Nevel (Musikinstrument)

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Mögliche Bauformen des nevel. [1]
Das nevel (hebr. נֵ֤בֶל‎), bzw. auch nebel oder naval ist ein seit der Zeit des Alten Israel bekanntes historisches Musikinstrument. Es wird häufig im Alten Testament erwähnt. Zu seiner Bauweise und seinem möglichen Klang gibt es in der Forschung unterschiedliche, voneinander abweichende Hypothesen.

1 Zum Begrif nevel[Bearbeiten]

Darstellung eines 12-saitigen Instruments (evtl. ein nevel) auf einem Jaspis-Siegel aus dem 7. Jahrhundert v. Chr..
  • Für den Begriff nvl (נֵ֤בֶל) gibt es zwei Möglichkeiten der Vokalisierung: nevel oder naval. Ob die Bedeutungen der beiden Begriffe sich überschneiden ist nicht geklärt. nevel bedeutete wohl ein Krug oder ein Ledersack zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten. Es kann auch "Saiteninstrument" bedeuten. naval bedeutete wohl, "etwas aufzublasen" bzw. "zu füllen". naval könnte auch bedeuten, "degenerieren", oder dass etwas gottlos, obszön oder rituell unrein wird. Es kann auch "Flamme", "Schurke" oder "Kadaver" bezeichnen. [2]

2 Erwähnungen im Alten Testament[Bearbeiten]

  • Das Instrument wird im Alten Testament 28 mal erwähnt. Dabei wird es 22 mal im Zusammenhang mit dem Instrument kinnor (vermutlich die Harfe welche König David spielte) genannt. Es wird als levitisches Zunftinstrument (1. Buch der Chronik 15,16 und 20; 25,1 und 6) erwähnt, als Instrument zur Begleitung der Überführung der Bundeslade (2. Buch Samuel 6,5; 1. Buch der Chronik 13,8), als Instrument bei der Einweihung der Mauer (Nehemia 12,27) und bei der Siegesfeier (2. Buch der Chronik 20,28) sowie als Prophezeiungs-Instrument (1. Buch Samuel 10,5). Es wird aber auch als Instrument der feindlichen Babylonier (Jesaja 14,11) und als Instrument der Säufer (Jesaja 5,12) erwähnt. [3] [4] Die Septuaginta und Vulgata übersetzen den Begriff nevel nicht einheitlich. Mal wird es z.B. als lyra, mal als kithara, als psalterium oder als nablium übersetzt.

3 Herkunft des Instruments[Bearbeiten]

4 Zeitraum der Verwendung[Bearbeiten]

  • Im 2. Buch Samuel 6:5 wird das Instrument im Zusammenhang mit der Errichtung des ersten Tempels erwähnt. [5]
  • Im zweiten Tempel wurden ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. zwischen zwei und sechs nevalim eingesetzt. [6] Daneben wurde das Instrument auch am königlichen Hof eingesetzt.
  • Nach der Zerstörung des zweiten Tempels wurde das nevel, wie alle anderen Instrumente, aus Trauer um den verlorenen Tempel dann vom religiösen Gebrauch ausgeschlossen. [7]

5 Bauform und Spielweise[Bearbeiten]

Im Jerusalemer Tempel (hier im Modell des salomonischen Tempels im Museum für Hamburgische Geschichte) wurden angeblich zwei bis sechs nevalim eingesetzt.
  • Es handelt sich um ein Saiteninstrument, das (nach Amos 6:5) mit den Fingern gezupft wurde. [8] Ovid schreibt, dass das Instrument mit beiden Händen gespielt worden sei ("Quaravis mutus erat, voci favisse putatur / Piscis, Aroniae fabula nora lyrae. / Disce etiam duplice genialia palmaVerrere.") [9]
  • Beim nevel handelte es sich eventuell um eine Art Winkelharfe, bei der der Hals vom Korpus aus abgeknickt war (nach der Instrumenteneinteilung von Hornbostel-Sachs Nummer 322.12) oder um eine Bass-Leier (evtl. eine Lyra). Nach Abraham da Portaleone (1542-1612) soll es sich um eine Form der Laute gehandelt haben. Gegen die Klassifizierung als Harfe spricht allerdings, dass von Archäologen in Kanaan und Altisrael keine Harfen aus vorhellenistischer Zeit gefunden wurden.
  • Genaue Aussagen über Bauform und Klang sind nicht möglich, da historische Quellen dazu nur vage Angaben machen und keine Instrumente erhalten sind. Das Instrument hatte nach Josephus Flavius 12 Darmsaiten (wohl vom Schaf), [10] und einen mit Fell bespannten Resonanzkörper. Die Bibel erwähnt allerdings unter der Bezeichnung nevel `asor auch ein zehnsaitiges Instrument. Nach Abraham Zevi Idelsohn sind die 10 Saiten der nevel `asor allerdings nicht belegbar. [11] Es könnte sich beim nevel `asor auch um ein eigenes Instrument handeln. Das nevel hatte eventuell einen vertikal angeordneten Resonanzkörper aus Holz in dreieckiger oder trapezförmiger Form. Der Grieche Eusebius Sophronius Hieronymus beschreibt das Instrument im 4. Jahrhundert allerdings als rechteckig. Die Wortbedeutung von nevel als Behälter für Flüssigkeiten lässt auch eine flaschenförmige Form als möglich erscheinen. Nach dem zweiten Buch Samuel wurde Zypressenholz verwandt. Für die nevalim im Tempel wurde nach dem Buch der Könige Sandelholz verwendet. Die Größe des Instruments soll ein Achtel der Größe eines Menschen betragen haben. Saadia Ben Joseph bezeichnete in einem mittelalterlichen Kommentar das aramäische psantrin als nevel. [12]
  • Sie wurde wohl zur Begleitung von Solo- oder Chorgesang verwandt. [13]
  • Nach Amos 6:5 hielt man das Instrument beim Spielen schräg vor der Brust.

