Abduh al-Ḥāmūlī

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Profil.png Profil: al-Ḥāmūlī, Abduh
Persönliche Daten
zwischen 1840 und 1845
Tanta
12. Mai 1910
Ḥalwān


Abduh al-Ḥāmūlī (arab.: عبده الحامولي) (* zwischen 1836 und 1845 in Tanta; gest. 12. Mai 1910 in Ḥalwān) war ein ägyptischer Sänger und Musiker. Er gilt als einer der wichtigsten Protagonisten der Renaissance (Nahda) und Erneuerung arabischer Musik im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Foto von Abduh al-Ḥāmūlī

1 Vita

  • Hauptquelle zur Biografie von Abduh al-Ḥāmūlī ist das Buch Al-mūsīqa al-sharqiyya wa-al-ghinā’ al-‘arabī von Qasṭandī Rizq, das zwar sehr detailliert über ihn berichtet aber in seiner Verlässlichkeit auch sehr zweifelhaft beurteilt wird. [1]
  • Abduh al-Ḥāmūlī wurde zwischen 1836 und 1845 in einem Dorf in der Nähe des Stadt Tanta im Nildelta geboren. Die Angaben zu seinem Geburtsdatum wechseln je nach Quelle. Es wird das Jahr 1841 aber auch 1836 und der Zeitraum von 1840 bis 1845 angegeben. Sein Vater war Kaffeehändler. Mit diesem hatte er bald Konflikte wegen seiner Liebe zum Gesang und zur Musik. Deshalb floh er zusammen mit seinem älteren Bruder von zuhause. Die beiden zogen unstet umher bis sie sich in der Stadt Munia l-Qamh niederließen. Verschiedene Lehrer erkannten sein Gesangstalent und unterrichteten ihn, nutzen ihn aber auch aus und ließen ihn in Kneipen mit seiner Musik Geld verdienen. [2]
  • Mit einem seiner Lehrer ging er nach Kairo, wo er u.a. im Othman Agha Café auftrat. Er heiratete die Tochter seines Lehrers, trennte sich aber bald wieder von ihr und verließ auch seinen Lehrer.
  • Abduh al-Ḥāmūlī arbeitet dann kurzfristig mit dem Sänger Muhamad al Muqaddammit zusammen. Bald darauf gründete er sein eigenes Ensemble (takht) mit Muhamad al ‘Aqqad (Qanun), Ahmad al Laythi (Oud), Ibrahim Sahlun (Violine), Ameen al-Bizri (Nay), Muhamad Kamel al-Raqqaq (Percussion) und Ahmad Hassaneyn. Mit diesem Ensemble trat er in Clubs und bei privaten Feiern auf und wurde sehr bekannt. [3]
  • Der Khedive Ismail Pascha, der von 1863 bis 1879 über Ägypten herrschte, bestellte ihn daraufhin in seinen Palast (Qasr Abdeen) nach Kairo und nahm ihn in seinen Dienst auf. Es wurde Abduh al-Ḥāmūlī anfänglich untersagt, ohne die Erlaubnis des Herrschers auf öffentlichen oder privaten Veranstaltungen zu singen. Als Hofsänger passte sich Abduh al-Ḥāmūlī den bürgerlichen Normen und dem türkisch dominierten Hof an. Er tauschte u.a. seine ägyptische gallabeyya gegen den Gehrock und Fes der Türken, lernte etwas Türkisch und nannte sich Effendi. Er wurde wiederholt an den Hof der Hohen Pforte in Istanbul eingeladen um vor Sultan Abdulhamid II. aufzutreten. Die Besuche in Istanbul dienten zwei Zwecken: Erstens sollte sich Abduh al-Ḥāmūlī mit dem osmanischen Musikrepertoire und dessen Rhythmen und Modi vertraut machen. Außerdem wollte man dem Lehnsherren und Rivalen des ägyptischen Vizekönigs zeigen, zu welcher Eleganz man es am Nil mit der Gesangskunst gebracht hatte. [4]
    Thronsaal des Palasts (Qasr Abdeen) des Khediven Ismail Pascha, an dessen Hof Abduh al-Ḥāmūlī als Musiker angestellt war
  • Abduh al-Ḥāmūlī war mit der Sängerin Almaz verheiratet, die auch am Hof des Khediven engagiert war. Die beiden traten anfänglich auch zusammen auf. Später verbot ihr Abduh al-Ḥāmūlī öffentliche Auftritte. [5]
  • Abduh al-Ḥāmūlī, der auch Oud spielte, sang überwiegend traditionelle muwaššah im Stil Shakir al-Halabis. Später brach er anscheinend häufiger mit den traditionellen Regeln des Gesangs. [6] In seiner Musik verband er die musikalischen Stilistiken aus Ägypten und der Türkei. So führte er z.B. den bis dahin in Ägypten unbekannten Maqam Hijaz Kar ein.
  • Er arbeitete u.a. mit dem Komponisten Abu Khalil Qabbani zusammen und führte die gemeinsam mit ihm die Operette in Ägypten ein. Im Jahr 1895 stand dann zum ersten mal ein arabisch singender Darsteller auf einer Opernbühne. [7]
  • Gegen Ende seines Lebens wurden sogar noch einige Audioaufnahmen seiner Gesangskunst gemacht.[8] Abduh al-Ḥāmūlī wurde durch seine Kunst relativ wohlhabend und besaß mehrere Häuser in verschiedenen Städten. Er versuchte wie viele andere Musiker auch, sich ein parallel zu seiner Musikkarriere ein bürgerliches Standbein aufzubauen, da es im arabischen Raum damals als wenig ehrenhaft galt von der Musik zu leben. Er betrieb deshalb eine Zeitlang ein Geschäft mit Textilien, wodurch er aber große finanzielle Einbußen erlitt. [9] In seinen letzten Lebensjahren litt er an Tuberkulose und lebte in der Ortschaft Halwan wo er auch verstarb. [10]
  • Abduh al-Ḥāmūlīs Person und Musik blieben auch nach seinem Tod in Ansehen. Im Jahr 1962 erschien der Spielfim Almaz wi Abdo El-Hamuli, der das Leben von ihm und seiner Frau darstellt. [11] Nach Worten des syrischen Dichter Khalil Mutran habe Abduh al-Ḥāmūlī "seine Stimme in den Himmels des tarab [12] erhoben". Er verglich seine Kunst mit "dem Sprung des Adlers, der Flut, dem Blitz, der Nacht, dem Stöhnen des Baches und dem Gurren der Tauben". Khalil Mutran meinte u.a.:
"Abduh war ein Pionier, der Melodien aus dem Moment der Inspiration schuf, welche den Fachmann verwirrten und den Zuhörer mit seiner Macht zu unterhalten erfreute. Er brach Regeln, veließ vertrautes Terrain und hob damit ab zum Flug." [13]

