Wissenschaft

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Wissenschaft ist ein Verfahren, mit dem aufbauend auf bekannten Grundlagen (Literatur und anderen Informationen) mittels systematischer Forschung (Experimente, Tests, Thesenüberprüfung, u.a.) Erkenntnis auf höherem Niveau erzielt und das Wissen erweitert werden kann. Wissenschaftliche Forschung folgt genau definierten und methodischen Verfahren und dokumentiert den eigenen Arbeitsprozess zur Gewährleistung der gegenseitigen Überprüfbarkeit. Die Überprüfung der Wissenschaftlichkeit eines Forschungsprozesses erfolgt zum Beispiel im Rahmen der internationalen Diskussion, auf Workshops, Tagungen und Kongressen und durch die systematische Kritik seitens der Fachkollegenschaft in wissenschaftlichen Zeitschriften und anderen Medien (heute auch in Rundfunk, Fernsehen und Internet). Durch die Lehre (an der Universität, aber auch in außeruniversitären Kursen und in der Schule) und populärwissenschaftliche Publikationen werden die aktuellen Forschungsergebnisse auch an die Allgemeinheit weitergegeben und ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung vermittelt.[1]

1 Wissenschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Darstellung aus dem 16. Jahrhundert: Astronomen beobachten den Himmel

Wenn Wissenschaft allgemein die Darstellung von planvoll geordneten Erkenntnissen eines Wissensgebietes sowie die Erforschung dieses Erkenntnisgegenstandes ist, so handelt es sich bei dem Begriff „Geschichte“ um die Darstellung und Erforschung eines vergangenen Geschehens. Wissenschaftsgeschichte stellt einen Ausschnitt aus der Gesamtthematik der Historischen Wissenschaften dar und reflektiert gleichzeitig den eigenen Werdegang der Wissenschaft. Kennzeichnend ist der Wandel, welcher sich nicht nur auf die Rolle von Wissenschaft bezieht, sondern auch auf ihre Gegenstände, ihre Methoden und Interessen. Früher ging es um das Interesse an der Beherrschung der Natur in Medizin, Waffentechnik und Energieerzeugung, um die menschlichen Lebensbedingungen zu verbessern. Im Mittelalter blieb die Beschäftigung mit Wissenschaft weitgehend auf Universitäten und Klöster beschränkt. Erst im Humanismus verlagerten sich die Gelehrsamkeit und die Arbeit an wissenschaftlichen Fragestellungen an die Höfe und teilweise auch in die Städte. Im weiteren Verlauf entwickelte sich Wissenschaft an Universitäten und in Verlagen. Sie wurde vom 18. Jahrhundert an auch von Publizisten getragen. Im 19. Jahrhundert kam es mit der zunehmenden Anwendung wissenschaftlicher Ergebnisse in der Technik zu einer Vermehrung und dem Ausbau der Universitäten, besonders aufgrund der bahnbrechenden Leistungen in der Medizin nahm die Zahl der Lehrstühle zu und es wurden immer mehr Professoren berufen, die die steigenden Zahlen von Studenten unterrichten konnten und für diese Aufgabe mit wachsenden finanziellen Mitteln ausgestattet wurden. Damit einher ging die Volksbildung, die anknüpfend an die Aufklärung, aber auch im Interesse von Verwaltung und Staat, immer mehr Gewicht erlangte. Der moderne Wissenschaftsbetrieb ist bestimmt von einer hohen Spezialisierung mit zahlreichen Einzel- und Unterdisziplinen und von wissenschaftlicher Tätigkeit in Institutionen wie Universitäten, staatlichen oder staatlich geförderte Forschungsinstituten sowie Forschung in der Industrie selbst. Weiter findet eine Verknüpfung wissenschaftlicher Tätigkeit mit Projekten industrieller und militärischer Forschung statt. So wundert es nicht, dass aufgrund der Bedeutung der Wissenschaften dieses Thema zu einem Feld gesellschaftlicher und politscher Diskussionen und Auseinandersetzungen geworden ist. So gehört zu wissenschaftlicher Arbeit und Erkenntnis heutzutage die "Geschichte der Wissenschaft" als eine Dimension ganz selbstverständlich hinzu. Dabei geht es sowohl um ihre Ausdifferenzierung und ihren Wechselbezug zu anderen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und technischen Entwichklungen als auch um die Frage nach Entwicklungsformen und Veränderungen innerhalb der einzelnen Wissenschaft sowie im Bereich des Grundlagenwissens.