6 Klang[Bearbeiten]

Erwähnung des Instruments im 1. Buch der Chronik 15:16. In der deutschen Einheitsübersetzung: "Den Vorstehern der Leviten befahl David, sie sollten ihre Stammesbrüder, die Sänger, mit ihren Instrumenten, mit Harfen, Zithern und Zimbeln, aufstellen, damit sie zum Freudenjubel laut ihr Spiel ertönen ließen."
Eventuelle Darstellung eines nevel auf einer Münze aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands. Die Umschrift der rechten Münze besagt: "Jahr zwei der Freiheit Israels".
  • Wie das Instrument gestimmt wurde ist nicht bekannt. Es ist vermutet worden, dass es ähnlich wie altgriechische Instrumente gestimmt wurde. Der Klang soll lauter als der der kinnor (deren Saiten auch dünner gewesen sein sollen) gewesen sein. Ob das nevel in tieferer oder höherer Tonlage als das kinnor erklang, ist nicht geklärt. Idelsohn vermutet, dass der Klang des kinnor weicher und dünner als der des nevel gewesen sei. [14] Hesychios von Alexandria beschreibt den Klang des nevel als hart. [15] Für eine Verwendung als Bassinstrument spricht die geringere Besetzungsstärke im Tempelorchester im Verhältnis zum kinnor. [16] Jeremias 14, 11 beschreibt den Klang des Instruments als rauschend und dröhnend. [17]

7 Nachbauten[Bearbeiten]

  • Verschiedentlich wurde versucht das nevel nachzubauen. In wie weit diese Nachbauten den historischen Vorbildern in Form und Klang entsprechen ist fraglich. [18] [19] [20]
  • Sonokinetic hat eine digitale Simulation des vermuteten Klangs des nevel auf den Markt gebracht. [21] [22]

8 Siehe auch[Bearbeiten]

9 Links und Quellen[Bearbeiten]

9.1 Weblinks[Bearbeiten]

9.1.1 Videos[Bearbeiten]

9.1.2 Bilder[Bearbeiten]

9.2 Literatur[Bearbeiten]

  • Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 8, 12 und 16
  • Yelena Kolyada: A Compendium of Musical Instruments and Instrumental Terminology in the Bible, Routledge, New York, 2014, S. 42 ff.
  • Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas - Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Rupürecht, Göttingen, 1999
  • Jeremy Montagu: Musical Instruments of the Bible, Cumnor Hill, Oxford, 2002
  • Amnon Shiloah: Jewish Musical Traditions, Wayne State University Press, 1992, S. 43 bis 81
  • Eric Werner (Hrsg.): Contributions to a Historical Study of Jewish Music, KTAV Publishing House, 1976, S. 44 ff.

9.3 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas - Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1999, S. 44
  2. Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas - Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1999, S. 44
  3. Yelena Kolyada: A Compendium of Musical Instruments and Instrumental Terminology in the Bible, Routledge, New York, 2014, S. 42 ff.
  4. Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas - Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1999, S. 44 und 45
  5. Yelena Kolyada: A Compendium of Musical Instruments and Instrumental Terminology in the Bible, Routledge, New York, 2014, S. 42 ff.
  6. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 16
  7. "But after the Destruction, all instrumental music, even for religious purposes, was prohibited, as a sign of national mourning over the temple."; in Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 93
  8. Anm.: Das kinnor wurde dagegen vermutlich mit einer Art von Plektrum gespielt.
  9. www.ancientlyre.com
  10. Jeremy Montagu: Musical Instruments of the Bible, Cumnor Hill, Oxford, 2002, S. 41
  11. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 8
  12. Curt Sachs: The History of Musical Instruments, W.W. Norton, New York, 1940, S. 115 ff.
  13. Yelena Kolyada: A Compendium of Musical Instruments and Instrumental Terminology in the Bible, Routledge, New York, 2014, S. 42
  14. Dieter Wohlenberg: Kultmusik in Israel - Eine forschungsgeschichtliche Untersuchung, Rodenbusch, 1967, S. 355
  15. William Brown: Antiquities of the Jews, Band 1, W. W. Woodward, 1823, S. 291
  16. Anm.: Man hat dies in Analogie zum modernen Sinfonieorchester gefolgert, in dem ja auch die tieferen Streichinstrumente (Celli und Kontrabässe) zahlenmäßig geringer besetzt sind als die höheren Streichinstrumente (Violinen und Violen).
  17. Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas - Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1999, S. 45
  18. Nachbau bei Amazon
  19. Versuch der Rekonstruktion des Instruments
  20. Noch ein Versuch der Rekonstruktion des Instruments
  21. www.sonokinetic.net
  22. Software von Sonokinetic zur digitalen Simulation des Instruments

10 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Nevel (Musikinstrument)) vermutlich nicht.