Die Musikgeschichte Israels (Sachbuch von Peter Gradenwitz)

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Das Buch Die Musikgeschichte Israels von Peter Gradenwitz
Die Musikgeschichte Israels ist ein Sachbuch des deutsch-israelischen Musikwissenschaftlers Peter Gradenwitz aus dem Jahr 1961. Es stellt nach Gradenwitz "den ersten Versuch dar, die Musik des biblischen Israel, der jüdischen Diaspora und des neu erstehenden israelischen Staates - das bedeutet eine Musikgeschichte von fast fünftausend Jahren - aus kulturhistorischer, soziologischer und musikwissenschaftlicher Warte zu sehen." [1]

1 Entstehung

Die Grundzüge des Buches lagen bereits in dem 1945 in Jerusalem bei Rubin Mass in Hebräisch verlegten Buch Ha-Musikah be-Yisrael vor. 1949 erschien unter dem Titel The Music of Israel - Its Rise and Growth Through 5000 Years bei W. W. Norton eine erweiterte Fassung in englischer Sprache sowie unter dem Titel La música de Israel eine spanische Übersetzung bei Editorial Israel in Buenos Aires. [2] Diese Bearbeitung lag der zweiten, 1954 ebenfalls bei Rubin Mass erschienenen hebräischen Fassung zugrunde. Die bei Bärenreiter Kassel erschienene deutsche Ausgabe von 1961 stellt eine völlige Neubearbeitung des Materials nach dem neusten Stand der Forschung dar und führt im abschließenden Kapitel bis zu den den jüngsten Entwicklungen in Israel. [3]

2 Inhalt

Das 240 Seiten starke Buch enthält 52 Notenbeispiele und Abbildungen und ist in zwölf Kapitel und vier Anhänge gegliedert:

2.1 Kapitel I - Musik der Wüste

Gradenwitz beginnt sein Buch mit den als Hirten und Nomaden durch die Wüsten ziehenden, erst langsam seßhaft werdenden Israeliten. Er geht dann auf Charakter, Metrik und Klangcharakteristik der semitischen Sprachen ein. Auch die Musikkultur der benachbarten Völker der Sumerer, Babylonier, Elamiter, Assyrer und Ägypter wird kurz dargestellt. Es folgt eine kurze Vorstellung der Musikinstrumente der Israeliten wie kinnor, ugav, shofar, pa`amon, tof und chtzoreah.

Im gesamten Kapitel ist zu bemängeln, dass Gradenwitz - obwohl er ausdrücklich erwähnt, dass aus dieser Zeit keine Notationen oder bildliche Darstellungen vorliegen - häufig von der Musik der Nachbarkulturen der Israeliten, späterer Synagogalmusik aus nachchristlicher Zeit sowie der heutigen Musik der Juden auf der Insel Djerba oder im Jemen und der arabischen Musik relativ unkritisch Rückschlüsse auf die Musik der Altisraeliten zieht. So folgert er trotz des Fehlens von Belegen für den israelitischen Raum aus der nachweislichen Verwendung von musikalischen Modi bei den alten Ägyptern, dass auch die Israeliten damals hochentwickelte Modi verwandt haben müssen:

"In der hebräischen Tempelmusik tritt uns das modale System bereits auf einer hochstehenden Entwicklungsstufe entgegen; und wenn auch Art und Stil des Vortrags im Laufe der dreitausendjährigen geschichtlichen Entwicklung Israels viele Wandlungen durchgemacht haben, so folgt doch die heutige Kantillation der Heiligen Bücher und hebräischen Gebete im Grunde der modalen Theorie des Ostens - in den jüdischen Gemeinden der östlichen wie der westlichen Welt."

Auch die von Gradenwitz konstatierte Verwendung von Hand- und Fingerbewegungen (Cheironomie) als frühe Dirigierpraxis bei den Israeliten folgert er einfach aus dieser Praxis bei den Ägyptern. Andere Festellungen von Gradenwitz sind dann ganz ohne Begründung/Beleg und kaum nachvollziehbar: So weiß er z.B. genau über den Charakter der damaligen Kantillation und sogar den verwendeten Tonvorrat bescheid:

"Obwohl im primitiven Glauben nur das aufdringlichste und lauteste Gebet Anspruch auf Gehör hat, ist anzunehmen, daß die Hebräer in der Kantillation ihrer Gebete zurückhaltender waren als andere orientalische Völker. (...) Als Israel noch ein Volk von Hirten und Nomaden war, kann kein großer Unterschied zwischen den Melodien der Schafhirten in den Feldern und den Gesängen der Betenden bestanden haben; es waren fließende Melodien, die sich in einer auf vier bis höchstens sechs Tönen beschränkten Folge oder Floskel bewegten."

