Manfred Dott

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Profil.png Profil: Dott, Manfred
Namen Dott, Manfred Jakob (vollständiger Name)
Beruf Staatssekretär Verkehrsministerium DDR der Regierung Lothar de Maizière vom 18. März 1990 bis 3. Okt. 1990
Persönliche Daten
30. Okt. 1940
Koblenz


Manfred Dott 2013


Manfred Dott (* 30. Oktober 1940 in Koblenz) ist ein deutscher Politiker und Diplom-Hochbauingenieur , der als Staatssekretär im Verkehrsministerium der Regierung des DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière vom 18. März 1990 bis 3. Oktober 1990 angehörte. Er erzählt in dem nachfolgendem Text, der die Form eines Offenen Briefes hat, Ausschnitte aus seinem Leben als ein Zeuge der Wendezeit und der Wiedervereinigung.

Der Offene Brief trägt die Überschrift:

Via DDR - Bin dann mal fort

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] 1 Kindheitserlebnisse

Koblenz: 1942 und 1943 - der Vater an der Ostfront. Bomben schlugen nahe unseres Hauses ein. Ein Riesenknall und die Kirche zwischen unserem Wohnhaus und der Rohrerhof-Schule in Koblenz-Metternich war ein Trümmerhaufen. Wir mussten also weg, aus dieser Gefahrenzone heraus. Wir wurden einem Bauernhof in Kleinurleben, einem kleinen Dorf in Thüringen in der Nähe von Bad Tennstedt zugeteilt, um das, wie die Kriegsplaner dachten, sich die Bomberverbände nicht kümmern würden, solange die Großstädte noch teilweise stehen.

Mit der Mutter und Familie 1943 wurden wir also von Koblenz ostwärts nach Thüringen evakuiert. Als Dreijähriger kann ich mich noch bruchstückhaft an ein Gespräch meiner Mutter mit einem Mann in Naziuniform erinnern. Dieser Mann sagte zur Mutter: wollen Sie sich wirklich mit den drei Kindern in der Evakuierung abmühen. Wir könnten Ihnen den Kleinen da abnehmen. Ihre Mädchen können ja schon mit anpacken. Die Evakuierung wird Ihnen dann nicht so schwer. Meine Mutter sagte, nein, den einzigen Namensstammhalter der ganzen Familie Dott, den kleinen Manfred nehme ich mit. Hier hatte ich wohl das erste mal im Leben Glück und ich durfte weiter leben. Die Vorsehung war mit mir noch nicht fertig. Nach abenteuerlicher Reise kamen wir an unserem zugewiesenen Evakuierungsort an.

Wir wohnten dann also in dem Bauernhof der Familie Steukart, direkt an der Dorfhauptstraße in der ersten Etage, in einem einzigen Raum.

Eines Tages im Sommer hörte ich lautes Männergebrüll und leises Stöhnen und das Getrappel vieler Menschen. Schnell war ich am Fenster und sah heraus auf die Hauptstraße, ehe meine Mutter das mitbekam. Naiv fragte ich Mutter, „was das dann sei?“. Statt mir das zu erklären bekam ich Prügel mit den Worten, „bleib zukünftig vom Fenster weg“. Erst später, wieder in Koblenz zurück und nach 1945, sagte mir eine meiner Schwestern, dass das, was ich da gesehen hatte, wohl ein Todesmarsch von Juden, in das nahe Konzentrationslager Buchenwald war. Jedenfalls wurde durch diese Erlebnisse meine frühe Kindheit geprägt. Es war trotz der Gefahren ein kleines Abenteuer. Gut, dass ich noch nicht so tief und umfassend, das ganze Geschehen erfassen konnte.

Nach Kriegsende wieder in Koblenz zurück, wurde ich mit 5 Jahren in die Schule geschickt, weil es zu Hause nichts zu Essen gab, durch die Schulspeisung kamen meine Schwestern und ich, wenigstens satt nach Hause. Das ich dadurch beim Lernen am Anfang mehr Schwierigkeiten haben würde als andere Schüler, auf diese Idee kam niemand. Ich war kleiner als viele Schüler meiner Klasse und bekam auch ab und zu mal Prügel in einer Ecke, welche die Lehrer der Pausenaufsicht nicht einsehen konnten. Sich darüber Beschweren war sinnlos. Im Unterricht bekamen wir ebenfalls Prügel. Unser Lehrer Opitz schlug mit einemm Stock auf die Hände und den Po. Lehrer Jachmich zog an den Ohren bis sie brannten und Klassenlehrer Kühn schwärmte täglich von seiner Soldatenzeit bei der Reichswehr. Wir nannten ihn Barras.

Als Spätzünder verdammt, stellte ich auch einen Zusammenhang des Lernens für das folgende Leben erst später her. Zu Hause hing ich herum, machte manchen Unsinn und ärgerte meine Schwestern, die fleißig für die Mittelschule lernten, da Mutter das Schulgeld nicht bezahlen konnte und die Schwestern, mit einem sehr guten Notendurchschnitt für die Beitragsfreiheit kämpfen mussten.

Eine tolle Abwechslung waren die St. Georgspfadfinder, bei denen ich zehn Jahre Mitglied war. Vom Wölfling bis zum Ritter. Wir marschierten im Pfadfinderschritt (das ist abwechselndes Gehen und Laufen) im Gleichschritt und im Wanderschritt. Wir sangen dazu Lieder im Takt. Unter anderem: Glotz, Glotz, Glotz am Bein wie lang ist die Chaussee, rechts ne Pappel links ne Pappel in der Mitt` ein Pferdeapfel. Wir merkten dabei gar nicht, dass wir Strecken von vielen km gingen. Wir lernten Gitarre spielen und sangen die Heimat- und Wanderlieder herauf und herunter. Bei den Geländespielen wurden wir oft im Wald bei Nacht ausgesetzt und dort bis zum nächsten morgen belassen. Wir lernten so, dass man im Wald, wenn man sich versteckt und sich ruhig verhält, sicherer ist als im Häusermeer einer Stadt. Das ich so auch einmal im Dunkeln in einem Ameisenhaufen gelandet bin, ist mir bis heute in Erinnerung. Sehr oft haben wir Pfadfinder diese so genannten Geländespiele im Brexbachtal und zwischen der Burg Elz und der Burg Trutzelz durchgeführt. Dieser im Grunde vormilitäriche Drill, war vom Gründer, der Pfadfinder, dem Engländer Baden Powell wohl so beabsichtigt. Das erklärt die Geschichte diese Lords auf die ich hier nicht näher eingehen will. Das war aber so verpackt, dass es einen riesigen Spaß gemacht hat.

Je älter ich wurde, desto stärker wurde der Wunsch, richtige Abenteuer zu bestehen. Mein Vater, Franz Dott, hatte noch 9 Geschwister, Zwei seiner Schwestern heirateten nach dem ersten Weltkrieg US Soldaten, zogen mit in die USA und hatten beide dort auch große kinderreiche Familien. Zwei meiner Cousins kämpften im zweiten Weltkrieg auf der Seite der USA gegen Deutschland mit, bei der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus. Diese Cousins der US Besatzungstruppen besuchten uns oft und brachten immer etwas schönes mit. Sie gaben sich so frei, wie ich selbst, zur damaligen Zeit, immer einmal werden wollte. Noch so klein, dass ich nicht über das Lenkrad des Riesen Buik, meines Cousins, Jak Leroy, sehen konnte, ließ ich mich viel zu gerne von ihm zwingen, diesen großen USA-PKW auch einmal selbst zu fahren. Wenn ich mich streckte, kam ich gerade so ans Gaspedal. Jak freute sich diebisch, wenn ich den Wagen nicht richtig auf der Straße halten konnte. Durch meinen uniformierten US Soldaten Jak an meiner Seite, konnte mir nichts passieren. Ich lernte hier, dass man auch unerlaubtes ungestraft tun kann, wenn man nur mächtig genug ist. Jak nahm sich ein Mädchen aus Lahnstein vom Rhein, als seine Frau mit in die USA. Wir sind also immer noch, jetzt in der zweiten Generation, verwandtschaftlich mit US Bürgern verbunden Meine Abenteuerlust wurde dadurch nicht gehemmt, sonder gefördert.

Meine Lehrzeit in Koblenz in der Clemensstraße 16 und meine Umschulung im elterlichen Baubetrieb, waren geprägt von der Praxis, meine Berufsziele mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen. Nie ganz verausgaben und immer eine Reserve behalten, waren meine Grundsätze. Dadurch hatte ich genügend Raum für meine Träume von der großen weiten Welt. Mein damaliger Freund wollte mit mir nach Kanada auswandern. Wir hatten unsere Papiere fertig und wollten los. Er fuhr und ich blieb da. Obwohl es mir an Mut nicht fehlte, hielt mich irgend etwas hier in Koblenz fest.

Neben diesen Eindrücken und dieser Lebenspraxis hatte ich schon damals einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

[Bearbeiten] 2 Aufbegehren

Ab 1945/1946 wohnten wir also wieder in dem Haus, das wir vor der Evakuierung verlassen hatten, in Koblenz Metternich Rohrerhof, Trierer Straße 122a . Mittlerweile kam mein Vater von der Ostfront aus der Gefangenschaft zurück. Er war auch von seinen Erlebnissen geprägt und transportierte einiges in die Familie. Als einziger Junge hörte ich ihm gerne zu, wenn er russische Lieder sang und Mundharmonika spielte. Schließlich hatte er ja was erlebt und überlebt. Ich löcherte ihn mit Fragen, was die Russen in ihrem Staat denn so anders machen als wir. Mein Vater aus heutiger Sicht eher unpolitisch, wusste es auch nicht so richtig zu erklären, was mich noch neugieriger machte. Bis er dann sagte: „Wenn du es genau wissen willst, dann gehe zu einem Herrn Newinger im Wahlsweg. Der ist Kommunist, der kann dir das am besten erklären und nun lass’ mich in Ruhe.“ Ich ging also hin, zu dem Herrn im Wahlsweg, in Koblenz Metternich,schräg gegenüber der Apfelmosterei Edel. Auf dem Weg dorthin ging mir so einiges durch den Kopf. Ist das richtig was ich hier vor habe. In den Zeitungen, im Fernsehen und im Rundfunk, wir hatten noch einen Volksempfänger in der Küche stehen, mit einem Hakenkreuz drauf, wurde ständig auf der Sowjetunion und der Ostzone herum gedroschen. Es war alles schlecht, was von dort kam. Reicht es nicht, wenn sich mein Weltbild auf diesen Medieninformationen begründet, das reicht anderen Menschen ja auch, warum muss ausgerechnet ich tiefer in die Materie eindringen? Wenn aus mir etwas werden soll, dann muss ich Schluss machen mit dieser Neugier. Ich war so in Gedanken, dass ich erschrocken war, als meine Tante Ina, Katharina Dott Schaaf, Heimatdichterin), aus der Rübenacher Straße mich ansprach. Du stolperst noch über deine eigene Füße, wenn du wie Hans Guck in die Luft durch die Gegend läufst. Ich war aufgeregt. Es kroch etwas unheimliches in mir hoch. Ich spürte instinktiv, dass mein Leben eine grundlegende Wendung nehmen könnte, wenn ich jetzt weiter ging. Einen Moment blieb ich stehen. Soll ich mein Vorhaben nicht doch abbrechen und umkehren. Aber dann würde ich ja nie erfahren, was ich so gerne wissen möchte. Und im Übrigen, bei den St. Georgspfadfindern,vom Stamm St. Konrad, hatte ich, durch die Rover: K.Greisler, P. Dammerz und Kai Mosler (Neuendorf) gelernt, zu forschen und zu ergründen, was sich dort hauptsächlich auf die Pflanzen und Tierwelt bezog. Aber jetzt wurde es politisch. Das war neu. Was kann mir schon geschehen, wenn ich zu dem Kommunisten Newinger gehe und ihn nach dem Kommunismus frage. Eigentlich nichts. Also ging ich weiter und hatte für mich entschieden, diese Wissenslücke über Herrn Newinger zu schließen. Es waren noch etwa 50 Meter bis zu dem Haus des Kommunisten. Es standen viele Autos vor dem Haus. Das konnte verschiedene Gründe haben. Waren die Leute alle bei dem Herrn Newinger im Haus? Ach was. Ein Ruck und ich drückte auf die Klingel. Herr Newinger kam an die Tür und fragte misstrauisch was ich denn wolle. Da fragte ich ihn einfach gerade heraus, wie sollte ich das auch anders verpacken, ob er mir mal Auskunft geben könne über den Kommunismus, über Russland und über die Ostzone. Er sah mich böse an und sagte das heißt nicht Ostzone, sondern DDR. Dann fragte er mich, weshalb ich denn mit dieser Frage ausgerechnet zu ihm komme. Ehrlich sagte ich ihm, dass mein Vater mir gesagt hatte, Herr Newinger kenne mehr als er über Russland, den Kommunismus und über die Ostz.. „Entschuldigung die DDR" sagte ich, das muss ich mir merken. Das kommt nicht wieder vor. Dann merke dir auch gleich mit, es heißt nicht Russland sondern Sowjetunion oder UdSSR, sagte Herr Newinger. Da er meinen Vater kannte, verflog sein Misstrauen etwas und er schickte mich weg mit dem Hinweis, ich solle am nächsten Tag zu ihm kommen, dann könne er sich Zeit nehmen und mir meine Fragen beantworten. Die KPD war schon einige Zeit verboten (seit 1956 von der Regierung Konrad Adenauer ) und nur illegal konnten sich die Genossen noch treffen. Aus einem Zimmer quoll Zigarettenrauch und Männer waren dort, die ich nur hören aber nicht sehen konnte. Nun konnte ich mir erklären weshalb so viele Autos vor dem Haus standen. Später als eine gewisse Vertrauensbasis zu Herrn Newinger gewachsen war, erfuhr ich, dass ich in eine illegale KPD Versammlung hineingeplatzt war. Später erfuhr ich dann auch, dass noch an diesem Abend dort beschlossen wurde, mich auf keinen Fall in die KPD aufzunehmen. Alle Genossen sollen mir gegenüber besonders vorsichtig sein. Mein Elternhaus sei zu bürgerlich . Alleine schon die primitive Fragestellung nach dem Kommunismus und der Ostzone war für die Genossen eine Beleidigung. Zu dieser Zeit wusste ich es nicht besser. Mein Vater hatte gerade bei der Handwerkskammer seine Baumeisterprüfung bestanden und hatte sich mit einem Baubetrieb selbständig gemacht. Vater hatte zwei Maurerteams zusammengestellt. Er hatte Maurer und Hilfsarbeiter, so genannte Handlanger, eingestellt und war nach reinster kommunistischer Lehre Ausbeuter. Die Abenteuerlust hatte mich nun mal gepackt und es war „in“ etwas Verbotenes zu tun. Am nächsten Tag ging ich also wieder den Weg zu dem Herrn Newinger. Es ging leichter als am Tag zuvor. Die Gedanken etwa um zu kehren, kamen mir nicht mehr. Dieses mal standen keine Autos vor der Tür. Nun stand ich bei Herrn Newinger auf der Matte und klingelte. Er holte mich ins Haus. Sehr freundlich war er, seine Frau brachte Kaffee und dann erklärte er mir, was er unter Kommunismus verstand. Herr Newinger konnte klug erklären, weshalb die bundesdeutschen Massenmedien so antikommunistisch agierten. Er sagte „ die haben Angst, dass zu viele Menschen sich gegen die Bundesrepublik stellen, wenn sie die Tatsachen über die Solidarität und die Einheit der Klassen im Osten erfahren. Was er da so sagte klang so schön und so gerecht, dass man kaum glauben mochte, dass Menschen zu so einem Leben in der Lage sind. Er entließ mich und schenkte mir die Bücher „Das Kapital“, „Das kommunistische Manifest“ sowie einige Druckwerke von Lenin. Etwas Schöneres kann es doch gar nicht geben, als in Solidarität und Frieden mit den Mitmenschen zusammenzuleben und alles zu teilen. Die Falle war also zugeschnappt. Ich las fleißig die mitgegebenen Werke und kaufte noch selbst welche dazu. Es interessierte mich nun auch der dialektische Materialismus. Ich machte fleißig mit und bekam die Empfehlung von der KPD Gruppe , selbst in der Industrie als Arbeiter zu sehen, wie die Wirklichkeit ist. Wer genau hinter der Empfehlung steckte war mir zu dieser Zeit nicht klar. Im Vergleich zu dem Inhalt der Literatur von Marx und Engels und zu dem was Herr Newinger interpretierte war das die Hölle. Zu dieser Zeit glaubte ich, das sei weitest gehend in der Sowjetunion und der DDR in die Praxis umgesetzt, was ich zu lesen und zu hören bekam.

Ich ging in die Gewerkschaft. Damals die IG Chemie Papier Keramik. Ich wurde Vertrauensmann und in die Tarifkommission für Rheinland-Pfalz gewählt. Die Gewerkschaftsgremien waren hauptsächlich von Sozialdemokraten besetzt. Die wollten immer Kompromisse machen. Man müsse doch beide Seiten der Tarifparteien verstehen. Da ich als Kommunist doch nicht so ganz alleine in der Gewerkschaft war und wir kompromisslos die Sozialdemokraten zu konsequenterem Vorgehen gegenüber den Arbeitgebern drängten, hatten wir doch auch immer wieder Erfolg. Vor allem kam unsere Konsequenz bei den Arbeitskollegen gut an und unsere Wahlfunktionen als Betriebsräte und Vertrauensleute waren sicher. Also eine beginnende linke Karriere. Mittlerweile war ich in die Grundeinheit der KPD in Koblenz so integriert, dass ich die KPD-Mitglieder kannte vom Asterstein bis Moselweiß. Auch kleine Sachen durfte ich für die Genossen mal erledigen beziehungsweise transportieren aus unserer Stadt in eine andere Stadt oder zu einer anderen Grundeinheit. Man testete meine Zuverlässigkeit. Dass ich wegen meinem bürgerlichen Elternhaus kein KPD-Mitglied werden konnte, hat mich nicht weiter gestört, das habe ich mit Aktivität wett gemacht. Mittlerweile wurde die ADF gegründet, eine kommunistische Ersatzpartei, damit die Kommunisten der KPD etwas zu wählen hatten. Zum Bundestagskandidaten dieser Partei für den Raum Koblenz hatte man mich gewählt. Chancenlos aber auf Plakaten und Flyern präsent.

[Bearbeiten] 3 Die Besinnung beginnt

Erstmals und ganz vorsichtig merkte ich, dass im Hintergrund die Fäden aus dem Osten Deutschlands gezogen wurden. Als wenn wir, die Kommunisten in der Bundesrepublik, selbständig wären, machte ich so weiter, als merkte ich das nicht. Aber ich fühlte mich irgendwie beobachtet. Das war unvereinbar mit meinem absoluten Freiheitsgedanken. Mehr über diese Ostzone, die so genannte DDR zu erfahren, war mein nächstes Ziel. Nicht nur von anderen darüber hören, sondern selbst sehen wollte ich, um zu diesem System, wenn es denn besser ist, in der Bundesrepublik bessere Argumente zu haben. Da kam mir die Einladung zu einem Studienaufenthalt in die DDR gerade recht. Auch hier kam mir einiges sehr seltsam vor. Die Einladung wurde mir von einem KPD Genossen mündlich übermittelt. Auf Nachfrage ob er mich denn so einfach in die DDR einladen könne, sagte er mir, dass ist schon alles durchgestellt, ich solle nicht so viel fragen. Wenn du nicht hin willst, dann musst du das sagen. Dann nehme ich das zurück. Da ich merkte, dass ich einen neuralgischen Punkt berührt hatte, nämlich die Verbindungen der DDR und ihr Einfluss bei den westdeutschen Kommunisten, habe ich meine Frage zurück genommen. Schließlich brannte ich ja darauf, die DDR mal selbst in Augenschein zu nehmen. Er sagte mir noch, dass es nach Bad Sarow gehen sollte. Mittlerweile war ich verheiratet und hatte zwei Kinder, Anja (heute, Lorch am Rhein) und Heike (heute, Heike Koehlen, Kaiserslautern). Die ganze Familie solle mit kommen. Der Flug nach Berlin-Tempelhof war schon gebucht hin und zurück und Geld für unseren Tagesbedarf bekamen wir auch schon vorab. Was die DDR alles möglich macht. Dass war doch schön. Ich fragte mich aber schon: Wer macht denn etwas umsonst. Muss ich etwa hinterher etwas dafür tun? Jedenfalls fuhren wir mit einem Taxi vom Westberliner Flughafen zum Bahnhof Friedrichstraße. Wir gingen dort in die Grenzübergangsstelle von der Westseite aus hinein. Wir hatten alle keine Einreisepapiere. Ich sagte meinen Namen, Manfred Dott mit Familie aus Koblenz. Nach einem Augenblick kam ein Mann auf uns zu, der uns zur Seite nahm und uns herzlich begrüßte. Er klopfte an die Wand und es ging eine Tür auf, die man von Westberliner Seite nicht als solche erkennen konnte. Wir gingen mit dem Genossen in einen dunklen Gang hinein. Dieser sonderbare unterirdische Gang führte ohne Kontrolle auf die Ostdeutsche Seite. Als wir den Gang verließen stand ein Wachsoldat breitbeinig davor und Salutierte vor dem Mann in Zivil der uns geführt hatte. Willkommen auf dem Boden der DDR sagte dieser und brachte uns zu einem schwarzen Wolga. Dieses Fahrzeug brachte uns zum Scharmützelsee. Der Wolga-fahrer hatte wahrscheinlich die Anweisung, mit uns nicht zu sprechen. Ich wollte höflich sein und sprach ihn unterwegs einige male an. Er antwortete nur einsilbig. Ich sollte wohl merken, dass er nicht zu unseren Kontaktleuten gehörte. Dort, am Scharmützelsee, kamen wir in ein für DDR-Verhältnisse luxuriöses Ferienheim, weit ab von Bad Sarow. Sehr schöner Badeurlaub war das, aber von dem real existierenden Sozialismus hatte ich nichts gesehen. Oder war das der real existierende Sozialismus? Ging es vielleicht allen Leuten so gut wie uns hier im Ferienhotel. Die Menschen, die in dem Heim mit uns zusammen waren und mit denen wir dann auch mal zusammen gebracht wurden, waren allesamt stramme Kommunisten, die mit ihrer Hörigkeit bestimmt auch im Dritten Reich sehr gute Karriere-Chancen gehabt hätten.

Eines merkte ich schon jetzt, dass zwischen den Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland und denen in der DDR Welten lagen.

Die Kommunisten in der BRD hatten aufzubegehren, Unruhe zu stiften und zu fordern über die Gewerkschaften und über den linken Flügel der Sozialdemokraten. Die Kommunisten der DDR hatten zu funktionieren, zu spitzeln und ihr System zu sichern. Und wir alle sollen die gleichen Ziele haben? Mir war also klar: Die reine Marxistische Lehre gab es nur auf dem Papier, nicht aber in der Praxis. Ob das überhaupt möglich war mit uns Menschen?

Erstmals musste ich für mich Kompromisse machen. Ich erklärte mir das so, dass durch das ständige Trommelfeuer der Westmedien gegen die Ostzone, die Sowjetunion und alles, was nur nach Kommunismus und Sozialismus roch, die Oststaaten zu einer besonderen Sicherheit gezwungen seien, um ihr System und ihre so genannten Errungenschaften zu verteidigen. Damit hatte ich meine innere Stimme, die zur Vorsicht mahnte, zum Schweigen gebracht und ich konnte so weiter machen wie bisher. Wir wurden aus dem DDR Urlaub so zurück gefahren, wie wir gekommen waren. Mit Wolga zum Bahnhof Friedrich Straße durch die Untergrundgänge nach Westberlin und mit Flieger ab Tempelhof nach Frankfurt am Main. Dort hatten wir unser Auto stehen. Zurück in Koblenz zog ich mir wieder die Unterwanderstiefel an und habe manchen Industriebetrieb in arge Schwierigkeiten gebracht. Aber so kritiklos wie vorher war ich nicht mehr. Auch durch die Kritikpunkte an der DDR, wurde mir das System der Bundesrepublik nicht sympathischer. Ich streckte nun meine Fühler auch über die Grenzen von Koblenz aus und unterstützte Demos der außerparlamentarischen Opposition (APO) in anderen Städten. So war ich auch bei überörtlichen Demos der APO in Frankfurt am Main mit dabei. Viele heute bekannte Personen aus Politik und Gesellschaft habe ich dort getroffen, die eine ähnliche Entwicklung hinter sich haben. Das System herausfordern, Provozieren, Abenteuer erleben, junge Menschen mit gleichen oder ähnlichen Zielen kennen lernen. Das war eine Zeit der absoluten Freiheit. Aber im inneren stellte ich mir oft die Frage was machen denn die Jugendlichen in der DDR, Möchten die nicht auch so leben wie wir. Die Jungen Menschen dort im Osten, haben die nicht die gleichen Wünsche wie wir. Was ist, wenn dort ein junger Mensch genauso unruhig und systemkritisch ist wie wir hier. Was ist dann mit ihm. Wie reagiert dann der Staat DDR darauf. Alles hin und her nutzte nichts. Auch wenn ich in meinem Inneren in gehörigen Abstand zum DDR Staat und seiner Lebenspraxis gegangen war. Am Kampf gegen das bundesdeutsche System hat das nichts geändert. Das alles blieb der DDR-Führung nicht verborgen und ich war bis dahin in ihren Augen ein, man kann sagen, Musterschüler der 4. Kolonne. Nach Prüfung meiner Vorbildung sollte ich ein Praktikum besonderer Art in Industriebetrieben machen, um bei Erfolg ein Studium in der DDR aufzunehmen. Die Partei, hauptsächlich die Verbindungsleute zur DDR stellten mir frei, selbst ein Bewährungspraktikum vorzuschlagen. In Vaters Bauunternehmen arbeitete ich schon eine geraume Zeit nicht mehr. Ich wollte ihm nicht schaden. Also entschied ich mich für den Pressegroßvertrieb Keppel in Koblenz.

[Bearbeiten] 4 Ein Betriebsrat muss her

Schriftlich bewarb ich mich für eine Tätigkeit im Vertrieb. Der Presse - Großvertrieb Keppel in Koblenz, bis heute mit Sitz im Industriegebiet, stellte mich auf Probe ein. Erst einmal musste ich diese Probezeit überstehen. Fleißig arbeitete ich am Band mit, bei den Zusdammenstellungen der Presseartikel und setzte mich danach in eine Lieferwagen und fuhr die Auslieferungsstrecke bis nach St. Goar und Kaub. Unterwegs lieferte ich die Sammelbestellungen ab. Überwiegend arbeiteten wir Nachts. Nur die Remitenden (nichtverkaufte Artikel) holten wir tagsüber ab. So lernte ich die gesamte Belegschaft des Betriebes kennen. Wie in vielen Betrieben auch, wurden die Arbeitsbedingungen von den Kollegen kritisiert. Zum Beispiel Vergütung der Nachtarbeit und zu viele Überstunden. Wenn ein Vorgesetzter in der Nähe war, verstummten solche Gespräche. Ich musste vorsichtig sein, Also hörte ich interessiert zu, ohne mich näher zu äußern. Es fragte dann mal ein Kollege, wie denkst denn du über diese Missstände hier. Bin doch noch neu hier und kenne den Betrieb noch zu wenig. Meine Probezeit war zu Ende und ich war nun richtig angestellt. Es wurde wieder einmal gemeckert, als der Vorgesetzte nicht anwesend war. Da fragte ich einen Kollegen, was sagt denn der Betriebsrat dazu. Einen Betriebsrat haben wir nicht. Uns vertritt hier keiner. Vorsichtig fühlte ich vor: "Habt ihr denn bisher noch nicht versucht, das zu ändern. Nein, wir haben Angst unsere Stelle zu verlieren. "Würdest du denn einen Betriebsrat wollen?" fragte ich. Ja, aber allein kann ich das ja nicht durchsetzen. "Lass mich erst mal richtig warm werden hier im Betrieb", sagte ich, vielleicht helfe ich dir dann, oder du hilfst mir. Behalte das aber mal für dich. Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann müssen wir das vorerst diskret machen. Nun wartete ich erst mal ab, ob er mich ausfragen wollte oder sollte und ob er dicht hält. Als es einige Zeit keine besondere Reaktion gab, fragte ich den Kollegen, sind denn noch weitere Kollegen da, die gerne einen Betriebsrat hier einrichten würden? Ja, meinte er, es sind mehrere da. Dann lasst uns beginnen. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz mussten mehrere Kollegen diesen Antrag mit ihrer Unterschrift unterstützen. Die unruhigen Kollegen besänftigte ich. Ich halte den Kopf hin, wenn was daneben geht. Ihr könnt ja sagen, ich hätte euch das vorgeschlagen. Nun musste alles ganz schnell gehen. Der Antrag mit ausreichender Unterstützung der Kollegen war gestellt und ein Betriebsrat musste eingerichtet werden.

Wenn mich auch sonst die Bundesgesetze nur wenig interessierten, hier nutzten sie mal und dann berief ich mich auch darauf. Den Betriebsrat bekamen dann die Kollegen und ich flog fristlos raus, da half auch nicht der anschließend gewonnene Prozess vor dem Koblenzer Arbeitsgericht. Das alles hat natürlich den DDR-Verbindungsleuten gefallen und meine Vorqualifizierung war so gut wie gelaufen. Ich bekam also eine Immatrikulierung für die Karl-Marx-Universität Leipzig, mit Außenstelle für Weststudenten in Ost Berlin Stadtteil Biesdorf.(Die Wikipedia nennt das fälschlicher Weise DKP-Parteischule--Manfred Dott (Diskussion) 22:30, 11. Jun. 2014 (CEST)


Martin Korff, ein sonderbarer Zeit-,,Genosse"

Name nicht verändert

Als der DDR Auslandsdienst, etwa in den Jahren 1968 bis 1971, sich noch alle Mühe gab, meine wilden Exkurse in der Bundesrepublik, in ihrem Sinne zu kanalisieren, nach der Devise: ,,Alles was gegen die Bundesrepublik gerichtet ist nützt uns” und wird unterstützt. Zu dieser Zeit gab es auch von der KPD und deren legalen bundesdeutschen Ablegern Vereinbarungen mit der SED, dass in Zeitabschnitten deutsche Kommunisten von Genossen aus der DDR besucht wurden, um deren Probleme zu erkunden, neue Kontakte zu knüpfen, zu stabilisieren und auszubauen.

Auch meine Familie und ich wurden, scheinbar privat, von solchen ,,Genossen” aus der DDR besucht. Wie aus dem Nichts waren sie plötzlich da und auch wieder weg. Ein solcher Besucher war auch Genosse Martin Korff aus Wilhelm Pieck Stadt (Guben). Jedenfalls stellte er sich uns damals so, als Genosse, vor. Er überschlug sich fast vor Freundlichkeit Er kümmerte sich auch sehr um meine Frau und meine Kinder. Zu seinem Verhalten passte so gar nicht seine außere, unangenehme Erscheinung. Aber man soll Menschen ja nicht nach ihrem Äußeren beurteilen. Er stand wohl unter dem Druck einer positive Rückmeldung von den Kommunisten der BRD in die DDR, damit er Auslandskader West der Partei, der SED, bzw. der DDR-Staatssicherheit, bleiben konnte. Wie es damals genannt wurde: ,,Reisekader für das Nichtsozialistische Ausland" (NSW)

Als dann meine Familie und ich zu Besuch in die DDR kamen und eine Verbindung dort mit Martin Korff herstellen wollten, erreichten wir ihn auch in Wilhelm Pieck Stadt. Er kam uns dann an unserem Urlaubsort in der DDR besuchen. Was ich dann erlebte, war eine meiner unangenehmsten Lebensbegebenheiten. In der DDR und nicht in der Bundesrepublik, hat Martin Korff wohl einen Moment vergessen, dass wir in Kürze wieder nach Koblenz zurückfahren. Er verhielt sich dort seinem Äußeren entsprechend unfreundlich kalt, hart, abweisend und beleidigt. Wie konnte denn auch eine Begegnung von einem westdeutschen Gesinnungsgenossen gewünscht werden, ohne dass er dazu vorher einen Stasiauftrag erhielt. Jedenfalls hat auch er einen Anteil daran, dass ich mir im Geheimen schon die Frage stellte ,,ist das auch die DDR, ist das Sozialismus, Kommunismus oder was sonst ”? Jedenfalls hat er mit dieser Begegnung dafür gesorgt, dass ich mit ihm oder mit solchen DDR-Vertretern, in Zukunft nichts mehr zu tun haben wollte. (leider lernte ich noch sehr viele solcher Personen in meiner späteren DDR Zeit kennen, ohne daran etwas ändern zu können.)

Ich könnte mir vorstellen, dass Martin Korff meinen DDR- Lebensweg nach meinem Umzug in die DDR verfolgt hat, weil er sich jetzt, im Jahr 2011, telefonisch bei mir gemeldet hat, um Personen aus dem früheren Koblenzer Kommunistenmillieu von 1968 bis etwa 1973. neu zu vernetzen.

Martin Korff war erstaunlich gut informiert über das, was die ehemaligen Kommunisten heute machen , was aus ihnen geworden ist und wer seinen kommunistischen Tagträumen, so wie er, immer noch anhängt. Ich hatte ihm nun gesagt, dass ich mich in Kenntnis der wahren DDR und des ungeschminkten Sozialiusmus/Kommunismus, die ich in Gefangenschaft, Zwangsarbeit und Ausreisebegehren kennen gelernt habe, nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte.

Damit hat er sich jedoch für einen Platz in meiner Biografie qualifiziert.

Kurz sei noch auf seine Rolle in der Wendezeit hingewiesen. Verzweifelte DDR Versuche, 1989 /1990, die sich anbahnenden Grundlegenden Veränderungen unter ihre Kontrolle zu bringen, oder so aufzuspalten, dass z. B. von der wirklich demokratischen SPD, keine Gefahr mehr ausgehen kann. Hier hatte M. K., wahrscheinlich zugewiesen, eine Rolle zu spielen. Sozi. Gründung der extremistischen DDR-USPD Anfang 1990 und anderes. Da Korff unter anderem auch durch diese Biografie, zu einer öffentlichen Person der Zeitgeschichte geworden ist, würde ich unter diesen Bedingungen, eine offene Stasiüberprüfung seiner Person wünschen, wenn das nicht schon bereits geschehen ist.--Manfred Dott (Diskussion) 22:23, 11. Jun. 2014 (CEST)

[Bearbeiten] 5 Wilde Ost- Studienzeit

Meine Familie sah mich selten und meine Freiheit war grenzenlos. Die Familie meiner ersten Ehe, meine Frau Elke und meine Kinder Anja und Heike blieben in Koblenz zurück und ich zog zum Studium in die DDR nach Ostberlin. Die in Koblenz gebliebene Familie wurde mit einer relativ hohen monatlichen Zahlung in DM aus der DDR unterstützt. Zu Besuch nach Koblenz, kam ich selten. Es fehlte uns Studenten und damit auch mir dort an nichts. In Berlin mit meinen Kommilitonen hoch angesehen, kosteten wir dieses Privileg auch aus. Schließlich sollten wir uns so wohl als möglich fühlen. Wer draußen keine Freundin gefunden hatte, dem konnte es so gehen wie mir einmal.

Von einem Spaziergang über den Alexanderplatz mit der S-Bahn zurück, man musste ja mal was anderes sehen, als nur den Hörsaal und das Internat.

Es war noch früh am Tag, etwa 20°° Uhr. Eigentlich wollte ich mich noch auf eine Klausur vorbereiten, die am nächsten Tag vorgesehen war. Mein Kommilitone, ein junger Mann aus Hamburg, war schon im Zimmer. Der wollte, wie er sagte an dem Tag nicht nach Berlin rein. Der empfing mich gleich an der Tür.

„Erschrecke nicht“ sagte er. „Wieso“ fragte ich. „Schau mal dein Bett“ sagte er. Mein Bett war in einer Ecke direkt unter dem Fenster. Ich ging einen Schritt vor und sah lange schwarze Haare auf meinem Kopfkissen. Es lag dort ein Mädchen bildhübsch und ausgezogen. Nach meiner Schätzung war sie wohl zwischen 25 und 35 Jahre alt. Das hat mir erst einmal die Sprache verschlagen. Ich weis bis heute nicht ob mein Kommilitone sie vor mir hatte. Ich fragte auch nicht danach. Jedenfalls sagte mein Mitstudent, „ Zicke nicht rum, rein ins Bett“ Das machte ich aber nicht.

Eh ich etwas sagte, dachte ich erst einmal nach. Unser Internatsobjekt war umzäunt und bewacht. Man konnte nur durch einen Eingang hinein und heraus. Der Ausgang war nur mit unserem Sonderausweis möglich. Obwohl man uns kannte mussten die Wachleute immer wieder unsere Ausweise ansehen. Erst recht in das Objekt kam man nur, wenn man seinen Ausweis vorzeigte. Das ging mir alles durch den Kopf. Zu mindest im Beisein des Mädchens wollte ich auch meinen Kommilitonen nicht nach den näheren Umständen fragen. Es gab da einen Spruch, den man auch in anderen Zusammenhängen schon mal gehört hatte, besonders dann, wenn man etwas nicht gleich verstanden hatte, oder wenn einem was unverständlich vor kam: „Die Partei wird sich schon etwas dabei gedacht haben„ . Das Mädchen einfach so raus schmeißen wollte ich nicht. Aber sie kann ja nur mit dem Segen der Schulleitung bzw. der Staatssicherheit in das Objekt gekommen sein. Sie wird sicher hinterher zu mindest mündlich berichten, wie ihr Besuch bei mir ausgegangen ist. Sicher sollte sie neben der sexuellen Befriedigung, eventuelle Vorlieben auskundschaften.

Ich war so erschrocken, dass ich glaube, in dem Moment hätte ich mit ihr gar nicht schlafen können. Aber da war noch mein Mitstudent im Zimmer. Der bemerkte mein Zögern. Wie ein impotenter Halbmann, wollte ich auch nicht da stehen. Was tun. Das Mädchen lag immer noch in meinem Bett. Plötzlich sagte sie : „willst du nicht endlich ins Bett kommen“ Mir fiel in dem Moment nichts anderes ein als meinen Mitstudenten zu fragen, „gehst du mal für eine halbe Stunde raus“ Später möchte ich schon alleine in meinem Bett schlafen. Er grinste und ging. Ich schloss die Tür von innen ab und sagte leise zu dem bildhübschen Kind, komm raus aus dem Bett und ziehe dich an. Sie sagte, „ Ich bekomme Ärger wenn ich mit dir nicht geschlafen habe“ Ich entgegnete ihr, „das muss doch keiner erfahren“ oder werden wir abgehört? Nicht das ich wüsste, „sagte sie“ Das musst du auch nicht wissen.. Leise sagte ich ihr ins Ohr, „dann sagst du jetzt laut, ach tut das gut, halt mich fest“ Das sagte sie dann auch. Hinterher kann keiner beweisen, dass nichts war. Sie stand aus dem Bett auf und kam heraus. Da sich mittlerweile mein erster Schreck gelegt hatte und ich sie so vor mir sah, wurde mir doch ganz seltsam zu mute. Aber ich dachte dann doch, die Stasi soll meine Art Sex zu haben nicht erfahren. Dann konnte ich mir doch eine Frage an das Mädchen nicht verkneifen. „Weshalb tust du das, wir kennen uns doch überhaupt nicht“ Haben die dich in der Hand und wirst du belohnt, wenn du das hier gut machst. Darauf antwortete sie mir nicht. Sicher hatte sie Angst, ich könne hinterher darüber reden und dann hätte sie erst richtig Ärger. Ich konnte mich nicht satt sehen an der schönen Gestalt des Mädchens. Sie musste ja noch etwas bei mir bleiben, damit unser Deal nicht aufflog. Nach etwa 20 Minuten entließ ich sie. Mittlerweile war sie wieder in ihre hautenge Jeans geschlüpft und ging davon. Sie ging, wie sie gekommen war. Sie war verschwunden. Mein Kommilitone kam nach einer halben Stunde wieder rein und fragte grinsend, „wars schön“ „ja ja“ sagte ich und hatte für den Rest der Studienzeit ein solches Erlebnis im Internat nicht wieder. Obwohl wir das nicht merkten, muss man uns Weststudenten in Ostberlin wohl genau beobachtet haben. Wir sollten alles haben, aber uns keinesfalls fest binden. Es war ja nur ein Aufenthalt auf Zeit.

Auch bei aller Wohlfühlstrategie merkte ich, dass es zwei weit auseinanderklaffende soziale Schichten in der DDR gab. Was, wenn alles so stimmt, wie wir das in unserem gesellschaftswissenschaftlichen Studium lernten, gesetzmäßig zu Unruhen führen muss. Das sei für alle Gesellschaftsordnungen gesetzmäßig. Nicht aber für den Sozialismus, denn hier sei ja die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt und es gebe keine Klassen mehr, meinte unser Professor. Manchmal dachte ich, was die da erzählen können die doch selbst nicht glauben. Eines lernte ich bei diesem Studium auch, dass man nicht alles sagen kann, was man denkt. Zumindest für mich galt, dass der Klassenunterschied in der DDR auch hier gesetzmäßig zu Unruhen führen muss. Schließlich hatten wir den 17. Juni 1953 schon einige Jahre hinter uns.

Diese Gedanken habe ich schön für mich behalten, aber ich hatte nun auch oft genug Gelegenheit, Durchschnittsmenschen aus der DDR kennen zu lernen. Wir machten abends die Ostklubs unsicher, bevorzugt das Haus der jungen Talente und den Oktoberclub über dem Kino International. Mit unseren Sonderausweisen kamen wir dort hinein.


[Bearbeiten] 6 Ein Tag mit Margot

Das Studium der Gesellschaftswissenschaften in Berlin Biesdorf, an der Außenstelle der Karl-Marx Universität Leipzig, war darauf ausgerichtet, uns unter Vermittlung von kommunistischem und sozialistischem Allgemein -und Spezialwissen, zu treuen Gefolgsgenossen für die Tätigkeit im Westen auszubilden. Das Einsatzgebiet sollte während des Studiums konkreter spezifiziert werden.

