Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow

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Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow (* 20. März/ 1. April 1873 greg. auf dem Landgut Semjonowo bei Staraja Russa im Gouvernement Nowgorod im Russischen Kaiserreich; † 28. März 1943 in Beverly Hills (Kalifornien)) war ein russischer Pianist, Komponist und Dirigent.

1 Leben[Bearbeiten]

Von 1885 bis 1891 studierte Rachmaninow am Moskauer Konservatorium. Nach der Oktoberrevolution von 1917 verließ Rachmaninow, dem die Gleichmacherei, menschenverachtende Diktatur und Zerstörung aller über Jahrhunderte überlieferter Werte der russischen Kultur durch den Sowjet-Bolschewismus zutiefst zuwider war Russland und die Diktatur des Verbrechers und Massenmörders Lenin für immer und emigrierte in ein freiheitlicheres Land wie die USA. Rachmaninow ist damit einer langen Reihe russischer Komponisten zugehörig, die wie z.B. Igor Strawinsky gleich im Jahr 1917 flohen, wie Sergei Sergejewitsch Prokofjew flohen und später zeitweilig zurückkehrten oder wie Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch in innerer Opposition widerwillig dem menschenfressenden kommunsitischen System zu Willen sein mussten (siehe Der Fall von Berlin).

2 Der Klaviervirtuose[Bearbeiten]

Nach seiner ersten Tournee durch die USA im Jahr 1906 galt Rachmaninow als einer der weltweit führenden Klaviervirtuosen. Die Zeit nach seiner Emigration im Jahr 1917 steigerte diesen Ruf noch, so dass er zu einem der begehrtesten und bestbezahlten Klaviervirtuosen der 1920er und 1930er-Jahre wurde.

3 Rachmaninows Musikstil[Bearbeiten]

Rachmaninows Kompositionen sind - unter Hinzuziehung einiger moderner Elemente der Musik des 20. Jahrhunderts - überwiegend im romatisch bzw. hochromantischen und virtuosen Stil des 19. Jahrhunderts gehalten. Die Werke Rachmaninows beruhen grob eingeteilt auf drei Elementen/Wurzeln:

  • Den Errungenschaften und musikalischen Ausdrucksmittel der Romantik und Spätromantik von Schubert über Schumann zu Berlioz, Strauss und Wagner. Im Bereich der Klaviermusik sind natürlich besonders die Vorbilder von Chopin und Liszt zu nennen.
  • Einem auf ursprünglich russischer Volksmusik beruhendem, seit Tschaikowsky als typisch russisch empfundenen sentimental-depressiven Grundgefühl, moderneren Adaptionen russischer Volksmusik wie z.B. durch Mussorgski, und der Tradition russisch-orthodoxer Kirchenmusik bzw. Liturgie.
  • Dem Einsatz von musikalischen Ausdrucksmitteln des 20. Jahrhunderts, wie u.a. einer ansatzweisen Bi- bzw. Polytonalität und ryhthmisch sehr freien Gestaltung der Werke.

4 Rezeption[Bearbeiten]

Seine Musik brachte Rachmaninow viel Kritik seitens der avantgardistischen und überwiegend der Zwölftonmusik anhängenden Musikkritik ein. Rachmaninows Werke passten spätestens nach 1945 immer weniger in den politisch bestimmten Bezugsrahmen einer linken Schickeria, welche die Musik der Romantik und den Bezug auf Volksmusiktraditionen und/oder Traditionen der Kirchenmusik als revanchistischen Dreck empfand, und sich stattdessen an meist zweitklassigen atonalen Werken mit häufig politisch linker Botschaft (siehe z.B. Luigi Nono oder Hans Eisler) ergötzte. Vor allem der linksextremistische und selber als Komponist absolut erfolglose Musikkritiker und Soziologe Theodor W. Adorno ließ ätzende und großteils im Detail unbegründete Kritiken zu Rachmaninows Werken ab.

Komerziell waren und sind allerdings nur einige seiner Werke wie das cis-moll-Prelude op. 3,2 und das zweite Klavierkonzert sehr erfolgreich. Mit seiner Verbindung von mondäner Eleganz und einem nicht ganz echte, daher umso angenehmer zu genießenden Weltschmerz wurden seine Werke populär. Allerdings gleitet er - vor allem in seinen frühen Werken - immer wieder gerne in einen an das Kitschige grenzenden Salonstil ab. [1] Seine Kompositionen sind sind wegen ihrer einprägsamen Melodien und Gefühlstiefe und speziell bei Klavierspielern wegen ihrer technischen und klanglichen Delikatesse anerkannt. Speziell seine Klavierkonzerte Nr. 2 und Nr. 3 sind seit Jahrzehnten ständige Top-Seller der Klassikbranche und wurden in Ausschnitten auch in einigen Filmen, wie zum Beispiel der französischen Teenager-Komödie La Boum, eingesetzt. Auf Rachmaninows zweitem Satz aus seinem zweiten Klavierkonzert beruht Eric Carmens damals in den US-Charts vordringender Pop-Song All by myself [2] aus dem Jahr 1976, den später u.a. auch Shirley Bassey, Tom Jones, Eartha Kitt und Céline Dion [3] gecovert haben. Leider stehen viele qualitativ hochwertige Kompositionen Rachmaninows wie z.B. seine Werke im Stil russisch-orthodoxer Kirchenmusik (Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus, op. 31 oder Das große Abend- und Morgenlob, op. 37) oder viele Klavierwerke wie Études-Tableaux op. 33 etwas im Schatten von Top-Sellern, wie den beiden Klavierkonzerten Nr. 2 und Nr. 3, der Vokalise op. 34, dem Prelude cis-Moll (op. 3/2) oder einzelner Sätze seiner Sinfonien.

5 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Wolters: Handbuch der Klavierliteratur - Klaviermusik zu zwei Händen, Atlantis Musikbuch-Verlag, 5. Aufl., 1993, S. 492
  2. Eric Carmens Song All by myself auf youtube; Anm.: Notengetreues Zitat aus Rachmaninowws Werk ab 2`50 Minuten
  3. Celine Dion singt All by myself live im Jahr 1997

6 Andere Lexika[Bearbeiten]