2 Wissenschaftlicher Erkenntnisprozess[Bearbeiten]

2.1 Grundlegende Begriffe[Bearbeiten]

Theorie und ihr Verhältnis zu weiteren grundlegenden Begriffen

Der Begriff Induktion beschreibt die Schlussfolgerung ausgehend vom Einzelfall zu einer Verallgemeinerung.[2] Die Aussage, dass alle Menschen sterblich sind, beruht nicht auf einem bekannten und wissenschaftlich begründeten Naturgesetz, sondern ist aus vielen Einzelfällen abgeleitet.

Der Begriff Deduktion bezeichnet die Ableitung von einer allgemeinen Aussage auf einen Einzelfall. Beispiel: Sokrates ist ein Mensch ⇒ Sokrates ist sterblich.

Der Begriff Schlussfolgerung bezeichnet den Vorgang, dass aus einem Satz (Aussage) ein weiterer Satz hergeleitet wird und aus der wahren Aussage des Ausgangssatzes die Richtigkeit des abgeleiteten Satzes folgt. Oder mit anderen Worten: „Unter Schließen ist diejenige Funktion des Denkens zu verstehen, wodurch ein Urteil aus einem andern hergeleitet wird. — Ein Schluß überhaupt ist also die Ableitung eines Urteils aus dem andern.“[3]

Ein Axiom ist ein als gültig anerkannter Grundsatz, der nicht bewiesen werden muss und nicht abgeleitet werden kann. Beispiel: Jede natürliche Zahl n hat genau einen Nachfolger n + 1.

Eine Annahme stellt eine vereinfachende Aussagen über die Realität dar, auf deren Basis ein Modell konstruiert oder eine Theorie aufgestellt werden kann. Beispiel: Die Nutzenfunktion sei zweimal differenzierbar.

Ein Modell ist ein vereinfachendes Abbild eines Realitätsausschnitts, und es existiert Isomorphie nur bezüglich bestimmter Aspekte.

Eine Theorie ist ein widerspruchsfreies System von Aussagen hinsichtlich eines Gegenstandsbereiches.

Eine Hypothese stellt eine wissenschaftlich begründete Annahme über noch nicht untersuchte Sachverhalte dar, sie wird oft aus einer Theorie abgeleitet und ist im Idealfall überprüfbar.

Unter einer Wissenschaftlichen Methode versteht man eine Vorgehensweise, die an Regeln oder Regelsysteme gebunden ist. Sie sollten kommunizier- und lehrbar, normativ und präskriptiv (Sanktion bei Nichteinhaltung) sowie intersubjektiv nachprüfbar sein. Die Empirischen Methoden umfassen Vorgehensweisen, Datenerhebung, Datenauswertung, Hypothesenbildung und Hypothesentests.[4]

2.2 Wissenschaftstheoretische Positionen[Bearbeiten]

Der Positivismus ist charakterisiert durch die Vorstellung einer positiven („positiv" bedeutet hier: gesetzt, gegeben, wirklich vorhanden) Realität, die man durch Forschung entdecken kann. Das wiederum beruht auf der Vorstellung, dass es eine endgültige Wahrheit und Wirklichkeit gebe, die durch Beobachten und Experimentieren entdeckt und bewiesen werden könne. Das Streben nach Objektivität steht dabei im Vordergrund. Wahrheit ist hier objektive Wirklichkeit, die mit den Sinnen erfasst, erforscht und gemessen werden kann. Das Ziel ist es, Gesetzmäßigkeiten (für Abläufe in der Natur, im menschlichen Organismus, im menschlichen Verhalten etc.) zu entdecken. Nach dem Prinzip der Deduktion - Wissenschaft beginnt mit theoretischen Konzepten - sollen wissenschaftliche Hypothesen (Theorien) empirisch (mittels Forschung) verifiziert werden. Je häufiger dies passiert, desto höher ist der Vorhersagewert für künftige Ereignisse.

