Wahnfried (Oper)

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Das illuminierte und geschmückte Festspielhaus in Bayreuth anlässlich Adolf Hitlers 50. Geburtstag am 20. April 1939

Wahnfried ist eine Oper des israelisch-amerikanischen Komponisten und Dirigenten Avner Dorman aus dem Jahr 2016, in der es um die Verstrickung des Wagner-Clans in den in letzter Konsequenz in den Holocaust führenden Sumpf aus Antisemitismus, Rassismus und nationalistischem Überlegenheitsdünkel geht.

1 Entstehung und Uraufführung

2 Handlung

Der jüdische Komponist und Dirigent Avner Dorman komponierte im Jahr 2016 die Oper Wahnfried
  • Das Libretto nach einem Konzept von Bernd Feuchtner stammt von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Erzählt wird die Geschichte des Wagner-Clans, der nach dem Tod ihres Meisters Richard Wagner von Bayreuth aus bestimmte, was als Wagners Erbe zu gelten hatte, dieses politisierte und sich dabei zunehmend in die deutsche Ideologiegeschichte am Vorabend von Hitlers Machtergreifung involvierte. [2] [3] Der britische Rassist und Antisemit Houston Stewart Chamberlain, der die Hauptrolle in der Oper einnimmt, übernimmt nach Richard Wagners Tod im Hause Wahnfried die Deutungsherrschaft über Wagners Werk. Die Handlung der Oper beginnt nach Wagners Tod im Jahr 1883 und endet 1923 mit der Aufnahme Adolf Hitlers in den Wagner-Clan. In der Oper wirken viele historische Personen, wie Richard Wagner, seine zweite Frau Cosima Wagner, seine Schwiegertocher Winifried Wagner, sein Sohn Siegfried Wagner, Houston Stewart Chamberlain und seine erste Frau Anna, Chamberlains zweite Frau Eva Wagner, der mit Richard Wagner befreundete deutsch-jüdische Dirigent und Komponist Hermann Levi, der russische Anarchist Michail Bakunin, der mit Siegfried Wagner befreundete englische Pianist und Komponist Clement Harris und Adolf Hitler (als Meisterjünger bezeichnet) mit. Die Oper besteht aus zwei Akten.

2.1 Akt 1

Der erste Akt besteht aus zehn Szenen. Er umfasst den Zeitraum von 1883 (Richard Wagners Tod im Jahr 1883 in Szene 2) bis mindestens 1899 (in Szene 9 wird Chamberlains in diesem Jahr erschienenes Buch Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts [4] erwähnt).

2.1.1 Szene 1

Wahnfried beginnt damit, dass Chamberlain und seine erste Frau Anna sich auf einer sommerlichen Wiese befinden. Chamberlain jagt Schmetterlinge und seine Frau besingt ihre große Liebe zu ihm. Seine Beobachtungen in der Natur inspirieren Chamberlain zu sozialdarwinistischen Betrachtungen. So meint er u.a.:

"The struggle for life, naked and cruel, which would I be? The one who’s fidgeting in the web? Or the one with the broken wings? The blind will to live, to devour, to destroy, and crawl over torn bodies, the Elan vital, the fittest always wins!" [5]

Chamberlain, der sein eigenes Leben als ziellos und kraftlos dahinfließend empfindet, hat Angst davor zu den Verlierern zu gehören, die im sozialdarwinistischen Sinn "gefressen werden".

2.1.2 Szene 2

Die Chamberlains treffen auf einige Passanten, die ihn als eigenartig und fremd empfinden.

2.1.3 Szene 3

Chamberlain will als Reaktion darauf ab nun nur noch Deutsch sprechen und so zur "Volksgemeinschaft" dazugehören. Er meint zu seiner Frau:

"Sprich ab jetzt Deutsch mit mir. Ich will nicht anders sein, sondern einer von ihnen. Sein wie sie, denken wie sie, in der Welt sein wie sie. Ohne Zweifel, ohne Fragen, tief verwurzelt in der Erde, der sie entstammen – und ich?"

2.1.4 Szene 4

In dieser Szene begegnen die Chamberlains einigen Wagnerianern, die anlässlich des Todes ihres Meisters zur Villa Wahnfried in Bayreuth pilgern. Auf einem Konzertflügel ist der tote Richard Wagner aufgebahrt. Die verklärten und Wagner blind verehrenden Jünger deuten bereits den folgenden Antisemitismus und Nationalismus an. Sie verspotten Chamberlain und einer von ihnen singt z.B.:

"Denn der Meister hat Feinde.Neider voll Missgunst, voll Niedertracht und Spott. Zeitungsschmierer, Tonsetzer, Verleger, schlimmer noch: Musikkritiker, schlimmer noch: Juden. Jüdische Musikkritiker. Er wächst an ihnen. Er kämpft für die heilige Sache, und wir an seiner Seite. Wir sind Wagnerianer, wir denken tief, wir denken deutsch. Und du bist nur ein englisches Nichts, Wagners nicht würdig."

Chamberlain fühlt sich dennoch zu Wagner und seinem Werk gerufen und meint:

"Er hat mich gerufen. Dort ist mein Platz."

Seine Frau kann seiner Begeisterung nicht folgen und antwortet enttäuscht:

"Und ich? Was wird aus uns? Diese Musik macht mir Angst. Diese Menschen, die mich keines Blickes würdigen. Verspottet haben sie dich. Zu diesen willst du gehören?"

2.1.5 Szene 5

3 Links und Quellen

3.1 Weblinks

3.1.1 Bilder / Fotos

3.1.2 Videos

3.1.3 Audios

3.2 Literatur

3.3 Einzelnachweise

  1. www.staatstheater.karlsruhe.de
  2. www.staatstheater.karlsruhe.de
  3. Funkelnde Musik mit Bilderflut - Die Oper "Wahnfried" hatte Premiere in Karlsruhe
  4. Hans-Christof Kraus: Über einige geistesgeschichtliche Vorraussetzungen des Nationalsozialismus; in Manuel Becker und Stephanie Bongartz (Hrsg.): Die weltanschaulichen Grundlagen des NS-Regimes - Ursprünge, Gegenentwürfe, Nachwirkungen, Schriftenreihe der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V., Band XV, LIT Verlag, Berlin, 2010, S. 32
  5. Dies und alle folgenden Zitate aus dem Libretto nach Das Libretto der Oper Wahnfried auf www.staatstheater.karlsruhe.de

3.4 Siehe auch

4 Hinweis zur Verwendung

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5 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Wahnfried (Oper)) vermutlich nicht.