Pa'amon (Signalinstrument)

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Zeichnung eines jüdischen Hohenpriesters mit Gewand, Granatäpfeln und in Bodenhöhe befindlichen pa'amonim.
pa'amon (פַּעֲמוֹן) ist die hebräische Bezeichnung für eine Schelle, d.h. ein kleines Glöckchen, [1] die zu mehreren hauptsächlich am Gewand der Hohenpriester verwandt wurden.

1 Details

  • Ab circa 800 v. Chr. bis in byzantinische Zeit treten in der Südlevante häufig Bronzeglocken zwischen zwei bis sechs Zentimetern Länge auf. Wahrscheinlich hatten sie im dionysischen Kult Griechenlands, im jahwistischen Israel und später im frühen Christentum hauptsächlich die Funktion, böse Mächte abzuwehren.
  • Die Tradition ist für den orientalischen Raum in der Ikonografie ab circa 1500 v. Chr. nachweisbar. [2] Das Wort Pa'amon (Plural=Pa'amonim) leitet sich vom Verb pa`am=schlagen ab. [3]
  • Die Bezeichnung pa'amonim ist eine der wenigen Bezeichnungen für biblische Musikinstrumente, bei der in der Wissenschaft Einigkeit besteht, um was für ein Instrument es sich handelte. [4]
  • Die pa'amonim am Gewand der jüdischen Hohenpriester sollten wohl dem Zweck dienen, Gott beim Betreten des Tempels nicht zu überraschen/erschrecken und damit evtl. zu erzürnen. Die Granatäpfel am Gewand beschworen die Mächte des Segens im Tempel. [5] Man muss es deshalb eher als Signalinstrument denn als Musikinstrument sehen. [6] Im 2. Buch Mose (Exodus) wird in Kapitel 28, 32-35 das Gewand der Priester mit folgenden Worten beschrieben:
"An seinem unteren Saum mach Granatäpfel aus violettem und rotem Purpur und aus Karmesin, an seinem Saum ringsum, und dazwischen goldene Glöckchen ringsum: ein Goldglöckchen und ein Granatapfel abwechselnd ringsum am Saum des Mantels. Aaron soll ihn beim Dienst tragen; sein Ton soll zu hören sein, wenn er in das Heiligtum vor den Herrn hintritt und wenn er wieder herauskommt; sonst muss er sterben." [7] [8]
  • Im 2. Buch Mose (Exodus) heißt es in Kapitel 39, 24-26 zur Anfertigung des Priestergewandes:
    Erwähnung der pa'amonim in Exodus/Pekudey (2. Buch Mose 39, 25): Vaya'asu fa'amoney zahav tahor vayitnu et-hapa'amonim betoch harimonim al-shuley hame'il saviv betoch harimonim.
"An seinem unteren Saum machten sie Granatäpfel aus violettem und rotem Purpur und aus gezwirntem Karmesin. Sie machten Glöckchen aus reinem Gold und befestigten die Glöckchen zwischen den Granatäpfeln am Saum des Mantels, ringsum zwischen den Granatäpfeln: ein Glöckchen und ein Granatapfel abwechselnd ringsum am Saum des Mantels für den Dienst, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte." [9]
"This custom reminds us of the Egyptian Sistrum which, according to Plutarch, had a double aim: to call the attention of the worshippers to the sacred function in the sanctuary, and to drive away the evil typhon." [10]
  • Der römisch-jüdische Historiker Flavius Josephus meint in seinem Werk Antiquitates Iudaicae, dass die Granatäpfel am Priestergewand den Blitz und die Glöckchen den Donner eines Gewitters repräsentierten. Plutarch erwähnt die pa'amonim auch, bringt sie aber mit dem Kult des Dionysos in Verbindung. [11]
  • Die pa'amonim dienten wohl auch dem Zweck, Schwellendämonen zu vertreiben. Dies sollte durch den Klang der Schellen erreicht werden, da man in der Antike allgemein der Auffassung war, dass Tote und Geister durch Metallisches eingeschüchtert werden.
    Eisenzeitliches Trankopfergefäß aus der Levante, welches ein Kamel mit Glöckchen am Hals darstellt.
    Die magische Funktion der Schellen passte in der nachexilischen Zeit natürlich nicht mehr in das priesterliche Weltbild, welches alles neben der Existenz des einen und einzigen Gottes (Monotheismus) ablehnte. Deshalb wurde der Sinn des traditionellen Geläuts umgedeutet. Es diene nun dazu, die Israeliten bei ihrem Gott und Gott bei den Israeliten in Erinnerung zu rufen. [12] So heißt es in Sirach 45, 8-11:
"Er kleidete ihn ganz in Pracht und schmückte ihn mit herrlichen Gewändern: mit Beinkleidern, Leibrock und Obergewand. Dessen Saum verzierte er mit Glöckchen im Kreis und mit klingenden Granatäpfeln ringsum. Sie sollten bei seinen Schritten lieblichen Klang geben, damit er im Heiligtum zu hören war und sein Volk aufmerksam wurde. Auch schmückte er ihn mit den heiligen Gewändern aus Gold, aus violettem und rotem Purpur - einer Kunstweberarbeit -, mit der Lostasche für den Schiedsspruch, dem Efod, und dem Gürtel aus Karmesin - einer Weberarbeit -, mit den Edelsteinen, gestochen wie Siegel und eingefasst - einer Steinschneiderarbeit -; auf ihnen standen in eingeschnittener Schrift die Namen der Stämme Israels, um sie (bei Gott) in Erinnerung zu bringen." [13]
  • Im vorhellenistischen Palästina war der kultische Gebrauch der pa'amonim wohl sehr begrenzt.
  • Mit den Glöckchen wurden auch Tiere (Pferde und Kamele) ausgestattet. Dies diente wohl den Zweck, die Umgebung vor ihrem Kommen zu warnen, als auch böse Geister zu vertreiben. Die Glöckchen waren aber auch ein Symbol für das Leben und eine blühenden Zukunft. Für Philo von Alexandria standen sie für die kosmische Harmonie, und der Rabbiner Jonathan Beth-Govrin sah sie als Symbol der Buße. [14] Sie wurden eventuell auch als Amulette und Schmuckstücke getragen.
  • In einem Grab in Jerusalem aus hellenistischer Zeit wurden kleine Glöckchen mit anhaftenden Stofffetzen gefunden. Ikonografische Darstellungen im jüdischen Bereich sind erst für das frühe 5. Jahrhundert n. Chr. (als Bodenmosaik einer Synagoge in Sepphoris) gefunden worden. Die aus hellnistisch-römischer Zeit gefundenen Glöckchen weisen mehrheitlich auf eine kultische Verwendung hin.
  • Im jüdischen Glauben hat sich die Bedeutung der Glöckchen bis in das frühe Mittelalter erhalten.