Der Kritische Rationalismus wurde von Karl Popper als Weiterentwicklung des Positivismusses begründet. Auch dieser folgt dem deduktiven Prinzip, und auch hier ist es das Ziel der Wissenschaften, Gesetzmäßigkeiten aufzudecken um damit zu einer objektiven Wahrheit zu gelangen. Theorien und Hypothesen werden mit der Wirklichkeit konfrontiert und an ihr überprüft. Popper beruft sich aber im Gegensatz zu den Positivisten auf das Falsifikationsprinzip. Dieses beruht auf dem Gedanken, dass es keine allgemein gültigen Sätze geben kann, da eine Ausnahme hinreicht, um eine Theorie zu stürzen. Es kann in der Wissenschaft daher nicht um die Verifikation von Hypothesen gehen, sondern nur um eine Falsifikation, die Wiederlegung dieser Hypothesen. Die treibende Kraft im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ist demnach die Kritik des "Bestehenden". Die Sozialwissenschaften, genauso wie die Gesundheitswissenschaften, sind stark von dieser Denkschule beeinflusst.[5]

Der Rationalismus hatte als bekannteste Vertreter René Descartes (1596-1650), Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) und Baruch Spinoza (1632-1677). Nach diesen sollte Erkenntnisgewinn nicht über Sinne, sondern über Vernunft und rationale Schlussfolgerungen rein deduktiv erfolgen. Nach dem Rationalismus gibt es keine voraussetzungsfreie Erfahrung, da alle Beobachtungen durch Theorien angeregt werden. So glaubt Descartes an eine universale Methode zur Erforschung der Wahrheit. Wobei Irrtum in Wahrnehmung und Denken möglich sind. Betonung der Wichtigkeit von Zweifel und Prüfung wichtig - cogito ergo sum - nur das ist richtig, was plausibel verifiziert ist. Beschränkung auf Dinge, die dem Verstand zugänglich sind.

Der Empirismus hatte als bekannteste Vertreter: Francis Bacon (1561-1626), John Locke (1632-1704), David Hume (1711-1776) und George Berkeley (1685-1753). Erkenntnisgewinn erfolgt durch Erfahrung und Wahrnehmung. Bei Geburt - tabula rasa - es existieren keine angeborenen Ideen. Eine Rechtfertigung aus dem Denken ist nicht ausreichend und es wird die induktive Vorgehensweise bevorzugt. Nach Bacon gibt es nur die Erfahrung als einzige Quelle der Erkenntnis und die induktive Methode wird bevorzugt. Für Locke stellt die Induktion ein legitimes wissenschaftliches Mittel dar, da die reale Welt als nicht durch Axiome und Deduktion beschreibbar angesehen wird. Nach Hume existiert nichts im Verstand, das nicht vorher durch die Sinne gegangen ist. Nach Berkeley existiert nur Wahrnehmbares und die Welt ist abhängig vom Beobachter, so dass keine vom Wahrnehmen unabhängige Außenwelt existiert.[6]

3 Forschung[Bearbeiten]

Forschung dient der wissenschaftlichen Gewinnung neuer Erkenntnisse. Unterschieden wird zwischen der Grundlagenforschung und der Zweckforschung (Lösung von bestehenden Problemen). An den Universitäten wird Forschung insbesondere im Zusammenhang mit der Lehre betrieben. Daneben gibt es Institute ohne Unterrichtung von Studenten - insbesondere die Max-Planck-Gesellschaft. Forschungseinrichtungen existieren auch an Betrieben, die wie der Staat teilweise Forschungsaufträge vergeben. Neben den genannten Institutionen findet Forschung an Großforschungsanlagen wie DESY statt.[7]