Im Winter 1971 / 1972 bekamen wir, alle Weststudenten, vom Mitglied des Politbüros und Vorsitzendem der DDR-Partei-Kontrollkommission, Erich Mückenberger, eine Einladung zu einer Exkursion in seinen Bezirk Cottbus, bei der Mückenberger einen langen Vortrag zu der Auseinandersetzung der 2 diametralen Syteme hielt. Er, der auch Vorsitzender der DDR Organisation der "Deutsch Sowjetischen Freundschaft" war, baute seinen Vortrag so auf, dass sich zumindest bei mir ein schlechtes Gewissen meldete, weil ich aus dem Westen war, wo ja eigentlich alle Spione und Zersetzungskräfte her kamen. Zwischen den Zeilen deutete er auch an, dass er nicht sicher sei, hier, also bei uns, den einen oder anderen Zuhörer dabei zu haben, der da nicht hin gehört. Was ich währen des Vortrags nicht wusste, dass er eine Zuhörerin hatte, von der seine Worte auf Partei - und Linientreue mit einer Goldwaage geprüft wurden. Margot.

Die 44 Jahre alte Margot viel mir auf, weil sie hübsch bzw. Schick, auf Jugendlich getrimmt, in unseren Reihen saß. In der Pause sah ich, dass sie sehr selbstbewusst auftrat und DDR Funktionäre ihr mit Hochachtung, fast unterwürfig begegneten. Nicht nur mein Jagdtrieb erwachte. Auch die Neugier anderer Studenten zielte auf Margot und ihre Nähe. Es entstand ein Gerangel darum, wer sie am Abend nach Hause, das war ein hotelähnliches SED Bezirksgästehaus, begleiten durfte. Ich hatte Glück und ging mit Ihr davon, unter wüster Beschimpfung eines Lehrgangsteilnehmers (Name heute noch bekannt), der sie gerne selbst begleitet hätte. Aus der Nähe fielen mir bei ihr einige Besonderheiten auf. Haare bzw. Perücke u. Zähnen vom Feinsten. Im Zwiegespräch kompromisslose Ansichten, die ich eher stalinistisch als reformsozialistisch einordnen möchte. Hier möchte ich meinen Bericht beenden, den ich ursprünglich nicht einfügen wollte.--Manfred Dott (Diskussion) 20:51, 17. Jul. 2016 (CEST)

[Bearbeiten] 7 Das Verhältnis, Edith festigt sich

Margot sah ich nicht wieder so aus der Nähe.

Zur gleichen Zeit war auch meine jetzige Frau in Berlin. Sie absolvierte ihre Lehrzeit als Krankenschwester an der Charité. Sie war eine überzeugte FDJ-lerin und SED Mitglied, die es bis zur Leiterin der Personensicherungsgruppe für die Amerikanerin Angela Davis, einer Revolutionärin aus den USA gebracht hatte, eine der wenigen weiblichen Rebellen aus Nordamerika, die bei den zehnten Weltfestspielen in Berlin zu Besuch und dort natürlich als Klassengenossin herzlich willkommen war. Auf dieser Basis hatten wir uns kennen gelernt. Wir sahen uns dann öfter und aus Freundschaft wurde eine tiefere Beziehung. Entgegen gewisser Lebensspuren bei Margot, war Edith nicht nur intelligent, sondern auch knackig jung mit ihren fast 18 Jahren. Wir versuchten unser Verhältnis zu tarnen. Aber die Sicherheitsleute bekamen das doch mit. Damit wurde das auch in der Uni bekannt. Als das bei der Leitung der Uni herum war, hatte ich das Studium fast hinter mir. Meine Freundin und ich waren uns einig, wir bleiben zusammen. Unserem Professor sage ich das natürlich noch nicht. Nachdem ich mein Abschlussdiplom bekommen hatte, eröffnete ich der Uni-Leitung, dass ich meine Freundin in den Westen mitnehmen wollte, um sie dort zu heiraten. Da musste sich mein Professor erst einmal selbst zusammen nehmen, um nicht los zu poltern. Mit uns Weststudenten in Ostberlin musste man ja etwas vorsichtiger umgehen. Schließlich sollen wir alsbald in der Bundesrepublik für die Errungenschaften der DDR werben.

Daraufhin bekam ich in Ostberlin einen Parteiauftrag, der den Trennungsbefehl von meiner Freundin zum Inhalt hatte. Bisher hatte ich so recht und schlecht alle ungewohnten Maßnahmen des DDR-Regimes mit deren Sicherheitsinteresse entschuldigt. Aber wo war dieses Interesse durch unseren Heiratswunsch verletzt? Die DDR-Praxis der reinen Lehre brach wie ein Kartenhaus zusammen. Immer klarer erkannte ich, was die DDR in Wirklichkeit war, nicht eine Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur der Junta aus Wandlitz.--Manfred Dott (Diskussion) 21:03, 17. Jul. 2016 (CEST)

[Bearbeiten] 8 Die Überzeugung ändert sich

Je stärker die DDR Staatsorgane Druck auf uns beide ausübten, unser Verhältnis zu lösen, um so mehr und um so enger rückten wir zusammen. Mittlerweile hatte die DDR auch die monatlichen Zahlungen an meine Familie in Koblenz eingestellt. Auch mit diesem Druck sollte versucht werden, auf mich Einfluss zu nehmen, um das Verhältnis in der DDR zu beenden. Dieser Druck verpuffte, da Elke Dott, meine erste Frau, mittlerweile auch einen Freund hatte, der die Familie versorgte. Die Ehe war nicht mehr zu retten, wobei ich mir daran die größere Schuld gebe. Meine Freundin stellte nun einen Ausreiseantrag mit der Begründung, mich in der Bundesrepublik heiraten zu wollen. Nun machte auch sie die Erfahrungen mit ihrem so genannten "Vaterland DDR". Als Erstes wurde meine Frau aus der SED ausgeschlossen. Das geschah in ihrer Heimatstadt. Sie musste zur SED Kreisleitung kommen, die sich in der Richard Wagner Straße der Stadt Halberstadt befand. Dort bekam sie, vom Kreisvorsitzenden Winkler, die Hauptschuld daran, dass ich nicht wie vorgesehen im Westen für die DDR funktionieren wollte. Ich durfte nicht dabei sein und erwartete sie vor dem Haus. Meine Freundin kam tränenüberströmt heraus. So hatten sie ihre Genossen fertig gemacht. Etwa zeitgleich wurde ich auf Weisung der SED, in Rheinland Pfalz aus der DKP ausgeschlossen. Das war eigentlich ein schmerzloser Akt, der mir auch entgegen kam. Meine, damals noch Freundin, machte nun die Erfahrung, die vor und nach ihr viele Menschen machen mussten, die ihre DDR verlassen wollten. Druck auf der Arbeitsstelle, Druck im privaten Umfeld bis hinein in die Familie, Das waren eingespielte Szenarien im Umgang mit Ausreiseantragstellen in der DDR. Diffamierungen und Demütigungen, um ihren Willen zu brechen. Edith arbeitete zu dieser Zeit als Krankenschwester im staatlichen Krankenhaus St. Salvator in Halberstadt. Dort wurde sie (als Ausreiseantragstellerin) fristlos entlassen aber nach einigen arbeitslosen Wochen wieder eingestellt.

Da hatte ich es doch in der Bundesrepublik leichter, es kümmerte sich niemand um meine Angelegenheiten, so, wie das in einem freien Land nun mal so ist. Hier war ich erstmals froh den Häschern des DDR Staates nicht zur Verfügung stehen zu müssen. Nach beiderseitigem Einsehen und Einverständnis wurde meine erste Ehe in Koblenz geschieden Das war hauptsächlich durch unsere lange Trennungszeit bedingt. Nun setzte ich meine ganze Kraft ein, um meine Freundin in der DDR zu unterstützen. Jedes Wochenende fuhr ich Transit nach Westberlin, um dann von dort mit Tagespassierschein nach Ostberlin einzureisen, um sie zu sehen. Wie ich das heute einschätze, blieb auch das der DDR Staatssicherheit nicht verborgen. Erstens haben das meine ehemaligen Genossen in Koblenz weiter gemeldet, dass ich jedes Wochenende in Ostberlin bei meiner Freundin war und zweitens bin ich bei einer Transitfahrt einmal auf einem DDR-Parkplatz für einige Stunden eingeschlafen, das führte zu einem strengen Verhör an der Westberliner Grenze. So konnte das nicht weiter gehen. Wir spielten viele Pläne zur Flucht durch und verwarfen sie dann wieder. Wir wollten sicher sein, dass niemand von uns wegen Republikflucht, oder Beihilfe dazu, in DDR Gefängnissen weggesperrt wird. Es war wirklich die große Liebe, aller Schwierigkeiten zum Trotz. Bei der Trennung meiner ersten Ehe hatten wir die Kinder geteilt. Jeder hat eines in seine neue Umgebung mitgenommen. Meine ehemalige Frau die kleine Heike (heute, Heike Koehlen, Kaiserslautern Prokura Koehlen GmbH) und ich die etwas größere Anja heute Maria Dott Carmon Dipl. Chemikerin. Sie hatte ab da als Kinderzeitzeugin eine schwere Zeit. Kurze Zeit im katholischen Heim in Koblenz Arenberg, dann bei Verwandten und danach bei mir. Von da an war sie immer und überall mit dabei.--Manfred Dott (Diskussion)--Manfred Dott (Diskussion) 20:32, 9. Jan. 2015 (CET)

[Bearbeiten] 9 Lagergefangenschaft aus meiner und der Stasi Sicht

Da ich mittlerweile die reale DDR, also das wirkliche Leben dort, ganz gut kannte und meine Freundin mir den Vorschlag machte, doch in die DDR überzusiedeln mit den Worten: „wir können doch überall glücklich sein“, überlegte ich nicht lange, schob alle eventuellen Gefahren beiseite und fuhr einfach wie immer mit dem Auto über die Transitstrecke Richtung Westberlin. Meine 9 jährige Tochter Anja mit dabei. Sie verließ sich auf ihren Vater, was der macht wird schon richtig sein. Mein Barvermögen, 5000,00 D-Mark, hatte ich in einem Brustbeutel. Es sollte unser Startkapital sein. Kurs 1972: 1,00 D-Mark zu 7,00 Ost DDR-Mark. Diese gedachten 35.000,00 Ost-Mark wollten wir für eine schöne Wohnungseinrichtung ausgeben. Bei Magdeburg fuhren wir von der Transitstrecke einfach ab und nach Magdeburg hinein, bis zu einer Volkspolizeidienststelle. Dort meldete ich mich mit den Worten „Ich möchte mit meiner Tochter in die DDR übersiedeln“. So einfach wie ich mir das vorstellte, war das aber nicht. Eine ganze Nacht saßen wir da in einem separaten abgeschlossenen Raum. Ein Telefonanruf löste den nächsten ab. Am nächsten Tag wurden wir nach Barby bei Magdeburg verbracht und mein Auto und meine Ausweispapiere wurden eingezogen. Mein Bargeld musste ich ebenfalls abgeben. Ich erhielt eine Quittung, mit der Zusicherung, dass zum Abschluss des Aufnahmeverfahrens, mir der Betrag 1 zu 1 in Ost-Mark ausgezahlt werden soll. Aus dem gedachten Umtausch 1 zu 7, für die gedachte Wohnungseinrichtung im Osten, wurde also nichts. Dort in dem Aufnahmelager Barby wurden wir, wie man uns sagte, zur Desinfektion und Quarantäne in einem Raum eingeschlossen. Das Summen irgendwelcher Maschinen hinter der Wand war unheimlich. Obwohl ich auch an radioaktive Strahlung dachte, sagte ich mir, da müssen wir jetzt durch, auf halbem Wege kannst du nicht stehen bleiben, ohne dich selbst aufzugeben. Es wurde Nacht und es wurde wieder Tag man brachte was zu essen. Es wurde wieder Nacht und wieder Tag. Das ging so drei Tage. An das arme Kind bei mir dachte niemand. Eine kleine Abwechslung war in diesem Raum der Besuch eines Fotografen, der mich auf einen Stuhl setzte und von allen Seiten Fotografierte. Bevor er ging nahm er noch die Fingerabdrücke aller zehn Finger. Mein 9 jähriges Töchterlein sah interessiert zu. Das kannten wir beide nur aus dem Fernsehen wenn Verbrecher eingelocht wurden. Bei manchen Vorkommnissen in dem Lager fehlten mir die Worte, das meiner Tochter zu erklären. Ich versuchte dem Kind gegenüber diese Tortur etwas abzufedern. Aber wir kamen dann doch dort heraus in ein Zimmer im Gebäude. Die Heizung in dem Uralt Gebäude war defekt und unser Heizkörper kalt. Wir zogen uns dick an und versuchten das so zu Überstehen. Danach musste ich Zeichnungen von den Betrieben anfertigen, in denen ich zuletzt gearbeitet hatte. Auch Maschinenausstattungen und Anordnung derselben sollte ich aufzeichnen. Meine Tochter Anja spielte derweil in dem Gelände des Lagers und zählte die Ratten, die sich unweit der Elbe eingruben, die dort in Sichtweite vorbei fließt. Sie war mit mir im Aufnahmelager gefangen und kam auch nicht heraus. Es tat weh Ihre Fragen zu beantworten, weshalb wir in dem Lager sein müssen und nicht heraus können. Von weitem sah sie Kinder aus dem Ort Barby spielen und herum Toben. Meine Tochter hatte niemanden im Lager in ihrem Alter mit dem sie spielen konnte. Durch diese Lagerhaft konnte sie ein Jahr nicht zur Schule gehen. Die Lageroberen (Stasi), hatten wichtigeres zu tun als sich um die notwendigste Weiterbildung für das 9 jährige Schulkind zu kümmern Was soll aus dem Kind nur werden, wenn sie wieder in die Schule geht? Bekommt sie Anschluss? Oder wird sie vielleicht vollends abgehängt. Das interessierte aber von dem Lagerpersonal niemanden. Es wurde mir eröffnet, dass ein Aufnahmeverfahren etwa ein Jahr dauern könne und so lange dürfte ich und auch die kleine Tochter das Aufnahmeheim nicht in Richtung DDR verlassen. Ein Rückkehrrecht, in die Bundesrepublik, hätten wir aber noch. Aus heutiger Sicht und nach Akteneinsicht vermute ich, dass mit einer sehr langen Lagerzeit in Barby sich das Verhältnis zu meiner Freundin von selbst erledigen würde und ich bereit wäre in die Bundesrepublik zurück zu gehen und dort auf den Kommunistischen Wegen dafür sorgen, dass sich die DDR Investitionen doch noch lohnen Wir brauchten nur zu sagen, dass wir wieder zurück wollten. Da sah man mal wie wenig die für uns Verantwortlichen den Manfred Dott kannten. Ich war es gewohnt einen einmal eingeschlagenen Weg zu Ende zu gehen. Auch wenn einmal ein Schuss nach hinten los ging. Das ist im Leben manchmal so. Die Heimoberen,also die Stasibediensteten dort, hatte keine Ahnung davon, dass auch die letzten Sympathien zum DDR System zertrampelt waren und ich auch bei einer eventuellen Rückkehr in die Bundesrepublik, ein entschlossener Gegner des so genannten real existierenden Sozialismus sein würde. Das war kein Sozialismus und kein Kommunismus. Denn was den Menschen gut tut, muss man nicht mit brachialer Gewalt, Mauer und Schießbefehl auf die eigenen Leute sichern. In Wirklichkeit war die DDR eine Diktatur einer Schicht von möchtegern Intellektuellen, herausragend zu nennen Mielke, der mit seiner Dummheit, die ihm nicht mal selbst bewusst war, ein klassisches Beispiel für die DDR Regierenden abgab. Diese Intelligenzbestien, die sich, betrunken von Ihrer Macht, selbst einredeten die Avantgarde der Arbeiterklasse zu sein, regierten die DDR. Und wehe, wer das bestreiten sollte. Ich blieb also mit meiner Tochter dort in dem Lager und schrieb und bekam Briefe von meiner Freundin. Wir machen uns gegenseitig Mut und beantragten einen Besuch für sie im Aufnahmelager. In dem ganzen Jahr wurde das nur einmal gestattet, 15 Minuten in einem Kellerraum in Barby unter Bewachung durch die Volkspolizei. Zumindest hatte der Bewacher eine solche Uniform an. Weil ich mein Aufnahmeersuchen nicht gefährden wollte, denn das war die letzte Möglichkeit mit meiner Freundin zusammenzukommen, bot ich mich als Heizer im Aufnahmeheim an. Alte Anlagen einer Niederdruckdampfheizung waren immer wieder defekt, ich hatte Mühe, die Schuld dafür auf die veraltete Technik zurückzuführen. Keinesfalls sollte es nach Sabotage aussehen. Nach einem halben Jahr im Heim sollte ich im Traktorenwerk in Schönebeck bei Magdeburg arbeiten. Dazu musste ich aber mit dem Bus vom Aufnahmeheim in Barby nach Schönebeck fahren. Um es nicht wie ein Gefangenentransport aussehen zu lassen, fuhr immer mindestens ein Begleiter in zivil mit. Im Gegensatz zum Heizerjob im Heim, zu dem ich mich selbst angeboten hatte, handelte es sich bei der Tätigkeit im Traktorenwerk Schönebeck um Zwangsarbeit, für das ich wie auch für den Heizerjob, ein geringes Entgeld bekam, das unmittelbar danach von der Lagerleitung für Unterbringung und Verpflegung wieder eingezogen wurde Nach meinen noch vorhandenen Unterlagen waren das für den Heizerjob: 900,52 Ost-Mark und für die Arbeit im Traktorenwerk 1.397,70 Ost-Mark. Die Tätigkeit im Traktorenwerk konnte ich nicht ablehnen. Unter anderem mit solchen unproduktiven Aufgaben sicherte die DDR ihre Vollbeschäftigung. Im Traktorenwerk arbeitete ich unter Bewachung in der Materialbeschickung für den Traktor ZT 300. Das ging so, ohne dass ich negativ auffiel, fast ein Jahr. Nach dieser Zeit eröffnete man mir, dass ich probeweise nach Halberstadt am Harz entlassen werde. Meine BRD-Ausweise habe man hinterlegt, um sie bei Vorkommnissen mir zurückgeben zu können um mich abzuschieben. Diese damalige übertriebene Vorsicht des Systems mir gegenüber führe ich darauf zurück, dass die DDR-ler bei dem, was ich in der Bundesrepublik gegen den Staat organisiert und durchgezogen hatte, Angst hatten, dass sich diese politische Energie einmal gegen sie wenden könnte, wie es später auch tatsächlich kommen sollte. Ich bekam also einen Aufenthaltsschein für die Stadt Halberstadt, ohne diese verlassen zu dürfen. Heiraten durften wir immer noch nicht. Die innere Einstellung und Überzeugung meiner Freundin und mir zum DDR-System hatte sich mittlerweile vom Antikommunismus in Hass gewandelt. Aber wir durften erst einmal in einer Altstadtwohnung der Stadt zusammenwohnen. Das endgültige Ziel von meiner Lebensgefährtin nicht mehr getrennt werden zu können, hatten wir aber immer noch nicht erreicht.

Zwischenbemerkung

Der Lageraufenthalt in Barby wurde vom ZDF info verfilmt. Ausstrahlungstermine waren die Tage 15. 06. 16.06. 17. 06. 18. 06. und 21. 06. 2013, Der Dokumentarfilm trägt den Programmtitel:"Willkommen im Sozialismus" Filmlänge 45 Minuten.Er ist in der ZDF info Mediathek und bei PlusPedia abrufbar. Seit damals, also vor 41 Jahren, habe ich für die Verfilmung das Objekt erstmals wieder betreten und bin für die Kamera durch das Gebäude und über die Freiflächen gegangen. Der Zaun ist immer noch da. Einige Räume sind seit damals unberührt, sodass es gut möglich war, für den Dokumentarfilm alles so nachzuvollziehen, wie es damals war. Lediglich einige Szenen wurden von jüngeren Schauspielern dargestellt, die nach unseren Fotos von damals ausgesucht wurden. Desweiteren folgt eine Verfilmung durch den TV Sender NTV (RTL Gruppe). Wenn es genaueres gibt, werde ich zuerst bei PlusPedia informieren. Die 5 X ausgestrahlte Verfilmung durch das ZDF. Stellt exakt die Haupbegebenheiten dieser Zeit dar, aber der Abschnitt "Lagergefangenschaft" des Artikels, durch den das TV aufmerksam geworden ist, geht natürlich noch mehr ins Einzelne, das darzustellen technisch nicht so einfach zu machen ist. Deshalb soll dieser Abschnitt weiter das Grundgerüst für eine weitere Aufarbeitung dieser Deutschen Geschichtsvorgänge bleiben. Danke an PlusPedia und danke an das ZDF. --Manfred Dott (Diskussion) 15:44, 9. Jul. 2013 (CEST)

Meine Zeit Im Lager sah die Stasi so:

Erster Stasibericht

über Manfred Dott nach der Übersiedlung aus der Deutschen Bundesrepublik in die DDR

Das sog. Aufnahmeheim in Barby in dem Zuzugswillige aus der Bundesrepublik in die DDR mehrere Monate auf ihre Einbürgerung warten mussten, war bescheiden gefüllt. Es waren vorwiegend Menschen mit niedrigem Niveau, die oft in der BRD überschuldet -und vor den Vollzugs-und Inkassobeamten auf der Flucht waren. Sie erfassten nicht welchen Schritt sie mit ihrer Übersiedlung vollzogen. Mein Übersiedlungsanliegen war anders. Deshalb lebte ich so gut ich konnte, mit meiner 9 jährigen Tochter ruhig und friedlich, mit den Insassen und dem Aufsichtspersonal des Lagers zusammen.

Ich hatte mich also in dem knappen Jahr der Gefangenschaft, in diesem so genannten Aufnahmeheim in Barby bei Magdeburg, also ruhig verhalten, um die Übersiedlung zu meiner Verlobten, Edith Goerke, in Athenstedt bei Halberstadt, nicht zu gefährden.

Wie das die Stasi sah, zeigt folgender Originalbericht.

Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR

Aufnahmeheim Barby 24.01.1973

Zuzug Dott, Manfred 30. 10. 40 Koblenz. Dort. FS v. 19.01. 73

Befragung der Auskunftsperson xxxxx ergab:

D. ist BRD Bürger, war in Absprache ZK der SED und Vorstand der DKP von 71 -72 in Berlin Karl-Marx Institut zum Studium der Gesellschaftswissenschaften. Im Januar 72 habe er in Berlin im Oktoberklub die Tochter des Görke, Edith, geb. 05. 02. 1954 Halberstadt wh. Mit HW Athenstedt 57, mit NW Berlin - Biesdorf Oberfeld Str. Studentenwohnheim kennen gelernt.

Der Vater des D. ist BRD Bürger, jetzt Rentner, vorher selbstständiger Handwerksmeister, Baugewerbe. Günstige Vermögensverhältnisse, Höhe nicht bekannt. Mutter des D. Hausfrau. D. ist von Beruf Installateur, hatte vor DKP Beitritt ein eigenes Hotel, zuletzt war es Versicherungsagent bei einer Autofirma mit ca 1000,- DM Monatseinkommen. Infolge seines DKP Beitritts brachen seine Eltern zeitweilig die Verbindungen zu ihm ab, das ist zur Zeit wieder bereinigt. Die Görke stellte beim MDI Antrag auf Übersiedlung in die BRD, zog diesen Antrag angeblich wegen zu langer Bearbeitungszeit zurück. Nun will D. in die DDR übersiedeln. In der BRD sei D Mitglied der Landesleitung der DKP in Rheinland Pfalz und DGB Funktionär gewesen. Ferner sei er im Besitz eines Autos und 6 Grundstücken an der Mosel, Die nicht als Baugrund sondern als Campingplätze geeignet seien. Abbruch des Originalauszuges. Diese Kleinigkeiten, wie auch die Familienbeurteilung des zuk. Schwiegervaters möchte ich hier ausblenden. Schlusssatz: Nach Beratung in Kommission IX / 20 wird Aufnahme des o. G. zugestimmt.

i. V. Seiffert Hptm.


Das war die Zeit, als ein ehemaliger Sohn meiner Zwangsstadt, Halberstadt, der Mitbegründer des Neuen Forums, Jens Reich, laut seiner Biografie, an der sowjetischen Akademie der Wissenschaften zum Forschunsaufenthalt in Puschtschinow bei Moskau war. Das zeigt bereits auch und ist logisch, dass wir beide später, obwohl in der gleichen 10.Volkskammer mit unterschiedlicher Konsequenz und unterschiedlichen Inhalten und Grundsätzen für Veränderungen in der DDR eintraten. Das Volk, die Menschen in der DDR, wollten keine Halbheiten mehr. Daher wählten sie die Kämpfer der ersten Etappe der friedlichen Revolution, Bündnis 90 / NF, nicht so in die 10 Volkskammer, wie diese das erwartet hatten.--Manfred Dott (Diskussion) 20:54, 20. Mai 2013 (CEST)--Manfred Dott (Diskussion) --Manfred Dott (Diskussion) 23:19, 4. Jan. 2015 (CET)


....http://de.pluspedia.org/wiki/Datei:MD02.jpg

[Bearbeiten] 10 Persönliches Glück

Meine Freundin, Edith Görke, meine aus dem Westen mitgebrachte Tochter Anja und ich, wohnten nun also in einer Altstadtwohnung in einem halberstädter Hinterhof. Von außen war das Haus dem Verfall nahe, wie so viele Altbauten außerhalb der Ortskerne in der DDR. Innen hatten wir unsere Wohnung jedoch schön eingerichtet. Die Stadt verlassen, durfte nur meine Freundin mit DDR Personalausweis. Ich hatte lediglich diesen Daueraufenthaltszettel für die Stadt Halberstadt. Meine Tochter und ich durften uns nur im Stadtradius bewegen. Wir kamen uns manchmal vor wie Ziegen, die man angebunden hat und die einen säuberlichen Kreis abfressen, obwohl außerhalb ihre Anbindung das bessere Futter steht. Meine Freundin hat versucht, diese staatlichen Einschränkungen zu überdecken. Trotz allem waren wir sehr glücklich. Nun habe ich erfahren was meine Freundin gemeint hat, als sie, auf ihren nichtgenehmigten Ausreiseantrag in die Bundesrepublik, zu mir sagt, „wir können doch überall glücklich sein“. Also komm du hier rüber, so schlimm wird das ja schon nicht werden. Wenn wir gewusst hätten was uns noch alles blüht, in dem Musterstaat der Arbeiter und Bauern. Aber wir wussten es Gott sei Dank zu dieser Zeit noch nicht. Meine Tochter Anja, ging nach langer Lagerpause wieder in die Schule. Wenige Wochen hatte sie gebraucht, um wieder den Anschluss zu finden, an den Stoff ihrer Altersklasse. Nach einem Jahr war sie Klassenbeste und wurde zur erweiterten Oberschule (EOS) vorgeschlagen. Da wir immer noch am kurzen Zügel des Stadtaufenthaltes durch die DDR Behörden gehalten wurden, und noch nicht heiraten durften, mussten wir in unserem Verhalten nach außen sehr vorsichtig sein. Das galt vor allem in den Betrieben in denen wir arbeiteten.

Heute weiß ich, durch meine Stasiakte, dass meine Wohnung mit Mikros verwanzt war und besondere Ton-Dokumente schriftlich verfasst in meiner Stasiakte landeten. War es wirkliches Misstrauen oder wollten irgend welche Bonzen der Stasikreisleitung ihrem Sadismus frönen. Ich muss mich nicht dafür schämen, dass wir in dieser Zeit fleißig daran arbeiteten, Nachwuchs zu bekommen. Wir wären lieber verheiratet gewesen. Das hätte auch eher zu unserem christlichen Glauben gepasst. Aber man lies uns ja nicht. Als der Nachwuchs, unsere Katja, sichtbar unterwegs war, hatte man wohl ein Einsehen. Eines morgens wurde uns ein amtliches Schreiben des Rates des Kreises Halberstadt per Empfangsbestätigung zugestellt. Wir regten uns schon auf, ehe wir in den amtlichen Brief rein geschaut hatten. Würden wir wieder getrennt, noch ehe wir verheiratet waren? Mussten wir in die Bundesrepublik zurück, meine Tochter und ich. Ein Leben ohne meine Freundin, konnte ich mir nicht mehr vorstellen. Wir machten voller Spannung den Brief auf und fanden eine Einladung zu einer Feierstunde im Rat des Kreises, Abteilung Inneres vor. Es stand da, ich solle Staatsbürger der DDR werden und das soll in einem feierlichen Rahmen geschehen. Wir wunderten uns, dass man die Verleihung der DDR-Staatsbürgerschaft so feierlich aufziehen wollte. Wir gingen also hin zu der Feierstunde. Schließlich ging es darum, wieder einen Schritt weiter zu kommen, in unserem Anliegen ein Leben lang zusammen zu bleiben. Es war fast feierlicher als unsere spätere Hochzeit. Kein Standesamt hätte das besser gekonnt. Eine große Urkunde des Ministerrates aus Ostberlin über die Verleihung der DDR-Staatsbürgerschaft bekam ich dort im Auftrag überreicht. Endlich dazu dann auch den ersehnten DDR-Personalausweis. Nach so langer Einschränkung der Bewegungsfreiheit kam mir das vor, als würde ich mit meiner Freundin und Tochter in die große weite Welt entlassen. Meine Lebenspartnerin arbeitete im Salvator Krankenhaus in Halberstadt und ich als Klempner und Installateur im Kreisbaubetrieb in dem ich zum Schein in die Deutsch Sowjetische Freundschaftsgesellschaft eingetreten war, um das Einbürgerungsverfahren zu fördern. Jetzt durften wir endlich standesamtlich heiraten. Zur Hochzeit kamen viele unserer Verwandten aus der DDR. Es kamen aber auch meine Eltern und meine Geschwister aus der Bundesrepublik. Aus Koblenz. Schön war das, einmal wieder das Schängeldialekt der Koblenzer von Rhein und Mosel zu hören. Meine Mutter zu der ich innerhalb meiner Familie das engste Verhältnis hatte, fragte mich in einem Moment abseits der anderen Hochzeitsgäste, mein Manfred hast du das alles richtig gemacht und dabei weinte sie bitterlich. Hättest du nicht besser in Koblenz bleiben können. Mama weine nicht, so schlimm, wie du vielleicht denkst, ist das hier in der DDR ja auch nicht. So endgültig, wie du denkst, ist das ja gar nicht. Warte nur mal ab. Mit denen, die uns das Leben hier so schwer machen, sind wir noch nicht fertig. Aber jetzt feiern wir erst mal Hochzeit. „Eine Frage noch“, sagte Mutter, „Wie kommt denn deine Tochter Anja mit dem neuen Leben in dieser anderen Umgebung zurecht?“ „Ganz gut“, sagte ich, „Manchmal habe ich den Eindruck, sie verkraftet das besser als ich.“ Der neue Nachwuchs, die kleine Tochter Katja, kam dann schon bald zur Welt. Nun hatten wir zwei Kinder und waren verheiratet. Jetzt waren wir soweit, dass wir mit unserem Ziel, in die Bundesrepublik nach Koblenz auszureisen, endlich Ernst machen konnten.--Manfred Dott (Diskussion) 21:35, 6. Jan. 2014 (CET)

[Bearbeiten] 11 Kampf um Ausreise

Wir stellten unseren ersten gemeinsamen Ausreiseantrag beim Rat des Kreises Halberstadt. Von dort erhielten wir erst einmal keinen Bescheid. Dafür mussten meine Frau und ich bei unseren jeweiligen Vorgesetzten in unseren Betrieben vorsprechen. Wir sollten zur so genannten Vernunft gebracht werden. Meine Frau verlor ihre Arbeit und war erstmal eine Arbeitslose in der DDR. Eine Unterstützung erhielt sie nicht. Ich behielt meinen gering bezahlten Job. Wir stellten den nächsten Ausreiseantrag und ich ließ in meinem Betrieb keine Zweifel an meiner Einstellung zum DDR-Regime aufkommen. Alles kritisierte ich, vom Mangel an Material bis zur Betriebsführung. In meinem Umfeld, was noch nicht sehr groß war, konnte ich erste Ergebnisse meiner Aufklärungstätigkeit sehen. Ich übte schon mal für das, was noch kommen sollte.

Abwechselnd beim Rat des Kreises Halberstadt und beim Volkspolizeikreisamt stellten wir neunzehn Ausreiseanträge und machten daraus öffentlich keinen Hehl. Damit unser Ansinnen in der Bundesrepublik nicht unbemerkt bleiben sollte, schickten wir je ein Exemplar nach Koblenz zu meinen Eltern und Geschwistern. Diese leiteten die Ausreiseanträge an zwei Bundestagsabgeordnete weiter, die über ihre Kanäle und über das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen in Bonn versuchten zu helfen.

Das kam in der DDR gar nicht gut an, dass ein ehemals überzeugter Kommunist aus Koblenz die DDR, die er freiwillig als seinen Wohnsitz gewählt hatte, wieder verlassen wollte. Das würde der kommunistischen Bewegung im Westen enorm schaden. Also durfte das nicht sein. Soviel Druck, Diskriminierung und Ausgrenzung haben wir vorher und nachher nie wieder aushalten müssen. Wir standen unter großem Stress. Bei mir machte sich das auch organisch bemerkbar. Zweimal wurde ich ins Krankenhaus eingewiesen. Aber wir machten weiter. Ich schrieb ein großes Plakat auf Tapetenrückseite und hängte das, am 1. Mai, mit einer selbst gemachten Losung „Erster Mai Kampftag für Menschenrechte weltweit“ aus dem Fenster und legte mich krank und vom Hungerstreik geschwächt wieder ins Bett. Es dauerte nicht lange und unser Haus, besonders das Fenster mit der Losung, wurde von allen Seiten fotografiert. Es klingelte, und meine Frau machte auf. Es standen Männer in Zivil vor der Tür, die sich als Kriminalpolizisten ausgaben. Einer fragte: „Wo ist ihr Mann" Meine Frau sagte: „Mein Mann ist krank und ich kann Sie nicht reinlassen.“ Als meine Frau die Tür schließen wollte, stellte einer seinen Fuß zwischen die Tür, schob meine Frau beiseite und ging erst einmal zielgerichtet auf das Fenster mit der Losung zu, zog sie in den Raum und zerriss sie. „Wo ist ihr Mann“, „der liegt krank im Bett“. „Wo?“ „Im Schlafzimmer.“ Die Tür ging auf und ich hörte nur: „Mitkommen“. „Ich kann nicht mit, ich bin krank.“ Dann zog mich einer aus dem Bett und sie trugen mich die Treppe hinunter zu einem direkt vor der Tür geparkten grauen Barkas (Auto). Es sollte wahrscheinlich am Maifeiertag so wenig Aufmerksamkeit auf dieses Vorkommnis gelenkt werden als möglich. Wir fuhren an Maiständen des FDGB, dem Gewerkschaftsbund der DDR und an Ständen der Blockparteien (auch der CDU) vorbei. Die feierten gerade ihre DDR und hatten von Sponsorbetrieben Verpflegungsbeutel, so genannte Fressbeutel dabei, welche die Anwesenden bekamen, wenn sie bei der Maidemonstration mitgehen und ihre Losungen, die sie nicht selbst entworfen hatten, hochhielten. Die Transparente waren von ihren Parteien der Nationalen Front, Gewerkschafts- oder Betriebsorganisationen. Da fuhren wir vorbei.

Wir, die Familie Dott, befanden uns mitten im Kampf um Ausreise aus der DDR.

Ein Ausreiseantrag (offiziell:Antrag zur ständigen Ausreise aus der DDR) war in der DDR nach der von der DDR-Regierung ratifizierten KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975 die einzige Möglichkeit, legal die DDR zu verlassen. Weil sich so zahlreiche DDR-Bürger darauf beriefen, versuchten SED und MfS, diesen Weg möglichst "steinig" zu gestalten. Einen Ausreiseantrag gestellt zu haben, bedeutete für die Betreffenden in der Regel drei Jahre Schikane und gesellschaftliche Ãchtung.--Manfred Dott (Diskussion) 21:47, 6. Jan. 2014 (CET)

[Bearbeiten] 12 Der Hungerstreik

Nachdem wir bereits dreizehn Ausreiseanträge beim Rat des Kreises Halberstadt und auch bereits vier Ausreiseanträge beim Volkspolizeikreisamt in der Straße der OdF (Sternstraße) Halberstadt, abgegeben hatten, waren wir an einem Punkt der Ratlosigkeit. Was können wir noch tun, um unser Ausreisevorhaben zu beschleunigen. Bisher hatten wir über die Bundestagabgeordnete Roswitha Verhülsdonk, CDU, am 29. Nov 1976 , dem Bundestagsabgeordneten Klaus Immer, SPD, am 28.02.1977 und meiner ehemalige Gewerkschaft IG Chemie Papier Keramik, und dem DGB Bundesvorstand am 12. Januar 1977 versucht, die DDR zur Ausreisegenehmigung unserer Familie zu bewegen. Sie alle hatten über ihre Kanäle und über das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen Bonn, Bad Godesberg, Schreiben vom 29. Januar 1977 , Bearbeiter Min.M. Lehmann, versucht zu helfen. Ohne Erfolg.

Die Hauptarbeit und Koordinierung dieser Schriftwechsel leistete meine Schwester Thea Neidhöfer von Koblenz aus. Dafür danke ich ihr. Diese ständigen Bitten von MdBs und Gewerkschaften in die DDR, uns, die Familie Dott, doch ausreisen zu lassen, machten die DDR Staatsorgane bzw. die Leute von der DDR Staatssicherheit nervös und trieben sie an, eine wie auch immer geartete Klärung dieser Ausreiseangelegenheit der Familie Dott, möglichst bald herbei zu führen. Wir merkten wenig davon, außer bei den Aussprachen zu unseren Ausreiseanträgen, wo uns einmal gesagt wurde, die Macht in der DDR haben immer noch wir. Durch eure Politikerkontakte im Westen, macht ihr alles nur noch schlimmer. Nachdem wir auch das ohne Erfolg versucht hatten, eine Grenzflucht mit Ballon verworfen hatten, weil wir in der Stadt wohnend, keinen Ort hatten, an dem wir das unbeobachtet hätten vorbereiten können und nachdem wir auch andere Möglichkeiten zur Flucht als wenig Erfolg versprechend ansahen, wussten wir nicht mehr weiter. Da wir sowieso schon psychisch angeschlagen waren, entschloss ich mich zu einem Hungerstreik, mit geplantem täglichen Kontakt über meinen Gesundheitszustand in den Westen. Die Nachrichtenübermittlung mittels Telefon und Brief funktionierte ganz gut, mit unseren Verschlüsselungen und Scheinadressen.

Meine Frau Edith, die ja nur das Leben unter DDR Bedingungen kannte, war gegen dieses Hungerstreikvorhaben. Ich kannte aber das Leben in der freien Bundesrepublik, das ich erst unter dem Druck der Unfreiheit, in der so genannten Diktatur des Proletariats, so richtig schätzen gelernt hatte. Ich war wie ein weidwundes Tier, das man eingesperrt hatte. Von meiner Frau Edith und auch von meiner Tochter Anja, die ja schon ein knappes Jahr Lagergefangenschaft mit mir, hinter sich hatte, lies ich mich nicht davon abbringen. Wir vereinbarten, sollte ich das Bewusstsein verlieren, dass ich dann wenigsten Flüssigkeit zu mir nehmen möchte. Also nahm ich ab dem 28. 04. 1977 kein Essen und Trinken mehr zu mir, legte mich hin und meldete mich im Betrieb telefonisch krank. Während ich die ersten Tage zuhause hungerte bereitete ich das Transparent für den ersten Mai vor. Über diese Demonstration schrieb die Stasi ausführlich. Am Abend des ersten Hungertages hatte ich erhebliche Kopfschmerzen. Meine Frau sagte: “dir fehlt Flüssigkeit, trink doch bitte etwas” “Nein“, sagte ich. Soweit war ich noch nicht. Am zweiten Tag bekam ich noch Fieber dazu. Nun merkte ich langsam, wie sich ein Hungerstreik anfühlt. Als dann am ersten Mai mein Transparent mit der ungenehmigten Losung: “1. Mai Kampftag für Menschenrechte weltweit” aus dem Fenster hing, konnte ich mir bereits denken, dass ich kurz oder lang Besuch von der Stasi bekommen würde. Es folgte ein hartes Verhör im VPKA, was mich in meinem Hungerstreik noch zusätzlich belastete. “Du machst jetzt auch noch deine Gesundheit kaputt“, wir brauchen dich doch. “Lass es doch“ Sagte meine Frau. Unser Weg bis hierher war schon schwer genug. Aber trotz nachlassender Kraft wollte ich einfach nicht aufgeben. “Was sollen wir denn sonst noch tun. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass wir hier nicht raus kommen sollen.” Sagte ich zu meiner Frau, die sich große Sorgen machte. Am 2. Mai, also am Tag nach dem Verhör, hatte ich Halluzinationen, ob vom Hunger oder meiner parallelen Erkrankung oder von beidem, weis ich heute nicht mehr. Ich träumte von Koblenz vom Gefängnis und von einem Gewitter am DDR-Grenzzaun. Ein heilloses Durcheinander. Ich rief (schrie) nach meiner Frau. Nun hatte sie die Nase voll und kam mit einer Tasse Wasser und schüttete diese in mich rein. Wieder bei Besinnung fragte ich meine Edith nach den täglichen Kontakten mit meiner Schwester Thea in Koblenz. Als sie mir darüber berichtete beruhigte ich mich wieder. Das alles geschah nun also nicht im Verborgenen, sondern unter den Augen der politischen Öffentlichkeit im Westen. Ich hielt es nun noch ein paar Tage so aus, während ich darüber nachdachte ob wir so in unserem Vorhaben weiter kommen. Nach einigen Tagen merkte ich schon, dass meine Frau mir ein rohes Ei unter die Trinkflüssigkeit mischte. Ich tat so, als merkte ich das nicht. Aber ich sah die Zwecklosigkeit auch dieses Versuches ein. Aber schließlich hatten wir wieder ein Merkstein in der westlichen Öffentlichkeit gesetzt. Auch die letzten Zweifler im Westen, die meine linke Vergangenheit kannten, waren nun überzeugt, dass ich im realen Sozialismus der DDR meiner linken Vergangenheit für immer abgeschworen und die Freiheit schätzen gelernt habe.

