Ernst Thälmann

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Ernst Thälmann zum 70. Geburtstag (1956)
Büsten von Ernst Thälmann, Rudolf Breitscheid und Lenin vom ehemaligen Lenin-Denkmal vor dem Hauptbahnof in Dresden, geschaffen von Grigorij Jastrebenetzki, 1974
WÄHLT THÄLMANN! in Görlitz

Ernst Thälmann (genannt Teddy; * 16. April 1886 in Altona; † 18. August 1944 im KZ Buchenwald) war von 1925 bis 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Unter dem Vorsitz Thälmanns wurde die Stalinisierung der KPD abgeschlossen.

1933 wurde er von der Gestapo verhaftet. Mehrfach wurde er Stalin als Tauschobjekt angeboten, aber dieser war an ihm nicht mehr interessiert. Nach elf Jahren Einzelhaft wurde er auf Befehl Adolf Hitlers 1944 ins Krematorium des KZ Buchenwald überführt und an Ort und Stelle erschossen.

1 Leben[Bearbeiten]

Ernst Thälmann besuchte die Volksschule, die er bereits nach sieben Jahren ohne Abschluß verließ. Er wurde am 15. Mai 1903 Mitglied der SPD. Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen. Im Oktober 1918 kehrte Thälmann aus dem Heimaturlaub nicht mehr an die Front zurück und desertierte. Danach trat er Ende 1918 der USPD bei. Im November 1920 ging auf sein Betreiben hin die Hamburger USPD in der KPD auf. Im Dezember wurde er in den Zentralausschuß der KPD gewählt. Im Sommer des folgenden Jahres fuhr Thälmann als KPD-Vertreter zum III. Kongreß der Komintern nach Moskau und lernte dort Lenin kennen.

Thälmann war Teilnehmer und Organisator des kommunistischen Hamburger Putsches vom 23. bis 25. Oktober 1923, bei dem er als Rädelsführer gewaltsam die Macht in der Weimarer Republik an sich reißen wollte. Dabei wurden 24 Polizeireviere gestürmt (17 in Hamburg, sieben in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein). Während des Putsches starben über 100 Menschen.[1] Nach dem Scheitern mußte Thälmann für eine Weile untertauchen. 1924 wurde er Vorsitzender der KPD und kandidierte für das Amt des Reichspräsidenten.

2 Der Stalinist[Bearbeiten]

Der Vorsitzende des linksextremistischen Rotfrontkämpferbundes Thälmann war auf Stalins ausdrücklichen Wunsch hin auch zum Vorsitzenden der KPD aufgerückt, um den bolschewistischen Einfluß endgültig auch auf Deutschland ausdehnen zu können. Allerdings war Thälmann schon damals als grobschlächtiger Schreihals und linker Rabauke ohne Geist und Verstand verschrien. So half ihm der Diktator Stalin im Jahre 1928 noch aus der Patsche, als er in einen Korruptionsskandal verstrickt wurde. In der sogenannten „Wittorf-Affäre“ wurde Thälmann beschuldigt, einen Funktionär gedeckt zu haben, der Parteigelder veruntreut hatte. Wittorf, ein Schwager Thälmanns, hatte sich als Sekretär des KP-Bezirkes „Wasserkante“ der Unterschlagung von Parteigeldern schuldig gemacht. Als die Kassenprüfer das Defizit entdeckten, versuchte Thälmann die Affäre zu vertuschen. Stalin rettete Thälmann vor dem politischen Bankrott und dieser machte aus der KPD zum Dank endgültig eine Truppe von Moskaus Gnaden.

