Liberalismus

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Der Liberalismus ist eine Grundposition in Philosophie, Soziologie und Politik, die Freiheit als wichtigste Leitlinie zugrundeliegen hat. Er ist neben Konservatismus und Sozialismus (im Extrem Kommunismus) die dritte große politische Philosophie. Während der Konservatismus das zu Bewahrende und die Sicherheit als Hauptwerte hat und der Sozialismus die soziale Gleichheit aller Menschen in den Mittelpunkt stellt, basiert der Liberalismus auf der Idee der Freiheit des Einzelnen.[1]

1 Begriff

Der Begriff stammt von dem lateinisch Wort „liber“ = frei. Trotz des internationalen Sprachgebrauchs gibt es Unterschiede im Begriffsverständnis, die teilweise kulturell bedingt sind.

2 Politische Philosophie

Im Zentrum des Liberalismus steht das Individuum, sein Schutz gegenüber staatlichen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Freiheit. Die individuelle Freiheit ist nach liberaler Überzeugung die Grundnorm einer jeden Gesellschaft. Dabei wird unter Freiheit zunächst vor allem die Abwesenheit jeglicher Gewalt und jedes Zwangs verstanden, insbesondere von staatlicher Seite. In einem engeren Sinne liberalistischer Positionen beschränkt sich die Rolle des Staates auf den konkreten Schutz der Freiheit der Individuen und der die Freiheit garantierenden Rechtsordnung.

Der Liberalismus steht im Gegensatz zum Totalitarismus und ist die Voraussetzung für eine moderne, pluralistische und funktionale Demokratie. Bis in die Gegenwart betrachten sich auch Vertreter von nicht explizit liberalen Parteien als Liberale im Sinne der aufklärerischen Definition des Liberalismus. Der Liberalismus begründete eine Rechtfertigung dafür, sich von alten Lehren zu befreien, die sich für die Unfreiheit und rechtliche Ungleichheit des Menschen aussprachen. Im Unterschied zum Anarchismus lehnt der Liberalismus den Staat nicht ab, sondern sieht im Staat den Garanten für Freiheit und Eigentum. Es gibt aber durchaus unterschiedliche Auffassungen, was er zu dieser Sicherung zu tun hat und wie weit seine Aufgaben und Rechte gehen sollen.

3 Formen

Es existieren verschiedene Unterarten des Liberalismus. Vor allem:[2][3]

  • Klassischer Liberalismus: freiheitlich in Bezug im jeden gesellschaftlichen Aspekt.
  • Sozialer Liberalismus: freiheitlich in Bezug auf die Lebensführung, oft jedoch eher sozialistisch in Wirtschaftsfragen.
  • Nationaler Liberalismus: freiheitlich in Bezug auf das eigene Volk und auf die Wirtschaft, kritisch bis ablehnend gegenüber allem "Kulturfremden".
  • Neoliberalismus: freiheitlich vor allem in Bezug auf wirtschaftspolitische Themen, weniger interessiert an anderen Lebensbereichen - das gilt zum Beispiel für die FDP.

4 Geschichte liberaler Parteien

Als im 19. Jahrhundert die Vorläufer der modernen Parteien entstanden, gehörten die Liberalen von Anfang an dazu. Im Gegensatz zu den konservativen, katholischen und allmählich auch sozialistischen Parteien waren liberale Parteien meist lockerer organisiert und konnten weniger auf einem sozialen Fundament wie zum Beispiel dem katholischen Verbandswesen aufbauen. Für die Liberalen war die Entwicklung des Wahlrechts in vielen europäischen Ländern bis ins 20. Jahrhundert ein Vorteil. Bei knappen Mehrheiten kamen die Liberalen oft in eine Mittelposition als Kompromisskandidaten. Die Einführung des allgemeinen und Verhältniswahlrechts bedeutete eine bessere Ausgangslage für die Liberalen. In Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern verloren liberale Parteien in den 1920er Jahren infolge der politischen Radikalisierung an Boden. Zeitweilig waren es auch Parteizersplitterungen, die den Liberalen zu schaffen machten. Insgesamt haben liberale Parteien in fast allen Demokratien eine parlamentarische Vertretung und gehören neben den Christdemokraten oft zu den klassischen Regierungsparteien.

5 Liberalismus und Frauenemanzipation

Aufgrund seines Eintretens für die Freiheitsrechte des Individuums bot sich der linke Liberalismus als Bündnispartner der Frauenbewegung an. Dies gilt jedoch nicht für den klassischen Liberalismus, der Menschen weder nach Geschlecht noch anderen Merkmalen unterscheidet. Im klassischen Liberalismus ist jeder gleich an Rechten.[4] Dazu hat auch die bahnbrechende Schrift von John Stuart Mill The Subjection of Women (1869) beigetragen, in der er für die Gleichstellung der Frauen plädiert.

6 Literatur

  • Werner Becker: Die Freiheit, die wir meinen. Entscheidung für die liberale Demokratie, München, Piper 1982, ISBN 3-492-02761-X.
  • Klaus von Beyme: Liberalismus. Theorien des Liberalismus und Radikalismus im Zeitalter der Ideologien 1789-1945, Wiesbaden, Springer VS 2013, ISBN 978-3-658-03052-0.
  • Ralf Dahrendorf: Die Chancen der Krise. Über die Zukunft des Liberalismus, dva, Stuttgart 1983, ISBN 3-421-06148-3.
  • Wolfgang Fach: Die Regierung der Freiheit, Frankfurt a. M., Suhrkamp 2003, ISBN 3-518-12334-3.
  • Edmund Fawcett: Liberalism. The Life of an Idea, Princeton/Oxford, Princeton University Press 2014, ISBN 978-0-691-15689-7.
  • Lothar Gall (Hrsg.): Liberalismus, Königstein i. Ts., Athenäum 1985, ISBN 3-7610-7255-4.
  • Anthony de Jasay: Liberalismus neu gefaßt. Für eine entpolitisierte Gesellschaft, Berlin, Propyläen 1995, ISBN 3-549-05494-7.
  • Ralph Raico: Die Partei der Freiheit – Studien zur Geschichte des deutschen Liberalismus, Lucius & Lucius, Stuttgart 1999, ISBN 3-8282-0042-7
  • Rudolf Walter: Wirtschaftlicher Liberalismus. In: Geschichtliche Grundbegriffe". Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd. 3, Stuttgart, Ernst Klett 1982, ISBN 3-12-903870-1.

7 Zum Weiterlesen

8 Einzelnachweise

  1. Ralf Dahrendorf: Liberalism. In: John Eatwell/Murray Milgate/Peter Newman (Hrsg.): The Invisible Hand. The New Palgrave, Macmillan, London 1989
  2. Artikel „Liberalismus“, Willi Albers, Anton Zottmann (Hg.), Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft: (HdWW), Vandenhoeck & Ruprecht, 1980, S. 33.
  3. Willi Albers: Art. „Liberalismus.“ In: Willi Albers, Anton Zottmann: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), zugleich Neuauflage des Handwörterbuchs der Sozialwissenschaften, Bd. 5, Vandenhoeck & Ruprecht, 1980.
  4. Angelika Schaser: Helene Lange und Gertrud Bäumer. Eine politische Lebensgemeinschaft. Böhlau, Köln 2010, S. 35 u. 133–147 et passim.