Kaste

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Die traditionelle Gliederung einer Gesellschaft über zugewiesene Aufgaben in Indien

Kaste (von lateinisch castus „rein“) bezeichnet hauptsächlich in Indien eine hierarchische, gesellschaftliche Gruppe oder Schicht (siehe Hierarchie). Die Einteilung regelt vor allem Heirat und Arbeitsteilung. Die Bezeichnung Kaste und Kastensystem wird auch umgangssprachlich oder soziologisch auf einzelne Gruppierungen anderer Gesellschaften angewandt.

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1 Indien

Die Herausbildung des indischen Kastensystems fand nach gängiger Einschätzung im 2. Jahrtausend v. Chr. statt, als das Rigveda entstand. Einer 2013 veröffentlichten Studie[1] über 73 indische Kasten zufolge gab es zwei getrennte genetische Gruppen: die Ancestral South Indians (ASI) im Süden von Indien und die Ancestral North Indians (ANI) im Norden, die mit den Bewohnern Zentralasiens, den Kaukasiern und den Europäern verwandt sind. Vor 4200 Jahren begannen sich diese beiden Gruppen zu vermischen. Dieser Prozess der Vermischung stoppte vor 1900 Jahren und es wurde üblich, nur noch endogam, also innerhalb der eigenen Gruppe zu heiraten.[2]

Traditionell gibt es vier Kasten:

  1. Brahmanen (die intellektuelle Elite, Ausleger heiliger Schriften (Veda), Priester)
  2. Kshatriyas (Krieger und Fürsten, höhere Beamte)
  3. Vaishyas (Händler, Kaufleute, Grundbesitzer, Landwirte)
  4. Shudras (Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner)

Dieses System wurde auch vom Hinduismus vertreten und mit dieser Religion teilweise in andere Länder gebracht.

2 Japan

William Elliot Griffis beschrieb in seinem Buch über die Geschichte Japans vier Klassen der Gesellschaft:[3]

  1. Militär und Beamte - Samurai
  2. Landwirte und Bauern
  3. Arbeiter und Handwerker
  4. Kaufleute und Händler

3 Persien

In Persien war die Gesellschaft zur Zeit des Sassanidenreiches ab dem 5. Jahrhundert bis zum Siegeszug des Islams ebenfalls in vier Kasten unterteilt:

  1. Priester und Richter,
  2. Krieger,
  3. Schreiber
  4. Bauern und Handwerker

4 Andere Länder

Heute gibt es ähnliche Kasten wie in Indien noch in Pakistan und Bangladesch. Die grobe Einteilung erfolgt in Aschraf (Ehrevolle) und Adschlaf (Ungebildete). Die "Aschraf"-Kaste wird weiter in Sayyids, Scheichs, Mughals und Pattals unterteilt, wobei die Kaste der Sayyids die höchste ist.

Konrad Adenauer bezeichnete auch die Ständegesellschaft zu Beginn der Weimarer Republik als Kastensystem.[4]

5 Position des Islam

Von islamischer Seite wird das Kastensystem abgelehnt, und es wird beklagt, dass viele Muslime in diesen Systemen leben müssen:[5]

„Das Gefühl der Überlegenheit eines Menschen gegenüber eines anderen Menschen aufgrund von Abstammung gilt als eine der Ursünden Iblis und ist im Islam verboten. Daher wird ein System, das auf Kasten beruht und die Menschen spaltet im Islam abgelehnt.“

Unter Berufung auf den Koran heißt es:

„Der Islam lehnt Kasten und Kastensystem grundsätzlich ab. Das führt dazu, dass viele Mitglieder der niedrigsten Kasten des Hinduismus den Islam annehmen, was zu Spannungen von Hinduisten gegenüber Muslimen führt. Der Glaube daran, dass alle Menschen von Adam (a.) und Eva abstammen, macht sie zu gleichwertigen Geschwistern in der Geburt, so dass es nur eine einzige Menschheit gibt und das einzige zu berücksichtigende Unterscheidungsmerkmal im Islam ist gemäß einer Überlieferung von Prophet Muhammad (s.), und das ist die Gottesehrfurcht [taqwa] (vgl. Heiliger Qur'an 13:49).“

6 Einzelnachweise

  1. Priya Moorjani u. a.: Genetic Evidence for Recent Population Mixture in India. In: The American Journal of Human Genetics, American Society of Human Genetics, 8. August 2013 (doi:10.1016/j.ajhg.2013.07.006). Abgerufen am 12. August 2013.
  2. Meldung: Erbgut-Analyse: Indiens Kastengesellschaft entstand vor 1900 Jahren. In: Spiegel Online. Hamburg, 2013-08-09. Abgerufen am 13. August 2013.
  3. The Mikado's Empire. History of Japan, from 660 B.C. to 1872 A.D., Tokio 1876, Seite 280
  4. Günter Gaus im Gespräch mit Konrad Adenauer, Sendedatum vom 29. Dezember 1965
  5. Kastensystem auf www.eslam.de, abgerufen am 14. Juni 2017

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