Wilhelm Friedrich Mittrich

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Wilhelm Friedrich Mittrich (* 1950 in Kiel) ist ein deutscher Unternehmer, der europaweit durch mehrere spektakuläre Firmenpleiten auf sich aufmerksam gemacht hat.

1 Karriere

1.1 Pleite als Hamburger Zeitungsverleger

Nach einem abgebrochenem Studium gründete Mittrich, der in Hamburg das Terminblatt Ultimo verlegte, im Jahr 1975 in der Hansestadt zusammen mit dem niederländischen Zeitungsunternehmen Nederlandse Dagblad Unie den Verlag Hanse-Rundschau, der 21 Anzeigenblätter mit einer Gesamtauflage von 900 000 Exemplaren herausgab. Die leitenden Redakteure für das neue Unternehmen hatte Mittrich größtenteils von der Hamburg-Ausgabe der Bild abgeworben. Der Verlag bezog in Hamburg-Barmbek großzügige Büroräume, wo auch der Satz der Anzeigenblätter erfolgte. Der auf dem Hamburger Zeitungsmarkt führende Axel Springer Verlag sah sein Anzeigengeschäft durch die Boulevardzeitung-mäßig aufgemachten Anzeigenblätter bedroht und gründete als Abwehrmaßnahme mit dem Hamburger Wochenblatt eigene kostenlose Stadtteilzeitungen. Aber nicht die Konkurrenz durch den Verlagskonzern brachte für Mittrich und die Niederländer schon nach wenigen Monaten das schnelle Aus. Der Spiegel nannte als Gründe für die Pleite „Größenwahnsinn“ und einen „zu groß aufgezogenen Vertriebs- und Verwaltungsapparat“.[1] Nach der Verlagspleite setzte sich Mittrich ins Ausland ab.

1.2 Berufsverbot in Großbritannien

Um das Jahr 2000 war Mittrich Geschäftsführer des britischen Internet-Musikanbieters Point Group Limited, der mit zehn Millionen Pfund Schulden in die Pleite ging. Als Grund wird hierfür angesehen, dass Mittrich knapp 750 000 Mark aus der Firma abzweigte und in den von ihm 1998 übernommenen Optical Disc Service (ODS) gesteckt haben soll. Die britische Regierung verbot ihm daraufhin im Jahr 2004 für vier Jahre ein Unternehmen zu führen oder zu gründen.[2] [3] Schon vorher stand Mittrichs Name im Zusammenhang mit der Bauträgerfirma Pecunia, die 2001 beim Bau des Ueckermünder Sportboothafens eine Millionenpleite hinlegte.

1.3 Aus für Europas größtes DVD-Werk

In Deutschland führte Mittrich trotzdem seine Geschäfte fort. Das 1990 in Dassow unter dem Namen ICP eröffnete DVD-Presswerk nannte sich nach einer ersten Insolvenz nun Optical Disc Service. 1200 Mitarbeiter produzierten hier täglich drei Millionen CDs und DVDs. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte die Einrichtung der Arbeitsplätze mit rund 70 Millionen Euro unterstützt. Zahlreiche deutsche Banken gewährten Millionenkredite. Das Unternehmen stieg zum größten Produzenten von CDs und DVDs für den europäischen Markt auf. Zu einem der wichtigsten Kunden zählte Universal Pictures. Laut Spiegel soll ODS für den Exklusivbelieferungsvertrag 6,8 Millionen Euro an die Hollywooder Filmstudios bezahlt haben. Weitere 10,4 Millionen Euro kostete ein gerichtlicher Lizenzstreit.[4] Um weiter Gewinne ausweisen zu können, sollen intern Firmenteile verkauft worden sein, die einen vermeintlichen Wert von 23 Millionen Euro erbrachten.

1.4 Wegen Kreditbetrugs verurteilt

Im Oktober 2007 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Aufgrund der gedrosselten Produktion kam es in einigen europäischen Ländern zu einer Verknappung von CDs und DVDs im Weihnachtsgeschäft. Die britische Tageszeitung Evening Standard schrieb dieses und den Zusammenbruch einer einheimischen Firma für Kinder-DVDs den Vorgängen bei Optical Disc Service zu. Am 29. Februar 2008 stellte das Dassower Werk die Produktion endgültig ein. Anfang August 2010 erhob die Staatsanwaltschaft Schwerin gegen die drei ehemaligen Geschäftsführer des DVD-Werks Anklage wegen millionenschweren Betruges. Weitere Anklagen wegen Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug und gewerbsmäßiger Patentverletzung liegen bereits seit Juni 2008 vor.[5] Nach rund fünf Jahre Ermittlungen und zwei Jahren Verhandlung wurde Mittrich im April 2013 vom Landgericht Schwerin wegen Kreditbetrugs zu 15 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.[6]

2 Politik

Mecklenburg-Vorpommerns vormaliger Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) hatte Mittrichs Dassower Firma während seiner Amtszeit dafür gelobt, dass dort Fördergelder gut angelegt worden seien. Gewerkschaftvertreter beklagten aber, dass nur üppige Beihilfen ein solches „Strohfeuer“ entfachen konnten.

3 Einzelnachweise

  1. Rüde Methoden, Der Spiegel Nr. 39/1979
  2. DVD-Werk: Ex-Chefs wieder mit am Ruder?, Lübecker Nachrichten vom 7. Februar 2008
  3. Dodgy director behind CDs shortage, Thisismoney 1. Februar 2008
  4. Dokument des Grauens, Der Spiegel Nr. 7/2008
  5. DVD-Werk: Ex-Chefs angeklagt, Lübecker Nachrichten vom 4. August 2010
  6. CD-Werk Dassow: Am Ende bleibt Kreditbetrug, Schweriner Volkszeitung vom 17. April 2013
Profil.png Profil: Mittrich, Wilhelm Friedrich
Beruf deutscher Unternehmer
Persönliche Daten
1950
Kiel



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Erster Autor: Olga Frau Olga angelegt am 22.08.2010 um 18:50,
Alle Autoren: Aalfons, Giftmischer, Frau Olga, Hhdw1, Schwäbin, MystBot, Amygdala77, Olga Frau Olga


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