Hallo Hans, wo gehts denn hin? (Komposition von Boris F.)

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Auch Auschnitte aus Reden des Diktators und Massenmörders Adolf Hitler, hier dargestellt von dem Bildhauer Arno Breker, sind in dem Musikwerk Hallo Hans, wo gehts denn hin? musikalisch eingearbeitet.
Hallo Hans, wo gehts denn hin? ist eine Komposition des genialen deutschen Komponisten Boris F. aus dem Jahr 2015. Man kann das Werk hier auf Youtube anhören

1 Allgemeines

  • Das achtminütige Musikwerk ist eine Soundcollage. Sie thematisiert die nationalsozialistische Diktatur von 1933 bis 1945, die der Kompomist natürlich verurteilt. Es ist ein beeindruckendes und auch bedrückendes Kunstwerk, welches die menschenverachtende Nazidiktatur spürbar werden lässt.
  • In der deutschsprachigen Wikipedia gibt es zu diesem Musikstück - einem der bedeutendsten Musikwerke des 20. und 21. Jahrhunderts - bislang noch keinen Artikel.

2 Technische Realisierung

3 Ablauf des Werkes

  • Das Werk beginnt mit dunklen Klängen, zu denen sich tiefe, metallene Schläge wie aus einem Industriebetrieb gesellen.
  • Dann ertönen aus dem Hintergrund einige von einem Klavier vorgetragene Takte aus Richard Wagners Parsifal-Vorspiel.
    Das Denkmal Züge in das Leben - Züge in den Tod: 1938-1939 am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Das Denkmal erinnert an die Kindertransporte, mit denen 10.000 jüdische Kinder 1938/1939 per Eisenbahn von Berlin aus nach England ausreisen konnten, und an die jüdischen Kinder, die später in die Vernichtungslager deportiert wurden.
  • Nach circa 20 Sekunden kommen Einspielungen von Reden des Propagandaministers Joseph Goebbels. Dieser beschwört den Glauben an den Führer und den "Sieg der deutschen Waffen".
  • Danach endet die Gobbelsrede und die Klaviermusik nach Wagners Parsifal, und es setzen dumpf klopfende Geräusche ein.
  • Es folgt eine Synthesizerfläche mit einigen Klavierklängen. Darüber ertönen unheimliche, an Möwengeschrei erinnernde Klänge.
  • Darüber sind danach Ausschnitte aus einem Film mit dem schon in der NS-Zeit sehr populären Heinz Rühmannn gelegt. Dieser unterhält sich in der Szene mit einem Freund, den er wiedertrifft. Man fragt sich gegenseitig, wie es dem anderen denn geht. Dann kommt die Frage "Hallo Hans, wo gehts denn hin?", welche dem Musikstück seinen Titel gegeben hat.
  • Die Frage, wohin es denn geht, ist durch die nun einsetzenden Geräusche eines Eisenbahnwagons und eine später einsetzende, wehmütige jüdische Melodie auf der Violine schnell beantwortet: Für viele, speziell Juden, geht es per Eisenbahn in ein Konzentrationslager.
  • Die jüdische Melodie wird von einem zackigen Militärmarsch überlagert und abgelöst.
  • Dann ertönen die typischen, heulenden Klänge der gefürchteten deutschen Sturzkampfbomber (Stukas).
  • Nach einigen Synthesizerklängen verkündet eine Stimme "Hier spricht der Führer". Adolf Hitler bringt dann diverse Sätzen aus Reden von ihm. Die Sätze sind mit Delay, Echo, Flanger, usw. verfremdet und teilweise auch übereinandergelegt. Die Masse schließt seine Rede mit einem dreifachen, begeisterten "Sieg Heil" ab.
  • Es folgen bedrohliche dumpfe und auch schrille Geräusche und Synthesizerklänge, bevor schließlich einige Takte aus dem ersten Präludium aus Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier erklingen. Die Klavierlinie verschwindet immer wieder kurzfristig und ist außerdem teilweise verfremdet. Resigniert sinkt die Klavierlinie dann dissonant in die Tiefe.
  • Es wird nun der erste Teil mit der Goebbelsrede bis zum Einsetzen der Eisenbahngeräusche wiederholt.
  • Die Ausschnitte aus dem Heinz Rühmann-Film beenden dann dieses musikalische Meisterwerk. Am Ende erklingt noch einmal die bange Frage: "Hallo Hans, wo gehts denn hin?".
  • Der Komponist distanziert sich ausdrücklich von der NS-Diktatur und ihren Verbrechen sowie den Inhalten der im Musikwerk verwendeten Reden von Goebbels und Hitler, die nur aus rein künstlerischen Gründen eingesetzt werden.

4 Deutungen durch den Komponisten

  • Der Komponist selber meinte zu dem Werk erklärend u.a.:
"Die vielen dumpfen, schrillen und mechanischen Klänge des Werkes, die aus Industriebetrieben zu stammen scheinen, stehen für die hoch technisierte Tötungsindustrie der NS-Diktatur, die sich in der Wehrmacht, der Rüstungsindustrie wie auch der "Tötungsindustrie" der Konzentratrationslager in erschreckender Art und Weise manifestierte. Das Parsifal-Vorspiel von Richard Wagner steht für die verheerende Auswirkung gewisser künstlerisch-philosophischer Tendenzen vor 1933, die die NS-Diktatur erst ermöglichten. Das Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Klavier symbolisiert die Kulturüberlieferungen Deutschlands, die von den Nazis missbraucht und beschädigt wurden. Die Szenen aus dem Spielfilm mit Heinz Rühmann zeigen die NS-Unterhaltungsindustrie, welche die Bevölkerung mit seichter und fröhlicher Unterhaltung von der brutalen Politik des Regimes ablenken sollte. Die Frage "Hallo Hans, wo gehts denn hin?" kann als Frage an das deutsche Volk während des NS-Zeit und auch nach 1945 interpretiert werden, wie das Leben denn nach den ganzen Verbrechen und der Schuld weitergehen soll."

5 Meinungen der Pluspedialeser

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6 Bestellungen

7 Links und Quellen

8 Siehe auch

9 Weblinks

10 Bilder / Fotos

11 Videos

12 Literatur

13 Einzelnachweise


14 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Hallo Hans, wo gehts denn hin? (Komposition von Boris F.)) vermutlich nicht.