4 Wissenschaftsfreiheit[Bearbeiten]

Die Pflege der Wissenschaft ist als wichtige gesellschaftliche Aufgabe anerkannt. Die Freiheit der Wissenschaft ist in Deutschland durch Art. 5 Abs.3 GG verfassungsrechtlich garantiert. Die Gesetzgebungskompetenz für den Bereich der Wissenschaften steht den Ländern zu. Für die Förderung der wissenschaftlichen Forschung hat nach Art. 74 GG der Bund eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz. Er macht insofern davon Gebrauch, als Mittel zu Forschungszwecken in den Bundeshaushalt eingestellt werden. Neben der staatlichen Wissenschafts-Förderung gewinnt die Wirtschaft in zunehmendem Maß als Finanzier sowie als Träger und Ort wissenschaftlicher Forschung an Bedeutung.[8]

5 Wissenschaftsbereiche[Bearbeiten]

Wissenschaft kann nach unterschiedlichen Kriterien in Wissenschaftsbereiche gegliedert werden. Traditionell wird zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft unterschieden.

Wissenschaftsbereiche

6 Literatur[Bearbeiten]

  • Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie des Wissens der Humanwissenschaften. Frankfurt a. M. 1974. (14. Aufl., 1997, ISBN 3-518-27696-4.)
  • Rudolf Stichweh: Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher Disziplinen. Physik in Deutschland 1740-1890. Frankfurt a.M. 1984, ISBN 3-518-57688-7.
  • Nicholas Rescher: Die Grenzen der Wissenschaft. Reclam Philipp Jun., Stuttgart 1985, ISBN 3-15-008095-9.
  • Alan F. Chalmers: Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Berlin u.a. 1986, ISBN 3-540-16244-5. (6., verb. Aufl., 2007, ISBN 3-540-49490-1.)
  • Helmut Seiffert / Gerard Radnitzky (Hrsg.): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie. München 1992, ISBN 3-423-04586-8. (2. Aufl., 1994, ISBN 3-423-04586-8.)
  • Wolfgang Balzer: Die Wissenschaft und ihre Methoden. Grundsätze der Wissenschaftstheorie. Ein Lehrbuch. Freiburg / München / Alber 1997, ISBN 3-495-47853-1.
  • Hans Poser: Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung. Reclam, Ditzingen 2001, ISBN 3-15-018125-9.
  • Gerhard Schurz: Einführung in die Wissenschaftstheorie. Darmstadt 2006, ISBN 3-534-15462-2.
  • Martin Carrier: Wissenschaftstheorie zur Einführung. Hamburg 2006, ISBN 3-88506-617-3.
  • Gerhard Funke, Erhard Scheibe: Wissenschaft und Wissenschaftsbegriff. ISBN 3-515-04010-2
  • Max Weber (Autor), Johannes Winkelmann (Herausgeber): Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. UTB, Stuttgart; 7. Auflage (1. Januar 1988), ISBN 3-825-21492-3
  • Carl-Friedrich von Weizsäcker: "Die Tragweite der Wissenschaft". Verlag: Hirzel, Stuttgart; 7. Auflage (1. Juli 2006), ISBN 3-777-61401-7

7 Siehe auch[Bearbeiten]

8 Quellen[Bearbeiten]

  • Willfried Forstmann: Schülerduden "Die Geschichte" Mannheim; Wien; Zürich: Bibliographisches Institut, 1981, ISBN 3-411-01799-6

9 Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Definition Wissenschaft - univie.ac.at
  2. Induktion in: Friedrich Kirchner, Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe (1907)
  3. Zitat von Immanuel Kant
  4. Zentrale Konzepte und Grundüberlegungen - lsw.wiso.uni-erlangen.de
  5. Einführung in die Pflegeforschung - pflege-paedagogik.de
  6. Wissenschaftstheoretische Positionen - lsw.wiso.uni-erlangen.de
  7. Helmut Lingen: Das Neue Große Lexikon in Farbe. Köln Helmut Lingen Verlag, (1984) ASIN B0027E7334 Forschung
  8. Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden: Brockhaus in der Wissenmedia; 21., überarbeitete und aktualisierte Auflage (5. Oktober 2005), ISBN 3-765-34140-1

10 Andere Lexika[Bearbeiten]