Wirtschaft der DDR

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Die Wirtschaft der DDR wurde staatlich auf der Grundlage von Fünfjahresplänen organisiert. Sie beruhte auf der großenteils erzwungenen „Sozialisierung“ privaten Eigentum. So wurden Unternehmer, die sich nicht in Staatsbetriebe eingliedern wollten, zum Beispiel mit Vorwürfen von nicht rechtzeitig gezahlten Steuern drangsaliert.[1] Die herrschenden Organisationsformen waren Volkseigene Betriebe (VEB), Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), Handelsorganisationen (HO) und Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH). Die unterste Einheit in der Hierarchie der Arbeitsorganisation war das sogenannte Kollektiv, oft in Form der Brigade; die komplexeste Organisationsform stellte das Kombinat dar. Zu den Merkmalen des DDR-Wirtschaftssystems zählten Arbeitsplatzsicherheit und ein im Vergleich zur Sozialen Marktwirtschaft in Westdeutschland ein hoher Beschäftigungsgrad von Frauen – bei demgegenüber deutlich geringerer gesamtwirtschaftlicher Produktivität trotz der Prämienanreize im „sozialistischen Wettbewerb“. Ein Auseinanderdriften sozialer Schichten in materieller Hinsicht trat in der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik nur in geringem Umfang auf. Sowohl die Preise als auch das Angebot an Gütern beruhten auf staatlichen Vorgaben, die ein ausgedehntes Subventionssystem ebenso zur Folge hatten wie eine unzureichende Bedarfsdeckung an bestimmten Lebensmitteln und gehobenen Konsumgütern. Der steigende Bedarf an Westimporten konnte durch die Exportleistung nicht kompensiert werden und erhöhte die Staatsverschuldung.[2] Eine Krise wurde 1983 durch die von Alexander Schalck-Golodkowski mit Franz Josef Strauß ausgehandelten Milliardenkredite überwunden und stellte die Kreditwürdigkeit bei westlichen Banken vorübergehend wieder her.

Manfred Dott, letzter Staatssekretär im Verkehrsministerium der DDR 1990, schreibt in seinen Erinnerungen dazu:[3] „Die Verantwortlichen konnten einiges im Sicherheits- und Militärbereich, aber von der Wirtschaft, von wirtschaftlicher Betriebsführung und wirklicher Rationalisierung im Produktionsablauf hatten sie kaum eine Ahnung, mit wenigen Ausnahmen. Hinzu kam die Korruption, die hauptsächlich über das DDR Neuererwesen abgewickelt wurde. Neuerervorschläge und Neuerervereinbarungen nach DDR-Neuererverordnung (NVO § 13, 1 und § 13, 2) wurden so konzipiert, dass sehr häufig über Jahre überwiegend immer wieder die gleichen Leute Vergütungen von mehreren Tausend Ost-Mark erhielten. Bei der Verteilung dieser Neuerersummen kam Staatstreue an erster Stelle, danach Leute von denen man etwas wollte, zum Beispiel Material oder sonstige Hilfen. Dann betriebliche Verflechtungen und Kumpanei. Erst nach all diesen Fakten, die teilweise bis in den Bereich der Bestechungen gingen, kamen wirkliche Neuerungen und Erfindungen.“

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind auch in der heutigen Bundesrepublik Deutschland nach Einschätzung vieler Beobachter noch nicht überwunden. Das betrifft zum Beispiel die Renten, welche wiederum Einfluss auf die Kaufkraft haben.

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1 Situation im Jahr 1989

Nach Einschätzung des deutschen Wirtschaftswissenschaftlers Hans-Werner Sinn „befand sich die DDR 1989 in einem abgewirtschafteten Zustand, zur Produktivitätssteigerung oder zu Verbesserungen des Warenangebots kaum noch in der Lage. Das durchschnittliche Reallohnniveau der DDR-Bevölkerung betrug allenfalls ein Drittel des Westniveaus.“[4]

In einer Vorlage für das Politbüro des Zentralkomitees der SED vom 30. Oktober 1989 hieß es:[5]

  • „Im internationalen Vergleich der Arbeitsproduktivität liegt die DDR gegenwärtig um 40 % hinter der BRD zurück.“
  • Die Verschuldung durch Kredite aus nichtsozialistischen Staaten stellt die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage.
  • Die voraussichtliche Gesamtverschuldung für 1990 beträgt insgesamt 140 Mrd. Mark. „Geldumlauf und die Kreditaufnahme des Staates, darunter wesentlich aus den Spareinlagen der Bevölkerung, sind schneller gestiegen als die volkswirtschaftliche Leistung.“
  • „Mit den geplanten Valutaeinnahmen 1989 werden nur etwa 35 % der Valutaausgaben insbesondere für Kredittilgungen, Zinszahlungen und Importe gedeckt. 65 % der Ausgaben müssen durch Bankkredite und andere Quellen finanziert werden.“
  • Eine Schuldenbremse „würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25-30 % erfordern und die DDR unregierbar machen.“
  • „In bestimmten Bereichen der Volkswirtschaft sind die Ausrüstungen stark verschlissen, woraus sich ein überhöhter und ökonomisch uneffektiver Instandhaltungs- und Reparaturbedarf ergibt.“
  • Seit 1980 ist der Anteil der Beschäftigten mit manueller Tätigkeit in der Industrie mit 40 % etwa gleich geblieben.
  • „Es wurde mehr verbraucht als aus eigener Produktion erwirtschaftet wurde.“

Der Historiker Sven Felix Kellerhoff, leitender Redakteur für Geschichte bei der Zeitung Die Welt, urteilt: „Die Erkenntnisse waren schlechthin erschütternd.“ Er legt einen Wechselkurs von 1:10 zwischen West-Mark und DDR-Mark bei seinen Berechnungen zugrunde. Demnach hatte der Schuldenstand der DDR im Jahr 1988 mit 1230 Mrd. Mark das Bruttosozialprodukt von 353 Mrd. Mark deutlich überstiegen. Dennoch behauptet die deutschsprachige Wikipedia ganz sibyllinisch: „Ob die Wende durch die Gefahr einer akuten Zahlungsunfähigkeit ausgelöst oder begleitet wurde, ist in der Forschung umstritten.“[6] Als Quelle wird der Historiker Armin Volze genannt.[7]

2 Siehe auch

3 Weblinks

4 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Wirtschaft der DDR) vermutlich nicht.




5 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Christoph Eisenring: Schicksal einer Unternehmerfamilie in der DDR: Das eingemauerte Leben, NZZ, 21. Januar 2017.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/DDR-Wirtschaft
  3. redaktionell überarbeitet
  4. Hans-Werner Sinn: Kaltstart – Volkswirtschaftliche Aspekte der deutschen Vereinigung. 2. Aufl., Mohr Siebeck, Tübingen 1992, S. 9.
  5. http://www.chronik-der-mauer.de/system/files/dokument_pdf/58553_cdm-891030-analyse-oekonomische-lage.pdf
  6. Version vom 10. November 2019
  7.  Armin Volze: Zur Devisenverschuldung der DDR – Entstehung, Bewältigung und Folgen. In: Am Ende des realen Sozialismus. Im Auftrag des Bundesministeriums des Innern. 1. Auflage. 4, Leske + Budrich, Opladen 1999, ISBN 978-3-8100-2744-3, S. 151.

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