Indien

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Republic of India

Republik Indien

Flag of India.svg
Wahlspruch: Sanskrit: „Allein die Wahrheit siegt“
Amtssprache Hindi und Englisch (Amtssprachen der Union),

sowie 21 weitere

Hauptstadt Neu-Delhi
Staatsform Parlamentarische Bundesrepublik
Staatsoberhaupt und
Regierungschef
Staatspräsident
Fläche 3.287.470 km²
Einwohnerzahl 1.339.180.000 (Stand 2017)
Währung Indische Rupie
Unabhängigkeit 15. August 1947
Nationalhymne Jana Gana Mana
Nationalfeiertag 26. Januar (Tag der Republik)
Zeitzone UTC+5:30
Kfz-Kennzeichen IND
Internet-TLD .in
Telefonvorwahl +91

Indien ist ein Staat in Mittelasien, der seit seiner 1947 erreichten Unabhängigkeit von Großbritannien die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt ist. Rund 1,3 Milliarden Menschen (nach der Volksrepublik China zweithöchste Bevölkerungszahl weltweit) leben auf einer Fläche von 3.287.590 km², was nur rund einem Drittel der Landesfläche Chinas oder der USA entspricht. Mehr als 81% der Inder bekennen sich zum Hinduismus, der Rest sind Sikh, Christen, Muslime und sonstige. Hauptstadt Indiens ist Neu-Delhi. Indien ist Nuklearmacht.

Das Taj Mahal ist ein Symbol Indiens.

1 Charakteristika

Die indische Nation ist ein kulturell hoch differenzierter Bundesstaat. Neben Hindi und Englisch werden 21 weitere Sprachen anerkannt, darunter Asamiya, Bengalisch, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili, Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Panjabi, Santali, Sanskrit, Sindhi, Tamilisch, Telugu und Urdu. Trotz der Fläche von fast 3,3 Millionen Quadratkilometern ist das Land dicht besiedelt. Am dichtesten leben die Menschen in den rasch wachsenden städtischen Ballungsgebieten, doch auch in weiten Teilen des nordindischen Zweistromlands sowie am Unterlauf des Ganges in den Bundesstaaten Bihar und Westbengalen liegt die mittlere Bevölkerungsdichte inzwischen bei annähernd 1000 Einwohnern je Quadratkilometer. Wüstengebiete und Gebirgsregionen sind dagegen extrem dünn besiedelt.
Ältere Karte Indiens und der Insel Sri Lanka

2 Politisches System

Die Indische Union ist eine parlamentarische Demokratie. Es gibt regelmäßige Wahlen, einen Wettbewerb politischer Parteien und verfassungsrechtlich verankerte Grundrechte. Trotz weit verbreiteter Armut, ethnischer, religiöser und linguistischer Heterogenität sowie tief verwurzelter Vorbehalte zwischen den Kastengruppen ist es in Indien seit der Unabhängigkeit am 15. August 1947 gelungen, ein gefestigtes demokratisches System aufzubauen. Am 26. Januar 1950 trat nach über dreijähriger Beratungszeit die neue Verfassung in Kraft, mit der Indien als parlamentarische Demokratie und Unionsstaat gegründet wurde. Die ersten Wahlen folgten im Dezember/Januar 1950/51. Sie brachten einen klaren Sieg der Kongresspartei unter der Führung von Jawaharlal Nehru, der zum ersten Premierminister der Indischen Union gewählt wurde.

Verwaltungstechnisch ist Indien in 28 Bundesstaaten und 7 sogenannte Unionsterritorien gegliedert:

Bundesstaaten Unionsterritorien
  1. Andhra Pradesh
  2. Arunachal Pradesh
  3. Assam
  4. Bihar
  5. Chhattisgarh
  6. Goa
  7. Gujarat
  8. Haryana
  9. Himachal Pradesh
  10. Jharkhand
  11. Karnataka
  12. Kerala
  13. Madhya Pradesh
  14. Maharashtra

16. Manipur
17. Meghalaya
18. Mizoram
19. Nagaland
20. Odisha
21. Punjab
22. Rajasthan
23. Sikkim
24. Tamil Nadu
25. Tripura
26. Uttar Pradesh
27. Uttarakhand
28. Westbengalen
29. Telangana

  1. Andamanen und Nikobaren
  2. Chandigarh
  3. Dadra und Nagar Haveli
  4. Daman und Diu
  5. Lakshadweep
  6. Puducherry
  7. Delhi (Hauptstadtterritorium)

