Geschichte Helgolands

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Die Geschichte Helgolands ist seit dem 19. Jahrhundert sehr gut dokumentiert. Zur Früh- und Vorgeschichte dagegen werden - vor allem seit den 1950er Jahren - verschiedene Hypothesen und Theorien aufgestellt; wissenschaftliche Untersuchungen dazu erfolgten jedoch erst ab den 1980er Jahren[1] und wurden unter anderem durch die Diskussion um die Veröffentlichungen des evangelischen Pfarrers und Archäologen Jürgen Spanuth angeregt.

Im Mesolithikum, der Mittelsteinzeit, etwa vor 11.600 Jahren bis 7.500 Jahren, wurde Helgoland langsam durch den Meeresanstieg zur Insel (siehe Doggerland). Aus der Antike sind nur wenige Nachrichten über Nordeuropa überliefert worden. Aber in der Naturgeschichte Plinius des Älteren wird mehrfach der heute nicht mehr erhaltene Reisebericht des Pytheas von Massilia (325 v. Chr.) zitiert. Eine Textstelle wird von manchen Autoren auf Helgoland bezogen, was allerdings sehr umstritten ist. Es bestand möglicherweise auch noch über eine längere Zeit eine Landbrücke zur Halbinsel Eiderstedt. Die heutige Tiefenlinie von 12–15 m weist auf eine solche Verbindung hin.[2] In neuerer Zeit befasste sich auch der Geologe Dieter Ortlam mit der Entstehungsgeschichte der Insel Helgoland.[3]

Wie das übrige Nordfriesland stand Helgoland ab dem 12. und 13. unter der Herrschaft Dänemarks. Im 16. Jahrhundert kam die Insel zum Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf und erhielt den Status einer Landschaft mit einem hohen Grad an Selbstverwaltung. 1714 wurde Helgoland von dänischen Truppen erobert und gehörte von da an zum Herzogtum Schleswig. Von 1807 bis 1890 war sie Britische Kronkolonie. Am 26. August 1841 wurde hier von August Heinrich Hoffmann das Deutschlandlied gedichtet.

Zwei Grabhügel wurden 1845 und 1893 durch interessierte Laien freigelegt. Die Funde wurden in dieser Zeit nicht in eine Theorie einer großen Bedeutsamkeit der Insel in vorgeschichtlicher Zeit eingeordnet. Sie wurden in den Museen vergessen oder gingen verloren. Im 19. Jahrhundert konnten insgesamt vier Hügel identifiziert werden, von denen drei eindeutig Hügelgräber aus der Bronzezeit waren.

1890 ging Helgoland durch einen Vertrag mit Großbritannien an das Königreich Preußen. Ein wirksamer Brandungs- und Sturmflutschutz begann erst um 1900 und hatte damals nur militärische Gründe. Im Jahre 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde die Bevölkerung deportiert. Als die Helgoländer die Insel verließen, nahmen sie an, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern; doch sie konnten erst 1918 wieder zurückkehren.

Viele militärische Anlagen der Insel waren nach dem Ersten Weltkrieg nur zurückgebaut, aber nicht zerstört worden. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht wurden sie ab 1935 unter dem Decknamen Projekt Hummerschere zu einem großen Marinestützpunkt ausgebaut. Bei zwei Angriffswellen am 18. und am 19. April 1945 warfen 1000 Flugzeuge der britischen Royal Air Force etwa 7000 Bomben ab. Die Mehrheit der Bewohner überlebte in den Luftschutzbunkern. Danach war die Insel kaum noch bewohnbar. Die Zivilbevölkerung wurde noch von den Deutschen evakuiert. Die rund 2500 Bewohner wurden in etwa 150 verschiedenen Orten Schleswig-Holsteins untergebracht.[4] Am 18. April 1947 zerstörten die Briten mit der bis 1985 größten nichtnuklearen Sprengung der Geschichte die militärischen Bunkeranlagen der Insel.

Die Exil-Helgoländer starteten politische Initiativen zur Wiederbesiedlung der Insel: Im März 1948 wurden die Vereinten Nationen angerufen. Es gab Appelle an das britische Unterhaus, die neu gebildete deutsche Bundesregierung und sogar an den Papst. Am 20. Dezember 1950 besetzten die beiden Heidelberger Studenten René Leudesdorff und Georg von Hatzfeld die Insel und hissten für die Presse die deutsche Flagge, die Flagge der Europäischen Bewegung und die Flagge Helgolands in unterschiedlichen Variationen. Ihnen schloss sich der damals in Heidelberg Geschichte lehrende Publizist Hubertus zu Löwenstein an.

Nachdem der Deutsche Bundestag im Januar 1951 einstimmig die Freigabe der Insel gefordert hatte, gaben die Briten am 1. März 1952 Helgoland wieder an die Bundesrepublik Deutschland zurück.[5]

1 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Geschichte Helgolands) vermutlich nicht.




2 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Alex Ritsema: Heligoland, Past and Present, S. 21–3, Lulu Press 2007, ISBN 978-1-84753-190-2
  2. O. Pratje: Die Stadien in der Entwicklung der Insel Helgoland. Erdkunde 2, Bonn 1948, S. 322–330.
  3. Dieter Ortlam: Der Nordsee-Tsunami und der Untergrund Bremerhavens, Fassung vom April 2014
  4. April 1945: Helgoland im Bombenhagel, NDR, 22. August 2012; abgerufen am 19. Januar 2019
  5. 1. März 1952: Helgoland ist wieder deutsch. Dokumentation auf der Website des NDR vom 29. Februar 2012

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