Antiamerikanismus

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Antiamerikanismus ist eine ideologische Ablehnung gegenüber der Politik der USA, wird aber auch teilweise umfassender definiert.[1][2] Wikipedia schreibt:

„Die Vereinigten Staaten von Amerika konstituierten sich 1776 als neues politisches System in Abgrenzung zu den etablierten Systemen in Europa, woher die Begründer der neuen Nation stammten. In Europa löste das neue, an den Prinzipien der Aufklärung orientierte Staatsmodell bald sowohl Sympathie als auch Ablehnung aus - die als die ersten Ausdrücke von Philoamerikanismus und Antiamerikanismus gesehen werden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm in Europa die Auseinandersetzung mit positiv oder negativ gewerteten Einflüssen der US-amerikanischen Wirtschafts-, Kultur- und Militärmacht zu, bevor sich die Debatte mit Beginn des Kalten Kriegs stark politisierte.[3] Der Begriff des Antiamerikanismus ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommen - eine Untersuchung über den Antiamerikanismus in Frankreich nennt 1948 als erste dokumentierte Verwendung.[4]

Für das Britische Weltreich dürfte die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten einfach ein als Akt des Ungehorsams und als Bedrohung der "Alten Weltordnung" abgelehnt werden sein. Für die fortschrittlichen Kräfte in Europa hingegen dürfte sie als eine Zukunftshoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung begrüßt worden sein. Doch was für die europäischen Einwanderer Zukunft und Chancen verhießt, bedeutete für die Ureinwohner Nordamerikas Untergang und Verderben. Der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898 führte nicht zur Freiheit für die Philippinen, sondern er steht für den Anfang einer Politik der Vereinigten Staaten, ihre Interessensgebiete über das nordamerikanische Festland hinaus auszuweiten, ein eigenes Imperium aufzubauen und sich einen Zugang zu den asiatischen Märkten zu verschaffen. Diese Ambivalenz ist prägend für die Geschichte der Vereinigten Staaten: Seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 bis zu dem Zweiten (1990/91) und Dritten Golfkrieg (2003) werden die Kriege im Namen von "Frieden" und "Freiheit" geführt, neuerdings auch "gegen den Terror", obwohl leicht erkennbar ist, dass die wirklichen Motive ganz andere sind.

Es ist auch nicht unüblich, den Vorwurf des (angeblichen) Antiamerikanismus als Totschlagargumente zu verwenden, wenn jemand auch nur auf die Ambivalenz des Amerikanismus hinweist.

„Konzepte wie "Antiromanismus" oder "Antiamerikanismus" hat es immer gegeben, waren aber immer nur Propaganda-Konzepte des Imperialismus. Damit wollte man eine Kritik verhindern. Das Konzept "Antiamerikanismus" ist also ein Propaganda-Konzept, war es immer. [...] In der Regel soll es jemanden marginalisieren. [...] Wenn jemand als Antiamerikanist gebrandmarkt ist, hat er keine verantwortliche Position. Wenn ein Geschichtswissenschaftler sich intensiv mit dem Römischen Reich beschäftigt, würde man nicht sagen, der sei Antiromanist. [...] Das Konzept ist in sich selbst unsinnig, weil es nicht darauf zielt, eine Mitglieder einer kulturellen Gruppe kollektiv haftbar zu machen.“

Rainer Mausfeld[5]

„Antiamerikanismus ist ein Propagandabegriff. [...] Sie finden solche Begriffe wie Antiamerikanismus immer nur von Imperien. In der Sowjetunion gab es "antisowjetische" Umtriebe. Da kam man ins Irrenhaus, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass man dagegen sein kann. Das war "antisowjetisch". In den USA gab es zur McCarthy-Zeit intern "antiamerikanische" Umtriebe. Das sind Begriffe, die finden Sie nur in Imperien. Es gab im spanischen Kolonialreich, gegen einen der ersten Whistleblower, de Las Casas, der berichtet hatte, wie gemetzelt wurde in Amerika, gab es ein Verfahren wegen "antispanischer" Propaganda. Es sind immer nur Imperien, die sich dieses Begriffs bedienen. Niemand käme auf die Idee, wenn Sie Luxemburg-Leaks betrachten, zu sagen, das sind ja "anti-luxemburgische" Umtriebe. Das wäre lächerlich. [...]“

Rainer Mausfeld[6]

1 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stichwort Antiamerikanismus, in: Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Jubiläumsausgabe, Bertelsmann 1991, ISBN 3-570-03648-0
  2. Online-Ausgabe des Oxford Dictionary: Anti-Americanism, im Original: "Hostility to the interests of the United States"
  3. Jessica Gienow-Hecht: Europäischer Antiamerikanismus im 20. Jahrhundert., in: Aus Politik und Zeitgeschichte 5-6/2008
  4. Phillipe Roger: The American Enemy: The History of French Anti-Americanism, einführender Auszug (englisch), University of Chicago Press, 2005
  5. Youtube: Warum schweigen die Lämmer? - Der Neoliberalismus ist das geplante endgültige Ende der Demokratie - Rainer Mausfeld (Vortrag im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu Aachen am 22. April 2016) (Länge: ab 38:00 Min.)
  6. Youtube: KenFM im Gespräch mit: Prof. Rainer Mausfeld - KenFM (5. August 2016) (Länge: ab 47:00 Min., ab 49:00 Min., ab 53:47 Min.)

2 Andere Lexika[Bearbeiten]