Hebräisch-Orientalischer Melodienschatz (Thesaurus of Oriental Hebrew Melodies)

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Deckblatt der ersten fünf Bände von Hebräisch-Orientalischer Melodienschatz von Abraham Zevi Idelsohn.
Hebräisch-Orientalischer Melodienschatz (engl.: Thesaurus of Oriental Hebrew Melodies) ist eine zehnbändige Reihe des deutsch-jüdischen Musikwissenschaftlers Abraham Zevi Idelsohn zur Jüdischen Musik.

1 Entstehung und Inhalt[Bearbeiten]

  • Idelsohn verfasste die 10 Bände in den Jahren 1914 bis 1932 auf Deutsch. Sie sind inzwischen auch auf Englisch und teilweise auf Hebräisch unter dem Titel Otsar neginot Yisrael erschienen. [1]
  • Die 10 Bände sind grundlegende Werke zur Jüdischen Musik. Eine solch umfassende Sammlung jüdischer Melodien ist bis in die Gegenwart nicht mehr unternommen worden. Neben einem fast unerschöpflichem Vorrat einstimmiger jüdischer Gesänge, die Idelsohn z.T. selber transkribierte, sind am Anfang der jeweiligen Bände jeweils umfassende Darstellungen der Geschichte der Juden in der jeweiligen Region, zur Aussprache des Hebräischen, zur synagogalen und außersynagogalen Poesie, zu synagogalen und außersynagogalen Gesangsstilen, Tonstufen, Modi, Rhythmen, Tempi sowie musikalischen Motiven jüdischer Musik enthalten. [2]
  • Idelsohn selber umreißt das Zeil seiner Sammlung in der Einleitung mit folgenden Worten:
"Möge dieser Hebräisch-orientalische Melodienschatz Musikforschern und Komponisten als Bereicherungsschatz dienen, jedem Musiker und Musikfreunde aber ein noch unbekannter Melodienschatz aus dem noch immer unerschöpften Orient sein, welcher so manche Motive und Klänge aus der antiken Welt in sich birgt." [3]
Ausschnitt aus Band I (Gesänge der jemenischen Juden) von Idelsohns Hebräisch-Orientalischem Melodienschatz.
  • Die Gesänge sind nach Anlässen in der jüdischen Religion geordnet (z.B. Morgengebete für Sabbat und Werktage, Gesänge für Sabbat, Gesänge für Festtage, Für Ostern, [4] Hosa`anot, Gesänge für Simhat torahm, Klagelieder für den 9. Ab., Selihot, Quinnot, Selihot (Bußgebete für Werktage), Gesänge für Neujahr, Gesänge für den Versöhnungstag, Hidujot, Haledot, Zafat, Nesid, usw.).
  • Die Bände I bis V wurden von Benjamin Harz in Wien und Breitkopf & Härtel in Leipzig publiziert.
  • Die Bände I bis V sind:
    • Band I: Gesänge der jemenischen Juden (Songs of the Yemenite Jews), erschienen 1914. Dafür hat Idelsohn Feldstudien unternommen und 31 phonografische Aufnahmen gemacht.
    • Band II: Gesänge der persischen Juden (Songs of the Babylonian Jews), erschienen 1922.
    • Band II: Gesänge der babylonischen Juden (Songs of the Jews of Persia, Bukhara and Daghestan), erschienen 1922.
    • Band IV: Gesänge der syrischen Juden (Songs of the Oriental Sephardim), erschienen 1923.
    • Band V: Gesänge der marokkanischen Juden (Songs of the Moroccon Jews), erschienen 1929.
  • Die Bände V bis X schrieb Idelsohn in den USA [5]. Sie wurden von Friedrich Hofmeister in Frankfurt am Main publiziert. Die Titel sind:
    • Band VI: Der Synagogengesang der deutschen Juden im 18. Jahrhundert (The Synagogue Songs of the German Jews in the 18th Century), erschienen 1932.
    • Band VII: Die traditionellen Gesänge der süddeutschen Juden (The Traditional Songs of the South German Jews), erschienen 1932.
    • Band VIII: Der Synagogengesang der osteuropäischen Juden (The Synagogue Song of the East European Jews), erschienen 1932.
    • Band IX: Der Volksgesang der osteuropäischen Juden (The Folk Song od the East European Jews), erschienen 1932.
    • Band X: Gesänge der Chassidim (Songs of the Chassidim), erschienen 1932. [6]
  • Das im Hebräisch-Orientalischen Melodienschatz gesammelte musikalische Material war dann Grundlage für die Anfangskapitel von Idelsohns im Jahr 1929 erschienenem Buch Jewish Music - Its Historical Development. [7]

