Gerechtigkeit

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Gerechtigkeit ist ein allgemeiner Moralbegriff, zu dem es verschiedene Interpretationen gibt. Das ursprünglich aus dem religiös-philosophischen Bereich stammende Wort wurde im Laufe Zeit immer stärker auf das Recht bezogen. Justitia war in der Antike die Göttin der Gerechtigkeit.[1] Bei Konfuzius ist es eine der vier grundlegende Tugenden. Was der Einzelne und/oder eine soziale Gruppe jeweils als „Gerechtigkeit“ empfindet, ist meist subjektiv. Dies zeigt sich oft bei Reaktionen auf ein Gerichtsurteil.

In politischen Diskussionen ist der Begriff „Gerechtigkeit“ häufig ein Schlagwort in bestimmten Kombinationen.[2] So spricht fast jeder von „mehr sozialer Gerechtigkeit“, meint damit aber zum Beispiel mehr Sozialleistungen. Von Parteien wird der Begriff in der Werbung bewusst eingesetzt.

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1 Grundlagen

Gerechtigkeit gilt in der Philosophie als Tugend, die das Verhalten im Idealzustand des sozialen Miteinanders beschreibe. Das eigene, sowie das Recht eines anderen solle dabei gleichermaßen geachtet und gewahrt werden. Bei den Auswahlverfahren der Natur - insbesondere bei der Evolution - gibt es das Prinzip der Gerechtigkeit jedoch nicht. Die Idee der Gerechtigkeit ist also eine Vorstellung aus der menschlichen Kultur. Gerechtigkeit zählt dennoch neben Bezeichnungen wie Recht, Gesetz und Strafe zu den grundlegenden Begriffen der Rechtswissenschaft; dabei gilt vor allem die ausgleichende Gerechtigkeit als Ziel.
Symbol der Waage

Gerechtigkeit gilt auch als Grundsatz, allen Menschen oder einer Gruppe von Menschen die gleichen Chancen bei einem Auswahlverfahren zu geben.[3][4][5][6] Der Begriff wird außerdem im Zusammenhang mit dem Wort Gleichberechtigung verwendet.

Das Prinzip der Gerechtigkeit spielt eine Rolle:

  • bei Wahlen
  • in Gerichtsverfahren
  • in der Kindererziehung
  • in Schulen (z.B. bei Notenvergabe)
  • bei Auswahlverfahren (z.B. für einen Beruf)
  • bei Preisverleihungen
  • im Sportwettkampf
  • bei der Bezahlung von Mitarbeitern und Angestellten
  • bei Bestrafungen

In folgenden Bereichen spielt die Gerechtigkeit keine Rolle:

  • bei einem Lottogewinn
  • bei einem Erdbeben oder einer Überschwemmungskatastrophe
  • bei der Gesundheit und Lebenserwartung
  • in der Liebe

2 Mögliche Begriffsinhalte

Allegorie der Gerechtigkeit. Virgil Solis 1540/45

„So man Ghrechtigkeit nimbt für hannt, Wirdet wol ghregiert leut unnd Lannd“

Gerechtigkeit ist ein normativer, mit einem Sollen verbundener Begriff. Mit ihm sei die Aufforderung verbunden, individuell als ungerecht empfundene Zustände in angeblich gerechtere umzuwandeln. Wer gerecht sein wolle, habe die Pflicht gegenüber sich selbst, aber auch in der Erwartung der Anderen, entsprechend zu handeln. Wenn man Gerechtigkeit als Gebot der Sittlichkeit anerkenne, trage man einen Teil der Verantwortung dafür, dass gerechte Verhältnisse hergestellt werden.

- Ungerechtigkeit sei eine Verletzung der Gerechtigkeit. Zur Ungerechtigkeit gehöre auch die Unterlassung einer pflichtgemäßen Handlung. Willkür sei einer der Hauptgründe für Ungerechtigkeit, weil durch sie das Prinzip der Unparteilichkeit durchbrochen werde.[7]

3 In der Religion

Das Alte Testament in der Bibel enthält verschiedene Textaussagen dazu:

„Wenn aber der Gottlose umkehrt von all seinen Sünden, die er getan hat, und alle meine Ordnungen bewahrt und Recht und Gerechtigkeit übt: Leben soll er und nicht sterben. All seine Vergehen, die er begangen hat, sollen ihm nicht angerechnet werden; um seiner Gerechtigkeit willen, die er geübt hat, soll er leben. Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? Wenn aber ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut nach all den Gräueln, die der Gottlose verübt hat - tut er es, sollte er leben? An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden. Wegen seiner Untreue, die er begangen, und wegen seiner Sünde, die er getan hat, ihretwegen soll er sterben.“

Hes 18, 21-24 EU

Nach dem jüdischen Glauben ist Gerechtigkeit ein Privileg Gottes, in das Menschen nur durch eine Beauftragung eingreifen dürfen und so - im Auftrage Gottes - Gesetze zu einem gerechten Zusammenleben erstellen können. Durch die Beseitigung der gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten werden die Menschen, welche Gerechtigkeit ausüben, zu Bewahrern der Schöpfung.[8]

Die Auszeichnung Gerechte/er unter den Völkern wird von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem den Menschen nichtjüdischen Glaubens verliehen, die in praktischer Weise in einer Krisenzeit Menschen vor einem ungerechten Rechtssystem gerettet haben.[9] Einer der wenigen deutschen Träger dieser Auszeichnung ist Oskar Schindler.[10]

4 Siehe auch

5 Weblinks


6 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Justitia
  2. Suchergebnisse auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung
  3. Christoph Lumer: Enzyklopädie Philosophie, Meiner Hamburg 2005, Seite 464b
  4. Oswald Schwemmer: Stichwort Gerechtigkeit in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. von Jürgen Mittelstraß, Band 1, Metzler, Stuttgart 1995, Seite 746
  5. Stefan Liebig in: Stefan Liebig, Holger Lengfeld: Interdisziplinäre Gerechtigkeitsforschung, Campus, Frankfurt 2002, Seite 77–102, hier 81
  6. Peter Koller (Rechtsphilosoph): Gerechtigkeit im politischen Diskurs der Gegenwart, Passagen, Wien 2001, Seite 19–46, hier 24
  7. Ernst Tugendhat: Moralbegründung und Gerechtigkeit, S. 6
  8. Die sogenannten Noachidischen Gebote
  9. Frag' den Rabbi: "Fragen von Christen: Glaubenszweifel: (...) - Welche Strafe erwartet die Ungerechten, die anderen Menschen Leid zugefügt haben? - Wenn sich ein Nichtjude an die noachidischen Gebote hält und an den einzigen Gott glaubt, kann er zu den Gerechten zählen?"
  10. Film auf Youtube: Die "Schindler-Juden" besuchen Oskar Schindlers Grab. (Schlusssequenz aus dem Film "Schindlers Liste")

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