Sintfluttheorie

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Dramatischer Anstieg des Meeresspiegels ab dem Jahr 13.000 v. Chr.

Sintfluttheorien gehen davon aus, dass die biblische Sintflut nicht auf das Umfeld des Nahen Ostens beschränkt war, sondern dass es sich um ein überregionales oder weltweites Ereignis handelte. Erste Versuche der wissenschaftlichen Aufbereitung einer solchen Theorie gehen auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.[1]

1 Grundlagen[Bearbeiten]

Es wurden von Geowissenschaftlern weltweit entsprechende Ereignisse in den letzten 20.000 Jahren untersucht.[2][3] Viele Theorien gehen davon, dass die biblische Sintflut zunächst ein lokales Ereignis war, aber in ähnlicher Weise auch anderswo stattgefunden hat.[4][5][6]

2 Datierungen[Bearbeiten]

2.1 Datierung der babylonischen Sintflut[Bearbeiten]

Eine Schrifttafel aus dem Gilgamesch-Epos beschreibt auch eine Sintflut

In der frühen babylonischen Mythologie schickte der Sturmgott Enlil eine Sintflut, um die gottlose Menschheit zu vernichten, doch der Wassergott En-Ki rettete den gerechten König Ziusudra mit Hilfe einer Arche. Auch das spätere Epos von Atraḫasis beschreibt die Vernichtung der aufsässigen Menschen durch eine große Flut und das Überleben des Auserwählten in einem Boot. Atraḫasis ist auch der Held im Sintflut-Fragment aus Ugarit. Das neu-assyrische Gilgamesch-Epos nennt den Schiffsbauer, der die Sintflut überlebt, Uta-napišti.[7] Das vorhandene Schriftmaterial erlaubt die Rückdatierung der ursprünglichen Fassung des Gilgamesch-Epos bis mindestens in das 18. Jahrhundert v. Chr, reicht aber wahrscheinlich in die Abfassungszeit des Etana-Mythos im 24. Jahrhundert v. Chr. zurück.

2.2 Datierung der Sintflut über die jüdische Zeitrechnung[Bearbeiten]

Aufgrund von Angaben in der hebräischen Bibel (Genesis 5,1 EU), auf denen auch der jüdische Kalender beruht, kann für das Ereignis der Sintflut das Jahr 2369 v. Chr. berechnet werden.[8] Diese Angaben werden von vielen Wissenschaftlern bezweifelt, da es in der beschriebenen Gegend und Zeitb kein Ereignis gibt, das in anderen Quellen beschrieben wird.

Eine andere Theorie datiert die Sintflut der hebräischen Bibel auf die Zeit um 6300 v. Chr. mit einer Ungenauigkeit von 50 Jahren.[9][10] [11] Betroffen von dieser Überflutung war auch die Region des Kaukasus, in der der Stamm Noah verortet werden kann.[12]

2.3 Datierung aus der biblischen Schöpfungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Archäologe Juris Zarins von der Missouri State University ist der Ansicht, dass der Garten Eden, in dem die ersten biblischen Menschen Adam und Eva lebten, in einem heute überfluteten Flussdelta im Bereich des nördlichen Persischen Golfes lag und diese Region überflutet wurde. Neben den Flüssen Tigris und Eufrat (Euphrat) identifiziert Juris Zarins den Fluss Pischon als die trocken gefallenen Wadi Batin und Wadi Rimah, den Gihon als den Karun.[13][14] Den Garten Eden setzt er mit dem sumerischen Dilmun gleich. Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies spiegelt seiner Meinung nach den Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht: „Das Land an den vereinigten vier Flüssen muss der Garten Eden gewesen sein. Denn es war wegen seines reichlichen Wassergehalts ungewöhnlich fruchtbar. Adam und Eva entsprächen dann den frühen Ackerbauern. Sie sündigten, indem sie Gottes Allmächtigkeit herausforderten. Anstatt auf Gottes Gnade zu hoffen, nahmen sie die Dinge selbst in die Hand und vertrauten auf ihr Wissen und Können beim Ackerbau.“ Die Mündung der vier sich vereinigenden Flüsse habe um 6000 v. Chr.[15] auf Grund des eiszeitlich bedingt etwa 150 Meter niedrigeren Meeresspiegels viel weiter südöstlich gelegen: „Die biblische Geschichte von der Sintflut ist demnach nur eine Metapher für die Überflutung des Persischen Golfes durch das Meer.“[16][17]

