Musik der Eskimo

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Singende Eskimo mit Rahmentrommeln (Qilaut)
Als Musik der Eskimo bezeichnet man die musikalischen Äußerungen der indigenen Volksgruppen, die im arktischen Zentral- und Nordostkanada, auf Grönland, in Nordalaska und beiderseits der Beringstraße leben.
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1 Funktion der Musik bei den Eskimos

  • Das traditionelle Weltbild der Eskimos ist von Schamanismus und Animismus bestimmt. Wie bei vielen schriftlosen Kulturen mit solchen Vorstellungen ist ihre Musik in ihrer Funktion deshalb ganz anders zu verstehen als Musik in Hochkulturen. Die musikalischen Äußerungen sind bestimmt durch das religiöse Weltbild. Die Funktion der Musik ist die religiöse Bewältigung des Lebens. Klänge, Melodien und Rhythmen sind überwiegend Werkzeuge der Magie. Musik ist folglich keine autonome künstlerische Äußerung, die man um ihrer selbst willen betreibt, sondern unerlässliches Mittel der Lebensbewältigung. Musizieren ist fast ausschließlich mit einem außermusikalischen Anlass verbunden. [1]
    Eskimoschamane um 1890
  • Der Schamane bewegt sich bei Nahrungsmangel und anderen Problemen der Gemeinschaft auf Seelenreise zu diversen übersinnlichen Geistern und Wesen. Dazu versetzt er sich mittels Tanz, Gesang und Trommelspiel in Ekstase. Durch Gesang ruft er die Geister herbei wenn er Kranke heilt, das Wetter beeinflusst bösen Zauber abwendet oder die Unfruchtbarkeit von Frauen bekämpft. Der Klang der Trommel ist dabei das wirksamste Mittel der Kommunikation mit Geistsubstanzen der Natur.
  • Neben diesen magischen Ritualen der Schamanen kommt die ausschließlich vokale Musik bei Tanzfesten zu Gehör, die allerdings auch mit schamanischen Handlungen in Beziehung stehen, aber nicht mit diesen identisch sind. Die mit leichtem Hüftschaukeln vor und zurück oder einzeln auf der Stelle tanzenden Männer und Frauen werden dabei von der Trommel und einem Frauenchor begleitet, der einstimmige Lieder vorträgt. [2] Bei den Rentier-Eskimos nennt man diese Gesänge Piherk.

2 Forschung

  • Erste Berichte über die Musik der Inuit reichen bis in das 19. Jahrhundert. Der Brite Sir John Ross kam im Jahr 1819 in den Lebensraum der Inuit, weil er die Nordwest-Passage suchte. In sein Logbuch schrieb er über ein ihm vorgeführtes Lied der Inuit, dass zwei Inuit tanzten und dazu "amnah ajah" und "hejaw, hejaw" sangen. Gegen Ende des Liedes habe das Lied sich auf einem schrillen Ton festgesetzt, bei dem die Worte "weehee, weehee" sehr schnell wiederholt wurden. Der dazu präsentierte Tanz der Inuit erinnerte Ross an epileptische Bewegungen.
  • Der Polarforscher Elisha Kane war im Jahr 1856 der erste, der ein Lied der Inuit notierte. Er beschrieb die Wirkung der sechstönigen Gestalt als disharmonisch.
  • Charles H. Davis notierte auf Polarexpeditionen von 1871 bis 1873 zwei Lieder der Inuit. Er bemerkte, dass die Melodie auf irregulären Intervallen und Intervallen die kleiner als ein Halbtonschritt waren beruhte. [3]
  • Emil Bessels beschrieb im Jahr 1879 den Bau der Eskimotrommeln und ihren Gesang. Das Trommelspiel der Inuit schilderte er folgendermaßen:
"In unregelmäßigen Intervallen schlägt er erbarmunslos auf sein Instrument, bewegt den Oberkörper bald zur Rechten, bald zur Linken und singt dazu eine Weise, welche sich träge, in den schwächsten Nuancen, um einen wechselnden Grundton windet." [4]
  • Eivind Astrup arrangierte ein Lied der Eskimo, dass er bei einer Expedition 1891/1892 gehört hatte, für Gesangsstimme und Klavier.
    Von Emil Bessels im Jahr 1879 notierter Eskimogesang
  • Eine erste umfassende Sammlung von 38 Eskimoliedern veröffentlichte der Deutsch-Amerikaner Robert Stein im Jahr 1902.
  • Nun wurden auch vermehrt Audioaufnahmen gemacht, da man außereuropäische Musik nur mit Notation meist nur mangelhaft in ihren Qualitäten erfassen kann. Auch Filmaufnahmen machte man, da sich die Bedeutung der Musik ohne den dazugehörigen Tanz oft nicht verstehen lässt.
  • Wesentliche Beiträge zur Forschung leistete später auch Zygmunt Estreicher-Rozbierski. Er stand der Musik der Eskimo allerdings noch befangen in überheblichen westlichen Musikvorstellungen gegenüber, und bezeichnete die Musik als primitiv und "von "geringer melodischer Erfindungskraft".
  • Der Norweger Christian Leden war dann der wichtigste Sammler traditioneller Eskimomusik zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Er dachte auch als erster über mögliche Beziehungen zwischen der Musik der Eskimos und der nordamerikanischen Indianer nach.
  • Weitere Beiträge zur Erforschung der Musik der Eskimos lieferten Robert Peary, Harry Whitney, Alfred Kroeber, Knud Rasmussen, Ludvig Mylius-Erichsen, Harald Moltke, Erik Holtved und Peter Freuchen.
  • In den 1960er-Jahren war vor allem das Dänische Folklore Archiv sehr aktiv. Es veranlasste Forschungsreisen und legte umfangreiche Tonarchive an. [5]

