Erich Eisner

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😃 Profil: Eisner, Erich
Persönliche Daten
7. Juni 1897
Prag
2. März 1956
La Paz


Erich Eisner musste trotz seinem tapferen Einsatz für das deutsche Vaterland im 1. Weltkrieg wegen der Verfolgung von Juden durch den Nationalsozialismus Deutschland verlassen
Erich Eisner (* 7. Juni 1897 in Prag; gest. 2. März 1956 in La Paz [1] [2]) - bis 1933 auch bekannt unter dem Künstlernamen Erich Erck [3] - war ein jüdischer Komponist, Pianist, Organist, Dirigent und Musikpädagoge.

1 Vita

  • Seine in bescheidenen Verhältnissen lebenden Eltern Hermine Eisner (geb. Pollak) und Moritz Eisner zogen kurz nach Erichs Geburt nach München und ermöglichten ihm Violin- und Klavierunterricht. Mit 17 Jahren meldete sich Erich Eisner freiwillig zum Einsatz im 1. Weltkrieg. Im November 1914 trat er in das Bayerische Regiment, und im April 1917 dann in das Österreichische Regiment ein. Für seinen Einsatz im Kampf für das deutsche Vaterland wurde er 1916 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. [4]
  • Noch während des 1. Weltkriegs schrieb er sich an der Ludwig-Maximilans-Universität in München für Philosophie ein. Dies Fach studierte er bis 1920. Von 1919 bis 1921 studierte er außerdem an der Akademie der Tonkunst in München Musik: Hermann Zilcher unterrichtete ihn am Klavier und Walter Courvoisier in Kompositionslehre. Daneben belegte er die Meisterklasse für dramatische Komposition und das Operndramaturgische Seminar bei Hermann von Waltershausen. [5]
  • Nach dem Studium war Eisner von 1921 bis 1923 unter Bruno Walter Assistent und Solorepetitor an der Staatsoper München. Ab September 1923 war er dann 2. Kapellmeister in Klagenfurt. 1924 und 1925 arbeitete er als Kapellmeister in Sankt Pölten, danach im Sommer 1925 am Stuttgarter Stadttheater und Wilhelma-Theater in Bad Cannstatt, 1925 und 1926 am Stadttheater Landshut, im Sommer 1926 am Kristallpalast Leipzig und 1928 und 1929 wieder in Landshut. [6] Um 1930 kehrte er nach München zurück, leitete zwischen 1929 und 1933 zahlreiche Kammer- und größere Orchesterwerke und wurde so zu einer der führenden Persönlichkeiten im Kulturleben der Stadt. [7] Er bemühte sich bis 1932 erfolglos um eine seinen Qualifikation entsprechende feste Anstellung, bis ihm 1933 schließlich eine Stelle am Stadttheater Stuttgart angeboten wurde, die er jedoch wegen seiner jüdischen Herkunft nicht antreten konnte. Nach Machtantritt der Nazis durfte er seinen Künstlernamen Erich Erck (den er seit 1923 verwendet hatte) nicht mehr offiziell führen. Sein Antrag auf Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer wurde wegen seiner jüdischen Herkunft 1935 abgelehnt, was auch das sofortige Berufsverbot zur Folge hatte.
    Erich Eisner im Jahr 1931 bei einer Probe mit kleinem Orchester
    Eisners Beschwerde dagegen, in welcher er unter anderem seinen Fronteinsatz im 1. Weltkrieg anführte, wurde im Juli 1936 endgültig abgelehnt. Dass man im Krieg Leib und Leben für Deutschland riskiert hatte zählte für die Nazis angesichts einer jüdischen Herkunft nichts mehr. Über den damaligen Antisemitismus und das Leben als jüdischer Künstler schrieb Eisner im Jahr 1948 an den in den USA lebenden Dirigenten Bruno Walter:
"Uns jungen jüdischen Musikern, die wir uns Ende der zwanziger Jahre die ersten Sporen in Deutschland verdienen mussten, wurde schon damals das Leben durch den wachsenden Antisemitismus sauer gemacht: selbst die vernünftigsten Intendanten hatten nicht mehr den Mut, ihrem Publikum jüdische Kapellmeister zu präsentieren, und so ist es kaum einem aus unserer Generation gelungen sich einen Namen zu schaffen." [8]
  • 1934 heiratete Eisner die 1907 geborene Elsa Knoblauch. 1935 wurde ihr Sohn Manfred geboren. Eisner engagierte sich in den nächsten Jahren im [Jüdischer Kulturbund|Jüdischen Kulturbund]] in Bayern. Der Jüdische Kulturbund in München wurde 1934 als Reaktion auf den Ausschluss der Juden aus dem allgemeinen öffentlichen Kulturleben gegründet. Eisner hatte am 10. Oktober 1933 in Anlehnung an das Berliner Vorbild den Antrag auf Genehmigiung des Jüdischen Kulturbundes in Bayern gestellt. [9] Die Gründung wurde dann am 9. Februar 1934 von der Bayerischen Staatsregierung genehmigt. [10] [11] Bis 1938 organisierte und leitete er das Orchester des Kulturbundes in München und war gleichzeitig Geschäftsführer der Organisation. In Augsburg und München dirigierte Eisner zwischen 1931 und dem 18. Mai 1938 achtzehn Symphoniekonzerte. Das letzte fand wenige Tage vor ihrem Abriss auf Hitlers persönliche Weisung in der liberalen Münchener Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße statt, in der Eisner seit ihrer Erbauung auch als Organist tätig war. Eisner schrieb später dazu:
    Klavierpartitur von Erich Eisners Komposition Cantata Bolivia
