Die Supermächte im Umfeld der Kubakrise

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Die Supermächte im Umfeld der Kubakrise zeigen, dass - wie gemeinhin angenommen - ein strategisches Gleichgewicht der beiden Hauptakteure des Kalten Krieges nach 1945, der Sowjetunion und der USA, nicht vorhanden, sondern immer zugunsten der USA verschoben war.

Bereits 1959 hatte Neil McElroy, Vize-Verteidigungsminister unter Präsident Dwight D. Eisenhower, die Prognose gewagt, dass die Sowjetunion möglicherweise in den 60er Jahren bei den nuklearen Interkontinental-Raketen eine dreifache Überlegenheit aufweisen würde. Die reale Entwicklung zeigte dann aber, dass es sich hier um eine Übertreibung handelte.

Dennoch mussten die USA, ungeachtet ihrer qualitativen waffentechnischen Überlegenheit, auf der Hut sein. Mit der Zar-Bombe (einer Wasserstoff-Bombe) hatten die Russen bereits die stärkste jemals zur Detonation gebrachte Atombombe gezündet.

Im Januar 1961 wurde John F. Kennedy neuer US-Präsident. Er wollte zwar die Politik der militärischen Stärke fortführen, verfolgte aber als Vertreter der Demokraten auch das Ziel z.B. eines gewissen Ausbaus der Sozialausgaben, was zu finanzpolitischen Zielkonflikten führte. Mit seinem Verteidigungsminister Robert McNamara wurde die kombinierte Abschreckungsstrategie entwickelt. Demzufolge war es nicht entscheidend, ob die USA mehr oder weniger Atomwaffen besitzt als die Sowjetunion, sondern ob es möglich war, nach einem denkbaren Atomangriff seitens der Sowjetunion noch einen Gegenschlag zu führen, der mit erschreckenden Verwüstungen verbunden war. Dies sollte - so die Denkweise von US-Strategen - die Sowjetunion von einem Angriff abschrecken.

Die Militärs warnten: Die US-Bomberflotte bestehe zu drei Vierteln aus Jets aus dem Jahr 1955. Und nur 10 Prozent der Flotte bestünden bisher aus dem neuen Allwetter-Flugzeug F-104 Starfighter, der als erster mit zweifacher Überschall-Geschwindigkeit flog. Die Luft-Boden-Waffen ferner bestünden überwiegend aus der Art, wie sie bereits im Koreakrieg vor 10 Jahren verwendet worden seien. Die Truppentransport-Flugzeuge wiederum bestünden zu guten Teilen aus ehemaligen Zivilflugzeugen. Und was die Nuklearstreitmacht anbelange: Nur einige der rund 60 Basen zum Abschuss von Nuklearsprengköpfen könnten einem nuklearen Schlag des Gegners standhalten.

Ein weiterer Schock für die US-Militärs waren die Einsatzergebnisse ihrer vermeintlichen Wunderwaffe Starfighter nach dem Eintritt 1964 in den Vietnamkrieg unter Präsident Lyndon B. Johnson. Die als „klapprige Kiste betrachtete russisch-vietnamesische MiG erwies sich im Luftkampf als wendiger, vor allem auch, weil sie vom Boden aus geführt wurde und keine schwere Elektronik mittrug. Die Bilanz: drei Verlusten von Starfightern stand im Schnitt ein einziger einer MiG gegenüber. Das hätte sich natürlich auch in einem allfälligen konventionellen Krieg in Europa verhängnisvoll bemerkbar machen können.

Das Wettrüsten zwischen den USA mit der NATO und der Sowjetunion mit dem Warschauer Pakt steigerte sich bis Anfang der 1990er Jahre. Die Kubakrise 1962 hatte 1963 nur zu einem Atomteststoppvertrag geführt. 1972 wurde mit den ABM- und SALT-Verträgen versucht, den Ausbau der nuklearen Trägersysteme zu stoppen. 1980 führte US-Präsident Jimmy Carter mit der Präsidentendirective 59 die „Ausgleichsstrategie“ ein: Ziel der USA wurde es nun, einen möglichen Nuklearkrieg zu gewinnen. In der Amtszeit seines Nachfolgers Ronald Reagan von 1981 bis 1989 stiegen die Rüstungsausgaben der USA stark an, und zwar auf das 2,5fache.

Literatur

  • Arthur M. Schlesinger: A thousand days - John F. Kennedy in the White House
  • Arno Strohmeyer: Gleichgewicht der Kräfte. In: Friedrich Jaeger (Hrsg.), Enzyklopädie der Neuzeit, Band 4, Friede – Gutsherrschaft, Stuttgart/Weimar 2006, S. 925–931, ISBN 978-3-476-01994-3.