Alle hier datierten Belege und auch ein Ausreiseantrag an das VPKA wurden derzeit zusammengetragen und können eingesehen werden auch per Mail. --Manfred Dott (Diskussion) 22:16, 18. Jul. 2013 (CEST)


Als Momentaufnahme, hier ein Ausreiseantrag von Manfred und Edith Dott.

Es folgt ein Originalauszug, aus der personenbezogenen Akte des Staatssicherheitsdienstes der DDR, über die operative Kontrolle des Manfred Dott. Den Vertraulichkeitsschutz für diesen Auszug aus der Stasiakte hat Manfred Dott aufgegeben. Es handelt sich hierbei schon um den 14. Antrag

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen der DDR

Akte eingesehen und beglaubigte Kopie gefertigt am 26. November 1992 Gez. I. A. Fuchs, Berlin Ruschestr. 59 Haus 7


Halberstadt, den 03. 05. 1977 BStU 000229

Familie Edith und Manfred Dott Rudolf Breitscheid Str. 12

An den Rat des Kreises Halberstadt Abteilung Inneres


                                         14. Antrag

auf Ausreise aus der DDR, in die BRD für unsere Familie.

Wir beantragen dieses, im Rahmen der auch von unseren Verwandten in der BRD betriebenen Familienzusammenführung.

Die Bemerkung des Leiters der Abteilung Innere Angelegenheiten beim Rat des Kreises, dass die Besprechung vom 28. 04. 16,00 Uhr, die letzte gewesen sei, entspricht auch unserem Willen.

Wir möchten nur noch vorgeladen werden, wenn unseren Anträgen endlich entsprochen wird.

Hochachtungsvoll

Edith Dott Manfred Dott


Im folgenden der Originalaktenvermerk der Kreisdienststelle der Staatssicherheit Halberstadt:

Aktenvermerk: über die am 09. 05. 1977 durchgeführte Aussprache mit dem Ehepaar Dott, Halberstadt, Rudolf Breitscheid Str. 12

Entsprechend dem Beschluss des Sekretariats der Bezirksleitung wurde am heutigen Tag mit dem Ehepaar Dott durch den: Name geschwärzte, eine Aussprache geführt.

Dem Gespräch ging eine Konsultation mit dem ersten Sekretär der Kreisleitung voraus.

Allgemeiner Eindruck

Bei dem Ehepaar Dott handelt es sich um Personen mit abwegigen politischen Auffassungen und Gedankengut, das besonders geprägt ist von Tendenzen des ,,demokratischen Sozialismus bis hinreichend zu anarchistischen Auffassungen. Daher rührt auch ihre Position zur politischen Entwicklung der Deutschen Demokratischen Republik.

Frau Dott steht offensichtlich stark unter den politischen Ansichten ihres Mannes. Zum Eingang des Gespräches verharrten beide auf ihrem verfestigten Standpunkt, unter allen Umständen die Übersiedlung in die BRD zu erreichen u. s. w. noch zwei Seiten auf deren Offenlegung hier verzichtet wird, weil solche Aussprachen ähnlich schon mehrmals stattgefunden hatten.


Für die Richtigkeit des Originaltextauszuges. Manfred Dott--Manfred Dott 15:57, 10. Aug. 2011 (CEST)

[Bearbeiten] 13 Ausreisekampf und Maidemo aus Stasi Sicht

Der Bundesbeauftragte

Für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Hier Einsichtnahme und Kopie gefertigt mit Beglaubigungsstempel am 26. November 1992 Berlin Rusche str. 59 Seite 195 bis 197 der Stasiakte des M. Dott

Staatssicherheit, KD Halberstadt. Halberstadt, den 01. 05. 1977

Beobachtungsbericht

Entsprechend der Einweisung wurde am 30. 04. 1977 und am 01. 05. 1977 die Wohnung des D. in Halberstadt, R.-Breitscheid-Str. 12 beobachtet.

Am 30. 04. 1977 wurde gegen 22.00 Uhr das Haus Breitscheid Str. 12 angelaufen. Hier wurde festgestellt, dass der D. in der zweiten Etage des Hauses wohnhaft ist. Bei dem Haus handelt es sich um ein so genanntes einseitiges Wohnhaus, wo sich die Wohnungen, vom Treppenhaus aus gesehen auf der linken Seite befinden. Am Wohnhaus konnten keine besonderen Feststellungen getroffen werden. Ein Fenster Parterre war mit Fahnenschmuck versehen. In der Wohnung des D. befand sich Licht. Da sich während der Beobachtung keine weiteren Veränderungen ergaben, wurde die Beobachtung gegen 23,00 Uhr abgebrochen.

Am 01. 05. 1977 wurde die Beobachtung um 7,00 Uhr erneut aufgenommen. Hier wurde festgestellt, dass sich in einem der Fenster der Wohnung des D. ein selbstgemaltes Plakat mit folgender Aufschrift befand.

1. 5. Kampftag für Menschenrechte Weltweit-

Die Buchstaben waren in Blockschrift geschrieben und hatten eine Größe von 20 cm. Sie waren schwarz auf weißem Papier. Das Ausmaß des Plakats war ca 50 x 100 cm und füllte fast das ganze Fenster aus. Darauf wurde die Dienststelle verständigt und das Plakat wurde Fotografiert. Zur telefonischen Mitteilung an die DE wurde die Wohnung des (xxx Name geschwärzt) aufgesucht der im Haus Nr. xxx wohnhaft ist. Der (xxxxxxxxx) wurde bereits einmal zur Aufklärung des D. als Quelle angelaufen. Entsprechend der Weisung wurde dann die direkte Beobachtung für einige Zeit unterbrochen und aus entsprechender Entfernung weiter geführt. Gegen 09,30 Uhr wurde dann festgestellt, dass das Plakat am Fenster der Wohnung des D. entfernt war. Daraufhin wurde erneut die DE verständigt und die Beobachtung um 11,00 Uhr fortgesetzt. In der Zeit konnte festgestellt werden, dass in regelmäßigen Abständen ein Kind und eine junge Frau (wahrscheinlich Kind unf Ehefrau des D.) aus dem Fenster geschaut haben. Sonst konnte keine weitere Feststellung gemacht werden. Ende des Beobachtungsberichtes. Da sich an diesem Tag mehrere Stasimitarbeiter am um und im Haus um mich “kümmerten” hier ein weiterer Bericht des

Hauptmanns Raschbacher BKG, Magdeburg, den 01. 05. 1977 Sofortmeldung gemäß: …………………………….. Betreff: Provokatorische demonstrative Handlung

Wann:

01.05. 1977 gegen 8,00 Uhr 01. 05. 1977 8,05 Uhr VPKA Halberstadt

Wer:

Dott Manfred geb. am 30. 10. 1940 in Koblenz verheiratet. PKZ (Personenkennzahl) 3.0.1.0.4.0.4.1.0.1.3.9. 36 Halberstadt Rudolf Breitscheid Str. 12 Klempner und Installateur Kreisbaubetrieb Halberstadt Sargstedter Weg nicht vorbestraft.

Was:

D. hing am heutigen Tage ein Plakat, Grüße 140 X 80 cm, Farbe weiß, schwarze Aufschrift, Buchstabengröße 18 cm in sein Fenster Aufschrift lautet: ,,1. 5. Kampftag für Menschenrechte weltweit” D. ist Antragsteller zur Übersiedlung in die BRD Antrag wurde zum 13. Mal abgelehnt. Bei Aussprache am 28. 04. 1977 legte D. aggressives Verhalten an den Tag, ohne eine Strafrechtsnorm zu verletzen. Aus diesem Grunde erfolgte Einbeziehung gesellschaftlicher Kräfte seines Betriebes, die Plakat am heutigen Tag feststellten. Trotz Aufforderung das Plakat zu entfernen, da es keine Mailosung ist, entfernte D. das Plakat nicht. D. verhielt sich ruhig, brachte aber zum Ausdruck, wenn das Plakat entfernt würde ein anderes aufzug-hängen. Zur Klärung des Sachverhaltes erfolgte Zuführung zum VPKA -Aufhängen einer auf Tapetenrückseite geschriebenen Losung. Staatl. Ordnung D. wollte seine Einstellung zur Ablehnung seines Antrages zum Ausdruck bringen. Was wurde veranlasst: Zuführung zur Klärung des Sachverhaltes durchgeführt. D. Arzt vorgestellt wegen Krankenschein Nr 601 liegt vor. Nicht erkennbar, dass Bettlägrigkeit vorliegt. Gemeldet zu MfS, Inneres, und Betriebsleitung. Al verständigt, Sta verständigt, EV nicht eingeleitet. Ergänzungsmeldung folgt.

Ende des Originalzitats aus der Stasiakte des Manfred Dott. Für die Richtigkeit der Abschrift: M. Dott Es folgen noch 9 Seiten Berichte von verschiedensten Seiten über diesen Vorgang. Was über das Verhör im VPKA geschrieben wurde, stimmt nur Ansatzweise mit dem wirklichen Ablauf dieses sog. “Gespräches” überein. Im Folgenden ein Bericht über den gleichen Vorgang, den die Stasi mit Zuführung bezeichnete. --Manfred Dott 12:35, 10. Aug. 2011 (CEST)

[Bearbeiten] 14 Das Verhör

Im DDR-VPKA (Volkspolizei-Kreisamt) angekommen, ging es die Treppe hoch, in die erste Etage. Ich schlurfte die Treppe hinauf. links und rechts neben mir je ein Polizist oder Stasimann in Zivil. Notdürftig bekleidet war ich und von einem bereits zwei Tage andauernden Hungerstreik geschwächt, so stolperte ich hinauf."Mach ein bisschen hin“ sagte einer ,deine Schauspielerei kannst du lassen." "Wollen sie diese Beurteilung nicht einem Arzt überlassen, der meine Krankheit zweifelsfrei feststellen kann." sagte ich. "Ich möchte, dass sie meinen Hausarzt rufen". Wenn du einen Arzt bekommst, dann den Kreispolizeiarzt. Aufgewühlt ob der Ohnmacht gegen diese Staatswillkür, forderte ich nichts mehr. Was nützt ein Polizeiarzt, der vorher seine Weisung bekommt, welches Ergebnis er zu attestieren hat. "Rein da"! sagte einer von meinen Bewachern und schubste mich in einen kleinen Raum mit einem Stuhl. Hier wartest du. Nun hörte ich etwa 3 Stunden gar nichts. Sitzen konnte ich nicht, also legte ich mich auf den Boden. Der zugige Raum und meine notdürftige Bekleidung führten zu Schüttelfrostanfällen. Als dann endlich jemand nach mir sah, bat ich um einen Fiebermesser, "wenn sie schon nicht meinen Hausarzt verständigen wollen, dann lassen sie mich wenigstens meine Körpertemperatur kontrollieren". "Das ist nicht notwendig, du kommst heute noch hier raus, dann kannst du dich wieder ins Bett legen". "Zum Plakate Protest gegen unseren Staat reicht es ja wohl immer noch", sagte der Bewacher mit einem hämischen Grinsen. "Heute hängst du nichts mehr raus, dafür sorgen wir". Nun ging er und ein anderer uniformierter hoch gewachsener Mann, scheinbar und der Uniform nach ein Polizist, wobei man nie sicher sein konnte, dass das kein Mitarbeiter der Stasi war, denn die hatten für alle Fälle und für alle Eventualitäten Uniformen zur Verfügung, in die sie je nach Gelegenheit und Erfordernis wie Camäleons hinein schlüpfen konnten. Aber sie hatten auch genügend Mitarbeiter unter den Polizisten, die ständig dort bei der Polizei vor Ort für die Staatssicherheit tätig waren, vor allem in der Genehmigungsstelle für Besucherausreisen in die Bundesrepublik. Der Mann brachte einen Stuhl für sich mit und schrie mich an, "steh endlich vom Boden auf und setze dich auf den Stuhl da". Nun ging es endlich los. Wenigstens passierte etwas und ich sah Hoffnung, krank wie ich war, bald wieder aus dieser ungesunden Umgebung heraus zu kommen. Er breitete ein Sperrholzbrett mit einer Klemme auf seinem Schoß aus und heftete einen Schreibblock hinein. Einen Schreibtisch gab es in dem kleinen Zimmer nicht. "Weshalb dieser Aufwand" fragte ich. "Sie haben doch sicher bequemere Möglichkeiten hier im Haus eine Vernehmung durch zu führen". Das geht dich gar nichts an, wie wir unsere Arbeit machen. Da begriff ich langsam, das scheinbar das Ziel war, unter den unbequemst möglichen Bedingungen mir einen Denkzettel zu verpassen. Mir sollte die Lust bezw. die Energie für weitere Proteste genommen werden. "Was sollte das mit dieser Plakataktion aus deinem Fenster. Weißt du, das die Losungen für den ersten Mai vorgegeben werden. Alle genehmigten Losungen stehen unmittelbar vor dem ersten Mai in der Volksstimme, unserer Zeitung für den DDR-Bezirk Magdeburg, dem Organ unserer Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei. Deutschlands. Andere Losungen als diese sind nicht zugelassen". Was haben sie gegen die Losung: "1. Mai Kampftag für Menschenrechte weltweit" Ich persönlich gar nichts, meinte der Uniformierte, aber erstens wurde diese Losung nicht vorgegeben und zweitens weis mittlerweile jeder in deiner Straße, der Rudolf Breitscheid Straße und der angrenzenden Thomas Münzer Straße, was du mit dieser Aktion bezwecken willst. Und im übrigen werden von uns nicht nur Losungen vorgegeben, sondern auch die Stellen und Plätze, an denen diese Losungen als Transparente oder Spruchbänder getragen - beziehungsweise angebracht werden dürfen". Du hättest doch mit dem 1. Mai Umzug mitgehen können und eine Losung deines Betriebes tragen können zum Beispiel "Frieden schaffen gegen Nato Waffen" oder "Wir grüßen unsere Genossen der Roten Armee" "Stopp" sagte ich, lassen sie diesen Unsinn. Ich kann doch davon ausgehen, dass sie in der Zeit in der Sie mich hier eingesperrt haben, herausbekommen haben, dass wir Ausreiseantragsteller sind". Ich hätte viel lieber eine Losung aus dem Fenster gezeigt auf der gestanden hätte, "lasst uns endlich in die BRD ausreisen" Aber eine solche Losung hätten Sie ja noch schneller abgerissen. Ich dachte ja, dass sie die Losung für Menschenrechte etwas länger am Fenster hängen lassen. "Was haben sie eigentlich gegen Menschenrechte". ,,Nichts" sagte der Uniformierte, ,,so lange wir definieren was unter Menschenrechten zu verstehen ist". "Ach so"? , meinte ich. Dann machen sie doch jetzt einen Anfang und lassen sie mich gehen. "Nein" sagte er, damit du deine Störung des Mai-Feiertags fortsetzen kannst. Aber ich bin doch krank und ich kann mir hier eine Lungenentzündung holen. Das ist mir egal. "Wenn du nicht eine solche Feindpropaganda gemacht hättest wärst du nicht hier". Jetzt musst du mit den Konsequenzen leben. "Das ist Folter!"
"Soll ich dir mal zeigen was Folter ist", sagte mein Gegenüber. Der Uniformierte mit den besonderen Schulterstücken schrieb alles eifrig auf seinem Block auf der Glatte. "Kann ich denn wenigstens mit meiner Frau telefonieren, damit sie mir etwas warmes zum anziehen bringt", sagte ich. Meine Frau weiß doch gar nicht, wo sie mich hin gebracht haben. Sie macht sich sicher große Sorgen. "Deine Frau bekommt dich noch früh genug zurück". Wenn es nach mir ginge würdest du gleich für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden. Aber nach mir geht es ja leider nicht. "Nun kommen wir mal zur Sache". Mit wem hast du diese Aktion abgesprochen. Hat dir vielleicht einer von drüben den Auftrag gegeben, das so zu machen und schön wirksam zum 1. Mai wo alle frei haben und auf der Straße feiern. "Ich habe das mit niemandem abgesprochen aber meine Schwester in Koblenz ist informiert, auch über meine Weigerung Essen zu mir zu nehmen." "Was soll denn das," sagte der Uniformierte, "du sagst doch, dass du krank bist. Wie willst du denn ohne Essen wieder gesund werden". "Ich hoffe ja immer noch und meine Frau mit mir", sagte ich, dass wir zu unserer Familie nach Koblenz in die Bundesrepublik ausreisen dürfen. Dann geht es auch mit meiner Gesundheit wieder aufwärts. "Hast du Kontakt zu anderen Ausreiseantragstellern in der DDR oder in der Stadt hier"? Ich sagte "Ja". Wer ist denn das? Das müsst Ihr schon selbst heraus finden, wenn Ihr das nicht schon wisst. Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr mit Euren Sicherheitsleuten auch diese Szene bereits unterlaufen habt. Aber das kann uns ja auch egal sein. Mit unseren offenen Ausreiseanträgen machen wir ja auch kein Geheimnis aus unserem Ansinnen. "Gebt ja acht, das ihr unsere DDR-Gesetze nicht verletzt".sagte der angebliche Polizist. "Das sie es mit den Gesetzen nicht so ernst nehmen zeigt schon, dass ich es nicht mal wert bin von ihnen mit sie angesprochen zu werden. Da fällt Ihnen die Konstruktion eines Gesetzesverstoßes sicher auch nicht schwer",sagte ich. Wenn Sie uns wegsperren wollen, dann tun sie das auch. Haben sie vielleicht Angst vor der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik? Zum Beispiel vor einer Schlagzeile in der Bild-Zeitung: "Westdeutscher Kommunist sitzt im DDR-Knast" oder so? "Eines können sie nicht verhindern, dass das was hier mit uns passiert, unsere Familie erfährt und auch aktuelle Politiker in der BRD". Wie wir diese Information an die richtige Adresse bekommen, haben wir mittlerweile gelernt. Dem Polizist war nicht wohl in seiner Haut. Ich spürte eine Verunsicherung in seinem Verhalten. Da setzte ich noch einmal nach. "Wissen sie, dass sie jetzt und hier eine große Verantwortung für ihren Staat und sein Öffentlichkeitsbild tragen"? "Schluss jetzt" sagte er. So kommen wir nicht weiter. An der Farbe seines Gesichtes konnte man ablesen, dass sein Blutdruck erheblich angestiegen war. "Wir beenden dann die Befragung", sagte der Uniformierte. "Dann kann ich ja gehen", meinte ich. "Nein" sagte er kurz. Wann du gehst sagen wir dir, wenn wir es für richtig halten. Und ich blieb in der Zelle, bzw. dem kleinen Raum zurück. Sie hatten mich dann bis zum späten Abend in dem Raum belassen und mich dann auf die Straße geschickt. Meine Frau freute sich als ich wieder da war und ich erzählte ihr alles, was ich an diesem Tag im VPKA-Halberstadt erlebt hatte. Wir waren so unter Stress, dass wir in den nächsten Tagen unsere Wohnung nur verlassen hatten um Briefe von unseren Deckadressen auf dem Land und in Magdeburg ab zu schicken. Es sollten möglichst viele in der Bundesrepublik von unseren Drangsalierungen in der DDR erfahren.

[Bearbeiten] 15 Der erste Anschlag

Nach der öffentlichen Demonstration für Menschenrechte am ersten Mai, dem Verhör und dem Druck am Arbeitsplatz, war es etwas ruhiger geworden. Wir hatten keine Erklärung dafür, weshalb sie uns vorübergehend in Ruhe ließen, obwohl wir weiter einen Ausreiseantrag nach dem anderen Stellten. Es war unheimlich. Etwas mussten die Staatsorgane doch vor haben. Wir hatten gerade wieder einen DDR-Ausreiseantrag beim Rat des Kreises Halberstadt abgegeben und ich hatte deshalb einen Tag Urlaub im Betrieb beantragt und erhalten. Als Grund für den Urlaubstag schob ich Grabpflege eines verstorbenen Angehörigen meiner Frau vor. Das war unverdächtig. Am Abend zuvor hatte ich mit normalem Kugelschreibereinen Brief an meine Schwester in Koblenz geschrieben. Mit folgendem Text: Liebe Thea, wir möchten Dich ganz herzlich grüßen. Wir hoffen, dass es dir, deinem Mann, meinen Geschwistern und Eltern gut geht. Hier bei uns gibt es wenig Neues. Dir ist ja unsere Wohnung in der Rudolf Breitscheid Straße bekannt. Habe in Eigenleistung eine Etagenheizung eingebaut, die mit Gefälle-Schwerkraft ganz gut funktioniert. Ansonsten soll ich euch von Franziskanerpater Konrad ebenfalls lieb grüßen. Den Pater habt ihr ja bereits bei einem DDR Besuch kennen gelernt. Wenn es was neues gibt, melden wir uns wieder. Bis bald, eure Dotts aus Halberstadt. In den Zwischenräumen zwischen zwei Zeilen und wenn der Platz nicht reichte auf der Briefrückseite hatten wir unsere wirkliche Nachricht mit unsichtbarer Tinte, unserer Geheimschrift, geschrieben.. Diese unsichtbare Tinte wird erst bei starker Erwärmung des Briefpapiers sichtbar. Am besten mit Bügeleisen erwärmen. Die Tinte, ein farbloses Gemisch aus Zitronensaft und Zwiebelextrakt, hatten wir selbst angefertigt. Den St. Georgspfadfindern aus Koblenz sei Dank. Dort hatte ich das gelernt und perfektioniert. Der unsichtbare Text lautete: Liebe Thea, gestern haben wir einen weiteren Ausreiseantrag beim Rat des Kreises Halberstadt abgegeben. Du kennst meine Art, wenn ich wütend etwas formuliere. Bin im Text ziemlich weit gegangen. Habe zum Beispiel geschrieben, dass die DDR gesetzmäßig auf dem Sperrmüllhaufen der Geschichte landen wird. Will hier aber nicht alles wiederholen. Den Ausreiseantrag schicke ich mit anderem Brief von einer Deckadresse in Magdeburg, an eine Deckadresse in Koblenz. Hab den Ernst Scholl vorgesehen. Fragt bei ihm bitte nach ob unser Ausreiseantrag angekommen ist und gebt ihn an eure befreundete CDU Bundestagsabgeordnete weiter. Wir fühlen uns hier etwas sicherer wenn möglichst viele in der Bundesrepublik von unseren Drangsalierungen Kenntnis haben. Ansonsten ist es etwas ruhiger geworden, obwohl wir mit meinem Hungerstreik, der öffentlichen Demo zum 1. Mai und dem anschließenden Verhör doch einige Beunruhigung in unser staatliches Umfeld gebracht haben Wir halten euch auf dem Laufenden. Viele Grüße von Edith und mir. Unseren Kindern sagen wir nichts von unserer Art der Nachrichtenübermittlung. Die brechen bei einem harten Verhör ein und das möchten wir ihnen ersparen. Bis dann Manfred. Diesen Brief brachte ich nach Magdeburg, um ihn mit einer Deckadresse noch zusätzlich zu sichern. Bei der Fahrt nach Magdeburg über die Fernstraße F 81 kam hinter dem Ort Kroppenstedt, etwa in der Mitte der Strecke ein LKW der Marke Robur in Gegenrichtung. Etwa 100 m vor mir wechselte der LKW auf meine Seite und blieb dort. Ich hätte keine Chance gehabt mit meiner Rennpappe, wie man den PKW Trabant auch nannte. Meine Frau und ich waren zu diesem Zeitpunkt voller Misstrauen gegen alle und alles. Außer dem engen Kreis um die Franziskanerpatres im Kloster. Übervorsichtig fasst wie elektrisiert gingen wir unseren Tätigkeiten nach. So war das auch als der LKW auf mich zu raste. Mir war klar: der hält voll drauf. Blitzschnell gingen mir einige Selbsterhaltungsgedanken durch den Kopf. Mein Trabant war leicht und der LKW war schwer. So fuhr ich von der Straße auf ein frisch gepflügtes Feld. Der LKW bleibt stecken wenn er das auch versucht. Somit konnte der mir nicht folgen. Der leichte Trabant fuhr oben drüber hinweg und ich lenkte ihn wieder auf die Straße. Der LKW mittlerweile wieder auf der rechten Seite suchte das Weite. Noch vorsichtiger geworden erledigte ich meine Briefpost Richtung Westen von der Deckadresse aus der Halberstädter Straße in Magdeburg. Zuhause zurück sprach ich mit meiner Frau darüber. Was sollten wir da tun oder was konnten wir da tun? Nichts. Also machten wir so weiter, aber ab jetzt unter der Prämisse, auch einmal einem sogenannten natürlichen Unfall zum Opfer fallen zu können. Also ging es einige Wochen relativ ruhig weiter.


Der Mordanschlag

Als ich durch einen LKW bei Kroppenstedt, in meinem Trabant überrollt werden sollte, hat die DDR-Staatssicherheit zu genau dieser Zeit, folgenden Aktenvermerk verfasst:

Originalbeleg vom 16. 05. 1977

Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen der DDR Staatssicherheit. Aktenseite 213 der, operativen Personenkontrolle.

BStU 000254 Meldung Name: Dott, Rufname: Manfred, Wohnanschrift Rudolf Breitscheid Straße 12 Geboren am 30.10.1940

Auf dem Antrag für die PM 12 war hinter der Rubrik “Staatsbürgerschaft” “keine” eingetragen. Das gleiche auch bei seiner Ehefrau. Nach der Unterzeichnung wurde das verändert und DDR berichtigt. Dott gab zu verstehen, dass er die Berichtigung nicht anerkenne. Er und seine Frau haben die Anträge bereits unterschrieben, Die Berichtigung wurde nach der Unterschrift vorgenommen. Er protestierte entschieden dagegen.

Fortsetzung Seite 214 BStU 000 256

KD Halberstadt Begründung zur Einleitung der Maßnahme -A- in Zusammenarbeit mit der Abteilung 26

Bei den Personen:

Dott, Manfred geb. am 30.10.1940 in Koblenz, wh. 36 Halberstadt, Rudolf Breitscheid Str. 12 besch. VEB Kreisbaubetrieb als Klempner Telefon: 23901

Dott, Edith geb. am 5. 2. 1954 wh. Wie Ehemann besch. Rat des Kreises Gesundheitswesen -Krankenschwester,

handelt es sich um hartnäckige Antragsteller auf Übersiedlung in die BRD ( 14 Anträge)

Begründung zur Übersiedlung durch D.

Wird von staatl. Seiten an seiner politischen und fachlichen Entwicklung gehindert, D. war Mitglied der DKP

Zielstellung der Maßnahme -A- :

-Feststellung des Inhalts seiner Absprachen mit seinen Schwestern und Eltern.

-Feststellung der weiteren Pläne und Absichten des D. hinsichtlich seiner Übersiedlung.

-Feststellung von Hinweisen, welche auf ein ungesetzliches Verlassen der DDR schließen lassen.

Gezielte Verbindungen werden zu folgenden Personen unterhalten: Geschwister: Namen geschwärzt Eltern: Namen geschwärzt

Kipper Hauptmann

Endes des Originalauszuges. Für die Richtigkeit M. D.

Bemerkungen: bei der Vielzahl der Blätter der Stasiakte und der zur Verfügung stehenden Zeit, hat man die Namen meiner Geschwister und Eltern geschwärzt und den Berichtsverfasser, Stasi-Hauptmann Kipper, offen gelassen. Auf den Mordanschlag gibt es in der Statiakte keine direkten Hinweise. Vermutlich gab es für solche sensiblen Vorhaben, noch eine besondere Akte, um im Ernstfall die Stasi-Verbrechen zu vertuschen und die Akteure vor Verfolgung zu schützen. Vielleicht taucht noch etwas darüber auf.

--Manfred Dott 21:06, 9. Sep. 2011 (CEST

[Bearbeiten] 16 Der zweite Anschlag

Es war leichtsinnig, morgens in den Pkw Trabant zu steigen, ohne einen kleinen Sicherheitcheck. Eines morgens stieg ich also wieder einmal in meinen Trabant ein, um damit zum Kreisbaubetrieb, meiner Arbeitsstelle, zu fahren. Unbedarft fuhr ich los. schließlich stand der PKW ja direkt unter unserem Wohnungsfenster auf der Straße, eine Garage konnten wir uns nicht leisten. An der ersten Straßenkreuzung hinter unserer Wohnung musste ich Bremsen. Es kam Querverkehr auf der Vorfahrtsstraße. Ich trat das Bremspedal bis zum Anschlag durch, ohne Wirkung. Zum Glück war der Plastiktrabant leicht und ich hatte eine gute Handbremse die ich feste zog. Das ging gerade noch einmal gut. Ich fuhr vorsichtig mit der Handbremse zurück und schaute unter das Fahrzeug. Alle Bremsleitungen waren durchtrennt. Aber auch das ging wiedereinmal gut. Nun hatten die DDR-Staatsorgane wohl endlich von uns die Nase voll. Irgend etwas mussten sie tun. Aber auf keinen Fall die Ausreise genehmigen. Ihre Angst, ich könne in Koblenz und in Rheinland-Pfalz die wenigen kleinen Häuflein von Kommunisten mit meinen Erlebnissen aus dem real existierenden DDR-Sozialismus/Kommunismus so infizieren, dass es bei den weniger verbohrten Genossen zu Überlegungen kommen könne, dass man seine sozialen Ziele auch ohne das Demokratiesystem der Bundesrepublik in Frage zu stellen, bei den Sozialdemokraten erreichen kann. Wir merkten, dass etwas Endgültiges im Gange war. und unbemerkt konnte man mit uns nicht fertig werden, auch nicht, durch den zweiten Versuch, nun mit technischen Manipulationen an meinem PKW mich außer Gefecht zu setzen. Die Staatsorgane wunderten sich immer wieder, woher unsere Koblenzer Verwandten und die dortige CDU Bundestagsabgeordnete so genau über unsere momentane Situation in Kenntnis waren.

[Bearbeiten] 17 Das Angebot

Weil die DDR-Entscheidungsträger in Halberstadt also mit uns so nicht fertig wurden, kam bei einer erneuten Vorladung zum Rat des Kreises (Inneres) ein mit besonderer Weisung ausgestatteter Herr Steinbach, vom Rat des Bezirkes Magdeburg mit dazu. Wir merkten gleich, wie die Halberstädter Ratsmitglieder sich zurückhielten und dem Genossen aus Magdeburg die Verhandlung und Wortführung überließen. Dieser Herr Steinbach sollte wohl auf jeden Fall mit einem positiven Ergebnis nach Magdeburg zurück kommen. Mit einem Gesicht, als wolle er uns auf der Stelle erschießen, fragte er uns, ob wir so wie bisher weitermachen wollten. Ich sagte nein, „Lasst uns ausreisen und ihr seid den Ärger mit uns los“. „Nein!“, sagte dieser Magdeburger Genosse. „Alles, nur das nicht. Wir wollen den Ärger mit euch endlich beenden.“ „Das könnt ihr nicht“, sagte ich, „wenn ihr uns nicht ausreisen lasst.“ „Oh doch“, sagte dieser. „Ihr werdet euch vielleicht noch wundern, was wir alles können. Ihr seid in eurem Umfeld in Halberstadt doch mittlerweile ganz klein mit Hut.“ „Da geben wir ihnen Recht, das Leben in den letzten Jahren war nicht leicht für uns. Da habt ihr ganze Arbeit geleistet.“ Herr Steinbach sagte: „Ich mache ihnen folgenden Vorschlag: Sie können wählen zwischen Deportation in eine andere Stadt oder in ein Gefängnis oder sie werden beide sofort rehabilitiert und sie, Herr Dott, erhalten eine Immatrikulierung an der Fachhochschule für Bauwesen in Magdeburg und bei erfolgreichem Abschluss werden sie in der Verwaltung des Magdeburger Wohnungsbaukombinates eine Leitungsposition erhalten. Ihre Frau kommt in eine Betriebssanitätsstelle eines Magdeburger Großbetriebes, der in Halberstadt große Schiffsmotoren baut.“ Zu mir sagte er noch, dass ich keine weiteren Voraussetzungen benötigen würde, da ich ja bereits an der Karl Marx Uni in Berlin studiert habe und den Studienbetrieb ja kenne. „Aber mit den Ausreiseanträgen ist dann aber Schluss und auch mit den Kontakten zu der Koblenzer Bundestagsabgeordneten.“ „Eigentlich geht das ja gar nicht“ sagte ich. Sie wissen doch, dass ich eine Familie mit zwei Kindern habe. Das kann ich ja überhaupt nicht finanzieren. Meine Frau verdient als Krankenschwester nicht so viel, dass sie die ganze Familie 5 Jahre ernähren kann. „Machen sie sich mal nicht unsere Gedanken.“ sagte Herr Steinbach. Das 5 Jährige Hochbaustudium schenken wir ihnen. Das kostet sie nichts. Und ihr Gehalt im Betrieb lassen wir weiter laufen. Sie erhalten eine Freistellung für die Fehltage. Ich schaute meine Frau an, fragen wollte ich sie unter Zeugen nicht. Der Blick meiner Frau signalisierte mir, dass sie auch nicht wusste, was wir jetzt tun sollten. Darauf fragte ich noch:"ist ihnen denn ihre Ruhe vor uns so viel wert?" Herr Steinbach beantwortete diese Frage nicht. Er sagte lediglich“ ihr müsst euch jetzt entscheiden. Noch einmal komme ich wegen euch nicht von Magdeburg nach Halberstadt. Ich bat darum, das mit meiner Frau außerhalb des Rates besprechen zu können. Wir gingen erst einmal aus dem Gebäude heraus auf die Straße. Von dort in Richtung des Maschinenbaubetriebes in dem meine Frau Arbeiten sollte, sofern wir das Angebot annehmen würden. Wir diskutierten erst einmal grundsätzlich darüber, ob wir überhaupt den bisher eingeschlagenen Wege der permanenten Ausreiseantragstellung verlassen sollten und ob wir, wenn wir weiter machten, wie bisher, die Belastungen und den Stress auf Dauer ertragen könnten. Meine Frau Edith und ich , wir waren uns einig, dass dieses Leben zwischen Angst und Hoffnung, auf Dauer gesundheitliche Folgen für uns beide haben würde. Aber wenn wir das Angebot annehmen, verlieren wir dann nicht unser Gesicht gegenüber den anderen Ausreiseantragstellern, die uns kannten. Welche Alternativen gibt es. „Wenn wir weiter machen,“ sagte ich. Erstens können wir psychisch krank in die Hände des staatlichen Gesundheitswesen fallen, mit ihren hörigen Betriebs -Stasi und Parteiorganisationen in den Krankenhäusern und die ziehen uns mit Psychopharmaka aus dem Verkehr, oder wir fallen wirklich einmal einem Unfall zum Opfer und dann sind unsere Kinder alleine und werden in Staatskinderheimen erzogen. Wir würden dann zwar unser Gesicht bei den anderen Ausreiseantragstellern wahren Aber was hätten die und wir davon. Nichts. Dann schauten wir uns die andere Seite an. Was können wir noch für unsere Ausreise tun, wenn wir das annehmen? Wenn wir Ja sagen, zu dem was der Genosse aus Magdeburg uns vorschlägt, können wir nicht nach Beginn des Studiums und wenn du im Maschinenbau mit deiner neuen Tätigkeit beginnst den nächsten Ausreiseantrag stellen. Dann hat sich alles erledigt und wir bekommen weiter Druck. Dann müssen wir auch zu der Vereinbarung stehen. Das wir keine treuen DDR-Bürger mehr werden, ist denen ja sowieso klar. Dafür ist zuviel geschehen. Aber wir können uns doch erst einmal zurückziehen und dann in den Wiederstandsgruppen der Kirche sehen, was wir machen können, um den sich anbahnenden Veräderungen im DDR-Staat zu dienen. Wir waren uns im Klaren, dass sie uns sowieso klein kriegen würden. Also nehmen wir an und haben mal eine Zeit lang Ruhe. Wollen wir mal sehen, wie die diese ihre Zusagen durchsetzen werden. Aus der Vereinbarung aussteigen können wir immer noch. Wir gingen also wieder hinein in das Ratsgebäude und in den Beratungsraum, da saßen sie alle noch und hatten ca. 20 Minuten auf das Ergebnis unserer internen Beratung gewartet. „Herr Steinbach, wir haben wohl keine andere Wahl, als Ihr Angebot anzunehmen.“ „Das erste Semester hat zwar schon vor einer Woche begonnen, aber sie kommen dort noch hinein“, sagte Herr Steinbach. Betretenes Schweigen bei den Halberstädter Mitarbeitern vom Dezernat Inneres.

Vom nächsten Tag an hatten wir wieder viele Freunde. Wir wundern uns heute noch, wie die das gemacht haben. Viele von unseren neuen Freunden hatten wahrscheinlich einen Parteiauftrag, sich um uns zu kümmern. Das, was dann die nächsten 5 Jahre auf mich zu kam, war erheblich schwerer als das Gesellschaftswissenschaftliche Studium unter privilegierten Bedingungen in Berlin. Beim Studium des Dialektischen Materialismus oder der Gesetzmäßigkeit der Negation der Negation und so weiter, muss man nicht unbedingt sehr gut rechnen können. Als die erste Mathematikklausur daneben ging, merkte ich, dass ich betreffs des Studiums keinen Sonderstatus hatte. Das sollte wohl auch so sein, denn es gab in der DDR kaum etwas, was nicht geplant war, außer dem wirtschaftlichen Niedergang. Die Verantwortlichen konnten einiges im Sicherheits- und Militärbereich, aber von der Wirtschaft, von wirtschaftlicher Betriebsführung und wirklicher Rationalisierung im Produktionsablauf hatten sie kaum eine Ahnung, mit wenigen Ausnahmen. Hinzu kam die Korruption, die hauptsächlich über das DDR Neuererwesen abgewickelt wurde. Neuerervorschläge und Neuerervereinbarungen Nach DDR- Neuererverordnung, NVO § 13, 1 und § 13,2 wurden so konzipiert, dass sehr häufig die Personen, über Jahre, überwiegend immer wieder die gleichen Leute, Vergütungen von mehreren Tausend Ost-Mark erhielten. Bei der Verteilung dieser Neuerersummen kam Staatstreue an erster Stelle, danach Leute von denen man etwas wollte, zum Beispiel Material oder sonstige Hilfen. Dann betriebliche Verflechtungen und Kumpanei. Erst nach all diesen Fakten, die teilweise bis in den Bereich der Bestechungen gingen, kamen wirkliche Neuerungen und Erfindungen. Der Anteil der wirklichen Neuheiten betrug keine 10% des Betriebsetats für das Neuererwesen. Zu dieser Zeit hat das katholische, kirchliche Ehegericht, im Zusammenspiel des Bistums Trier, des Bistums Magdeburg und des Offizialats in Erfurt nach längerer Recherche das Zustandekommens meiner ersten Ehe in Koblenz, als ungültig erklärt. Nun hat uns, Edith und Manfred, Pater Konrad Kretschmer, in der Kirche des Franziskanerklosters in Halberstadt kirchlich getraut. Seit dem können wir auch wieder an den kirchlichen Sakramenten (Kommunion) teilnehmen.



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[Bearbeiten] 18 Das Angebot aus Sicht der Stasi (Originalbeleg)

Der Bundesbeauftragte

für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Unterlage eingesehen und beglaubigte Kopie gefertigt am, 26. November 1992 Berlin, Ruschestraße 59 Haus 7.

BSTU 000262 Aktenvermerk:

über die durchgeführte Aussprache mit dem Ehepaar Dott.

Unter dem Druck unserer Argumente und der Kompromissvorschläge, die darauf zielten, sie unbedingt von ihrem Vorhaben der Übersiedlung abzubringen, schwankten sie.

Nach ca. einer Stunde Gesprächsdauer baten sie um die Möglichkeit eines Meinungsaustausches unter vier Augen. Das wurde ihnen eingeräumt.

Im Ergebnis des Gesprächs unter vier Augen teilten sie uns dann mit,
Dass unter den Bedingungen, wie sie von unserer Seite unterbreitet wurden (Aufnahme eines Studiums an der Ingenieurschule für Bauwesen in Magdeburg und Wohnungswechsel von Halberstadt nach Magdeburg) beide bereit sind, ihre Anliegen auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung in die BRD zurückzuziehen.
Daraufhin und nach Aushändigung der Urkunde über die Verleihung der Staatsbürgerschaft der DDR, sowie der Aushändigung der Personalausweise der DDR wurde folgende Übereinstimmung erzielt.(1)
1. Herrn Dott wird zugesichert,, mit Studienbeginn 1977 an der Ing. Schule für Bauwesen in Magdeburg das Direktstudium zu beginnen.
2. Das Ehepaar Dott legt Wert auf einen Wohnungswechsel von Halberstadt nach Magdegurg.
Ihnen wurde zugesichert, dass dieser Wohnungswechsel mit unserer Unterstützung und auch auf dem Weg des Wohnungstausches vorbereitet und unterstützt wird, im Jahr 1977 nach Aufnahme des Studiums in Magdeburg eine 2 2/2 Zimmerwohnung zu erhalten.
Frau Dott äußerte den Wunsch, im Betriebsgesundheitswesen in Magdeburg tätig zu werden. Sie will sich allerdings noch weitere Möglichkeiten ihrer Qualifizierung im Gesundheitswesen überlegen.

Da seit der Antragstellung auf Übersiedlung, alle Anträge des Ehepaars
Dott auf Einreise von Verwandtenbesuchen abschlägig entschieden wurden, äußerte das Ehepaar Dott die Frage, ob nachdem sie ihren Antrag auf Übersiedlung zurückgezogen haben, jetzt die Möglichkeit von Einreisen gegeben wäre.
Ihnen wurde erklärt, dass wie bei jedem anderen Bürger der BRD bei Antragstellung die Anträge ordnungsgemäß bearbeitet werden.

Das Gspräch dauerte von 16 Uhr bis 17.30 Uhr

3 Unterzeichner, die Namen geschwärzt. (Darunter Gen. Steinbach MD)

F.d.R.d.A. UL un
Schade
Ein weiteres Dokument zum gleichen Sachverhalt vom 21. 06. 77 BStU 000276 , von der Bezirkskoordinierungsgruppe Magdeburg von Hauptmann Raschbacher.
Vermerk zur OPK ( operative Kontrolle) Dott durch d. Kreisdienststelle Halberstadt.

Für die Richtigkeit der Originalabschrift dieser Unterlage der Staatssicherheit Manfred Dott“
Fußnote (1): Erklärung des Hauptautors: Außerhalb des Stasidokumentes, unsere Personaldokumente hatten wie bei der vorhergehenden Aussprache auf den Tisch gelegt und die erneute Annahme verweigert.