2.1 Staatsoberhaupt

An der Spitze des Landes steht der Präsident, der als Staatsoberhaupt die Einheit und Vielfalt der indischen Nation symbolisieren soll. Von den bislang dreizehn Präsidenten seit 1950 waren neun Hindus, drei Muslime und einer Angehöriger der Sikhs. Mit Präsident K.R. Narayanan nahm 1997 erstmals ein "Unberührbarer" das höchste Staatsamt ein. Von 2007 bis 2012 stand mit Pratibha Patil erstmals eine Frau an der Spitze des Staates. Seit 2012 hat Pranab Mukherjee das Amt inne. Der Präsident wird von einem Wahlkollegium gewählt, dass sich aus Abgeordneten der beiden Kammern des Parlaments sowie der Länderparlamente zusammensetzt. Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. Der Präsident ist mit umfassenden Vollmachten ausgestattet. Er ernennt unter anderem den Premierminister, entscheidet über die Verhängung des Ausnahmezustands und kann Landesregierungen entlassen. In Anlehnung an die britische Demokratie ist jedoch nicht der Präsident, sondern der Premierminister und der Ministerrat das eigentliche Machtzentrum des Landes. Die Kompetenzverteilung mit dem Präsidenten wurde durch Verfassungszusätze eindeutig zugunsten des Premierministers geregelt.

2.2 Die Exekutive

Als Premierminister wird normalerweise der Spitzenkandidat der stärksten Parteien bzw. der Mehrheitsfraktion in der Lok Sabha, dem indischen Unterhaus, berufen, wie es bei Nehru, Indira Gandhi oder Atal Behari Vajpayee der Fall war. 2004 gab es heftige Proteste gegen die designierte Premierministerin Sonia Gandhi aufgrund ihrer italienischen Herkunft. Sie verzichtete nach dem Wahlsieg der von der Kongresspartei geführten United Progressive Alliance (UPA) schließlich auf das Amt zugunsten von Manmohan Singh. Der Premierminister wird formal von der Lok Sabha für fünf Jahre gewählt und kann ebenfalls wieder gewählt werden. Die längste Amtsperiode hatte Jawaharlal Nehru, der fast 17 Jahre lang Premierminister war. Seine Tochter Indira Gandhi übte das Amt fast vierzehn Jahre lang aus. Manmohan Singh war von 2004 bis 2014 zehn Jahre Premierminister der UPA-Koalition, A.B. Vajpayee von der Indischen Volkspartei (Bharatiya Janata Party, BJP) bekleidete das Amt sechs Jahre lang.

Der Premierminister und der Ministerrat führen die Regierungsgeschäfte. Aufgrund der dynastischen Traditionen werden wichtige Entscheidungen oft vom Premierminister und seinen Beraterstäben ohne Abstimmung und Rücksprache mit den jeweiligen Ministerien getroffen, wie z.B. der Indisch-sowjetische Freundschaftsvertrag 1971 oder die Atomtests 1998. Durch die Zunahme der Koalitionsregierungen in den 90er Jahren müssen auch die kleineren Parteien bei der Vergabe von Ministerämtern berücksichtigt werden. Verliert die Regierung durch eine Abstimmungsniederlage ihre Mehrheit in der Lok Sabha, kann der Premierminister die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen beim Präsident beantragen.

Armee und Polizei als wichtigste Organe des Staates für die Sicherheit nach außen und die Durchsetzung des Gewaltmonopols nach innen haben ein sehr unterschiedliches Ansehen. Die Armee gilt als unpolitisch und hat, im Unterschied zu Ländern wie Pakistan, nie eine politische Rolle angestrebt, obwohl sie zunehmend für die Bekämpfung innerer Aufstandsbewegungen eingesetzt wird. Demgegenüber gilt die Polizei, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundesstaaten fällt, als politisiert, korrupt, mit rassistischen und religiösen Vorurteilen gegenüber Muslimen behaftet und wenig effizient. So gibt es immer wieder Vorwürfe, dass die Polizei etwa bei Ausschreitungen zwischen Religions- oder Kastengruppen nicht interveniert oder sogar Partei ergreift.

2.3 Die Legislative

Laut Verfassung besteht das indische Parlament aus dem Abgeordnetenhaus (Lok Sabha, Unterhaus), der Länderkammer (Rajya Sabha, Oberhaus) und dem Präsidenten. Die Lok Sabha entspricht dem deutschen Bundestag und besteht gegenwärtig aus 545 Abgeordneten. Die Legislaturperiode beträgt fünf Jahre. Die 28 Bundesstaaten entsenden 530 Abgeordnete, 13 Abgeordnete kommen aus den insgesamt sieben Unionsterritorien, die direkt von Neu Delhi aus verwaltet werden. Der Präsident kann zudem zwei Vertreter der anglo-indischen Gemeinschaft für die Lok Sabha ernennen. Die Zahl der Abgeordneten aus den Bundesstaaten richtet sich nach deren Bevölkerungsgröße. Die benachteiligten Stammesgruppen (Scheduled Tribes, ST) und die unteren Kastengruppen (Scheduled Castes, SC) erhalten eine Anzahl reservierter Sitze gemäß ihres Bevölkerungsanteils in den Bundesstaaten.

