Klassengesellschaft

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Klassengesellschaft war im 19. Jahrhundert ein gängiger Begriff, hier eine Darstellung von 1860 aus den USA (Übersetzung des Textes): „Die zwei großen Klassen:. Die einen haben mehr Mahlzeiten als Appetit. Die anderen haben mehr Appetit als Mahlzeiten.“

Die Klassengesellschaft ist ein Begriff, der die Differenzierung der Gesellschaft nach unterschiedlichen Klassen beschreibt. Im 19. Jahrhundert wurde von Karl Marx eine Theorie entwickelt, wonach die Klassengesellschaft im Wesentlichen aus den gegensätzlichen Interessengemeinschaften von Herrschern und Beherrschten besteht. Der Begriff diente Marx dazu, einen sogenannten Klassenkampf heraufzubeschwören. Im Marxismus wurde die Theorie entwickelt, dass die Menschheitsgeschichte aus einer Aufeinanderfolge von Klassenkämpfen bestehe, die vereinfacht mit folgenden Phasen beschrieben werden:

  1. Urgesellschaft
  2. Sklavenhaltergesellschaft
  3. Feudalherrschaft
  4. Kapitalismus

Dabei gibt es die Vorstellung, dass in der Urgesellschaft noch Idealzustände herrschten, die durch den Eigentumsbegriff aufgelöst wurden. Die folgenden Gesellschaftsformen seien gesetzmäßige und notwendige Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte gewesen und der Wunschgedanke war, dass der Kapitalismus durch eine Revolution überwunden wird, worauf eine Diktatur des Proletariats folge. Diese Diktatur führe schließlich zu einer Auflösung der gesellschaftlichen Klassen und einer „klassenlosen Gesellschaft“ (Kommunismus). Die Theorie dazu wurde insbesondere von Lenin zum Anfang des 20. Jahrunderts weiterentwickelt. Er versuchte - wie viele andere Politiker - die Theorie in die poltische Praxis umzusetzen. Diese Versuche sind jedoch, wie zum Beispiel die weitere Entwicklung der Sowjetunion zeigte, im Vergleich zur Theorie letztlich gescheitert.

Das Prinzip der Klassengesellschaft ist eine politische Theorie wie jede andere Theorie auch. Sie bietet auf Einzelfragen mögliche Antworten, aber keine umfasssende Erklärung gesellschaftlicher Entwickungen oder Handlungsanleitungen für die politische Praxis. Historisch haben sich die oben beschriebenen Phasen nur in einigen Ländern tatsächlich vollzogen, teilweise gibt es Überschneidungen. Aus Sicht der heutigen Sozialwissenschaft gilt das Denkmodell von Marx und seinen Anhängern als überholt.

Literatur

Michael Vester, Peter von Oertzen u. a.: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Bund, Köln 1993, ISBN 3-7663-2484-5.