Es folgen noch mehrere Dokumente zum gleichen Sachverhalt, die voneinander abweichen, auf deren Veröffentlichung, wegen des erhebl. Umfangs verzichtet wird.--Manfred Dott 18:56, 11. Aug. 2011 (CEST)

[Bearbeiten] 19 Kommilitonenbespitzelung

Das nun folgende Hochbaustudium war sehr schwer, Aber ich wollte den Erfolg. Als sich abzeichnete, dass etwa die Hälfte der Studenten die hohen Anforderungen in den naturwissenschaftlichen Fächern, Mathematik und Statik bereits nach dem ersten Studienjahr nicht erfüllen können und die Exmatrikulation etwa der Hälfte der Studenten bevor stand, griff ich nach jedem Strohhalm, um weiter zu kommen. Ein Mathematiklehrer an der EOS Halberstadt (erweiterte Oberschule) namens Haupt, der kürzlich in Rente gegangen war, übte mit mir höhere Mathematik und verdiente sich dadurch etwas hinzu. So lange ging ich zum Lehrer Haupt, bis ich im Studienfach Mathe die Note 2 erreicht hatte. In Statik konnte er mir aber nicht mehr helfen. Da musste ich alleine durch. Aber mit der guten Mathe-Grundlage ging das ganz gut. Nun wurde uns empfohlen zu Hause in Gruppen die gestellten Aufgaben zu trainieren. In Halberstadt schälte sich eine Gruppe von drei Studenten heraus, die regelmäßig gemeinsam ihre Klausuren und Testate vorbereiteten. Nachdem einer von uns dreien wegen mangelnder Leistung geext wurde, waren wir nur noch eine Zweiergruppe.

Wir freundeten uns auch pivat an und besuchten uns mit unseren Ehefrauen. Manche schöne Feier im ptivaten Bereich ist mir in Erinnerung. Es kam auch zu vertrauten Gesprächen unter uns beiden, Freunden. Auch über die Vorgeschichte die bei mir zur Aufnahme des Studiums geführt hatte. Besonders dieses und meine Herkunft aus Koblenz und die ganzen Umstände der Übersiedlung interessierten ihn brennend. Ich dachte mir nichts dabei und lies meine frühere Vorsicht außer Acht. Ich erzählte ihm mein Leben von A bis Z Mein Mitstudent konnte so gut zuhören. Ich glaubte dass das an meiner interessanten Art zu erzählen lag. Aber über eines wunderte ich mich schon. Über sein Leben erfuhr ich so gut wie nichts. Wenn ich ihn mal darauf ansprach, begann er, und wie ein geschickter Politiker war er gleich bei einem anderen Thema. Lediglich durch Zufall erfuhr ich mal, dass er vor seinem Studium Kapo bei den Grenztruppen war. Die Grenze, die ich mit meiner Familie so gerne in Richtung Westen nach Koblenz überschritten hätte. Ihm gegenüber diesen Wunsch zu äußern war mir aber dann doch zu riskant. Also hatte ich mich an seine Art gewöhnt und unserer Freundschaft schadete das nicht. Schließlich brauchten wir uns bei den Studien doch sehr. Als ich einmal krank war, schrieb er bei den Vorlesungen und beim Statiktrainig für mich mit und konnte mich dadurch zu Hause oft besuchen. Er war, was mich bzw. meine Familie betraf, immer auf dem Laufenden.

So ging das weiter, bis das Studium beendet war, und wir in unseren Betrieben als Ingenieure arbeiteten. Mein Mitstudent im Betonwerk in Halberstadt und ich im Magdeburger Wohnungsbaukombinat. Was ich erst nach der Deutschen Einheit bei der Durchsicht meiner Stasiakte erfuhr. Mein Freund war IM der Staatssicherheit und machte viele schriftlichen Berichte über mich. Was er in Wirklichkeit über mich dachte, erfuhr ich erst beim Durchsehen dieser Stasidokumente. Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie man sich über Jahre so verstellen kann. Nach der Wiedervereinigung wurde er durch seine Seilschaft in das Amt des Kreisbaudirektors im Rat des Kreises Halberstadt (Landratsamt) eingesetzt. Das ging so lange, bis ich seine schriftlichen Berichte über mich, aus meiner Stasiakte zusammenheftete und diese Akte dem Innenminister in Sachsen-Anhalt übergab. Dieser eine Fall wurde gerecht gelöst, aber wie viele sind bis heute durchgeschlüpft und sitzen noch immer dort?

Nun hatte ich die 5 Studienjahre geschafft und einen ordentlichen Abschluss. Im Wohnungsbaukombinat baute ich nun Wohnungen, Plattenbauten am Fließband. Mit wenig Aufwand viele Wohnungen zu bauen, war unser Auftrag. Wir konnten nicht so schnell bauen, wie die Altstädte zerfielen, weil sie nicht instand gehalten wurden. Manche Straßenzüge außerhalb der Ortskerne sahen aus wie Trümmerlandschaften. Die eigentlich schöne Altbausubstanz zerfiel zusehends. Kritik an dieser Baupolitik war unerwünscht. Ich versuchte dann doch einmal, diese Baupolitik in der DDR zu kritisieren. Es brannte mir als Baumensch ohne politische Hintergedanken im Herzen, wenn ich sah, wie Fassaden bröckelten und wie man nur mit Fantasie noch erkennen konnte wie schön manche Altbauten einmal waren. Das führte dazu, dass ich einen Verweis bekam. Danach dachte ich, lass sie nur machen, die schaufeln sich auch durch diese Verfahrensweise ihr eigenes Grab.

In diesen Tagen meiner Bauingenieurtätigkeit, es war an einem Sommertag, die Sonne brannte und es war heiß. Ein Betriebsleitungsmitglied hatte mir wenige Tage zuvor gesagt, wenn es so heiß ist, kannst du dich mal für ein paar Stunden abseilen und ins Freibad gehen. Das merkt doch keiner. Du bist dann eben auswärts auf der Baustelle. Das machte ich auch. Im Freibad angekommen bekam ich einen Schreck, wen ich da aus meinem Betrieb alles sah. Manche sogar gleich mit ihren Sekretärinnen, die im Bikini da herum sprangen. Da fragt man besser nicht. Die Leute könnten ja auch Urlaub haben. Der Schaden für den Betrieb war unermesslich. Aber ich war diesbezüglich schon abgestumpft. Wohl gelaunt und erfrischt, kam ich aus dem Freibad zurück an meinen Arbeitsplatz im Baubüro. Für den Moment hatte ich mal alles vergessen, was uns bis dahin zu gestoßen war. Da kam ein Kollege, ebenfalls Bauingenieur, zu mir ins Büro. Er sagte: "Ich weiß, dass du von unserer Politik nicht viel hältst, aber du solltest dich doch irgendwie politisch ein Wenig betätigen". Er meinte noch, dann hast du auch Ruhe vor anderen Anwerbeversuchen. "Wie soll ich das verstehen?", fragte ich. Er sagte "du kannst genau wie ich in der CDU Mitglied werden. Auf das, was unsere DDR-CDU-Leitung in Berlin macht, haben wir sowieso keinen Einfluss." Ich fragte: "Weshalb bist du denn dann da Mitglied". Er meinte, man müsse ja auch in gewisser Weise dankbar sein, für den Werdegang, den man bis zu einer Leitungstätigkeit im Betrieb vom Staat gewährt bekommt. Er wusste nicht, wie das in meinem Fall bis dahin gekommen war. Da kam in mir alles wieder hoch, was ich bis dahin erlebt und mit meiner Familie erlitten hatte. Mein Kollege und ich, wir kannten uns gut und weil ich wusste, wie weit ich bei ihm gehen konnte, habe ich ihn übel beschimpft. Auf keinen Fall sollte er mit dieser Werbung für die Block-CDU in der Nationalen Front noch einmal wieder kommen. Später sprach mich niemand mehr auf eine Mitgliedschaft an. Wie ich später erfuhr, hatte er den Ausgang seines CDU-Werbegesprächs bei mir seinem Kreisvorsitzenden in Halberstadt berichtet.


[Bearbeiten] 20 Stasifalle-Lustmädchen

Diese Aussage mache ich erst jetzt ( August 2013), weil meine Ehe, obwohl die Begebenheiten vor 25 Jahren waren, nicht in Gefahr kommen soll.

Meine gehobene Leitungsfunktion, also meine tägliche Arbeit, im größten Baubetrieb des DDR Beziks Magdeburg , dem Wohnungsbaukombinat (WBK) wurde, wie meine Stasiakte belegt, genau beobachtet. Mein guter Studienabschluss und meine Arbeitsergebnisse im Betrieb, sowie meine Teilnahme an den Betriebsleitungssitzungen und mein kumpelhaftes Verhältnis zum Betriebsdirektor Krabiell in Halberstadt, machten die Stasi blind für das, was ich nach Feierabend in Kirchenkreisen mit organisierte und mit vorbereitete.

Damit ich scheinbar so sorglos weiter arbeiten sollte und weil die Stasi mich an dieser langen Leine weiter laufen lassen wollte, erlebte ich nochmals eine bzw. mehrere Begebenheiten mit einem "Lustmädchen". Eventuell wollte die Stasi mich vielleicht auch von meiner geliebten Ehefrau Edith abbringen. Über die Gründe bin ich mir bis heute nicht im Klaren.

Jedenfalls wurde mir als Leiter des BFN (Büro für Neuererwesen) eine junge Absolventin zugeordnet, die genau meinem Schönheitsideal entsprach. jung, schlank, sportlich und sehr kontaktfreudig. Wir fuhren also zusammen die Baustellen ab. Ich zeigte ihr alles aus meinem Aufgabenbereich und sie schrieb das eifrig mit.

Das erste mal gemeinsam in Oschersleben. Nach einem Besuch der Großbaustelle, meinte sie, wir können doch noch im Park spazieren gehen und dann gleich nach Hause fahren, dann ist der Tag rum. Ich kam mit. Wir waren außerhalb der Stadt und ausreichend weit von der Baustelle entfernt. Es ist so warm, wir könnten uns doch ein wenig ausruhen, meinte sie. Wir setzten uns ins Gras und dann ging alles sehr schnell und dauerte doch so lange. Abends mit schlechtem Gewissen und Grasflecken an der Hose nach Hause. Reue, als Katholik Beichte und Buße. Aber, der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach. Es ging dann doch noch eine Weile so weiter und ich wunderte mich schon, weshalb die Absolventin nicht klammerte und dann einmal sagte: “ das geht doch wunderschön so. Das machen wir so weiter, bis ich eine gute Funktion im WBK habe und dann sehen wir weiter.” Nach einiger Zeit erzählte sie mir von ihrer Familie. von ihrem Vater, einem NVA Offizier und von ihrer Freundschaft zur sowjetischen Einheit der Landstreitkräfte, die in den Kasernen Spiegels / Klusberge in Halberstadt stationiert war. Die sowjetischen Offiziere, die uns oft zu Hause besuchen, sind sehr nett. Aber wir müssen dann immer so viel Alkohol trinken. Meine DDR Geschichte kannte die Absolventin nicht.

Jetzt waren wir an einem Punkt, an dem meine politische Überzeugung absolute Priorität hatte. Ohne erpressbar zu werden, musste ich schnellstens und schonend die Geschichte beenden . Mit meinem Betriebsdirektor besprach ich, dass die Absolventin xxxxxx nun noch andere Bereiche durchlaufen sollte, ehe sie endgültig fest eingesetzt wird. Es fehlten ihr noch die Bereiche Materialökonomie, Technologie und Transportwesen. Ob der Direktor merkte, dass ich sie los werden wollte, kann ich auch heute nicht genau einschätzen. Jedenfalls hatte das ja eine gewisse Logik. Wenige Tage danach kam sie und teilte mir mit, dass sie versetzt worden sei. Wie soll das jetzt weiter gehen? "Ganz einfach", meinte ich. Deine Berufskarriere darfst du dir nicht versauen, indem du jetzt einen Fehler machst. Wir müssen unsere berufliche Zusammenarbeit und alles andere auch beenden und darüber schweigen.. Mittlerweile war ich mir sicher, dass sie von der Stasi angesetzt war, dass dieser Auftrag ihr dennoch erhebliche Freude bereitete, hatte ich oft genug gespürt.

Außerhalb des Betriebes und in der Kirche brach, ob meiner Schwachheit, bei mir eine Welt zusammen. Wenige Tage danach umgarnte ich meine Frau Edith und erfüllte ihr jeden, in der DDR erfüllbaren Wunsch,soweit er bei der Warenknappheit realisierbar war "Was ist dann mit dir los" , sagte meine Frau, du bist so anders, so aufmerksam. “Mir ist halt so”, meinte ich und damit gab sie sich zufrieden. Meine Tochter Anja, die mit mir aus dem Westen gekommen war, hat durch einen Zufall die Angelegenheit mitbekommen. Sie sagte mir: “Papa, ich verrate dich nicht”. Somit hatte ich Glück und meine bis heute geliebte Ehefrau merkte kaum etwas. Und ich war froh, diese raffinierte Stasifalle los geworden zu sein. -- --Manfred Dott (Diskussion) 18:28, 4. Okt. 2013 (CEST)

Meine Tochter Anja, die mit mir die harte Zeit, auch die Gefangenschaft, durchgemacht hat, hatte zu dieser Zeit, nach einem Abitur mit Auszeichnung, an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale), ihr Studium als Diplom-Chemikerin beendet und arbeitete noch eine Zeit dort an der Universität. Mit den ganzen Unruhen und Umbrüchen 1989 in der DDR, beendete sie ihre Tätigkeit an der Uni, promovierte nicht und stürzte sich in das Unternehmertum, was sie bis heute erfolgreich betreibt.

[Bearbeiten] 21 DDR Kirche stützt Umbruch

Was bisher nicht ausführlich erwähnt wurde, in dieser ganzen Zeit, seit meiner Kindheit, war ich ausgenommen eine kurze Zeit, in der ich aus der Kirche ausgetreten war, mal mehr oder weniger ein aktiv praktizierender katholischer Christ. Die Kindheit als Messdiener, noch nach lateinischem Ritus und als Pfadfinder in der DPSG, sowie meine religiöse Erziehung, haben sich so entscheidend eingeprägt, dass ich immer wieder bei und in der Kirche Halt finden konnte, wenn ich dachte, dass es nicht mehr weiter geht. So auch jetzt. Die materielle Sicherheit der Familie war nun erreicht, wir waren im Betrieb und privat wieder angesehen. Meine Tochter Anja war mittlerweile auf der Erfolgsspur, die Tochter Katja lernte fleißig in der Pädagogischen Oberschule (POS). Trotzdem, glücklich waren wir in diesem DDR-Staat nicht. Meine Frau war zwar in der DDR geboren und kannte die Bundesrepublik nur aus dem Fernsehen und durch Erzählen. Sie war das ganze Drumherum des sozialistischen Alltags gewöhnt. Vom Schlange stehen, wenn es mal Bananen gab. Die grünen und zähen Kuba-Orangen und der Trauringkauf mit bei der Westverwandtschaft erbettelten DM im Intershop mit Altgoldabgabe. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass meine Frau das alles als normal betrachtete. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass in der Bundesrepublik auch besonders begehrte Waren im Überfluss zum Kauf zur Verfügung stehen und ein Fernsehgerät Typ Stassfurt statt 5.500,00 Mark im Westen schon für 500,00 DM zu haben ist. Der Name wurde lediglich nach dem Westexport von Stassfurt in einen Namen des Versandhauses umbenannt. Zum Beispiel Privileg.

Damit hätte ich mich ja noch abgefunden. Aber ich sehnte mich danach, einmal meine Heimatstadt Koblenz wiederzusehen. Den Rhein, die Mosel, die Lahn, das Deutsche Eck, die Festung Ehrenbreitstein, die Rheinpfalz und die Burgen in den Rhein- und Moseltälern, eben alles dort, was für mich Heimat war. Es waren mittlerweile 17 Jahre, in denen ich trotz Anträgen nicht nach Koblenz reisen durfte.

Nun starb auch noch mein Vater in Koblenz. Meine Geschwister schickten schnell die notwendigen Unterlagen für meine Teilnahme an der Beerdigung und ich dachte, ich könne nun zur Beerdigung kurzzeitig ausreisen schließlich waren die Reisebedingungen zwischen der Bundesregierung und der Regierung der DDR genau vereinbart. Der Tod eines Angehörigen ersten Grades war auch ein erstrangiger Genehmigungsgrund. Ich war mir sicher, dass die DDR-Behörden mir ein Visum zum Beerdigungstermin ausstellen würden. Daraus wurde aber nichts. So viel zum Rechtsstaat DDR. (Ich danke dem Internetdienst "Der Honigmann sagt" für seine Aufklärung zum Rechtsstaat DDR). Wieder einmal machte ich die Erfahrung mit der absoluten Willkür des DDR Staates. Der Antrag wurde ohne Begründung abgelehnt. Ich war nun mit meiner Trauer allein und heulte wie ein Schlosshund nachts in mein Kissen. Hinaus schreien mochte ich den Wunsch nach Freiheit. Dafür fuhr ich extra in den Wald und brüllte das Wort Freiheit in den Wind. Aber ich musste sicher sein, dass es niemand hören konnte. Das Wort Freiheit, das wir manchmal so lässig benutzen, wurde mir in seinem ganzen Umfang und Inhalt bewusster, wie nie zuvor.

Bei den Patres und Brüdern des Ordens der Franziskaner OFM, im Kloster in Halberstadt, Franziskaner Straße, konnte ich etwas von meinem Innenleben preisgeben, ohne nach außen schwach zu wirken. Immer mehr kristallisierte sich der Pfarrer Pater Konrad Kretschmer zu meiner Führungsperson heraus. Auch er musste vorsichtig sein. Mit seiner Gutheit und seiner milden Ausstrahlung konnte er jedoch weiter gehen als zum Beispiel ich. Nach vorsichtigem Abtasten und der Beichte meiner bisherigen Lebensgeschichte, nahm mich Pater Konrad unter seine persönliche Obhut. Er sagte mir bereits 1986, dass das mit der DDR nicht mehr lange gut gehen kann. Immer mehr rumorte das in den Kirchen, wo sich die Menschen begrenzt sicher fühlen konnten. Hauptsächlich in den evangelischen Kirchen aber auch in den katholischen Kirchen wurden abwechselnd Veranstaltungen der Initiative Schwerter zu Pflugscharen mit Plakataktionen durchgeführt. Das waren fast immer Veranstaltungen mit einem Gottesdienstteil und einem Teil der kritischen Auseinandersetzung mit dem Staat. Für die Stasi und die führende Partei, die SED, waren diese Veranstaltungen nur schwer greifbar. Oder sie mussten sich offen mit den Kirchen anlegen, dafür war es bereits zu spät.

[Bearbeiten] 22 Staatsführung zieht letzte Register

Zu dieser Zeit wiegten sich die DDR-Oberen in ihrer Arroganz oder treffender, besoffen von ihrer Macht, noch in Sicherheit. Trotzig verkündet Erich Honecker im Januar 1989 vor einem Komitee und für die Öffentlichkeit, dass die Mauer in 50 oder 100 Jahren noch bestehen wird, wenn sich die Umstände nicht ändern, die zu ihrem Bau geführt haben. Damit meinte er sicher, solange im Westen der Sozialismus nicht gesiegt hat. Ja, wenn im Westen die sozialistische Mangelwirtschaft Einzug halten würde, die Menschen genauso unterdrückt würden wie in der DDR, alle statt gestylte Autos, Trabant und Moskwitsch fahren würden, dann würde aus der DDR auch niemand mehr weg wollen. Dann könnte man die Mauer beruhigt abbauen. Aber wir waren noch nicht so weit, dass wir diese von Honecker und seine Junta ernst gemeinte Äußerung auf die leichte Schulter nehmen konnten. Es wurde an der Grenze immer noch geschossen.

Nun wollte auch ich nicht mehr ausreisen. Das Volk in der DDR brauchte jetzt Menschen, die mutig voran gingen, das DDR-System zu Fall zu bringen. Die Menschen brauchten auch mich. Nach den vielen Drangsalierungen in den DDR-Jahren zuvor, war ich nicht mehr so zart besaitet und für die anstehenden revolutionären Veränderungen wie geschaffen und hoch motiviert. Aber Vorsicht, der Tod des Republikflüchtligs und Gastronomieangestellten Chris Gueffroy an der Berliner Mauer im Teltowkanal, zeigte, dass die Revolution noch nicht über den Berg war. Die Todesschützen wurden anschließend von ihrem Kompaniechef belobigt. Die schießenden Grenzer wurden mit dem Leistungsabzeichen der Grenztruppen und einen Judaslohn von 150,00 Ostmark nach damaligem Umtauschkurs 21,40 DM belohnt. Nicht einmal 30 Silberlinge waren das, die ihr berühmter Vorgänger vor 2000 Jahren, für den Todesverrat am Jerusalemer Ölberg erhalten hat (soviel zum Rechtsstaat DDR). Es zeichnete sich aber ab, dass das DDR-System dem Ende zusteuerte. Die staatlich, planwirtschaftlich gefertigten Produkte waren von geringer Qualität und nicht konkurrenzfähig. Die Produktivität war trotz Vollbeschäftigung sehr gering. Das führte zu sehr langen Wartezeiten beim Erwerb eines Autos oder Farbfernsehers und anderen hochwertigen Gütern. Das förderte die Beliebtheit der DDR-Führung nicht. Auch in ihren eigenen Reihen gab es mittlerweile Menschen, die mit ihrer Führung kritisch ins Gericht gingen. Durch geschönte Statistiken versuchte die SED, ihre hohe Verschuldung geheim zu halten. Ein geringer Aufschub und ein kurzes Luftholen wurde durch den Straußchen Miliardenkredit erreicht. Dafür musste die DDR sehr viele politische Häftlinge frei und in den Westen ausreisen lassen. Jeder einzelne von ihnen war ein Botschafter des Unrechtssystems DDR. Im Westen und vor deren Massenmedien, die in der DDR zu 90% empfangen und gesehen wurden. Trotz allem bekamen wir, die oppositionellen Gruppen, immer mehr Oberwasser und gewannen an Macht. Die Welle der Ausreiseanträge erreichte einen Höchststand. Durch die Glastnostpolitik in der UDSSR, wurde auch der Wunsch nach Liberalisierung in der DDR immer stärker. Das Buch von M. Gorbatschow "Perestroika" war verboten und wanderte trotzdem von Hand zu Hand. Wir alle hatten es gelesen. Obwohl mir die Schlussfolgerungen seines berühmten Werkes nicht weit genug gingen. Gorbatschow mahnte Honecker dringend, soziale Reformen in der DDR einzuleiten. Gut, dass Honeckers Altersstarrsinn dieses verhindert hat, sonst hätten wir vielleicht noch länger auf die Wiedervereinigung warten müssen. Aber es nutzte uns trotzdem alles, was uns auf dem revolutionären Weg weiter half.

Zu dieser Zeit glaubten die Machthaber in Ostberlin immer noch nicht im Entferntesten daran, dass es für ihren Sozialismus und für sie persönlich einmal existenzbedrohend werden würde. Dabei waren wir schon so nahe am Erfolg. Mittlerweile wurden die Versammlungen in den evangelischen Kirchen und auch in katholischen Kirchen durchgeführt. Jeder der wollte, durfte auch sprechen. Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich schmunzeln. Da konnte man den verzweifelten Versuch des DDR-Staates sehen und hören, diese Bewegung unter ihre Kontrolle zu bringen. Da traten unter anderem Vertreter von Staatsorganen auf und auch Vertreter der DDR-CDU und anderen Blockparteien. Alle erzählten uns, dass sie Großes vor hätten und nur im sozialen Staat DDR, der auch etwas reformbedürftig sei, könne man dies verwirklichen. Es waren aber zu viele Menschen da, die durch ihre realen DDR-Erlebnisse von diesem DDR-Schöngerede nichts hören wollten, auch nicht von Vertretern der CDU. Immer öfter wurden diese Redner ausgebuht, was dazu führte, dass diese sich mehr und mehr aus den Redneranmeldungen zurückgezogen hatten. Diese treuen Staatsdiener aus Partei und Block versteckten sich in der Masse der Demonstranten und fanden dort immer weniger Resonanz.

[Bearbeiten] 23 Die Montagsdemos

Es gab die großen Montags-Demos in fast allen größeren DDR Städten. Es begann mit einer Demonstration, die man bereits Massendemonstration nennen kann, am 04. September 1989 in Leipzig. In anderen Städten der DDR war das noch nicht in diesem Ausmaß möglich wie das die Friedensaktivisten in Leipzig organisiert hatten. Ich empfand es befreiend, von Halberstadt aus nach Leipzig zu fahren, um dort mit zu demonstrieren. Viele Menschen habe ich dort getroffen, die zum Teil sehr unterschiedliche Visionen hatten, von dem was aus der DDR werden soll, sofern das alles gut geht. Ich war weit davon entfernt mich mit irgend einem Demonstranten über die Zukunft der DDR zu streiten. Es gab schon genügend Kräfte welche diese Massenbewegung aufhalten und spalten wollten. Da waren Menschen mit dabei, denen eine DDR nach dem Vorbild der demokratischen Gesellschaft in Russland nach dem Vorbild der Perestroika Gorbatschows vorschwebte. Andere wollten lediglich Unabhängigkeit vom Ostblock und wirtschaftliche Anbindung an den Westen. Mit einem verbesserten Warenangebot wächst auch die Zufriedenheit der Bürger und wir haben für eine Neugestaltung unserer DDR mehr Zeit. Einige wenige forderten aber schon dort die Einheit Deutschlands. Wenn wir das so machen wie in der Bundesrepublik, entgehen wir dem Risiko, das mit allen Experimenten verbunden ist. Aber alle hatten ein gemeinsames Ziel, sie wollten endlich frei sein und Ihre eigene Zukunft und ihre politische Führung selbst bestimmen können. Das war so in Leipzig ab dem 4. September und viele Menschen aus anderen Städten der DDR, so auch ich, waren dort und schauten sich das an, mit den Augen, wie wir das auf unsere Heimatstädte übertragen können. Es musste weiter gehen, denn Leipzig war ein guter und sehr wichtiger Anfang, aber noch nicht die ganze DDR. Es dauerte noch etwas, bis in anderen DDR-Städten ähnliche Demos möglich waren. Zum Beispiel wurden etwa eine Monat nach den ersten Massendemos in Leipzig in Magdeburg Demonstranten nach einem Friedensgebet im Dom noch zusammengeschlagen und zugeführt (verhaftet). Ebenso in Halle wurden noch am 7. 10. Demonstranten verprügelt und teils verhaftet. Als ich das erfuhr war ich nicht ermutigt. Soll das alles auch außerhalb von Leipzig so durchführbar sein. Aber es war sehr wichtig über diese Grenzen hinaus zu gehen um grundlegende Veränderungen in der DDR zu erreichen. Weitgehend alle verhafteten wurden in den nächsten Tagen wieder frei gelassen, weil die neue politische Entwicklung eine schnelle Amnestierung notwendig machte. Zu dieser Zeit waren wir in den meisten Regionen der DDR noch nicht so weit, Es musste erst einmal die Machtfrage für die Staatstragenden Organisationen und Parteien der DDR geklärt werden. Sie sollten und mussten lernen wer wirklich das Volk in der DDR ist. Dazu war es dringend notwendig über die Grenzen Leipzigs mit diesen Demonstrationen hinaus zu gehen In Halberstadt war es nun auch so weit. Es wurden fleißig Transparente gebastelt. Endlich mit Losungen, die nicht vorgeschrieben und in der Volksstimme als genehmigt veröffentlicht wurden. Entsprechend bunt waren die Texte, die auf vielen Fotos festgehalten wurden. Die Rufe „Wir sind das Volk“ wurden auch in unserer Stadt immer lauter und donnerten durch das Häusermeer, dass es durch Mark und Bein ging. Mit in vorderster Reihe gingen mit dem Segen von Franziskanerpater Konrad Kretschmer, die Franziskaner:"Bruder Valentin und Pater Otmar" in vollem Habit mit einer Kerze in der Hand. Auch das gab unter anderem den Mitmarschierenden Sicherheit und verunsicherte die auf der Lauer liegenden Sicherheitskräfte des Staates. Sollte man auf diese Menschen zum Beispiel schießen. Die Intelligenteren unter denen dachten auch wohl an die Konsequenzen für sie selbst, wenn das schief gehen sollte.

Scheinbar nun erst merkten die DDR Oberen, dass es ihnen an die politische Existenz gehen könnte. Der Schnelle Personenwechsel in der politischen Spitze der DDR, Honecker, Krenz und Modrow, brachte nicht mehr die gewünschten Entlastung. Die Eigendynamik der Bewegung, sehr gut unterstützt von den westlichen Massenmedien, war nicht mehr zu bremsen. Während dieser Zeit bekamen die konsequentesten Regimegegner das Heft, beziehungsweise die Rednerpulte in die Hand. Hier war ich mit dabei. Ich scheute nicht davor zurück, hauptsächlich die üble Rolle der Staatssicherheit anzuprangern. Dabei griff ich auch die staatstragende Rolle der Blockparteien, hauptsächlich die der CDU an. Das brachte mir besonders viel Beifall ein. Hier und so startete mein politisches Engagement, dass in der 10. Volkskammer und in der DDR Regierung mündete.

[Bearbeiten] 24 Das Neue Forum

Da ich in all den vergangenen Jahren mit Unterstützung meiner Frau meine Widerstandskraft und meinen Durchhaltewillen trainieren konnte, kam der Gründungsaufruf des Neuen Forums "Aufbruch 89" für mich zur richtigen Zeit. Es sammelten sich die Vorläuferkreise und Gruppen: die innerhalb der evangelichen Kirche, die der Wirtschafts und Systemkritiker, die schon lange versuchten, ihre Kritik öffentlich zu machen und Kreise innerhalb der katholischen Kirche. Die erst genannten Gruppen waren erheblich von der Stasi unterwandert und ausgespäht. In der katholischen Kirche wurde es der Stasi sehr erschwert, in die letzten Winkel des Widerstandes hinein zu sehen. Auch heute erfährt man nur zögerlich von dem Widerstand in dieser Kirche und ihrem stillen, aber wirksamen Kampf gegen das DDR-System. Hinzu kam noch eine wichtige Widerstandsgruppe, die der Ausreiseantragsteller, denen man das Menschenrecht auf Freizügigkeit und berufliche Entwicklung verwehrte und die in der DDR weitgehend ausgegrenzt wurden. Diese Gruppe der auch ich mich zugehörig fühlte wollte aus der DDR heraus, während andere Kritikergruppen des DDR-Systems da bleiben wollten und die auch dachten, es könne noch eine Reparatur dieses Systems geben. Diese Gruppen alle zusammen zu führen und ihre gemeinsame Kraft zu bündeln, war eine sehr schwere Aufgabe. Die Stasi tat ihrerseits alles ihr mögliche, um diese Bewegung zu spalten und zu unterminieren. Nachdem es schon vor Gründung des Neuen Forums Montagsdemos und Friedensgebete gegeben hette, wurde jetzt der Funken entzündet, der zur wirklichen Veränderung führte. Wir hatten großes Glück, dass zu dieser Zeit George Bush, Helmut Kohl und Michail Gorbatschow die flankierenden Regierungschefs waren. Die unblutige Revolution ist nicht nur das Verdienst der Widerstandsgruppen und ihrer Organisationen in der DDR, sondern auch ein Verdienst der offenen und geheimen Diplomatie der großen, betroffenen Mächte. Ohne eine dieser beiden Gruppen wäre zu diesem Zeitpunkt die Deutsche Einheit noch nicht zustande gekommen.

In diesem Neuen Forum fühlte ich mich am Anfang recht gut aufgehoben. Bot sich hier doch endlich die Möglichkeit, aus dem kirchlichen Widerstandskreis herauszutreten, und den Massen mitzuteilen, was ich von den uns beherrschenden, in Kreis, Bezirk und Republik hielt. Ich lernte gleichgesinnte Freunde kennen. Haupsächlich in Magdeburg und Halberstadt konnte ich meine Aktivität entfalten. Ein Herr Tschieche aus Magdeburg hat durch seine ehrliche Konsequenz im Wunsch nach Ablösung des DDR-Systems bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Das höchste Organ des neuen Forums tagte, und ich als ein Vertreter der Region war mit dabei. Es gab eine wilde Diskussion darüber, ob man die DDR reformieren könne und wolle, oder ob man die Einheit Deutschlands fordern solle. Es war abzusehen, dass hier die Meinungen faßt unversöhnlich aufeinander prallen würden. Das DDR-System ist am Ende und unreparabel. Jeder Tag des Hinauszögerns des Zusammenbruches ist vertane Zeit, meinten die einen. Lasst uns unser Land erhalten und reformieren, meinten die anderen, die in der DDR ihre Nische gefunden hatten, die sich aber ebenfalls nach tiefgehenden Veränderungen sehnten. Sie lehnten es zu dieser Zeit aber ab, so weit zu gehen wie die erste Gruppe. Leider hat sich Jens Reich bisher noch nicht grundlegend an die Analyse der Fehler heran getraut, die in dieser Fase des Forums gemacht worden sind. Man muss sich nur an die Fakten halten. Es war auch zu dieser Zeit ein Nord-Süd-Gefälle deutlich sichtbar. Die Einheits-Forderer kamen überwiegend aus dem Süden der DDR und die DDR Reformer kamen überwiegend aus dem Norden. Die Diskussion war so unversöhnlich, dass es zum Auseinanderfallen des Neuen Forums kam. Sehr viele Delegierte aus Sachsen und so auch ich, verließen dieses Gremium und traten an Ort und Stelle aus dem "Neuen Forum" aus. Zurück in Halberstadt besprach ich das erst einmal mit Franziskanerpater Konrad Kretschmer. Jetzt planten wir die weiteren Schritte. Das war die Zeit, als die Mauer fiel. Am 09. November war es also so weit. „Schabowski“ halb schob man ihn, halb sank er hin. Jedenfalls erhöhte Schabowski dem Druck auf den Kessel der Freiheit in der DDR, durch seine sinngemäße Äußerung: „die Grenze ist offen“ so stark, dass es für die Menschen im Osten kein Halten mehr gab. Sie drückten die ersten Übergänge in Berlin auf und lagen sich in den Armen. Da das berichtet, verfilmt, kommentiert und oft wiederholt wurde, möchte ich nicht weiter auf den Mauerfall eingehen. Wer aber glaubte, mit dem Zerreißen des Deutschen Teils des eisernen Vorhanges sei schon die Deutsche Einheit erreicht, der sah sich getäuscht. Im Moment sah es so aus, als hätte es nie das Riesenheer von Sicherheitskräften gegeben, welches das DDR-System geschützt, gestützt, und verteidigt hatte. Auch ich freute mich sehr über den Mauerfall, aber ich hakte das schnell ab, weil ich mir noch nicht ganz im Klaren darüber war, wie wir jetzt unter den neuen Bedingungen, weitermachen sollten, um unser Ziel, die Deutsche Einheit, baldestmöglich zu erreichen. Im allgemeinen Freudentaumel dachte ich schon wieder in die nähere Zukunft. Sollten die Träger des DDR Systems für immer abgetaucht sein und Ruhe geben, oder springen sie auf den fahrenden Zug der Annäherung beider Deutscher Staaten und die spätere Deutsche Einheit auf und versuchen, in den neu zu schaffenden demokratischen Verwaltungen Einfluss zu halten, neu zu schaffen und Schlüsselpositionen zu besetzen. Werden diese Leute es uns später, wenn sich alles beruhigt hat, heimzahlen, dass wir ihre DDR abgeschafft haben. Viele Menschen, die mit uns auf der Straße waren und nichts sehnlicher wünschten als Freiheit und die Einheit Deutschlands, konnten und können ein Lied davon singen, in Verwaltungen, zum Beispiel dem Arbeitsamt, als Bittsteller seinem ehemaligen Parteisekretär gegenüber zu stehen. Eine gewisse Verbitterung ist ihnen nicht zu verdenken. Die Worte “alles zu werden strömt zu Hauf“ gingen und gehen für diese Menschen nicht auf. Dafür müssen wir Verständnis haben und versuchen, ihre Verdienste um die Wende 1989 /1990 heute und vor der Geschichte zu würdigen.


[Bearbeiten] 25 Hurra in der Schweiz

10 Tage vor dem Mauerfall

Zu dieser Zeit war ich ein sehr aktives Mitglied des christlichen Widerstandes in meiner Stadt. Bei Friedensgebeten in der größten Widerstandskirche der evangelischen Martinikirche in Halberstadt, die von außen durch viele Plakate: “Schwerter zu Pflugscharen” gekennzeichnet war und durch die Friedensgebete und Gruppen in meiner katholischen Gemeinde, war ich in meiner Freizeit ausschließlich für die DDR-Opposition unterwegs. Erst nahm ich meinen ganzen Urlaub und dann stellte mich der Kombinatsdirektor aus Magdeburg, für die politische Arbeit ganz frei. Mit mir war wohl dienstlich nicht mehr viel anzufangen.

Ich redete sooft ich dazu Gelegenheit bekam in der Martinikirche. Meine Hauptthemen, die Staatssicherheit in unserer Stadt und in der DDR. Nachdem ich auch an Mahnwachen vor der Kreisdienststelle der Staatssicherheit teilgenommen hatte, Erhielt ich die Delegierung in das Republikforum, dem Leitungsorgan des neuen Forums. --

10 Tage vor dem Mauerfall, meinem Geburtstag, am 30. Oktober, erhielt ich einen sonderbaren Besuch. Ein mir unbekannter Herr, dessen Name mir entfallen ist, stellte sich mir vor, als Beauftragter des Direktors meines Dienstbetriebes, dem Wohnungsbaukombinat, BT Halberstadt. Er war freundlich, was mein Misstrauen sehr förderte. Was wollte er, was wollten die von mir, in der Hauptfase des Umbruchs in der DDR. Da ich schon so sehr auf die Stasi, die VP und den ganzen DDR-Staat öffentlich gewettert hatte, dachte ich an nichts Gutes. Unter Wahrung der größten Vorsicht bat ich ihn, mir sein kommen zu erklären. Er sagte Folgendes: “Es ist doch schon jahrelang, bald 20 Jahre, ihr größter Wunsch gewesen, in den Westen zu ihren Verwandten nach Koblenz zu reisen” Wollen sie das nicht jetzt tun? Sie können auch ihre Frau mitnehmen. Ich antwortete ihm: “Zum Tod meines Vaters, habt ihr mich nicht mal aus dringenden Familien Angelegenheiten allein nach Koblenz reisen lassen und jetzt soll ich mit meiner Frau dort hin fahren dürfen, ohne einen besonderen Grund? Das glaube ich ihnen nicht” Er sagte sinngemäß, sie können sich darauf verlassen. Probieren sie es aus. Gehen sie zum VPKA (Volkspolizei Kreisamt) Dort erhalten sie sofort die Ausreisepapiere und können gleich morgen nach drüben fahren. Das soll ich ihnen mitteilen. Weitere Fragen dazu wollte er mir nicht beantworten. Er grüßte freundlich und ging. Ich war so verdutzt, dass ich gleich zu meinem Vertrauten, dem Franziskanerpater und Pfarrer, Pater Konrad Kretschmer eilte, um ihm das zu erzählen. Dass die Mauer bereits 10 Tage später fallen würde, hatten wir da noch nicht gewusst. Pater Konrad, der bereits für mich Fäden nach Magdeburg und München gezogen hatte, sagte: “eigentlich brauchen wir sie dringend hier” Aber ich weis ja, wie sehr sie sich, nach so langer Zeit, nach ihrer Heimat im Rheinland sehnen. Da Pater Konrad sich ganz sicher war, dass ich Besuch von der Staatssicherheit hatte und dads die, durch dieses Angebot Druck aus dem Kessel in Halberstadt nehmen wollten, war er sicher, dass die uns auch sofort ausreisen lassen. Aber er war sich nicht sicher, dass sie uns wieder Einreisen lassen. Fahren sie und kommen sie gesund wieder. Danach erst informierte ich meine Frau, ohne sie mit dem genauen Hergang zu belasten. Am nächsten Tag gingen wir, meine Frau und ich, ins VPKA und sagten, wir möchten gerne nach Koblenz zu einem Verwandtenbesuch ausreisen. Es ging dann ganz schnell. Wir erhielten unsere Reisepässe mit Visum. Aber wir dürfen doch wieder zurückkommen? Aber natürlich ”sagte die Bearbeiterin. Wir hatten das Gefühl, das die richtig froh waren, als wir die Ausreise angenommen hatten.

Wir fuhren per Bahn nach Koblenz. Wir bekamen schon in der DDR den Tipp, dort gleich in Koblenz uns zum Westbürger machen zu lassen. Das ging ebenfalls ganz schnell. Wir gaben unsere DDR-Reisepässe ab und erhielten Pässe, wie sie jeder Bundesbürger hat. Wenn ihr wirklich wieder zurück wollt, dann lassen wir hier eure alten Pässe liegen und ihr tauscht sie dann wieder um. Unsere Verwandten, gaben uns ihr Auto und wünschten uns einen schönen Urlaub. Meine Frau hatte ja noch nie das westliche Europa kennen gelernt. Wir fuhren nach Süden. Durch die Schweiz ins obere Italien. Wir machten immer Zwischenstationen. Auf dem Rückweg durch die Schweiz, hörten wir im Auto auf allen Sendern, am 09. November, dass die Mauer in Berlin überwunden ist und die ganze Grenze jetzt offen sei. Hurra, wir haben das wichtigste erst mal geschafft. Jetzt müssen wir schnell zurück. Wir haben es Pater Konrad versprochen, dass wir spätestens in 14 Tagen wieder zur Stelle sind. Auf der Rückfahrt in die noch DDR, wurden wir bei der Einreise nicht mehr kontrolliert. Da wussten wir, dass das alles wahr ist, was wir in der Schweiz im Autoradio hörten. Wir meldeten uns in unserer Gemeinde im Kloster in der Franziskaner Straße zurück. Viele hatten gar nicht bemerkt, dass wir überhaupt weg waren, bei diesem bedeutenden Ereignis. Dann widmete ich mich dem Aufbau neuer Strukturen, bei dem ich von der Kirche und von bayerischen Helfern intensiv unterstütz wurde. Jetzt muss ich hoffentlich die Frage nicht mehr beantworten: “Wo warst du, als die Mauer fiel”

--Manfred Dott (Diskussion) 20:23, 9. Nov. 2014 (CET)

[Bearbeiten] 26 Anbiederung

Nachdem Franziskanerpater Konrad Verständnis für meinen Wunsch geäußert hatte, möglichst nicht mit der DDR-Block-CDU zusammenzuarbeiten, die jetzt immer mehr versuchte, das Heft in der DDR in die Hand zu bekommen. Die CDU-Mitglieder, welche vor kurzem noch die DDR-Errungenschaften lobten, biederten sich nun bei Reisen in den Westen, bei ihren neuen Parteifreunden an. Wie wir heute wissen, ging diese Rechnung ja auch auf.

