Juden in der AfD

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Juden in der AfD ist eine am 7. Oktober 2018 in Wiesbaden gegründete jüdische Gruppe innerhalb der Alternative für Deutschland. Gründungsmitglieder sind der aus der Sowjetunion migrierte Dimitri Schulz und Wolfgang Fuhl, ehemaliges Mitglied des Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland. Beatrix von Storch - stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion -, die den Islam „Herrschaft des Bösen“ bezeichnet,[1] äußerte sich positiv.[2]

Wolfgang Gedeon, Arzt und AfD-Abgeordneter in Baden-Württemberg, meint zur Vereinigung: „Im günstigsten Fall ist diese Gründung überflüssig wie ein Kropf, im ungünstigsten Fall handelt es sich um eine zionistische Lobbyorganisation, die den Interessen Deutschlands und der Deutschen zuwiderläuft.“[3]

Obwohl in dieser Gruppe viele Menschen mit Migrationshintergrund aus der ehemaligen Sowjetunion mitmachen, sind die Juden in der AfD ständiger, teilweise antisemitisch motivierter Diskriminierung und Beschimpfung durch den links-grünen Mainstream aber auch durch nicht der AfD zugeneigte Juden ausgesetzt.

1 Vorstand

Der Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern:

­

2 Gründungsmitglieder

Die Vereinigung wurde am 7. Oktober 2018 von 24 jüdischen AfD-Mitgliedern in Wiesbaden-Erbenheim gegründet, von denen 19 anwesend waren.[4]

Die 19 vertetenen Gründungsmitglieder sind:

...

3 Kritik

Zuerst machte der Publizist Micha Brumlik auf die beabsichtigte Gründung aufmerksam und wies darauf hin, dass die Gruppierung Juden in der AfD „weit rechts stehende Vorgängerorganisationen“ in der Weimarer Republik habe, und nannte explizit den von Max Naumann 1921 gegründeten Verband nationaldeutscher Juden.[5]

Diverse Juden und jüdische Organisationen können nicht nachvollziehen, warum eine Partei, die Antisemiten in ihren Reihen duldet, eine jüdischen Flügel benötigt.

Von den Parteien CDU, CSU, SPD, FDP, den Grünen und der Linkspartei, aber naturgemäß auch von einigen jüdischen Verbänden wurde die Plattform Juden in der AfD bereits vor ihrer Gründung mit Hass und Häme überschüttet sowie diffamiert. Dabei ließen besonders Vertreter des israelkritischen Spektrums kein gutes Haar an der AfD.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ) Josef Schuster äußerte sein Unverständnis und sagte: „natürlich treffen Juden nicht nur kluge Entscheidungen“.[6] Laut Schuster meinte ein anderes Mitglied des ZdJ-Präsidiums, dass alle Juden klug seien habe sich spätestens mit der Gründung der JAfD als „wirklich nur ein Vorurteil“ erwiesen.[7] In einer Erklärung des ZdJ und 46 weiterer Organisationen unter dem Titel „Keine Alternative für Juden – Gemeinsame Erklärung gegen die AfD“[8] distanzieren sich diese – auch mit Verweis auf das gemeinsame Vorgehen und Auftreten von AfD-Funktionären mit Rechtsextremen und Neonazis bei den gewalttätigen Chemnitzer Protesten – von der jüdischen Vereinigung innerhalb der AfD. Sie sei eine antisemitische und rechtsradikale Partei, in der Relativierung bis zur Leugnung der Shoa ein Zuhause hätten.[9][10] Mehr als 40 Vereinigungen schlossen sich der Erklärung an, darunter die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland, der jüdische Sportverband Makkabi Deutschland und der Bund traditioneller Juden.[11] Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, warnte vor der Vereinigung mit den Worten: „Die AfD unternimmt etwas, um sich als judenfreundlich darzustellen, was sie nicht ist.“ Sie fühle sich dadurch an die Zeit vor der Machtergreifung der NSDAP in den späten 1920er Jahren erinnert.[11] In Frankfurt kam es nach einem Aufruf durch die Jüdische Studierendenunion Deutschland zu Protesten gegen die neue Gruppierung mit bis zu 250 Teilnehmern, darunter auch Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland.[12][13]

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, fühlt sich bei den Erfolgen der AfD an den Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik erinnert. „Wir stehen vor einem Ungetüm“, sagte die 85-Jährige dem „Spiegel“ Zum ersten Mal habe eine Partei den Einzug in den Bundestag geschafft, „deren Programm sich zusammenfassen lässt mit den Worten: Juden raus“. Man könne die AfD nicht anders als Nazipartei nennen, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Trotz jüdischer Parteimitglieder sei die AfD antisemitisch und propagiere ein Programm, das jüdisches Leben unmöglich mache.[14]