Die wichtigste Funktion der Lok Sabha liegt in der Bewilligung des Haushalts. Sie kontrolliert durch Anfragen die Regierung und kann auch einen Misstrauensantrag stellen, doch gilt ihre Kontrollfunktion allgemein als gering. Eine Ursache hierfür ist die jahrzehntelange Dominanz der Kongresspartei, die 1971 zwei Drittel, 1984 sogar vier Fünftel der Sitze inne hatte und von der Nehru-Gandhi-Dynastie geführt wurde. Weiterhin verfügen vor allem die kleineren Parteien kaum über die personellen Kapazitäten, um die Exekutive ausreichend zu kontrollieren. Die Rajya Sabha besteht gegenwärtig aus 245 Mitgliedern, von denen 233 von den Bundesstaaten und 12 vom Präsidenten ernannt werden. Die Zahl der Abgeordneten richtet sich ebenfalls nach der Größe der Bundesstaaten. Von den Unionsterritorien entsenden hingegen nur Pondicherry und Delhi eigene Abgeordnete in das Oberhaus. Im Unterschied zur Lok Sabha kann die Rajya Sabha nicht aufgelöst werden. Die Amtsdauer der Abgeordneten beträgt sechs Jahre. Alle zwei Jahre muss sich jeweils ein Drittel zur Wahl stellen. Die Rajya Sabha ist am Gesetzgebungsprozess beteiligt, hat jedoch geringere Kompetenzen als die Lok Sabha und kann z.B. keinen Misstrauensantrag gegen die Regierung stellen.

Die Abgeordneten spielen in den Wahlkreisen eine zentrale Rolle, da sie als Ansprechpartner für die Probleme der Bürgerinnen und Bürger gesehen werden und nicht die oft ineffiziente Verwaltung. Zudem verfügen sie über umfangreiche eigene finanzielle Mittel zur Entwicklung ihrer Wahlkreise, die aber auch für politische Patronage zweckentfremdet wurden. Der soziale Wandel der indischen Gesellschaft schlägt sich in der veränderten sozialen Zusammensetzung des Parlaments nieder. Im ersten Parlament stellte die oberste Kaste der Brahmanen die größte Gruppe, heute sind es die mittleren Kasten der Other Backward Classes (OBC). Die zunehmende Bedeutung von Regionalparteien seit den 90er Jahren ist ebenfalls Ausdruck des sozialen Wandels in der indischen Gesellschaft.

2.4 Die Judikative

Die Gerichtsbarkeit bildet die dritte Säule im System der Gewaltenteilung in der indischen Demokratie. Das angelsächsische Rechtsverständnis ist nach fast zweihundert Jahren britischen Einflusses zu einem Bestandteil der indischen Kultur geworden. Teile der Familiengesetzgebung (Personal Laws) orientieren sich aber z.B. bei Heirats-, Scheidungs- und Erbschaftsfragen an den Traditionen der jeweiligen Religionsgemeinschaft. An der Spitze der Gerichtsbarkeit steht der Oberste Gerichtshof (Supreme Court), der Hüter der Verfassung ist. Dem nachgeordnet sind die High Courts als höchste Instanzen in den Bundesstaaten. Der Streit über die Befugnisse der Exekutive und Judikative hat vor allem in der ersten Amtsperiode von Indira Gandhi Anfang der 70er Jahre das politische System nachhaltig geprägt. So setzte sich schließlich die Auffassung des Obersten Gerichts durch, dass die Struktur der Verfassung auch von parlamentarischen Mehrheiten nicht verändert werden kann.

Die Judikative hat durch das Instrument der Public Interest Litigation (PIL) in den letzten Jahren politisch an Bedeutung gewonnen. Der oberste Gerichtshof kann damit öffentliche Anliegen aufgreifen und entscheiden. So musste aufgrund eines solchen Urteils der öffentliche Nahverkehr in der Hauptstadt Neu Delhi aus Gründen des Umweltschutzes auf Gasbetrieb umgerüstet werden. Mittlerweile gibt es auch Kritik an diesem "juristischen Aktivismus", da die Gerichte keine ausreichende demokratische Legitimation haben und chronisch überlastet sind. Viele Verfahren erstrecken sich über mehr als zehn Jahre, so dass Rechtsstaatlichkeit vor allem für die ärmeren Bevölkerungsgruppen kaum gewährleistet ist.

