Nationalismus

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Nationalismus ist eine Sammelbezeichnung für teilweise unterschiedliche Bewegungen und Ideen, in denen die Nation zentrale Bedeutung hat. Gegner des Nationalismus werfen diesem vor, automatisch zu einer Abwertung anderer Nationen zu führen. Vor allem unter Anhängern der Neuen Linken oder der kulturellen Linken gelten Nationen als bloße Konstrukte,[1] weshalb sie alles Nationale und somit auch jeglichen Nationalismus bekämpfen. Eine spezielle Form ist der Unilateralismus, der zum Beispiel von den USA vertreten wird.

Gerade bei der Entstehung einer Nation kam es in der Geschichte immer wieder zu Formen des Nationalismus, oft auch mit großen zeitlichen Verzögerungen.

1 Anfänge einer deutschen Nationalbesinnung[Bearbeiten]

Bierseidel mit nationaler Gestaltung - Am Stammtisch kippen patriotische Gefühle leicht in Nationalismus um

Eine nationale Erhebung kam in Deutschland erstmals mit den Befreiungskriegen als Antwort auf die napoleonische Fremdherrschaft zum Ausdruck. Die Ursache dieses erwachenden Nationalbewusstseins hängt unmittelbar in dem Erlöschen des fast 1000 Jahre währenden Deutschen Reichs zusammen, als sich unter dem napoleonischen Protektorat 16 deutsche Fürsten vom Reich lossagen mussten, um sich im Rheinbund neu zu formieren.

Bereits 1806 rief der konservative und antinapoleonische Publizist Friedrich von Gentz zur Vereinigung der Deutschen auf:

"Europa ist durch Deutschland gefallen; durch Deutschland muß es wieder emporsteigen. [...] Unser innerer unseliger Zwiespalt, der Zersplitterung unsrer herrlichen Kräfte, die wechselseitige Eifersucht unserer Fürsten, die wechselseitige Entfremdung ihrer Völker, das Verlöschen jedes echten Gefühls für das gemeinschaftliche Interesse der Nation, die Erschlaffung des vaterländischen Geistes - das sind die Zerstörer unserer Freiheit, das sind unsere tödlichen Feinde und die Feinde Europas gewesen.[2]"

Am bekanntesten mögen die in diese Zeit fallenden Reden an die deutsche Nation von Johann Gottlieb Fichte erscheinen, in denen dieser vor einer Gewöhnung an die Fremdherrschaft warnte:

"Leben und Denken muß bei uns aus einem Stücke sein, und ein sich durchdringendes und gediegenes Ganzes; wir müssen in beiden der Natur und der Wahrheit gemäß werden, und die fremden Kunststücke von uns werfen; wir müssen, um es mit einem Wort zu sagen, uns Charakter anschaffen; denn Charakter haben, und deutsch sein, ist ohne Zweifel gleichbedeutend...[3]"

Leidenschaftlicher formulierte es der Philosoph und Schriftsteller Ernst Moritz Arndt, der in dieser Zeit Privatsekretär des Freiherrn vom und zum Stein war. Er schrieb unter anderem das populäre Gedicht Des Deutschen Vaterland. Im Jahre 1813 schrieb er unter anderem:

"Ich will den Haß gegen die Franzosen, nicht bloß für diesen Krieg, ich will ihn für lange Zeit, ich will ihn für immer. Dann werden Deeutschlands Grenzen auch ohne künstliche Wehren sicher sein, denn das Volk wird immer einen Vereinigungspunkt haben, sobald die unruhigen und räuberischen Nachbarn überlaufen wollen. Dieser Haß glühe als die Religion des deutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in allen Herzen und erhalte uns immer in unsrer Treue, Redlichkeit und Tapferkeit.[4]"

Ein weiterer wichtiger Vorkämpfer für die nationale Sache war der Dichter Theodor Körner, der selbst aktiv im Lützowschen Freikorps an den Befreiungskriegen teilnahm und im August 1813 bei Gadebusch im Forst von Rosenow durch eine feindliche Gewehrkugel fiel. Populär wurde z.B. sein Gedicht Männer und Buben, aber auch folgendes Gedicht:

[1.] Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen,
Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht.
Du sollst den Stahl in Feindes Herzen tauchen;
Frisch auf, mein Volk! – Die Flammenzeichen rauchen,
Die Saat ist reif – ihr Schnitter, zaudert nicht!
Das höchste Heil, das letzte, liegt im Schwerte!
Drück' dir den Speer ins treue Herz hinein! –
Der Freiheit eine Gasse! – Wasch' die Erde,
Dein deutsches Land, mit deinem Blute rein!
[6.]Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen!
Drauf, wack'res Volk! Drauf! ruft die Freiheit, drauf!
Hoch schlägt dein Herz, hoch wachsen deine Eichen.
Was kümmern dich die Hügel deiner Leichen?
Hoch pflanze da die Freiheitsfahne auf!
Doch stehst du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke,
In deiner Vorzeit heil'gem Siegerglanz:
Vergiß die treuen Toten nicht und schmücke
Auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!

[5]

2 Der Nationalismus der USA[Bearbeiten]

Aufgrund der Notwendigkeit für die Siedler des 18. Jahrhunderts in Nordamerika, sich unabhängig von den Herkunftsländern zu organisieren, kam es zu nationalistischen Strömungen, die bis heute nachwirken. So sagte George Washington in seiner Abschiedsansprache, die USA sollten keine Allianzen mit anderen Ländern eingehen. Diese politische Meinung wurde von ihren Gegnern als Isolationismus bezeichnet. Da das Handeln eines Staates im eigenen Interesse ohne Rücksicht auf die Interessen anderer ein Kennzeichen des Nationalismus ist, wird im Zusammenhang mit den USA neuerdings der Begriff Unilateralismus oder Unilateralität verwendet.[6]

3 Der Nationalismus in Nationalhymnen[Bearbeiten]

In vielen Nationalhymnen finden sich nationalistische Töne. So heißt es in der französischen Marseillaise:

„Auf, Kinder des Vaterlands,
Der Tag des Ruhmes ist gekommen!
Gegen uns ist der Tyrannei
blutiges Banner erhoben.
Hört ihr auf den Feldern
Diese wilden Soldaten brüllen?
Sie kommen bis in eure Arme,
Um euren Söhnen, euren Gefährtinnen die Kehlen durchzuschneiden.“

4 Siehe auch[Bearbeiten]

5 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.sezession.de/30009/es-lebe-der-volkstod.html
  2. Friedrich von Gentz, Werke, Wien 1911.
  3. J. G. Fichte, Reden an die Deutsche Nation, Leipzig 1944, S. 192f.
  4. E. M. Arndt, Über den Volkshaß, 1813.
  5. Theodor Körner: Werke, Band 1, Leipzig und Wien 1893, S. 88ff.
  6. Zum Beispiel bei Wikipedia