2 Siehe auch

3 Links und Quellen

3.1 Weblinks

3.2 Literatur

  • Yelena Kolyada: A Compendium of Musical Instruments and Instrumental Terminology in the Bible, Routledge, 2014

3.3 Einzelnachweise

  1. Greek/Hebrew Definitions auf www.bibletools.org
  2. Thomas Staubli (Hrsg.): Musik in biblischer Zeit und orientalisches Musikerbe, Katholisches Bibelwerk e.V., Stuttgart, 2007, S. 9 und 10
  3. Alfred Sendrey: Music in the Social and Religious Life of Antiquity, Fairleigh Dickinson University, 1974, S. 207
  4. Joachim Braun: Music in Ancient Israel/Palestine - Archaeological, Written, and Comparative Sources, Erdman Publishing, 2002, S. 195
  5. Thomas Staubli (Hrsg.): Musik in biblischer Zeit und orientalisches Musikerbe, Katholisches Bibelwerk e.V., Stuttgart, 2007, S. 9
  6. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 15
  7. 2. Buch Mose (Exodus) Kapitel 28, 32-35 auf www.bibelserver.com
  8. Anm.: In der lateinischen Vulgata wird das Glöckchen/pa'amon als tintinabulum bezeichnet.
  9. Exodus 39, 24-26 auf www.bibleserver.com
  10. Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. 15
  11. Joachim Braun: Music in Ancient Israel/Palestine - Archaeological, Written, and Comparative Sources, Erdman Publishing, 2002, S. 195
  12. Thomas Staubli (Hrsg.): Musik in biblischer Zeit und orientalisches Musikerbe, Katholisches Bibelwerk e.V., Stuttgart, 2007, S. 9 und 10
  13. Sirach 45 auf www.bibelserver.com
  14. Joachim Braun: Music in Ancient Israel/Palestine - Archaeological, Written, and Comparative Sources, Erdman Publishing, 2002, S. 196

4 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Pa'amon (Signalinstrument)) vermutlich nicht.