2.5 Wahlen

Die Indische Union verfügt über ein vergleichsweise einfaches Wahlsystem. In insgesamt 543 Einerwahlkreisen werden die Abgeordneten mit einfacher Mehrheit der Stimmen für das Parlament gewählt (First past the post system). Das Wahlalter liegt seit 1988 bei 18 Jahren, die durchschnittliche Wahlbeteiligung beträgt seit den ersten Wahlen 1951/52 ca. 60 Prozent. Damit liegt sie trotz einer Analphabetenrate von immer noch rund 30 Prozent in Indien höher als in den USA. Die mit dem Mehrheitswahlrecht einhergehenden Verzerrungen finden sich auch in Indien. Bei einer hohen Kandidatenkonkurrenz konnten Abgeordnete bereits mit 23 Prozent der abgegebenen Stimmen einen Sitz im Parlament erringen. Die Kongresspartei erreichte zwar nie mehr als 48 Prozent der Stimmen, doch konnte sie damit 1984 über 76 Prozent der Sitze im Parlament erringen. Wahlabsprachen sind deshalb für alle Parteien von Bedeutung, um die Chancen für ihre Kandidaten zu verbessern.

Wahlen in Indien stellen ein beträchtliches organisatorisches Unterfangen dar. Bei der Parlamentswahl 2009 registrierte die Wahlkommission insgesamt über 714 Millionen Wählerinnen und Wähler, die mit elektronischen Wahlmaschinen in über 828.000 Wahlstationen ihre Stimme abgeben konnten. Aufgrund der prekären Sicherheitslage in einigen Regionen werden die Wahlen in verschiedenen Phasen durchgeführt und erstrecken sich über mehrere Wochen. Trotz verschiedener Reformen bleibt die Wahlkampffinanzierung auch in Indien ein schwieriges Gebiet. Der oberste Gerichtshof hat zwar die Wahlkampfausgaben für die Kandidaten begrenzt, doch gibt es keine entsprechenden Regelungen für die Parteien und die Anhänger von Kandidaten. Angesichts der weit verbreiteten Korruption und politischen Patronage spielt Schwarzgeld eine wichtige Rolle in den Wahlkämpfen.

3 Religionen

In Indien leben 79,8 % Hindus, 14,2 % Muslime, 2,3 % Christen, 1,7 % Sikhs, 0,7 % Buddhisten, 0,4 % Jainas und 0,7 % Angehörige weiterer Religionen. Besonders die seit Jahrhundert in Indien lebenden Muslime sind starker Diskriminierung (bis zu offenen Gewaltexzessen) durch die Mehrheit der Hindus ausgesetzt.

4 Wirtschaft

Indien wird als einer der BRIC-Staaten (zusammen mit Brasilien, Russland und China) als neue Wirtschaftsmacht gesehen, die der Weltwirtschaft aus der „Krise“ helfen soll. Die Wahrnehmung Indiens als Wirtschaftsmacht ist jüngeren Datums. Davor bestimmte der Versuch, das koloniale Erbe zu überwinden, den Aufbau einer gemischten, von internationalen Märkten weitestgehend abgekoppelten Wirtschaftsordnung sowie Indiens Wiedereingliederung in die Weltwirtschaft. Seit den 1990er Jahren setzte ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik ein.[1]

Gemessen an der Beschäftigtenstruktur ist Indien ein Agrarland. Rund 60 Prozent der Erwerbstätigen leben von der Landwirtschaft. Von der Wirtschaftsleistung betrachtet lag Indien Anfang des 21. Jahrhundert bei internationalen Vergleichen im untersten Drittel, und zwar laut einer Studie aus dem Jahr 2009 auf Platz 134 von 182 erfassten Staaten.[2] Das nominale Bruttonationaleinkommen mit etwa 2.049 Mrd. US-Dollar stand im Jahr 2014 an weltweit neunter Stelle.[3]

5 Quelle

BPB Dossier Indien

6 Weblinks



7 Andere Lexika


8 Einzelnachweise

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_Indiens#Liberalisierung_seit_1991
  2. Franziska Plümmer: Indien im Überblick / publiziert in Der Bürger im Staat, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 3/4- 2009, Seite 244
  3. GDP ranking Data. In: data.worldbank.org. Abgerufen am 22. April 2016. (en)

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