandten und früheren Aufenthalte in Kanada errechnet. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maßgeblich. Das Einwanderungsrogramm wurde am 1. Juli 2011 dahingehend angepasst, dass ohne ein bestehendes Arbeitsangebot nur noch Personen zum Skilled Worker-Programm zugelassen werden, die Erfahrung in einem von 29 festgelegten Berufen nachweisen können.[25] Daneben muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich für eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe belief sich im September 2011 für eine alleinstehende Person auf 11.115 CAD, für eine vierköpfige Familie auf 20.654 CAD.[26] Außerdem werden polizeiliche Führungszeugnisse aus allen Ländern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag für sechs Monate oder länger gelebt hat.

Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst wird eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt. Nach drei Jahren als „Permanent Resident“ und entsprechendem Aufenthalt im Land kann der Einbürgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebürgert sind, haben Residenzpflicht. Dies bedeutet, dass man Nachweise für die vorgegebene Zeit in Kanada erbringen oder mit jemandem verheiratet sein muss, die oder der die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt. Bei Verstößen kann der „Permanent Resident“-Status entzogen und der Einwanderer in sein Herkunftsland zurückgeschickt werden.

Insgesamt setzt die kanadische Politik im Rahmen ihrer Integrationspolitik stärker auf Erhalt und Nutzung der ethnischen und religiösen Eigenheiten als auf Anpassung. Seit den 1960er Jahren begann ein Wandel der Schulpolitik, die bis dahin auf Segregation basierte. Mit dem Multiculturalism Act von 1988 wurde diese formal beendet.[27]

4 Tourismus[Bearbeiten]

Die Stadt Vancouver am Pazifik gilt als eine der schönsten Städte weltweit und wurde als Austräger der Olympischen Winterspiele 2010 bekannt. Außerdem locken endlose Prärien und Felder im Süden, sowie die Rocky Mountains im Westen jährlich Millionen Touristen an.


5 Bekannte Kanadier (Auswahl)[Bearbeiten]

6 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Atlas of Canada – Lakes (Archivversion vom Vorlage:Suppress0 Januar 2013) (englisch)
  2. Klimadaten liefert beispielsweise Environment Canada.
  3. Weather Facts and Trivia, CBC
  4. Statistics Canada, Census 2006, Population and dwelling counts
  5. http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?c=ca&v=24&l=de index mundi
  6. Zahlen nach Multicultural Canada
  7. Volkszählung von 2006
  8. Vorlage:CIA-Factbook
  9. Statistics Canada: Portrait of the Canadian Population in 2006, by Age and Sex: National portrait. Sharp increase in the number of centenarians
  10. [http://pse5-esd5.ainc-inac.gc.ca/fnp/Main/Search/SearchFN.aspx Search by First Nation
  11. Rechte der Sprachminderheiten – Amtssprachenkommissariat (2007)
  12. 12,0 12,1 Bevölkerung nach Muttersprache – Statistics Canada (2011)
  13. Meistgesprochene Sprachen zuhause – Statistics Canada (2001)
  14. Statistics Canada (2001). Die Tabelle wurde dort entfernt, sie ist inzwischen nur noch bei Archives.org (Archivversion vom Vorlage:Suppress0 Januar 2008) gespeichert.
  15. Language Regimes in the Provinces and Territories – Website des kanadischen Parlaments
  16. Vgl. Tabelle: The most common non-official mother tongues, 1971, 2001 and 2006.
  17. Website der Atlantic Gaelic Academy.
  18. Statistics Canada: Selected Religions, for Canada, Provinces and Territories – 20 % Sample Data
  19. Religion (95A), Age Groups (7A) and Sex (3) for Population, for Canada, Provinces, Territories, Census Metropolitan Areas 1 and Census Agglomerations, 1991 and 2001 Censuses - 20% Sample Data (Archivversion vom Vorlage:Suppress0 Februar 2007).
  20. Population by religion, by province and territory (2001 Census) - (Alberta, British Columbia, Yukon)
  21. Religions in Canada
  22. CANADIAN DATA ABOUT CHRISTIANITY: GROWTHS AND LOSSES FROM 1991 TO 2001
  23. CIA World Fact Book, Field Listing – Net Migration Rate, Stand: 2007; Vgl. Ninette Kelley, Michael J. Trebilcock: The Making of the Mosaic: A History of Canadian Immigration Policy. 2. Auflage. University of Toronto Press 2010.
  24. Canada's Immigration Program, Stand: September 2008.
  25. Skilled workers and professionals: Who can apply – Kanadisches Immigrationsministerium
  26. Website Citizenship in Canada: Skilled Worker Class Immigration
  27. Allgemein zum Wandel der kanadischen Minderheiten- und Religionspolitik: Reva Joshee: Citizenship and Multicultural Education in Canada: From Assimilation to Social Cohesion. In: James A. Banks (Hrsg.): Diversity and Citizenship Education: Global Perspectives. San Francisco 2004, S. 127–156. Mit stärkerem Akzent auf dem religiösen Sektor: Paul Bramadat, David Seljak (Hrsg.): Christianity and Ethnicity in Canada. University of Toronto Press, Toronto 2008;

7 Andere Lexika[Bearbeiten]