Christenverfolgung in der Türkei

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"Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen." (Matthäus 5, 11)

Die Christenverfolgung in der Türkei hat eine lange Geschichte und ist auch heute noch an der Tagesordnung. Das Christentum hatte sich vor rund 2000 Jahren im Gebiet der heutigen Türkei ausgebreitet und blieb über Jahrhunderte die vorherrschende Religion. Am Ende des 4. Jahrhunderts wurde es Staatsreligion. Ab dem 11. Jahrhundert breitete sich hier der Islam aus, die Christen wurden zur Minderheit im Land. Erste Christenverfolgungen begannen im 19. Jahrhundert und richteten sich zunächst gegen die armenischen Christen. 1843 wurden mindestens 10.000 Menschen ermordet, Frauen und Kinder wurden z. T. in die Sklaverei verkauft. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch etwa zwei Millionen Christen in der Türkei. 1894–1896 wurden bei Pogromen 80.000 bis 300.000 armenische und assyrische Christen getötet.

1 20. Jahrhundert

Trotz des muilitärischen Bündnisses zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich wurden die Christenverfolgungen auch während des Ersten Weltkrieges fortgesetzt und gipfelten schließlich im Völkermord an den Armeniern.

1955 verließen nach dem vor allem gegen Griechen gerichteten Pogrom von Istanbul Tausende griechisch-orthodoxe Einwohner die Stadt.[1] Von 110.000 Griechen im Jahr 1923[2] waren zehn Jahre nach dem Pogrom nur noch 48.000 geblieben.[3]

Die traditionellen Triebkräfte der Christenverfolgung in der Türkei sind eine Kombination von gesetzlichen Einschränkungen und gesellschaftlichen Anfeindungen, die tief in der nationalistischen und säkularen Ideologie des Landes verwurzelt sind. Christliche Kirchen haben keine eigene Rechtspersönlichkeit und kirchliche Bauvorhaben sind einem extrem komplizierten und langwierigen Genehmigungsverfahren unterworfen. Die Kirchen dürfen keine Geistlichen ausbilden. Renovierungsvorhaben müssen durch das Außenministerium genehmigt werden.

Die Rechte von religiösen Minderheiten werden zwar verfassungsmäßig geschützt, aber es gibt auch viele behördliche Verbote, die religiöse Aktivitäten von Christen betreffen. Immer wieder kommt es zu Gewalt gegen Christen. Etliche Christen und wurden von Muslimen ermordet. Von der türkischen Justiz werden Morde von Muslimen an Christen ("Ungläubigen") kaum verfolgt.

2 21. Jahrhundert

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts Die nationale Ideologie des Landes bietet in der Praxis keinen Schutz für Minderheiten. Der Nationalismus hat nicht nur zur Verfolgung von Christen, sondern auch von anderen Minderheiten wie den Alewiten und den Kurden geführt. Deshalb sieht man Christen als Bürger an, aber niemals als Türken an.[4] Menschenrechtsorganisationen wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) beurteilen die Behandlung und Situation der türkischen Christen negativ.[5]

  • Die Zeitung Die Welt schreibt dazu u.a.:
"Auch in der Türkei ist es nach aller Erfahrung offenbar nicht schwer, nach Morden an Christen einfach unbehelligt abzutauchen, selbst dort werden Christengemeinden nicht als Körperschaften anerkannt, selbst dort dürfen sie keine Priester ausbilden." [6]
"Eine der weltweit unerbittlichsten Christenverfolgungen spielt sich direkt vor der Haustüre Europas ab: in der Türkei, NATO-Mitglied und EU-Bewerberland, ist die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Die offizielle Religionsfreiheit der Verfassung der Türkei ist nichts weiter als eine – nach außen erfolgreich verteidigte – Schimäre." [7]
  • Im Jahr 2006 hat Papst Benedikt während seines Türkei-Besuchs die zivilen Behörden augefordert, ihrer Verpflichtung nachzukommen, die tatsächliche Freiheit aller Gläubigen zu garantieren und ihnen zu erlauben, sich in Freiheit zu organisieren.

3 Video

4 Links und Quellen

4.1 Siehe auch

4.2 Weblinks

4.2.1 Bilder / Fotos

4.2.2 Videos

4.3 Quellen

4.4 Literatur

4.5 Naviblock

4.6 Siehe auch

Christenverfolgung im 21. Jahrhundert

4.7 Einzelnachweise

  1. S.8 (PDF; 350 kB) – Wide-scale violence against the Greek community of Istanbul, believed to have been engineered by the Turkish government of then Prime Minister Adnan Menderes, destroyed an estimated 3-4,000 shops and precipitated the exodus of thousands of ethnic Greeks from the city in 1955.
  2. Fotios Moustakis The Greek-Turkish relationship and NATO, S. 90With regards to the Greek population in Turkey [...] they have declined from about 110,000 at the time of the signing of the Lausanne Treaty in 1923
  3. James B. Cuno Who owns antiquity?, S. 80 - Ten years after the so-called „Istanbul Pogrom“, the Greek population of Istanbul was only 48,000.
  4. https://www.opendoors.de/verfolgung/laenderprofile/turkei
  5. Christliche Minderheiten der Türkei
  6. Alle fünf Minuten wird ein Christ getötet
  7. Michael Mannheimer: Die Lüge von der religiösen Toleranz des NATO-Partners und EU-Bewerbers Türkei