So blieb mir nur eine neue Partei, in denen sich die Menschen sammeln konnten, die unbelastet, konsequent und endgültig mit der DDR-Vergangenheit abgeschlossen hatten. In den zu gründenden Parteien vermuteten wir auch die wenigsten informellen Mitarbeiter des DDR Staatssicherheitsdienstes.

Franziskanerpater Konrad stellte über das katholische bischöfliche Amt in Magdeburg erste Kontakte nach München zur CSU her. Nach gemeinsamen Sitzungen in München gründete ich mit einigen Gleichgesinnten und der personellen und finanziellen Unterstützung durch die CSU den Landesverband der DSU in Sachsen-Anhalt und wurde als deren Vorsitzender gewählt. Als Mitglied im Präsidium dieser neuen Partei bereiteten wir die ersten freien Volkskammerwahlen mit vor.

In Berlin hatte sich mittlerweile die DDR-CDU an die Spitze dieser Bewegung gestellt. Bundeskanzler Kohl half ebenfalls mit allen ihm gegebenen Möglichkeiten. Kohl ebnete viele Wege, die zur baldigen Deutschen Einheit führen sollten, er flankierte und schützte unseren Massenprotest innen- sowie außenpolitisch.

Es brannte mir im Herzen, dass die Leute der DDR-Block-CDU jetzt das Heft in die Hand bekamen. Zu DDR-Zeiten hatte die CDU unter anderem die Aufgabe, der Arm des DDR-Staates in den Kirchen zu sein. Während meines gesellschaftswissenschaftlichen Studiums in Berlin im Fachbereich Staatsorganisation hatten wir von unserem Professor gehört, welch wichtiges Instrument des sozialistischen Staates die Blockparteien sind, die in den Bereichen wirken, welche die SED nur schwer erreichen kann. Er sagte: ,,Die sind so staatstreu, dass wir mit denen oft weniger Schwierigkeiten haben als mit den Genossen unserer Partei, der SED, die überzeugt sind, die Avantgarde der Arbeiterbewegung zu sein. Unsere Genossen denken, alles diskutieren zu müssen und zu können, was wir (die Staatsführung) an Beschlüssen und Vorhaben auf den Weg bringen. Mit der CDU in der Nationalen Front haben wir da weit weniger Schwierigkeiten."

[Bearbeiten] 27 Stasizentrale wird gestürmt

Etwa vier Monate vor der ersten freien Volkskammerwahl der DDR war ich dem oppositionspolitschen Höhepunkt meiner Tätigkeit im Bezirk Magdeburg nahe. Der Bundesminister Spranger, aus Bonn kommend, hatte mich gerade in meiner Zweiraum-Ratio-Plattenbauwohnung in Halberstadt, Karl-Marx-Straße 21, besucht. Es war ein Riesenauflauf, als mehrere Kfz der Bundesregierung bei uns vorfuhren und sich Bundespolizisten vor unserem Hauseingang postierten. Die DDR-Volkspolizei kam mit einem Wartburg hinzu und hielt sich zurück. Der Betriebsleiter meines Baubetriebes, dem Wohnungsbau-Kombinat, Krabiell, hatte mich, sicher um keinen Fehler zu machen, bereits von meiner betrieblichen Tätigkeit für meine politische Arbeit frei gestellt. Der Direktor des Gesamtkombinates in Magdeburg hatte mir eine Neubauwohnung in Berlin in der Liebigstraße besorgt. Das war am Frankfurter Tor unweit der Stasizentrale in der Normannenstraße. Der Magdeburger Direktor sagte zu mir: “Da sie ja sowieso sehr oft in Berlin sind, müssen sie ja nicht ständig hin und her fahren. Ich nahm an und ließ wiederum eine Ehefrau mit Kind dieses Mal in Halberstadt zurück. Obwohl die Familie keinen Vorrang haben durfte, merkte ich in Berlin, wie sie mir fehlt. Meine Frau hatte aber den Wunsch, in Halberstadt zu bleiben. An Berlin hingen wohl zu viele Erinnerungen und in Halberstadt hatte sie Vater und Mutter ganz in der Nähe und auch ihren Job. In Berlin wohnte ich also schon unweit des Geschehens, als am 15. Januar 1990 die Stasizentrale in der Normannenstraße gestürmt wurde. Da konnte ich in knapp 10 Minuten zu Fuß hin gehen. Der wichtige “Runde Tisch” in Berlin, zu dem ich nicht gehörte, tagte gerade, während andere den Sturm auf die Stasizentrale vorbereiteten. Die Arbeit des runden Tisches war deshalb so wichtig, weil die beteiligten Oppositionellen den DDR-Machthabern das Gefühl gaben, auf die dynamischen Entwicklungen, hin zu einer demokratischen DDR, Einfluss nehmen zu können. Solange man spricht, schießt man nicht. Andererseits wurden die oder einige Beteiligte des runden Tisches vom DDR-Staat missbraucht. Die DDR-Verhandlungsleute gaben ihnen das Gefühl, sie könnten mitregieren. So wichtig das auch war, schmeckten einige erstmals das süße Gift der Macht, das wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gebrauchen konnten. Ich saß am 15. Januar gerade am Tisch unter dem Fenster meiner Berliner Wohnung und arbeitete einen Aktionsplan für meine Partei aus, als ich nachmittags etwa zwischen 15.00 und 17.00 Uhr vom Fenster aus sah, wie sich Menschengruppen in Richtung Normannenstraße bewegten, die Frankfurter Allee hinunter. Sie trugen teilweise Transparente, die mit ihrer klaren Sprache ausdrückten, dass die Stasi ihr Ende finden sollte. Um noch etwas klarer zu wissen, um was es dort geht, schaltete ich den RIAS ein. Da konnte ich sicher sein, dass ich schnell erfahre, um was es da geht. So war es auch. Da wollte ich natürlich dabei sein, das bietet Stoff für eine halbe Wahlkampfrede. Da ich bereits in Halberstadt und Magdeburg bei Mahnwachen vor den Stasidienststellen mit dabei war, ging ich nach draußen und mit. Von den Demonstranten lies ich mich mittreiben. Wir sammelten uns vor dem geschlossenen Haupttor der Stasizentrale in der Normannenstraße. Einige hielt ich damals für blauäugig. Sie mauerten am Eingang herum und wollten diesen zumauern. Mit einigen anderen zusammen versuchten wir den Maurern ihren Unsinn klar zu machen. Wir sollten die Stasi nicht mit einer Mauer vor der Öffentlichkeit schützen, sondern wir müssen dort hinein und denen zeigen, wie begrenzt ihre Macht noch ist. Die Maurer streckten ihre Waffen (Kelle und Mörtel), und wir drückten gegen das Haupttor. Was viele Demonstranten, so auch ich nicht wussten war, dass die Stasi einigen ausgewählten Oppositionellen gestattet hatte, die Stasizentrale zu besuchen. Diese Besucher bezeichneten sich selbst als Besetzer. Bei aller Wichtigkeit konnten die Stasivertreter mit diesem Häuflein Oppositioneller gut fertig werden. Bei denen hatten sie das Heft des Handelns noch in der Hand. Als dann von innen einige dieser Oppositionellen über das Tor schauten, und uns zur Ruhe und zum Abbruch unserer Demonstration aufrufen wollten. Da war mir und vielen anderen nicht klar, ob es sich wirklich um oppositionelle Besetzer handelte. Tritt die Stasi jetzt auch schon im Gewand der Opposition auf? Für mich war irrtümlich klar, wer aus dem verschlossenen Stasiinnenhof zu uns spricht gehört auch zu dem Verein. Ich riss einen Grasbüschel aus dem Rasen vor dem Riesenbau und warf ihn in Richtung des Sprechers, der von innen für Ruhe draußen sorgen wollte. Der war dann bald verschwunden und das Tor wurde geöffnet und wir gingen auf den Innenhof. Der Druck war erst mal raus. Aber die Gebäude waren überwiegend geschlossen. Ich war enttäuscht, dass ich nur in einen Bau hinein kam, in dem nichts wichtiges zu sehen war. Unterdessen erfuhr der Runde Tisch bei seinen Verhandlungen, was dort in der Normannenstraße im Gange war. Unsere oppositionelle Elite dort am Verhandlungstisch handelte mit Worten so, als könnten sie die oppositionellen Ströme in der DDR steuern. Aber an dem Tag und dort wurden sie eines besseren belehrt. Die Volkspolizei stellte Lautsprecherwagen und Mikro zur Verfügung und eine Frau rief zum friedlichen Abbruch der Demo auf. Das soll eine Oppositionelle sein? Wir waren unserem Ziel doch schon so nah. Später erfuhr ich, dass da wohl die Oppositionelle Frau Ulrike Poppe zu uns gesprochen haben soll. Viele Demonstranten, die dort dabei waren, schauten ängstlich. Angst vor dem Schild und Schwert der SED, der Staatssicherheit, kann man nicht so einfach von heute zu morgen ablegen. Das saß zu tief, Diese Leute brauchten dringend eine Aufmunterung in dem man klar machte, dass aus dieser Institution mittlerweile fast ein Papiertieger geworden war. Ich dachte so bei mir, wer soll diese Dynamik noch aufhalten. Die DDR-Staatsverhandler und auch die Oppositionsvertreter erkannten ihre Grenzen. Für uns in den neuen Parteien war das alles sehr wichtig. Ich konnte mir danach nicht mehr vorstellen, dass unter diesen allgemeinen Bedingungen, die DDR-Oberen noch einmal, wie bei den Kommunalwahlen, die Wahlergebnisse fälschen würden.

[Bearbeiten] 28 Die Volkskammer

In Vorbereitung der ersten freien Volkskammerwahlen fand erst einmal ein Klärungsprozess vor allem innerhalb der neuen Parteien statt. Es gab mehrere Sitzungen in unserer Partei der DSU. Die wichtigsten in Magdeburg. Hier hatte ich es plötzlich mit neuen DSU-Mitgliedern zu tun, die unbedingt und mit aller Macht die Spitzenkandidatur für unsere neue Partei anstrebten. Die Vorgehensweise einiger dieser Parteifreunde erinnerten mich an mein Verhör im VPKA Halberstadt. Es ist vor allem den Beratern aus Bayern, vor allem dem bestimmt und parteierfahrenen Henrik Ochsenkühn (heute Ansbach) und seinem Mitstreiter aus der CSU zu verdanken, die bei diesen Gesprächen anwesend waren und die ebenfalls so misstrauisch und vorsichtig waren wie ich, dass diese Leute ihr Ziel in die Volkskammer zu kommen, nicht erreicht haben. Diese Berater waren vom Bundesminister Spranger hervorragend auf ihre Tätigkeit in der DDR eingestellt worden. Später tauchten diese Magdeburger DSU-Parteifreunde wieder ab, so schnell, wie sie gekommen waren. Bereits hier konnte man davon ausgehen, dass in der frei gewählten Volkskammer auch einige solcher Mandatsträger anzutreffen seien. Die Volkskammerwahl fand nun am 18. März 1990 statt mit mir als sachsen-Anhaltischem Spitzenkandidat der DSU. Mit einem Parteifreund aus Halle wurden wir von den Wählern mit einem Mandat nach Berlin entsandt. In Berlin setzten wir uns als Fraktion erst einmal zusammen. Wir mussten uns als erstes kennen lernen. Als Koalition der Allianz für Deutschland, welche die Volkskammermehrheit hatte, hatten wir das Recht fachlich geeignete Personen für die Regierung zu stellen. Ohne die CDU, die größte Fraktion und ohne Lothar de Maiziére ging nichts. Ich bewarb mich auf Grund meiner Ausbildung und meines Mandats für den Posten des DDR-Bauministers. Es gab einiges Gerangel und Lothar de Maiziére setzte den Herrn Viehweger (Stasideckname, Jens Grabowski), der kein Volkskammermandat hatte, als Bauminister ein. In der Bauspezialausbildung, hatte er mir nichts voraus. Aber wie unser aller Stasiüberprüfung ergab, die wir mit Mehrheit beschlossen hatten, war ich als unbelasteter Bewerber ihm gegenüber im Nachteil. Bis heute ist mir diese Personalie, des vom Ministerpräsidenten aus dem Hut gezauberten Bauministers ein Rätzel geblieben. Zu denken, das bliebe unentdeckt, bewies seinen Mangel an Weitsicht. Da ich unruhig wurde und da ich das auch in der Fraktion kund tat, sollte ich mit der Berufung als parlamentarischer Staatssekretär in das Verkehrsministerium ruhig gestellt werden. In unserer Fraktion gab es dann zwei Minister und drei Staatssekretäre. Ich wundere mich heute noch, wie unkompliziert die Berufung unserer Minister Diestel und Ebeling über die Bühne zu gehen schien. Bald darauf verließen beide unsere Fraktion in Richtung Block-CDU (mit etwa 35 informellen Mitarbeitern der Staatssicherheit). Ich war dann als Parlamentarischer Staatssekretär für einige Zeit das einzige Bindeglied der DSU im Kabinett de Maiziére. Es war ein schmerzhafter Kompromiss zu dem unsere Freunde aus München uns und somit auch mich persönlich drängten, in einer Allianz für Deutschland mit der DDR-CDU zusammen eine so große Volkskammermehrheit zu schaffen, die garantierte, dass alle Gesetze, Verordnungen und Anpassungen an bundesdeutsches Recht, so schnell als möglich durch die Volkskammer beschlossen wurden, damit der Einigungsvertrag schon vorbereitet werden konnte. Davon hatte ich auf meinem Gebiet, dem Verkehrswesen, einiges zu erledigen. Zuerst lernte ich den Riesenapparat des Verkehrsministeriums in der Französischen Straße in Berlin zu handhaben und sein Fachpotential zu nutzen. Einigen älteren Mitarbeitern dort fiel es schwer, gegen ihre Überzeugung bei der Anpassung an die bundesdeutschen Bestimmungen und Regelungen mitzuhelfen. Irgendwie kann ich das auch verstehen. In der Staatsregierung der DDR tätig zu sein war ein Privileg, das nur besonders parteitreuen SED und Block Mitarbeitern vorbehalten war. Und nun kommen wir frei vom DDR Volk gewählten Abgeordnete und einige frei gewählte Minister daher und setzen uns an die Spitze ihrer Ministerien. Das war schwere Kost. Aber es ging doch. Obwohl sie immer wieder auf Tempo eingestellt werden mussten. Wer zögerte oder die kurzfristige Anpassung sehr vieler Gesetze und Verordnungen hintertrieb musste zurückgesetzt werden. Einmal in der Woche war Arbeitsberatung mit den Leitern der Reichsbahn, der Interflug und der Seeschifffahrt in meinem Beratungszimmer. Schließlich war ich deren oberstes Leitungsorgan, abgesehen vom Minister, der repräsentierte und der aber durch seine ehemalige Staatsnähe in seinem Handeln sehr eingeengt war. Das machte sich ein anderer Staatssekretär der CDU zu Nutze und bereitete mit Billigung des Verkehrsministers, der wahrscheinlich keine andere Wahl hatte, den bekannten Raststättendeal mit "Van der Falk" und anderen, noch in der DDR Endphase vor. Hinter meinem Rücken. Ich erfuhr erst später davon. Ich wurde mit parlamentarischer Arbeit so zu gedeckt, dass ich froh war, einmal Luft holen zu können. Klug eingefädelt. Mit den Leitungsorganen unseres Hauses hatte ich Gesetzesänderungen vorzubereiten, in der Volkskammer zu begründen und zur Abstimmung vorzuschlagen. Dazu waren die vielen hausinternen Arbeitsberatungen nötig. Ganz deutlich konnte ich dabei die Abneigung gegenüber der neuen DDR Führung spüren. Ausnahmslos alle dort Beteiligte waren jedoch so intelligent und diplomatisch geschult, dass es keinen Grund zur Klage gab. Alle machten mit, sicher mit der Faust in der Tasche. So schafften wir es in kurzer Zeit, wie Prof. Dr. Norbert Lammert bei einer späteren Würdigung der letzten Volkskammer sagte: „Über Nacht kam auf uns eine der Hauptrollen auf der Bühne der Weltpolitik zu. Die allermeisten traten über Nacht in eine Aufgabe ein, von der sie nur begrenzte Vorstellungen hatten.“ Das gilt auch für mich. Wenn es auch weniger Rhetorik-Talente in der freien Volkskammer gab, so machten wir doch vieles richtig und mit Tempo. Diskussionen, wie wir sie heute aus der Tagespolitik kennen, taktische Verschleppungen von Entscheidungen hatten in der 10. Volkskammer keinen Platz. Noch einmal möchte ich Dr. Norbert Lammert zitieren: „Die 10. Volkskammer ist nicht nur eines der fleißigsten, sondern auch eines der wirkungsmächtigen Parlamente der deutschen Demokratie und Parlamentarismusgeschichte gewesen.“ (Rede am 18. 03. 2010, Bundestag) Als die Volkskammertätigkeit am Tag der Einheit beendet war und wir uns damit selbst überflüssig gemacht hatten, wurde ich vom damaligen Bundesverkehrsminister Zimmermann mit salbigen Worten und einem Nelkenstrauß entlassen und habe ihn nie wieder gesehen und nichts mehr von ihm gehört. Ich war jetzt also arbeitslos. Kein Dank, keine Frage wie es denn weitergehen kann. Nun sagte ich das zwei Freunden aus der Volkskammer, die schon länger in Sachsen-Anhalt hohe Ämter bekleideten. Gerd Gies und Herrn Braun, dem späteren Innenminister in Sachsen-Anhalt. Beide fanden diese Entlassung ohne Perspektive in Berlin nicht gut und ich bekam eine Stelle im Innenministerium im Fachbereich Bauaufsicht in der Sacharbeit Prüfingenieure für Standsicherheit.

Anmerkung Stasibelastungen in der 10. Volkskammer

Von den 400 Abgeordneten und Ministern des DDR Parlamentes waren 67 Abgeordnete und Minister im Verdacht einer Mitarbeit im Ministerium für Staatssicherheit.

Bei 22 Abgeordneten waren die Stasi-Akten verschwunden.

9 DDR-CDU Abgeordnete verweigerten die Akteneinsicht und setzten sich damit bis heute durch.

3 Stasi belastete Minister der 10. Volkskammer mussten zurücktreten. Darunter war Bauminister Viehweger, der nach meiner Bewerbung für dieses Ministeramt von Lothar de Maiziere vorgezogen wurde.

15 Fälle erhielten die Empfehlung der sofortigen Amtsniederlegung.

Einige Politiker dieses letzten DDR-Parlaments, mit Einfluss in ihren Heimatbezirken, setzten durch, dass ihre Akten dort vernichtet wurden.

Das die Dunkelziffer der belasteten Abgeordneten der 10. Volkskammer höher war, als die später aufgedeckten Fälle, belegt die böse und verbitterte Äußerung des unter hohem Stasibelastungsdruck ausscheidenden Bauministers Viehweger.

Er sagte sinngemäß, kurz vor seinem Ausscheiden: ,,Ich gratuliere all denen, die sich in der Volkskammer eine weiße Weste organisiert haben.´´

Es waren also etwa 19 bis 20 % der Abgeordneten und Minister der letzten frei gewählten DDR Volkskammer Stasi-belastet. Dazu kamen eine erhebliche Anzahl von Abgeordneten, welche zu DDR Zeiten durch verschiedene Aktivitäten ihre Staatsnähe bekundet hatten.

In diesem Parlament als unbelasteter Abgeordneter ein hohes Amt zu erreichen kostete erhebliche Kraft. Es haben aber einige geschafft. Bei mir war es die Katholische Kirche, die mit ihrer ganzen Kraft im Hintergrund dazu beigetragen hat.--Manfred Dott 18:21, 27. Feb. 2012 (CET) --Manfred Dott 21:47, 26. Feb. 2012 (CET)https://youtu.be/7Mytv0AVTQY

[Bearbeiten] 29 Nach dem Tag der Einheit

Nach meiner Entlassung als Staatssekretär in Berlin, von einem Tag zum anderen, wurde ich auf Wunsch unserer Freunde aus Bayern, auch im DSU-Vorsitz in Sachsen- Anhalt, durch den Prinzen Eduard von Anhalt abgelöst. Das wurde natürlich von der Tagespresse in Sachsen-Anhalt unterstützt. Die Tageszeitung “Volksstimme” fand das toll. Besser und schneller konnte man diese, im Osten durch die vielen Ehemaligen unerwünschte, unbelastete, konservative Partei der Mitte, nicht los werden. Die Installierung des Adligen an der Spitze der DSU in Sachsen-Anhalt und im Präsidium dieser Partei in den neuen Bundesländern war eine nicht wieder gut zu machende Fehleinschätzung der Menschen in Mitteldeutschland und ihrem Wahlverhalten. Die Leute die gerade dabei waren, aus ihrem sozialistischen Dornröschenschlaf und aus dem mit undurchdringlichem Heckenvorhang umgebenen Gruselschloss zu erwachen, wollten sich doch möglichst alle in dieser neuen Zeit schadlos wieder finden. Nun wurde ich in Sachsen-Anhalt an der Spitze der DSU durch diesen Prinzen, mit seinen netten Grübchen, ersetzt. Viele ostdeutsche Bürger dachten sicher schon daran, was mit ihnen geschieht, wenn diese Partei zu stark wird. Somit wandten sich viele Wähler von dieser Partei ab und gingen zu ihrer ehemaligen Blockpartei CDU. Diese hatte viele Funktionäre des ehemaligen Blocks der Nationalen Front der DDR in ihren Führungspositionen belassen. Da fühlten sich viele Ehemalige erheblich sicherer. Ich hätte mir so sehr eine unbelastete konservative Partei der Mitte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gewünscht. Das war für mich eine neue Lehre. Einen Volkskammer-Staatssekretär mit DDR-Geschichte mit einem Ruck durch einen freundlichen, aus dem Westen kommenden Adligen zu ersetzen war mindestens drei Treppenstufen zu viel auf einmal. So weh mir das tat. Das hat die CDU geschickter gemacht. Sie hat die Block-CDU integriert und unter Hinwegsehen der vielen DDR-Verdienste ihrer neuen Führungsriege dort, diese zu einem großen Teil in Führungspositionen belassen, neu installiert oder nur geringfügig zurückgestuft. Dadurch fühlten sich sehr viele ehemalige DDR Bürger sicherer, weil sie sich früher, irgendwie einmal mit der DDR abgefunden hatten. Auch waren manche ängstlich wegen einer Phase der Zustimmung zur DDR und deren Aufdeckung in ihrer persönlichen Biografie. Dadurch waren diese Menschen, es waren viele, motiviert, die Ost-CDU zu wählen. Wenn auch holprig, so war das doch richtiger, als die Parteispitze mit einem Westprinzen zu besetzen, auch wenn er von Anhalt hieß. Nachdem die Protektionisten des Prinzen und er selbst, das erkannt hatten, war dieser schneller wieder weg, als er in das Parteienspektrum Mitteldeutschlands gekommen war. Dieser Schaden war nicht wieder gut zu machen. Die vorsichtig und verdeckt arbeitenden linken neuen (alten) Ostjournalisten der Tagespresse, hatten mal wieder ganze Arbeit geleistet. Was kann man da ändern? Wenig. Das ist bis heute so, trotz der übergestülpten westlichen Verlagshäuser. Die Politik machen die vielen kleinen Zahnräder im großen Uhrwerk der Zeitungen. Das können die Verlagshäuser zwar etwas beeinflussen, aber ganz ändern können sie das nicht. Die deutsche Einigungsgeschichte soll aber auch über diese Fakten nicht hinweg gehen, denn die Wende ist immer noch nicht ganz abgeschlossen.

Zu dieser Zeit warf ich all meine Blockparteibedenken über Bord und wollte in die CDU eintreten. Der damalige CDU-Kreisvorsitzende in Halberstadt (noch 1990) sagte mir, er würde dafür sorgen, dass ich nie in die CDU aufgenommen würde, da ich zu DDR-Zeiten die Mitgliedschaft in der Block-CDU bereits einmal abgelehnt hätte. Da der Einfluss dieses Kreisvorsitzenden nicht bis nach Berlin reichte, wurde ich dort nach Fürsprache meines ehemaligen Chefs Minister Gibtner in die CDU aufgenommen und dann später dem CDU-Kreisverband Wernigerode (Nachbarkreis von Halberstadt) als Mitglied überstellt. Ein eisiges Klima empfing mich dort. Das war noch nicht die politische Umgebung, die ich mir so vorstellte. Weitgehende Isolierung, auch unter einigen christlichen Altmitgliedern, die ihren Parteieinfluss ungeschmälert mit in die neue CDU hinüberretten konnten und teilweise große Parteikarrieren machten. Nachdem ich mich in meiner kleinen Gemeinde und im Harz kommunalpolitisch einbringen wollte, wurde ich von so genannten "CDU Parteifreunden" ausgebremst. Mein Fehler war, dass ich danach aus der CDU ausgetreten bin. Das bereute ich bald darauf. Kann man doch Veränderungen eher von innen als von außen bewirken. Also stellte ich 2007 erneut den Antrag im Harzkreis, in die CDU aufgenommen zu werden bzw. meine Mitgliedschaft wieder aufleben zu lassen. Nach der kürzlichen Ablehnung meines Antrages durch den Kreisvorstand stelle ich fest, die Reihen der CDU in Halberstadt, Harzkreis sind weiterhin fest geschlossen. Nach meiner Bitte an die CDU in ihrem Internetportal, mir bei der CDU-Aufnahme behilflich zu sein, bekam ich durch den jetzigen CDU-Kreisvorsitzenden im Harzkreis, Herrn Thomas, eine Einladung zur Anhörung in einer Kreisvorstandssitzung in Wernigerode bei Halberstadt. Dort sollte ich meine Gründe für mein Wiederaufnahmebegehren darlegen. Nach einer Redezeit von knapp 10 Minuten wurde ich ohne Nachfrage wieder weggeschickt. Nach meiner Meinung stand das Ergebnis bereits vorher fest. Es musste aber noch die Anhörung abgehakt werden.

Ich muss zugeben: In der DDR-Antikommunist gewesen zu sein, Ausreiseanträge gestellt zu haben, die CDU-Mitgliedschaft zu DDR-Zeiten abgelehnt zu haben, im „Neuen Forum“ mit bei den Mahnwachen vor der Staatssicherheit gestanden zu haben, während noch viele andere sich erstmal abwartend geduckt verhielten, in der Volkskammer für die, mit Bayerischer Unterstützung gegründete DSU gewesen zu sein, das alles sind in Halberstadt nach meiner Meinung scheinbar die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, um in die CDU im Harzkreis bzw. Sachsen-Anhalt aufgenommen zu werden.

[Bearbeiten] 30 Es ist erreicht

Sei es wie es sei, dass DDR-System ist Geschichte, und dabei habe ich mit einem entscheidenden Anteil erst in der Systemopposition und dann in Berlin in hoher Verantwortung beigetragen. Schmerzlich war mein Weg mitunter bis zu diesem Ziel. Die Lehre aus meinem Werdegang ist, man sollte nicht nur aus Erfahrung lernen.

Die Freiheit, grundsätzlich alles zu tun oder zu lassen, was man will, wobei die materiellen Möglichkeiten und verantwortungsvolles, selbstbestimmtes Handeln die natürlichen Grenzen sind. Aus eigenem Willen Entscheidungen zu fällen und in Demokratie eine echte Wahl seiner politischen Führung zu haben. Wie das im Grundgesetz vorgesehen ist und wie es durch den Schutz eines Staates in Demokratie gewährleistet werden soll, ist die denkbar bessere Lebensalternative.

Das ist das Gegenteil der DDR-Definition der Freiheit, als "Einsicht in die Notwendigkeit" mit welcher unter anderem der ganze Unterdrückungsapparat der DDR-Diktatur gerechtfertigt wurde.
Manfred Dott
Foto: Sept. 2012, aus Privatbesitz M. Dott

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Es folgt der zweite Teil]]


Nach dem Tag der Einheit. Schweres Erbe

[Bearbeiten] 31 Nach der Auflösung der DDR Volkskammer

Nachdem die DDR ihr, von vielen Menschen und auch Politikern aus Ost und West herbei gesehntes Ende gefunden hatte, verteilten sich die aus Berlin kommenden Volkskammerabgeordneten und Regierungsmitglieder wieder in ihre Heimatbezirke. Dort waren natürlich diejenigen im Vorteil, die zu DDR-Zeiten bereits im Staatsdienst beziehungsweise mit hohen staatlichen Aufgaben betraut waren. Sie konnten ihre unterbrochenen Tätigkeiten wieder aufnehmen. Sie waren also abgesichert, weil sie in Parteien, Organisationen und Betrieben vertraglich weiter eingebunden waren. Viele von uns Ostpolitikern hatten eine gut funktionierende Lobby in ihren Heimatbezirken. Das waren überwiegend CDU-Block-Mitglieder und Mitglieder aus alten Parteien. Für die neu geschaffenen Parteien traf das weniger zu. Einige von uns wurden in den neuen Bundesländern, Ministerpräsidenten oder Minister in ihren neuen Verwaltungsgebilden. Mittlerweile scharrten aber die Ehemaligen, es waren sehr viele, aus SED/PDS und Block mit ihren Füßen, sie wollten und waren ganz vorne mit dabei, gestützt von dem sichtbaren und jetzt weniger koordiniert arbeitenden, unsichtbaren Apparat. Es galt hinein zu kommen in den Medienapparat bei Funk und Presse. Erst einmal das Vakuum füllen, damit die falschen Leute nicht auf diese für sie und ihre Zukunft so wichtigen Stellen gelangen können. Viele Redakteure, die zu DDR Zeiten für die roten Betriebszeitungen verantwortlich waren, wurden plötzlich Lokalredakteure der Presse. Von oben bequem zu handhaben. Erst einmal festsetzen und dann weiter sehen, war die Devise. Einen Abklatsch von dem zu erwartenden bekamen wir unmittelbar nach der Deutschen Einheit. Viele Minister und Ministerpräsidenten mussten nach kurzer Amtszeit ihre Ämter wieder verlassen. Herauszugreifen die ersten Ost-Ministerpräsidenten nach 1990 zum Beispiel der Ministerpräsident von Mecklenburg Vorpommern Alfred Gomolka, CDU regierte nur 19 Monate, der erste Ministerpräsident nach 1990 von Thüringen, Bernhard Duchac regierte nur 16 Monate. Der Westimport Biedenkopf CDU hielt es in Sachsen doch über 11 Jahre aus. In Sachsen Anhalt wurde Gerd Gies, CDU 1990 erster Nachwende - Ministerpräsident. Er trat nach etwas über 8 Monaten Regierungszeit zurück. Die Gründe für die Rücktritte können im Internet eingesehen werden. Wenn ich mir einige dieser Rücktrittsgründe ansehe, dann kann ich nicht verstehen, dass hohe Politiker des heutigen Deutschland mit ganz anderen Rücktrittsgründen erfolgreich an ihren Stühlen kleben bleiben. Aber es war nun mal so in den Wirren des Neuaufbaues der Verwaltungsstrukturen in den neuen Bundesländern. In diese Zeit kam ich ohne Arbeit aus Berlin wieder in Sachsen-Anhalt an.


[Bearbeiten] 32 Manfred Dott aus Sicht der Stiftung Aufarbeitung

http://www.deutsche-einheit-1990.de/ministerien/mfv/staatssekretaere/

[Bearbeiten] 33 Das neue Recht

Der spätere Ministerpräsident Gert Gies, CDU und der spätere Innenminister Braun, CDU kamen ebenfalls aus der 10. Volkskammer. Sie kannten meine unschöne Entlassung durch den damaligen Bundesverkehrsminister Zimmermann (CSU). Gerd Gies verwies mich an den Administrator der Bezirksverwaltungsbehörde und späteren Innenminister Wolfgang Braun und der stellte mich in der Bezirksverwaltungsbehörde auf Grund meines Hochbaustudiums in der Bauaufsicht seines Innenressorts ein. Wolfgang Braun bat um Verständnis, dass ich nicht auf der Besitzstandsregel bestehen soll und stellte mich schriftlich mit Arbeitsvertrag am 15. 10. 1990 ein, Gehaltsgruppe G 16, unterschrieben von W. Braun und dem Personalchef Levi. Mittlerweile wurde aus der Bezirksverwaltungsbehörde die Landesregierung Sachsen-Anhalt. Also arbeitete ich im Innenministerium in der Halberstädter Straße in Magdeburg. Mein Arbeitsvertrag war befristet und wurde nach Ablauf der Frist umgewandelt. Ich war froh, dass es in Sachsen-Anhalt Gerd Gies und Wolfgang Braun in verantwortlichen Positionen gab. Mittlerweile war aber durch einige Vorkommnisse der Innenminister Braun und sein Personalchef Levi, durch Begebenheiten in Frankfurt am Main und andere Personalien sehr angeschlagen. Das wurde erheblich durch die Tagespresse überdehnt. Dabei spielte ein politisches Wochenmagazin aus dem Westen eine entscheidende Rolle. Helfer für diesen Akt fanden sich im Osten genug. Da waren sie wieder, die verschollen geglaubten von ehemals. Von beiden, Gies und Braun konnte ich keine Hilfe mehr erwarten. Sie kämpften selbst um ihr politisches Überleben. Nun lernte ich erstmals Lebenszeitbeamte aus dem Westen kennen, die uns beibringen sollten und wollten wie Verwaltung funktioniert. Sie kamen in Scharen und wurden gelockt mit ganzen Laufbahnsptüngen vom gehobenen in den höheren Dienst mit Buschzulage und Umzugserleichterungen. In der Bundesrepublik hatten viele von ihnen in ihren jetzigen, neuen Funktionen, selbst noch nicht gearbeitet. Wie abfällig von einigen Westimporten über unsere Minister gesprochen wurde, spottet jeder Beschreibung. Einer der Spitzenlästerer war ein Abteilungsleiter Namens Lauer (Name verfremdet Datenschutz). Ich lernte so die Worte Frühstücksdirektor, Ost-Doktor, Hühnerhof-Ministerin und anderes kennen. Aber selbstbewusst waren sie. In Gewicht ausgedrückt zentnerschwer. Sie Lebenszeitbeamte und wir um Verbeamtung bittende Ostangestellte. Unser neuer Personalchef Schreider aus dem Westen kommend (Name verfremdet, noch im Amt), bestellte mich zu sich, um mit mir den weiteren beruflichen Werdegang zu besprechen. Mittlerweile hatte ich einen weiteren Vertrag vom Staatssekretär Professor Dr. Mayer, Ministerium für Raumordnung Städtebau und Wohnungswesen des Landes Sachsen Anhalt, zu dem meine ganze Abteilung im Strukturwandel eingegliedert wurde, mit der Einstufung BAT 3 bekommen. Datum 01. 10. 1991 . Das Gespräch fand folgendermaßen statt. Herr Schreider: „Herr Dott sie können verbeamtet werden, erstmal auf Zeit und dann auf Lebenszeit“ .Wenn sie wünschen, können sie auch Angestellter bleiben“ sagte er. „Wenn ich das wählen kann, dann möchte ich schon gerne Beamter werden.“ „Wir müssen aber einen neuen Arbeitsvertrag machen. Sie werden nach einer Übergangszeit Amtmann.“ Dass ich zusammenzuckte, merkte Herr Schreider nicht. War ich vor kurzem noch Staatssekretär und zweiter Dienstherr im Berliner Verkehrsministerium mit tausenden Mitarbeitern im Haus und den nachgeordneten Bereichen. Und jetzt das. Ganz zaghaft brachte ich die Besitzstandsregel in die Diskussion. Auch meine neuen Arbeitsverträge legte ich vor. "Die können sie wieder einstecken, die sind auch in meiner Akte. Auf den Minister Braun berufen sie sich besser nicht mehr. Minister kommen und gehen aber wir Beamte bleiben bestehen.", sagte er. Durch diese Machtdemonstration lernte ich, was praktiziertes Verwaltungsunrecht ist. Ich entschied mich aber für den Spatz in der Hand und erhielt einen unbefristeten Arbeitsvertrag von diesem Herrn Schreider und den gehobenen Laufbahneinstieg. In der Zeit der Probeverbeamtung habe ich mich nicht getraut, gegen diese Erpressung vorzugehen. So wurde dann ein Lebenszeitbeamter aus mir. Bei diesen zugezogenen Westbeamten hätte ich auch dabei sein können, wenn ich in Koblenz, der Stadt meines ersten Lebensabschnitts, geblieben wäre und nicht in der DDR-Regierung an der Einigung unseres Vaterlandes mitgewirkt hätte. Es war aber anders herum. Ich stellte und stelle mir immer noch die Frage, wärst du vielleicht auch so gewesen wie ein Teil dieser West-Verwaltungsleute, mit denen ich meine ersten ostberuflichen Nachwendeerfahrungen machen musste. Eindeutig nein. Mein nicht abhanden gekommener Gerechtigkeitssinn und meine, bitter erworbene, konservative Einstellung, welche die Mitmenschen nicht vergisst, hätten mich auf jeden Fall daran gehindert. Sicher wäre ich so gewesen, wie ein Teil der Verwaltungsfachleute aus dem Westen, mit denen ich sehr gute Erfahrungen machen durfte. Es wäre auch nicht richtig, jetzt alle Verwaltungsmitarbeiter aus den alten Bundesländern, die nach der Wende in den Osten gekommen sind, über einen Kamm zu scheren. In meinem Verwaltungsumfeld möchte ich zwei Personen hervor heben, die für den Teil der Verwaltungshilfen stehen, die integrativ und mit sauberem Charakter und ihrer sittlichen Wesensart neben ihrer Verwaltungstätigkeit, auch viel für das Miteinander der Verwaltungsfachkräfte und der Menschen aus Ost und West getan haben. Das ist Herr Gerd Rüffer, Osnabrück, und Herr Staatssekretär Dr. H. J. Gottschalk, die für viele stehen, die gekommen waren und die mit 4 Sternen ausgezeichnet werden sollten. Aber die anderen waren lauter und machtbewusster. Sie riefen bei eigenen Beförderungen lieber dreimal hier, als einmal zu wenig. Diese Helfer bremsten und bremsen das Zusammenwachsen der beiden Verwaltungsseiten. Aber auch das wird sich auswachsen. Meine Freude über die Einheit Deutschlands nimmt dadurch keinen Schaden. Zu dieser Zeit wechselten in kurzen Zeitabständen die Ministerpräsidenten in Sachsen Anhalt ab. Nach Gerd Gies kam Werner Münch, dann Christoph Bergner. Bei all diesen Wechseln war die Tagespresse mit dabei. Persönliche Schwachstellen finden, aufzudecken, auszubreiten und zu überdehnen.

