Brandkatastrophe in Backnang am 10. März 2013

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Das betroffene Haus am 13. März 2013
Die Brandkatastrophe in Backnang am 10. März 2013 war ein ein tragisches Ereignis, bei dem acht Menschen mit türkischem Migrationshintergrund umkamen, und das die Bevölkerung der schwäbischen Kleinstadt emotional extrem aufwühlte. Auch überregional und bis in die Türkei sorgte der Vorfall für ein großes Medienecho.

1 Unfallhergang[Bearbeiten]

  • Am Sonntag dem 10. März 2013 entstand in Backnang in einer Wohnung in der Wilhelmstraße ein Feuer.
  • Schon bald stand das ganze Gebäude lichterloh in Flammen.
  • Um 4.30 Uhr wurde aus der naheliegenden Discothek die Feuerwehr alarmiert.
  • Schon kurz nach 5.00 Uhr verfolgen zahlreiche Schaulustige das Geschehen. Später werde es immer mehr. [1]
  • An die 100 Feuerwehrmänner aus Backnang und Umgebung kämpften verbissen und zunehmend verzweifelt gegen die Flammenhölle.
  • Sie konnten dennoch nicht verhindern, dass acht türkischstämmige Mitbürger - darunter tragischerweise sieben Kinder - den unbarmherzigen Flammen zum Opfer fielen. Sie wurden wohl im Schlaf überrascht und erstickten.
  • Nur ein 11-jähriger Junge konnte sich mit seiner Großmutter und seinem Onkel in Sicherheit bringen.
    Der ausgebrannte Dachstuhl am 13. März 2013
  • Besonderen Mut zeigte der griechischstämmige Club-Besitzer Christos Kiroglou, [2] der noch vor Eintreffen der Feuerwehr ohne auf die eigene Sicherheit zu achten in die Flammenhölle eindrang und den Weg für die Geretteten freimachte. [3] [4]

2 Soziale Situation der Opfer[Bearbeiten]

  • Die Opfer waren Angehörige einer zehnköpfigen türkischstämmigen Familie. Diese wird sogar von türkischen Bekannten als sozial schwach gestellt beschrieben. Der Vater lebte getrennt von der Familie. Dass es den Kindern an vielem fehlte, bestätigte auch der Leiter des nebenan befindlichen deutsch-türkischen Kulturvereins. Türkische Besucher des Vereins hatten den Kindern öfters Essen und auch Geld gegeben. [5]
  • In der Wohnung muss es sehr eng zugegangen sein, da bsp. drei der toten Kinder in einem gemeinsamen Bett gefunden wurden. Vor allem die elektrischen Leitungen scheinen sich in einem desolaten Zustand befunden zu haben. Darauf hatten die Familie und auch der griechische Club-Besitzer den Vermieter mehrmals vergeblich hingewiesen. Auch war das Jugendamt mehrmals in der Wohnung, wurde aber danach nicht aktiv. Auch habe sich in und um die Wohnung Müll und Spermüll angehäuft. [6] Angehörige der Opfer haben inzwischen schwere Vorwürfe gegen den Vermieter erhoben. In der Wohnung habe es noch nicht einmal warmes Wasser gegeben. Die Mutter habe sich mehrmals vergeblich an die deutschen Behörden gewandt, um eine neue Wohnung zugeteilt zu bekommen. [7]