"Als uns 1933 verboten wurde, im deutschen Kulturkreis tätig zu sein, habe ich nach eingehender Beratung mit Doktor Singer den Jüdischen Kulturbund in Bayern organisiert, dem sieben Städte angeschlossen waren. Zur Bildung einer Oper reichten die Mittel nicht, aber ich konnte ein Symphonieorchester aus 50 erstklassigen Musikern bilden und wir haben damals sehr ernst und verantwortungsbewusst gearbeitet." [12]
  • Am 10. Nov. 1938 wurde Eisner im Rahmen der Novemberpogrome verhaftet und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Mit der Auflage Deutschland sofort zu verlassen wurde er Ende Dezember 1938 aus entlassen. Er floh über England nach Bolivien, wohin ihm ein Jahr später auch Frau und Sohn folgten. [13] Von La Paz aus wurde Eisner bald in das im Süden des Landes gelegene Sucre an die Escuela Nacional de Maestros berufen, wo er Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition unterrichtete. Dort gründete er auch einen Chor, mit welchem er am 3. Mai 1941 debütierte. Von diesem Zeitpunkt an konzertierte er mit dem Kammerorchester Sociedad Filarmónica Sucre sowie verschiedenen Solisten in Sucre und anderen Städten Boliviens. Diese Auftritte waren sehr erfolgreich, so dass ähnliche Veranstalungen während der nächsten drei Jahre wiederholt wurden. [14]
  • 1944 beorderte die Regierung Eisner nach La Paz um das bis dahin bescheidene musikalische Leben der Stadt aufzubauen. Zu seinen Aufgaben gehörte die Gründung eines staatlichen Symphonieorchester, die technische Weiterbildung der Musiker und der Unterricht am staatlichen Musikkonservatorium. Das Debüt des von ihm geleiteten Orquesta Sinfònica Nacional fand am 6. Apr. 1945 im Teatro Municipal in La Paz statt. In der Arbeits mit dem Orchester war Eisner in diesen Jahren mit großen Schwierigkeiten konfrontiert: Es waren nicht genug qualifizierte Musiker vorhanden, so dass er selber die benötigten Fachkräften meist in Emmigrantenkreisen ausfindig machen musste. Auch mangelte es in Bolivien - u.a. auch als Folge des 2. Weltkriegs und wegen Devisenmangel - an Notenmaterial. Eisner beschaffte sich die Noten mit Hilfe in den USA lebender Freunde. Aus diesen Taschenpartituren schrieb er die Stimmen heraus und bearbeitete die Werke für die Anforderungen seines Orchesters. Eisner leitete das Orchester bis zu seinem Tod. Neben dem Orquesta Sinfònica Nacional leitete er auch das Ensemble Orquesta Tìpica Municipal, das sich in erster Linie bolivianischen Folklore widmete sowie für Rundfunkeinspielungen eingesetzt wurde. Zwischen 1945 und 1955 dirigierte Eisner annähernd 200 Konzerte mit Musik von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Cesar Franck, Anton Bruckner, Franz Liszt, Tschaikowsky, Johannes Brahms, Gustav Mahler und vielen anderen.
    Grabstelle von Erich Eisner auf dem Jüdischen Friedhof von La Paz
    Die Konzerte waren fast immer ausverkauft und fanden auch Anklang bei der einfachen Bevölkerung.
  • Erich Eisner hat sich auch für die Errichtung des Staates Israel engagiert. 1947 hatte er zusammen mit Hans Süß und Hermann Hirsch eine Privataudienz beim bolivianischen Präsidenten Enrique Hertzog. Auf dieser gelang es den drei Emmisären den Präsidenten drei Tage vor der am 27. November 1947 stattfindenden UNO-Abstimmung zum Teilungsplan für Palästina zu einem Ja Boliviens bei der Abstimmung zu bewegen. Damit war nach über 2000 Jahren der Weg zur Restituierung eines jüdischen Staates endlich frei. [15]
  • 1946 hatte Eisner die bolivianische Staatsangehörigkeit angenommen, [16] und 1952 wurde ihm der staatliche bolivianische Professorentitel verliehen.
  • 1951 entstand Eisners Komposition Cantata Bolivia für vier Gesangssolisten, großen Chor und Symphonier. Das Werk vertont das gleichnamige Gedicht der bolivianischen Schriftstellerin Yolanda Bedregal de Konitzer. [17]
  • 1955 stellten sich bei Eisner Herzprobleme ein. Deshalb musste für einige Monate in das 3000 Meter tiefer gelegene Santa Cruz ziehen. Kaum zurückgekehrt nach La Paz führte er Tschaikowskys 6. Symphonie (Pathetique) auf. 1955 wurde Eisner vom deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, welches ihm sechs Wochen vor seinem Tod in La Paz vom deutschen Botschafter überreicht wurde. [18] Erich Eisner wurde unter großer Beteiligung von Orchestermitgliedern, Freunden und Besuchern seiner Konzerte auf dem Jüdischen Friedhof von La Paz beerdigt. [19]
  • Eisners Ehefrau kehrte nach dem Tod ihres Mannes 1957 nach Deutschland zurück, wohin ihr später auch der Sohn Manfred folgte. [20] Hermine Eisner versuchte erfolglos die Cantata Bolivia zur Aufführung durch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu bringen. Schließlich gelang 1995 eine Aufführung des Werkes in kleiner Besetzung in der Orangerie des Schlosses Heiligenstedten in Schleswig-Holstein. in vollem Umfang gelangte das Werk erst 2003 im Rahmen des Festivals in Rishon LeZion zur Uraaufführung. Ein Jahr später konnte das Werk auch in Bolivien uraufgeführt werden. [21] [22]
  • Der Nachlass von Erich Eisner befindet sich heute im Jüdischen Museum in Berlin. [23]

