Mumie (Historisch)

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Mumien sind durch physikalische oder chemische Verhältnisse vor Verwesung geschützte und in ihrer allgemeinen Form erhaltene tierische und menschliche Körper. Natürliche M. werden durch Trockenheit des Bodens am Begräbnisort, z. B. in der Sahara oder in der peruanischen Wüste, oder durch einen kalten austrocknenden Luftzug, wie im Bleikeller des Doms in Bremen oder auf dem Großen St. Bernhard, oder durch mineralische Bestandteile des Bodens (z. B. Alaungehalt) erzeugt.

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1 Geschichte

Unter den künstlichen Mumien, die durch besondere Präparation mit fäulniswidrigen Stoffen erzeugt werden, sind die ägyptischen M. seit alter Zeit berühmt. Das Wort Mumie stammt von dem arabischen Wort Mûmiyâ, welches ursprünglich verschiedene Erdharze (Asphalt u. a.) bezeichnet zu haben scheint, worauf der Name auf die ägyptischen M. übertragen wurde, die sich von derartigen Harzen erfüllt und durchdrungen zeigten. Schon Abd ul Latif, ein arabischer Reisender des 12. Jahrh., berichtet, daß man die nach Myrrhen duftenden M. in Ägypten zu medizinischen Zwecken verkaufe.

Noch im 16. Jahrh. und im Anfang des 17. Jahrh. wurde in Europa ein schwungvoller Handel damit betrieben, da sie als ein vorzügliches Heilmittel gegen Brüche, Wunden und Kontusionen galten, und selbst jetzt noch verlangen Landleute hier und da Mumie in den Apotheken.

2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die M. liegen in den ägyptischen Gräbern zum Teil in Sarkophagen oder in Särgen, welche nicht selten die äußere Form einer Mumie haben; namentlich gilt dies von dem innersten Kasten, welcher oft nur aus einer Art von Pappe gemacht ist; sie sind mit einer außerordentlichen Menge von Binden aus Leinwand, dem Byssus der Alten, in seltenen Fällen aus Baumwolle (man hat 100-1000 Ellen geschätzt), fest umwickelt, und der Kopf ist mitunter durch einen "Hypokephalos" gestützt.

In andern Gräbern, z. B. in thebanischen Volksgräbern, liegen die M. uneingesargt in Haufen zu Hunderten und Tausenden. Sie sind lang gestreckt, mit den Händen über der Brust oder über der Schoßgegend gekreuzt oder mit eng an der Seite liegenden Armen, Frauen zuweilen in der Stellung der Venus von Medici. Zwischen den Beinen oder Händen, seltener in den Achselhöhlen, findet man bei den Vornehmern religiöse Handschriften auf Papyrus, besonders aus dem "Totenbuch", womit bei Ärmern die Mumienbinden beschrieben sind. Am Bauch und auf der Brust, häufiger noch zwischen den Binden finden sich kleinere Amulette; die M. von Vornehmern sind oft mit Schmucksachen aus Gold und edlen Steinen, Halsbändern, Ringen, Ohrringen, Skarabäen, Amuletten und Götterfiguren geschmückt.

Bei einigen hat man auch Kränze aus Blättern und Blumen von oft wunderbarer Erhaltung und Ketten von Beeren gefunden. Die Haare sind meist kurz geschoren, bei Weibern manchmal lang und vortrefflich erhalten; die Schamhaare fehlen. Brust- und Bauchhöhle sind leer, durch Leinwandballen voneinander getrennt und mit einer harten, schwarzen, harzigen Substanz angefüllt. Die weiblichen Brüste finden sich nicht selten mit Leinwand ausgestopft oder mit Harz ausgegossen.

Die M. sind von den antiseptischen, harzigen und aromatischen Stoffen, mit welchen sie behandelt wurden, so vollständig durchdrungen, daß sie eine dunkelgelbe, rötliche, braune oder schwarze Farbe und einen nicht unangenehmen, aromatischen Geruch angenommen haben. Mariette hat beobachtet, daß die M. von Memphis schwarz, ausgetrocknet und sehr zerbrechlich sind, während die von Theben gelb, mattglänzend und oft noch geschmeidig sind, was auf eine verschiedenartige Behandlungsweise deutet; die linke Hand ist fast immer mit Ringen oder Skarabäen geschmückt.

Die Mumien der späteren Zeit sind schwarz und schwer und bilden mit den verpichten Binden eine unförmliche Masse. Schon der arabische Gelehrte Abd ul Latif erzählt von Goldstückchen, welche sich auf den M. fänden, und in vielen Museen hat man Exemplare, welche Vergoldung im Gesicht, auf den Augenlidern, auf den Lippen, an den Geschlechtsteilen, an Händen und Füßen zeigen.

3 Behandlungsmethoden

Die Art der Behandlung und Ausstattung ist bei den Mumien je nach Zeit, Ort und natürlich auch nach dem Stand eine sehr verschiedene gewesen; nach Herodot und Diodor gab es bei den alten Ägyptern drei Arten der Einbalsamierung: die erste habe 1 Talent (etwa 4500 Mk.) gekostet, die zweite 20 Minen (etwa 1500 Mk.), die dritte sei sehr preiswert gewesen.