Der JAfD-Mitgründer Wolfgang Fuhl hielt dem entgegen, die jüdischen Verbände hätten sich freiwillig der „Merkel­politik“ unterworfen. Merkel habe mit ihrer Politik erreicht, die Juden in Deutschland zu „spalten“.[10][15] Der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag Volker Münz erklärte, es widerspreche der Demokratie, wenn die Organisationen vorschreiben wollten, welcher Partei sich Juden anschließen dürften.[4]

Mehrere nicht-jüdische Bundestagsabgeordnete wie Lars Castellucci (SPD), Hermann Gröhe (Unionsfraktion), Christine Buchholz (Linke), Stefan Ruppert (FDP) und Konstantin von Notz (Bündnis 90/Grüne) schlossen sich den Warnungen jüdischer Repräsentanten vor der AfD an oder äußerten ihr Unverständnis in Bezug auf jüdische AfD-Mitglieder.[16] Zwei Tage nach der Gründung der Vereinigung bezeichnete der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann sie als „in hohem Maße irritierend“.[17]

Ricarda Breyton schrieb in der Welt, einer der Gründungsbeteiligten, der Wiesbadener Stadtverordnete Dimitri Schulz,[18] habe sich auf seiner Facebook-Seite als „bibeltreu“ und „Follower of Jesus Christ“ bezeichnet und in seiner Bewerbungsrede für die Landesliste der Hessischen Landtagswahl 2018 die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg relativiert, indem er eine „Erinnerung an Gräueltaten am deutschen Volk“ gefordert habe.[19] Schulz hatte gefordert, an einen »Genozid an den Deutschen in der Sowjetunion« zu erinnern, bei dem „vor dem Zweiten Weltkrieg [...] hunderttausende Deutsche in Gulags und Vernichtungslagern“ aufgrund ihres „Deutsch-Seins“ umgebracht worden seien. Die „positiven Aspekte [der] deutschen Geschichte“ überwiegen laut Schulz „bei weitem alles Negative“.[20]

In der Süddeutschen Zeitung interpretierte Ronen Steinke in seinem Artikel "Alibi-Juden in der AfD" die Gründung als Inszenierung der AfD-Spitze und kommentierte, die AfD bemühe sich damit nur scheinbar besonders um jüdische Wähler. Während deren Anteil unter den Wahlberechtigten gering sei, wolle man mit der Gründung vielmehr potenzielle nichtjüdische Rechts-Wähler ansprechen. Juden käme „in diesem Spiel nur die Rolle der nützlichen Idioten zu“.[21]

Für Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), bleibt die Partei indiskutabel. „Absoluten Blödsinn“ nannte sie es, wenn sich Juden wegen muslimischen Antisemitismus der AfD anschließen, und erklärte: „Die AfD hat keine Lösung dafür. Ängste in der Bevölkerung heizt sie mit ihrer Rhetorik an. Natürlich gibt es muslimischen Antisemitismus, aber es gab auch schon vor der Migrationskrise Antisemitismus in Deutschland.“[22]

Der Vorsitzende der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg Hans-Ulrich Rülke meinte, die JAfD sei, „wie wenn man in der Kanalisation einen Schwimmverein gründet“. Laut der Vorsitzenden der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg Barbara Traub sind nur zwei Mitglieder der JAfD tatsächlich Juden.[23]

Die hessische FDP bezeichnete die Gründung der "Juden in der AfD" als Versuch der Partei, sich von dem "wohl begründeten Vorwurf antisemitischer Tendenzen reinzuwaschen". Dieser Plan sei so durchsichtig, dass er sicher scheitern werde, sagte der hessische Parteivorsitzende Stefan Ruppert.

Gegen die Gründung des Vereins demonstrierten am 7. Oktober 2018 rund 250 Menschen in Frankfurt am Main. Zum Protest hatten jüdische Studenten aufgerufen. Ihre Botschaft: kein "Koscher-Stempel" für die AfD.[24]

4 Jüdische Allgemeine

Die Jüdische Allgemeine sieht die Vereinigung Juden in der AfD sehr kritisch. [25]

Dalia Grinfeld: »Wir stellen uns gegen den Hass der AfD. Es ist ein Widerspruch, Jude zu sein und zugleich der AfD anzugehören.«

und weiter

Die AfD versuche, die Grundlage jüdischen Lebens in Deutschland unmöglich zu machen, führte Grinfeld aus. Als Stichwörter nannte sie das von der AfD beabsichtigte Beschneidungsverbot und das Verbot des rituellen Schächtens. »Wir werden uns niemals von der scheinbar judenfreundlichen Maske der AfD in die Irre führen lassen«, kündigte die Studierendenvertreterin an.

auch gibt sie zu bedenken:

 »Die AfD ist antidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikal«, heißt es in der Erklärung von 25 weitere deutsche und internationale jüdische Organisatoren.