2 Literatur

  • Richard Bauer und Michael Brenner: Jüdisches München - vom Mittelalter bis zur Gegenwart, C.H.Beck, 2006, Seite 173 und 174
  • Diana Oesterle: "So süßlichen Kitsch, das kann ich nicht" - Die Münchener Künstlerin Maria Luiko (1904-1941), Walter de Gruyter, 2012, Seite 113
  • Waldemar Bonard: Die gefesselte Muse - Das Marionettentheater im Jüdischen Kulturbund 1935-1937, Buchendorfer Verlag, 1994, Seite 46 ff.
  • Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  • Werner Ebnet: Sie haben in München gelebt - Biografien aus acht Jahrhunderten, BUCH&amp media, 2016, Seite 168
  • Lexikon der Juden in der Musik, zusammengestellt im Auftrag der Reichsleitung der NSDAP auf Grund behördlicher, parteiamtlich geprüfter Unterlagen, Bernhard Hahnefeld Verlag, Berlin, 1940, Seite 62

3 Weblinks

4 Andere Wikis

  • Keine der unzähligen Sprachversionen der Wikipedia verfügt über einen Personeneintag zu Erich Eisner. Dass gerade die deutschsprachige Wikipedia keinen Personeneintag zu Erich Eisner aufweist wirkt angesichts seines Einsatzes für den Jüdischen Kulturbund in gefährlichen Zeiten, seiner Vertreibung durch die Nazis und seiner Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz mehr als befremdlich und zeugt von mangelnder Verantwortung der deutschprachigen Wikipedia für die Aufarbeitung der dunklen Seiten der deutschen Geschichte. Ursache dieser Missachtung der Person Eisners könnte auch der latente und massive Antisemitismus vieler Wikipediaautoren sein.

5 Video und Audio

6 Einzelnachweise

  1. Werner Ebnet: Sie haben in München gelebt - Biografien aus acht Jahrhunderten, BUCH&amp media, 2016 S. 168
  2. Bayerisches Musikerlexikon Online
  3. Anm.: Der Künstlername sollte helfen Assoziationen zu dem 1919 ermordeten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner zu vermeiden.
  4. Ausweis über die Verleihung des Eisernen Kreuzes an Erich Eisner (1897-1956)
  5. Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit
  6. Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  7. Richard Bauer und Michael Brenner: Jüdisches München - vom Mittelalter bis zur Gegenwart, C.H.Beck, 2006, S. 173
  8. Zitiert nach Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  9. Anm.: Der Antrag von Eisner ist einsehbar in Wolf Gruner: Deutsches Reich 1933 - 1937, Oldenbourg Verlag, 2011, S. 261 ff.
  10. Diana Oesterle: "So süßlichen Kitsch, das kann ich nicht" - Die Münchener Künstlerin Maria Luiko (1904-1941), Walter de Gruyter, 2012, S. 113
  11. Hans-Michael Körner: Münchner theatergeschichtliches Symposium 2000, Herbert Utz Verlag, 2000, S. 212
  12. Zitiert nach Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  13. Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit
  14. Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  15. Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  16. Miradas alemanas - Bolivien singt ... die "Cantata Bolivia"
  17. Miradas alemanas - Bolivien singt ... die "Cantata Bolivia"
  18. Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit
  19. Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  20. Ich lebe gerne hier - Interview mit dem deutsch-bolivianischen Schriftsteller Manfred Eisner
  21. Tyler Bridges: Orchestra Started by Shoah Refugees
  22. Manfred Eisner: Cantata Bolivia, Engelsdorfer Verlag, 2015
  23. Aus den Sammlungen des Jüdischen Museums Berlin

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