3 Mögliche Ursachen und rechtsextremer Hintergrund[Bearbeiten]

  • Zuerst wurde der Holzofen als Ursache gesehen. Inzwischen spricht aber vieles gegen diese Erklärung der Brandursache.
  • Ein Defekt in der Elektrik, die nach Aussage des Vormieters schon lange kaputt war, könnte die Brandursache gewesen sein.
  • Auch ist, wie in der Verganheit häufig, ein Anschlag mit rechtsextremem Hintergrund nicht auszuschließen.
  • Die schrecklichen Bilder des Rechten Terrors bei den Brandanschlägen von Mölln und Solingen waren - speziell da der Rems-Murr-Kreis, in dem Backnang liegt, seit Jahren als Hochburg des Rechtsextremismus zu trauriger Berühmtheit gelangt ist (Schmierereien, Beleidigungen und gewalttätige Übergriffe bis hin zu Mordversuchen gegen ausländische Mitgbürger sind hier teilweise fast schon an der Tagesordnung) - sofort wieder präsent. [8]
  • Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül forderte mit folgenden Worten vollständige Aufklärung:
"Leider gab es in der Vergangenheit Feuer, Brandstiftungen, Morde an unseren Bürgern. Deswegen prüfen wir alle Eventualitäten."
  • Skeptisch macht viele liberal denkende Menschen auch, dass die Polizei sehr schnell (der Rauch des Brandes hatte sich noch kaum verzogen) einen rechtsextremen Hintergrund kategorisch ausschloss. Der islamische Verband Ditib versuchte politisches Kapital aus der Tragödie zu schlagen [9] und verlangte, dass die Polizei einen ausländerfeindlichen Hintergrund nicht ausschließen dürfe. [10]
  • Die türkische Opposition will sich in Backnang selbst ein Bild machen. Zwei Mitglieder der Partei CHP sind auf dem Weg in das braune Schwabenland.
  • Die TAZ meinte:
"Auch wenn der Brand von Backnang jetzt auf eine rein technische Ursache zurückzuführen sein sollte – blindes Vertrauen darauf wäre fehl am Platze." [11]
  • Die türkische Zeitung Hürryiet schrieb zu der Brandkatastrophe:
"Die Deutschen assimilieren die Türken. Und wo sie es nicht können, verbrennen sie sie."
  • Die türkische Zeitung Vatan fragte am 11. März 2013 auf der Titelseite "Ein neues Solingen?" Bei der Zeitung Taraf hieß es "Solingen-Verdacht". Die nationalistische Zeitung Türkiye formulierte nach dem Brand "Wieder Deutschland - wieder Türken verbrannt." [12]
  • Inzwischen mussten türkische Politiker und Zeitungen von ihren Vorwürfen kleinlaut abrücken. Die türkische Tageszeitung Hürriyet berichtete, obwohl sie vorher wahllos Verdächtigungen und Vorwürfe ausgestoßen hatte, dass vier vom türkischen Innenministerium nach Deutschland geschickte Experten festgestellt haben, dass es keine Hinweise auf Brandstiftung oder einen Anschlag von Neonazis gebe. [13]
  • Professor Faruk Şen meinte, dass der deutsche Staat auländerfeindliche Anschläge unterstütze:
"Das Feuer mag durch ein elektrisches Problem verursacht worden sein. Doch es gibt zwölf Fälle von Brandstiftung in der selben Gegend in den vergangenen Monaten. Geheime Elemente innerhalb des deutschen Staates unterstützen diese Angriffe. (...) Sie lassen Menschen ermorden und schützen die Mörder." [14] [15]

4 Betroffenheitsgesten der Politik[Bearbeiten]

Die Anteilnahme der Bevölkerung zeigt sich auch im spontanen Niederlegen von Blumen und Kerzen
"Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist."
  • Der Backnanger Bürgermeister Frank Nopper meinte in einer Ansprache:
"Allah herkese rahmet eylesin. (Möge Gott uns gnädig sein)" [16]
  • Auf der Trauerfeier für die Toten sprach der stellvertretende Ministerpräsident Nils Schmid aus Betroffenheit sogar auf Türkisch.