„Thälmann stand 1928 unter dem Verdacht, die Unterschlagung von Parteigeldern vertuschen zu wollen. Ulbricht verlangte erst seine Absetzung, dann erfuhr er in Moskau, daß Stalin auf Thälmann setzte – und Ulbricht verlangte nun, die Gegner Thälmanns zu entfernen.“[2]

Über Thälmanns politische Fähigkeiten urteilte Ruth Fischer, seine Vorgängerin in der KPD-Leitung: „Er war ungebildet und hatte mit der marxistischen Terminologie und mit Fremdwörtern immer zu kämpfen... wenn er sich bei seinen Reden den Kragen abnahm, wurde diese Geste immer wieder mit Beifall begrüßt. Er gewann seine Hörerschaft jedoch durch die Ehrlichkeit seiner Überzeugung und die Leidenschaft der Argumentation.“ Auch die Ex-Kommunistin Margarete Buber-Neumann war „erschüttert von dem Niveau seiner Reden“. Doch fand sie gleichfalls: „Sein Anblick hatte etwas Gesundes, Starkes, ja eigentlich sehr Sympathisches.“[3]

Ernst Thälmann war es letztlich, der, aus seiner Abneigung gegen die Sozialdemokratie nie einen Hehl machend, dennoch offenbar auf Stalins direkte Anweisung hin, der Koalition unter Franz von Papen und Adolf Hitler im Jahre 1933 zur Macht verhalf. Thälmann folgte der Stalin-Direktive, in den Sozialdemokraten, und nicht in den Nationalsozialisten, den Hauptfeind zu sehen, was nicht unwesentlich zum Ende der sogenannten Weimarer Republik beigetragen hat. Dies war einer der Gründe für die spätere Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED in der SBZ.

3 Der Nationalist[Bearbeiten]

Ernst Thälmann war – wie die gesamte KPD und die ganze parteilich organisierte Linke – ein Verteter der „alten“, ökonomischen Linken. Im Gegensatz zu Vertetern der kulturellen Linken, die bzw. deren Denkweisen die westliche Linke ab den 1960ern zunehmend dominierten und heute defakto identisch mit „der“ Linken sind, war es für Thälmann kein Widerspruch „links“, ja sogar extrem „links“ und „antifaschstisch“ zu sein, aber gleichzeitig in gesellschaftspolitisch „rechte“, also konservative oder nationalistische Positionen zu vertreten. Ernst Tählmann ungeachtet seiner Positionierung auf dem äußeren Rand der extremen Linken ein leidenschaftlicher deutscher Nationalist. Auf ähnlich Weise vwaren wie führende Verteter der gemäßigten Linken wie Friedrich Ebert oder Kurt Schumacher Anhänger eines deutschen, ethnischen Nationalismus.

„Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk, und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation. Eine ritterliche, stolze und harte Nation. Ich bin Blut vom Blute und Fleisch vom Fleische der deutschen Arbeiter und bin deshalb als ihr revolutionäres Kind später ihr revolutionärer Führer geworden.“ – Ernst Thälmann, 1944, Zuchthaus Bautzen, Brief an einen „Kerkergenossen“.
„Deutsch und kommunistisch sind keine Gegensätze. Ich denke nicht daran, von meinen Grundsätzen auch nur einen Millimeter abzugehen. Kommunismus ist die Lehre von der Befreiung der Arbeiterklasse. Die Befreiung der Arbeiterklasse aber ist die Befreiung des ganzen Volkes! Dafür mein ganzes Leben gekämpft zu haben, darauf bin ich stolz. – Wir Kommunisten lieben unser Volk und unser Land. Darum wollen wir frei sein von kapitalistischer Lohnsklaverei, frei von faschistischer Diktatur, frei von Konzentrationslagern und Unterdrückung.“

Ernst Thälmann lies auch keinen Zweifel daran, dass das marxistische Ideal des Internationalismus, welches schon fester Bestandteil der Ideologie der damaligen ökomischen Linken war, vollkommen vereinbar mit dem (deutschen) Nationalismus sei:

„Weil wir unser Volk und Land lieben, kämpfen wir für Rätedeutschland … für ein freies, sozialistisches Deutschland. Wir bejahen die nationale Frage. Ich weise hin auf Lenin, der von dem Stolz der Großrussen sprach und trotzdem einer der größten Männer des Internationalismus gewesen und bis zu seinem Tode geblieben ist.“[4]