2 Literatur

  • Frédéric Lagrange: Al-Tarab - Die Musik Ägyptens (aus dem Französischen übersetzt von Maximilien Vogel), Palmyra Verlag, 2010, Seite 68 und 69
  • Abou Mrad Nidaa: L’Imâm et le chanteur - Réformer de l’intérieur / Une mise en parallèle de Muhammad ‘Abduh et ‘Abduh al-Hâmûlî; in Dossier La Nahda et la musique, Les Cahiers de l’Orient 24, Paris, 1991, Seite 144 bis 150

3 Weblinks

3.1 Videos

4 Einzelnachweise

  1. Gespräch mit Frédéric Lagrange über Abduh al-Hamuli (Teil 1)
  2. Arthur Goldschmidt: Biographical Dictionary of Modern Egypt, Lynne Rienner Publishers, 2000, S. 70
  3. Foundation for Arab Music Archiving & Research
  4. Frédéric Lagrange: Al-Tarab - Die Musik Ägyptens (aus dem Französischen übersetzt von Maximilien Vogel), Palmyra Verlag, 2010, S. 68
  5. Frédéric Lagrange: Al-Tarab - Die Musik Ägyptens (aus dem Französischen übersetzt von Maximilien Vogel), Palmyra Verlag, 2010, S. 68 und 69
  6. Gespräch mit Frédéric Lagrange über Abduh al-Hamuli (Teil 1)
  7. Biografieartikel der Foundation for Arab Music Archiving & Research
  8. Piney Kesting: A Doorway in Time
  9. Frédéric Lagrange: Al-Tarab - Die Musik Ägyptens (aus dem Französischen übersetzt von Maximilien Vogel), Palmyra Verlag, 2010, S. 70
  10. Arthur Goldschmidt: Biographical Dictionary of Modern Egypt, Lynne Rienner Publishers, 2000, S. 70
  11. Joel S. Gordon: Revolutionary melodrama - Popular film and civic identity in Nasser's Egypt, Middle East Documentation Center, 2002, S. 81
  12. Anm.: Der arabische Begriff tarab bezeichnet die Emotionen, die Ergriffenheit und den ästhetischen Genuß durch die Musik.
  13. nach Khalil Mutran: al-Musiqua al-sharqiyya wa `Abduh al-Hamuli, al-Muqtataf 88, 1936, S. 307 und 309

5 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Abduh al-Ḥāmūlī) vermutlich nicht.