Jürgen Elsässer

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Jürgen Elsässer (* 20. Januar 1957 in Pforzheim) ist ein deutscher Journalist, Publizist und politischer Aktivist. Er ist Autor mehrerer Bücher. Sowie Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins Compact.

1 Politische Entwicklung

Von Mitte der 1970er Jahre bis zu dessen Auflösung 1991 war Elsässer erst Sympathisant und später Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB). Elsässer gilt als einer der ursprünglichen Protagonisten der Antideutschen[1] – wandte sich jedoch später von dieser Strömung ab. Nach einem Konflikt mit der Monatszeitschrift konkret, für die er von den 1990er Jahren bis 2002/03 regelmäßig Artikel geschrieben hatte, vertrat er eine aus der marxistischen Imperialismustheorie Lenins von 1916 abgeleitete Position der „Anti-Imperialisten“. Bis 2002 war er auch „Redakteur für besondere Aufgaben“ der Zeitung junge Welt.

2009 gründete Elsässer die auch für das rechte Spektrum offenstehende „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, die innerhalb der politischen Linken überwiegend auf Ablehnung stieß. Seit Ende 2010 ist er Chefredakteur des politischen Querfront-Monatsmagazins[2] Compact, in dem er u. a. rechtspopulistischen, antiamerikanischen und verschwörungstheoretischen Positionen ein Forum bietet.

Elsässer wurden von Jutta Ditfurth antisemitische Äußerungen und Positionen vorgeworfen (siehe Antisemitismuskeule). Elsässer zog wegen dieser Diffamierung gegen Ditfurth vor Gericht und gewann eine Unterlassungsklage. Das Gericht bestätigte, dass Elsässer kein Antisemit ist, und meinte u.a.:

"Auch legt der Umstand, dass jemand sich nie explizit antisemitisch, wohl aber wiederholt gegen den Antisemitismus äußert, weit eher den Schluss nahe, dass er eben kein Antisemit ist, als den von der Klägerin gezogenen Schluss, dass er gerade deswegen ein besonders gefährlicher Antisemit sei, der seine Einstellung nur geschickt verschleiere." [3]

Im rechtsextremistischen Spektrum wurden Publikationen Elsässers vereinzelt positiv interpretiert, so etwa 2007 von dem NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel. Dieser meinte in einem Beitrag auf der Homepage der NPD, dass Elsässer „Brücken zur NPD“ schlage.[4]

2 Kritik

Bereits 2006 wies der Journalist Karl Pfeifer darauf hin, dass sich Elsässer zum „Nationalbolschewisten“ entwickelt habe und öffentlich mit „Querfront“-Strategien kokettiere.[5]

Für die Gründung seiner „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ wurde Elsässer scharf kritisiert. Auch Thomas Vitzthum sah eine „Querfront“-Strategie, in der es um eine Zusammenarbeit von rechts- und linksradikalen Antikapitalisten unter Betonung des Nationalismus gehe.[6] Die linke tageszeitung vermutete, der Wortlaut seiner Erklärung sei so formuliert, um „rechtsextreme Kreise explizit in sein Bündnis integrieren“ zu wollen. Zuvor trennten sich im Februar 2008 bereits die Tageszeitung junge Welt und Elsässer voneinander. 2010/11 attestierte ihm Mathias Brodkorb eine Wandlung „vom Antideutschen zum Antiimperialisten“. Überdies wolle er nunmehr „den Nationalstaat gegen das Finanzkapital in Stellung bringen“.[7]

Der Politikwissenschaftler Clemens Heni (2010) hält Elsässer für „seit einiger Zeit geistig abgedriftet“. Er schmiege sich „mittlerweile der Ideologie und Sprache des Nationalsozialismus sowie des heutigen Rechtsextremismus an“. Heni sieht in Elsässer – ähnlich wie in Henning Eichberg – einen „Freund des Islam“ und einen Gegner des Universalismus.[8]

Der Historiker Olaf Glöckner (2015) stellt fest, Elsässer werde „inzwischen bescheinigt, zunehmend auch mit rechtspopulistischen Gruppierungen und mit der sächsischen PEGIDA-Bewegung zusammenzuarbeiten.“ Er pflege – wie auch in der Vergangenheit – bestimmte Feindbilder u.a. „internationales Finanzkapital“, „Kriegsbrandstifter“ und „Washington, London und Jerusalem“. Dabei nutze er Provokation und Demagogie. Man könne dies wohlwollend als „diffusen verschwörungstheoretischen Amoklauf“ interpretieren.[9]

Als „schrille[r], neurechte[r] Hasardeur[]“ wurde er von dem Soziologen Oliver Nachtwey (2015) bezeichnet.[10]

Auch der Rechtsextremismusforscher Helmut Kellershohn (2015) versteht Elsässer als einen „Querfrontler“[11] und „Nationalbolschewisten“.[12]

Der der Antifa-Szene politisch nahe stehende Rechtsextremismusexperte Andreas Speit u.a. (2015) hält Elsässer für einen „Neuzugang im neurechten Lager“.[13]