[Bearbeiten] 34 Die schöne Monice und (das) der Minister

Als im Juli 1994 der SPD Ministerpräsident Höppner in Sachsen-Anhalt an die Macht kam, der anders als die Ministerpräsidenten vor ihm, keine Parlamentsmehrheit hatte und der mit den Stimmen der SPD und der PDS die Regierung antrat, beruhigte sich das Ganze nach einem lauten aber relativ kurzen Wehgeschrei der Presse, weil er sich von der PDS tolerieren ließ. Das schadete aber so kurz nach Amtsantritt nicht wirklich. Das war die Sicht von außen. Vom durchschnittlichen Volksstimme Leser aus. Ich bekam das aber von innen in den Ministerien mit. Wie in anderen Ressorts auch, wechselte auch in unserem Haus die politische Spitze. Ich war inzwischen zum Personalratsvorsitzenden diese Ministeriums gewählt worden. Mit dem Dienstantritt von Höppner ging oder musste auch Dr. Daehre als politischer Spitzenbeamter das Ministerium für Raumordnung, Städtebau und Wohnungswesen verlassen. Seine Personalien, die ich als Personalratsvorsitzender mitgetragen habe, waren aus meiner damaligen und heutigen Sicht in Ordnung. Nun kam aber durch die Regierung Höppner auch ein neuer Minister in unser Haus. Minister Jürgen Heyer SPD. Heyer war anfangs um einen Vertrauenseinstieg beim Personal bemüht. Er pflegte auch mit mir, dem parteilosen Personalratsvorsitzenden ein gutes Verhältnis. Auch ich vertraute ihm. Vor dem ersten Betriebsausflug unseres Ministeriums, in seiner Dienstzeit, fragte er mich: "Herr Dott, wo fahren wir denn hin." Ich sagte: "Wenn Sie mich schon fragen, dann legen wir jetzt mal fest, das wir nach Altenbrak im Harz fahren. In Altenbrak wohne ich in wunderschöner Landschaft im Bodetal. Ich reserviere die Gaststätte “Zur Schöneburg” 50 m von meinem Wohnhaus entfernt. Die müssen an diesem Tag geschlossen halten sonst passen wir da nicht alle hinein. Ich mache das schon” sagte ich. Heyer sagte: ”Und ich bringe das jetzt unter die Leute hier im Ministerium“. Der Termin wurde festgelegt und wir fuhren nach Altenbrak. Die Gaststätte konnte die Gäste kaum fassen. Hier konnte ich mir die schöne Monise Bayar, seine Pressereferentin, mal aus der Nähe ansehen. Es gibt schöne junge Frauen. Die eine hat ein schönes Gesicht. Die andere hat eine schöne Figur. Monise Bayar hatte beides zusammen. Sie war schlank, schmal und gelenkig. Das weis ich, weil sich in der Gaststätte Schöneburg Monise im Schneidersitz auf einen Barhocker setzte. So etwas habe ich vorher und nachher nie wieder gesehen. Eine Artistennummer. Da zu dieser Zeit hinter der hohlen Hand innerhalb des Hauses schon kräftig getuschelt wurde, mussten Männer, die es sich mit dem Minister nicht verderben wollten, sich mit Blicken zurückhalten. Um das Bild von Monise Bayar anschaulich zu machen, sie erinnerte mich an das Model Twiggy aus England und auch an meine Internatsbekanntschaft 1970 im Ostberliner Studenteninternat. Aber dazwischen lagen viele Jahre. Wie das in der Politik mal so ist, kam das auch an die Öffentlichkeit. Dem Minister Heyer wurde vorgeworfen, er habe einer Mitarbeiterin seines Ministeriums aus privaten Gründen Vorteile verschafft. Der Minister damals dazu: “Ich habe nichts zu verbergen” Der Ministerpräsident Höppner stärkte Heyer den Rücken, es gebe keinen Rücktrittsgrund für seinen Minister. Die CDU Opposition vermutete mehr. Aus meiner damaligen Sicht vorsichtig formuliert, dafür sprach einiges. Die rasche Beförderung von Monise Bayar hatte schon etwas anrüchiges. Es gab einen durch die CDU beantragten Untersuchungsausschuss. Dort wurde ich als PR-Vorsitzender befragt, ob ich die Personalie Bayar in ihrem Verlauf so mitgetragen hätte. Ich bejahte das und bestätigte die Ordnungsmäßigkeit der Beförderungen von Monise Bayar. Wonach ich dort aber nicht gefragt wurde war, ob ich von Minister Heyer unter Druck gesetzt worden war und ob es Vorbereitungsgespräche gegeben habe. Die treffendste Charakterisierung von Minister Heyer war damals, kurz nach seinem Rücktritt, in der BZ zu lesen. Die BZ schrieb unter anderem damals sinngemäß. Detlef Gürth: wir waren nicht die einzigen, die damals über den Rücktritt von Heyer froh waren. Damit, so die BZ meinte er die Leute auf den Fluren. Die machten sich schon seit einiger Zeit Sorgen, dass Heyer privates und dienstliches nicht ausreichend zu trennen weis. Gürth weiter: Außerdem sei Heyer ein schwieriger Typ und benehme sich in seinem Amt oft nicht angemessen genug. Ich füge aus meiner Sicht hinzu, Heyer konnte cholerisch toben, wenn es nicht nach seinem Willen ging. Zweimal hatte ich das erfahren müssen, bevor er mich aus meinem Personalratsamt hinaus gemobbt hatte. Die Partei PDS in Sachsen- Anhalt hielt sich weitgehend aus dieser Diskussion heraus. Ein Fraktionssprecher der PDS, T. Drzisga : “ Persönliche Diffamierung sei ein untaugliches Mittel der Politik. Sachliche Differenzen mit Heyer müssten auch sachlich behandelt werden. Zu den Vorwürfen der CDU sagte er, da müsse Heyer schon selbst durch. Ja, Herr Drzisga, Sie waren nicht in der Nähe des Geschehens und urteilen trotzdem. Ich nenne so etwas Doppelmoral. Die Rolle der PDS bei den reihenweisen Ablösungen der CDU Ministerpräsidenten, war ja schon vergessen. So kurzlebig ist die politische Zeit. Jedenfalls hatte die Presse ihren Skandal und Höppner thronte in Ruhe über allem. Mir kam es damals und auch heute noch so vor, als gäbe es einen Deal zwischen Höppner und der PDS. “ Wir sorgen für Ruhe und du lässt unsere Leute in den Verwaltungen in Frieden und gibst ihnen Perspektiven.” Ich kann mich auch irren. Zwischenzeitlich war ich in unserem Ortsgebilde Altenbrak Wendefurth und Almsfeld ehrenamtlicher Bürgermeister geworden und hatte in Altenbrak das Harzfest mit zu organisieren. Das Fest fand statt. Höppner kam mit Delegation und machte einen Rundgang. Obwohl wir uns in der Volkskammer oft als Abgeordnete und ich zusätzlich als Staatssekretär begegnet waren, kannte er mich nicht mehr. Nicht schlimm. Darauf kann man auch verzichten. Dafür kannte er Kukki um so besser. An seinem Erbsensuppenstand machte er längeren Halt. Dort wurden DDR Kampflieder gesungen. Ich musste leider mit dabei sein. Ich dachte so bei mir, Herr Pfarrer wie weit gehen sie noch, um Ihre Macht zu sichern. Sie sollten sich an Pfarrer Gauck ein Beispiel nehmen.


[Bearbeiten] 35 Wendespuren im Alltag

Wo Sind die Unterstützer des ehemaligen DDR-Regimes abgeblieben ?

Wo die Betriebsparteisekretäre der SED? Wo die vielen damals hauptamtlichen Redakteure der Sozialistischen Betriebszeitungen? Wo die vielen Amtsträger aus den DDR Bezirks -Kreis und Stadträten? Wo die Beschäftigten der Staatssicherheit? Wo die vielen informellen Mitarbeiter der Staatssicherheit?

Da ich immer noch in dem Landkreis wohne, in dem ich meine vielen DDR Erlebnisse hatte und für den ich in der 10. Volkskammer war, also im Harzkreis, versuche ich zu diesen Fragen eine relativ gute Auskunft zu geben . Zuerst möchte ich nach Gesprächen, Veröffentlichungen, Internetrecherchen und eigenen Erfahrungen die Frage beantworten ,,Wie wurde man Informeller Mitarbeiter der Stasi, vorausgesetzt man passte in das Rekrutierungsmuster der Staatssicherheit, möglichst keine Westkontakte und möglichst eine Vorlaufzeit von etwa zwei Jahren.

Parteisekretäre, FDJ Funktionäre, und viele Hauptamtlichen, waren wenig geeignet für eine effektive Spitzelarbeit, weil sie ihre Überzeugung wie ein Bauchschild vor sich her trugen und dadurch die Menschen ihnen gegenüber besonders vorsichtig waren. Die ergiebigsten IMs waren jene, denen man das durch ihre äußere scheinbar neutrale Haltung am wenigsten zutraute. Da waren:

1. Die Überzeugten, die es als eine Auszeichnung betrachteten, dem DDR-Regime in einer IM-Tätigkeit dienen zu dürfen.

2. Die Erpressten. Das waren Ehepartner, die durch einen One-Night-Stand oder durch eine heimliche Fremdbeziehung belastet waren, und die ihre Ehe nicht gefährden wollten. Wenn die Stasi das erfuhr, hatte sie leichtes Spiel.

3. Die Opportunisten. Das waren viele, die sich von einer IM Tätigkeit eine schnellere und bessere Berufskarriere erhofften. Dafür spitzelten sie im Freundeskreis, der eigenen Familie und bei Zielpersonen, die vorgegeben wurden.

4. Die Familienmenschen. Das waren Eltern, sehr oft Angehörige der Intelligenz, deren Kinder durch ihre Herkunft benachteiligt waren (Vorrang der Arbeiterkinder) bei der Bewerbung zur EOS (erweiterte Oberschule) und zu einem Studienplatz. Sie unterschrieben ihre Verpflichtung, um ihren Kindern eine Perspektive zu geben. Diese IMs Filterten ihre Berichte oft so stark, dass sie weniger gefährlich waren.

5. Die besonderen Sportfunktionäre. Wenn sie in Sportdisziplinen eingebunden waren, bei denen Auslandseinsätze nicht ausgeschlossen werden konnte oder wenn sie Insiderwissen über DDR-Dopingpraktiken hatten.

6. Die Widerstandsausspäher. Durch die 10. und letzte DDR-Volkskammer wissen wir, dass auch in Widerstandsgruppen bis hin in die neuen Parteien hinein gespitzelt und zugetragen wurde. Zu nennen ist hier ein prominentes Beispiel: der Stasispitzel Wolfgang Schnur im Demokratischen Aufbruch (DA), der fast Ministerpräsident geworden wäre.

7. Die Ausreisebeobachter. Besonders schmutzig war die Spitzeltätigkeit in diesem Bereich. Diese IMS hatten einen besonders üblen Charakter weil sie oft, um besser beobachten zu können selbst einen Ausreiseantrag stellten oder vorgaben einen solchen gestellt zu haben.

So und noch aus weiteren Gründen rekrutierte sich das große Heer der Stasizuträger in der DDR. Was ist aus ihnen geworden? Was machen sie heute? Einige sind gleich nach der Wende in den Westen gegangen, wo sie niemand kannte. Dort waren sie fremd und die Unternehmen dort fordern Leistung und weniger saubere DDR-Geschichte.

Einige besonders clevere gingen nach der Wende in den Westen. Dort in den öffentlichen Dienst in einer unteren, weniger interessanten Laufbahn. Nach wenigen Jahren meldeten sie sich zum Eisatz und zum Aufbau der Verwaltungen im Osten. Sie kamen als Wessis zurück, wurden dafür befördert erhielten Buschzulagen und 100% Westgehalt. Mir sind aus meiner Verwaltungstätigkeit zwei solcher Fälle bekannt. Alles in allem, sie sind untergetaucht und vergleichbar sehr gut davon gekommen.

Was sollten wir nun mit ihnen machen? Meinem christlichen Menschenbild entspricht es nicht, alle diese Menschen, denen ihre DDR Geschichte teilweise leid tut, auf ewig zu verfolgen. Haben wir es doch in den ehemaligen Blockparteien täglich noch mit einigen von ihnen zu tun. Vergessen wir es nicht, aber ziehen wir einen Schlussstrich. Nicht vergessen sollten wir es jedoch denjenigen, die mit ihrem gut getarnten Hass, heute immer noch gegen die Zugpferde der Einheit Deutschlands zu Felde ziehen. Es gibt sie noch. Damit meine ich aber nicht linke Gruppen, die offen zu ihrer Überzeugung stehen. Ich meine die scheinbar neutralen, denen man erst beim dritten Hinsehen anmerkt wo sie stehen und wer sie sind.


An dieser Stelle möchte ich mit meiner Biografie fortfahren und meine Nachwendeerlebnisse außerhalb meiner Berufstätigkeit im Magdeburger Ministerium schildern. Als ich aus der Volkskammer und damit aus Berlin nach Halberstadt und wenig später nach Altenbrak im schönen Harz zurückkam, lernte ich Lokalredakteure der hiesigen Tagespresse kennen. Das waren und sind Durchschnittsredakteure, wie es sie im Osten zu hunderten gibt. Oft sind es Redakteure mit beruflichen Vorkenntnissen aus der DDR-Zeit. In meinem Fall lernte ich einen Herrn Walkner und einen Herrn Scheelhose kennen. Beide aus Blankenburg am Harz. Diese Redakteure fielen regelrecht über mich her. Jeweils einzeln versprachen sie mir, durch ihre Presseberichterstattung mich im Harzgebiet aufzubauen. Ich fand das gut und versprach ihnen, wenn dadurch eine Möglichkeit entstehen sollte, dass ich sie entsprechend mit einem Job einbauen würde. Kurzzeitig jubelten sie mich hoch und ich wurde Bürgermeister in meiner kleinen Gemeinde. Danach auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der VG Hasselfelde. Herr Scheelhose zog sich dann mehr und mehr in sein Wernigeröder Pressebüro zurück und ich verlor ihn aus den Augen. Ich hatte es nun nur noch mit dem Lokalredakteur Walkner zu tun. Wenn wir uns unterhielten konnte ich schon heraus hören, wo er politisch stand. Er fragte mich dann auch einmal ob ich nicht mitmachen wolle mit Herrn Tom Schmatz von der Linken unseren Landrat so anzugreifen, dass seine Wiederwahl vielleicht in Frage stehen könne. Er müsse natürlich aufpassen, dass alles was er schreibt durch den politischen Filter seiner Zeitung passt. Er mache das schon so, dass es durchgeht. Steter Tropfen höhlt den Stein. Positives übergehen und negatives über seiner Zielperson auswalzen ist eine Möglichkeit der weniger auffälligen Pressearbeit, die letztlich auch zum Ziel führen kann. Als Walkner merkte, dass ich da nicht so richtig mitmachen wollte, wie er sich das vorstellte, nahm er auch mich ins Visier. Aus meiner Biografie mit der ich offener, als Walkner mit seinem Lebenslauf, umgehe, kann man alles Mögliche belegen, wenn man es aus dem Zusammenhang reißt. Nach seinem Muster, dass er mir ja schon einmal geschildert hatte, suchte er akribisch nach Schwachstellen bei mir und schrieb darüber. Seine Wernigeröder Vorgesetzten hielten ihm dabei den Rücken frei und freuten sich wahrscheinlich, dass einer für sie die Drecksarbeit macht. Das hielt Walkner lange durch, ohne das ihn jemand bremste. Die Folgen blieben nicht aus. Nach 7 Jahren Bürgermeistertätigkeit wurde ich abgewählt. Mein Nachfolger kam ins Amt, der passte besser in das politische Chema des Lokalredakteurs Walkner. Da war es sogar Wert einen Artikel zu schreiben, weil der Hund des neuen Bürgermeisters sich am Auge verletzt hatte. Hauptsache der Name wurde mehrfach erwähnt. Das Ergebnis blieb nicht aus. Nun wollte ich im Internet mal nachschauen mit welchem Lokalredakteur ich es bei Herrn Walkner zu tun habe. Lebenslauf, Biographie, Biografie oder Vita mit Walkners Namen ergaben nichts. Seltsam, da sonst bei 98 % aller im Internet präsenten Personen Lebensstationen aufgezeichnet sind. Der Internetlebenslauf dieses Lokalredakteurs beginnt erst nach der Wende. Es erscheinen belanglose Artikel im Internet über sein Lieblingskrankenhaus in Elbingerode. Über dieses Krankenhaus schreibt er oft und umfangreich. Mich interessiert aber sein Leben vor der Wende. Sein Verhalten muss doch Gründe haben. Ich hatte daraufhin einen Brief an den Verlagsinhaber H. Bauer nach Hamburg geschickt und um Aufklärung gebeten. Daraufhin besuchte mich der Chefredakteur der Tageszeitung aus Magdeburg zuhause in Altenbrak. Er äußerte Verständnis für mein Anliegen und machte Andeutungen, dass er den ganzen Lebenslauf seines Lokalredakteurs kenne, ohne konkreter zu werden. Er ging wieder und ich bekam anschließend einen lieben Brief vom Verlagsinhaber. Innerhalb seiner Zeitung schied Walkner dann später als fest Beschäftigter aus, wenn ich richtig informiert wurde und arbeitete dann als Provisionsredakteur weiter. Nun muss er noch mehr schreiben , um sein Einkommen zu sichern. Seine Produkte sind nach wie vor schleichend giftig . Wenn er so zu DDR-Zeiten geschrieben hätte, kann ich mir vorstellen, dass er sich schnell einen anderen Beruf hätte suchen müssen. Walkner mischt nach wie vor seine zielgerichteten Artikel mit Artikeln über Kirchen und Krankenhäuser, um eine scheinbare Balance zu halten. Wen Walkner aber einmal ins Fadenkreuz nimmt, den hat er früher oder später dort, wo er ihn haben will. Hinter seiner katzenfreundlichen Fassade wenn man ihm begegnet, verbirgt sich wie man so sagt, ein harter Hund. Da ich kein Amt mehr begleite und keiner politischen Partei angehöre kann ich ohne Zwang und ohne Beeinflussung darüber schreiben. Ich konnte nichts weiter tun, als diese Tageszeitung abzubestellen und sie auch niemandem mehr zu empfehlen. Auch Werbeartikel schalte ich nicht mehr dort. Sollte Walkner einmal nicht mehr für diese Zeitung schreiben, auch nicht bei Versetzung an eine andere Stelle, dann beziehe ich sofort wieder diese Zeitung, die sonst im allgemeinen den Übergang vom Bezirkszentralorgan der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Bezirk Magdeburg) in die Nachwendezeit, ganz gut gemeistert hat, obwohl sie ihren damaligen Namen beibehielt.

[Bearbeiten] 36 Volkskammer 10. WP im Berliner Schloss

25 Jahre Einigungs-Beschluss. vom 23. August 1990

Die damalige Volkskammerdebatte in der Nacht, die zum anschließenden Grundlagen-Beschluss für die Deutsche Einheit führte, gegen 3°° Uhr in der Nacht (früh), war eine Sternstunde des Deutschen Parlamentarismus. Als DDR-Regierungsmitglied war ich dabei. Ich bin stolz darauf, als einer der über zweihundert Ja-Stimmen mit dafür (die Deutsche Einigung) gestimmt zu haben. (62 dagegen) Zum Gedenken fand am 23. 08. 2015 , eine Feierstunde im neuen Berliner Schloss statt. Die Beauftragte, der Bundesregierung, Iris Gleicke, hat es erreicht, die maximal mögliche Anzahl der damaligen Volkskammerabgeordneten im neuen Berliner Schloss zusammen zu bringen. Einen Einblick, zu dem bedeutenden Geschichtsereignis, möchte ich durch das nachfolgend eingestellte Video geben.

Das Video zum 25. Jahrestag des Einigungsbeschlusses am 23. August 1990

youtu.be/ogKv-AnLeN0

--Manfred Dott (Diskussion) 08:44, 9. Okt. 2015 (CEST)



[Bearbeiten] 37 Deutschland, Geschichtsschreibung 1989 bis 2015

Entwicklung Deutschlands bis 2040 (Hypothese)

1. Veränderungen

2. Geschichtsschreibung nach 50 Jahren Deutscher Einheit (Hypothese)

1. Veränderungen: Wie schon oft in der allgemeinen Geschichte, verändern sich mit zunehmendem, zeitlichen Abstand, auch die Sichtweisen zu den jeweiligen Prozessen, Auch in der jüngeren Deutschen Geschichte, von etwa 1988 bis 2015 kann man heute eine Veränderung der geschichtlichen Sicht feststellen. Dieser Paradigmenwechsel, zeigt sich hauptsächlich in der Euphorie, mit der die Herbeiführung, Durchführung und ersten Gehversuche des Wiedervereinigten Deutschlands begleitet war und der zunehmenden Ernüchterung, nach den immer wieder auftretenden Schwierigkeiten, bei der praktischen Umsetzung des Einigungsprozesses, der immer noch nicht in Gänze abgeschlossen ist.

A) die Bevölkerung der beiden Teile Deutschlands haben sich in der relativ langen Zeit der Trennung und der unterschiedlichen politischen Systeme erheblich auseinander entwickelt. In der Einheitseuphorie wurde das lediglich kurzzeitig überdeckt.

B) Die unterschiedliche tarifliche Behandlung der Beschäftigten in West und Ost, sowie die atheistischeren Bürger im Osten, die oft zu DDR Zeiten, zu den Kirchenaustritten gedrängt wurden, sind sichtbare Zeichen dieser immer noch bestehenden Unterschiede. Auch die Wahlergebnisse der politischen Parteien in Ost und West bei allgemeinen Wahlen bezeugen diese Entwicklung. So ist die Linkspartei im Osten sehr stark. Sie schöpft nicht zuletzt ihre Kraft aus den noch bestehenden Unterschieden bei der Entlohnungen gleicher Arbeitsprozesse im Osten, also geringeren Tarifentgelten. Diese Partei, der Apendix der ehemaligen SED, schürt im Osten eine diesbezügliche Unzufriedenheit und im Westen fährt sie mit geringerem Erfolg die soziale Schiene. Einige Bürger in Ostdeutschland, wenn auch nicht viele, würden gerne wieder ein Stück Freiheit aufgeben, um ihre herausgehobene Stellung in der DDR, sehr oft im Staatsdienst, wieder zu erlangen.

Diese Veränderung der Geschichtlichen Sicht, war in den ersten Nachwendejahren noch nicht so deutlich zu sehen. Da viele dachten, die blühenden Landschaften könnten auch im Osten, sehr schnell erreicht werden, was jedoch ein längerer Prozess zu sein scheint. Hier ist eine Ernüchterung unübersehbar, wenn diese auch derzeit bezw. kurzfristig von anderen wichtigeren politischen Themen überdeckt wird.

2. Geschichtsschreibung nach 50 Jahren Deutscher Einheit (Hypothese)

Wenn man den Paradigmenwechsel in den ersten 25 Jahren nach der Einigung Deutschlands zugrunde legt und eine Gesetzmäßigkeit dieser Entwicklung auch weiterhin sehen muss, wenn auch in noch nicht abzuschätzender Geschwindigkeit, dann kann man die Hypothese wagen, dass Deutschland innerhalb Europas seine derzeitige starke Stellung, in 50 Jahren nach der Wiedervereinigung, an Staaten wie: Großbritannien Polen oder Frankreich abgeben muss. Diese Staaten einigen sich heute schon in sehr wichtigen Politikgebieten untereinander ohne Deutschland um seine Zustimmung zu bitten. Deutschland, in seiner Abgehobenheit nach dem Motto: "Nicht ohne Deutsches Wesen, kann die Welt genesen", wird schmerzlich erfahren müssen, dass Europa nicht nur Anpassung anderer Staaten an Deutschland bedeutet, sonder auch, dass Deutschland die Probleme anderer Europäer sehen und beachten muss.

Die ARD hat sich unter dem Thema: "Vision und Integration" mit Deutschland im Jahr 1940 beschäftigt. Es kommen da Migrationsforscher, Zukunftsforscher, Migrations-Experten und andere Wissenschaftler zu Wort. Nicht alle sind sich einig. Außer in dem Hohen Lebensalter der Deutschen im Jahr 2040, den immer weniger werdenden Kindern und Jugendlichen, die teilweise mit meinen Worten gesagt in Bundeswehrauslandseinsätzen (verheizt) eingesetzt sind. Die nationalkonservativen Entwicklungen einiger Staaten in Europa, an der Spitze Polen, bilden einen dauerhaften Widerspruch zur deutschen Politik. Da heute schon sichtbar ist, wie sich Deutschland in seiner Zuwanderungspolitik, innenpolitisch zerstritten, von einigen Nachbarländern in Europa absetzt, kann man fast von einer sicheren Zukunftsvoraussage für 2040 ausgehen. Bereits heute gibt es Parallelgesellschaften und Ghettobildungen an einigen Stellen in Deutschland. Als Zeugen nehme ich den wichtigen Sprecher der jüdischen Gemeinde in Berlin, Nathan Gelbart. Er sagt was viele von uns bereits wissen, dass die Polizei sich in bestimmte Gegenden nicht mehr hin traut. Glaubt einer, dass sich das in naher Zukunft ändern wird?

Deutschland kann einem schlaflose Nächte bereiten. Geht es doch um die Zukunft unserer Kinder und Enkel. --Manfred Dott (Diskussion) 19:06, 23. Nov. 2015 (CET)

[Bearbeiten] 38 Russland heute

Wie sieht es, in Russland, ueber 25 Jahre nach Ende der klassischen Sowjetunion heute aus?

REISEBERICHT

Ueber Fluesse und Seeen per Schiff und über Land, im September 2015, ueber 2000 km durch Russland, bis nach Moskau. Beginn der Reise: Berlin / Tegel von dort nach Muenchen und dort in einen Flieger nach St. Petersburg. Vorher sehr komplizierte Visabeantragung. In St Petersburg, vorher Petrograd, Umzug auf das Schiff, mit dem wir, meine Frau und ich, die ca 2000 km unterwegs sein werden.

1. St. Petersburg City

Eine Stadt der Superlative ueber 5 Mio Einwohner. Ehemalige Hauptstadt Russlands. Wie ueberall in grossen Staedten, in denen jeder Buerger ein Auto hat, bricht im Berufsverkehr der Verkehrsfluss zusammen. Nur unter der Erde St. Petersburgs kommt man fluessig voran. Die Metro, tiefste der Welt. mit mind. 130 m Tiefe. Bei dieser Tiefe verteilt sich die Statik, also die Standfestigkeit der darueber liegenden Gebaeude so, dass Kathedralen Superhochhaeuser ueber der U-Bahn stehen koennen, ohne die aufstehenden Gebaeude zu beschaedigen. Aber man muss erst mal sehr tief herunter, um zu fahren. Es gibt 4 Metrolinien in St. Petersburg. Heute wird St. Petersburg wieder von Kathedralen und Kirchen dominiert. Zu Sowjetzeiten waren es 20 Kirche. Jetzt sind es ueber 200 . Die neuen Regierungen, nach Zusammenbruch der SU, haben der Russisch Orthodoxen Kirche alle ihre Gotteshaeser zurueck gegeben. Obwohl es in Russland keine Kirchensteuer gibt, wurden alle Gotteshaeser aufwendig restauriert. Quasi als Entschuldigung fuer das erlittene Unrecht zu Sowjetzeiten. Dazu kommt die persoenliche Unterstuetzung von Medwedjev und Putin, die beide bekennende Christen sind. Man kann kaum alle Kathedralen aufzaehlen. Hier nur zwei die uns besonders beeindruckten: Die Peter und Pauls Kathedrale und die Isaak Kathedrale. Auch die Wirkungsstaette Rasputins und das Haus, in dem er ermordet wurde, haben wir gesehen. Entgegen unserem Bild von diesem Wunderheiler, ist die Erinnerung der Russen an diesen Mann eher positiv. In St. Petersburg ist man auch, anders (als in Moskau), mit der eigenen Geschichte umgegangen. Hier hat man die Denkmaeler der roten Zeit nicht geschleift, sonder als geschichtliche Zeugen erhalten. So kann man in der Naehe von einem Denkmal von Peter Chaikowski das Denkmal von Felix Dserschinski vor der ehemaligen KGB Zentrale finden. In Moskau geschleift und jetzt wieder aufgebaut. Es gehoert nun mal zur Geschichte dazu. Noch einmal Shoppen auf dem Newskij Prospekt und Abschied von dieser schoenen Stadt. Wir waren auch an der Stelle wo Zar Alexander ermordet wurde und an den Graebern der Romanows, der letzten Zarenfamilie, die unschoen das Feld fuer die Oktoberrevolution frei machen mussten. ( Bin mitten in Russland und hab nur meinen spanischen Laptop mit ae ue ss usw.) Werde weiter berichten.

Heute legen wir noch an und fahren ins Land hinein. Mal sehen wie die Landbevoelkerung heute lebt. Jetzt , schon 400 km im Ladesinneren, fahren wir durch endlose Waelder, die auch in wenigen Wochen von eisigem Frost bis zum spaeten Fruehjahr ueberzogen werden. Da kann man ermessen, was der verrueckte, selbstverliebte, Hitler den Deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg zugemutet hat.

Wir sind ins Land gefahren, nach Mandrogi, und haben tolle Sachen gesehen u. erlebt. Wir haben uns mal wieder abgeseilt, meine Frau und ich. Wir kamen an einen Seitenarm eines Flusses. Es gab eine Faehre mit der wir rueber gefahren sind. Ohne Motor von Hand getrieben. Man musste wie ein Esel mit einem langen Balken immer rund gehen und druecken. Wir baben gefragt und durften hin, meine Frau und zurueck ich, die Faehre bedienen. 150 Rubel hin und zurueck. Im Wald haben wir einen grossen Elch gesehen und Wolfsspuren gefunden. (Eine Mahnung haben wir erhalten wegen der Baeren, wenn wir solo durch den Wald streifen) Wir halten aber bis Moskau noch mehrfach auf dem Land an und sehen das Land, wie es wirklich ist. Nicht nur hoeren, sondern selbst sehen wollen wir, wie das heute in Russland ist. Wir koennen beide etwas russisch und die kyrillische Schrift, das hilft uns hier weiter. Jetzt fahren wir 257 km und gehen in Kishi wieder ins Land hinein. Unweigerlich denke ich auch daran, dass Edward Snowden hier ist. Unter den vielen superschlanken, schoenen und gebildeten Russinen fuehlt er sich sicher nicht unwohl.

Kishi eine Insel am Rande des Onegasees, mit einem kleinen russischen Dorf. Wir waren in einem Bauernhaus, dass ganz auf die strenge Kaelte hier und auf die Zweckmaessigkeit ausgerichtet ist. Von aussen normale Holzhaeser. Innen tiefe Geschossdecken, damit die Ofenwaerme schneller an die Menschen kommt. Bei ca Minus 40° Leben: Essen, Schlafen die Bauern in einem Raum. Ein grosser Steinofen, auf dem man auch schlafen kann. Fuer die Huehner ist in dem gleichen Wohnraum ein Kaefig eingerichtet. Die Menschen hier kennen das schon seit Jahrhunderten nicht anders. Sie sind dabei gluecklich und zufrieden. Gleich neben dem von uns besichtigten Haus ist ein Kirche mit ueber 20 Zwiebeltuermen. Wir waren drin und orthodoxe Prieser sangen gerade einen wunderschoenen Choral. (hab alles auf Video fuer youtube) Obwohl man ein starkes Gefaelle zwischen Land -und Stadtbevoelkerung erkennen kann, gibt es eine gute Verbindung zwischen beiden. Aus der Landbevoelkerung studieren viele junge Menschen an Hochschulen und Universitaeten, kommen als Ingenieure zurueck, oder bleiben in den Staedten. Derzeit fahren wir ueber den Onegasee. 9800, Quadratkilometer gross, mit heute Sturm u. hohem Wellengang. (Vergleich: Bodensee 473 Quadrat km) Mit flauem Gefuehl im Magen bin ich froh, wenn wir hier durch sind in Richtung Wolga. An diesr Stelle moechte ich die Reiserute auflisten: Ab St. Petersburg auf der Newa, dann in die Swir, danach in die Wyondra, dann in in die Schesckna, danach auf der Wolga und zuletzt in den Moskaukanal bis in die Stadt Moskau. Ges. ueber 2000 km Auf diesem Weg muessen wir durch den Ladogasee, 9890 km², den Onegasee 17000 km² (34 mal so gross wie der Bodensee) und den Rybissker See. Heute haben wir knapp die Haelfte der Strecke hinter uns gebracht und wir freuen uns auf Goritzy. Dort gehen oder fahren wir wieder ins Land hinein.

In Goritzi angekommen, sehen wir wieder wunderschoene Kirchen und Kloester. Erst einmal zum kleinen Dorf Goritzi. Sehr schoene Holzhaeuser. Prachtvoll mit Farben verziert. Jedes Haus hat einen Gemuesegarten und bei jedem zweiten Haus sehen wir direkt beim Haus, Schafe, Gaense, Enten und Huehner. Wir koennen mit eigenen Augen sehen, dass die Landbevoelkerung kaum betroffen ist, von dem gegenwaertigen Einfuhrverbot fuer europaeische Lebensmittel, als Antwort auf die bestehenden Sanktionen. Wenn es nach den Klagen europaeischer Bauern ueber den Preisverfall ihrer Produkte geht, muss man sagen, Die Sanktionspolitik ist zum Rohrkrepierer geworden. ---Von Goritzi sind wir eben, durch ein grosses Waldgebiet gefahren zur Kleinstadt Kirilliow (7000 Einw.) In diesem Waldgebiet geht auch schon mal der ehemalige spanische Koenig, Juan Carlos, zur Jagd. Zuletzt, sagen die Buerger hier, hat er einen prachtvollen Baeren erlegt. In Goritzi und auch in Kyrilliow hat Iwan der Grosse (Iwan der Schreckliche) seine Spuren hinterlassen. Hier hat er im Frauenkloster, damals in ungnade gefallene Frauen "untergebracht" unter anderem auch seine eigenen Frauen, wenn er deren ueberdruessig war. Heute sind dort orthodoxe Nonnen drin.

Wir haben schon viel vom russischen Land gesehen und es wird noch mehr, denn nach Moskau sind es immer noch 870 km . Morgen gehen wir in Jaroslawl, einer etwas goesseren Stadt erneut ins Land hinein. Jaroslawl ist eine Bahnstation an der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Moskau und Wladiwostok. Wir freuen uns darauf.

. In Jaroslawl erwarten uns Busse, die uns in die Innenstadt fahren. Jaroslawel ist die aeltestern Stadt an der Wolga und hat fast 1 Mio Einwohner. Hier ist eine Station der Transsib . von Moskau nach Wlatdiwostok. Mit diesem Zug kann man weiter nach Peking fahren. Hier ist ein Drehkreuz zwischen weissem Meer und Westeuropa mit der Ostsee. Auch hier von einer Kirche in die naechste und zwischendurch viele Kloester. Alle Gotteshaeser in sehr gutem Zustand. So langsam wird auch mir das zuviel. Ich wuerde gerne wissen, ob es noch ein Leben neben den Kirchen gibt. Es gibt es. Mitten in der Stadt steht ein Denkmal auf dem ein uebergrosser bronzener Lenin steht. In allen Staedten und Dorfern etwa ueber 1000 Einwohner, findet manm solche Leninstatuen. Bereits in Petersburg merkte man, dass Russland mit seiner Geschichte offen umgeht. So auch hier. In den Strassen Jaroslawels ist ein geschaeftiges Treiben. Um die Leninstatue ist ein schoener Park angelgt. Die Eisenbahn in Breitspur, laesst Zuege von bis zu hundert Waggons zu. Vom Ufer aus ist die Schoenheit des alten russischen Flusses Wolga, besonders in diesem Abschnitt, nicht zu uebersehen. Heute erreicht uns die Nachrich vom erneuten Lufthansastreik. Nun sind wir etwas beunruhigt, das auf der Mittelstrecke vielleicht Maschinen ausfallen koenten. Eben erfahren wir, die ersten Moskaufluege sind ausgefalle. Trotzdem geniessen wir das Land weiter.

Uglitsch

letzte Station vor Moskau.

In Uglitsch gibt es einen kleinen Kremel. Innen ein Konzertsaal an der Wand Ikonen. Wir haben ein Konzert angehoert und danach die Uhrenstadt Uglitsch angesehen (groesste Uhrenproduktion Russlands). Dieses mal war ich mit zum Kulturprogramm und Edith, meine Frau, hat sich zum Dauerlaufen abgeseilt. Edith lief mehrere km aus der Stadt heraus in einen Wald. Ich hatte keine Lust und war mal Herdentier. Kein Wolf und kein Baer hat sie am zurueckkommen gehindert. Also eine sehr schoene Stadt ist Uglitsch an der Wolga. Die Wolga verlassen wir bald. Sie fliesst nicht durch Moskau. Durch den Moskaukanal fahren wir dann bis mitten in die Stadt Moskau hinein. Wir wollen dort mal unter anderem eine Nacht das moskauer Nachtleben studieren, ein Kloster besuchen, den Kremel und den Heldenfriedhof aufsuchen, bevor wir uns bemuehen trotz Streik einen Flieger nach Deutschland zu bekommen.

(Eingefuegt) Seit 5 Tagen singe ich in einem Russischen Chor mit. Alles in russischer Sprache. Heute Auftritt vor ca. knapp 2000 Zuhoerern. Meine Frau filmt das, sonst glaubt uns das keiner. Zuhause habe ich viel Filmmaterial zu verarbeiten. YouTube wird sich freuen.

Im Moment fahren wir immer noch auf der Wolga, die hier etwa 5 bis 6 km breit ist. In etwa drei Wochen beginnt hier der Winter und es schneit erst und dann friert die Wolga zu. Wo wir jetzt fahren wird dann wegen Eisgang die Schifffahrt eingestellt. Morgen, gegen Mittag sind wir in Moskau.

Geschafft! Chorauftritt erledigt. Der Saal war voll beswetzt. Der Pianist, ein Musiker des Moskauer Staatstheaters, hat nach Sichtung u. Anhoerung einiger Sangerinnen u. Sanger meinen Soloauftritt entschieden. Hab ein Stueck von J. S. Bach gesungen. Edith meint es war ganz gut gelungen.

Noch sind wir etwa drei Std auf der Wolga. Dann geht es schnurstracks in die Stadt Moskau hinein.

[Bearbeiten] 39 Russland heute, Teil 2

Moskau City''

Das politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes ist Moskau mit Hochschulen und Fachschulen, zahlreichen Kirchen und Kloestern sowie politischen Einrichtungen. Heute, werden wir uns erst einmal einen Ueberblick verschaffen ueber das, was wir im Rahmen der von uns dafuer eingeplanten Zeit sehen wollen. Also fahren wir erst einmal durch die Stadt, bevor wir uns einzelne Objekte vornehmen. Man muss sehen, dass wir nicht mit dem Flugzeug nach Moskau kommen, sondern aus dem Landesinneren Russlands mit dem Vorwissen, was von Moskau aus in Russland alles Verwaltet und im Lot gehalten wird. Wir sind auch durch die lange Reise durch Russland, sprachlich und schriftlich gut fuer den Aufenthalt in der Ladeshauptstadt Moskau trainiert.

Die Stadt Wir sind teils mit uebererdlichen oeffentlichen Verkehrsmitteln und teils mit der Metro durch Moskau gefahren. Die Metro, die bis heute und nach Umfragen und staatlicher Entscheidung, weiter den Namen Metro "Lenin" traegt, hat uns sehr beeindruckt. Viele Bahnhoefe sind eher untererdliche Palaester. Wenn mal keine Metro kommt fuehlt man sich wie in einem Thronsaal. Die Waende aus Marmor an der Decke Kronleuchter Stuckverzierungen und an der Decke mit Blattgold belegte Bilder von Revolutionsbegebenheiten und von Lenin. Wir waren kurz auf dem roten Platz, am Kremel von aussen, an der Moskwa, sowie an einigen Ministerien und dem Bolschoi Theater. Wir haben uns entschieden morgen, wenn wir eine Genehmigung bekommen, den Kremel von innen anzusehen, das Jungfrauenkloster und den Prominentenfriedhof. Im stillen hoffen wir, unter anderem, die Graeber von Lenin und Stalin ansehen zu koennen. Hab so meine Zweifel, ob das klappen wird. Wir sind mit dem Schiff hier in Moskau, mit Buergern aus der Schweiz, aus Ost - und Westdeutschland zusammen angekommen. In den gefuehrten Gruppen sind wir zusammnen und es wird ein Schwergewicht auf Kirchen, Kloester und russische Kultur gelegt. Mein Wunsch nach der wirklichen, neueren Geschichte wurde immer nur schnell gestreift, um dann in Kirchen stunden lang Ikonen zu erklaeren. Hab so das Gefuehl, dass man uns unbedingt erklaeren moechte, dass die juengere Geschichte, den Fremdenfuehrern und wem auch immer, manchmal etwas unangenehm ist. Aber die Geschichte kann man auf Dauer nicht umschreiben. Stalin ist ebenso wichtig in der russischern Geschichte, wie Lenin und Gorbatschow. Also finde ich mit dem Programm ab, so wie es ist. Also morgen in den Kremel, ins Jungfrauenkloster und auf dem Prominentenfriedhof. Vorher aber noch das Moskauer Nachtleben. Dann essen wir noch auf dem Hotelschiff und wieder raus in die Stadt. Im Stadtzentrum, unweit des Kaufhauses Gum essen wir moskauer Eis und gehen dann in das Kaufhaus hinein. In drei Etagen und drei Linien, wird alles angeboten was heute denkbar ist. Meine Frau hat ein Diamantcollier fuer etwa 2 Mio. Rubel gefunden. Hab ich ihr schnell ausgeredet, obwohl das umgerechnet etwa 2000 Euro sind. Danach sind wir dann nach draussen in die Naehe des roten Platzes gegangen. Mittlerweile dunkel und Moskau in einem imposanten Lichtermeer Diese Schoenheit kann ich wirlich nur im YouTube Video zeigen. Die Buerger in Moskau gehen morgens etwas spaeter zur Arbeit und machen abends etwas spaeter Schluss und dann sehen wir sie, zwischen Strassenverkauufern flanieren die Moskauer Schoenheiten, wie sie in Paris kaum zu uebertreffen sind. Derzeit ist der rote Platz etwas umgebaut, weil das Festival der Militaermusik statt findet. Da sehen wir Musiker in prachtvollen Uniformen , die hier ihre musikalische Kunst zum Besten geben. Wir haben glueck, dass wir gerade jetzt hier sind. Wir verbringen den Abend und die anbrechende Nacht mit Schauen flanieren und Bar -u. Gaststaettenbesuchen. Etwa um Mitternacht haben wir ein grosses Feuerwerk angesehen, was neben dem Spasskiturm am Roten Platz in den Himmel gefeuert wurde. Hund kaputt machen wir uns nach Hause und ins Bett.

Der Kremel

Wir haben die Genehmigung fuer den Innenbereich des Moskauer Kremel erhalten und stehen zu der vorgeschriebenen Zeit am Eingang, den vielen Sicherheitsleuten gegenueber. Wir duerfen in den Eingangsbereich und unterziehen uns der Kontrolle wie auf einem Flugplatz. Durchleuchten, alles aufs Band, Edith mal wieder mit Rucksack unterwegs, muss hier in Moskau bereits zum zweiten Mal den Inhalt offenbaren. Egal, machen wir gern. Wann duerfen wir schon mal durch den inneren Kremelbereich in Moskau laufen. Wir haben eine aeltere Moskauerin mit Deutschkenntnissen, die alles erklaert. Wir sind durch den Eingang hindurch im Innenbereich ist eine Strasse, ueberdie wir gehen. Da kommt eine schwarze Limosine mit Blaulicht gefahren. Ist das ein hoher Regierungsbeamter oder ist er das vielleicht hoechst persoenlich? Ich frage unsere Erklaererin wo der Staatspraesident Putin arbeitet und wie er zum Dienst kommt. Erst fuert sie uns zu einem dunkelgelben Gebaede, dem Sitz und Arbeisbereich des Praesidenten. Auf nochmaliges Fragen, wie er zum Dienst kommt, erfahren wir, dass er oft mit dem Auto kommt. Putin wohnt nicht direkt in der Stadt Moskau, sondern im westlichen Gebiet vor Moskau. Von dort kommt er zum Dienst. In besonderen Faellen kommt er auch mit dem Hubschrauber. Unweit seiner Diensresidenz im Kremel ist ein Hubschrauberflugplatz, den wir auch filmen konnten. Von dor sind es etwa hundert Meter zu seinem Dienstgebaede, auf dem nicht die russische -sondern die Flagge des Praesidenten weht. Ich vermute wenn er da ist weht sie oben bei Trauer kommt sie auf Halbmast. Dann sind wir durch mindestens 4 Kathedralen im Kremel gegangen. Wenn Putin einen orthodoxen Gottesdienst besuchen will, braucht er nur aus seinem Diensgebaeude heraus und in eine Kremel- Kathedrale hinein zu gehen. Einige Chinesen, die auch im Kremel waren, bauten sich vor der Praesidentenresidenz auf, um fotografiert zu werdern. Das scheint fuer Chinesen etwas ganz besonderes zu sein. Wir haben vieles im Kremel gesehen und gehen wieder raus.