5 Trauerfeier[Bearbeiten]

  • Zwei Tage nach dem Unglück nahmen die Menschen im Hinterhof einer nahegelegenen Moschee bei eisigem und windigem Wetter Abschied von den Verstorbenen.
  • Eine Stunde lang sind die Gesänge des Immam weithin zu hören. Die Särge sind mit deutschen und türkischen Fahnen bedeckt. Auch die blau-gelben Farben Backnangs und grüne Stoffbahnen als Farbe des Islam sind vertreten. Von den Balkonen der anliegenden Häuser schauen auch viele Menschen zu.
  • Die Großmutter der umgekommenen Kinder legt kurz ihre Hand auf einen der Särge. Dann wird sie vom Schmerz überwältigt und muss nach hinten geleitet werden. [17]
  • Dann beginnen die offiziellen Reden. Der Bürgermeister Frank Nopper sagt:
"Backnang trauert. Backnang trauert um acht tote Menschen. Backnang trauert um eine Mutter und sieben Kinder. Wir können es alle noch nicht fassen, aber eine Brandkatastrophe, ein tragisches Brandunglück hat acht Familienangehörige, Freunde, Nachbarn, Mitbürger aus dem Leben gerissen. Der Tod von Menschen ist immer schmerzhaft, aber dieses Ereignis berührt und trifft uns alle ganz besonders, weil so viele Kinder, weil eine Familie fast völlig dem Brand zum Opfer fielen. (...) Was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich. Und bestimmt sehen wir uns dort ja eines Tages wieder." [18]
  • Nach der Trauerfeier werden die Särge mit den Toten nach Stuttgart zum Flughafen gefahren. In einem Reisebus begleiten die engsten Angehörigen die Leichenwagen. Von Stuttgart aus werden die Särge per Flugzeug in die Türkei transportiert. Dort soll noch mal, wie der stellvertretende Ministerpräsident der Türkei namens Bozdag verkündete, eine Obduktion vorgenommen werden, da man den Ermittlungen der deutschen Behörden offenbar misstraut. Danach sollen die Toten beerdigt werden. [19] Das fehlende Vertrauen der türkischen Seite in die deutschen Ermittlungen belastet nach Aussage von Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney das Verhältnis zu Deutschland. Eine erneute Obduktion diene seiner Meinung nach nicht der Totenruhe, aber auch nicht dem gegenseitigen Vertrauen. Er meinte:
"Wenn es Vertrauen gegeben hätte, würde die türkische Seite nicht auf eine Autopsie bestehen." [20]

6 Links und Quellen[Bearbeiten]

6.1 Siehe auch[Bearbeiten]

6.2 Weblinks[Bearbeiten]

6.2.1 Bilder / Fotos[Bearbeiten]

6.2.2 Videos[Bearbeiten]

6.3 Quellen[Bearbeiten]

6.4 Literatur[Bearbeiten]

6.5 Naviblock[Bearbeiten]

6.6 Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Murrhardter Zeitung vom 11. März, Nummer 59
  2. Anm.: Sein Club heißt Merlin.
  3. Brand in Backnang: Grieche rettet drei türkische Hausbewohner
  4. [1]
  5. Murrhardter Zeitung vom 11. März, Nummer 59
  6. Murrhardter Zeitung vom 11. März, Nummer 59
  7. Murrhardter Zeitung vom 12. März, Nummer 60
  8. Hausbrand in Backnang - Neonazis im Hinterkopf auf www.taz.de
  9. Backnang: DITIB mischt sich ein auf Politically Incorect
  10. Frank Nordhausen: Brand-Katastrophe in Backnang - Zweifel an den Ermittlern
  11. Hausbrand in Backnang - Neonazis im Hinterkopf auf www.taz.de
  12. Murrhardter Zeitung vom 12. März 2013, Nummer 60
  13. [2]
  14. [3]
  15. [4]
  16. [5]
  17. Murrhardter Zeitung vom 13. März 2013, Nummer 61
  18. Murrhardter Zeitung vom 13. März 2013, Nummer 61
  19. Murrhardter Zeitung vom 13. März 2013, Nummer 61
  20. [6]


7 Andere Lexika[Bearbeiten]

Wikipedia kennt dieses Lemma (Brandkatastrophe in Backnang am 10. März 2013) vermutlich nicht.