4 Haft[Bearbeiten]

1933, nach der rechtmäßigen Wahl der neuen Reichsregierung unter Adolf Hitler, rief Thälmann zum Sturz der jungen Regierung und zum Generalstreik auf. Folgerichtig wurde er wegen Hochverrates verhaftet. Dennoch hatte Thälmann während seiner Schutzhaft eine Reihe von Privilegien. Mit Stalins Hilfe wurde er zum Vorsitzenden der KPD, doch in seiner größten Not ließ dieser ihn dann allein. Trotz aller Briefe seiner Ehefrau Rosa nach Moskau machte Stalin nunmehr keinen Finger mehr für Thälmann krumm. Für Stalin hatte der Mohr seine Schuldigkeit getan. Thälmanns ewiger Widersacher Walter Ulbricht selbst soll sich Stalin gegenüber gegen eine Freilassung Thälmanns ausgesprochen haben.

Ulbricht kämpfte nach der Verhaftung von Ernst Thälmann um den Parteivorsitz. Dunkle Jahre werden es in Moskau. Stalin säubert erbarmungslos, läßt zahllose Emigranten in Lager schicken oder erschießen. Wer überleben will, muß verraten. Ulbricht überlebt.[5]

Obschon zumindest nach Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 Möglichkeiten zum Austausch Thälmanns gegen Sowjethäftlinge bestanden, unternahmen weder Stalin noch der inzwischen in Moskau residierende Ulbricht einen entsprechenden Versuch.

Ernst Thälmann war während der Zeit seiner Internierung im KL Buchenwald in einem sogenannten „Prominenten-Bau“ untergebracht und lebte dort ungezwungen und behaglich in einer bürgerlich eingerichteten Wohnung. Er verfügte über ein eigenes Radio, konnte Zeitungen beziehen und war von Arbeitsdienstleistungen ausgenommen. Es war ihm gestattet, Familienbesuche zu empfangen und Spaziergänge bei äußerst diskreter Bewachung zu unternehmen.[6]

Hermann Göring sagte später vor dem Nürnberger Tribunal zur Behandlung Thälmanns während der Haft:

„Selbstverständlich sind Übergriffe vorgekommen, selbstverständlich wurde da und dort geschlagen und sind Roheitsakte verübt worden. Aber gemessen an der Größe der Vorgänge ist doch die deutsche Revolution die unblutigste und disziplinierteste aller bisherigen Revolutionen der Geschichte gewesen – Das Prügeln von Häftlingen war ausdrücklich verboten – Ich möchte den Fall Thälmann kurz streifen, weil er der markanteste war, denn Thälmann war Führer der KP – Ich hörte, daß Thälmann geschlagen worden sei. Ich habe ihn unvermittelt und ohne Benachrichtigung der oberen Dienststellen kurz zu mir kommen lassen, direkt zu mir ins Zimmer und habe ihn genau ausgefragt. Er sagte mir, daß er besonders im Anfang der Vernehmung geschlagen worden sei. Ich habe daraufhin Thälmann gesagt: Lieber Thälmann, wenn ihr zur Macht gekommen wäret, wäre ich voraussichtlich nicht geschlagen worden, sondern ihr hättet mir sofort den Kopf abgeschlagen!, Das bestätigte er mir auch. Ich habe ihm darauf gesagt, er möchte in Zukunft mir, wenn irgendetwas nicht nur an ihm, sondern auch an anderen in dieser Richtung geschehen würde, ganz frei Mitteilung machen. Ich könnte nicht immer dabeistehen, aber es sei nicht mein Wille, daß irgendwelche Roheitsakte an ihnen verübt werden sollten.“[7]

Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte im Jahre 1974 zu den kommunistischen Machenschaften während der Weimarer Zeit und nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten:

„[…] So erschien es dem Gericht auch billig, daß es besonders ‚in der ersten Zeit‘ nach der Machtübernahme ‚eine staatspolitische, im Interesse der Sicherheit des deutschen Volkes erforderliche Notwendigkeit gewesen sei, mit gewissen schärferen Maßnahmen vorzugehen‘ – ‚um die ganzen Zusammenhänge aufzuklären und das Lügengewebe zu zerreißen, mit dem die KPD ihr hochverräterisches Treiben zu verdecken bemüht war‘“.[8]