Das Jungfrauenkloster

Vom Kremel aus mit oeffentlichem Verkehrsmittel knapp 2km vom Kremel entfernt ist das Jungfrauen Kloster. Dort angekommen, fotoerlaubnis gekauft und am Eingang Kerze erworben gehen wir hinein. Hier lernen wir den Baustil russisches Barok. Dieser Baustie unterscheidet sich nur wenig von dem uns bekannten Barok. Vielleicht etwas schlichter. Mehrere Kirchen auf dem riesengrossen Komplex. Die Geschichte des Hauses angehoert und festgestellt, dass auch hier Iwan der Schreckliche seine Spuren hinterlassen hat. Hunderte wunderschoene Ikonen betende aeltere russische Buerger und hier und da eine vorbeihuschende orthodoxe Nonne.

Der Prominentenfriedhof

Gleich hinter dem Jungfrauenkloster ist der Prominentenfriedhof. Hier alle Namen derer aufzuzaehlen, die dort begraben sind, wuerde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Aber einige Namen sollten es doch sein. Gagarin, der erste Kosmonaut, Jelzin, Raisa Gorbatschowa, und viele beruehmte Musiker und Dichter der Weltliteratur, Kerphysiker u. Dissident Sacharow. --Manfred Dott (Diskussion) 10:03, 18. Sep. 2015 (CEST)


[Bearbeiten] 40 --4 Russlandvideos zum Text 34 und 35

1. St. Petersburg:--https://youtu.be/qGte_rUJms0

2. Russland, Land und Dorf, Teil 2 ,-- https://youtu.be/v6tzawjDa0E

3. Russlands, weites Land, Menschen Dörfer und Städte. Teil 3 ,--https://youtu.be/Q5eU2qYLGTc

4. Russland, Moskau. Die Stadt und der Kremel Teil 4 https://youtu.be/iY6JaBBIHGQ

AUF NACHFRAGE, DASS EIN VIDEOBETRACHTER, in einem der 4 Video-Teile: "Russland, weites Land", Edward Snowden gesehen haben will. Er gleicht ihm etwas, aber er ist es nicht.

--Manfred Dott (Diskussion) 20:43, 9. Okt. 2015 (CEST)


--Manfred Dott (Diskussion) 22:18, 29. Dez. 2015 (CET)

[Bearbeiten] 41 --1990 Erinnerungen

Verfilmtes Interview vom 10. November 2015 für die Web Site: WWW.deutsche-einheit-1990.de Hier in Schriftform (wörtliche Abschrift)

Interview mit Manfred Dott für www.deutsche-einheit-1990.de Ort des Interviews: Wohnhaus Interview von: Ben Arnold

Laufzeit: 01:35:22

Legende zum Interview: [unverständlich 00:00:00] = Wort nicht verstanden

Interviewer: Also, ja, wie muss man sich das aus heutiger Sicht vorstellen, diese Zeit 1990, als die 10. Volkskammer gewählt wurde, das erste, letzte, und einzig frei gewählte, die einzig frei gewählte Volkskammer in der DDR, mit diesem irrsinnigen Auftrag innerhalb von kürzester Zeit die Verwaltung, die Infrastruktur, also sämtliche Gegebenheiten so zu reformieren dass sie kompatibel sind mit diesem föderativen System der BRD. Was war das für ein Arbeitsalltag, auch ganz für Sie persönlich? #00:02:27#

Teilnehmer: Ja, der Arbeitsalltag als parlamentarischer Staatssekretär damals in der frei gewählten Volkskammer, der war sehr aufwändig würde ich mal sagen. Also wir hatten jeden Tag Sitzungen der Volkskammer, wir hatten Aufträge unserer Parteien, wir hatten Aufträge der Koalition, wir mussten uns in den Ministerien für die politischen Dinge einsetzen die wir in der Volkskammer beschlossen hatten, das heißt also in meinem Fall für die Verkehrsinfrastruktur, ausgehend von dem was wir vorgefunden hatten als wir die Regierungsverantwortung übernommen haben, die, das war also eine ganz schwierige Kiste. Und ich muss sagen, da ich gependelt bin zwischen Ministerium und Volkskammer, weil ich ja Abgeordneter der Volkskammer war und parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, musste ich immer hin und her, mit Gesetzestexten, mit Ausarbeitungen, mit dem was die Volkskammer eigentlich von mir erwartet hat, und was wir im Hause leisten konnten. Der Minister Gibtner, also mein Chef, der hat überwiegend im Hause gearbeitet. Er hat am Anfang noch sehr oft auf der Regierungsbank gesessen, später dann nicht mehr, da hat er mich dann dahin gesetzt, und ich hatte eine ganze Menge guter Verbündeter in dem Hause, ich habe selbst gestaunt, und ich war auch sehr misstrauisch als parlamentarischer Staatssekretär mit der Vergangenheit der DSU dort zu arbeiten plötzlich als Chef vieler Leute. Der Minister war der Chef, aber ich musste natürlich eine ganze Menge operative Tätigkeit dort vollbringen, hatte Arbeitssitzungen, jede Woche eine, die selten ausgefallen sind, im Ministerium, und ich war angenehm überrascht wie leicht es sich mit den Mitarbeitern des Verkehrsministeriums, die ja nun alle eine bestimmte Geschichte hatten, wie leicht es sich mit denen arbeiten ließ. Also es gab keinen spürbaren Widerstand gegen das was ich, oder was wir, was die Volkskammer eigentlich von den Ministerien, und ich in meinem Ministerium erwarten musste. Wir hatten also nicht viel Zeit, das wussten wir aber am Anfang noch nicht, wie viel oder wie wenig Zeit wir hatten für diese Anpassung an bundesdeutsches Recht, oder dieses Zusammenbringen der beiden Rechtssysteme. Zumindest wussten wir von Anfang an dass wir uns im Recht, bei uns im Verkehrsrecht, doch sehr stark auf das einstellen wollten auch, mussten will ich nicht sagen, aber einstellen wollten auch, was in den Ministerien in der Bundesrepublik dort geschafft wird, in unserer, in meinem Ressort, dem Verkehrsministerium. Also wir hatten eine ganze Menge durchzusehen, und dabei hat mir mein persönlicher Mitarbeiterstab sehr geholfen, und eine ganze Menge, das hätte ich alleine gar nicht leisten können. Ich weiß natürlich nicht was die fast 2000 Mitarbeiter unseres Ministeriums, also meines Verkehrsministeriums alles so im Einzelnen gemacht haben, das ballte sich im Haus ja wie eine Pyramide zusammen, und landete dann in den Arbeitsberatungen an meinem Tisch, an dem auch der Leiter der Deutschen Reichsbahn, Keddi, teilgenommen hat, und überhaupt, Interflug, Reichsbahn, Seeschifffahrt, alles an meinem Tisch, und dort mussten wir erst mal versuchen durchzusetzen was wir an neuen Gesetzen oder an Anpassungen vornehmen wollten. Das war so der Alltag, und da hatte ich keine Schwierigkeiten. Ich hatte keine Schwierigkeiten also mit den Leuten zusammenzuarbeiten, ich habe natürlich auch, das muss ich dazu sagen, ich wusste auch dass ich, aus meinem Leben, dass ich funktionieren soll, ich will nicht sagen dass ich funktionieren muss, aber alleine schon dass was wir in der Volkskammer geschaffen hatten nach der freien Wahl, da hatten wir ja im Grunde ein Ziel, und meine Fraktion hatte ein bestimmtes, spezielles Ziel, wir wollten drücken, wir wollten schieben, dass alles schneller geht. Wir haben manchmal auch unsinnige Dinge getan, wir haben verlangt dass an einem einzigen Tag, heute müssen die beiden deutschen Staaten zusammenkommen, heute grien ich dadrüber, aber wir haben das halt, also einige von uns haben das so gemacht, und ich war mit in der Fraktion, ich war da natürlich nicht dagegen, konnte ich auch nicht sein, aber das ist ja so gar nicht machbar. Auf jeden Fall gab es da so einige Erlebnisse die mir im Nachhinein doch so ein bisschen die Spaßtränen kullern lassen. Wir haben einiges was wir damals wollten nicht geschafft, wir haben aber einiges auch geschafft, zum Beispiel das Logo mit Hammer und Zirkel von der Volkskammer runterzunehmen, da haben wir so lange gedrückt und so lange diskutiert bis wir sie alle soweit hatten dass sie gesagt haben, das muss da weg. Auf jeden Fall schweife ich jetzt ab, zum Alltag zurück, im Ministerium, es ging gut, es war eine saubere Arbeit, ich hätte sie gerne weiter gemacht, aber mit dem Tag der Einheit habe ich meine Stellung dort verloren, und musste mich in geringeren Gefilden in Magdeburg mit der Arbeit in Ministerien zufriedengeben. Das hat mir auch Spaß gemacht, aber ich hätte natürlich gerne im Verkehrsressort weitergemacht. Aber um das noch zu sagen, ich bin ja Hochbauingenieur, und als Hochbauingenieur wäre ich gerne Bauminister geworden. Und Bauminister wurde ich nicht weil es noch einen Interessenten mit gleicher Ausbildung gegeben hat, das war Viehweger, und der wurde dann Bauminister, und es hat mir Leid getan, davon hätte ich mehr Kenntnisse gehabt als im Verkehrsministerium. Also ich war kein Verkehrsingenieur, sondern Hochbauingenieur, und ich wäre gerne Bauminister geworden. Ich habe mich da auch beworben, aber irgendwelche Dinge die damals noch einen großen Einfluss hatten, die wir erst später, sagen wir mal zur Mitte unserer Diensttätigkeit in der Volkskammer erkannt haben, es gab Einflüsse die darauf gezielt haben möglichst viele Angepasste von damals in hohe Funktionen zu bringen. Und davon nehme ich, wenn es auch heute wie ein Angriff klingt, auch Parteien nicht aus mit denen ich gerne damals für die Ziele zusammengearbeitet habe. Aber es wurde halt Viehweger, und irgendwann dann bald kam dann raus, mit der großen Überprüfungsaktion, für mich waren das die Gründe warum er Bauminister geworden ist, warum man ihn mit vorgezogen hat. Er hatte eigentlich die Grundlage, nämlich des belastet seins, dadurch war er natürlich auch erpressbar, muss man so sagen. Und ich war es nicht. Er wurde es.


Interviewer: Es klingt ja nach einer gewissen Kontinuität.


Teilnehmer: Ja. Mir hat man dann gesagt, also, sei mal ruhig, deine Fähigkeit als Hochbauingenieur, die nutzen wir anders, du wirst parlamentarischer Staatssekretär. Das hat meine Partei, die DSU, auch so abgesegnet, dagegen war nicht Diestel, der Innenminister, dagegen war nicht Ebeling, der andere Minister, die wir anfangs in unserer Frakt ion noch hat ten, die dann aber wahrscheinl ich aus Opportunitätsgründen die Partei gewechselt haben und sind in die CDU gegangen. Ich habe mich mit meinem Minister, mit Gibtner, CDU, besprochen zu diesen Angelegenheiten, und der hat gesagt, du, bleibe ja in der DSU, du bist jetzt das höchste Verbindungsmitglied deiner Partei im Kabinett, du musst jetzt mit ins Kabinett, weil die DSU keine Minister mehr hat. Ihr seid Regierungspartei, habt mehr Mitglieder als der DA, und einer muss ja von euch mit im Kabinett sitzen. Ich gebe zu, ich saß mit im Kabinett, aber am Katzentisch, also so ein bisschen entfernt von den anderen die abgestimmt haben, aber wie gesagt ich war dabei, konnte meine Informationen dort aufnehmen, der Partei mitteilen, und natürlich auch meinen Freunden in München. #00:12:42#


Interviewer: Ok, da habe wir ja schon fünf Fragen beantwortet. Wie würden Sie denn überhaupt Ihre Zusammenarbeit beschreiben mit dem Minister Horst Gibtner? #00:13:29#


Teilnehmer: Also die Zusammenarbeit mit dem Minister war hervorragend, nicht weil ich jetzt im Nachhinein ihn, weil er vielleicht durch die CDU und vielleicht auch zu dem Kreis von Belasteten gehört hat, die war hervorragend. Also Minister Gibtner, so einen Chef hätte ich mir in meinem Leben öfter gewünscht. Die war sehr gut, er hat mir viel freie Hand gelassen, er hat versucht, wenn ich aus der Volkskammer kam, meine Argumente, das was ich mitgebracht habe zu verarbeiten, und hat dann ganz vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl seine Auffassung mir dargelegt, und er hat das gut verstanden, er war ein hervorragender Menschenführer, Minister Gibtner. Er musste mir aber auch mal auf die Finger hauen, muss ich mal so sagen, denn das was ich heute noch tue, mit meiner Frau zusammen, 10 Kilometer Jogging mit 75, jeden dritten Tag hier im Wald, das habe ich damals schon gemacht, ich könnte heute damit nicht beginnen, aber ich war schon Jogger als ich in die Volkskammer kam. Und mein Fahrer, ich hatte übrigens das Dienstfahrzeug von Mittag, habe ich bekommen, und den Fahrer mit dazu, der war mir aber nicht treu ergeben, der hat dann immer Minister Gibtner mitgeteilt wo er mich hingefahren hat und so, und ich habe mich von ihm auch in angrenzende Waldgebiete fahren lassen um dort zu joggen, um Kraft zu tanken, sonst hätte ich das gar nicht überstanden alles. Dann habe ich gejoggt, und dann kam ich zurück, das ging ein paar Mal gut, und dann musste ich zum Minister kommen, da sagt Gibtner zu mir, also das kannst du nicht machen, das geht so nicht. Das ist ein Dienstfahrzeug, und denke dran, du bist hier im Auftrage des Ministeriums und der Volkskammer als parlamentarischer Staatssekretär tätig, und kannst das Dienstfahrzeug für deine Privatangelegenheiten nicht nutzen. Das hatte ich aber gemacht. Und ab da habe ich das nicht wieder gemacht, ich habe nicht gewusst dass das so wichtig war. Ich habe ihm zwar erklärt dass ich kaum die Kraft hätte ohne dieses Joggen, ohne diesen Sport all das zu verkraften was da den ganzen Tag auf mich eingeprasselt ist in der Volkskammer, im Ministerium und drum und dran. Ich hatte ja auch Kontakt mit Rohwedder, ein sehr schwieriger Mensch, und das hätte ich sonst nicht geschafft. Und da hat er gesagt, ist ja gut, mach es nicht mehr, wenn du joggen willst fahr mit deinem eigenen Auto raus, ich hatte damals einen Trabant noch, und dann machst du das so, alles andere machen wir wie gehabt, alles gut. Aber wie gesagt, das ist das einzigste Mal wo er mir mal auf die Finger geklopft hat, aber wie gesagt, weil ich privates mit dienstlichem verwechselt hatte, oder vermischt hatte. Für mich war es eben ein Kraft tanken für meine Arbeit, aber er hat gesagt, das geht so nicht.

Interviewer: Und die Kollegen Rohde und Rechel , wie war da die Aufgabenteilung?


Teilnehmer: Also, die beiden Staatssekretäre die es noch gab, die habe ich nie gesehen. In der ganzen Zeit der Volkskammer habe ich die nie gesehen. Ich habe von Ihnen zwar gehört, dass es sie gibt, und kannte Ihre Namen, aber gesehen habe ich sie nie. Sie gehörten auch nicht zu meinem Mitarbeiterstab mit dem ich die Dienstberatungen gemacht habe. ich habe gedacht, das sind zwar Staatssekretäre, wer weiß wie die dahin gekommen sind und wer sie berufen hat, und welche Dienste ihnen zugeschoben werden müssen, oder ich weiß es nicht, auf jeden Fall, ich kannte nur Ihre Namen, bis heute nicht, ich habe dazu keine Gesichter, bis heute nicht. Für mich waren es also höhere Beamte in dem Haus, die dort Dienst tun mussten, die waren in der [unverständlich 00:17:30] Kammer, dort habe ich sie auch nicht gesehen, dort gehörten Sie eigentlich auch nicht hin. Die haben also im Hause gearbeitet. ich kannte zwar die Verantwortlichen für die Reichsbahn, den Keddi, für die Seeschifffahrt, für die Interflug, aber die beiden Staatssekretäre habe ich nicht gesehen. Wird sicher sein dass sie ganz fleißig waren, dazu will ich nichts sagen, und dass sie auch wichtige Funktionen zu beackern hatten, darüber hätte vielleicht Gibtner, der mehr im Hause war, etwas sagen können. Aber ich, der ständig hin und her gependelt ist zwischen Haus und Volkskammer, kannte die kaum, oder ich kannte sie nur dem Namen nach. Ich wusste dass sie da waren, und weiter nichts. Interviewer: Ok. [Unterbrechung]

Wie Sie die Zusammenarbeit mit den alten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfunden haben, haben Sie ja schon erzählt, aber vielleicht könnten Sie es trotzdem noch einmal ganz kurz in einem geschlossenen Statement sagen, ohne da so Umschweife zu machen.


Teilnehmer: Ja, die Mitarbeit mit den beschäftigten im Verkehrsministerium war auch sehr gut, aber direkten Kontakt, also dass ich jetzt Dienstaufträge an die Beschäftigten hätte weitergeben können, der war nicht. Das ging alles über den Stab der bei mir am Tisch saß, und das hat gut funktioniert. Ich habe zwar bei bestimmten Besuchen mal in das Nachbarzimmer geguckt oder bin mal eine Etage drüber gegangen und habe die Mitarbeiter besucht, die waren alle sehr freundlich, und ich habe gesehen, die waren auch alle sehr fleißig, kann dazu nichts negatives sagen. Also die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten dort war gut, und ich empfand dass es eigentlich nicht besser sein kann. Denn der Dienstfluss, also der Informationsfluss, der lief halt eben so. Volkskammer, Dott oder Minister, je nachdem wer es war, in die Arbeitsberatungen hinein, und die haben dann die Aufträge an die Beschäftigten gegeben, und dann kam wieder der Rücklauf. Und so ging das dann immer weiter. Interviewer: Und wie kam es dann nun zu Ihrer Berufung? Das haben Sie ja schon so ein bisschen angerissen, Sie haben erzählt von dem Herrn Viehweger, der, dessen Posten Sie eigentlich hätten besser bekleiden können.


Teilnehmer: Ja, wie es zu meiner Berufung kam, wir haben erst mal in der Partei bestimmte Posten natürlich auch besetzen dürfen, weil wir ja eine relativ, in dieser Dreierkonstellation DA, DSU, CDU, eine relativ große Gruppe doch auch waren, wir hatten ja, ich glaube, 25 Abgeordnete da, und wir konnten also mehrere Funktionen besetzen. Das hieße, zwei Minister hatten wir besetzt, und ich glaube drei Staatssekretäre. Da wurde natürlich nach den Befähigungen geguckt, denn wir 4 hatten ja keine Legitimation weil wir das schon mal irgendwo gemacht hatten, wir waren ja alles Neulinge. Manche sagen ja heute spaßeshalber Laienkabinett und so, dem stimme ich nicht zu, wenn ich sehe wie heute Minister ausgewechselt werden, damals sind wir eingesetzt worden nach unseren Befähigungen, wir kannten also unsere Ressorts, oder das was wir eigentlich zu tun hatten. Natürlich nicht in dem übergeordneten Bereich, aber wir hatten Ahnung vom Fach. So, und da sind also die Leute überwiegend so eingesetzt worden, Gesundheitsministerin war eine Ärztin, S.B. Pohl, ich als parlamentarischer Staatssekretär war Hochbauingenieur, dann gab es andere die auch dienstmäßig nah dran waren an ihrem Ressort. Ich würde sagen, also so laienmäßig waren wir nicht, wir wussten schon was wir tun, und wir haben uns dadurch natürlich auch keine faulen Eier unterschieben lassen, das heißt also dass jemand von uns was verlangt hätte was dienstlich gar nicht möglich war, das hat unsere Befähigung verhindert, also so ist es dazu gekommen dass ich in der Fraktion natürlich auch den Finger gleich gehoben habe, schon mal erstens als Bausekretär, als Bauminister, und als das nicht wurde habe ich gesagt, also ich muss ja irgendwas tun, als Abgeordneter hier sitzen, das ist mir zu wenig. Und da haben die das dann so weitergeleitet, dann bewirb dich doch als parlamentarischer Staatssekretär, das stellen wir so durch. Unser Vorsitzender Walther, der ist ja auch schon tot, und dann bekam ich die Berufung von Lothar de Maizière, und dann ging das los. Dann habe ich mein erstes Gespräch gehabt mit dem Minister Gibtner, habe ihm gleich gesagt dass ich nicht gekommen bin um gegen ihn zu arbeiten sondern mit ihm zusammen zu ziehen an einem Strick den wir beide vorhaben, das heißt also, möglichst anpassen an bundesdeutsches Recht, denn die Bundesrepublik war unser großes Vorbild bis dahin, und wir wollten halt eben die DDR dort hinbringen. Dass wir jetzt, sagen wir mal, gleich die Einheit angestrebt hätten habe ich in dem Gespräch mit meinem Minister nicht gesagt. ich wusste ja auch nicht was so ganz im Hinterstübchen seines Kopfes vorgeht, musste auch ein bisschen vorsichtig sein. Aber wie gesagt, wir haben uns gut zusammengefunden, ich war bei ihm auch zuhause in der Wohnung, und es war ganz toll. Und er hat dann hinterher auch gesehen dass ich das so mache wie ich das gesagt habe, also ich habe wirklich mitgezogen und nie gegen ihn gearbeitet. Bis heute, also, Sie hören es ja, bis heute nicht.

Interviewer: Wie war es denn damals überhaupt bestellt um das Verkehrsnetz der DDR? Also es gab eine Menge, die Reichsbahn, die Schiffswege, die Straßen, also was waren da für Sie die dringensten Aufgaben? Also im Hinblick auf die bevorstehende Vereinigung.


Teilnehmer: Ja, die bevorstehende Vereinigung war uns ja terminmäßig am Anfang noch gar nicht so bewusst, das kannten wir ja noch nicht, am Anfang. Ich wusste wie die Straßen aussehen, ich wusste wie die Bausubstanz in der DDR aussieht, ich wusste wie die Schiffswege aussehen, die Interflug kannte ich, aber da fiel ja Gott sei Dank keiner runter in der Zeit, und auch kurze Zeit vorher nicht, also hatten wir gute Flugzeuge und eine gute Wartung. Wie gesagt, wir haben erst mal begonnen an der Stelle wo die alten aufgehört hatten, wir haben erst mal so weiter gemacht und wollten dann peu à peu das neue Recht einführen. Das heißt also, Straßenbau, Organisation der neuen Hierarchie über die Straßenbauämter und die Straßenmeistereien, so wie das die Bundesrepublik hatte, genau so hatten wir das ja nicht. Wir hatten, wir haben dann das so, also ich habe das so in den Arbeitsberatungen auch dargelegt, und alle haben gewusst, wir machen hier mit und wir setzen das so durch. Und wir haben also dann so langsam, nach und nach, nicht von heute auf morgen, sondern peu à peu, in dieser kurzen Zeit trotzdem, begonnen die Straßenbaudinge, die Verkehrsdinge, die Schiffsdinge, auch gewichtsmäßig, Portage und so, umzustellen auf die Normen, vor allen Dingen auf die DIN-Normen die wir aus dem Bundesministerium der Bundesrepublik bekommen haben und die wir dann so nach und nach eingeführt haben, als unsere TGL.

Interviewer: Von der TGL zur DIN-Norm, ja. Aber die DIN-Norm ist ja gar keine rechtliche Verpflichtung gewesen.

Teilnehmer: Nein, ist es nicht, aber wir wollten es ja so. Die frei gewählte Volkskammer hatte im Grunde ein Ziel, ausgenommen von ganz Wenigen, die aber keine Mehrheit hatten. Wir hatten das Ziel uns einzustellen und umzustellen, oder die DDR reif zu machen für eine Vereinigung, egal wie sie denn aussieht, das wussten wir ja in den ersten Tagen noch nicht.

Interviewer: Es gab die Wirtschaftsunion, Sozialunion.

Teilnehmer: Ja, man kann davon sprechen, weil wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des westlichen Verkehrsministeriums hatten. Die hat man auch kaum gespürt, sollten wir auch nicht. Also die wollten es möglichst sachte machen, und wir waren bereit dazu, das heißt also, ein Gegeneinander hätte da gar nichts gebracht, hätte nur die Dinge verzögert. Also haben wir miteinander gearbeitet, und wir haben gut miteinander gearbeitet, und ich habe im Moment keine Erinnerung daran dass wir mal nicht einer Meinung gewesen wären wenn wir ein Gespräch beendet hatten. Das heißt also, wir hatten, es war ja auch ein Minister, ein Verkehrsminister der CSU, und die CSU war unsere Schwesterpartei, und daher war es relativ leicht schon für mich mi t den Leuten des Verkehrsminister iums in der Bundesrepubl ik zusammenzuarbeiten.

Interviewer: Wie funktionierte denn überhaupt die, also, Zusammenarbeit DSU CSU, wie kann man sich das vorstellen?


Teilnehmer: Also die Zusammenarbeit zwischen der CSU und der DSU, die hat überwiegend stattgefunden bevor wir in die Volkskammer kamen, hinterher war kaum noch Zeit. Wir hatten uns so aneinander gewöhnt, ich habe ja auch zu Dienstgesprächen in München mit teilgenommen, und da haben wir bestimmte Dinge in die Wege geleitet, die dann natürlich auch so, ich sage mal, umgesetzt worden sind. Ich nehme sogar an im Hintergrund, bei meiner Ernennung als parlamentarischer Staatssekretär hat auch eine Rolle gespielt dass die Leute der Schwesterpartei, der großen Schwesterpartei CSU mitgedrückt haben dass ich das doch machen soll. Ich kann das nicht beweisen, aber ich vermute das so, denn es war von dort niemand dagegen, die Zusammenarbeit hat also vorher stattgefunden, in der Organisation, im Aufbau. Ich musste ja erst mal, von Schwerter zu Pflugscharen, im neuen Forum erst mal umsteigen auf die DSU. Ich habe gemerkt dass im neuen Forum auch einige Leute drin waren denen ich so nicht von heute auf morgen vertraut hätte, alleine schon aus ihrer Biografie und aus ihrer Geschichte. Ich will nichts sagen gegen Jens Reich, ein kluger Kopf, Mitglied der wissenschaftlichen Akademie, aber seinen Weg den er in der DDR gemacht hatte war für mich Grund genug misstrauisch zu sein. Da gab es noch ein paar andere Leute, und als es dann nachher soweit war und ich mit meinem Pfarrer, also eigentlich mein Ratgeber in Halberstadt, gesprochen habe, und habe gesagt, ich will in keine Partei in der informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit sind. Das können Sie nicht so unbedingt ausschließen, sag ich, ausschließen nicht, aber weitestgehend ausschließen möchte ich das schon, dass ich da zuhause bin wo ich nicht von solchen Leuten umgeben bin. Da hat er gesagt, da bleibt nur die DSU, das war also noch vor dem, da bleibt nur die DSU, denn das andere ist eine Blockpartei, und da kann ich wirklich nicht ausschließen. Und das war ja nachher auch der Beweis dass.


Interviewer: Wir müssen kurz unterbrechen. [Unterbrechung] Gut, ich glaube wir waren ungefähr stehengeblieben, Sie sagten.


Teilnehmer: Ja, dass ich in eine unbelastete Partei gehen wollte. Also mit meinem Pfarrer war ich mir einig, der hat gesagt, also wenn, dann da. Dann hat er mich in Magdeburg mit Leuten zusammengebracht die auch katholisch waren, und hat mich nach München geschickt. Das waren so eigentlich die Anfänge dessen was sich nachher kristallisiert hat in meiner Spitzenkandidatur als Vorsitzende der DSU in Sachsen-Anhalt, und Platz eins auf der Landesliste. Und so kam ich dann auch in die Volkskammer, und gestützt und auch getragen von den Wogen der Partei, der Kirche, des Glücks, und wie auch immer bin ich dann in diese Funktion gekommen. Ich will nicht sagen es hätte auch anders laufen können, hätte schon, aber es ist eben so gelaufen, und ich bin heute froh drum dass ich da mitarbeiten durfte. Und vor allen Dingen auch nachher am Einigungsvertrag bestimmte Dinge mit tun durfte.


Interviewer: Wie war denn Ihr Wirken am Einigungsvertrag?


Teilnehmer: Ja, da waren wir ja nur ressortbezogen. Also wir haben also über unser Haus eine ganze Menge zusammenzutragen gehabt, als der Einigungsvertrag in Arbeit war, da waren ja eigentlich unsere Gesetze schon kompatibel, es war nicht mehr schwer das jetzt zusammenzubringen. Dass sich jetzt Schäuble und Krause da zusammengesetzt haben und haben die Arbeit gemacht, den Einigungsvertrag aufzuschreiben und zusammenzufügen, war im Grunde, die hatten genauso wenig Ahnung von irgendwelchen fachlichen Dingen wie ich von der Medizin oder von sonst irgendwas, alle Ressorts haben zusammengearbeitet, und ich für mein Ressort habe mit dem Minister zusammen das so fertig gemacht dass es in den Einigungsvertrag eingepasst werden durfte, es wurde natürlich auch durchgesehen von den Mitarbeitern des Verkehrsministeriums der Bundesrepublik. Das musste ja, wir mussten es ja alle zusammen mittragen. Aber Sie sehen an dem Einigungsvertrag der dort auf dem Tisch liegt, an der Urschrift, was dort noch als erstes steht, Einigungsvertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Es gibt auch Ausgaben die später kamen, da steht es umgekehrt, aber wie gesagt, wir haben das so hingekriegt, wir haben diesen dicken Einigungsvertrag zusammengebracht, ich für mein Ressort habe einen kleinen Teil dazu beigetragen und bin stolz darauf, und...

Interviewer: Was war das denn für ein Teil?


Teilnehmer: Naja, das Verkehrsressort. Den Straßenbau, die Reichsbahn, also das Schienennetz, und die Seeschifffahrt, und die Interflug. Also das war ja alles im Verkehrsministerium zusammengefasst, und das haben wir so übernommen und haben das bis zum Schluss auch so gehabt, es war ja alles zentral. Und das ist auch so geblieben bis ganz zum Schluss, deswegen auch die vielen Mitarbeiter, das war sehr breit. Diese, ich könnte jetzt sagen, ich habe das alles selbst gemacht, habe ich ja nicht. Mit dem Mitarbeiterstab, und ich hatte das schon ausgedrückt, der sehr arbeitswillig und fleißig mit daran gearbeitet hat, haben wir diese Sachen so zusammengebracht dass man sie nachher in dem Einigungsvertrag zusammenfügen und aufschreiben konnte. Vorher, das möchte ich nicht vergessen, haben wir natürlich einige bestimmte Gesetze, und das waren da doch auch ziemlich viele, man sieht es ja, in der Volkskammer erst mal entscheiden lassen müssen. Also ausgearbeitet, versucht es anzupassen, dann die Entscheidung in der Volkskammer, die Abstimmung, und dann hatten wir was, was dort eingefügt werden konnte. Das war so der Werdegang.

Interviewer: Ab e r h a b e n Si e v i e l l e i c h t k o n k r e t e Be i s p i e l e ? Wa s Prägnantes?


Teilnehmer: Was Prägnantes. Nein, also ich habe, was Prägnantes, könnte ich so nicht sagen. Also der Schienenverkehr war ein bisschen ruppig manchmal, aber..

Interviewer: Inwiefern?


Teilnehmer: Naja, es war ein Geflecht, Keddi als Vorsitzender der Deutschen Reichsbahn war der allmächtige Mann bei der Reichsbahn, und wir waren nun plötzlich da. Das hat ihm innerlich wahrscheinlich nicht gefallen, und er konnte es aber so deutlich nicht sagen, dafür war er zu intelligent. Man hat aber gemerkt wie widerwillig manche Dinge bei ihm umgesetzt werden konnten. Ich will da jetzt konkret nichts weiter dazu sagen, auch zum Namen Deutsche Reichsbahn und dass das nachher Bundesbahn sein sollte.


Interviewer: Na, ich versuche mir ja nur vorzustellen, was waren das denn für Paragraphen quasi die dann tatsächlich im Einigungsgesetz, im Einigungsvertrag gelandet sind, wo es konkret um die Verkehrsunion ging, also Privatisierung der Bahn wird es ja damals noch nicht gewesen sein.


Teilnehmer: Ja, wenn sich mich so konkret fragen, dann muss ich hinter Sie fassen, den Einigungsvertrag aufschlagen und die mehreren hundert Seiten mir durchsehen, das konnte ich im Vorfeld unseres Gesprächs hier ja nicht. Dann könnte ich Ihnen jetzt Beispiele, dann würde ich mich sicherlich an das Eine oder Andere auch erinnern, aber das war so breit, und das war so viel, dass ich mich heute zwar an die Arbeitsberatungen erinnern kann, und an die vielen Themen die quer über diese Gebiete gingen, Reichsbahn, Seeschifffahrt, Interflug und so weiter, dass ich da heute nicht mehr jetzt ein konkretes raus, und um konkrete Dinge haben wir uns dort auch weniger gekümmert, dort gingen Aufträge raus. Wir haben also Texte zusammengefügt die gekommen sind aus dem Westen, die wir selber hatten, und haben versucht die in Deckung zu bringen, und dann gingen Aufträge raus an die Mitarbeiter des Hauses. So war das.


Interviewer: Gut. Aber die Maxime von Horst Gibtner, also möglichst zügig die BRD Systeme auch in Sachen Verkehr zu übernehmen in der DDR, das steht schon so, das war dann so, oder?


Teilnehmer: Ja, also da waren wir uns, also der Minister und ich, wir waren uns einig, und sicherlich auch die mir nicht bekannten zwei anderen Staatssekretäre die dort noch im Haus gearbeitet haben. Wir waren uns sicher alle einig, aber ich kann jetzt nur für den Minister und für mich sprechen, wir haben uns ja öfter gesehen in der Volkskammer und auch zu Arbeitsberatungen. Wir waren uns einig dass wir möglichst schnell das bundesdeutsche Recht einführen, denn man hat ja gesehen, die Ergebnisse, bundesdeutsches Recht, bundesdeutsches Verkehrsressort, wie sehen die Straßen aus, wie sehen die Autobahnen aus bei uns, wie sehen die Autobahnen und die Straßen aus in der Bundesrepublik? Wir konnten sie uns doch ansehen. Und das war doch die Basis, und wir können nicht sagen dass wenn die Straßen in einwandfreiem Zustand waren in der Bundesrepublik, und die Autobahnen ebenfalls, und das Verkehrsressort, und im Grunde alles was eigentlich zu unserem Aufgabengebiet in der DDR auch gehörte, wenn das in Ordnung war, dann können wir nicht sagen, das was ihr uns rübergebt, das ist schlecht, oder wir wollen das so nicht. Das war wirklich supergut, und deshalb haben wir auch keine Probleme gehabt das schnell umzusetzen, das was Gibtner gesagt hat. Genau dasselbe habe ich damals auch gesagt, und das sage ich heute noch, es war richtig so dass wir das bundesdeutsche Recht möglichst nah an unser Recht herangebracht haben.


Interviewer: Sie sagten dass im Endeffekt der Einigungsvertrag ja auch zunächst in der Volkskammer vorbereitet wurde durch neue Gesetze die erlassen wurden in großer Vielzahl. Wie war es überhaupt möglich in der kurzen Zeit diese Gesetze dann auch auf regionalen Ebenen durchzusetzen, umzusetzen? Also die Infrastrukturen und die Verwaltungsstrukturen tatsächlich dann so schnell anzupassen, welche Schwierigkeiten gab es dabei?


Teilnehmer: Ja, da gab es Schwierigkeiten, die ich aber zu der Zeit noch nicht kannte. Heute kenne ich die Schwierigkeiten die es damals gab, denn ich habe die in Berlin in der Volkskammer und im Ministerium nicht gesehen, und man hat sie auch nicht an meine Ohren gebracht. Je weiter nach unten in der Hierarchie das ging, umso, heute weiß ich das, umso bockiger wurden manche Dienststellen in der damaligen DDR das umzusetzen. Mir hat man immer gesagt, das wird so durchgesetzt und so weiter, und die höheren Ebenen, da waren die Mitarbeiter sehr intelligent, die haben das auch nicht gezeigt, aber in den unteren Ebenen, da war man das so gewöhnt in der DDR. Die Befehlswege waren ja noch da, und die haben wir auch genutzt. Denn das wurde ja nicht gleich von einen Tag auf den anderen umgestellt, die Befehlswege waren da. Ich kann da ein Beispiel nennen, ich habe Eppelmann gefragt ob ich zum Wahlkampf nach der Volkskammer für die DSU nicht einen Militärwagen der Volksarmee bekommen könnte. Da hat er sich hingesetzt, Eppelmann, schreibt auf, ich soll den Wagen mit den Lautsprechern bekommen, damit bin ich in Halberstadt zum Militär gegangen, die haben erst mal vor mir stramm gestanden, mir sofort den Wagen ausgehändigt, das ist heute unmöglich so was, ja. Das waren die Befehlswege. So, und dann habe ich den Wagen genommen, die DDR-Sachen rausgeschmissen, die Lautsprechersachen drin gelassen, und dann hatten wir für die DSU einen Wagen für die Wahlpropaganda. Ich muss heute lachen wenn ich dran denke wie einfach das ging, ja. Mit einem kleinen Schrieb mit der Originalunterschrift vom Abrüstungsminister habe ich dieses Auto bekommen, aber das gehört eigentlich nicht hierher, aber ich wollte nur damit sagen, die Dienstwege waren noch so wie sie zu DDR-Zeiten waren. Also da oben steht jemand, der, ich will nicht sagen befiehlt, der sagt wie es gehen soll, und hier, ich muss das durchsetzen, oder ich muss es umsetzen, oder ich muss es machen. Und deswegen war es auch im Grunde relativ leicht, auch wenn in den unteren Ebenen, zum Beispiel direkt im Straßenbau, das nicht so einfach durchsetzbar war, weil, wenn da auch alle die da gearbeitet haben nicht, sagen wir mal, gleich der Meinung waren, man muss das jetzt so tun. Aber wie gesagt, davon habe ich in Berlin nichts erfahren, und für mich ist es eigentlich relativ leicht gewesen die Dinge umzusetzen, auch in die Befehlswege oder in die Verwaltungswege reinzubringen.

Interviewer: Sehr gut. So kommen wir doch voran. Für Sie alles in Ordnung so?

Teilnehmer: Ja.

Interviewer: Ok. Gut. Entflechtung, Privatisierung und Abwicklung der großen staatlichen Verkehrsbetriebe. Das betraf eben ja auch aber ganz viele Menschen die seit Jahr und Tag in diesen Verkehrsbetrieben arbeiten. Wie, gab es Ansätze, also Manfred Dott 10.11.2015--wie versuchten Sie auch die Leute, also Lösungsansätze zu entwickeln um eben die Betriebe und die Menschen in den Betrieben zu halten? Aber eben eine Privatisierung gewährleisten zu können.


Teilnehmer: Die Abwicklung der Menschen in den Ministerien war nicht meine Aufgabe. Das ist erst geschehen als wir die deutsche Einheit hatten. Danach, vorher nicht. Das haben zwar viele geahnt und viele gewusst dass es abgewickelt wird, dass es zusammengebracht werden wird und dass nicht alle übernommen werden können, haben wir alles gewusst, aber es war nicht so, bis zum letzten Tag, und dagegen habe ich mich auch gesträubt. Innerlich gesträubt, nach außen nicht gezeigt, dass ich an dieser Abwicklung mittun wollte. Irgendwie ging mir das gegen den Strich, und ich habe gedacht, wenn du es schaffst und kommst in den Bundestag, dann hast du mit dieser schwierigen Aufgabe noch früh genug zu tun, bin ich aber nicht, sodass mein Ministerium bis zum Schluss, bis zur Verabschiedung durch den Bundesminister für Verkehr nicht abgewickelt wurde. Es bestand also bis zu dem Tag, und meines Wissens wurde auch bis dahin niemand entlassen, und die Rationalisierungen die da ins Haus standen waren eigentlich nicht mehr meine Aufgabe. Denn meine Aufgabe endete mit dem Tag der Deutschen Einheit, und, mit der Feierstunde.


Interviewer: Ok. Aber was ja ein spannendes Beispiel ist, ist eigentlich Interflug. Also zumindest findet man das in den Quellen so, dass es Bemühungen gab Interflug von Lufthansa übernehmen zu lassen, das platzte dann aber aufgrund einer Intervention des Kartellamtes, und dann letztendlich wurde Interflug komplett zerschlagen. Ist das nicht aber gerade auch ein Beispiel dafür dass diese Bemühungen auch die Strukturen aus der DDR ja ein Stück weit zu retten, zu übernehmen, in die DDRrechtlichen Rahmenbedingungen hinüberzuführen, aber trotzdem sie weiter existent zu erhalten, dass sowas scheitern, doch dann letztendlich gescheitert ist auf großer Ebene in der DDR. Wie sehen Sie das?


Teilnehmer: Es wäre jetzt vermessen zu sagen ich trauere der DDR nach. Ich trauere ihr wirklich nicht nach, ich trauere auch nicht nach den Institutionen die es damals gab. ich habe gegen die Institutionen gearbeitet bis ich in die Volkskammer gewählt wurde, und ich weiß aber dass es sehr ungeschickt gemacht wurde, was dort schon in Vorbereitung war. Also ich habe Rohwedder kennengelernt, ein für mich so unsympathischer Mensch dem ich nie wieder begegnen wollte nachdem ich ihn einmal getroffen hatte und nachdem ich dabei war wie er mit Leuten, wo die her waren, also mit Leuten aus Ministerien in der Volkskammer in einem Nebenraum umgegangen ist. Der hat die angebrüllt, und ich denke, was ist das denn? Rohwedder, Rohwedder, so ein berühmter Mann. Treuhand, und der hat so viel Macht. Und ich, also, das ist eines meiner unangenehmsten Erlebnisse in der Endphase der 10. Volkskammer, also solche Menschen habe ich nur wenige kennengelernt. Die meisten Menschen die ich kennengelernt habe aus dem Ministerium aus den West-Institutionen waren in Ordnung, und die haben auch mit uns gut zusammengearbeitet, aber wie gesagt, mit der Brechstange, wird auch noch jemand anders gegeben haben, aber ich habe Rohwedder kennengelernt, und das war ein ganz schlimmer Mensch. Nur leider habe ich ihm den Tod nicht so gewünscht wie er denn anschließend gekommen ist, aber es haben sicher andere Leute sich auch an seiner Art gestoßen.