2 Rezeption[Bearbeiten]

  • Die jüdische Musikwissenschaftlerin Irene Heskes hebt vor allem Idelsohns musikalische und liturgische Analysen sowie die zusätzlichen historischen Informationen im Thesaurus of Oriental Hebrew Melodies hervor, und gesteht dem Werk auch für das 21. Jahrhundert eine einmalige und zukunftsweisende Bedeutung zu. Sie schreibt über den Idelsohns Werk u.a.:
"Not only had Idelsohn collected and transcribed a vast and varied treasury of Jewish music, he also had zealously prepared introductionary musical and liturgical analyses, togehter with much other significant historical information, as guidance to the contents of each volume. His masterful introduction to Volume 2, for example, provides a remarkable section of comparative notation for biblical cantillation among a dozen different Jewish liturgical traditions. (...) Into the twenty-first century, Idelsohn`s Thessaurus remains uniquely significant for its musical scope, topical range, dedicated scholarship, and pioneering ethnological exploration." [8]
  • Der jüdische Musikwissenschaftler Eric Werner lobt an Idelsohns Thessaurus neben den zuverlässigen Transkriptionen und guten Analysen, beonders den neuartigen Ansatz einer musikethnografischen Herangehensweise. Die Tatsache, dass Idelsohn als erster jüdischer Musikwissenschaftler mit dem jüdisch-orientalischen Musikerbe vor Ort in Palästina in Kontakt gekommen war, verleihe seinem Thessaurus eine herausragende Bedeutung. Er schreibt über den Thessaurus u.a.:
"It constitutes an almost comprehensive collection of Jewish folklore, reasonably, not systematically ordered, fairly reliably transcribed, and at least in part well analysed and interpreted. (...) And it is in this very idea of ethnology where this work has proved a never-ceasing source of original ideas and suggestions. (...) Idelsohn was the first serious musicologist to come to grips with the living world of Oriental Jewry, its environment, its songs, its mores, and its daily activities. As a matter of course, his collection of songs and musical traditions was bound to be of greater value than any merely literary or even musical written source, no matter how refined." [9]

3 Links und Quellen[Bearbeiten]

3.1 Weblinks[Bearbeiten]

4 Andere Wikis[Bearbeiten]

4.1 Literatur[Bearbeiten]

4.2 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.franklin.library.upenn.edu
  2. Philip V. Bohlman: Central European Folk Music - An Annotated Bibliography of Sources in German, Rourledge, 1996, S. 44 und 45
  3. Aus der Einleitung von Band I (Gesänge der jemenischen Juden).
  4. Anm.: Idelsohn verwendet wirklich, obwohl dies kein jüdisches Fest ist, den Begriff Ostern
  5. Anm.: 1922 migrierte er in die USA.
  6. Arbie Orenstein in der Einleitung zu Abraham Zevi Idelsohn: Jewish Music - Its Historical Development, Henry Holt and Company, New York, 1929, S. xii bis ix
  7. John Arthur Smith: Music in Ancient Judaism and Early Christianity, Ashgate Publishing Limited, 2011, S. 226
  8. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 17
  9. Eric Werner in der Zeitschrift The Reconstructionist, Vol. 29, Nr. 3, 1963; zitiert nach Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 28

5 Hinweis zur Verwendung[Bearbeiten]

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6 Andere Lexika[Bearbeiten]