Allein aus der Verwendung des Wortes sumphoniah im Buch Daniel, welches ein Einzelinstrument aber auch eine Kombination mehrerer Instrumente bezeichnen könnte, entwickelt Gradenwitz in freien Assoziationen eine genaue Beschreibung eines damaligen "Orchesters" und der von diesem gespielten Musik, bei der man denken könnte, dass er selber dabeigewesen ist:

"Wenn wir den aramäischen Text Wort für Wort auslegen, hörten die Untertanen des Königs die verschiedenen Instrumente erst einzeln, solistisch, und dann im Zusammenspiel - wie noch heute die Musik des Orients ausgeführt wird. Eine Fanfare der Horns oder der Trompete ruft die Musiker und die Massen zur Aufmerksamkeit. Die hervorragendsten Spieler des Orchesters treten dann in solistischen Passagen virtuos hervor, indem sie im Rahmen der gegebenen Melodiefloskeln des zur Gelegenheit passenden Stückes improvisieren, und erst dann erklingt das volle Orchester mit einer "Sym-phonie" im Sinne der italienischen sinfonia des 17. Jahrhunderts: einem kurzen instrumentalen Ritornello."

2.2 Kapitel II - Die Heilige Stadt

In diesem Kapitel geht es um die Musik zur Zeit der Königreiche der Israeliten unter David und Salomo. Zu Anfang wird auf die symbolische Bedeutung von David als Schutzpatron der Musik, Leier oder Harfe spielenden Musiker und vermeintlichen Verfasser der Psalmen eingegangen. Danach werden die Musikinstrumente kinnor, nevel, meziltajim, asor, halil sowie magrephah detailliert und fundiert dargestellt. Allerdings würde man sich hier mehr Informationen über die archäologische Befundlage sowie die Häufigkeit bildlicher Darstellungen der Instrumente wünschen. Auch die sich anschließende Darstellung der Zusammensetzung der Tempelorchester ist ausführlich und fundiert. Es folgen kürzere Abschnitte zur Rolle der Frauen in der Musik und zum Tanz.

Leider sind aber auch in diesem Kapitel unbelegte, gewagte Schlussfolgerungen von Gradenwitz zu finden. So versteigt er sich gegen Ende des Kapitels beispielsweise zu folgenden gewagten Spekulationen:

"Aber nicht nur die äußere Pracht und die innere Dynamik der Tempelmusik wirkten auf die Zivilisationen der Antike so bewundernswert; von weitgehendstem Einfluß waren vor allem die starke Verbindung von Inhalt und Form, von ethischem Gehalt und äußerem Ausdruck, die als eigenste Schöpfung des levitischen Musikerstandes gelten muß. In der Musik des alten Israel, in der Blütezeit seiner Kultur, wurde zum ersten Male der Schritt vom primitiv Sinnlichen zum religiösen Pathos, vom unmittelbaren Entladen von Gefühl und Erregung zum fanatischen Suchen nach Wahrheit des Ausdrucks getan, wie es in der europäischen Musikgeschichte später für so manchen jüdischen Komponisten charakteristisch geworden ist. (...) Im Jerusalem des ersten Jahrtausends v. Chr. - der Heiligen Stadt der Könige Israels und wieder dem geistigen und kulturellen Zentrum der aus babylonischer Gefangenschaft zurückgekehrten Juden - war der Musik etwa dieselbe Rolle zugewiesen wie im europäischen 17. Jahrhundert und die Tempelmusik wurde von den Zeitgenossen und der Nachwelt wahrscheinlich als ebenso "barock" betrachtet wie die dem europäischen Barock folgenden Zeitalter die Musik der Kirchen und Höfe des 17. Jahrhunderts ansahen."

2.3 Kapitel III - Hellas und Rom

2.4 Kapitel IV - Die Besiedlung des Westens

2.5 Kapitel V - Die Musik der Juden im europäischen Mittelalter

2.6 Kapitel VI - Intermezzo: Jüdische Musiker in der Renaissance

2.7 Kapitel VII - Von Mendelssohn zu Schönberg / Ein Jahrhundert der Emanzipation

2.8 Kapitel VIII - Die Bibel in der Musik

2.9 Kapitel IX - Die Entwicklung der liturgischen Musik

2.10 Kapitel X - Die nationale jüdische Schule in Osteuropa

2.11 Kapitel XI - Hebräische Musik unserer Zeit

2.12 Kapitel XII - Die Musik im neuen Israel

3 Siehe auch

4 Weblinks

5 Literatur

6 Einzelnachweise

  1. Aus dem Klappentext des Buches Die Musikgeschichte Israels, Bärenreiter Kassel, 1961
  2. La música de Israel / Gradenwitz, Peter / Editorial: Editorial Israel, Buenos Aires, 1949
  3. Peter Gradenwitz: Die Musikgeschichte Israels, Bärenreiter Kassel, 1961, S. 9

6.1 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Die Musikgeschichte Israels (Sachbuch von Peter Gradenwitz)) vermutlich nicht.




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