Biobaumwolle

Aus PlusPedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Biobaumwolle wird im Gegensatz zu konventioneller Baumwolle, in kontrolliert biologischen Agrarsystemen nach festen Standards angebaut. Kontrolliert biologischer Anbau (kbA) bedeutet dabei, dass der Einsatz von toxischen und persistenten (nicht abbaubaren) chemischen Düngern oder Pflanzenschutzmitteln, sowie von gentechnisch veränderten Organismen verboten ist.

1 Zahlen und Fakten

Das erste Biobaumwoll-Projekt startete 1990 in Ägypten. Im Jahre 2007 wurden insgesamt 265.517 Ballen Biobaumwolle in über 24 Ländern (z.B. Benin, Burkina Faso, Mali) hergestellt, wobei die 10 weltweit größten Produzenten von Bio-Baumwolle die Türkei, Indien, China, Syrien, Peru, Uganda, Tansania, Israel, die USA und Pakistan sind. Die Produktion steigt seitdem zwar stetig um jährlich ca. 50% an, aber der Anteil von Biobaumwolle liegt trotzdem, mit jährlich etwa 25.000 Tonnen, bei gerade einmal 0,1% der weltweiten Produktion (Konventionelle Baumwollproduktion: Jährlich ca. 25 Millionen Tonnen).

2 Anbau

Die Ziele von kontrolliert biologischem Anbau (kbA) sind die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten und eine diversifizierte landwirtschaftliche Nutzung zu betreiben. Um dies zu erreichen wird versucht eine möglichst bodenschonende Fruchtfolge einzuhalten. Zum Beispiel werden in einem Jahr die Felder mit Biobaumwolle und Erdnüssen bepflanzt, im darauf folgenden Jahr wird ausschließlich Mais angebaut. Nach dessen Ernte soll sich der Boden (z.B. durch Grasbepflanzung) erholen um schließlich im dritten Jahr ausreichend Nährstoffe für reinen Biobaumwoll-Anbau zu liefern. Durch den Fruchtwechsel wird die Vermehrung von Schädlingen vermieden, wodurch auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, Pestiziden, Insektiziden usw. verzichtet werden kann, denn dieser ist beim Anbau von Biobaumwolle grundsätzlich verboten. Verwendet werden deshalb ausschließlich natürliche Dünger (Kompost, Kuhdung, usw.), die keine Belastung für die Natur darstellen.

3 Vorteile

Anbau, Produktion und Nutzung von Biobaumwolle bzw. biologisch hergestellten Textilien hat entscheidende Vorteile gegenüber der Verwendung konventioneller Baumwolle:

3.1 Umwelt

In der Herstellung von herkömmlicher Baumwolle werden mehr Chemikalien verwendet, als im Anbau jeder anderen Pflanze. Laut Pesticide Action Network (PAN) werden in der Baumwollproduktion etwa 25% aller weltweit verwendeten Insektizide und 11% aller Pestizide eingesetzt, obwohl der Anteil von Baumwolle nur 2,4% der gesamten globalen Agrarnutzfläche ausmacht. Viele dieser Pflanzenschutzmittel sind Nervengifte die früher als chemische Waffen eingesetzt wurden. Die durch solche Pflanzenschutzmittel drohenden Verschmutzungen von Luft, (Ab-)Wasser und Boden werden durch ausschließlichen Gebrauch von Naturdüngern vermieden. Das schützt nachhaltig die Umwelt. Desweiteren ist der Wasserverbrauch in der Produktion von Bio-Baumwolle wesentlich geringer als bei konventioneller Herstellung: Während für die Produktion von 1 kg Baumwolle etwa 29.000 Liter Wasser benötigt werden, braucht man zur Fertigung von 1 kg Biobaumwolle lediglich rund 7000 Liter an künstlicher Bewässerung, da Niederschläge meist zur Bewässerung ausreichen.

3.2 Bauern und Arbeiter

Nach Schätzungen der WHO (World Health Organization) sterben täglich etwa 70 Feld- und 80 Fabrikarbeiter an den Folgen der Verwendung chemischer Substanzen im konventionellen Baumwollanbau. Darunter viele Kinder unter 14 Jahren. Krankheiten wie Allergien, Asthma, Neurodermitis oder Krebs sind vor allem darauf zurückzuführen, dass die Feldarbeiter teilweise ohne Schutzkleidung oder Atemschutz auf den Feldern Pflanzenschutzmitteln etc. versprühen und die Luft in Fabriken, durch die mit Schadstoff belasteten Textilien, schlecht ist. In der Produktion von Bio-Baumwolle werden solche Beschwerden oder Krankheiten vermieden, da auf den Einsatz chemischer Substanzen vollständig verzichtet wird. Außerdem müssen in der gesamten Produktionskette von Bio-Baumwolle und biologischen Textilien soziale Standards eingehalten werden. Es gibt keine Kinder- oder Zwangsarbeit, keine Ausbeutung. Dafür aber gerechte Löhne, faire Arbeitszeiten, bezahlte Überstunden, Recht zur Bildung von Gewerkschaften, sichere Maschinen usw. (Fairer Handel). Biobaumwollbauern, Fabrikarbeiter und deren Familien profitieren also in zweierlei Hinsicht vom Anbau von Biobaumwolle: Ihre Gesundheit wird geschützt und ihre Lebensqualität erhöht (Laut FibL Aktuell erwirtschaften Bauern mit biologischem Anbau ein um 30 – 40% höheres Einkommen.)