3 Mythologischer Kern[Bearbeiten]

Anstieg des Meeresspiegels im Mittelmeer ab etwa 20.000 v. Chr., die roten Gebiete wurden zuerst überflutet

Die mythologische Bedeutung der in hebräischen und babylonischen Berichten beschriebenen Sintflut und der Arche Noah wird wahrscheinlich älter sein. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels entstand das Rote Meer. Der Anstieg des Meeresspiegels im Mittelmeer begann mit dem Ende der Eiszeit. Zwischen den Jahren 18.000 bis 13.000 v. Chr. stieg der Meeresspiegel nur um 20 Meter, aber zwischen 13.000 bis 5.000 v. Chr. dramatisch um 110 Meter. Dieses sind ca. 1,4 Meter in 100 Jahren. In Kleinasien war besonders die Ägäis stark betroffen. Viele Regionen wurden überflutet und versanken im Meer. Somit kann die Symbolik der Arche Noah auch dafür stehen, dass fruchtbares Land überschwemmt wurde und diese Region nur mit Booten verlassen werden konnte.

Der historische Nachklang dieses massiven Einschnittes in der Menschheitsgeschichte, der Anstieg des Meeresspiegels, wurde wahrscheinlich im Gilgamesch-Epos und der hebräischen Bibel transformiert.

4 Die Sintflut in der Überlieferung anderer Kontinente[Bearbeiten]

In größter denkbarer Ferne von diesen Überlieferungen, in Südamerika, entstand der Mythos des Inka-Volkes über die Flut: der Sonnengott Inti vernichtet durch sie die frühen barbarischen Kulturen, die Überlebenden gründen das Inka-Reich, die Inka-Herrschaft legitimiert sich also aus jener reinigenden Katastrophe. Auch in Afrika gibt es Flut-Legenden: die Yoruba erzählen, dass der Meergott einst die Erde überschwemmte, die Menschheit aber von einem anderen Gott gerettet wurde. Die Mythen der nordamerikanischen Pawnee-Indianer wissen von einer Flut, in der eine Rasse von Riesen ausgelöscht und an ihrer Statt die heutigen Menschen als Bewohner und Nutznießer der Erde eingesetzt wurden. Die mystischen Geschichten der Wawalag-Schwestern[18] in Australien geben gleichfalls Kunde von einer Wasserkatastrophe, verursacht durch über den Menschen erzürnte Götter.[19]

5 Andere Überlegungen zur Sintflut[Bearbeiten]

Walter Haug schreibt über eine erdgeschichtliche Katastrophe, über die Wirkung eines auf die Erde einstürzenden Kometen auf die Biosphäre und Atmosphäre unseres Planeten. Bei sehr großen Kometen kann sich eine ungeheure klimatische Wirkung entfalten. Der ganze Komet, der beim Eintritt in die Atmosphäre nicht kompakt bleibt, verflüchtigt sich teilweise unter den thermischen Reaktionen und verteilt damit seine Eismassen in der Atmosphäre, die er durchquert.

„Klar, dass damit erklärbar ist, warum nach dem Polsprung am Ende der Eiszeit, die es so ja niemals gab, die Meeresspiegel um geschätzt 50 bis 100 Meter stiegen.“

K. Walter Haug: EFODON-SYNESIS Nr. 4/2002[20]

Haug analysiert in seiner Schrift die Portolankarte des Ibn Ben Zara[21] aus dem Jahr 1487 mit großen Überschwemmungsflächen in England, Schottland und im Oberrheintal. Der östliche Teil des Schwarzen Meeres und die Levanteküste werden in der Karte nicht dargestellt. Trotz dieses Mangels[22] kann die Hypothese von Walter Haug durch geologische Forschung an entsprechenden Schichtgesteinen in Schottland und auch durch schriftliche schottische Überlieferungen unterstützt werden.

