Martin Rosenberg (Musiker)

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Profil.png Profil: Rosenberg, Martin
Namen Rosbery d`Arguto
Persönliche Daten
24. Dezember 1890
Schrensk
im Frühjahr 1943
KZ Auschwitz-Birkenau


Martin Rosenberg (* 24. Dezember 1890 in Schrensk; gest. im Frühjahr 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau) war ein jüdischer Dirigent und Komponist.

1 Vita[Bearbeiten]

Rekonstruktion der Lagerbefestigung des Konzentrationslagers Sachsenhausen, in dem Martin Rosenberg von 1939 bis 1942 eingesperrt war.Foto:Denis Apel
  • Martin Rosenberg wurde am 24. Dezember 1890 als Sohn eines Gutsbesitzers in Schrensk im von Russland okkupierten Teil Polens geboren. [1]
  • Er geriet als Jugendlicher in die Wirren der revolutionären Bewegungen in Russland, und wurde 1904 wegen angeblich revolutionären Umtrieben für 13 Monate inhaftiert. Kurz darauf verließ er Russland und studierte in Wien und Italien Komposition und Dirigat. In Italien legte er sich den Künstlernamen Rosbery d`Arguto zu, nach welchem er später in Berlin auch einen von ihm geleiteten Chor, die Gesangsgemeinschaft Rosbery d`Arguto, umbenannte.
  • 1912 ging er nach Deutschland, wo er 1919 in Berlin die Führung des Schubert-Kinderchors übernahm. Ab 1922 dirigierte er einen Arbeiterchor in Neukölln. Der politisch engagierte Rosenberg versuchte die Musik mit dem Kampf für sozialistische Ideale zu verbinden, und komponierte recht avantgardistische Stücke, in denen er z.B. mit Vierteltonmusik experimentierte und Vokalstimmen instrumental einsetzte.
  • Nach der Machtübernehme der Nazis im Jahr 1933 musste er als Jude und Sozialist seine beruflichen Ämter natürlich aufgeben und ging nach Polen.
  • Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs im Jahr 1939 unternahm er einen kurzen geschäftlichen Besuch in Berlin und wurde dabei von der Gestapo verhaftet. Am 13. September 1939 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Seine handgeschriebenen Kompositionen, musikalischen Skizzen und chorpädagogischen Schriften wurden von den Nazis zerstört.
  • In Sachsenhausen gründete er in Block 37 und 38 heimlich einen vierstimmigen Chor, der aus circa 24 männlichen Gefangenen bestanden haben soll. Bei einer ersten Aufführung sollen an die 300 Gefangene zugehört haben. [2]
    Anfang des Textes von Martin Rosenbergs Chorkomposition Jüdischer Todessang.
  • Im September 1942 ordnete die Naziführung an, dass die Gefangenen nach Auschwitz-Birkenau verschafft werden sollen. Am 21. Oktober 1942 wurde verlautbart, dass Juden am nächsten Tag nicht zur Arbeit gehen sollen. Jüdische Funktionsträger aus den Blocks 37 bis 39 wurden in den sogenannten Bunker geworfen. In Erwartung seines baldigen Todes begann Rosenberg ein Chorwerk zu komponieren, dass er Jüdischer Todessang (siehe den Pluspediaartikel Jüdischer Todessang) nannte. [3]
  • Das Musikstück basierte auf dem jiddischen Volkslied Tsen Brider, einer Variante des beliebten Volksliedes Zehn kleine Negerlein. Rosenberg komponierte das Werk im Oktober 1942. Die Niederschrift der Komposition ist nicht erhalten. Man weiß darüber nur etwas, weil Rosenberg seinem nichtjüdischen Mitgefangenen Alexander Kulisiewicz bat, sich das Musikstück einzuprägen und als Zeugnis gegen das Vergessen des Holocaust für die Nachwelt zu bewahren. [4]
  • Nach 1945 berichtete Alexander Kulisiewicz in seiner Schrift Polskie Piesni Obozowe 1939 - 1945 über das Musikwerk und viele andere in Sachsenhausen entstandene Lieder und Gedichte. Die Komposition spielte er 1947 in Prag und im Jahr 1979 zur eigenhändigen Gitarrenbegleitung auf dem Album Songs from the Depths of Hell ein. [5] [6]
  • Kurz nach Fertigstellung von Jüdischer Todessang wurde Rosenberg nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er im Frühjahr 1943 vergast. [7]

2 Literatur[Bearbeiten]

  • Joshua R. Jacobson: "Tsen Brider" - A Jewish Requiem, Musical Quarterly 84, Nr. 3, 2000, Seite 455 bis 474

3 Weblinks[Bearbeiten]

3.1 Videos[Bearbeiten]

4 Siehe auch[Bearbeiten]

5 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Juliane Brauer: Musik im Konzentrationslager Sachsenhausen, Ausgabe 25 der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Metropol-Verlag, 2007, S. 317
  2. Joshua R. Jacobson: "Tsen Brider" - A Jewish Requiem, Musical Quarterly 84, Nr. 3, 2000, S. 453 und 454
  3. Alan Rosen: Literature of the Holocaust, Cambridge University Press, 2013, S. 220 bis 222
  4. Tina Fruhauf und Lily Hirsch: Dislocated Memories - Jews, Music, and Postwar German Culture, Oxford University Press, S. 144 ff.
  5. Album Songs from the Depths of Hell auf www.folkways.si.edu
  6. Joshua R. Jacobson: "Tsen Brider" - A Jewish Requiem, Musical Quarterly 84, Nr. 3, 2000, S. 455 bis 470
  7. Katja Klein: Kazett-Lyrik - Untersuchungen zu Gedichten und Liedern aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen, Königshausen & Neumann, Würzburg, 1995, S. 62 und 88

6 Hinweis zur Verwendung[Bearbeiten]

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7 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Martin Rosenberg (Musiker)) vermutlich nicht.