Gustave Le Bon

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Gustave Le Bon (* 7. Mai 1841 in Nogent-le-Rotrou; † 13. Dezember 1931 in Paris) war ein französischer Mediziner, Anthropologe, Psychologe und Soziologe. Er gilt als einer der Begründer der Massenpsychologie, einem Teilgebiet der Sozialpsychologie. Sein bekanntestes Werk ist das 1895 veröffentlichte Buch Psychologie der Massen. Le Bons Wirkung auf die Nachwelt, wissenschaftlich auf Sigmund Freud und Max Weber, politisch insbesondere auf den Nationalsozialismus und seine Protagonisten, war groß. Einige seiner Werke – wie beispielsweise das Buch Psychologische Grundgesetze in der Völkerentwicklung – schreiben das Voranschreiten der Zivilisation einer dünnen Schicht von in erster Linie männlichen Individuen zu, die aus der Masse hervorstechen.[1] Sie werden bis heute von der Sozialpsychologie diskutiert.

Interessant sind Le Bon's Ausführungen zum Begriff Rasse beim Menschen: Er betrachtet sie nicht rein biologisch wie in der Rassenlehre, sondern die „Bildung einer Rasse“ bedeutet nach seiner Ansicht den Besitz einer „gemeinsamen Seele“. Dies werde nur über „jahrhundertelange Kreuzungen und ein gleichförmiges Dasein in gleicher Umgebung“ möglich. Unter den zivilisierten Völkern seien die wenigsten Rassen natürlicher Art, vielmehr seien es künstliche, unter geschichtlichen Bedingungen geschaffene Rassen. Flexibel auf eine neue Umgebung zu reagieren, sei nur den neuen Rassen möglich.[2][3] Ähnliche Gedanken finden sich in der Philosophie Mathilde Ludendorffs.[4]

In seinem Buch Psychologie des Sozialismus schreibt er: „Den Begriff der Rasse verstehe ich überhaupt nicht im anthropologischen Sinne, da seit langem, außer bei Naturvölkern, reine Rassen fast verschwunden sind. Bei zivilisierten Völkern gibt es jetzt nur noch das, was ich an anderer Stelle als »historische Rasse« bezeichnet habe, also jene Rasse, die vollständig durch historische Ereignisse geprägt ist. Solche Rassen entstehen, wenn ein Volk, das manchmal aus Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft besteht, seit Jahrhunderten ähnliche Lebensbedingungen und Lebensweisen, gemeinsame Institutionen und Überzeugungen sowie eine einheitliche Bildung tradierte. Solange die beteiligten Bevölkerungsgruppen nicht zu unterschiedliche Ursprünge haben, wie die Iren unter englischer Herrschaft und die heterogenen Rassen unter österreichischer Herrschaft, verschmelzen sie und erhalten eine nationale Seele, d.h. ähnliche Gefühle, Interessen und Denkweisen. Ein solches Werk wird nicht an einem Tag vollbracht, denn ein Volk wird nicht gebildet, eine Zivilisation nicht gegründet und eine historische Rasse nicht festgelegt, bis die Erschaffung einer nationalen Seele abgeschlossen ist. Erst wenn sie abgeschlossen ist, bildet ein Konglomerat von Individuen ohne Zusammenhalt, vereint durch die Gefahren von Eroberungen, Invasionen oder Annexionen, ein homogenes Volk. Seine Stärke wird dann zunehmen, weil es ein gemeinsames Ideal und einen gemeinsamen Willen hat und so zu großen gemeinsamen Anstrengungen fähig ist. Alle so vereinten Menschen einer Rasse bestimmen sich dann in ihrem Handeln nach ähnlichen Prinzipien. In allen wichtigen religiösen oder politischen Fragen werden sie ähnliche Ansichten vertreten. In der Art und Weise, wie sie mit jeder Angelegenheit umgehen, ob kommerziell, diplomatisch oder industriell, wird sich die Seele ihrer Rasse umgehend manifestieren.“[5]

1 Weblinks

 Commons: Gustave Le Bon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Gustave Le Bon – Quellen und Volltexte (français)

2 Vergleich zu Wikipedia




3 Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. LeBon, Gustave: Psychologische Grundgesetze in der Völkerentwicklung (online). Abgerufen am 25. Januar 2018. (deutsch)
  2. Gustave Le Bon: Psychologische Grundgesetze in der Völkerentwicklung, Leipzig 1922, Seiten 139 ff.
  3. Bei Wikipedia fehlte dazu die notwendige Sekundärliteratur; dennoch sind entsprechende Aussagen dort bis vor kurzem nicht beanstandet worden, wurden aber am 26. August 2019 dort gelöscht
  4. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43063318.html
  5. Zitiert nach: Psychologie des Sozialismus, tredition, Hamburg 2019, S. 123 f.

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