Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch

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Profil.png Profil: Schostakowitsch, Dmitri Dmitrijewitsch
DD Schostakowitsch.png
Beruf Russischer Komponist
Persönliche Daten
25.9.1906
Sankt Petersburg
9.8.1975
Moskau


Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch (russ. Дмитрий Дмитриевич Шостакович, wiss. Transliteration Dmitrij Dmitrievič Šostakovič) (geb.25. September 1906 in Sankt Petersburg; † 9. August 1975 in Moskau) war ein russischer Komponist und Pianist.

1 Schostakowitsch und Stalin

Bereits 1936 fiel der bis dahin vom Regime gefeierte Komponist in Ungnade, als eine Privatvorführung vor Stalin im Kreml dessen Missfallen erregte.[1] Was Schostakowitsch wirklich über den Massenmörder Stalin dachte, der ihn nötigte mehrere Kompositionen zur Verherrlichung seiner selbst und der "glorreichen Sowjetunion" zu verfassen, geht aus folgenden Äußerungen von Schostakowitsch zur Entstehung seiner 9. Sinfonie aus seinen Memoiren hervor:

Stalin hat ganz gewiss nie an seiner Genialität gezweifelt. Doch als der Krieg gegen Hitler gewonnen war, schnappte er vollends über. Er war wie der Frosch in der Fabel, der sich zur Größe eines Stiers aufblies. Mit dem einen Unterschied, dass auch seine ganze Umgebung den Frosch Stalin für einen Stier hielt und ihm die entsprechenden Ehrungen erwies. Alle Welt umjubelte Stalin, und nun wurde ich in diesen unheiligen Reigen miteinbezogen. (...) Von Schostakowitsch forderte man die große Apotheose: Chor und Solisten sollten den Führer besingen. Auch die Ziffer würde Stalin gefallen: Die neunte Sinfonie! Stalin hörte sich immer genau an, was Experten und Spezialisten einer bestimmten Branche zu berichten wussten. Und in diesem Fall versicherten ihm die Experten, ich verstünde meine Sache. Daraus schloss Stalin, die Sinfonie zu seinen Ehren werde von höchster Qualität sein. (...) Ich muss bekennen: Ich gab dem Führer und Lehrer Anlass zu solchen Träumen, denn ich kündigte an, eine Apotheose schreiben zu wollen. (...) Als die Neunte uraufgeführt wurde, erzürnte sich Stalin ungeheuerlich. Er fühlte sich in seinen heiligsten Gefühlen verletzt. Es gab keinen Chor, es gab keine Solisten, und eine Apotheose gab es auch nicht - nicht eine Spur der Beweihräucherung des Größten. Es war einfach Musik, die Stalin nicht verstand. [2]

Schostakowitsch war bereit Krieg und Gewalt sowie den deutschen Faschismus musikalisch treffend zu charakterisieren und zu entlarven, nicht aber die Überlegenheit des großen Führers Stalin zu verherrlichen. Die Sinfonie orientierte sich weniger an pathetischer beethovenscher Monumentalität aus Teilen dessen Werkes sondern eher an Witz, Humor und Esprit von Joseph Haydns letzten Sinfonie, und muss der Partei wie Spott und Hohn vorgekommen sein.

Aber Stalin wäre nicht der große und weise Führer des sozialistischen Vaterlandes gewesen, wenn er sich diese Unverschämtheit von Schostakowitsch hätte gefallen lassen. Im Rahmen der Säuberungswelle von 1946 bis 1948 war dann der Zeitpunkt für Stalins Rache gekommen. Die Sinfonie und Schostakowitsch als Person wurden von der staatlich gelenkten Presse gnadenlos verrissen. Im Kontext der vom Kulturbeauftragtem des Zentralkommitees, Andrej Shdanow, geleiteten Aktion zu einer ausschließlich dem Sozialismus dienenden sozialistisch-realistischen Kunst, musste Schostakowitsch vor dem Komponistenverband folgendes demütigende Schuldbekenntnis abliefern: [3]

Obwohl es mir schwer fiel die Urteile über meine Musik und noch mehr die Verurteilung seitens des Zentrallkommitees zu hören, weiß ich dass die Partei recht hat. Ich bin tief dankbar für all die Kritik die gegen mich erhoben wurde.

Trotz dieser geheuchelten Reue wurden Schostakowitschs Kompositionen in der sowjet-bolschewistischen Diktatur nicht mehr aufgeführt und er verlor seine Professuren in Moskau und Leningrad.

2 Auszeichnungen

  • Held der sozialistischen Arbeit
  • Leninorden

3 Einzelnachweise

  1. Die Musik - 1000 Jahre illustrierte Musikgeschichte (mit einem Vorwort von Karl Böhm), Unipart Verlag, Stuttgart, München, 1983, S. 204
  2. Aus Solomon Wolkow: Die Memoiren des Dimitri Schostakowitsch; zitiert nach Dr. Stefan Schaub im CD-Booklet, KlassikKennenLernen - Faszination Schostakowitsch, Naxos GmbH, 2006, Nr. 8.520048, S. 10
  3. Aus der CD KlassikKennenLernen - Faszination Schostakowitsch, Naxos GmbH, 2006, Nr. 8.520048, Track 5, 16:54 bis 18:30 Minuten

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