5 Links und Quellen

5.1 Siehe auch

5.2 Weblinks

5.2.1 Bilder / Fotos

5.2.2 Videos

5.3 Literatur

5.4 Naviblock

5.5 Einzelnachweise

  1. https://www.rundschau-online.de/politik/afd-demo-in-berlin-beatrix-von-storch-nennt-islam--herrschaft-des-boesen--30524080
  2. AfD begrüßt Zusammenschluss von Juden in der Partei
  3. https://www.welt.de/politik/deutschland/article181808082/Juden-in-der-AfD-AfD-Politiker-sprechen-von-zionistischer-Lobbyorganisation.html
  4. 4,0 4,1  Juden in der AfD: Jüdische AfD-Mitglieder gründen Vereinigung. In: ZEIT ONLINE. (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-10/juden-afd-jafd-vera-kosova).
  5. Micha Brumlik: Schande und Farce. www.taz.de, 4. September 2018
  6. Zentralrat der Juden: Kein Verständnis für Engagement von Juden bei AfD, Passauer Neue Presse, 27. September 2018
  7. Josef Schuster: Sorge vor wachsendem Antisemitismus, Bayerischer Rundfunk, 24. November 2018
  8.  Zentralrat der Juden in Deutschland u. a.: "Keine Alternative für Juden – Gemeinsame Erklärung gegen die AfD. 5. Oktober 2018 (https://www.zentralratderjuden.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Gemeinsame_Erklaerung_gegen_die_AfD_.pdf).
  9.  "In weiten Teilen rechtsradikal": Juden protestieren gegen jüdische Vereinigung in der AfD. In: Spiegel Online. 7. Oktober 2018 (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/juden-protestieren-gegen-juedische-vereinigung-in-der-afd-a-1232001.html).
  10. 10,0 10,1 Juden in der AfD wehren sich gegen Vorwürfe. www.faz.net, 7. Oktober 2018
  11. 11,0 11,1  Charlotte Knobloch warnt vor der Vereinigung "Juden in der AfD". In: Huffington Post. 8. Oktober 2018 (https://www.huffingtonpost.de/entry/charlotte-knobloch-warnt-vor-der-vereinigung-juden-in-der-afd_de_5bbb5d3de4b0876edaa006a1).
  12.  WELT: „JAfD“: Juden gründen Vereinigung in AfD – Hunderte demonstrieren dagegen. In: DIE WELT. 7. Oktober 2018 (https://www.welt.de/politik/deutschland/article181795790/JAfD-Juden-gruenden-Vereinigung-in-AfD-Hunderte-demonstrieren-dagegen.html).
  13.  Jüdische AfD-Mitglieder gründen umstrittene Vereinigung. In: Handelsblatt. 7. Oktober 2018 (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/juden-in-der-afd-juedische-afd-mitglieder-gruenden-umstrittene-vereinigung/23158228.html).
  14. https://www.wp.de/politik/knobloch-man-muss-die-afd-eine-nazipartei-nennen-id215501501.html
  15. Treife Alternative in: Jüdische Allgemeine, 11. Oktober 2018
  16. Gregor Mayntz: Warnungen vor Plattform „Juden in der AfD“, Rheinische Post, 26. September. 2018
  17. „Juden in AfD sind mir vollkommen unbegreiflich“, Stuttgarter Nachrichten, 9. Oktober 2018
  18. Dimitri Schulz kandidiert auf Platz 14 der Landesliste der AfD zur Landtagswahl in Hessen 2018
  19. Ricarda Breyton: Neue Gruppierung: „Juden in der AfD“ – Partei spricht von historischer Bedeutung. WeltN24, 8. Oktober 2018
  20. Sascha Schmidt: Es droht ein rauer Wind, Der Rechte Rand Nr. 174, September/Oktober 2018
  21. Ronen Steinke: Alibi-Juden in der AfD. www.sueddeutsche.de, 7. Oktober 2018
  22. Feigenblatt ohne Koscher-Stempel, in: tachles, 12. Oktober 2018
  23. Michael Abschlag: Antisemitismus - Schleichendes Gift, Rhein-Neckar-Zeitung, 23. Oktober 2018
  24. https://www.hessenschau.de/politik/250-menschen-demonstrieren-gegen-gruendung-der-juden-in-der-afd,jafd-wiesbaden-protest-100.html
  25. https://www.juedische-allgemeine.de/politik/vereinigung-juden-in-der-afd-gegruendet/

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