Mitte-Studien

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Die „Mitte“-Studien sind repräsentative Erhebungen mit dem Ziel angeblich „rechtsextremen“ Einstellungen innerhalb der deutschen Bevölkerung nachzuweisen. Sie werden seit 2002 zweijährlich von einer Arbeitsgruppe der Universität Leipzig unter Leitung der linksgerichteten Medizinpsychologen Elmar Brähler und Oliver Decker durchgeführt. Von 2006 bis 2012 wurden sie in Zusammenarbeit mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung als Teil deren Projekts „Gegen Rechtsextremismus“ (Forum Berlin) erstellt, die siebte und bisher neueste Studie von 2014 wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut USUMA erstellt.

Die Mitte-Studien sind bis heute umstritten und wurden in der Wissenschaft sowohl aus methodischer Sicht wie auch aus inhaltlicher Sicht stark kritisiert.

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1 Methodik und Durchführung

Zu den Dimensionen des Rechtsextremismus zählten die Forscher zuletzt die Befürwortung einer Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus und Chauvinismus. In die Studie von 2014 wurden zusätzlich Items zu den Dimensionen Islamfeindschaft, Abwertung von Asylforderern und Antiziganismus aufgenommen.

Die Studie setzt Fragebögen zur rechtsextremen Einstellung – Leipziger Form – von Oliver Decker et al. (2013), zur Diffamierung von Sinti und Roma, Flüchtlingen und Muslimen der Bielefelder Reihe Deutsche Zustände von Wilhelm Heitmeyer (2012) und solche zur Messung von Autoritarismus von Peter Schmidt, Karsten Stephan und Andrea Herrmann (1995) ein.

Die Grundgesamtheit, über die Aussagen getroffen werden sollen, ist die deutschsprachige Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ab einem Lebensalter von 14 Jahren. Zum Einsatz kommt eine repräsentative Zufallsstichprobe in einem dreistufigen Verfahren mit Gebietsauswahl (ADM-Design). In der jüngsten Studie konnten von 4386 in dieser Stichprobenauswahl gezogenen Interviewpartnern 54,8 Prozent befragt werden, so dass die Stichprobengröße schließlich 2432 Personen betrug. Ausgewertet wurden nur Interviews mit Personen deutscher Staatsbürgerschaft.

Bei der Sonntagsfrage, welche Partei die Befragten wählen würden, wenn am nächsten Sonntag eine Bundestagswahl stattfände, wurden neben den etablierten und rechten Parteien erstmals auch die neu gegründete Partei Alternative für Deutschland (AfD) und die Piratenpartei in die Antwortmöglichkeiten einbezogen.

2 Ergebnisse

Die Kernergebnisse von 2014 waren in Bezug auf die Deutschen:

  • ausländerfeindlich (jeder fünfte)
  • chauvinistische Aussagen (13,6 Prozent)
  • antisemitische Einstellung (5 Prozent)

Insgesamt sank innerhalb des Untersuchungszeitraums die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen, und der Anteil der Befragten mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild nahm ab. Oliver Decker gab in einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Ergebnisse an: „Dabei wissen wir schon seit Jahren um den engen Zusammenhang von Wirtschaft und politischer Einstellung. Jetzt ist auch der Kontrast zu allen anderen Ländern in Europa sehr groß: das stabilisiert die Mitte der Gesellschaft.“[1]

Die Wissenschaftler behaupteten 2012, dass es „eine klare Grenze zwischen Religionskritik und Islamfeindschaft, die auf Ressentiments beruht“, gebe. Die Islamfeindschaft sei das neue „Gewand des Rassismus“. Es werde „nicht mehr biologistisch argumentiert, sondern die vermeintliche Rückständigkeit der islamischen Kultur thematisiert.“ Der „kulturalistische Rassismus“ breche „wichtige Tabus, wie schon von der Kommunikationslatenz des primären Antisemitismus bekannt.“[2]

3 Wissenschaftliche Kritik

Der Politologe Klaus Schroeder bezeichnete 2010 die Mitte-Studien als „linke Kampfschrift gegen liberale und konservative Auffassungen und die hiesige Gesellschaftsordnung“. Er begründete dies mit fehlenden oder unzureichenden Definitionen von in der Studie abgefragten Begriffen (z. B. den Begriff der „Überfremdung“) und der Verwendung von suggestiven Fragestellungen in der Datenerhebung. Ferner zeigten die Ergebnisse, so Schroeder, dass „nur sehr wenige zur Verharmlosung des Nationalsozialismus und zu sozialdarwinistischen Statements [neigen], die den Kern einer rechtsextremistischen Ideologie ausmachen“. Die These, rechtsextreme Einstellungen fänden sich bis tief in die Mitte der Gesellschaft, sei somit nicht haltbar.[3]