Interviewer: Ok. Wenn wir dann jetzt schon gerade beim Lästern sind, was ist da, was, was dieser Übernacht-Verkauf der ostdeutschen Autobahnraststätten, was ist da Ihre heutige Sicht auf die damaligen Geschehnisse?

Manfred Dott (Teilnehmer) 10.11.2015


Teilnehmer: Der Übernacht -Verkauf der deutschen Autobahn, Autobahnraststätten. Ich kann das hier, ich habe das schon bis zum heutigen Tag so oft sagen müssen, es steht auch in meiner Biografie wie das damals gelaufen ist, aus meiner Sicht. Es gibt ja sicherlich auch eine andere Sicht, aber aus meiner Sicht war das so, eigentlich wäre das eine Aufgabe gewesen die zwischen Gibtner und dem parlamentarischen Staatssekretär des Verkehrsministeriums hätte laufen müssen, oder hätte laufen können, und wie auch immer, aber ich war so beschäftigt mit dem Hin und Her, ich habe das schon mehrfach geschildert, Gesetze ausarbeiten, Gesetze zusammenbringen, versuchen die Texte übereinander zu legen und dann damit als Gesetzesvorlage in die Volkskammer zu gehen, damit war ich so beschäftigt, und heute sage ich sogar, es war vielleicht auch eine gewisse Absicht dahinter mich so zu beschäftigen dass ich von dem Verkauf der Raststätten überhaupt nichts mitgekriegt habe. Ich habe hinterher dann erfahren, aus der Zeitung und so, dass ein Staatssekretär der eigentlich mit dem Verkehrsministerium überhaupt nichts zu tun hatte sich da eingemischt hat, und hat die Raststätten verkauft. Wie der so viel Macht erlangen konnte kann ich mir zwar vorstellen, aber ich kann es hier nicht öffentlich sagen. Das heißt also, er muss in dem engen Kreis, de Maizière, Gibtner, das waren ja zwei Familien die sehr eng zusammen auch privat befreundet waren, muss ja Dinge gewusst haben, dass er im Verkehrsministerium die Macht bekommen hat dieses zu tun, und dieses, sagen wir mal, anzuschieben. Denn ganz abgewickelt wurde das ja bis zum Ende der Volkskammer nicht, aber er hat es eben schon in die Wege geleitet, diese Verkäufe. Und ich habe es nicht gewusst, ich habe es hinterher erst erfahren, und habe auch den Kopf geschüttelt, wie konnte dir das entgehen? In den Arbeitsberatungen, niemand hat mich darauf aufmerksam gemacht dass so was im Gange war, und ich bin der festen Überzeugung dass an meinem Beratungstisch, dass es da Leute gab die das gewusst haben was da läuft, aber die sich nicht getraut haben mir was zu sagen, die vielleicht gedacht haben, lass ihn mal weiter die Gesetze in der Volkskammer vortragen, und lass ihn mal weiter diese, seine Aufgaben erledigen, alles andere machen wir. Und ich habe ja nicht gewusst dass er so, das ist ja eine Sache die, ich würde sagen, die grenzt ja an Unverschämtheit, denn er hat ja da, wenn ich das was ich in der Bild Zeitung gelesen habe, und auch in der Volksstimme gelesen habe, sehr zu seinem eigenen Vorteil gearbeitet. Und das hat ihm nachher auch das Genick gebrochen, das war auch gut so. Und ich sehe, ich muss ihn ja heute immer wieder mal sehen, und kein Wort der Reue, kein Wort des Bedauerns, alles andere und alles mögliche, nur über die Raststätten spricht er nicht. Und es ist auch niemand da der ihn fragt, nicht, ich tu es auch nicht. Obwohl ich das eigentlich als parlamentarischer Staatssekretär könnte, könnte man sagen, was hast du damals in meinem Ministerium, oder in unserem Ministerium gemacht mit den Raststätten? Aber wie gesagt, das hat ja nicht ganz hingehauen, und seine politische Karriere hat er damit selbst beendet.

Interviewer: Ok. Sie sprachen das jetzt in diesem Kontext an, Sie waren, Sie hatten so viel zu tun, da war ein ständig auch hin und her zwischen Ministerium und Volkskammer. Wie ist Ihnen das überhaupt gelungen diese beiden Funktionen auszufüllen? Und welchen Stellenwert, wie waren Sie dann als Staatsminister für Verkehrspolitik letztendlich auch in der Volkskammer gefordert?


Teilnehmer: Ja, das war nicht einfach. Ich habe aber versucht an allen Volkskammersitzungen teilzunehmen die es mir irgendwie möglich gemacht haben. Ich musste zwar mal zur europäischen Verkehrskonferenz eine große Rede halten in Prag, die anschließend, also ich habe mich selbst gewundert, wie viel das war, ich 11 Manfred Dott 10.11.2015 habe das so gar nicht festgestellt, hinterher habe ich gedacht, ach, du warst so schnell fertig, hat man mir vorgearbeitet wie das heute ähnlich ist, ich hatte ja Leute, die konnten solche Reden gut schreiben, ich habe die durchgesehen, habe die dort gehalten, und anschließend war eine ganze Broschüre draus geworden aus dieser Rede. Da war ich mal nicht in der Volkskammer, und da war ich mal nicht im Verkehrsministerium. So was musste ich auch machen, aber im Großen und Ganzen war ich überall dabei und habe, wenn der Minister nicht konnte oder nicht wollte oder sich nicht gefühlt hat, habe ich auch seinen Platz auf der Regierungsbank eingenommen und habe dort das alles so hingekriegt. Ich kann nur sagen, ich habe meinen Sport damals, den ich zu DDR-Zeiten schon begonnen hatte, gebraucht. Ich bin damals auch jeden dritten Tag mehrere Kilometer Dauerlauf gelaufen, egal wo es denn war, und auch wenn mein Minister mit mir geschimpft hat, ich brauchte das, ich musste das haben. Und dann habe ich auch, wenn wir bis tief in die Nacht hinein gearbeitet haben in der Volkskammer, ich war dann auch überwiegend bis zum Schluss dabei, dann habe ich mich auch morgens mal, dann habe ich mich ins Bett gelegt und habe dann auch mal bis um zehn Uhr geschlafen. Und wenn ich mal um neun Uhr schon im Ministerium sein konnte, dann hat mein Mitarbeiter, war ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, gesagt, Herr Dott, gehen Sie in Ihren Raum, ich postiere mich hier vor der Tür, es kommt niemand rein, das versichere ich Ihnen. Schlafen Sie mal eine halbe Stunde und dann geht es wieder besser. Das habe ich dann auch gemacht, da war eine Couch drin, habe ich mich hingelegt, im Ministerium, und habe da ein bisschen geruht. Irgendwie musste man das ja hinkriegen, sonst hätte man das gesundheitlich gar nicht geschafft.


Interviewer: Wie schätzen Sie denn das Verhältnis von Kabinett und Volkskammer rückblickend ein?

Teilnehmer: Rückblickend, das Verhältnis von Kabinett zur Volkskammer war durchwachsen. Also wir, die wir die große Mehrheit hatten in der Volkskammer, haben natürlich das Kabinett gestützt, das ist klar, deswegen hatte das Kabinett es auch nicht so schwer mit der Durchsetzung einiger Dinge. Aber, wie gesagt, der Wind war scharf in der Volkskammer, es kamen ja in der frei gewählten Volkskammer ja auch noch andere dazu, da war ja die PDS, also die Soft-SED, da war die Bauernpartei und noch einige kleine, und die haben alle, die waren ja früher schon dabei, und die haben natürlich alle dagegen gearbeitet, und auch über ihre Personen die sie in unserer Regierungskoalition hatten. Das waren zwar nicht viele, aber doch gab es die. Das waren also, ich erinnere mich an den Namen Kirchner in der CDU, der sich nachher kaum noch getraut hat die Volkskammer zu betreten weil man ihn bald gesteinigt hätte, von dem man dann wusste dass er ganz eng mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet hat, und andere auch, ja, Aber es waren halt wenige, die meisten der CDU, wenn sie auch in der Blockpartei der CDU waren, waren zwar vorher der SED-Diktatur ausgeliefert, und haben da auch mitgezogen, muss man heute mal so sagen, aber die haben sehr schnell gemerkt dass sich der Wind gedreht hat, und die Christen darunter, die haben dann doch zugesehen dass sie sich mit der CDU in der Bundesrepublik zusammensetzen und da irgendwie eine Einheit draus zu bilden. Diese Schwierigkeiten hatten wir in der DSU nicht. Wir waren eine neue Partei, wir waren uns einig mit unserer Schwesterpartei der CSU, und das hat sehr gut geklappt.


Interviewer: In den Blockparteien gab es ja auch Einige die dann hinterher, denen vorgeworfen wurde mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben. Warum, es gab wahrscheinlich immer schon Diskussionen auch in der 10. Volkskammer, warum hat es denn so lange gedauert, und wie haben Sie sich vielleicht auch persönlich dabei 12 gefühlt, der ja einer derjenigen war der auch unter der Stasi zu leiden hatte?


Teilnehmer: Ja, also warum es so lange gedauert hat bis wir Klarheit hatten wer in der 10. frei gewählten Volkskammer der DDR Stasi-Mitarbeiter war, also informeller Stasi-Mitarbeiter oder dem Verdacht der informellen Mitarbeit der Stasi ausgesetzt zu sein, bis wir da Klarheit hatten, das hat deshalb so lange gedauert weil es einige Leute gab, in ganz hohen Funktionen, die sich partout dagegen gewehrt haben diese Aufklärungsarbeit schnell zu betreiben. Wahrscheinlich, sage ich mal so, weil sie selbst informelle Mitarbeiter waren, oder weil sie gedacht haben, ihre Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit, die es vorher mit hundertprozentiger Sicherheit gegeben hat wird sich daher aufklären und ihnen schaden. Und ich habe so einige private Studien gemacht zu der damaligen Zeit, wenn Kohl kam, und Lothar de Maizière, dann gingen die nebeneinander her als kennen sie sich gar nicht. Die haben sich kaum mal freundlich in die Augen geguckt, ich war ja öfter mal dabei, da hat man gemerkt, da ist was. Kohl, entweder weiß der was, oder irgendwas muss da sein was ihn so reserviert erscheinen lässt. Waren beide reserviert, und wenn ich das Verhältnis von Lothar de Maizière zu Gysi sehe, die waren wie Kumpel. Die haben miteinander geschäkert und waren freundlich miteinander, auch das habe ich gemerkt. Das hätte ich ja auch sein können, aber Gysi hat mit mir noch nicht mal auf der Toilette gesprochen wenn wir nebeneinander gestanden haben. Also das habe ich versucht, mit ihm mal ins Gespräch zu kommen, privat, ging nicht. Und da macht man sich ja so seine eigenen Gedanken, was er sein kann. Heute weiß man, es gibt Verdacht, nie bestätigt, immer bestritten, und so von vielen Leuten, und ich sehe darin einen Grund warum es so lange gedauert hat. Auch Diestel, der Innenminister, der aus der DSU kam und dann in die CDU gegangen ist, hat da eine unrühmliche Rolle gespielt. Er war auch keiner derjenigen die das nach vorne gedrängt haben. Er hat es mir mal gesagt, so in der Hälfte der Zeit der Volkskammer, kam er mal zu mir und hat gesagt, du, hör mal, ich habe alle eure Stasi-Akten gesehen, und du, du hast die dickste Stasi-Akte von der ganzen DSU. Ja, sage ich, das kann ich mir denken. Bei dem was ich erlebt habe und so, so lange wie ich in [unverständlich 01:04:33] war, da waren die doch misstrauisch von Anfang bis zum Ende der DDR, was ich so tun könnte, und haben mich deshalb auch so genau durchleuchtet. Wenn sie mich auch in den letzten Jahren in Ruhe gelassen haben, und haben mich zum Studium geschickt. Ich weiß ja heute dass mein Nachbar während des Studiums informeller Mitarbeiter war, und was der über mich geschrieben hat, das habe ich erst hinterher gesehen als ich selbst nach der Wende im Innenministerium gearbeitet habe in Magdeburg, da konnte ich mir das angucken. Ich hatte ja auch einen relativ guten Kontakt zu Gauck, und der hat dafür gesorgt dass ich sehr früh meine Akte sehen konnte. Ich konnte es nicht fassen. Leute die mit uns befreundet waren, wir sind als Ehepaar, meine Frau und ich, mit den beiden zusammen zur Feier gegangen und so weiter, ein Mitstudent, ich wurde krank, ich habe Lungenentzündung bekommen, der kam an mein Bett und hat gesagt, ich habe für dich mitgeschrieben. Ich sage, einen besseren Freund gibt es gar nicht, aber was ich hinterher gelesen habe war genau das Gegenteil. Hat er über mich Berichte geschrieben, die waren unter aller Kanone. Und so gab es halt eben viele Storys die, auch in der Volkskammer, die dazu geführt haben dass bis heute die Aufklärung noch nicht ganz geschafft ist, wer informeller Mitarbeiter war und wer nicht. Es wird bestritten, es wurden Akten vernichtet, ich nehme an, ich will jetzt nicht sagen dass der Innenminister irgendwelche Akten hat verschwinden lassen, auf jeden Fall meine nicht, denn die war noch da. Die hat er durchgeguckt, und hat, naja gut, das kann ihm nur zum Vorteil gereichen bei dem was er so mit den Ausreiseanträgen alles so durch hat, lassen wir so wie es ist. Aber ich nehme an, wenn da jetzt einer, wenn er belastete Dinge gefunden hätte, über sich oder über Leute von denen er in der Volkskammer etwas hatte, ich weiß nicht was er damit gemacht hätte. ich will damit nicht sagen dass er da irgendwas mit, aber ich kann mir schon vorstellen dass Akten in dieser Zeit durchaus weggekommen sind, durch wen auch immer. #01:06:42#


Interviewer: Das was Sie gerade anmerkten, diese permanente Überwachung der Stasi, auch wenn Sie oft erst hinterher erfahren haben wer denn nun genau über Sie berichtet hat, war Ihnen ja wahrscheinlich die meiste Zeit klar dass über Sie berichtet wird. Wie hat denn nun diese Überwachungs-, Repressionserfahrung Ihr politisches Wirken beeinflusst? Hat es das? #01:07:12#


Teilnehmer: Nein, ich muss Ihnen erst mal widersprechen. Ich habe zur damaligen Zeit nicht gewusst dass wenn einer seine Freundschaft so heuchelt, und das wusste ich ja nicht dass es geheuchelt ist, wenn einer mir seine Freundschaft so zeigt, mir hilft, in Bereitschaft ist, im privaten Bereich mit mir zusammen ist, vieles mit mir teilt, dass er so über mich schreibt, das konnte ich mir nicht vorstellen dass Menschen dazu in der Lage sind dann genau das Gegenteil zu schreiben. Das habe ich nicht gewusst, dass Menschen zu so was fähig sind. Also ich habe zwar ein abenteuerliches Leben hinter mir, aber mit der Wahrheit habe ich es fast immer gehalten, und ich konnte mir das nicht vorstellen dass jemand so verlogen über mich schreiben kann. Das war nicht nur er, auch in meinem Berufsleben vorher, bevor ich zum Studium gegangen bin, während der Ausreiseanträge, hatte ich auch Freunde, ganz tolle Freunde, ja, das waren alles informelle Mitarbeiter die mich durchleuchten sollten und die hinterher berichten sollten. Die haben auch fleißig geschrieben, wie sie mich finden und wie ich mich so verhalte. Damals hätte ich es bei den Leuten im Beruf hätte ich es noch eher mir denken können, aber nachher bei dem Mitstudenten, der mein bester Freund war, da war ich so was von perplex wie ich das gelesen habe. Aber wie gesagt, dass es die Leute gab war mir schon klar. Und dass ich nicht, dass ich niemals in diese Situation reinkommen sollte dass man mich vielleicht zu sowas erpressen könnte, ich weiß dass es Leute gab wie zum Beispiel den Volkskammerabgeordneten Altmann aus der CDU aus Halberstadt, der wurde erpresst, und dem habe ich das auch längst verziehen dass er informeller Mitarbeiter war. Der hatte Kinder, die hätten nicht studieren können, und da gab es familiär einige Dinge. Das gab es, aber es war halt nicht in jedem Fall so. Manche haben sich auch selbst angedient und haben sich groß gefühlt für die Staatssicherheit arbeiten zu dürfen. Das war also ein schlimmer Überwachungsstaat, und dass ich überwacht wurde war mir schon klar, aber wie das im Einzelnen aussieht, das habe ich ja nicht gewusst. Das hat man ja hinterher erst zusammengetragen. #01:09:33#


Interviewer: Aber Sie sagten schon dass auch 1989, dass Sie ein ganz vehementes, starkes Bedürfnis hatten gegen die Stasi zu agieren. #01:09:43#


Teilnehmer: Ja, also, ich hatte ein starkes Bedürfnis gegen die Stasi zu agieren, weil ich gewusst habe, die sind dafür da uns zu überwachen, unter anderem. Die hatten ja in alle Bereiche rein, bis in die Volksarmee, bis in die Grenztruppen, bis in die Regierung hatten die ihre Leute. Nicht umsonst hat Mielke oben gestanden und war einer der mächtigsten Menschen in der DDR, und auch einer der gefährlichsten, weil er so dumm war wie er war. Die sind ja sehr gefährlich, und solche Leute gab es in der Staatssicherheit sehr viele, und deswegen musste man sehr vorsichtig sein. Aber als es nachher soweit ging und der Pfarrer zu mir gesagt hat, Herr Dott, ziehen Sie vom Leder was Sie können, jetzt gilt es, und jetzt nach den Westen gehen, das ist nicht. Und das war mir sowieso lange klar, als ich gemerkt habe wo die DDR hinsteuert wollte ich doch nicht mehr nach den Westen. Ich musste hier mithelfen. Ich 14 Manfred Dott hatte zwar die vielen Ausreiseanträge früher mal gestellt, aber in den Westen wollte ich dann nicht mehr. Ich denke, hier willst du dabei sein, so, und dann habe ich mich auch immer gemeldet wenn die Rednerliste ausgelost oder ausgekungelt worden ist in den Kirchen, das war bei uns die Martinikirche, und auch, ich war ja nachher kurze Zeit im Republikforum, im höchsten Gremium des neuen Forums, da war ich immer dabei und habe mich zu Reden gemeldet wo es nur ging. Und das Thema war ja unerschöpflich. Stasi, Stasi, Stasi, Überwachung, Überwachung, und die Polizei, und wie die Stasi wie eine Krake in alle Bereiche hineinragt, das habe ich damals schon, da habe ich vom Leder gezogen. Da hatte ich mir natürlich keine Freunde gemacht, und da habe ich auch mal wieder, wieder mal in meinem Leben sehr gefährlich gelebt. Aber es ging ja alles gut.


Interviewer: Was wollten Sie damals? Eine reformierte DDR? #01:11:32# EINIGE ZEILEN NICHT AUTORISIERT, weil es eine von außen beeinflusste Unterbrechung gab.

Teilnehmer: Nein, ich wollte keine reformierte DDR, eine reformierte DDR wollte ich nicht, von Anfang an nicht. Denn unsere Partei, und auch mein Ratgeber in der katholischen Kirche, wir haben von Anfang an gesagt, egal wie es ausgeht, wir tun alles um wieder ein Deutschland zu werden. Und da hatte ich natürlich keine Schwierigkeiten bei unserer Schwesterpartei, der CSU, mit dieser Auffassung, und das war auch gut so. Und die wussten das, und die haben gesagt, jetzt haben wir hier einen Mann der das vertritt. Und ich glaube, wenn ich hier so zurück gucke in der DSU, da gab es keinen der eine reformierte DDR wollte. Vielleicht Diestel, so im Hinterstübchen, aber der hat es auch nicht gesagt, der hat am Anfang auch so getan als wäre er mit die treibende Kraft bei der Deutschen Einheit, bis er dann zur CDU gegangen ist. Aber wie gesagt, ich wollte keine reformierte DDR, ich wollte die Bundesrepublik Deutschland, das wonach ich eigentlich gestrebt habe, was in vielen Ausreiseanträgen drin stand, ich konnte ja 15 --auch aus meiner Vita nicht raus, wollte ich auch gar nicht, ich wollte in der Zeit meiner Ausreiseanträge, habe ich sehr oft das als Grundlage genommen, dass ich die Freiheit haben möchte die es in der Bundesrepublik gibt, und deswegen will ich mit der Familie dahin. Weil ich die Freiheit hier in der DDR nicht habe. Und das habe ich aber vorher nicht gewusst, ich war so dusselig, so dumm, bevor ich in die DDR übergesiedelt bin, zu glauben dass es mehr Freiheit gibt als die, die wir im Westen hatten. Und deswegen war ich im Westen ja auch auf der Straße. #01:14:31#


Interviewer: Also sie waren in der DSU, die genau die Vereinigung wollte, und das auch so schnell wie möglich. Was gibt es da für eine kleine Anekdote über die Geschwindigkeit mit der man sich das vorgestellt hat? Beziehungsweise, können Sie das noch mal rückblickend erzählen wie da diese Idee überhaupt zustande kam, zu sagen, wir treten sofort bei?


Teilnehmer: Naja, wir treten sofort bei, klar wurde das von uns beantragt, aber da war ich nicht der Wortführer, können Sie sich denken. Aber das es so schnell ging, da wurden wir immer gepusht. Nicht nur ich bin nach München gefahren, sondern auch andere aus unserer Fraktion sind nach München gefahren, und Leute aus München sind nach Berlin gekommen und haben mit uns gesprochen, und da waren wir uns einig. So schnell wie möglich die Einheit Deutschlands. Das daraus jetzt sich ein paar zusammen getan haben die gesagt haben, wir wollen die Einheit noch heute, das war ja gar nicht machbar, und ich weiß gar nicht wie weit die Leute in unserer Fraktion da gedacht haben, da war der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber es war mal wieder ein Aufbäumen und ein Mitteilen dass wir das nicht schleifen lassen können. Dass wir die Leute die, sagen wir mal, zur Mäßigung gedrängt haben, und wir haben ja noch Zeit, dazu gehören Einige, einige Zeit lang auch unser Ministerpräsident Lothar de Maizière, die gesagt haben, ruhig, mit Bedacht und so. Er mag ja für seine Auffassung Recht gehabt haben, aber wir hätten zum Schluss das Gleiche erlebt, oder auch etwas anderes. Wir von der DSU wollten den Kräften die es links gegeben hat keine Zeit geben sich zu erholen, denn die wollten ja die Zeit, die haben ja gedrängt, macht langsam, mal noch eine Wahl und so weiter, und dann werden wir schon sehen. Die wollten sich erholen, und diese Zeit haben wir in der DSU, und auch ich, denen nicht gegeben. Also das war mit der Grund warum wir auf das Tempo gedrängt haben. Wenn es dabei auch so eine Anekdoten gegeben hat, wir wollen die Einheit noch heute, oder wir wollen sie dann nächste Woche und so, das war Unsinn. Aber es hat mal wieder gezeigt dass wir beim Ziehen nach der schnellen Einheit mit ganz vorne am Seil gestanden haben. #01:17:00#


Interviewer: Ok. Und wie haben Sie denn letztendlich den letzten Tag der DDR und den 3. Oktober erlebt, 1990? #01:17:07#


Teilnehmer: Den letzten Tag der DDR, den letzten Tag der DDR habe ich mit meiner Frau im Reichstag erlebt, also bei der großen Feierlichkeit, bei dem großen Feuerwerk was es da gegeben hat. Es war also Feiern, Feiern, Feiern, hier Thomas Gottschalk, da Helmut Kohl, da alle anderen die es so gab, von Funk und Fernsehen, von Politik, es hat niemand gefehlt. Die Leute bekommt man so alle gar nicht mehr auf einmal zu Gesicht, und die haben sich alle gefreut, genau wie wir, dass die Einheit Deutschlands geschafft ist. Genau wie wir uns gefreut haben als die Mauer gefallen ist, zu der Zeit waren wir aber nicht in der DDR. Die Geschichte, ich weiß nicht ob Sie sie wissen wollen, wo wir da waren?


Interviewer: Im Norden, ne?


Teilnehmer: Bitte?

Interviewer: Im Norden. Teilnehmer: Nein, in der Schweiz. In der Schweiz waren wir. Man wollte uns weg haben hier zu der Zeit. Also wir haben uns gefreut am Tag der Einheit. Das ist einer der schönsten Tage meines Lebens, es war geschafft, es war erreicht, egal was jetzt kommt, wenn auch für einige das Anschließende was da kam sehr bitter war, die ihre Positionen verloren haben, die von oben nach unten gesackt sind, einige sind aufgestiegen, aber wenige. Wie gesagt, und die Leute sind heute teilweise verbittert. Ich komme ja mit Volkskammerabgeordneten immer wieder zusammen, ich hatte ja Glück, ich war parlamentarischer Staatssekretär und hatte zwei sehr gute Freunde in der, in Magdeburg, die mich in das Innenministerium gebracht haben, das war der damalige Ministerpräsident Gerd Gies, und der Minister Braun die ich gut kannte, die meine Entlassung, die meine schnelle Entlassung ohne berufliche Perspektive in Berlin nicht gutgeheißen haben, die gesagt haben, dann kommst du zu uns und kommst hier ins Ministerium. Und das war der Punkt wo mein politisches Leben weiter ging, wo es nicht geendet hat. Ansonsten wäre Schluss gewesen. Und viele die ich heute in Berlin treffe, wenn wir mal wieder Treffen der Volkskammer haben, die sagen mir dass sie am Existenzminimum kraxeln, sogar Leute aus der DSU, die sagen, für uns war Schluss anschließend. Finde ich nicht gut. Man hätte zumindest die paar Leute, wenn man sieht was heute für ein Geld verschwendet wird, man hätte wenigstens die paar Leute auffangen müssen. Die Minister haben zwar eine Ehrenrente gekriegt, die auch mickrig ist, aber ich als Mitglied im Kabinett de Maizière, nachdem unsere Minister draußen waren, ich habe bis heute nichts bekommen, keine Ehrenpension, kein gar nichts. Und ich habe aber Glück gehabt, ich bin ja zufrieden mit meinem Los, ich bin ja dann in den Ministerien gewesen anschließend, aber wie gesagt, einigen Leuten ist es nicht sehr gut gegangen, und die sind heute ein bisschen verbittert. ich weiß nicht ob sie denken, dann hätten wir es ja auch so lassen können wie es war, das weiß ich nicht. Aber für mich war der Tag der Einheit der glücklichste Tag, und das Glück und meine beruflichen Kenntnisse haben mich ja auch dann ein bisschen weiter gebracht anschließend.


Interviewer: Ok. Sie sagten verbittert, also zumindest was ich so sehe, viele sind dann ja sehr enttäuscht tatsächlich auch aus der Politik ausgeschieden und haben gedacht, das haben wir uns irgendwie anders vorgestellt. Keine Ahnung was die sich gedacht haben, aber bei Ihnen ist es so, Sie haben ja bis heute, Sie machen weiter, Sie sind nach wie vor politisch aktiv. Was ist Ihr Antrieb gewesen, auch nach dem 3. Oktober? #01:21:14#


Teilnehmer: Ja, ich bin bis heute politisch aktiv, weil ich eben ein politischer Mensch bin der sich an den tagesaktuellen Fragen auch reibt, und wenn sie gut sind, sie gut findet. Und ich habe auch meine eigenen Dinge die ich einbringen möchte, das heißt also, nach dem Tag der Einheit, ins Ministerium, und als erstes habe ich mich beworben für den Landtag, aber die DSU ging ja dann wirklich rettungslos baden, ich habe das nicht geschafft, aber wie gesagt, ich habe weiter politisch gearbeitet, habe Vorträge gehalten, habe versucht Leute mit ins Boot zu ziehen, habe aber auf der anderen Seite wieder gesehen dass die Leute vom anderen Spektrum unsere Wahlplakate abgerissen haben, das hat mich wieder aufgebracht, und habe gedacht, du musst jetzt weiter machen, auch wenn der Kampf so scharf ist. Dann hat es aber nicht lange gedauert, dann habe ich gesehen, die DSU ist am Ende, die gibt es zwar heute noch, aber die DSU war damals als politische Kraft die auch in den Ministerien etwas bewirken kann am Ende, bin ich in die CDU gegangen weil die uns am nächsten stand, und weil ich hier, sagen wir mal, gute Erfahrungen gemacht hatte mit CDU-Leuten aus der Bundesrepublik damals. Was ich dann erlebt habe, die zehn Jahre in der CDU, war nicht so glücklich. Es gab viele in meiner neuen Grundeinheit, die Stadt will ich nicht nennen, ist hier ganz in der Nähe, die sehr in Nostalgie geschwelgt haben, wie das doch früher war. Ich konnte das nicht hören, ich konnte es ihnen aber nicht sagen ohne rausgeschmissen zu werden aus der CDU. dass sie das alles so gut fanden und haben von früher erzählt, die haben regelrecht in der Vergangenheit, waren ja auch viele ältere CDU-Mitglieder, die haben zwar, wir sind jetzt eine CDU, aber die Geschichte die sie hatten, die wurden sie ja nicht los. Sind sie bis heute nicht losgeworden. Nationale Front, und so weiter. Und ich habe versucht Einfluss zu nehmen. Nicht indem ich diese Diskussion abgewürgt habe, hätte ich nicht gekonnt als einzelne Person, sondern ich habe versucht politisch Einfluss zu nehmen mit dem was ich zu tagespolitischen Fragen zu sagen habe. Aber ich habe gemerkt, ich habe nie eine Mehrheit erreichen können. Und deshalb bin ich nach zehn Jahren aus dieser Partei ausgeschieden, auf eigenen Wunsch, aber innerhalb dieser zehn Jahre war ich natürlich als CDU-Mitglied in einer besseren Position kommunale Ämter auszuüben. Ich war sieben Jahre Bürgermeister, hier, wo wir jetzt sind, ich war drei Jahre lang Vorsitzender einer Verwaltung, der großen Verwaltungsgemeinschaft Hochharz, in Hasselfelde, das waren alles Stationen die auch sehr gut sind. Da habe ich jetzt kommunale Erfahrungen sammeln können die ich vorher in Berlin nicht hatte. Aber wie gesagt, da bin ich dann raus, war dann eine Zeit lang, einige Jahre dann überhaupt nicht, politisch schon, aber nicht in der Partei politisch tätig. Und dann habe ich mir gesagt, ersten mal, ich bin auch manchmal Opportunist, da war ich das erste Mal, das gebe ich zu, so opportun, ich hatte mir einen Computer gekauft und kam damit nicht so richtig zurecht. Und dann, wo sind die Leute die damit, die davon Bescheid wissen, das musst du doch auch noch lernen, auch wenn du jetzt schon älter bist. Die sind im Chaos Computer Club, und die sind bei den Piraten, so. Ich nix wie hin. Stammtische öffentlich, hingegangen. Ach, wer bist du denn? Da wird sich immer vorgestellt, reihum, jeder sagt wer er ist, und als ich gesagt habe wer ich bin und was ich mal war und so weiter, dann wurden die alle so ein bisschen, naja, kam mir so vor, aber wir sind ja alle gleichberechtigt. Auf jeden Fall habe ich da die Hilfe bekommen und war ganz schnell, innerhalb von einem halben, Dreivierteljahr habe ich alles gekonnt was an der IT Technik so für mich in meinem Alter noch zu lernen war. Deshalb, dafür bin ich natürlich dieser Internetpartei sehr dankbar. Egal wie es da politisch manchmal her geht, es geht da wirklich hoch her. Und wenn ich sage, bei Parteitagen habe ich sogar mich ans Mikrofon gestellt und habe versucht unser Programm, was wir noch nicht hatten als ich eingetreten bin bei den Piraten, das mit zu beeinflussen indem ich bestimmte Dinge dort vorgetragen habe, und am Beifall habe ich gesehen ob man die mitträgt oder nicht. Das war für mich auch eine Zeit der rhetorischen Übung und des nicht Verkümmerns in der Politik, denn in meinem Alter nehmen sich viele auch zurück und machen nichts mehr, da möchte ich nicht hinkommen. Ich trinke lieber eine ganze Kanne Kaffee, oder trinke von diesen komischen Getränk was die Piraten da immer haben, das geht zwar auf die Leber, aber es macht fit und es macht hell. Diese komische... #01:26:39#


Interviewer: Club-Mate bestimmt.


Teilnehmer: Ja, genau. Club-Mate. Ich wollte keine Reklame schieben, auf jeden Fall habe ich dort sehr gute Erfahrungen gemacht, bis heute, was mir nicht gefällt ist dieser übertriebene Datenschutz den man da... #01:26:56# Interviewer: Ich glaube wir gehen dann einfach noch mal ein Stück weiter, ich habe noch drei kleine Fragen, habe ich noch auf dem Zettel. #01:27:01# 18

Teilnehmer: Die APO kam noch nicht, nee.


Interviewer: Ja, wenn Sie..

Teilnehmer: Na, vielleicht lassen wir die auch weg. Interviewer: Ja, rückblickend, worauf sind Sie stolz, oder sehen Sie auch Versäumnisse wenn Sie auf Ihre Arbeit gucken die Sie hatten, 1990 im Ministerium? Wie ist so Ihre persönliche Bilanz?


Teilnehmer: Auf die Frage, worauf bin ich stolz, ich bin auf mein ganzes Leben stolz, auf die Erfahrungen die ich gemacht habe, nicht nur auf das was ich im Ministerium erlebt habe in der 10. frei gewählten Volkskammer, sondern auf mein ganzes Leben, was im Grunde dazu geführt hat dass ich anschließend in der 10. frei gewählten Volkskammer tätig sein durfte. Ich bin auf mein ganzes Leben stolz, auch auf die Zeit, da bin ich zwar nicht ganz so stolz, wo ich zwei Jahre lang in meinen jungen Jahren zu weit nach links getappst bin, weil ich gedacht habe, du findest die Freiheit, die größere Freiheit als die, die man in der Bundesrepublik hatte, die gibt es. Die gab es aber nicht, die gab es nur auf dem Papier, und ich habe es ja dann hinterher in der DDR feststellen müssen dass es nicht die Freiheit die ich mir vorgestellt hatte gibt, sondern eher ein Zwangsregime was sich zwar frei nennt, aber nicht frei ist. Ich bin im Grunde auf diese ganzen Erfahrungen stolz, auf die zwei Jahre sehr linker Tätigkeit, deswegen kann ich auch viele in meiner Partei verstehen, obwohl ich jetzt zum konservativ-sozialen Flügel in meiner neuen Partei gehöre, aber ich kann auch die verstehen die vorübergehend sich der Antifa nähern. Weil ich selbst so eine Erfahrung mal gemacht habe in den jungen Jahren, deswegen kann ich die verstehen. Das ist ihr Streben nach Freiheit, die fühlen sich im Moment unwohl, oder sie fühlen sich von der Politik gegängelt oder wie auch immer, und möchten aussagen, ich will jetzt das und das, und ich habe einen politischen Willen und eine politische Vision, und die gehen dafür auf die Straße. Das kenne ich alles, und darauf bin ich stolz, auf diese Erfahrung. Und ohne diese Erfahrung hätte ich meine Frau nicht kennengelernt, mit der ich schon so lange zusammen bin, die DDR-Bürgerin war, und ich sage, was tut mir Leid, das tut mir alles nicht Leid. Auch diese Erfahrung. Ich kann natürlich niemandem empfehlen dass er diese Erfahrung so macht wie ich, sondern dann müsste er jetzt wie ich ganz links anfangen in jungen Jahren und dann selbst sehen, aber es gibt ja dieses Regime nicht mehr wo er die Erfahrung sammeln kann die ich gemacht habe anschließend in der DDR. Also kann ich das niemandem empfehlen, aber meine Erfahrung war so, mein Lebensweg war so. Und ich bin zwar nicht stolz darauf, aber ich finde diese Erfahrung die ich gemacht habe gut, und das was dann anschließend kam, dieses Verhalten in der DDR, darauf bin ich stolz, dass ich das geschafft habe lebend zu überstehen, bis zur Volkskammer. Denn es war nicht immer der Fall dass es so glimpflich abgehen konnte.

Interviewer: Ok. Und, na, wenn Sie heute, wenn heute vielleicht so eine Simson mit 60 Km/H an Ihnen vorbeifährt, oder wenn Sie den Grünpfeil, der Grünpfeil Sie einfach vorbeilässt an der roten Ampel, denken Sie da vielleicht auch manchmal noch zurück an die Zeit im Staatsministerium, oder ist das für Sie, im Ministerium für Verkehr, oder ist das nicht mehr so präsent in Ihrer... #01:31:11#


Teilnehmer: Meinen Sie jetzt das Simson Moped? #01:31:12# Interviewer: Ja. #01:31:13# Teilnehmer: Ja, da kann ich Ihnen auch die Schwalbe nennen oder das Jawa Motorrad. Also, ich kenne das ja alles. Es gibt sehr schön zurechtgemachte Simsons, und es gibt sehr schön zurechtgemachte Schwalben, und ich finde immer gut wenn man die mal sieht wieder, oder ein schön zurechtgemachter Trabant. Als Erinnerung, das heißt nicht dass wir damals auf dem neuesten Stand waren, aber Simson, das bedeutet für mich immer das erste, nee, das zweite Jahr nachdem ich aus [unverständlich 01:31:51] draußen war, meine Tochter, die war mit eingesperrt, die konnte wieder zur Schule gehen, ging dann, wurde dann die beste Schülerin, ging dann zur erweiterten Oberschule, also zur EOS, und sagte dann, Papa, die haben alle ein Simson vor der Türe stehen, ich müsste das auch haben. Und ich sag, ja, da musst du aber bei helfen, so viel verdiene ich nicht. Ich war ja damals noch im Kreisbaubetrieb in einer Klempnerei beschäftigt, und da ist sie aufs Feld gegangen hier in der DDR, hat Rüben gehackt, hat dazu beigetragen, ich habe ihr die Hälfte gegeben, sie hat die Hälfte dazu getan, sie hat sich das Simson gekauft. Und wenn ich heute ein Simson Moped sehe, werde ich immer wieder daran erinnert, und sie war so stolz, so, jetzt gehöre ich auch dazu. #01:32:38# Interviewer: Das ist Ihre persönliche Geschichte, gut. Letzte Frage, dann sind die Akkus auch schon wieder leer und die Bänder voll. Inwieweit nahmen das Bundesministerium Einfluss auf Ihre Arbeit im Ministerium für Verkehr? Oder überhaupt auf die Arbeit im Allgemeinen im Verkehrsministerium? Gab es, hat das Bundesministerium Einfluss ausgeübt, und wenn ja, wie? #01:33:02# Teilnehmer: Ich habe das schon sehr oft gesagt, das Bundesministerium für Verkehr hat auf meine Arbeit einen sehr vorsichtigen Einfluss genommen, den ich kaum gemerkt habe. Also das was bei mir ankam, vielleicht hat das Bundesministerium für Verkehr beim Minister Gibtner größeren Einfluss genommen, aber bei mir nicht. Ich war, das Bundesministerium für Verkehr wurde von einem CSU-Mitglied geleitet, ich war in der DSU, ich bin oft nach München gefahren, wir hatten keine Probleme, und das was ich da in der 10. Volkskammer für mein DDR-Ministerium getan habe als Staatssekretär, das entstammt der Feder meiner Mitarbeiter, die natürlich auch sich die Dinge rangeholt haben oder bekommen haben vom Bundesministerium für Verkehr, die sich dann in die Richtung bewegt haben dass wir ein einheitliches Verkehrsrecht, ein einheitliches Luftrecht, Seerecht und Bahnrecht bekommen. Aber gemerkt oder unangenehm war mir das nicht. #01:34:14# Interviewer: Aber das war schon die Priorität, ein einheitliches Recht? #01:34:17# Teilnehmer: Ja, das war Priorität, dass wir ein einheitliches Recht bekommen, von Anfang an.


Interviewer: Gut. Herr Dott, ganz herzlichen Dank. #01:34:28#


Teilnehmer: Bitte. Gerne geschehen. Mal sehen was draus wird. Kriege ich den Film? Nee. Interviewer: Ja, sicherlich kriegen Sie da, ich befreie Sie mal jetzt erst mal hier von. Teilnehmer: Dann lade ich den anschließend bei YouTube hoch. Interviewer: Das darf ich nicht, die, ja, das ist natürlich die Frage, da werde ich mich mal erkundigen.

Teilnehmer: Ja, ja.

Interviewer: Ich mache das mal hier raus. #01:34:48#

Interviewer: Also das Internet ist ja was, eine wundervolle Errungenschaft, eine wundervollen Errungenschaft der Freiheit.

Teilnehmer: Ja, das ist r ichtig. Warum haben Sie das eben nicht gesagt? Interviewer: Naja, ist ja nicht so unser Thema. --Manfred Dott (Diskussion) 11:04, 2. Dez. 2015 (CET)

[Bearbeiten] 42 Siehe auch

°Benutzer:Manfred Dott/EHEC

°Pater Konrad OFM

°Edith Dott

°Anja Elisabeth Dott DDR Kinderzeitzeugin

°Manfred Dott 19:49, 19. Jun. 2011 (CEST)

[Bearbeiten] 43 Weblinks

Am 1. Mai 2015, um 15,00 Uhr wird im ZDF Info der Film, mit Auszügen aus dieser Seite, zum 61. mal im TV ausgestrahlt.


oder ZDF Supermediathek--Manfred Dott (Diskussion) 21:19, 26. Okt. 2013 (CEST)

Ganze Doku auf Youtube anschauen: http://youtu.be/Of5RzcC4edk--Manfred Dott (Diskussion) 23:10, 9. Mär. 2015 (CET)--Manfred Dott (Diskussion) 23:10, 9. Mär. 2015 (CET)

25 Jahre Einheitsbeschluss im Berliner Schloss: youtu.be/ogKv-AnLeN0 --Manfred Dott (Diskussion) 23:03, 26. Aug. 2015 (CEST)

[Bearbeiten] 44 Vortragstätigkeit

über d. DDR u. die Wiedervereinigung, sowie Filmrechte unter: mdott40@aol.com und PlusPedia --Manfred Dott (Diskussion) 23:07, 17. Nov. 2012 (CET)

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