Nach der ersten Art, welche die Körperformen am besten konservierte, wurden zunächst von den "Paraschisten" durch einen Seiteneinschnitt, der mit steinernem Messer geschehen mußte, die Eingeweide herausgenommen, welche teils in den sogen. Kanopenvasen besonders einbalsamiert und beigesetzt, teils, wenn wir einer Nachricht des Porphyrius Glauben schenken dürfen, in den Nil geworfen wurden; das Gehirn wurde vermittelst eines Hakens durch die Nase herausgezogen. Danach wurde der Leichnam mit Palmwein und aromatischen Ölen gewaschen und mit Myrrhen und Kassie angefüllt, oder er wurde mit sogen. Natron, einem von dem heutigen Natron genannten verschiedenen alkalischen Salz, imprägniert und danach mit Harzen und andern aromatischen und fäulniswidrigen Stoffen angefüllt, worauf man ihn 70 Tage trocknen ließ und ihn dann in Binden wickelte.

Die Einbalsamierung der zweiten Art geschah ohne Seiteneinschnitt, indem man, nach Entleerung der Baucheingeweide durch den After, den Leichnam mit Zedernöl anfüllte. Dies Verfahren dauerte ebenfalls 70 Tage. Die Einbalsamierung der dritten Art bestand im Waschen mit einer geringern Flüssigkeit (Syrmaia) und Einsalzung.

Viele M. wurden dann noch mit Pissasphalt, einem weniger reinen Asphalt, umgeben, so daß sie ganz schwarz und unkenntlich wurden. Die alten Schriftsteller haben indes nur im allgemeinen das Verfahren der Einbalsamierung beschrieben und erwähnen der Einzelheiten nicht, von denen die Einbalsamierungsrituale der alten Ägypter selbst sprechen. Es befinden sich dergleichen in Bulak und in Paris, und sie wurden von Maspero erklärt; leider sind sie unvollständig und in sehr dunkler Sprache abgefaßt; aromatisches Wasser verschiedener Art, allerlei kostbare Öle, Pech, Wohlgerüche, Natron, Blumen und andre Substanzen wurden danach reichlich und in mystischer Bedeutung angewandt.

In dem Papyrus Rhind, welchen Birch und Brugsch übersetzten, heißt es von einem Verstorbenen: "er sei gereinigt mit dem Wasser aus Elefantine (dem Nil) und mit dem Natron aus Eileithyiaspolis und mit der Milch der Stadt Kim". Diese Texte sind verhältnismäßig jung; aber schon im Totenbuch heißt es, der Verstorbene sei von allem Schmutzigen durch die Entfernung der Eingeweide befreit und durch ein Bad im Salzbassin und im Natronbassin gereinigt. Die Einwickelung in die Binden, welche mit jedem einzelnen Glied besonders vorgenommen wurde, geschah gleichfalls unter mystischen Zeremonien, unter Sprüchen und Gebeten, wie denn ja das ganze Verfahren in der Religion der alten Ägypter tief begründet ist.

Sie mumifizierten auch die Körper ihrer heiligen Tiere, namentlich Ibisse, Geier, Sperber, Eulen, Katzen, Schakale, Krokodile, Affen, Mäuse, Fledermäuse, die Köpfe von Stieren und Widdern, Schlangen, einzelne Fischarten, Käfer u. a.

Außer den alten Ägyptern verstanden sich auch die alten Guanchen auf den Kanarischen Inseln auf die Einbalsamierung; ihre M. sind in Ziegenfelle eingenäht und gut erhalten. Diese, wie auch die Mexikaner und Peruaner, trockneten, wie es scheint, die Leichname an der Luft oder durch Begraben in einem sehr trocknen Boden; die M. der letztern finden sich in hockender Stellung, mit beiden Händen das Gesicht verdeckend (vgl. Reiß und Stübel, Das Totenfeld von Ancon in Peru, Berl. 1887). s. Amerikanische Altertümer

Auch bei den birmanischen Priestern besteht die Sitte der Einbalsamierung, welche meistens mit dem Glauben an ein Wiederaufleben der toten Körper zusammenhängt. In neuerer Zeit mit den Mitteln der fortgeschrittenen Chemie, würde man, wenn darauf Wert gelegt würde, ebenso vollkommene M. erzeugen können als im alten Ägypten, wie unter andern Brunnetti in Padua mit seinen künstlich versteinerten Leichen bewiesen hat. Vgl. Einbalsamieren.

4 Mumien in der Volksmedizin

In dem Heilsystem des Paracelsus u. seiner Nachfolger spielten neue Mumien, die man aus den Körpern von Gehenkten wie denjenigen lebender Menschen bereitete, eine große Rolle, ebenso im Hexenglauben, indem man durch Benutzung derselben den Lebenden schaden zu können glaubte. Daher kam die im Volk lebendige Vorsicht, Haare und Nägelabschnitte zu verbrennen, damit sie nicht in böse Hände fallen können.

5 Quelle

6 Weblinks

 Commons: Mumien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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