Julij Dmitrievič Engel

Aus PlusPedia
(Weitergeleitet von Joel Engel)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieser Artikel wurde exklusiv für das Fernbacher Jewish Music Research Center geschrieben und darf ausdrücklich und unter Strafandrohung nicht in anderen Projekten/Wikis verwandt werden.


Icon tools.svg Übrigens: Die PlusPedia ist NICHT die Wikipedia. Dein Wissen zählt!
Hast du Informationen zu "Julij Dmitrievič Engel" (Auch kleine?) Hilf uns, diesen Artikel zu ergänzen, auszubauen und mitzugestalten!
... Lies hier nach wie es geht - Teile Dein Wissen mit uns!

Wir können zudem auch Spenden gebrauchen.

Profil.png Profil: Engel, Julij Dmitrievič
Namen Engel, Joel
Persönliche Daten
1986
Berdyansk in der Ukraine
11. Februar 1927
Tel Aviv


Julij Dmitrievič Engel, bekannter als Joel Engel, (* 1868 in Berdyansk in der Ukraine; gest. 11. Februar 1927 in Tel Aviv) war ein jüdischer Komponist, Musiklehrer, Musikkritiker und Pionier der jüdischen Volksmusikforschung.
Joel Engel (links) und der Schriftsteller, Journalist und Ethnograph Salomon An-Ski

1 Vita

1.1 Ausbildung

1.2 Beruflicher Werdegang

1.2.1 Musikredakteur

  • Nach seinem Studium arbeitete er als Musikredakteur für die Zeitung Russkije Vedomosti.
  • Dadurch wurde er zu einer einflussreichen Figur des russischen Musiklebens. Seine Artikel wurden sehr gelobt. Positiv über seine Beiträge sprachen sich u.a. die Komponisten Cesar Cui und Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow aus.
    Für jüdische Volksmusik typischer übermäßiger Sekundschritt (hier b - cis) in Joel Engels 5 Klavierstücke (op. 15, Nr. 1) aus dem Jahr 1919
    [1]
  • Er publizierte u.a. auch die russische Ausgabe von Riemanns Musiklexikon.
  • Im Jahr 1918 musste er die Arbeit bei der Zeitung aufgeben, weil diese von den Bolschewisten verboten wurde. Er wandte sich vermehrt der Komposition eigener Werke zu.

1.2.2 Jüdische Musik

  • Bis zum Jahr 1897 hatte er kein großes Interesse an Jüdischer Musik. Zur Beschäftigung damit führte ihn ein Treffen mit dem einflussreichen russischen Kunstkritiker Wladimir Wassiljewitsch Stassow im Jahr 1897. Stassow, ein Befürworter des russisch-slawischen in der Kunst, regte Engel an, sich mit der Musik seiner eigenen Volksgruppe zu befassen. Noch im selben Jahr begab er sich in das jüdische Ansiedlungsrayon um in den Dörfern jüdische Volksmusik zu sammeln. Diese arrangierte er dann in Moskau und präsentierte sie drei Jahre später in Vorträgen am Polytechnischen Museum von Moskau und der Ethnografischen Gesellschaft von Sankt Petersburg. Im Jahr 1902 präsentierte er die Ergebnisse zusammen mit Pesach Marek, der ebenfalls jüdische Volksmusik sammelte, vor der Moskauer Gesellschaft für Naturwissenschaften, Anthropologie und Ethnographie (ОЛЕАЭ).[2]
  • Sein Ziel war es, andere jüdischen Komponisten für ihr nationales musikalisches Erbe zu begeistern. Engel informierte die Zuhörerschaft dabei häufig auch durch Vorträge über den kulturellen und poetischen Hintergrund jüdischer Volksmusik.
  • Ein Vortrag von Engel mit anschließendem Konzert war wohl eine der ersten Veranstaltungen speziell zu jüdischer Musik in Europa überhaupt. [3]
  • Im Jahr 1908 gründete er mit anderen die Gesellschaft für jüdische Volksmusik in St. Petersburg.
  • Diese publizierte Noten jüdischer Volksmusik und veranstaltete Konzerte. Später weltbekannte Musiker, wie bsp. der Geiger Jascha Heifetz, Joseph Achron oder der Pianist Leopold Godowsky nahmen daran teil.
  • Im Jahr 1912 unternahm er mit Salomon An-Ski eine Expedition, bei der sie wie Bela Bartok Volksmusik phonografisch aufzeichneten.
  • 1922 ging er nach Berlin, um dort und in Leipzig jüdische Musik in Konzertreihen zu präsentieren. In Berlin gründete er auch den Verlag Juval, der jüdische Volksmusik sowie eigene Werke von ihm herausgab. [4]
  • Im Jahr 1924 hielt er Konzerte und Vorträge in Palästina ab. Er blieb dann gleich dort, und nahm eine Arbeit am Ron Shulamit-Konservatorium an. Nur drei Jahre nach seiner Übersiedlung nach Palästina starb er dann.
  • Seine lebenslange Pionierarbeit im Bereich der jüdischen Volksmusikforschung inspirierte zahlreiche jüdische Komponisten und löste eine "Renaissance jüdischer Musik" aus.
  • Mit dem russisch-jüdischen Komponisten und Musikethnologen Lazare Saminsky lag Engel wegen seinem gänzlich anderen Verständnis jüdischer Volksmusik quer. Während Saminsky nur von nichtjüdischen Kultureinflüssen unbeeinflusste Musik als authentisch gelten ließ, betonte Engel, dass jüdische Volksmusik immer in regem Austausch mit der umgebenden Kultur gestanden habe. Er meinte - durchaus dem heutigen Forschungsstand entsprechend - u.a.:
"Welches Volkslied ist frei von Überlagerungen. Es sind doch nicht die Überlagerungen, die wirklich von Belang sind. Viel wichtiger ist die Frage, ob das jüdische Volkslied, als Ganzes betrachtet, eine eigene musikalische Spezifik aufweist. Und diese Frage ist zu bejahen. Ja mehr noch: Das jüdische Volkslied prägt dem, was es von seinen Nachbarn übernimmt, seine eigenen Züge auf." [5]