3 Merkmale der Eskimomusik

  • Die Eskimo selber haben kein spezielles Wort für "Musik". Das Wort welches der Bedeutung am ehesten kommt, nipi, beeinhaltet Musik, aber auch den Klang der Sprache und Geräusche.
  • Die Musik der Eskimo ist überwiegend vokal. Dazu tritt als wichtigstes Instrument die Trommel Qilaut.
  • Die rythmische Gestaltung kann durchaus komplex sein. Die Melodien weisen einen meist geringen Ambitus bis zu einer Sexte auf. Am häufigsten werden Sekunden und Terzen verwandt. Bruno Nettl beschreibt die Musik der Eskimo als eine der am einfachsten gaebauten des nordamerikanischen Kontinents, die charakterisiert ist durch den Gebrauch komplexer Rythmen und rezitativartiger Gesänge. Die Melodieambitus betrage fünf bis sechs Töne mit einer welligen Melodiebewegung mit häufigen Tonwiederholungen. [6]
  • Typisch ist auch der Kehlkopfgesang Katajjaq.
  • Lieder die oft lustige Geschichten über Menschen und Tiere erzählen nennt man pisinnquat.
  • Im Mackenzie-Delta ist ein Tanz mit mehreren beteiligten Trommlern verbreitet.

3.1 Instrumente

Das Streichinstrument Tautirut der kanadischen Eskimo
  • An Instrumenten sind die große Trommel Qilaut, sowie kleinere Trommeln und Rasseln verwandt.
  • Die Inuit in Kanada verwenden das Streichinstrument Tautirut, welches allerdings eventuell erst durch Europäer zu ihnen kam.
  • In Alaska ist auch das Streichinstrument Qelutviaq verbreitet. [7]

3.2 Einflüsse der Europäer

  • Durch die Ankunft europäischer Seeleute, speziell aus Schottland und Irland, wurde die Musik der Eskimo verändert. Instrumente wie das Akkordion oder die Maultrommel fanden Verbreitung und Tänze wie die Jigg oder Reel wurden beliebt. Auch Square-Dance und Kirchenlieder wurden von Walfängern, Händlern und Missionaren zu den Eskimos gebracht.
  • In Grönland ist die aus der europäischen Polka entwickelte Kalattuut bekannt, die u.a. durch den Akkordionspieler Louis Andreasen populär wurde. Mit der Gitarre begleitet werden modernere Lieder, die man imngiutit nennt.
  • Auch us-amerikanische Country- und Westernmusik hat bei den Eskimo Einzug gehalten. [8]
  • Inzwischen wird die traditionelle Musik der Eskimo, wie fast alle traditionellen Musikkulturen der Welt, zunehmend von westlicher Pop- und Rockmusik zurückgedrängt und droht in Vergessenheit zu geraten.
  • Es gibt aber auch Bemühungen, traditionelle Eskimomusik wiederzubeleben. So hatte die kanadische Eskimosängerin Tanya Tagaq mit dem traditionellen Kehlkopfgesang Katajjaq u.a. in Zusammenarbeit mit der isländischen Sängerin Björk oder dem Kronos Quartett auch internationalen Erfolg.

4 Links und Quellen

4.1 Siehe auch

4.2 Weblinks

4.2.1 Bilder / Fotos

4.2.2 Videos

4.3 Literatur

4.4 Einzelnachweise

  1. Hans Oersch und Carl Dahlhaus (Hrsg.): Neues Handbuch der Musikwissenschaft - Band 9 - Außereuropäische Musik (Teil 2), Laaber-Verlag, 1989, S. 257
  2. Hans Oersch und Carl Dahlhaus (Hrsg.): Neues Handbuch der Musikwissenschaft - Band 9 - Außereuropäische Musik (Teil 2), Laaber-Verlag, 1989, S. 303
  3. Michael Hauser: Traditional Inuit Songs from the Thule Area, Band I, Museum Tusculanum Press, 2010, S. 31 und 32
  4. Emil Bessels: Die Amerikanische Nordpol-Expedition, Engelmann, Leipzig, 1879, S. 372
  5. Michael Hauser: Traditional Inuit Songs from the Thule Area, Band I, Museum Tusculanum Press, 2010, S. 32 ff.
  6. Bruno Nettl: Music in primitive culture, Harvard University Press, 1956, S. 107 und 108
  7. Hans Oersch und Carl Dahlhaus (Hrsg.): Neues Handbuch der Musikwissenschaft - Band 9 - Außereuropäische Musik (Teil 2), Laaber-Verlag, 1989, S. 301 ff.
  8. Pamela R. Stern: Historical Dictionary of the Inuit, Scarecrow Press, 2004, S. 107

5 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Musik der Eskimo) vermutlich nicht.




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