3 Werke

  • Antisemitismus, das alte Gesicht des neuen Deutschland. Dietz, Berlin 1992, ISBN 3-320-01795-0.
  • Krisenherd Europa. Nationalismus – Regionalismus – Krieg. Die Werkstatt-Verlag, 1994, ISBN 3-923478-89-5.
  • Wenn das der Führer hätte erleben dürfen: 29 Glückwünsche zum deutschen Sieg über die Alliierten. KVV „konkret“, 1995, ISBN 3-930786-02-8.
  • Vorwärts und vergessen? Ein Streit um Marx, Lenin, Ulbricht und die verzweifelte Aktualität des Kommunismus. Konkret Literatur Verlag, 1996, ISBN 3-930786-06-0.
  • Braunbuch DVU. Konkret Literatur Verlag, 1998, ISBN 3-930786-18-4.
  • Nie wieder Krieg ohne uns. Konkret Literatur Verlag, 1999, ISBN 3-930786-23-0.
  • Deutsche Demokraten. Wie rechtsradikal sind CDU und CSU? Werkstatt-Verlag, 2001, ISBN 3-923478-94-1.
  • Die Fratze der eigenen Geschichte. Von der Goldhagen-Debatte zum Jugoslawienkrieg. Elefantenpress, Berlin 1999, ISBN 3-88520-756-7.
  • Make Love and War. Pahl-Rugenstein Verlag, 2002, ISBN 3-89144-295-5.
  • Deutschland führt Krieg. Konkret Literatur Verlag, 2002, ISBN 3-930786-37-0.
  • Der deutsche Sonderweg. Diederichs Verlag, 2003, ISBN 3-7205-2440-X.
  • Kriegslügen. Vom Kosovokonflikt zum Milosevic-Prozess. Kai Homilius Verlag, 2004, ISBN 3-89706-884-2.
  • Wie der Dschihad nach Europa kam. Np Buchverlag, März 2005, ISBN 3-85326-376-3.
  • Angriff der Heuschrecken. Verlag Pahl-Rugenstein Januar 2007, ISBN 3-89144-376-5.
  • Kriegslügen. Der NATO-Angriff auf Jugoslawien. Kai Homilius Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89706-511-6.
  • Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan. Kai Homilius Verlag, 2008, aktualisierte Taschenbuchausgabe, ISBN 978-3-89706-840-7.
  • Terrorziel Europa.Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste. Residenz Verlag, 2008, ISBN 3-7017-3100-4.
  • Nationalstaat und Globalisierung. Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, Waltrop und Leipzig 2009, ISBN 978-3-937801-47-6.
  • Gegen Finanzdiktatur. Die Volksinitiative: Grundsätze, Konzepte, Ziele. Kai Homilius Verlag, 2009, Compact, ISBN 978-3-89706-410-2.
  • Als Herausgeber: Iran. Fakten gegen westliche Propaganda. Homilius, Berlin 2009, ISBN 978-3-89706-414-0.

4 Weblinks

 Commons: Jürgen Elsässer – Sammlung von Bildern

5 Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Els%C3%A4sser#Journalist_in_der_deutschen_Linken
  2. Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die »Alternative für Deutschland« – eine Antwort auf die rechtspopulistische Lücke?. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 102.
  3. [1]
  4. Jürgen W. Gansel: Querfront-Populismus droht die Linkspartei zu zerreißen. Lafontaines Ideengeber Jürgen Elsässer fordert Verbot der Grünen und schlägt Brücken zur NPD, (Beitrag auf der Homepage der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)).
  5. Karl Pfeifer: Ein deutscher Nationalbolschewist begeistert sich: „Querfront-Regierung in der Slowakei“. haGalil, 19. Juli 2006.
  6. Linker Publizist von der NPD für „Volksfront“ gelobt, in: Die Welt vom 16. Januar 2009
  7. Mathias Brodkorb, Stefan Bruhn: Zeitschriftenporträt: Hier & Jetzt. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22. Jahrgang (2010), Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6050-6, S. 238–254, hier: S. 243.
  8. Clemens Heni: „Völkerbrei“: Elsässer und die Sprache des Nationalsozialismus. publikative.org, 6. Januar 2010.
  9. Olaf Glöckner: Moralische Sieger? Linksintellektuelle „Israelkritik“ zwischen Provokation, Demagogie und Antisemitismus. In: Monika Schwarz-Friesel (Hrsg.): Gebildeter Antisemitismus. Eine Herausforderung für Politik und Zivilgesellschaft (= Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. Bd. 6). Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1679-1, S. 75–92, hier: S. 85–88.
  10. Oliver Nachtwey: Rechte Wutbürger. Pegida oder das autoritäre Syndrom. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2015, S. 81–89, hier: S. 81.
  11. Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 462.
  12. Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 464.
  13. Konrad Litschko, Andreas Speit: „Neue Rechte“ radikalisiert Pegida. Die Anheizer. In: die tageszeitung, 31. Oktober 2015, S. 5.