Der Berliner Politikwissenschaftler Klaus Schroeder kritisierte an der 2006 vorgelegten Mitte-Studie, „dass das Ergebnis durch die gewählte Vorgehensweise gleichsam programmiert ist. Viele Fragen sind missverständlich oder zu pauschal formuliert und können von den Befragten falsch verstanden oder nur unzulänglich beantwortet werden. Außerdem werden in dieser wie in anderen einschlägigen Untersuchungen auch Antworten erwartet, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen oder vor allem das Selbstbild der Fragesteller reproduzieren.“[4] In einem Kommentar bezeichnete Schroeder die Mitte-Studie von 2010 als nicht seriös. Sie sei „eine offen ausgesprochene linke Kampfschrift gegen liberale und konservative Auffassungen und die hiesige Gesellschaftsordnung. Die staatstragenden Kräfte – die soziale und politische Mitte –, die den Sozialstaat finanzieren, sich für den Zusammenhalt der Gesellschaft einsetzen und überdurchschnittlich häufig ehrenamtlich tätig sind, werden als extremistisch diffamiert.“[5]

Auf einer Veranstaltung der Landesämter für Verfassungsschutz Sachsen und Brandenburg kommentierte der Extremismusforscher Uwe Backes: „Die Verfasser der Studie werfen in ihrem Einleitungskapitel (‚Die Ergebnisse der ‚Mitte-Studien‘ 2002–2010 zu rechtsextremen Einstellungen und Strukturen‘) Fragen auf, äußern Vermutungen und legen Verbindungen nahe, die beim Leser den Eindruck erwecken, sie seien aus den empirischen Befunden der Studie gewonnen. Sie nehmen den Skandal um die späte Aufdeckung der Mordserie eines ‚Nationalsozialistischen Untergrundes‘ (NSU) zum Anlass für allerlei Spekulationen.“ Backes verzichtet auf eine Würdigung der empirisch gewonnenen Befunde auf der Einstellungsebene, die ihm zufolge „keineswegs pauschal in Zweifel gezogen werden sollen“, weist aber unter anderem auf die erhebliche Differenz zwischen Einstellungen und Handlungen hin und thematisiert die weitgehende Unbestimmtheit des Begriffs der „Mitte“.[6]

4 Weitere „Mitte-Studien“

Eine vom Grundsatz her gleiche Methodik und eine vergleichbare ideologische Grundlage hatten auch zwischen 2002 und 2011 jährlich veröffentlichen „Deutschen Zustände“-Studien unter der Leitung Wilhelm Hetymeyer, deren Fragebögen auch in der Ausgabe von 2014 der Mitte-Studien integriert wurde.

Gemein mit der Mitte-Studie ist auch die (kulturell) linke Ausrichtung der Autoren. Wilhelm Heytmeyer ist als kultureller Linker und für seine entschieden antiweiß-rassistischen(europäerfeindlichen) Einstellungen bekannt. So war er Jahrzehnte lang SPD-Mitglied, trat dann Anfang der 1990er, nachdem sich die SPD angesichts eines Asylfordererzustrom von 300 000 bis 500 000 Menschen jährlich u. eines kollabierten Asylsystems bereit erklärte, das deutschen Asylrecht minimal zu verschärgen, aus der SPD aus, weil ihm die Asylpolitik der Partei nicht radikal genug war. Der Umstand, dass ihm die Einwanderung von damals rund halben Million überwiegend arabischer, kurdischer, afrikanischer und sonst. nicht-europäischer Asylforderer (und damit die Verdrängung der deutschen und europäischen Bevölkerung) nicht ausreichend war, und er für die einheimische Bevölkerung vollkommen empathielos war, kann als Zeugnis für Heytmeyers stark-ausgeprägte Feindlichkeit gegen Deutsche und westliche Europäer gesehen werden.

5 Veröffentlichungen

  • Oliver Decker, Elmar Brähler: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland. Im Auftrag und hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Berlin, Leipzig 2006, ISBN 978-3-89892-566-2. (PDF)
  • Oliver Decker, Elmar Brähler: Bewegung in der Mitte. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2008. Mit einem Vergleich von 2002 bis 2008 und der Bundesländer. Im Auftrag und hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Berlin. Berlin 2008, ISBN 978-3-86872-002-0. (PDF)
  • Oliver Decker, Marliese Weißmann, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010. Hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung, zu Klampen, Springe 2012, ISBN 978-3-86872-469-1. (PDF)
  • Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012. Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer, Dietz, Bonn 2012, ISBN 978-3-8012-0429-7. (PDF)
  • Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014. Leipzig 2014. (PDF)

6 Literatur

  • Joachim Kreis: Zur Messung von rechtsextremer Einstellung: Probleme und Kontroversen am Beispiel zweier Studien (= Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 12), Berlin 2007. (PDF)
  • Klaus Schroeder: Expertise zu „Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland“. In: Politische Studien, Jg. 58 (2007), H. 1.

7 Weblinks

8 Einzelnachweise

  1. Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014, Pressemitteilung, 4. Juni 2014.
  2. Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Die stabilisierte Mitte Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014, 2014, S. 48 f.
  3. Klaus Schröder: Überall Chauvinisten In: Der Tagesspiegel, 21. Oktober 2010.
  4. Klaus Schroeder: Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft? Deutschlandradio Kultur, 8. Januar 2007.
  5. Klaus Schroeder: Überall Chauvinisten. In: Der Tagesspiegel, 21. Oktober 2010.
  6. Uwe Backes: Rechtsextremismus zwischen „Mitte der Gesellschaft“ und Gegenkultur. In: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen: Rechtsextremismus zwischen „Mitte der Gesellschaft“ und Gegenkultur. Dresden 2013, S. 33–50, hier: S. 34 und 35. (PDF)

9 Siehe auch

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