Geschichte der Juden auf Sizilien

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Davidsterne auf dem Municipale von Taormina, das früher eine Synagoge war
Die Geschichte der Juden auf Sizilien reicht im Wesentlichen von der römischen Antike bis zum Ende des 15. Jahrhunderts.

1 Erste Ansiedlung[Bearbeiten]

  • Mit dem Bar-Kochba-Aufstand vom Jahr 132 bis 135 n. Chr. endete die staatliche jüdische Eigenständigkeit im heutigen Palästina. Jerusalem wurde zerstört und Juden wurde verboten, dort zu leben.
  • So migrierten die Juden in alle Gebiete des römischen Reiches in Asien, Nordafrika und auch Europa.
  • Juden siedelten sich nun auch in Sizilien an.
  • Der Legende nach kamen Juden zuerst nach dem Bar-Kochba-Aufstand als Sklaven nach Sizilien.
  • Wissenschaftliche Zeugnisse für eine jüdische Präsenz auf Sizilien finden sich dagegen erst ab dem 4. Jahrhundert, allerdings ausschließlich im Osten der Insel. [1] [2] [3]
  • Später sind jüdische Gemeinden auch in Palermo und Catania verbürgt.

2 Unter Byzantinern, Arabern und christlichen Herrschern[Bearbeiten]

  • Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gedieh das jüdische Leben auf Sizilien. Das Land bot den Juden dafür drei günstige Faktoren:
    • Sizilien war in der Antike und im Mittelalter eine wirtschaftlich blühende Region. Der Südosten um Noto und Catania galt schon im römischen Reich als Kornkammer des Reiches. Auch das Handwerk und der Handel blühten.
    • Sizilien bot als zentraler Verkehrsknotenpunkt im Mittelmeer jüdischen Handwerkern, Händlern und Geldverleihern (die oft Wucherzinsen nahmen) optimale Betätigungsfelder. Jüdische Kaufleute dominierten den Handel im Mittelmeer. Die sizilianischen Juden handelten vor allem mit Luxusgütern.
    • Die wechselnden Herrschaften von Arabern, Normannen und Staufern waren - ein frühes Beispiel für das Gelingen von Multikulturalität - sehr tolerant gegenüber Andersgläubigen und ließen den Juden wirtschaftlichen und kulturellen Freiraum. Bis zur Regierungszeit Rogers II. herrschte relative Toleranz gegenüber den Juden. Viele Juden lebten in eigenen Wohngebieten, genannt Giudecche, freiwillig zusammen. Zwangsghettos wie in anderen europäischen Ländern existierten nicht. In einigen Städten, wie bsp. Erice, lebten Juden und Christen friedlich in gemeinsamen Wohnvierteln zusammen. [4] Friedrich II. hatte bsp. jüdische Gelehrte und Philosophen an seinem Hof.
  • Die Quellen zum jüdischen Leben auf Sizilien sind für diese Zeit allerdings spärlich. Über das kulturelle Leben der sizilianischen Juden weiß man leider sehr wenig.
  • Im 11. Jahrhundert kamen aus Nordafrika, wo sie von Berberstämmen bedrängt wurden, viele Juden nach Sizilien.
  • Im Rahmen der Kreuzzüge kam es im Jahr 1210 zu Gewaltätigkeiten gegen die jüdische Bevölkerung.

3 Diskriminierung und Vertreibung durch die Spanier[Bearbeiten]

Diorama einer mittelalterlichen Talmudverbrennung (allerdings nicht in Sizilien sondern in in Paris
  • Eine systematische Diskriminierung von Juden begann erst im 14. Jahrhundert unter der Herrschaft Aragons. Sie mussten nun gelbe Markierungen an den Kleidern (die allerdings schon von den Arabern zwei Jahrhunderte vorher, allerdings mit weniger diskriminierender Absicht, eingeführt wurden) tragen und in Ghettos leben. Auch kam es zu Talmud-Verbrennungen.
  • In Erice, Catania und Syrakus kam es auch zu Pogromen.
  • Dennoch ging es den Juden in Sizilien auch nicht schlechter als in anderen europäischen Ländern. Wirtschaftlich gesehen waren sie immer noch sehr gut gestellt.
  • Das jüdische Leben wurde dann aber Ende des 15. Jahrhunderts durch die spanische Herrschaft brutal beendet.
  • Spanien war damals innerhalb Europas wohl das Andersgläubigen und fremden Kulturen gegenüber intoleranteste Land. Antijudaismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vereinten sich in Spanien zu einem äußerst brutalen und explosiven Gemisch, das sich in der Inquisition ungestört austobte.
  • Nachdem mit dem Fall von Granada im Jahr 1492 die Mauren endgültig von der iberischen Halbinsel vertrieben waren, brauchte der Hass gegen Andersgläubige ein neues Betätigungsfeld.
  • Juden hatten in Sizilien wie in Spanien nur die Wahl, zum Christentum zu konvertieren oder das Land umgehend zu verlassen.
  • Von den damals circa 40.000 Juden aus 52 verschiedenen Ortschaften verließen 25.000 die Insel, natürlich nicht ohne dass die spanische Krone ihnen vorher jeglichen Besitz entzog. [5]
  • Die Juden flohen hauptsächlich nach Apulien, Katanien und Neapel. Etliche konvertierten auch zum Christentum und blieben auf Sizilien.

4 Neuzeit[Bearbeiten]

  • Im Jahr 1740 wurden die Juden per Dekret offiziell eingeladen, nach Sizilien zurückzukehren. Diesem Angebot folgten aber nur wenige.
  • Der italo-amerikanische Rabbiner Stephano Di Mauro eröffnete im Jahr 2008 eine Synagoge auf Sizilien. Zur Gründung einer wirklichen jüdischen Gemeinde auf Sizilien ist es allerdings noch nicht gekommen. [6]

5 Wissenschaftliche Erforschung[Bearbeiten]

  • Die wissenschaftliche Erforschung der jüdischen Geschichte Siziliens ist im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen noch mangelhaft. The Philadelphia Jewish Voice bsp. meint dazu u.a.:
" While the histories of Galician, Indian, and Japanese Jews have been studied extensively, one of the oldest communities of the Diaspora has been generally neglected." [7]
  • Hinweise auf jüdische Bauten sucht man in Reiseführern meist vergeblich. So werden bsp. die Davidsterne am Rathaus von Taormina, in dem sich früher eine Synagoge befand, in Reiseführern nicht erwähnt. [8]
  • Zentral und eine wahre Fundgrube ist die 21-bändige Reihe The Jews in Sicily von Shlomo Simonsohn.

6 Links und Quellen[Bearbeiten]

6.1 Siehe auch[Bearbeiten]

6.2 Weblinks[Bearbeiten]

6.2.1 Bilder / Fotos[Bearbeiten]

6.2.2 Videos[Bearbeiten]

6.3 Quellen[Bearbeiten]

6.4 Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Dittelbach: Geschichte Siziliens - Von der Antike bis heute, C.H. Beck, München, 2010, Seite 51 ff.
  • Shlomo Simonsohn: Between Scylla and Charybdis - The Jews in Sicily, Koninklijke Brill, Leiden, 2011
  • Pieter Willem van der Horst: Jews and Christians in Their Graeco-Roman Context, Mohr Siebeck, Tübingen, 2006, hier das Kapitel The Jews of Ancient Sicily, S. 37 bis 52

6.5 Naviblock[Bearbeiten]