3.3 Ökonomie

Bio-Baumwolle ist zwar in der Herstellung teurer, dennoch ist der zu erzielende wirtschaftliche Ertrag mindestens gleich hoch wie bei konventioneller Baumwolle, da durch die höhere Qualität, der daraus produzierten Werbetextilien, ein 20 - 40% höherer Preis gerechtfertigt ist und Kosten für Pflanzenschutzmittel und künstliche Dünger wegfallen. Dennoch haben Biobaumwollbauern nicht wesentlich mehr Arbeit. Zwar müssen sie mehr jähten, jedoch verringert sich dafür die Zeit die sie für Schädlingsbekämpfung usw. aufbringen müssen deutlich. Zudem haben die Landwirte neben höherem Einkommen ein deutlich geringeres wirtschaftliches Risiko und den Vorteil einer nachhaltigeren Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen.

3.4 Endverbraucher

Die Vorteile für den Konsumenten liegen vor allem im Einsatz von natürlichen Düngern: Die Textilien sind komplett schadstofffrei, wodurch Hautirritationen durch Allergien oder Überreaktionen vermieden werden können. Zudem sind die Textilien meist qualitativ hochwertiger und langlebiger als Kleidung aus konventioneller Baumwolle.

4 Probleme

Als Nachteil biofairer Textilien sehen Verbraucher meist die etwas höheren Kosten: Zwar ist der Anbau von Bio-Baumwolle wirtschaftlicher, die Weiterverarbeitung zu Bio-Textilien ist jedoch um etwa 40% teurer als die Fertigung herkömmlicher Baumwollprodukte. Ein weiteres Problem bereiten die langen und kostenintensiven Umstellungsprozesse von herkömmlicher Baumwolle auf Biobaumwolle. Diese Umstellung dauert in etwa 3 Jahre, in denen die Produkte wirtschaftlich keine Vorteile bieten. In dieser Phase müssten eigentlich neue Maschinen angeschafft werden, damit die Biobaumwolle nicht mit herkömmlicher vermischt wird. Da diese aber meist zu teuer sind, müssen die vorhanden Maschinen aufwendig gereinigt werden. Zusätzlich müssen die Kosten für die Zertifizierungen getragen werden.

5 Zertifikate

Zertifikate garantieren dem Käufer, dass ein Bio-Baumwoll-Produkt tatsächlich aus Bio-Baumwolle hergestellt wurde. Zudem werden durch sie Zahlungen von Bioprämien an Landwirte, die kontrolliert biologisch anbauen, gefördert. Sowohl die Baumwollbauern als auch die Produktionsfirmen werden regelmäßig kontrolliert und daraufhin überprüft, ob sie nur Materialien verwenden, die in Anbau, Herstellung und Verarbeitung von Biobaumwolle genutzt werden dürfen. Nur wenn sie alle Richtlinien erfüllen werden sie zertifiziert. Das Zertifikat mit dem wohl höchsten ökologischen und sozialen Standard ist das Eko Sustainable Textile Zertifikat, das von der Control Union vergeben wird. Nur Textilien, nach den Richtlinien des GOTS (Global Organic Textile Standard) gefertigt werden erhalten dieses Zertifikat.

Eko Sustainable Textile Zertifikat der Control Union (Quelle: www.controlunion.com)

GOTS-Richtlinien-Beispiele
- Arbeit, Arbeitsplatz und Maschinen müssen nach den internationalen ISO-Standards abgesichert sein.
- In der Herstellung von Bio-Baumwolle sind Halogene, Azofarben, Chlor, Bleichmittel, Formaldehyd, usw. verboten.
- Soziale Standards (freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Bildung zu Gewerkschaften, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, gerechte Löhne und Arbeitszeiten, usw.) müssen eingehalten werden.
- In der Bio-Baumwoll-Industrie arbeiten nur Arbeiter mit offiziellen Arbeitsverträgen.
- Die Produktion von Bio-Baumwolle wird durch freie, unangemeldete Inspektionen, mit Zugang zu allen Produktionsbereichen kontrolliert.

6 Siehe auch

Fairer Handel
Baumwolle

7 Externe Links

8 Quellen


9 Init-Quelle

Entnommen aus der: Wikipedia, Löschdiskussion

Autoren: Mef.ellingen, ✓, BetterDressed