5 Personenkult[Bearbeiten]

In der sogenannten DDR wurde ein beispielloser Personenkult um Thälmanns Namen aufgebaut, der, da von seinem Gegner Walter Ulbricht initiiert, nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

„Zur Lichtgestalt des aufrechten und integren Kämpfers, der die Idee des Sozialismus nicht verraten und dafür mit dem Leben bezahlt hatte, wurde Ernst Thälmann in der Geschichtsschreibung systematisch aufgebaut.“[9]

Seit Kriegsende ließ Ulbricht den KPD-Führer unter Auslassung wesentlicher Tatbestände nicht nur als „vorbildlichen Kämpfer um die nationale Rettung des deutschen Volkes“ und Wegbereiter seiner Einheitsfront feiern; er legte auch Wert darauf, durch ständige Erinnerung an Thälmanns angebliche Ermordung von den Fragen nach den Umständen abzulenken, die seinen Vorgänger erst der Verhaftung zugeführt hatten. Außerdem verfolgte der SED-Chef mit dem Kult um Thälmann das Ziel, die durchaus widersprüchliche KPD-Politik während der Weimarer Zeit zu kaschieren.


6 Videos[Bearbeiten]

7 DDR-Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Thälmann: Antwort auf Briefe eines Kerkergenossen, Dietz, Berlin 1961
  • Ernst Thälmann: An Stalin. Briefe aus dem Zuchthaus 1939 bis 1941. Karl Dietz Verlag Berlin, ISBN 3-320-01927-9
  • Irma Thälmann: Erinnerungen an meinen Vater. Der Kinderbuchverlag, Berlin 1973
  • Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED: Ernst Thälmann. Briefe – Erinnerungen. Dietz, Berlin 1986
  • Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Autorenkollektiv: Ernst Thälmann. Eine Biographie. Dietz, Berlin 1979, ISBN 3-88012-394-2
  • Willi Bredel: Ernst Thälmann. Ein Beitrag zu einem politischen Lebensbild. Dietz, Berlin 1948; 8., überarbeitete Auflage ebd. 1961
  • Willi Bredel und Michael Tschesno-Hell: Ernst Thälmann. Führer seiner Klasse. Literarisches Szenarium. Henschel, Berlin 1955
  • Peter Przybylski: Mordsache Thälmann. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1986
  • Wera und Claus Küchenmeister, Volker Koepp: Als Thälmann noch ein Junge war. Kinderbuchverlag, Berlin 1976
  • Max Zimmering: Buttje Pieter und sein Held. Dietz, Berlin 1951


8 Filme[Bearbeiten]

9 Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernst Thälmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

10 Andere Lexika[Bearbeiten]




  1. Junge Freiheit, 05.01.2011: Ort in Sachsen-Anhalt will Thälmann-Denkmal wieder aufstellen
  2. Der Spiegel, 19.02.1996: Stalin weiß, was er tut: Sergej Alexejewitsch Gegetschkori über seinen Vater Lawrentij Berija, den Geheimpolizeichef Stalins
  3. vgl. Der Spiegel, 6. 5. 1964
  4. Auszug aus: Ernst Thälmann – Eine Biographie, Dietz Verlag Berlin 1980
  5. vgl.: Zeit-Online: Staatschefs der ersten Stunde
  6. vgl.J. G. Burg: Zionnazi – Zensur in der BRD! S. 136
  7. zitiert in: Scheidl: Geschichte der Verfemung Deutschlands.
  8. DER SPIEGEL 24/1974 vom 10.06.1974 zum Mord an Otto Blöcker: „Bundespräsident Heinemann feierte den […] Kommunisten Fiete Schulze als Widerstandskämpfer, die National-Zeitung bezeichnete ihn als ‚Mörder‘. Der BGH gab dem Rechts-Blatt recht.“
  9. dhm.de