Herman Berlinski

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Profil.png Profil: Berlinski, Herman
Persönliche Daten
18. August 1910
Leipzig
27. September 2001
Washington D.C.


Herman Berlinski (* 18. August 1910 in Leipzig; gest. 27. September 2001 in Washington D.C.) war ein jüdischer Pianist, Organist, Komponist, Chorleiter und Musikwissenschaftler. Er gilt als einer der bedeutendsten Erneuerer jüdischer Sakralmusik besonders auch für die Orgel. [1] Im Zentrum seines Schaffens stehen die zwischen 1956 und 2000 entstandenen 12 Orgelsinfonien. [2]
Der jüdische Pianist, Organist und Komponist Herman Berlinski an der Orgel.

1 Vita

  • Seine Eltern stammten aus Lódz, flohen aber später vor zunehmender poltischer Unsicherheit und Judenverfolgungen nach Leipzig. [3] Die Eltern behielten in Deutschland ihre polnische Staatsbürgerschaft.
  • Herman Berlinski war das jüngste von sechs Kindern seiner Eltern. Er wurde in den Traditionen des orthodoxen, aschkenasischen Judentums erzogen. Im Elternhaus wurde Jiddisch gesprochen. Herman Berlinski ging in Leipzig auf die Ephraim Carlebach-Schule, die einzige jüdische Schule der Stadt. Ab dem Alter von sechs Jahren erhielt er Klavierunterricht.
  • Von 1926 bis 1932 studierte er am Königlichen Konservatorium der Musik zu Leipzig Klavier, Tonsatz, Komposition und Dirigat. Seine dortigen Lehrer waren u.a. Otto Weinreich, Sigfrid Karg-Elert, Günther Raphael und Max Hochkofler.
  • 1933 floh er vor den Nazis nach Lódz. Dort gab er einige Konzerte. Weil er aber als polnischer Staatsbürger nicht zum Militärdienst wollte, ging er nach Paris. [4]
  • Dort studierte er bis 1937 Komposition und Klavier an der Ecole Normale de Musique und von 1937 bis 1939 an der Schola Cantorum. [5] Seine Lehrer in Paris waren u.a. Nadia Boulanger und Alfred Cortot. An der Schola Cantorum lernte er beim berühmten jüdischen Komponisten Leon Algazi viel über Jüdische Musik. In Paris schrieb er auch Musik für ein von jüdischen Emigranten gegründetes jiddisches Theater. Berlinski hatte auch Kontakt zur Komponistengruppe La Jeune France, der u.a. auch Olivier Messiaen angehörte.
  • Am 3. Mai 1934 heiratete er in Paris Sina Goldfein. Herman Berlinski beantragte die französische Staatsangehörigkeit, was zur Folge hatte, dass er in der Fremdenlegion dienen musste. So kam es, dass er beim Angriff der Deutschen auf Frankreich an der belgischen Grenze gegen die Deutsche Wehrmacht kämpfte.
  • 1941 migrierte er in die USA. Mit seiner Frau lebte er in Manhattan. 1942 wurde ihr Sohn David geboren. In New York hatte er bald regen Kontakt mit jüdischen Musikwissenschaftlern, Musikern und Komponisten, wie Lazar Weiner, Joseph Yasser, Abraham Wolf Binder oder Lazare Saminsky.

2 Werk

  • Herman Berlinski verwendet im Gegensatz zu Salomon Sulzer und Louis Lewandowski in verstärktem Maße Elemente traditioneller jüdischer Musik. So basieren seine Melodien oft auf traditionellen Tropen, Modi und historischen Motiven jüdischer Musik. Im dritten Satz seiner dritten Orgelsinfonie macht er z.B. ausgiebig Gebrauch von den traditionellen Modi Mahen Avot und Ahavah Rabah. Passend zum Charakter jüdischer Musik vermeidet er oft herkömmliche Dur-Moll-Tonalität und harmonisiert seine Kompositionen eher modal. Berlinski geht in seiner Musik auch eher von der hebräischen Psalmodie aus, die sehr frei, fast improvisatorisch ausgeführt wird und stark an die hebräische Sprache gebunden ist. [6]
  • In der Synagoge konnten sich seine Orgelwerke kaum durchsetzen. So wurden diese meist in Kirchen aufgeführt. Er selber meinte dazu u.a.:
"Weder die Kirche, und noch viel weniger die Synagoge, haben sich gegenüber der die Liturgie überwältigenden geistlichen Musik als allzu gestfreundlich erwiesen. Das war wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb Bachs große geistliche Werke so lange auf ihre Wiederauferstehung warten mussten." [7]
  • In seinem Werk Shofar Service (1964) für gemischten Chor, Tenor oder Bariton, Šōfār, zwei Trompeten und Orgel nach englischen Texten aus dem Reform Union Prayer Book setzt er das traditionelle jüdische Horninstrument Šōfār ein.

3 Literatur

4 Weblinks

4.1 Videos

5 Einzelnachweise

  1. Hans Maier: Böse Jahre, gute Jahre -Ein Leben 1931 ff., C.H. Beck, 3. Aufl., München, 2011, S. 396
  2. Achim Seip: Die Orgel in der Synagoge - fast vergessen und wiederentdeckt; in Manfred Keller und Jens Murken (Hrsg.): Jüdische Vielfalt zwischen Ruhr und Weser - Erträge der Biennale Musik & Kultur der Synagoge, LIT Verlag, Berlin, 2014, S. 263
  3. Hans Maier: Böse Jahre, gute Jahre, ein Leben 1931 ff., C. H. Beck, München, 2011, S. 396
  4. http://www.milkenarchive.org www.milkenarchive.org
  5. "Die Heiligen Zehn Gebote" - Uraufführung von Herman Berlinskis 12. Orgelsinfonie in Leipzig und München durch das Vocalensemble Darmstadt
  6. Tina Frühauf: Orgel und Orgelmusik in deutsch-jüdischer Kultur, Verlag Olms, 2005, S. 84
  7. zitiert nach Hans Maier: Böse Jahre, gute Jahre -Ein Leben 1931 ff., C.H. Beck, 3. Aufl., München, 2011, S. 397

6 Hinweis zur Verwendung

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7 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Herman Berlinski) vermutlich nicht.