Die Sendung Planet Wissen mit dem Titel Pyramidenbau berichtet über eine Theorie, wonach die Pyramiden aus Furcht vor dem Kataklysmus gebaut wurden, also aus Furcht vor einer plötzlichen sintflutartigen Vernichtung der gesamten Kultur. Nach dieser Theorie haben die Ägypter ihr gesamtes naturwissenschaftliches, astronomisches und mathematisches Wissen durch den Bau der Pyramiden auf den Punkt gebracht, sozusagen als gesamtgesellschaftliches Gesellenstück für die Ewigkeit.[23]

6 Siehe auch[Bearbeiten]

7 Literatur[Bearbeiten]

  • Veronica Irons: History of Mythology. London 1997
  • Chaim Noll: Noah und die Wasser der Korruption. Die biblische Sintflut-Parabel. P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland [2]

8 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Lüken: Die Traditionen des Menschengeschlechts oder die Uroffenbarung unter den Heiden. Aschendorff, Münster 1869.
  2. Victor R. Baker: Global Late Quaternary Fluvial Paleohydrology: With Special Emphasis on Paleofloods and Megafloods. (PDF; 1,2 MB) In: John F. Shroder (ed.): Treatise on Geomorphology. Band 9: Fluvial geomorphology. Elsevier, Amsterdam 2013, S. 511–527.
  3. Keenan Lee: The Altai Flood. Auf: geology.mines.edu vom 4. Oktober 2004 (PDF_Datei (Archivversion vom Vorlage:Suppress0 August 2011)).
  4. Alexei N. Rudoy: Glacier-dammed lakes and geological work of glacial superfloods in the Late Pleistocene, Southern Siberia, Altai Mountains. In: Quaternary International. Bd. 87, Nr 1, Januar 2002, S. 119–140, doi:10.1016/S1040-6182(01)00066-0 .
  5. Alexei N Rudoy, V. R. Baker: Sedimentary effects of cataclysmic late Pleistocene glacial outburst flooding, Altay Mountains, Siberia. In: Sedimentary Geology. Bd. 85, Nr. 1-4, Mai 1993, S. 53–62, doi:10.1016/0037-0738(93)90075-G (Volltext online).
  6. Victor R. Baker, Gerardo Benito, Alexey N. Rudoy: Paleohydrology of late Pleistocene superflooding, Altai Mountains, Siberia. In: Science. 15. Januar 1993, Bd. 259, S. 348–352 (PDF-Datei).
  7. Chaim Noll: Noah und die Wasser der Korruption Die biblische Sintflut-Parabel
  8. Die Sintflut in der Diskussion: Die Zeitrechnung abgerufen am 20. Juni 2017
  9. Die große Flut kam 6300 vor Christus, Rolf H. Latusseck in Die Welt, veröffentlicht am 21.11.2007
  10. Die Arche Noah und das Rätsel der Sintflut. Doku über die Arche Noah in HD: Teil 2, Manuela Trossling, Youtube, abgerufen am 23. Juni 2017
  11. Durch den Bruch des Bosporus-Dammes um 5600 v.Chr. wurde die Region des heutigen Schwarzen Meeres überflutet, keine Angabe einer Quelle
  12. Der Wassersturz am Bosporus[1] Axel Bojanowski, Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2010, 21:55 Uhr
  13.  J. Stephen Lang: 1,001 More Things You Always Wanted to Know About the Bible. Thomas Nelson Inc, Nashville 2001, ISBN 978-1-59555-314-0, 691. The lost rivers of Eden, S. 331 (Online, abgerufen am 8. Januar 2013).
  14. http://www.adams-garden.com/legend01.html (zur Zeit offline)
  15. unzulässige Wissenschaftliche Aussage
  16.  Philipp Saller: Wissenschaftler auf der Suche nach dem Garten Eden. Acht Sehnsuchtsorte der Paradiesforscher. In: P.M. Magazin. Nr. 12/2012, Gruner + Jahr, Hamburg Dezember 2012, 1. Persischer Golf, S. 31.
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Garten_Eden#Juris_Zarins
  18. Encyclopedia Mythica: Wawalag
  19. Veronica Irons: History of Mythology. London 1997, S. 170 ff.
  20. K. Walter Haug: Geschichtsrekonstruktion Teil 2. Der große Kataklysmus
  21. Peter Mesenburg: Untersuchung zur Geometrie und zur Genese alter Karten
  22. Peter Mesenburg: Erläuterung
  23. Planet Wissen. Götz Bolten: Pyramidenbau. 01. Juni 2009

9 Andere Lexika[Bearbeiten]

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Erster Autor: 91.12.184.140 angelegt am 01.09.2008 um 18:15, weitere Autoren: Eingangskontrolle, Guandalug, Minima Moralia, Amygdala77, Jo Weber, Crazy1880, Klug Csaba Ferenc, Anka Friedrich, XenonX3, MBq, Pittimann, Florean Fortescue, Stephan Hense, Bernhard Beier, Jutta234, Kallistratos, Gravitophoton, Sevela.p