1.2.3 Eigene Kompositionen

Gedenktafel für Joel Engel in Tel Aviv
  • Engel komponierte neben jüdischen Volksliedern Klaviermusik und Kammermusik. Großformatige und orchestrale Werke fehlen in seinem Oeuvre.
  • Viele seiner Kompositionen beruhen auf jüdischer Volksmusik.
  • Er war einer der ersten Komponisten, die erkannten, dass jüdische Musik weniger auf der abendländischen Dur-Moll-Tonalität beruht, sondern eher auf nahöstlichen Modalleitern basiert. Diese Erkenntnis setzte er auch in seinen Kompositionen um. So verwendet er bsp. in seiner Dybbuk-Suite, op. 35 einen Akkord mit übermäßiger Quinte anstatt einen "normalen abendländischen Akkord". Sein Stück Volksweise aus den 5 Klavierstücken, op. 19 (siehe Bild 1) basiert bsp. mit dem übermäßigen Sekundschritt b - cis auf der jüdischen Tonleiter Ahava Rabbah. Ungewöhnlich ist in diesem Stück auch die Tonkombination a - cis - f- a2 in Takt vier der Komposition, (siehe Bild 1) die einen A-Dur-Akkord mit übermäßiger Quinte darstellt.
  • Viele seiner Kompositionen sind, trotz des Bemühens um die Verarbeitung jüdischer Volksmusik, doch deutlich von der russischen Salonmusik der Jahrhundertwende geprägt, und vermögen den heutigen Hörer nur noch bedingt zu überzeugen. [6]
  • Er komponierte die Musik für das Stück Der Dybbuk (דער דיבוק אָדער צווישן צוויי וועלט). [7] Das Stück wurde das damals erfolgreichste Werk im "jüdischen Sujet". Es erlebte tausende von Aufführungen auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Sprachen. [8] Das Werk inspirierte auch andere, wie bsp. den US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland. [9]
  • In Palästina wandte sich Engel verstärkt der Komposition von Liedern für Kinder zu. Zusammen mit dem jüdischen Erzieher Yehiel Halperin schrieb er z.B. 30 neue Lieder für Kindergärten. [10] [11]
  • Obwohl Joel Engels Kompositionen, wie bsp. die Dybbuk-Suite op. 35, einst sehr populär waren, ist seine Musik heute großteils vergessen. [12] [13]

2 Ehrungen

  • Nach ihm ist der Joel-Engel-Preis für Komponisten der Stadt Tel Aviv, [14] in der es auch eine Joel Engel-Straße gibt, benannt.

3 Links und Quellen

3.1 Siehe auch

3.2 Weblinks

3.2.1 Bilder / Fotos

3.2.2 Videos

3.3 Quellen

3.4 Literatur

  • Jascha Nemtsov: Enzyklopädisches Findbuch zum Archiv der "Neuen Jüdischen Schule", Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2008, Seite 194 ff.
  • Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, Seite 53, 55, 146-151, 213 und 214, 239 und 240, 245, 248 und 279

3.5 Einzelnachweise

  1. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 146
  2. Irene Heskes: Passport to Jewish Music - Its History, Traditions, and Culture, Greenwood Press, 1994, S. 146 und 147
  3. Beate Schröder-Nauenburg: "Der Eintritt des Jüdischen in die Welt der Kunstmusik, Jüdische Musik - Band V, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2007, Seite 42
  4. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 163
  5. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik? - Fremdbilder - Eigenbilder, Böhlau Verlag, Köln, 2004, Seite 164
  6. Albert Weisser: The Modern Rennaisance of Jewish Music - Events and Figures, Verlag Bloch, New York, 1954, Seite 73
  7. Anm.: Ursprünglich wollte George Gershwin diesen Stoff vertonen, was aber letztlich an Urheberrechtsfragen scheiterte
  8. Milken Archive of Jewih Music
  9. Anm.: Dieser schrieb in Bezug auf sein Werk Vitebsk (Study on a Jewish Theme): "The Trio Vitebsk was completed in 1929 and first performed at a concert of the League of Composers in New York in February of thar year. The Jewish folk theme, which is used as an integral part of the work, was heard by the composer during a performance of An-sky? s play The Dybbuk. That circumstance supplied the composer with his title."; zitiert nach Gabriella Safran und Steven J. Zipperstein (Hrsg.): The Worlds of S. An-sky - A Russian Jewish Intellectual at the Turn of the Century, Stanford University Press, 2006, Seite 223 und 224
  10. Shai Burstyn: Across the Cultural Divide - Immigrant Oriental Jewish Children meet Israeli Folksong
  11. Five Books by "HaGina" Publishing House - Jerusalem, 1925-1930
  12. Joel Engel - The Dybbuk Suite, op. 35 (1922) auf www.promusicahebraica.org
  13. Artikel über das Werk auf www.jewishvirtuallibrary.org
  14. www.yivoencyclopedia.org

4 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Julij Dmitrievič Engel) vermutlich nicht.